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Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;

wir sollten über die Kulturgeschichte der Toilette nachdenken. Auf den Gemeinschaftsklos im alten Rom hat man im doppelten Wortsinn große Geschäfte gemacht: es wurde nicht nur gekotet, sondern auch gehandelt. Auf Kaiser Vespasians Latrinensteuer geht die Redewendung „Pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht) zurück. Sicher nahm Sachsens Grünen-Fraktion diese Tradition zum Anlass, im August in einem Schreiben an die Landtagsverwaltung ihre Wünsche hinsichtlich des steuerzahlerfinanzierten Umbaus des Plenargebäudes 2018 zu äußern. Sie wünscht sich in den Toiletten: Aktenablagen.

Ein Witz? Keineswegs. Es gibt weltweit etwa 2,5 Milliarden Menschen, die derzeit keinen Zugang zu Toiletten haben. Deutschland dagegen, wo 1860 auf Schloss Ehrenburg in Coburg die erste, heute selbstverständliche Toilette mit Wasserspülung in Betrieb ging, leistet sich Luxusprobleme, die ob ihrer Dekadenz in der Regel nur grünen Hirnen entspringen konnten.

So forderte Dennis Pirdzuns, Vertreter der Grünen Hochschulgruppe, im AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) der Bergischen Universität Wuppertal im Juni 2016 die Anschaffung von Tampons auf Männertoiletten für „unter anderem trans, inter und nonbinary Personen“. Der Beschluss ging mit zwei Enthaltungen bei null Gegenstimmen durch.

Man rechnet, dass rund einer von 5000 Menschen eine derartige sexuelle Orientierung hat; das macht bei ca. 21 000 Studenten sage und schreibe vier, die einen solchen „Toilettenservice“ nutzen dürften. Damit wurde der überwältigenden Mehrheit der männlichen und weiblichen Studenten zugemutet, mit einem Teil des Semesterbeitrags von 286,22 € eine mehr als fragwürdige Anzahl von Personen zu alimentieren.

Brauchen wir aber wirklich Tampons auf Männertoiletten, nicht eher Angebote wie die Wuppertaler „Krabbelgruppe Uni-Zwerge“, die sich eine bessere Vereinbarkeit von Studium und Lehre mit Kind zum Ziel gesetzt hat? Die grüne Familienpolitikerin Doris Wagner nun missverstand das offenbar und verlangte im Oktober 2016 mit Bezugnahme auf einen Gesetzentwurf der Obama-Administration eine Wickeltischpflicht auf Herrentoiletten. Dass sich vor allem Mütter um das Kind kümmern, entspräche einem Elternbild aus der Steinzeit, zitiert sie der FOCUS.

Im Januar 2017 nahm prompt die Debatte um All-Gender-Toiletten an Fahrt auf. Für Andrea Roedig, Ex-Geschäftsführerin der Grünen Akademie der Heinrich-Böll-Stiftung, geht der Trend zur Unisex-Toilette. Sie bezeichnete im Deutschlandradio Kultur die Berliner Alice-Salomon-Hochschule als vorbildhaft, die neben den üblichen Toiletten auch vier All-Gender-Toiletten habe. „Wenn man unbedingt das geschlechtsspezifische Klo benutzen möchte, muss man gegebenenfalls etwas weiter laufen oder suchen.“ Für Trans-Personen sei es immer eine Beschämung, fürs falsche Geschlecht gehalten zu werden. „Aus dieser Perspektive ist die zweitoilettige Lösung immer ein Problem.“

Wer glaubt, dass dieser Nonsens nicht mehr komparierbar sei, hat seine Rechnung ohne den rot-rot-grünen Senat in Berlin gemacht. Im neuen 97seitigen „Toilettenkonzept“ (in Zusammenarbeit mit der Firma Zebralog und der Technischen Universität Berlin) heißt es, „dass es ungerecht sei, wenn nur Männer im Stehen urinieren dürfen, Frauen aber nicht“. Infolgedessen soll die öffentliche Toilette künftig eine „geschlechtsneutrale Einzelkabine“ sein, mit einem Sitzbecken und je einem Urinal für Frauen und Männer. „Wir wollen sicherstellen, dass es keine Versorgungslücke gibt“, sagt Senatssprecher Matthias Tang Anfang August zum „Berliner Kurier“. Versorgungslücke, soso.

Es wird übrigens mit Kosten bis zu 130 Millionen Euro gerechnet. Die Finanzierung der Klosetts soll durch sogenannte GRW-Mittel aus der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ erfolgen, für die Wirtschaftssenatorin Ramona Pop zuständig ist – wir ahnen es, eine Grüne.

Eine überforderte, fäkalfixierte Partei macht neuerdings mehr Politik für den Arsch als für das Volk. Wir brauchen uns gar nicht abzuschaffen. Wir scheißen uns ab, meint

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Thomas Hartung
Stellv. Landesvorsitzender

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;

wir sollten nochmal über Hamburg und den G 20 Gipfel nachdenken. Waren es nun 5.000 oder mehr militante autonome Linke, die durch die zweitgrößte Stadt Deutschland zogen? Die genaue Zahl ist einerlei, taten sie doch exakt das, was die Polizei befürchtet hat: sie steckten Autos in Brand, auch von normalen Familien und alten Frauen, zertrümmerten Scheiben und griffen gezielt Polizisten an. 476 Beamte waren verletzt worden bei diesem dreitägigen Chaos-Event, das den Steuerzahler laut „FR“ mindestens 130 Millionen Euro kostete.

Viele aber betrachten die Hamburger Ereignisse durch die Brille ihres Weltbilds. Und erstaunlich viele haben inzwischen ein Weltbild, in dem sie die Polizei für weniger vertrauenswürdig halten als Linksradikale. Das ist erschreckend. Denn die brutalste Gewalt kommt in diesen Tagen gewiss nicht von Polizisten. Blumencron textete in der FAZ blumig „Im Hamburger Schanzenviertel manifestiert sich eine Totalopposition, die für die existierende demokratische Praxis in Deutschland und der westlichen Welt nur eine Antwort hat: Verachtung und Zerstörung – und danach den Wiederaufbau einer komplett anderen Gesellschaft, deren warme Morgenröte mehr Gerechtigkeit, mehr Gleichheit und das Ende von Armut verspricht.“

Das kann man so konstatieren. Man kann es aber wie Uwe Wurlitzer auch drastisch auf den Punkt bringen: „Linksextremistischen Banditen muss das Handwerk gelegt werden.“ Um zu klären, wie die Politik die Bürger des Freistaates vor ähnlichen Gewalteskapaden schützen will, hatte die Fraktion eine Sondersitzung des Sächsischen Landtages beantragt – die natürlich vom Altparteienkartell abgelehnt wurde. Immerhin: eine Sitzung des Innenausschusses kam unter „Aktionismus“ und „Populismus“-Geschrei des Kartells letzte Woche doch zustande.

Die Grünen übrigens begründeten ihre Ablehnung damit, dass eine Sondersitzung weder „sinnvoll“ „noch geboten“ sei. Aha. Nun muss man aber wissen, dass Sachsens Obergrüner Jürgen Kasek inmitten der eskalierten „Welcome-to-Hell-Demo“ zu sehen war: auf einem Facebook-Video von N24. Stracks erklärte er, lediglich als Beobachter nach Hamburg gereist zu sein, um dann das Vorgehen der Polizei, wir ahnen es, als „unverantwortlich“ zu kritisieren.

Das rief zunächst die CDU Leipzig auf den Plan, die twitterte: „Prominente Politiker von Linken, Grünen und SPD kommen nicht auf die Idee, der Polizei zu danken oder die Gewalt zu verurteilen oder wenigstens zu schweigen.“ Wer hatte doch gleich die Sondersitzung abgelehnt? Den Vogel aber schoss Leipzigs Stadtsprecher Matthias Hasberg ab. Er kommentierte ein Video, in dem Chaoten in Hamburg aufgebrochene Läden plündern, mit der Bemerkung: „Weit und breit keine Polizei – fühlten sich wohl deswegen provoziert. Die sehen aber nur zufällig so aus wie die Jungs, mit denen Jürgen Kasek gestern noch demonstriert hat.“

Derselbe Hasberg bezeichnete knapp drei Wochen später die Beschwerde des ungarischen Fechtverbands über Ausländerkriminalität in Leipzig als „frei erfunden“ sowie als „Räuberpistole“, die „mit der Realität nichts zu tun“ hätte. „Leipzig sei eine sichere Stadt, in der sich die Menschen am Tage wie auch in der Nacht frei bewegen könnten“, sagte Hasberg der „LVZ“ in Richtung ungarisches WM-Team, das sich im „Seaside“ höchst unwohl gefühlt hatte. „Dass Menschen aus einem Land, das auf dem Global Peace Index der sichersten Länder der Welt auf Rang 15 steht, sich in der zweitgefährlichsten Stadt Deutschland nicht sicher fühlen, kann ein westsozialisierter Stadtsprecher offenbar nicht nachvollziehen“, ärgert sich Uwe Wurlitzer, selbst Leipziger. Da scheint es im roten Leipzig doch noch gute und schlechte Gewalt zu geben, die man beliebig gut instrumentalisieren kann, mutmaßt

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Dr. Thomas Hartung
Stellv. Landesvorsitzender

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;

wir sollten über Kunst nachdenken. Oder besser: das, was uns die „Dokumenta 14“ in Athen und Kassel als solche verkaufen will. Ich habe zwei Tage meines Urlaubs dafür geopfert und übertreibe nicht, wenn ich schreibe: selbst die Kunstausstellungen der DDR waren unpolitischer. Ich übergehe die Ursachen, warum das so werden konnte, wie es ist, und nehme eine Bestandsaufnahme vor. Die wird auch noch schlimm genug.

„Wir hoffen, dass die Documenta 14 einer von vielen Schritten sein wird auf dem Weg in eine Welt, in die wir leben wollen“, schreibt der Kurator Adam Szymczyk über seine Schau. Diese Kunsterfahrung solle „der Versuch einer ganz neuen Existenzweise“ werden. Cathrin Lorch meint prompt eine sanfte Utopie zu erkennen, einen exterritorialen Ort, „an dem die Künste und die Künstler miteinander arbeiten, ausstellen und feiern“ und an dem „weder Kunststile noch Gattungen von Belang“ seien.

Das sehe ich nun komplett anders: es ist allein die gutmenschliche Aussage, die zählt – „richtige“ Inhalte statt stimmige Formen. Und diese Aussage, die nicht herausfordert, sondern einengt, schreckt selbst vor der Feuer-Metapher nicht zurück: die vom Fridericianum wabernden Qualmwolken, das Kunstwerk „Expiration Movement“ hat der 1968 in Bukarest geborene Künstler Daniel Knorr eigens für Kassel entworfen. Ich übersetze sie mit „Krieg“ – ein gewaltsamer, durchaus unartifizieller Prozess, vor dem viele flüchten… und der genau darum auch die Fluchtorte heimsucht. Der Rauch – ein Menetekel. Krieg, Flucht/Vertreibung, Nichtankunft/Unbehaustheit, und auch Ungewolltsein – viele Objekte haben leider mit Propaganda zu tun, mit Slogans, mit griffigen Motiven von Karikaturisten als mit Kunst, die ihr Gewicht und ihre Bedeutung eigentlich daraus schöpfen sollte, dass sie frei ist.

Dabei spielten Betrachterperspektive, Windrichtung und Wetter eine interpretative Rolle, da sich je nach Lage andere Assoziationen eröffneten: „Manchmal wird das Fridericianum von Weitem vielleicht aussehen wie ein industrieller Bau, eine Fabrik. Das ist ja auch passend, die Documenta ist ein Ort der Kunstindustrie. Natürlich erinnert der Rauch auch an Vorgänge wie die Bücherverbrennung der NS-Zeit – in Kassel wurde die Reichskristallnacht geprobt, da liegt es nicht fern, daran zu denken. Auch die Krematorien der Vernichtungs- und Konzentrationslager waren nicht weit entfernt.“ Da war es also heraus.

In der SüZ durfte sich Kia Vahland mäßig aufregen: „Die Documenta interessiert sich herzlich wenig für Gegenargumente, nicht einmal zu dem Zweck, sie zu widerlegen… Man kann auch durch Nichtinformation manipulieren. Wer alle Autoritäten abschafft, inszeniert sich selbst als letzte Instanz. Die Documenta in Kassel erreicht diesen Effekt mit gezielter Einseitigkeit in der Präsentation. Frühere Ausgaben verstanden unter politischer Kunst die Dokumentation des Weltzustandes, man erfuhr viel über Hafenarbeiter in Südafrika oder die Wohnungsnot von Hurrikanopfern. Sie zeigten, was in der Aufmerksamkeitsökonomie der Massenmedien öfter mal zu kurz kommt, subjektive Berichte vom Leben der anderen. Anteilnahme aber genügt den Kuratoren diesmal nicht, jetzt geht es um Parteinahme.“

Dem ist wenig hinzuzufügen. Kaum ein Objekt, das mich ad hoc ästhetisch ansprach. Kaum eine Fotografie, die durch Komposition, Licht oder Tiefenschärfe begeisterte. Kaum ein Bild, das durch Idee, Farbe oder Technik betörte. Statt dessen Plakativität, Simplizität – und, noch gar nicht erwähnt, Gigantismus, der manchmal monumental, manchmal monströs wirkt. So steht auf dem Platz vor dem Fridericianum das größte Kunstwerk der Gegenwart: die Argentinierin Marta Minujin hat dort mit tätiger Mithilfe vieler Kasseler einen „Parthenon of Books“, einen Akropolis-Tempel aus Büchern aufgeschichtet. Das Besondere: nur Bücher, die irgendwo auf der Welt zensiert waren, durften verbaut werden. Darunter waren Texte aus der ehemaligen Sowjetunionm aber auch Mickey Mouse (in der DDR verboten) – und natürlich die Werke, die bei den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten ins Feuer geworfen wurden, womit sich der Kreis zum qualmenden Fridericianum schließt.

Was bleibt? Die Hoffnung auf die nächste Dokumenta – ohne Ideologie und ohne Flüchtlingsvordergrund, der selbst vor Stacheldraht als Kunstobjekt nicht Halt macht, meint

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Dr. Thomas Hartung
Stellv. Landesvorsitzender

„Wenn ein Gras wächst, wo nah ein Haus steht,
und vom Schornstein steigt der Rauch,
soll’n die Leute beieinander sitzen,
vor sich Brot und Ruhe auch,
und Ruhe auch.

Das ist der einfache Frieden,
den schätze nicht gering.
Es ist um den einfachen Frieden
seit Tausenden von Jahren
ein beschwerlich Ding.“ (Gisela Steineckert, 1980)

Es war für mich die Metapher der 14. Documenta: die vom Fridericianum wabernden Qualmwolken, das Kunstwerk „Expiration Movement“, das der 1968 in Bukarest geborene Künstlers Daniel Knorr eigens für Kassel entworfen hat. Fünf Rauchmaschinen „Fogmaster“ laufen, die sonst von der Feuerwehr zu Übungszwecken verwendet und auch beim Militär eingesetzt werden, wenn etwa bei Lufteinsätzen ein Kraftwerk unter Rauch verschwinden soll. Apropos Militär: selbst das fiktive Parlament im Foyer war in Tarnfarben gehalten – ein Schelm, der Arges dabei denkt…

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Fogmaster? Fog? Nein, es ist bestenfalls tertiär der „Nebel des Grauens“, den man damit verbinden könnte (und den ich manchmal verband!). Der Macher intendiert laut SüZ Physiologisches: den Zustand des Ausatmens. „Jetzt wird nicht mehr inhaliert, jetzt lassen wir los“, erklärt er, und weiter „Natürlich liegt auch die Assoziation zu einer Papst-Wahl nahe, aber eher noch der Gedanke an die Enklave in Rotenburg – ganz in der Nähe – wo nach dem Krieg die Währungsreform verhandelt wurde.“

Daneben spielten Betrachterperspektive, Windrichtung und Wetter eine interpretative Rolle, da sich je nach Lage andere Assoziationen eröffneten: „Manchmal wird das Fridericianum von Weitem vielleicht aussehen wie ein industrieller Bau, eine Fabrik. Das ist ja auch passend, die Documenta ist ein Ort der Kunstindustrie. Natürlich erinnert der Rauch auch an Vorgänge wie die Bücherverbrennung der NS-Zeit – in Kassel wurde die Reichskristallnacht geprobt, da liegt es nicht fern, daran zu denken. Auch die Krematorien der Vernichtungs- und Konzentrationslager waren nicht weit entfernt.“

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Da war es heraus.
Nix mit Frieden, schon gar nicht einfach, erst recht nix mit Brot und Ruhe während des Beieinandersitzens. Das Gegenteil war gewollt, ist gewollt, und soll auch weiter gewollt sein. „Wir hoffen, dass die Documenta 14 einer von vielen Schritten sein wird auf dem Weg in eine Welt, in die wir leben wollen“, schreibt der Kurator Adam Szymczyk über die in Athen und Kassel stattfindende Schau. Diese Kunsterfahrung solle „der Versuch einer ganz neuen Existenzweise“ werden. Cathrin Lorch meint prompt eine sanfte Utopie zu erkennen, einen exterritorialen Ort, „an dem die Künste und die Künstler miteinander arbeiten, ausstellen und feiern“ und an dem „weder Kunststile noch Gattungen von Belang“ seien.

Das sehe ich nun komplett anders: es ist allein die gutmenschliche Aussage, die zählt – “richtige” Inhalte statt stimmige Formen. Und diese Aussage, die nicht herausfordert, sondern einengt, schreckt selbst vor der Feuer-Metapher nicht zurück, die ich übersetze als „Krieg“ – und damit die Aussage des wunderschönen Steineckert-Gedichts ins Gegenteil kehrt; wie heute so vieles, was vor 1989 galt. Ein gewaltsamer, durchaus unartifizieller Prozess, vor dem viele flüchten – und der genau darum auch die Fluchtorte heimsucht. Der Rauch – ein Menetekel. Krieg, Flucht/Vertreibung, Nichtankunft/Unbehaustheit, und auch Ungewolltsein – viele Objekte haben leider mit Propaganda zu tun, mit Slogans, mit griffigen Motiven von Karikaturisten als mit Kunst, die ihr Gewicht und ihre Bedeutung eigentlich daraus schöpfen sollte, dass sie frei ist.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Schlimmstes Beispiel: der Film „77sqm_9:26min“, der die „Gegen-Ermittlungen“ der Londoner Künstlergruppe „Forensic Architecture“ zusammenfasst, die sich, elf Jahre nach dem NSU-Mord an Halit Yozgat, noch einmal mit dem Fall beschäftigten. Künstler, Architekten, Filmemacher, Kulissenbauer und Performer rekonstruierten minutiös den Tatort, das Internet-Cafe in der Holländischen Straße 82 in Kassel, anhand von geleakten Akten und einem Polizei-Video. Es geht um die Antwort auf die Frage, ob Andreas Temme, ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes, entgegen seiner Aussagen nicht doch Zeuge des Verbrechens war. „Es gibt Fakten in einer Ära des Post-Truth“, wird Eyal Weizman von „Forensic Architecture“ zitiert, „und wenn die Polizei und der Staat nicht auf drängende Fragen antworten, ist es Zeit für uns, die Ermittlungen zu übernehmen, mit dem Werkzeug der zeitgenössischen Kultur“.

Vordergründig manipulativ sind auch die Objekte der folgenden Aufzählung, die auf Künstler und Werkstitel verzichtet, da sie mir nebensächlich erscheinen. Eine 53teilige Fotoserie zu Nordhessen etwa wird im Begleittext mit den Worten präsentiert „Heimat ist ein angeeigneter Raum. Sie existiert objektiv nicht in der Wirklichkeit. Wir schaffen uns die Vorstellung einer Heimat aus dem Bedürfnis heraus, irgendwo dazuzugehören. Heimat ist dort, wo die meisten Menschen nie gewesen sind und nie ankommen werden. Ausgenommen dieser Platz unter einem Haufen Erde…“

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Oder die Installation „Amereida Phalène Latin South América“ der „Ciudad Abierta“ (Offene Stadt), eine sich als Kommune, pädagogisches Experiment und praxisnahes Architekturlabor in einem verstehende Gruppe umherziehender Künstler und Dichter aus Chile. In der Karlsaue angepriesen als humaner Begegnungsort mittels einer improvisierten, umweltverträglichen Form des Bauens aus Naturmaterialien (Holz und Stoff), ließ er mich aber vor Beklemmung frösteln. Die Hölzer eckig, Zacken, Begrenzungen und Barrieren bildend, der Stoffbaldachin so niedrig, dass er bedrückend wirkte… wer sich hier trifft, ist alles andere als entspannt.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Oder die Installation verschiedener und verschieden geschichteter Stacheldrahte neben den Torsi angedeuteter Flüchtlinge; in der Etage darüber ein hermetisch verschlossenes Flüchtlingszelt: was ist wohl darin, was ist wohl fernzuhalten… Ganz zu schweigen von pauschalen Schuldzuschreibungen wie etwa den weißen Menschen, mit denen Gott eigentlich nur „sorry“ sagen wolle…

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

In der SüZ durfte sich Kia Vahland mäßig aufregen:

„Die Documenta interessiert sich herzlich wenig für Gegenargumente, nicht einmal zu dem Zweck, sie zu widerlegen… Man kann auch durch Nichtinformation manipulieren. Wer alle Autoritäten abschafft, inszeniert sich selbst als letzte Instanz. Die Documenta in Kassel erreicht diesen Effekt mit gezielter Einseitigkeit in der Präsentation. Frühere Ausgaben verstanden unter politischer Kunst die Dokumentation des Weltzustandes, man erfuhr viel über Hafenarbeiter in Südafrika oder die Wohnungsnot von Hurrikanopfern. Sie zeigten, was in der Aufmerksamkeitsökonomie der Massenmedien öfter mal zu kurz kommt, subjektive Berichte vom Leben der anderen. Anteilnahme aber genügt den Kuratoren diesmal nicht, jetzt geht es um Parteinahme.“

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Dem ist wenig hinzuzufügen. Kaum ein Objekt, das mich ad hoc ästhetisch ansprach. Kaum eine Fotografie, die durch Komposition, Licht oder Tiefenschärfe begeisterte. Kaum ein Bild, das durch Idee, Farbe oder Technik betörte. Statt dessen Plakativität, Simplizität – und, noch gar nicht erwähnt, Gigantismus, der manchmal monumental, manchmal monströs wirkt. So steht auf dem Platz vor dem Fridericianum das größte Kunstwerk der Gegenwart: die Argentinierin Marta Minujin hat dort mit tätiger Mithilfe vieler Kasseler einen „Parthenon of Books“, einen Akropolis-Tempel aus Büchern aufgeschichtet. Das Besondere: nur Bücher, die irgendwo auf der Welt zensiert waren, durften verbaut werden. Darunter waren Texte aus der ehemaligen Sowjetunionm aber auch Mickey Mouse (in der DDR verboten) – und natürlich die Werke, die bei den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten ins Feuer geworfen wurden.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Der Treck von vier Reitern, die der schottische Konzeptkünstler Ross Birrell am Tag der Vernissage in Athen in Richtung Kassel aufbrechen ließ, könnte nicht nur eine der längsten Wanderungen der „Land Art“ werden, sondern auch auf andere Trecks verweisen. Und mindestens an zwei Stellen in der Stadt wispern die Lautsprecher mit Pope L.s Installation, die 9438 Stunden lang Textfetzen zu „Nation, Volk, Stimmung, Sprache, Zeit“ aus anonymen Stimmen in die Ohren der Kunstinteressenten bläst. „Toleranz ist eine Tugend“ bekomme ich von einer Altstimme in minutenlanger Schleife penetriert. Auch Olu Oguibes „Das Fremdlinge und Flüchtlinge Monument“, ein Obelisk aus Beton, 16 Meter hoch, nimmt den Holzhammer. Am Sockel ist das Bibel-Zitat „Ich war ein Fremdling und Ihr habt mich beherbergt“ aus dem Matthäus-Evangelium in vier Sprachen zu lesen, darunter ist auch Arabisch.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Objekt auf der Dokumenta 14. Eigenes Foto.

Was bleibt? Die Hoffnung auf die nächste Dokumenta – ohne Ideologie (jede DDR-Kunstausstellung war unpolitischer), ohne Migrationsvordergrund (Staatskunst ist für mich immer ein Zeichen von Staatsversagen) und: ohne Daniel Knorr, der Pistolen und Ausweise mit einer Fünfzig-Tonnen-Presse in Bücher presst, die in Athen und Kassel verkauft werden und von deren Erlösen er den Rauch bezahlen kann. Hoch lebe der Kapitalismus, hoch lebe die Kunst, hoch lebe… jeder, der sich sein persönliches Denkmal errichtet, um wenigstens der Lebenskunst zu frönen.

Objekt in der Dokumentastadt Kassel. Eigenes Foto.

Objekt in der Dokumentastadt Kassel. Eigenes Foto.

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;

wir sollten über das Netzwerkdurchsetzungsgesetz NetzDG nachdenken. Heiko Maas hat es tatsächlich auf der letzten Sitzung der Legislaturperiode durch den Bundestag gepeitscht. Eine Zählung per TV-Bildschirm zeigte gerade 32 Abgeordnete von Union und SPD, plus sechs von den Grünen und rund ebenso vielen Linke-Abgeordneten. Das heißt: Nicht einmal zehn Prozent aller Bundestagsabgeordneten fanden es nötig, zur Abstimmung zu bleiben – während die „Ehe für alle“ gerade eine Stunde vorher noch 339 Ja-Stimmen fand.

Im Kern sagt es, dass Internetunternehmen von Nutzern gemeldete „offensichtlich rechtswidrige Inhalte“ binnen 24 Stunden löschen oder sperren müssen. Nicht so offensichtlich rechtswidrige, aber eben doch rechtswidrige Inhalte müssen sie innerhalb von sieben Tagen entfernen – oder in komplizierten Fällen zur Beurteilung an eine „anerkannte Einrichtung der Regulierten Selbstregulierung“ übergeben. Damit fällt börsennotierten Unternehmen eine Aufgabe zu, die in einer idealen Welt eine der Justiz wäre. Denn welche Interpretationen lässt das Wort „offensichtlich“ zu? Damit ist nicht nur der Willkür, sondern vor allem dem vorauseilenden Gehorsam und damit der Zensur Tür und Tor geöffnet. Der Reiz zu löschen sei so immer noch größer als der Reiz, das Recht und die Meinungsfreiheit einzuhalten, denkt selbst die Grüne Renate Künast laut über das Risiko des NetzDG nach, aber es ist ihr am Ende so egal, wie es eine Enthaltung eben zum Ausdruck bringen kann.

Auch der ASA-Redaktion wurde ja immer mal der „Reiz zum Löschen“, mindestens der Reiz zum Verschweigen unterstellt (von schlimmeren Vorwürfen wie aus Dresden gar nicht zu reden – hier wurde ein ehrbares bayrisches CSU-Mitglied angefragt, ob der abgedruckte Text tatsächlich von ihm käme). Dass dem nicht so ist, zeigt das aktuelle Heft, in dem – bis auf jenen von Peter Schulze, Bautzen – alle bislang aufgelaufenen Leserbriefe abgedruckt sind. Dass andererseits etablierte Medien nicht unbedingt dem Reiz zum Löschen, ja nochmal nicht dem Reiz zum Moderieren nachgeben, zeigt bspw. der Umgang der „ZEIT ONLINE“-Redaktion mit einigen der 341 Kommentare, die auf mein von Anne Hähnig geschriebenes Porträt getätigt wurden.

Immerhin darf ich ja noch „Mensch“ sein. Wenn auch „rechtsextrem“ und „Volltrottel“ – nach juristischer Expertise haben wir es mit „verleumderischer Unterstellung“ und „Beleidigung“ zu tun. Aber solcherart Kleinigkeiten, die ich links oder besser rechts liegen lasse (und die einen kleinen Vorgeschmack auf den heißen Wahlkampf liefern), sollten uns nicht weiter schrecken. Selbst wenn wir mit Maas „Hilfe“ viel öfter die „Segnungen“ des NetzDG am eigenen Leib zu spüren bekommen sollten, meint

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Dr. Thomas Hartung
Stellv. Landesvorsitzender

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;

wir sollten mal über Namenskunde nachdenken. Warum? Der Psychoanalytiker Karl Abraham hat schon vor 100 Jahren behauptet, dass der Name oft zum Schicksal seiner Patienten passt. Da könnte was dran sein.

Vor acht Jahren sorgte eine Studie der Uni Oldenburg für Aufsehen. Sie kam zu dem Ergebnis, dass viele Grundschullehrer einen Jungen mit dem Namen Kevin als verhaltensauffällig abstempeln. Als eher freundlich und leistungsstark sahen die Lehrer hingegen Jungen mit den Namen Alexander, Maximilian, Simon, Lukas und Jakob. Positiv bewertete Mädchennamen waren Charlotte, Nele, Marie, Emma und Katharina. Auf der Negativliste standen Mandy, Chantal und Jaqueline. „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“, kommentierte ein teilnehmender Lehrer damals.

Auch wenn die Nationalität nicht explizit angegeben ist, versteige ich mich mal zu der These: es waren mehrheitlich deutsche Lehrer, die Kindern mit deutschen Namen mehr Leistung unterstellten als solchen mit englischen. Hm. Jetzt wurde im STERN-Auftrag untersucht, ob der Vorname mit dem Erfolg im Beruf zusammenhängt. Erwartbares Ergebnis: ja. Je kürzer der Vorname, desto mehr Geld und Erfolg habe der Arbeitnehmer im Job. Deutschlands Top-Verdiener heißen dem aktuellen Gehaltsranking zufolge „Dirk“ und „Sabine“: der Durchschnitts-Dirk kommt demnach auf 120.200 Euro im Jahr, die Durchschnitts-Sabine auf 83.638 Euro. Auch Rainer, Jürgen, Susanne und Claudia gehen als überdurchschnittlich gut bezahlte Arbeitskräfte aus dem Ranking der Jobsuchmaschine Adzuna hervor.

Insgesamt verdienen Mitarbeiter, deren Vorname nur eine Silbe hat, meist mehr als ihre Kollegen mit einem zwei- oder dreisilbigen Vornamen: Namen mit zwei Silben bringen acht Prozent, solche mir drei Silben sogar 18 Prozent weniger Gehalt ein. Ein Grund: ist ein Name leicht zu schreiben, bleibt er auch leicht in Erinnerung. Umgekehrt schließen offenbar viele Menschen von einem komplizierten Namen auf eine komplizierte Persönlichkeit. Bernd Samland von der Kölner Namensagentur „Endmark“: „Echte Karrierekiller sind auch Doppelvorname und Doppelnachname, z. B. Ann-Katrin Müller-Lüdenscheid.“

Nochmal Hm. Nach Angaben des Namenkundlichen Zentrums der Universität Leipzig greifen Eltern nämlich immer öfter zu unkonventionellen, längeren Vornamen. Eine dpa-Liste standesamtlich beurkundeter Jungen- und Mädchennamen liest sich geradezu wie eine Figurenliste aus einer Fantasy-Komödie: Don Armani Karl-Heinz, Camino Santiago Freigeist oder Eisi Faust Erik bei den Jungen; Ferrara Melody Maxima, Frangi-Pany oder Sueann-Presess bei den Mädchen. „Trotz des Traditionsbewusstseins wird die Bundesrepublik bei den Vornamen immer bunter”, sagt die Leipziger Namensforscherin Gabriele Rodriguez.

Nun aber kommts: ein kurzer deutscher Vorname – Adolf – ist jetzt politisch korrekt in absoluten Verruf geraten – wovon ein „betroffener“ Journalist in der FAZ berichtet. Der Name ist althochdeutsch und bedeutet Edelwolf. Das ist doch schön, wäre da nicht jener Adolf aus Braunau am Inn, der dem Namen die Unschuld geraubt hat und noch raubt. So kamen 2006 in Deutschland über 672.720 Babys zur Welt, nur ein einziges wurde (allerdings mit zweitem Vornamen) Adolf genannt. Noch Ende des 19. Jahrhunderts war Adolf sehr geläufig, besonders in Süd- und Westdeutschland. 1890 stand der Name an dreizehnter Stelle auf der Beliebtheitsskala aller männlichen Vornamen (hinter Fritz, Franz oder Emil).

Vielleicht dachten Eltern an Adolf von Knigge, der seit Mitte des 18. Jahrhunderts für Anstand und gutes Benehmen steht, oder an Gustav Adolf, den protestantischen König aus Schweden. Auch Adolph Kolping genoss hohen Respekt, vor allem bei Katholiken, die dem sozial engagierten Kirchenmann mit Achtung entgegentraten. „Solche Leitbilder wie Adolph Kolping brauchen wir für die Kirche von heute“, sagte Papst Johannes Paul II. 1991 bei der Seligsprechung, aber er hat damals vermutlich nicht an den kontaminierten Vornamen gedacht.

Und nun? Ein namhafter DDR-Sportreporter verhalf mal dem deutschen Namen „Waldemar“ zu ungeahnter Karriere. Zu solchem Aufruf versteige ich mich nicht. Aber unseren Namen mit Respekt zu begegnen kann nicht schaden, meint

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Dr. Thomas Hartung
Stellv. Landesvorsitzender

Ich habe mir mal Gedanken über einen fürchterlichen Gummibegriff gemacht: „Patriotismus“ tauchte bei den Reden fast jedes sächsischen Direkt- und Listenkandidaten der AfD mehrfach auf – von gewissen Dresdner Reden im Januar dieses Jahres ganz zu schweigen. Das zieht die Frage nach sich, was Patriotismus heute eigentlich ist, sein kann und vor allem welche Potentiale der Begriff in Sachsens AfD hat – oder eben auch nicht.

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;

wir sollten mal wieder über Meinungsfreiheit nachdenken. Anlass ist ein in der bundesrepublikanischen Geschichte nahezu einmaliger Vorgang: das Votum einer seit 15 Jahren tätigen unabhängigen Jury im Dienste des NDR-Labels „Sachbücher des Monats“ wird von taz bis FAZ als Votum für einen rechtsextremen Autor kritisiert. Um wen geht es? Um Rolf-Peter Sieferle, der bis dato als Professor an der Eidgenössischen Hochschule St. Gallen nur einem interessierten Kreis bekannt war und sich im vergangenen Herbst das Leben genommen hatte, und sein in Götz Kubitscheks Verlag erschienenes Buch „Finis Germania“. Bei der Empfehlung der Sachbücher für den Monat Juni hatte es der Spiegel-Redakteur Johannes Saltzwedel gewagt, sein Stimmrecht zu nutzen, um zu fordern, „ein Buch zu lesen, in dem die meisten heiligen Kühe geschlachtet werden, die heute herumlaufen“, schrieb Karlheinz Weißmann.

Er habe, erklärte Saltzwedel laut „Junger Freiheit“, „bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollen. Sieferles Aufzeichnungen sind die eines final Erbitterten, gewollt riskant formuliert in aphoristischer Zuspitzung. Man möchte über jeden Satz mit dem Autor diskutieren, so dicht und wütend schreibt er.“ Er warf den anderen Jury-Mitgliedern Illiberalität und zensierende „Konsenswärme“ vor und begründete seine Empfehlung als „Votum gegen einen Zeitgeist, der die Preisgabe der europäischen und der deutschen Kultur zugunsten eines diffusen Weltbürgertums propagiert“.

Was erhob sich für ein Geschrei! Der NDR kündigte die Zusammenarbeit mit der Jury auf: „Die ‘Sachbücher des Monats’ werden von NDR Kultur bis auf weiteres nicht mehr veröffentlicht.“ Man schere sich nicht mehr um einen klugen Kopf, sondern wolle nur noch gewinnen im Wettlauf um den ersten Preis politischer Korrektheit, wütet Weißmann. Dabei war Sieferle von der „Süddeutschen Zeitung“ posthum, im Oktober 2016, als „unerschrockener, immer rationaler Denker“ und von der Universität St. Gallen als „universaler Denker und sympathischer Kollege“ gelobt worden. Das beanstandete Werk aus dem Giftschrank Antaois erhielt durch die medialen Wellen, die der Fall geschlagen hatte, eine solche Aufmerksamkeit, dass es nun auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste rangiert.

Was sagt uns das? Leser reagieren anders auf Belesene, klar. Aber auch kräftige Verrisse („ekelhafte wie stellenweise unverständliche Endzeitdiagnostik, die nicht weiter erwähnenswert wäre …“) können Leser ja mit Erkenntnisgewinn lesen. Vielleicht ist zumindest ein gutes Zeichen, dass ungefähr erstmals seit Frank Schirrmachers Tod wieder so etwas wie eine Feuilleton-Debatte zu entstehen schien. Eine Debatte, die am Wochenende erst Michael Klonovsky mit einer vernichtenden SPIEGEL-Kritik befeuerte. Sieferle zöge – zu Recht! – eine heilsgeschichtliche Parallele zwischen der Stigmatisierung der Juden als Gottesmörder und der Stigmatisierung der Deutschen als Judenmörder: Zarte Gemüter mögen solche Vergleiche erschrecken, denn „Du sollst nicht vergleichen!, lautet bekanntlich das Erste Gebot der neudeutschen Zivilreligion“.

Genau einen solchen Vergleich musste ich diese Woche ebenfalls ziehen. „Wenn NDR-Moderatorin Anja Reschke auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche ablehnt, sich mit ‚Pöblern‘ auseinanderzusetzen, misst sie schon mit zweierlei Maß“, erklärte ich. „Ich möchte gern erleben, dass sich der NDR nicht mit SPD-Politikern auseinandersetzt wie Ralf Stegner oder Yasmin Fahimi (‚Schande für Deutschland‘),Siegmar Gabriel (‚Sammelbecken für rechtsradikale Hetzer‘ / ‚Pack‘) oder Thomas Oppermann (‚hochgefährliche Vulgär-Rassisten‘).Aber auch Politiker von der CDU wie Wolfgang Schäuble (‚Sumpfbacken‘), MdB Albert Stegemann (‚Scheiss Nazis‘) oder von den Grünen wie Robert Habeck (‚Rassisten im Schafspelz‘) dürften dann kein Podium bekommen – von Ex-Bundespräsident Joachim Gauck (‚Dunkeldeutschland‘) oder sog. Satirikern wie Christian Ehring (‚Nazi-Schlampe‘) ganz zu schweigen.“

Einerseits falsche Deutungen vorschreiben, andererseits alternative Deutungen als falsch denunzieren – das ist kein guter Weg, meint

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Dr. Thomas Hartung
Stellv. Landesvorsitzender

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;

wir kommen nicht umhin, nach gerade mal sechs Wochen – Stichwort Xavier Naidoo – erneut über die Rolle von Musikern in der aktuellen Politik nachzudenken. Ich meine nicht den Oberprinzen Sebastian Krumbiegel, der vor ein paar Tagen mit „Courage zeigen – Warum ein Leben mit Haltung gut tut“ seine Autobiographie veröffentlicht hat und bei Lesungen rundheraus sagt, dass er sich schäme, die Montagsdemo am 9. Oktober 1989 aus Angst nicht besucht zu haben, andererseits heute gegen Pediga und deren Ableger auf die Straße auf die Straße gehe, weil es wichtig sei, weiterhin Haltung zu zeigen. Hm. Solche Vögel kenne ich zur Genüge, und die machen alle keine Musik. Jynx torquilla heißen sie übrigens.

Nein, ich meine Campino, den Sänger der „Toten Hosen“. Eine 1982 gegründete Punkband, die vor allem für eines stand: eine radikale Ablehnung des Establishments, der Bürgerlichkeit, ja eine fundamentale Opposition zu allem, was irgendwie nach Mainstream oder gar Regierung roch. 35 Jahre später spielten die „Toten Hosen“ zunächst auf einer Anti-Pegida-Veranstaltung in Dresden. „Mit diesem Auftritt lag die Band genau in der vorgegebenen Linie“, erklärte damals der Dresdner Kreisvorstand Arndt Noack. Und weiter: „Ablehnung der Bürgerlichkeit? Kaum, denn erstens sind die Bandmitglieder mittlerweile allesamt gutbürgerlich finanziell versorgt, und zweitens war dies eine Veranstaltung, die ganz explizit das ‚Bürgertum‘ zum Protest gegen die Pegidianer aufrief. Fundamentale Opposition gegen die Regierung? Mitnichten, sondern ganz auf deren Linie. Oder wenigstens gegen den Mainstream? Vergessen wir das, die Mugge, die vor wenigen hundert Demonstranten stattfand, wurde von den Mainstreammedien bejubelt wie ein achtes Weltwunder.“

Und eben dieser Campino hat jetzt Schlagersängerin Helene Fischer vorgeworfen (zu der und deren Musik man stehen kann, wie man will – sie ist im übrigen Rußlanddeutsche), sich nicht gegen rechts zu positionieren. Er sieht dahinter Taktik von Fischers Management, das womöglich keinen Ärger wolle und sie daher anhalte, zu politischen Themen den Mund zu halten. Für ihn sei das keine Option: „Die Tatsache ist doch, dass man eher bereit sein muss, bei den Fans Verluste hinzunehmen, wenn man sich politisch positioniert.“ Schon zuvor der Sänger immer wieder mit Kritik an der AfD, aber auch der FPÖ aufgefallen. Über Angel Merkel (CDU) sagte er im Interview mit dem Magazin Rolling Stone: „Wenn mir Frau Merkel auf der Straße begegnen würde, würde ich zu ihr gehen und mich bedanken. Wie sie in der Flüchtlingskrise reagiert hat und sich lange nicht beirren ließ, davor habe ich großen Respekt.“

Sich nicht gegen rechts zu positionieren. Soso. Das brachte schon Frauke Petry auf die Palme, die twitterte „Merkel’sche Hofsänger machen sich einer gespaltenen Gesellschaft mitschuldig“. Und – das erinnerte den Pressesprecher des KV ERZ, Thomas Dietz, fatal an die DDR. „Festival des politischen Liedes – ist nicht mehr! Kommt aber wohl bald wieder… Wenn es nach den Wünschen von Campino, Lindenberg und Co geht.“ war der dritte Kommentar, den er daraufhin bei FOCUS online posten wollte – aber nicht durfte: alle Meinungsäußerungen wurden, natürlich ohne Begründung, gesperrt. Was sagt uns das?
Es könnte sein, dass eine „Kulturrevolution“ mit einer Kriminalisierung Andersdenkender im Gange ist. Der nächste Paragraf gegen „Rechts“ lautet dann womöglich „Passivität im Klassenkampf“: Sie haben sich heute noch nicht an der Brandrodung gegen die Relikte der Adenauer-Ära beteiligt? Das macht sie verdächtig! Noch ein weiterer Paragraf könnte folgen: Der Angeklagte zeigte einen „Mangel an Liebe zur Regierung“. Nordkorea, wir kommen!

Es könnte aber auch sein, dass da zu viel eisgekühlter Bommerlunder und mehr als zehn kleine Jägermeister im Spiel waren, meint

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Dr. Thomas Hartung
Stellv. Landesvorsitzender

Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;

wir müssen mal wieder über Gender nachdenken. Eine der Unsäglichkeiten, die im Namen dieser totalitären gleichmacherischen Ideologie veranstaltet wurden und werden, kostet Sachsen nämlich richtig Geld. Und daran ist vor allem Beate Schücking schuld, Rektorin der Leipziger Uni, die seit 2011 im Amt ist und im vergangenen Februar nach langem Streit wiedergewählt worden war. Und unter deren Regentschaft die Grundordnung dergestalt geändert wurde, dass das Generische Femininum universitätsweit als Anredeform genutzt werden muss: „Guten Tag, Herr Professorin…“

In den „Genuss“ dieser Anrede hätte auch Shahram Azizi Ghanbari kommen sollen, der sich 2012 in Zweitausschreibung als Professor für den Lehrstuhl „Kompetenzentwicklung und lebenslanges Lernen“ beworben hatte – und von der Berufungskommission als kompetentester der fünf Bewerber vorgeschlagen wurde. Ein Votum, dem der Fakultätsrat folgte – nicht aber Schücking. Sie wollte stattdessen die Zweitplatzierte – und begründete das damit, so schreibt der Anwalt von Schücking, dass man das „Anforderungsprofil um Genderforschung“ habe erweitern und den „Aspekt der Frauenförderung als gesamtuniversitäres Interesse“ habe würdigen wollen. Die Zweitplatzierte, wie es der Zufall so will, hat sich mit Genderforschung beschäftigt. Um Ghanbari nicht berufen zu müssen, sei, so trägt dessen Anwalt vor, ein Gerücht über „angebliche sexuelle Verfehlungen … in die Welt gesetzt worden“. Ausgangspunkt dieses Gerüchts, so trägt der Kläger vor: Beate Schücking. Das muss man erstmal sacken lassen. Das nahm Ghanbari also nicht hin, klagte, und bekam jetzt vom Landgericht Leipzig in dritter Instanz Recht. Nach der Überzeugung der Leipziger Richter hatte die Rektorin einen männlichen Bewerber durch eine Lüge zu diskreditieren versucht, um so eine weniger geeignete und qualifizierte Bewerberin auf die ausgeschriebene Stelle nur aus dem Grund zu hieven, um Frauenförderung als ‚gesamtuniversitäres Interesse‘ vor Fachkompetenz und damit Ideologie vor Wissenschaft zu stellen.

„Das legt den Schluss nahe, dass Recht und Gesetz ebenso wie Moral und Anstand nichts mehr gelten, wenn es um Frauenförderung geht“, empörte ich mich. Eine Passage des Urteils legt gar darauf schließen, dass Genderprogramme nichts anderes zum Ziel haben als männliche Bewerber zu diskriminieren und fachliche Eignung durch weibliches Geschlecht zu ersetzen. Wenn das Leistungsprinzip Kriterium für die Auswahl von Kandidaten ist, gibt es aber keinerlei Rechtsgrundlage für ein Professorinnenprogramm im Speziellen oder Frauenförderung im Allgemein. Denn eine Förderung weiblicher Bewerber ist dann nicht notwendig, wenn sie die fachlich geeignetsten Bewerber sind. Werden sie aber gefördert, weil sie nicht die Bewerber sind, die für eine Position am besten geeignet sind, liegt offenbar ein Verstoß gegen Art. 33 Abs. 2 des Grundgesetzes vor, der Schadensersatz und Einstellungsanspruch auslöst, in diesem Fall bis 2029 – als Ausgleich dafür, dass er jetzt eine schlechter dotierte Stelle innehat. „Es geht um Forderungen von etwa 1,1 Millionen Euro. Hinzu kommen noch Pensionsansprüche“, sagte Ghanbaris Anwalt.

Aber all das schreckt GutmenschInnen nicht ab, weiter das Pferd der Gleichmacherei zu reiten. 16 Frauenverbänden forderte diese Woche eine Frauenquote für alle Unternehmensrechtsformen sowie für alle Gremien in Medien, Kultur, Medizin und Wissenschaft in Deutschland. Dass eine Frauenquote ein Eingriff in die Personalpolitik der Unternehmen ist und deren unternehmerische Freiheit beschneidet – interessiert nicht. Dass Stellen, die nicht mit dem geforderten Anteil an Frauen besetzt werden können, dann frei gehalten werden und unbesetzt oder gar mit der falschen Person besetzt sind und wirtschaftliche Konsequenzen für die Unternehmen nach sich zieht – interessiert nicht. Dass dann alle Branchen vom Hüttenwesen bis zur Müllabfuhr einbezogen werden müssen – interessiert nicht. So kurzsichtig kann man eigentlich gar nicht sein, meint

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Dr. Thomas Hartung
Stellv. Landesvorsitzender

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