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Archiv für die 'Literarisches' Kategorie

Der folgende ebenso kleine wie wichtige literaturtheoretische Exkurs soll dem viel zu ernsten deutschen Publikum aus naheliegenden Gründen die Grob- und Feinheiten teutonischen Humors etwas näher bringen. „Sarkasmus ist die niedrigste Form des Witzes, aber die höchste Form der Intelligenz“, meinte Val McDermid in „Ein Ort für die Ewigkeit“. Na, das kann ja heiter werden… ;-)

Natürlich ist es, wieder mal, ein Tod, der mich nachdenken lässt. Der Tod von einem, den ich einfach vergessen hatte. Klar, dass er das nicht wollte. Klar, es ist ihm gelungen. Ich habe Heinz Kahlau nie persönlich getroffen. Sein Leben vor allem bis Mitte der sechziger Jahre gab dazu auch nicht unbedingt Anlass: Stasi-IM, Mauerbau bejaht… Aber: der Mann war ein Dichter im „Disneyland der Paranoia“ (Chris Lunch). Außerdem war er: Texter. Und das war in der DDR etwas Besonderes.

Es waren keine guten Tage, die letzten; Vaclav Havels Gehen beendet sie jetzt hoffentlich. “Wie sind wir so geworden, wie wir heute sind? Eine der Antworten wäre eine Liste mit Buchtiteln”, fragt und antwortet die Autorin der „Kindheitsmuster“ in denselben. Stimmt. Eine andere wäre eine Liste mit Filmen. Mir ist, als hätte ohne Ablösung in Sichtweite eine gleich zweifache Schildwacht für mich und meine Generation den Posten verlassen. Denn zwei, die meine Listen maßgeblich prägten, sind nicht mehr.

Christoph Hein war immer unbequem. Man denke an die Novelle „Der fremde Freund“ (1982) und deren gefühlskalte Ärztin Claudia: Seismograph für ein Land, das an Gleichförmigkeit litt, an einer Perspektive des Wartens, die nur noch wenige Erwartungen in sich trug. Und man denke erst recht an seine „Zensur“-Rede auf dem X. Schriftstellerkongress der DDR 1987. Und jetzt also wieder: ein unbequemes Buch. Ein Roman, der schon fast als zeitgeschichtliches Dokument gelten kann. Und den ich für sehr dringend, und sehr nötig halte.

Schon das zweite Posting hintereinander anlässlich eines Todesfalls – die Abschiede werden mehr und überwiegen die Ankünfte… Aber anders als mit Amy Winehouse‘ Musik verbinde ich mit Michael Cacoyannis viel mehr: einen der besten Filme aller Zeiten, nämlich „Alexis Sorbas“, mit einigen der besten Schauspieler aller Zeiten, eine kongeniale literarische Vorlage, eine grandiose Musik, dazu Reisen, Landschaften – und nicht zuletzt Lehrveranstaltungen. Das klingt chaotisch und will enträtselt sein.

“Der Boulevard ist eine perfekt entworfene und stets bestens gewartete Hysterie- und Trivialisierungsmaschinerie der Republik. Er ist die postmoderne Heldenschmiede einer heldensüchtigen Gesellschaft in ihrer ganzen unheroischen Gleichgültigkeit”, meinte Christian Schüle zu einem Mainzer Mediendisput. Anläßlich der Vorbereitung einer Sondervorlesung (u.a. über den Zusammenhang von Regierungs-PR und Boulevard) mache ich mir Gedanken über die soziale Trivialisierung, die auch Georg Seeßlens in seinem beeindruckenden Opus “Blödmaschine” gnadenlos seziert.

Daniel H. Pink, Ex-Redenschreiber von US-Vize Al Gore, hat (schon im Herbst) ein Buch vorgelegt, das ich jetzt erst las – und es in sich hat. Quintessenz: nach der Befriedigung von Grundbedürfnissen (Essen, Schlafen, Sex – Motivation 1.0) und der Befriedigung materieller Bedürfnisse (extrinsische Anreize als Belohnung – Motivation 2.0) sollten wir bei Strafe des Untergangs unser Heil in der Motivation 3.0 suchen – Sinnmaximierung statt Gewinnmaximierung. Das klingt so visionär wie es geschrieben ist – und ist in Pinks Logik absolut nachvollziehbar. Worum geht es?

Fundstück

Ein Käufer von Kafkas 1915 als Buch erschienener Erzählung „Die Verwandlung“ gab dem Autor buchstäblich “Kredit”. Getreu dem lateinischen „credo“ glaubte er, mit dem Buch das Leben seiner Cousine zu bereichern. Was er indes mehrte, war lediglich der Vorrat an Ungewissheit bzw. Ratlosigkeit im Kreis der Familie, den er eigentlich mit Wortkunst mindern wollte. Promp forderte er – promovierter Journalist (!) den Autor auf, die Ungewissheit höchstselbst zu beseitigen. Ein “Leserbrief” besonderer Art.

Eigentlich wollte ich mich nicht explizit zu Fukushima äußern. Die politischen Wirkungen in Deutschland liegen offen, über andere will ich derzeit nicht nachdenken. Aber da fielen mir während einer langen Bahnfahrt zwei dystopische Textes ein. Beide bewegten mich nicht so sehr bewegten wegen des Schreckens, sondern der Art des geradezu weihevollen Umgangs damit: Don deLillos warenfetischistischer Roman „Underworld“ (1997, dt. Köln 1998) und Gert Prokops „Muddies“, radioaktive Müllwüsten inmitten der „Nolands“, die in mehreren seiner grandiosen SF-Geschichten um den Privatdetektiv Timothy Truckle (1977, 1983) eine Rolle spielen. Das Weihevolle daran: beide gelten als Sehenswürdigkeit und erfreuen sich touristischen Zuspruchs. Wie ist das möglich?

Wo Welten walten…

Vor 100 Jahren (und ein paar Tagen mehr; 11.01.1911, “Der Demokrat”, Berlin) wurde Jacob van Hoddis’ “Weltende” erstmals publiziert – bis heute das “expressionistische Manifest”. Mich hat der Text seit meinem Studium nicht mehr losgelassen – und zu einer Neufassung inspiriert.

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