{"id":3163,"date":"2017-06-27T19:27:04","date_gmt":"2017-06-27T18:27:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3163"},"modified":"2017-08-13T19:30:26","modified_gmt":"2017-08-13T18:30:26","slug":"asa-editorial-22-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3163","title":{"rendered":"ASA-Editorial 22-2017"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Mitglieder, F\u00f6rderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;<\/p>\n<p>wir sollten mal wieder \u00fcber Meinungsfreiheit nachdenken. Anlass ist ein in der bundesrepublikanischen Geschichte nahezu einmaliger Vorgang: das Votum einer seit 15 Jahren t\u00e4tigen unabh\u00e4ngigen Jury im Dienste des NDR-Labels \u201eSachb\u00fccher des Monats\u201c wird von taz bis FAZ als Votum f\u00fcr einen rechtsextremen Autor kritisiert. Um wen geht es? Um Rolf-Peter Sieferle, der bis dato als Professor an der Eidgen\u00f6ssischen Hochschule St. Gallen nur einem interessierten Kreis bekannt war und sich im vergangenen Herbst das Leben genommen hatte, und sein in G\u00f6tz Kubitscheks Verlag erschienenes Buch \u201eFinis Germania\u201c. Bei der Empfehlung der Sachb\u00fccher f\u00fcr den Monat Juni hatte es der Spiegel-Redakteur Johannes Saltzwedel gewagt, sein Stimmrecht zu nutzen, um zu fordern, \u201eein Buch zu lesen, in dem die meisten heiligen K\u00fche geschlachtet werden, die heute herumlaufen\u201c, schrieb Karlheinz Wei\u00dfmann. <\/p>\n<p>Er habe, erkl\u00e4rte Saltzwedel laut \u201eJunger Freiheit\u201c, \u201ebewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollen. Sieferles Aufzeichnungen sind die eines final Erbitterten, gewollt riskant formuliert in aphoristischer Zuspitzung. Man m\u00f6chte \u00fcber jeden Satz mit dem Autor diskutieren, so dicht und w\u00fctend schreibt er.\u201c Er warf den anderen Jury-Mitgliedern Illiberalit\u00e4t und zensierende \u201eKonsensw\u00e4rme\u201c vor und begr\u00fcndete seine Empfehlung als \u201eVotum gegen einen Zeitgeist, der die Preisgabe der europ\u00e4ischen und der deutschen Kultur zugunsten eines diffusen Weltb\u00fcrgertums propagiert\u201c.<\/p>\n<p>Was erhob sich f\u00fcr ein Geschrei! Der NDR k\u00fcndigte die Zusammenarbeit mit der Jury auf: \u201eDie &#8218;Sachb\u00fccher des Monats&#8216; werden von NDR Kultur bis auf weiteres nicht mehr ver\u00f6ffentlicht.\u201c Man schere sich nicht mehr um einen klugen Kopf, sondern wolle nur noch gewinnen im Wettlauf um den ersten Preis politischer Korrektheit, w\u00fctet Wei\u00dfmann. Dabei war Sieferle von der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c posthum, im Oktober 2016, als \u201eunerschrockener, immer rationaler Denker\u201c und von der Universit\u00e4t St. Gallen als \u201euniversaler Denker und sympathischer Kollege\u201c gelobt worden. Das beanstandete Werk aus dem Giftschrank Antaois erhielt durch die medialen Wellen, die der Fall geschlagen hatte, eine solche Aufmerksamkeit, dass es nun auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste rangiert.<\/p>\n<p>Was sagt uns das? Leser reagieren anders auf Belesene, klar. Aber auch kr\u00e4ftige Verrisse (\u201eekelhafte wie stellenweise unverst\u00e4ndliche Endzeitdiagnostik, die nicht weiter erw\u00e4hnenswert w\u00e4re &#8230;\u201c) k\u00f6nnen Leser ja mit Erkenntnisgewinn lesen. Vielleicht ist zumindest ein gutes Zeichen, dass ungef\u00e4hr erstmals seit Frank Schirrmachers Tod wieder so etwas wie eine Feuilleton-Debatte zu entstehen schien. Eine Debatte, die am Wochenende erst Michael Klonovsky mit einer vernichtenden SPIEGEL-Kritik befeuerte. Sieferle z\u00f6ge \u2013 zu Recht! \u2013 eine heilsgeschichtliche Parallele zwischen der Stigmatisierung der Juden als Gottesm\u00f6rder und der Stigmatisierung der Deutschen als Judenm\u00f6rder: Zarte Gem\u00fcter m\u00f6gen solche Vergleiche erschrecken, denn \u201eDu sollst nicht vergleichen!, lautet bekanntlich das Erste Gebot der neudeutschen Zivilreligion\u201c.<\/p>\n<p>Genau einen solchen Vergleich musste ich diese Woche ebenfalls ziehen. \u201eWenn  NDR-Moderatorin Anja Reschke auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche ablehnt, sich mit \u201aP\u00f6blern\u2018 auseinanderzusetzen, misst sie schon mit zweierlei Ma\u00df\u201c, erkl\u00e4rte ich. \u201eIch m\u00f6chte gern erleben, dass sich der NDR nicht mit SPD-Politikern auseinandersetzt wie Ralf Stegner oder Yasmin Fahimi (\u201aSchande f\u00fcr Deutschland\u2018),Siegmar Gabriel (\u201aSammelbecken f\u00fcr rechtsradikale Hetzer\u2018 \/ \u201aPack\u2018) oder Thomas Oppermann (\u201ahochgef\u00e4hrliche Vulg\u00e4r-Rassisten\u2018).Aber auch Politiker von der CDU wie Wolfgang Sch\u00e4uble (\u201aSumpfbacken\u2018), MdB Albert Stegemann (\u201aScheiss Nazis\u2018) oder von den Gr\u00fcnen wie Robert Habeck (\u201aRassisten im Schafspelz\u2018) d\u00fcrften dann kein Podium bekommen \u2013 von Ex-Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck (\u201aDunkeldeutschland\u2018) oder sog. Satirikern wie Christian Ehring (\u201aNazi-Schlampe\u2018) ganz zu schweigen.\u201c<\/p>\n<p>Einerseits falsche Deutungen vorschreiben, andererseits alternative Deutungen als falsch denunzieren \u2013 das ist kein guter Weg, <a href=\"http:\/\/www.afdsachsen.de\/files\/afd\/landesverband-sachsen\/download\/afd-sachsen-aktuell\/2017\/asa-22-2017.pdf\">meint<\/a><\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Ihr<\/p>\n<p>Dr. Thomas Hartung<br \/>\nStellv. Landesvorsitzender<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3163&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sollten mal wieder \u00fcber Meinungsfreiheit nachdenken. 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