{"id":3151,"date":"2017-05-12T18:42:39","date_gmt":"2017-05-12T17:42:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3151"},"modified":"2017-08-13T18:50:12","modified_gmt":"2017-08-13T17:50:12","slug":"asa-editorial-16-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3151","title":{"rendered":"ASA-Editorial 16-2017"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Mitglieder, F\u00f6rderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;<\/p>\n<p>wir m\u00fcssen \u00fcber die Rolle von Musikern in aktueller Politik nachdenken. Als der \u00f6sterreichische Bundespr\u00e4sident Alexander Van der Bellen in einer Diskussionsrunde mit Sch\u00fclern in Wien w\u00f6rtlich sagte: \u201eWir werden noch alle Frauen bitten m\u00fcssen, Kopftuch zu tragen aus Solidarit\u00e4t mit jenen, die es aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden tragen\u201c, heizte Volks-Rocks\u00e4nger Andreas Gabalier die Stimmung mit einem Facebook-Post an. Darin verspottet er den Bundespr\u00e4sidenten mit einem Foto, auf dem der S\u00e4nger mit einem Kopftuch zu sehen ist. \u201eAus Solidarit\u00e4t unseren Frauen gegen\u00fcber\u201c, wie er schreibt. Zu dem Schnapsglas, das er auf dem Bild in der Hand h\u00e4lt, hei\u00dft es: \u201eIn weiser Voraussicht auf das noch folgende Alkoholverbot aus Solidarit\u00e4t jenen Religionen gegen\u00fcber in denen man keinen Alkohol trinkt, habe ich heute schon einmal damit begonnen mein Verdauungsschnapserl nach meinem geliebten Schweinsbraten gegen ein Stamperl steirisches Kern\u00f6l zu ersetzen!\u201c F\u00fcr seinen Beitrag kassierte Gabalier bis 3. Mai 80.000 Likes \u2013 dazu 6.100 meist wohlwollende Kommentare.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich Xavier Naidoo: der Tourauftakt der \u201eS\u00f6hne Mannheims\u201c mit ihrem Leads\u00e4nger sorgte f\u00fcr gemischte Reaktionen \u2013 vor allem das Lied \u201eMarionetten\u201c. Es rief gar Gespr\u00e4chsstoff hervor, weil darin Politiker massiv beschimpft w\u00fcrden &#8211; die Stadt Mannheim spricht gar von \u201eantistaatlichen Aussagen\u201c. Explizit genannt: der Refrain. Dort hei\u00dft es: \u201eWie lange wollt ihr noch Marionetten sein? Seht ihr nicht, ihr seid nur Steigb\u00fcgelhalter. Merkt ihr nicht, ihr steht bald ganz allein. F\u00fcr eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter.\u201c Die drei verschiedenen Videofassungen bei YouTube verzeichneten bis 3. Mai \u00fcber 300.000 Zugriffe.<\/p>\n<p>Aber: laut der Brandenburgischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung ist etwa der Begriff \u201eMarionetten\u201c ein Sprachbild aus dem Repertoire des klassischen Antisemitismus. Der \u201eStern\u201c verstieg sich zur arroganten Bezeichnung \u201eSonnenbank-Soul aus dem Ein-Euro-Shop\u201c, die FAZ zu \u201eReichsb\u00fcrger-Hymne\u201c, die BZ textete \u201eEr benutzt radiofreundliche Popmusik, um fundamentalistische und rechtsextremistische Positionen mitten im deutschen Mainstream zu verankern\u201c. F\u00fcr den SPIEGEL ist das \u201eumst\u00fcrzlerische, staatsfeindliche Rhetorik von Pegida und der AfD-Rechten\u201c eines S\u00e4ngers im \u201eWutb\u00fcrger-Morast\u201c. Und in der ZEIT stand tats\u00e4chlich dieser Satz: \u201eF\u00fcr die Zukunft w\u00fcnsche ich dir allen Boykott, den du bekommen kannst.\u201c <\/p>\n<p>Jan B\u00f6hmermanns parodiert die \u201eHurens\u00f6hne Mannheims\u201c, mit denen \u201ejeden Tag Montagsdemo in deinem CD-Player\u201c sei, und schl\u00e4gt den neuen Naidoo-Song f\u00fcr den \u201eLutz-Bachmann-Preis f\u00fcr nicht-entartete Kunst\u201c vor. Der Gipfel: \u201eDas ist plumper und gewaltverherrlichender Pegida-Sprech\u201c, sagt Claudia Roth. Prompt fordert in Rosenheim ein B\u00fcndnis namens \u201eKein Hass auf Rosenheims B\u00fchnen\u201c schon seit Beginn des Jahres, die S\u00f6hne Mannheims aus dem \u00f6rtlichen Sommerfestival im Mangfallpark wieder auszuladen. Naidoo sei ein \u201eHassprediger\u201c, sagt B\u00fcndnissprecher Johannes M\u00fcller. Da k\u00f6nnen wir auch gleich die Spielerlaubnis der DDR wieder einf\u00fchren.<\/p>\n<p>Apropos DDR: dritter im Bunde ist Werner Karma, der begnadete Texter u.a. von Electra, City und nat\u00fcrlich Silly mit Tamara Danz. Die sang, was nicht gesagt werden durfte &#8211; mit Worten, die es auf ihre Weise dennoch taten. Von Karma stammen so legend\u00e4re Silly-Zeilen wie \u201eAlles wird besser, aber nichts wird gut\u201c oder \u201eWo wir sind, ist vorn. Und wenn wir hinten sind, ist hinten vorn\u201c. Er wolle nicht mehr, lie\u00df er, leider, vor ein paar Tagen verlauten, denn heute g\u00e4be es keinen Bedarf mehr an gesungenen Geschichten, sondern nur noch \u201egereimtes H\u00f6rensagen\u201c: \u201eDie singen so \u00f6den Mist, sondern nur Befindlichkeitsprosa ab. Die meisten kommen leider aus Eitelkeit gar nicht an den Punkt, an dem es wehtut. \u201aAuthentisch\u2018 wird heute leider als \u201agut\u2018 missverstanden. Es bedeutet aber nur, dass sich etwas genau abbildet. Dass halt nicht mehr herauskommt, als jemand hineinzugeben vermag. Auf Dauer wird das Publikum gen\u00fcgsam, das denkt eben, es geht nicht besser.\u201c <\/p>\n<p>Ein Beispiel, wie Karmas Metaphern noch nach Jahrzehnten wirken? \u201eUnd die M\u00e4rchen \u00fcbers Reisen \/ werden mit den Jahren mehr\u201c &#8211; wegen dieser Zeile wurde eine Silly-LP unter dem Titel \u201eZwischen unbefahrenen Gleisen\u201c 1984 mit einem Ver\u00f6ffentlichungsverbot belegt. Ein Jahr sp\u00e4ter erschien sie als \u201eLiebeswalzer\u201c bei Amiga \u2013 mit dem Song der \u201e<a href=\"http:\/\/www.musictory.de\/musik\/Silly\/Die+Alten+M%C3%A4nner\">Alten M\u00e4nner<\/a>\u201c, dessen Ende lautet: <\/p>\n<p>\u201eDie alten M\u00e4nner tanzen nicht mehr \/ Doch in den Seelen schweben sie sehr<br \/>\nWenn\u2018s an der Zeit ist, packen sie aus \/ Dann tanzen alle nach Johann Strau\u00df\u201c<\/p>\n<p>Naidoo und Gabalier beweisen, dass noch nicht alles verloren ist und der altersweise Karma hoffentlich etwas zu schwarz sieht. Denn: wir brauchen gute deutschsprachige Texte heute mehr denn je, <a href=\"http:\/\/www.afdsachsen.de\/files\/afd\/landesverband-sachsen\/download\/afd-sachsen-aktuell\/2017\/asa-16-2017.pdf\">meint<\/a><\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Ihr<\/p>\n<p>Dr. Thomas Hartung<br \/>\nStellv. Landesvorsitzender<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3151&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir m\u00fcssen \u00fcber die Rolle von Musikern in aktueller Politik nachdenken. Als der \u00f6sterreichische Bundespr\u00e4sident Alexander Van der Bellen in einer Diskussionsrunde mit Sch\u00fclern in Wien w\u00f6rtlich sagte: \u201eWir werden noch alle Frauen bitten m\u00fcssen, Kopftuch zu tragen aus Solidarit\u00e4t mit jenen, die es aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden tragen\u201c, heizte Volks-Rocks\u00e4nger Andreas Gabalier die Stimmung mit einem Facebook-Post an. 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