{"id":2858,"date":"2015-06-21T22:04:38","date_gmt":"2015-06-21T21:04:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=2858"},"modified":"2015-06-21T22:04:38","modified_gmt":"2015-06-21T21:04:38","slug":"wenn-aus-fluchtlingen-graber-werden-und-gauck-dazu-lugt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=2858","title":{"rendered":"Wenn aus Fl\u00fcchtlingen Gr\u00e4ber werden und Gauck dazu l\u00fcgt"},"content":{"rendered":"<p>Ein Journalist lernt als eine eherne Regel: wenn dich ein Ereignis laut loslachen oder vor Wut in die Tischkante bei\u00dfen l\u00e4sst, oder vor Entsetzen zu Tr\u00e4nen r\u00fchrt &#8211; dann mache eine Glosse draus. Mich plagten am Wochenende alle drei Emotionen zugleich, weshalb ich lieber eine Polemik versuche.<\/p>\n<p>Das Ereignis: 4600 Menschen demonstrieren in Stuttgart f\u00fcr Ehe und Familie. 5200 dagegen in Berlin f\u00fcr die im Mittelmeer ertrunkenen Fl\u00fcchtlinge. Und parallel dazu missbrauchte Joachim Gauck den nationalen Gedenktag f\u00fcr die Vertriebenen des 2. Weltkrieges, um in geschichtsklitternder Weise einen Vergleich zwischen den Millionen Deutschen, die ab 1945 unter anderem aus Ostpreu\u00dfen, B\u00f6hmen oder Schlesien vertrieben wurden, und den afrikanischen Wirtschaftsfl\u00fcchtlingen der Gegenwart anzustellen. Wenn ich dar\u00fcber wirklich nachdenke&#8230;<\/p>\n<div id=\"attachment_2859\" style=\"width: 462px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/1.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2859\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2859\" title=\"1\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/1-300x200.jpg\" alt=\"Demo in Stuttgart. Quelle: https:\/\/scontent-vie1-1.xx.fbcdn.net\/hphotos-xpf1\/t31.0-8\/p180x540\/10995461_1653058304913195_8762409500704023089_o.jpg\" width=\"452\" height=\"301\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/1.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 452px) 100vw, 452px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2859\" class=\"wp-caption-text\">Demo in Stuttgart. Quelle: https:\/\/scontent-vie1-1.xx.fbcdn.net\/hphotos-xpf1\/t31.0-8\/p180x540\/10995461_1653058304913195_8762409500704023089_o.jpg<\/p><\/div>\n<p>Nein, die Tiefendimension lasse ich mal und beschr\u00e4nke mich auf die zu Tage getretenen Berliner Erb\u00e4rmlichkeiten, zuv\u00f6rderst die Gauck\u2018schen. Das demagogische Fazit unseres Bundespr\u00e4sidenten lautet: was damals funktionierte, muss es doch auch heute. Verantwortungslosigkeit ist das Harmloseste, was man ihm angesichts solcher haneb\u00fcchenen \u00c4u\u00dferungen vorwerfen kann. Wer millionenfach unter furchtbarsten Bedingungen ins deutsche Kerngebiet str\u00f6mte, waren autochthone Deutsche, Angeh\u00f6rige desselben Sprach- und Kulturraums, wie eben auch jene, von denen sie dann in Empfang genommen wurden. Die aber, die heute unter, ja, unangenehmen Umst\u00e4nden nach Deutschland kommen, entstammen einem v\u00f6llig anderen kulturellen und zivilisatorischen Hintergrund, von sprachlichen Barrieren ganz abgesehen. Wer hier allen Ernstes behauptet, angesichts unserer im kollektiven Ged\u00e4chtnis verankerten Erfahrungen der Nachkriegszeit kann die Aufnahme und Integration von Hunderttausenden Wirtschaftsfl\u00fcchtlingen aus komplett anderen Erdteilen nicht mehr sein als ein Kinderspiel, beweist nur, wie ungeeignet er f\u00fcr das h\u00f6chste Amt im deutschen Staate ist.<\/p>\n<p>Aber vor allem: die Vertriebenen aus den verlorenen deutschen Territorien w\u00e4ren, wenn sie nur gedurft h\u00e4tten, gerne in ihrer angestammten Heimat geblieben, um sie wieder aufzubauen. Sie flohen nicht f\u00fcr ein sch\u00f6nes Leben zum Nulltarif in ein fernes Schlaraffenland, sondern dahin, was von ihrem Staat noch \u00fcbrig war. Sie erwarteten keine gedeckten Tische, sondern nichts als harte Arbeit und schwere Opfer. Wer hingegen die afrikanischen L\u00e4nder wieder aufbauen soll, nachdem deren junge Generation komplett gen Europa ausgewandert ist, k\u00f6nnen uns weder Gauck noch Merkel oder gar Claudia Roth  erkl\u00e4ren \u2013 ganz abgesehen von der Diskussion, warum die arabisch-islamischen Golfstaaten mit dem riesigen Saudi-Arabien (das auch das kultische Mekka beheimatet) sich gegen jedwede Fl\u00fcchtlinge sperren.<\/p>\n<p>Aber hat man je eine afrikanische Regierung Alarm schlagen h\u00f6ren, hat sich die Afrikanische Union je zu einem Sondergipfel getroffen, um sich die Frage zu stellen: Was machen wir falsch? Nein! Wenn die M\u00e4chtigen in Afrika dieses Thema \u00fcberhaupt ansprechen, dann, um die \u201eAbschottung Europas\u201c zu kritisieren. So manche dieser afrikanischen Regierungen mag sogar klammheimlich froh sein, wenn die ambitionierten, aber frustrierten Menschen das Land verlassen \u2013 ansonsten w\u00fcrden diese vielleicht auf die Barrikaden steigen. So kann man die Arbeitslosigkeit einfach exportieren \u2026 und die Emigrierten st\u00fctzen die Wirtschaft und indirekt das Regime, indem sie Geld nach Hause \u00fcberweisen.<\/p>\n<p>Aber weiter: die Kampagne des Zentrums f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit unter dem Motto \u201eDie Toten kommen\u201c. Dass 50 Teilnehmer, darunter Ex-Piraten-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ponader, wegen Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch und Sachbesch\u00e4digung verhaftet wurden, ist nur eine Randnotiz. Wichtiger: der Tenor der Medien, die \u00fcber die verbotenerweise ausgegrabenen 100 Gr\u00e4ber vor dem Bundestag berichten. Der \u201eTagesspiegel\u201c, lakonisch: \u201e\u2018Und sie graben flei\u00dfig weiter.\u2018\u201c Gegraben wird mit allem, was zur Verf\u00fcgung steht: Schaufeln, Skateboards und mit blo\u00dfen H\u00e4nden. Die Stimmung ist fast ausgelassen, die meisten Aktivisten wirken zufrieden.\u201c Die \u201eZeit\u201c, drastisch: \u201eGauck sagte also: \u201aWir w\u00fcrden unsere Selbstachtung verlieren, wenn wir Menschen, die vor den Toren unseres Kontinents auf dem Wasser treiben, sich selbst \u00fcberlie\u00dfen.\u2018 Das Ziel der Berliner Aktivisten ist es, den Konjunktiv aus diesem Satz zu schmei\u00dfen. Die Selbstachtung ist dahin, es wird Zeit, sie wieder herzustellen.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_2860\" style=\"width: 462px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/2.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2860\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2860\" title=\"2\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/2-300x204.jpg\" alt=\"Aktion in Berlin. Quelle: http:\/\/polpix.sueddeutsche.com\/polopoly_fs\/1.2531610.1434899199!\/httpImage\/image.jpg_gen\/derivatives\/860x860\/image.jpg\" width=\"452\" height=\"307\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2860\" class=\"wp-caption-text\">Aktion in Berlin. Quelle: http:\/\/polpix.sueddeutsche.com\/polopoly_fs\/1.2531610.1434899199!\/httpImage\/image.jpg_gen\/derivatives\/860x860\/image.jpg<\/p><\/div>\n<p>Was mich verst\u00f6rt, ist vor allem die Interpretation der Scheinpolitik, der Inszenierung, des Emp\u00f6rungszirkus, der sich tats\u00e4chlich so ernst nimmt: \u201eWelche Werte sind in unserer politischen Klasse noch von Bedeutung, wenn die Unversehrtheit einer Wiese \u00fcber der Trauer um tausende Tote steht?\u201c, fragen die Piraten und meinen das nicht ironisch! Ist das &#8222;Umbuddeln&#8220; einer Wiese (&#8222;Zeit&#8220;) heute Trauer, soll solche &#8222;Moral to go&#8220; heut Standard werden? Und wer trauert eigentlich um wen, um welche\/wessen Familienangeh\u00f6rigen?<\/p>\n<p>All das interessiert die Medien nicht, im Gegenteil; &#8220; Und so war all das wohl eine gelungene Aktion&#8220;, freut sich unverbl\u00fcmt die &#8222;Zeit&#8220;. So machen also \u201eK\u00fcnstler\u201c auch noch ungewollt gute Werbung &#8211; f\u00fcr die Mafia, korrupte Polizisten, Schlepper und deren Helfershelfer. Aber warum auch sich mit komplexen Problemen auseinander setzen, wenn man stattdessen soviel ideologischen M\u00fcll verbreiten kann? &#8222;Schwarzes Revoluzzertheater mit Remmidemmi-Faktor&#8220; erbarmt sich wenigstens die &#8222;Welt&#8220; zu einer Relativierung.<\/p>\n<p>Mein Fazit: effektvolle L\u00fcgen werden inzwischen als Freiheit der Kunst ausgegeben. Und die Leitmedien w\u00fcrdigen die freiheitlichen Effekte, anstatt die L\u00fcgen zu demaskieren \u2013 und vor allem die Hintergr\u00fcnde zu analysieren, auf denen die L\u00fcgen gegr\u00fcndet werden. Wenn fremdes Leid wichtiger wird als das der eigenen Bev\u00f6lkerung, darf Honecker im Grab noch einer abgehen. Hey, Sozialismus, alles richtig gemacht.<\/p>\n<p>Und der Scheinwerfer f\u00e4llt und f\u00e4llt nicht vom Himmel\u2026<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D2858&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Journalist lernt als eine eherne Regel: wenn dich ein Ereignis laut loslachen oder vor Wut in die Tischkante bei\u00dfen l\u00e4sst, oder vor Entsetzen zu Tr\u00e4nen r\u00fchrt &#8211; dann mache eine Glosse draus. 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