{"id":1775,"date":"2014-04-01T11:32:14","date_gmt":"2014-04-01T10:32:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=1775"},"modified":"2014-04-01T18:52:07","modified_gmt":"2014-04-01T17:52:07","slug":"keine-satire-karrierekiller-bundestag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=1775","title":{"rendered":"Keine Satire: &#8222;Karrierekiller Bundestag&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Da ist wieder mal eine Studie erschienen, deren publizistische Verwertung durch den SPIEGEL an manipulativer Scheinheiligkeit nicht zu \u00fcberbieten ist. Der Fakt: <a href=\"http:\/\/www.kienbaum.de\/desktopdefault.aspx\/tabid-68\/149_read-769\/148_read-194\/\" target=\"_blank\">Kienbaum<\/a> hat unsere Ex-Bundestagsabgeordneten nach ihrer \u201eAnschlussverwendung\u201c befragt, 47 antworteten. Wesentliches Ergebnis: Knapp 15 Prozent waren f\u00fcnf Monate nach der Bundestagswahl 2013 noch arbeitslos. Leider wird dabei nicht nach den Ursprungsberufen und der Parteizugeh\u00f6rigkeit differenziert, was den wissenschaftlichen Aussagewert durchaus schm\u00e4lert. Aber die Tendenz ist mehr als deutlich.<\/p>\n<p>Schon ein Satz bei der Vorstellung der Studienergebnisse l\u00e4sst aufhorchen: Thorsten Alsleben, der Hauptstadt-Repr\u00e4sentant von Kienbaum, \u201eforderte die Fraktionen und die Bundestagsverwaltung auf, sich besser um die Berufsperspektive von Ex-Abgeordneten zu k\u00fcmmern.\u201c Aha. Endlich ist der Bundestag, wof\u00fcr wir ihn schon immer halten sollten: eine Institution wie viele andere auch, mit Neueinstellungen, aber auch Entlassungen. Und um diese Entlassenen solle man sich doch bitte sorgen. Darauf haben alle, die in der freien Wirtschaft ihren Job verloren, in den Jobcentern schlie\u00dflich ebenso Anspruch: auf Beratung, Trainingsma\u00dfnahmen, Umschulungen, Bewerbungskontrolle\u2026<\/p>\n<p>Die Perfidie dieser Forderung liegt nicht nur darin, dass das \u00dcbergangsgeld f\u00fcr Abgeordnete \u00fcber 7000 \u20ac monatlich betr\u00e4gt und zu Rentenbeginn nach bspw. 7 Jahren Bundestag ein Betrag \u00fcber 1600 \u20ac lockt. Die Perfidie liegt aktuell auch darin, dass sich die Abgeordneten k\u00fcrzlich eine Di\u00e4tenerh\u00f6hung von 10% mit der Begr\u00fcndung genehmigten, dies m\u00fcsse sein, weil die Abgeordneten sonst in die freie Wirtschaft wechseln. Wie die Studie zeigt, ist das Gegenteil richtig: die freie Wirtschaft kann mit Abgeordneten gar nichts anfangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<div id=\"attachment_1776\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/DWO-WI-Beruflich-1500x1000.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1776\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-1776 \" title=\"DWO-WI-Beruflich-1500x1000\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/DWO-WI-Beruflich-1500x1000.jpg\" alt=\"Grafik Karrierekiller\" width=\"540\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/DWO-WI-Beruflich-1500x1000.jpg 900w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/DWO-WI-Beruflich-1500x1000-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1776\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/karriere\/article126401899\/Job-im-Bundestag-ist-spaeter-oft-ein-Karrierekiller.html<\/p><\/div>\n<p>Autor Alexander Neubacher nun nahm die Studie zum Anlass f\u00fcr eine Geschichte unter dem Titel \u201eKarrierekiller Bundestag\u201c. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wenn also Fachkr\u00e4fte wie der ungelernte Hilfsarbeiter <a href=\"http:\/\/jan-muecke.de\/\" target=\"_blank\">Jan M\u00fccke<\/a> (FDP) in den Bundestag gelangen und danach als vorgeblich selbst\u00e4ndiger Immobilienverwalter arbeiten, dann ist der Bundestag ein Karrierekiller?<\/p>\n<p>Mit keinem Wort wird hier thematisiert, dass im gegenw\u00e4rtigen Politikzirkus das Leistungsprinzip ausgehebelt ist. Darum h\u00fcten sich ebenso gut ausgebildete wie intelligente Menschen in gro\u00dfer Mehrheit, sich diesen Zirkus freiwillig zu geben. Sie aber h\u00e4tten die gr\u00f6\u00dften Chancen, nach einer politischen Auszeit wieder t\u00e4tig zu werden. Wer dagegen von vornherein nur als schlecht oder gar nicht ausgebildeter \u201eParteisoldat\u201c in die Politik geht, muss nat\u00fcrlich damit rechnen, am Ende der Politik schlechte Voraussetzungen f\u00fcr einen neuen Anfang zu haben \u2013 aber genau diese Parteisoldaten sind es, die gegenw\u00e4rtig an den Hebeln der Macht sitzen. Ein Bewerbungstraining f\u00fcr einen Jan M\u00fccke h\u00e4tte eben darum keinerlei Effekt, weil es keine Substanz gibt, die man trainieren k\u00f6nnte. Vor 12 Jahren sah das dasselbe Medium noch selbst ein: &#8222;Vielen Hinterb\u00e4nklern mangelt es erschreckend an Fachkompetenz.&#8220; Das Problem ist nur, dass M\u00fccke parlamentarischer Staatssekret\u00e4r war&#8230; <\/p>\n<p>Die eigentliche Frage muss also lauten: wie k\u00f6nnen solche Personen \u00fcberhaupt in den Bundestag gelangen, der sich dann zwar nicht als Karriereturbo, wohl aber als Geldvermehrungsturbo erweist? Und also muss die n\u00e4chste Frage lauten, wie eine solche \u00dcberschrift zustande kommt, obwohl es in Wirklichkeit um die Betrachtung von Personen geht, die das verflossene Mandat dann als Geldvermehrungskiller ansehen? 70 Prozent der Befragten haben durch den Mandatsverlust Einbu\u00dfen zu verkraften, so Kienbaum. Jeder F\u00fcnfte verdiene jetzt weniger als 30 000 Euro im Jahr &#8211; angeblich das deutsche Durchschnittsbrutto f\u00fcr Vollzeitbesch\u00e4ftigte. Aber solche Fragen zu stellen ist ja verp\u00f6nt, abgesehen davon, dass ich als promovierter Dozent auch gern mal 30 000 Euro im Jahr verdient h\u00e4tte&#8230;<\/p>\n<p>Da wundert allerdings auch nicht, dass die Mehrheit der Befragten auf den Politbetrieb nicht gut zu sprechen ist. Drastisch und <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/persoenlich-ehemalige-bundestagsabgeordnete-muss-putzen-gehen-1353747.html\" target=\"_blank\">medienwirksam<\/a> hatte das seit 2006 die Ex-SPD-Abgeordnete <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lilo_Friedrich\" target=\"_blank\">Lilo Friedrich<\/a> thematisiert, die nach rund 100 fehlgeschlagenen Bewerbungen in die Selbstst\u00e4ndigkeit als \u201ePutzfee\u201c ging:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Ich habe Hartz IV mitentschieden. Aber wir m\u00fcssen viel genauer hinsehen, wen es trifft und wie. Denn es ist ja keine Arbeit da, in die man die Leute bringen k\u00f6nnte.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Eben. * Ein Diplom-Medizinp\u00e4dagoge wie <a href=\"http:\/\/www.mz-web.de\/mitteldeutschland\/fdp-politiker-jens-ackermann-vom-bundestag-auf-den-fahrersitz-eines-krankenwagens,20641266,25914118.html\" target=\"_blank\">Jens Ackermann<\/a> (FDP), immerhin im Gesundheitsausschuss des Bundestags, hat tats\u00e4chlich eine Stelle gefunden, die seiner Qualifikation entspricht: als Notfallsanit\u00e4ter. * (Ironiemodus aus) Nicht in seiner eigenen Firma auf dem freien Markt, den die Liberallala ja nicht aufh\u00f6rt zu beschw\u00f6ren, dem auszusetzen sie sich aber wenn irgendm\u00f6glich verweigert. Nein, in der Firma seines Vaters. Soviel zum Fachkr\u00e4ftemangel in diesem Land. Aber immerhin: ein Taxifahrer ohne Schulabschluss konnte nach seiner Entlassung als Minister sogar Professor in Princeton werden \u2013 ganz ohne dass sich jemand um ihn k\u00fcmmern musste\u2026<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D1775&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da ist wieder mal eine Studie erschienen, deren publizistische Verwertung durch den SPIEGEL an manipulativer Scheinheiligkeit nicht zu \u00fcberbieten ist. Der Fakt: Kienbaum hat unsere Ex-Bundestagsabgeordneten nach ihrer \u201eAnschlussverwendung\u201c befragt, 47 antworteten. 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