{"id":3170,"date":"2017-07-31T19:38:50","date_gmt":"2017-07-31T18:38:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3170"},"modified":"2017-08-13T19:43:17","modified_gmt":"2017-08-13T18:43:17","slug":"asa-editorial-25-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3170","title":{"rendered":"ASA-Editorial 25-2017"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Mitglieder, F\u00f6rderer und Freunde der AfD Sachsen, liebe Leser;<\/p>\n<p>wir sollten \u00fcber Kunst nachdenken. Oder besser: das, was uns die \u201eDokumenta 14\u201c in Athen und Kassel als solche verkaufen will. Ich habe zwei Tage meines Urlaubs daf\u00fcr geopfert und \u00fcbertreibe nicht, wenn ich schreibe: selbst die Kunstausstellungen der DDR waren unpolitischer. Ich \u00fcbergehe die Ursachen, warum das so werden konnte, wie es ist, und nehme eine Bestandsaufnahme vor. Die wird auch noch schlimm genug.<\/p>\n<p>\u201eWir hoffen, dass die Documenta 14 einer von vielen Schritten sein wird auf dem Weg in eine Welt, in die wir leben wollen\u201c, schreibt der Kurator Adam Szymczyk \u00fcber seine Schau. Diese Kunsterfahrung solle \u201eder Versuch einer ganz neuen Existenzweise\u201c werden. Cathrin Lorch meint prompt eine sanfte Utopie zu erkennen, einen exterritorialen Ort, \u201ean dem die K\u00fcnste und die K\u00fcnstler miteinander arbeiten, ausstellen und feiern\u201c und an dem \u201eweder Kunststile noch Gattungen von Belang\u201c seien. <\/p>\n<p>Das sehe ich nun komplett anders: es ist allein die gutmenschliche Aussage, die z\u00e4hlt \u2013 \u201erichtige\u201c Inhalte statt stimmige Formen. Und diese Aussage, die nicht herausfordert, sondern einengt, schreckt selbst vor der Feuer-Metapher nicht zur\u00fcck: die vom Fridericianum wabernden Qualmwolken, das Kunstwerk \u201eExpiration Movement\u201c hat der 1968 in Bukarest geborene K\u00fcnstler Daniel Knorr eigens f\u00fcr Kassel entworfen. Ich \u00fcbersetze sie mit \u201eKrieg\u201c &#8211; ein gewaltsamer, durchaus unartifizieller Prozess, vor dem viele fl\u00fcchten\u2026 und der genau darum auch die Fluchtorte heimsucht. Der Rauch \u2013 ein Menetekel. Krieg, Flucht\/Vertreibung, Nichtankunft\/Unbehaustheit, und auch Ungewolltsein \u2013 viele Objekte haben leider mit Propaganda zu tun, mit Slogans, mit griffigen Motiven von Karikaturisten als mit Kunst, die ihr Gewicht und ihre Bedeutung eigentlich daraus sch\u00f6pfen sollte, dass sie frei ist.<\/p>\n<p>Dabei spielten Betrachterperspektive, Windrichtung und Wetter eine interpretative Rolle, da sich je nach Lage andere Assoziationen er\u00f6ffneten: \u201eManchmal wird das Fridericianum von Weitem vielleicht aussehen wie ein industrieller Bau, eine Fabrik. Das ist ja auch passend, die Documenta ist ein Ort der Kunstindustrie. Nat\u00fcrlich erinnert der Rauch auch an Vorg\u00e4nge wie die B\u00fccherverbrennung der NS-Zeit \u2013 in Kassel wurde die Reichskristallnacht geprobt, da liegt es nicht fern, daran zu denken. Auch die Krematorien der Vernichtungs- und Konzentrationslager waren nicht weit entfernt.\u201c Da war es also heraus. <\/p>\n<p>In der S\u00fcZ durfte sich Kia Vahland m\u00e4\u00dfig aufregen: \u201eDie Documenta interessiert sich herzlich wenig f\u00fcr Gegenargumente, nicht einmal zu dem Zweck, sie zu widerlegen\u2026 Man kann auch durch Nichtinformation manipulieren. Wer alle Autorit\u00e4ten abschafft, inszeniert sich selbst als letzte Instanz. Die Documenta in Kassel erreicht diesen Effekt mit gezielter Einseitigkeit in der Pr\u00e4sentation. Fr\u00fchere Ausgaben verstanden unter politischer Kunst die Dokumentation des Weltzustandes, man erfuhr viel \u00fcber Hafenarbeiter in S\u00fcdafrika oder die Wohnungsnot von Hurrikanopfern. Sie zeigten, was in der Aufmerksamkeits\u00f6konomie der Massenmedien \u00f6fter mal zu kurz kommt, subjektive Berichte vom Leben der anderen. Anteilnahme aber gen\u00fcgt den Kuratoren diesmal nicht, jetzt geht es um Parteinahme.\u201c<\/p>\n<p>Dem ist wenig hinzuzuf\u00fcgen. Kaum ein Objekt, das mich ad hoc \u00e4sthetisch ansprach. Kaum eine Fotografie, die durch Komposition, Licht oder Tiefensch\u00e4rfe begeisterte. Kaum ein Bild, das durch Idee, Farbe oder Technik bet\u00f6rte. Statt dessen Plakativit\u00e4t, Simplizit\u00e4t \u2013 und, noch gar nicht erw\u00e4hnt, Gigantismus, der manchmal monumental, manchmal monstr\u00f6s wirkt. So steht auf dem Platz vor dem Fridericianum das gr\u00f6\u00dfte Kunstwerk der Gegenwart: die Argentinierin Marta Minujin hat dort mit t\u00e4tiger Mithilfe vieler Kasseler einen \u201eParthenon of Books\u201c, einen Akropolis-Tempel aus B\u00fcchern aufgeschichtet. Das Besondere: nur B\u00fccher, die irgendwo auf der Welt zensiert waren, durften verbaut werden. Darunter waren Texte aus der ehemaligen Sowjetunionm aber auch Mickey Mouse (in der DDR verboten) \u2013 und nat\u00fcrlich die Werke, die bei den B\u00fccherverbrennungen der Nationalsozialisten ins Feuer geworfen wurden, womit sich der Kreis zum qualmenden Fridericianum schlie\u00dft.<\/p>\n<p>Was bleibt? Die Hoffnung auf die n\u00e4chste Dokumenta \u2013 ohne Ideologie und ohne Fl\u00fcchtlingsvordergrund, der selbst vor Stacheldraht als Kunstobjekt nicht Halt macht, <a href=\"http:\/\/www.afdsachsen.de\/files\/afd\/landesverband-sachsen\/download\/afd-sachsen-aktuell\/2017\/asa-25-2017.pdf\">meint<\/a><\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Ihr<\/p>\n<p>Dr. Thomas Hartung<br \/>\nStellv. Landesvorsitzender<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3170&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sollten \u00fcber Kunst nachdenken. Oder besser: das, was uns die \u201eDokumenta 14\u201c in Athen und Kassel als solche verkaufen will. Ich habe zwei Tage meines Urlaubs daf\u00fcr geopfert und \u00fcbertreibe nicht, wenn ich schreibe: selbst die Kunstausstellungen der DDR waren unpolitischer. Ich \u00fcbergehe die Ursachen, warum das so werden konnte, wie es ist, und nehme eine Bestandsaufnahme vor. 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