{"id":3263,"date":"2017-09-26T09:11:51","date_gmt":"2017-09-26T08:11:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3263"},"modified":"2018-08-12T10:43:18","modified_gmt":"2018-08-12T09:43:18","slug":"offener-brief-an-jana-hensel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3263","title":{"rendered":"Offener Brief an Jana Hensel"},"content":{"rendered":"<address>Liebe Jana Hensel,<\/address>\n<p>ich habe Sie noch nie gesehen. Auch war ich nicht auf dem Marktplatz von Finsterwalde. Aber ich habe Ihren \u201e<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2017-09\/angela-merkel-finsterwalde-wahlkampf-demonstranten-brief\" target=\"_blank\">Offenen Brief<\/a>\u201c an die Kanzlerin gelesen. Darin fordern Sie sie unter anderem auf, \u201emit den P\u00f6blern, den St\u00f6rern, den vielen M\u00e4nnern\u201c zu reden, sich \u201evon den Rassisten der AfD, von ihren menschenverachtenden Parolen und Forderungen\u201c zu distanzieren und \u201edenen\u201c zu sagen, \u201ewas es hei\u00dft, Deutscher zu sein.\u201c Aber damit nicht genug \u2013 in einem <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/poebler-bei-merkel-reden-wir-machen-alle-fehler-im-umgang.694.de.html?dram:article_id=395747\" target=\"_blank\">Interview<\/a> mit dem DLF legten Sie noch mal nach und bezeichneten AfD-Anh\u00e4nger als \u201eehemalige NPD-Anh\u00e4nger. F\u00fcr die ist Angela Merkel eine Hassfigur.\u201c So muss auch Diederich He\u00dfling empfunden haben, wenn die verhassten, aber n\u00fctzlichen Sozialdemokraten eine Rede seines Kaisers zu st\u00f6ren wagten. Das h\u00e4tte ein FDJ-Wandzeitungsredakteur an der EOS nicht besser hinbekommen.<\/p>\n<p>Schrieben Sie nun einen redaktionellen Beitrag im Auftrag der CDU-PR-Abteilung? Einen Bewerbungstext als Nachfolgerin von Steffen Seibert? Eine Leseprobe aus Ihrem n\u00e4chsten Roman,\u00a0 Arbeitstitel \u201eDie Kindertr\u00e4nen von Finsterwalde\u201c? Ich habe diesen Brief mehrfach gelesen, ja lesen m\u00fcssen, und meine Gef\u00fchle waren jedes Mal andere: Staunen, Wut, Best\u00fcrzung\u2026 ein Potpourri, das mich zu einer ebenso offenen Antwort f\u00f6rmlich herausforderte, denn: ich bin erstens ein Mann und zweitens in der AfD \u2013 jener Partei, der Sie noch am 26. April in f\u00fcnf politischen Punkten Recht gaben. Ich lie\u00df mir f\u00fcr die Antwort bewusst Zeit \u2013 nicht nur, um nicht zu emotional zu retournieren, sondern auch, um mit unserem Wahlergebnis meine Argumentation abzurunden.<\/p>\n<p>Habe ich wirklich den Text einer Autorin gelesen, die wie ich aus dem \u201efalschen Land\u201c kommt, wie Sie eine Ihrer Figuren sagen lie\u00dfen; die gerade mal 14 Jahre j\u00fcnger ist als ich und dasselbe Fach studierte, in dem ich promovierte: Literaturwissenschaft? Die mich, ein ehemaliges LDPD-Mitglied, kurzerhand in die NPD schickt? Die eigentlich wissen muss, wo sie lebt und mit wem; die in verschiedenen Texten und Interviews die \u201eZone\u201c reflektierte, in \u201eZonenkinder\u201c die Mechanismen der DDR-Propaganda akribisch sezierte, die daf\u00fcr pl\u00e4dierte, dass \u201ewir Ostdeutschen anders bleiben\u201c sollten, die\u2026 nun ganz hin und weg von \u201eMutti\u201c ist?<\/p>\n<div id=\"attachment_3264\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/zonenkinder.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3264\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3264\" title=\"Cover &quot;Zonenkinder&quot;. Quelle: Rowohlt.de\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/zonenkinder.jpg\" alt=\"Cover &quot;Zonenkinder&quot;. Quelle: Rowohlt.de\" width=\"490\" height=\"750\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/zonenkinder.jpg 490w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/zonenkinder-196x300.jpg 196w\" sizes=\"(max-width: 490px) 100vw, 490px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3264\" class=\"wp-caption-text\">Cover &quot;Zonenkinder&quot;. Quelle: Rowohlt.de<\/p><\/div>\n<p>Fehlte nur noch, dass diese sprachliche Liebedienerei mit der Gru\u00dfformel \u201eUntert\u00e4nigst, Ihre Jana Hensel\u201c geendet h\u00e4tte. Haben Sie sich die 1819 Kommentare unter Ihrem Brief angesehen? Ich habe es getan. Haben Sie sich die Kommentare unter ihren sonstigen \u00c4u\u00dferungen in diesem Jahr angesehen? Auch das habe ich getan. Haben Sie sich eigentlich irgendetwas gedacht bei diesem Text; was muss geschehen sein, dass Sie so viel Realit\u00e4tsverleugnung publizieren wollten?<\/p>\n<p>Die Fabula beginnt damit, dass Sie mit ihrem Sohn von Berlin in die Niederlausitz zu Merkels Wahlkampfauftritt gefahren sind, \u201enicht nur, aber auch, weil er Sie sehen wollte. F\u00fcr Martin Schulz w\u00e4re er nicht so weit gefahren.\u201c Auf die Idee muss man erstmal kommen: als Berlinerin mit einem Neunj\u00e4hrigen nach Finsterwalde zum Wahlkampf zu fahren. Als Beginn einer Satire h\u00e4tte ich das gut gefunden. Alleine die Autofahrt muss man sich leisten k\u00f6nnen, bei vielen reicht heute das Geld dazu schon nicht mehr.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: ihr Sohn, der den Text rahmt. Dass Sie nicht wissen, \u201eob man von einem neunj\u00e4hrigen Kind schon sagen kann, dass er ein Fan ist\u201c, lasse ich ebenso unkommentiert wie die eindeutige \u201eschwarze\u201c Parteinahme wider den roten Buchh\u00e4ndler. Aber dass er \u201eauf seine kindliche Art stets gut von\u201c Merkel spr\u00e4che, w\u00e4hrend er \u201evon Donald Trump nicht\u201c so rede, ist eine haneb\u00fcchene Aussage. Klar, ich hatte als 9-j\u00e4hriger auch ganz profunde Vorstellungen von Ulbricht und Breshnew und Nixon und habe mit meinen Eltern st\u00e4ndig \u00fcber sie gesprochen. Da mussten die Mathearbeit, das Atze-Heft oder das Fahrradfahren schon mal hinten anstehen. Mal im Ernst: ist das Ihr Ernst? Es bedurfte nicht dieser stilistischen Figuration, um pseudoliterarisch die kindliche Unschuld als Kontrast zum vermeintlich schuldigen P\u00f6bel zu setzen, dem die gepeinigte Kanzlerin ausgesetzt ist. Aber ich geh\u00f6re auch nicht gerade zu der Zielgruppe, die in Politikern M\u00fctterlichkeit, G\u00fcte und Gnade sucht.<\/p>\n<p>Absurd wird es dann zum Ende des Textes: \u201e\u2026ich sp\u00fcrte sein Unwohlsein und wohl auch etwas wie Angst.\u201c Sie meinen, die zarte Kinderseele n\u00e4hme durch dieses Erlebnis Schaden? Selbst Rosamunde Pilcher war nicht so kitschig und auch nicht so extrem in ihren \u00dcbertreibungen. Wie haben es meine Eltern und ihre Generation geschafft, aufgewachsen in den Nachkriegsjahren, nicht zum Soziopathen zu werden, zum Borderliner, zum AHDS-Junkie, und was man da noch so alles in schwieriger Kindheit erleben darf? Heute k\u00fcmmert sich Sachsen darum, dass jede Schule einen Sozialarbeiter hat \u2013 fr\u00fcher brauchte man diese Art Geldverbrennung nicht. Politiker sind \u00fcbrigens dem Volke verpflichtet und nicht umgekehrt. Wenn es der so \u201everletzlich\u201c wirkenden Frau auf der B\u00fchne zu viel gewesen w\u00e4re, kann sie gerne zur\u00fccktreten und sich dann sozialp\u00e4dagogisch betreuen lassen. Schule des Lebens halt. In Deutschland wird niemand gezwungen, Kanzlerin zu werden.<\/p>\n<p>Vielleicht w\u00e4re Ihr Sohn von diesem Pfeifkonzert nicht so ver\u00e4ngstigt, h\u00e4tten Sie ihm auf der langen Autofahrt erkl\u00e4rt, dass Merkel vor Menschen sprechen wird, deren Anliegen sie seit Jahren ignoriert, Menschen, denen als Rassismus ausgelegt wird, wenn sie sich mit der deutschen Fahne in der Hand gegen ungez\u00fcgelte Zuwanderung wehren, Menschen, die nicht mehr wollen, dass in unserem Land im Namen einer Religion unsere Mitb\u00fcrger umgebracht werden. H\u00e4tten Sie ihn dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, dass diese Frau in nur einem Jahr eine Million Menschen ins Land gelassen hat, die einer Religion angeh\u00f6ren, die Frauen und Nichtmuslime unterdr\u00fcckt, Demokratie ablehnt sowie Religions-, Meinungs- und k\u00fcnstlerische Freiheit unterdr\u00fcckt. All das h\u00e4tten Sie tun k\u00f6nnen, aber taten es nicht.<\/p>\n<div id=\"attachment_3265\" style=\"width: 564px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/01.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3265\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3265\" title=\"Protest in Finsterwalde. Quelle: http:\/\/static.wn.de\/var\/storage\/images\/wn\/startseite\/welt\/politik\/2972191-protest-und-hasstiraden-hau-ab-merkels-schwere-wahlkampfauftritte-im-osten\/86828521-3-ger-DE\/Protest-und-Hasstiraden-Hau-ab-Merkels-schwere-Wahlkampfauftritte-im-Osten_image_630_420f.jpg\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/01.jpg\" alt=\"Protest in Finsterwalde. 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Quelle: http:\/\/static.wn.de\/var\/storage\/images\/wn\/startseite\/welt\/politik\/2972191-protest-und-hasstiraden-hau-ab-merkels-schwere-wahlkampfauftritte-im-osten\/86828521-3-ger-DE\/Protest-und-Hasstiraden-Hau-ab-Merkels-schwere-Wahlkampfauftritte-im-Osten_image_630_420f.jpg<\/p><\/div>\n<p>\u201eAuf der Autobahn rollte er sich in seinem Sitz zusammen und sagte zu mir, wie sch\u00f6n er es fand, Sie einmal mit eigenen Augen gesehen zu haben. Dann schlief er ein.\u201c Ich stelle mir gerade vor, wie Loriot diesen Text gelesen h\u00e4tte\u2026 Abgesehen von der f\u00f6talen Haltung und davon, dass es zu meiner Zeit daf\u00fcr das Sandm\u00e4nnchen gab (die Metapher des Sandstreuens beute ich hier nicht aus), liest sich das wie eine Ode auf die Erscheinung der Jungfrau Maria, die ob der politischen Profanit\u00e4ten nur noch keine M\u00f6glichkeit hatte, in einer Wolke gen Himmel zu fahren. Kein Wunder, dass sie trotz aller Abwesenheit vorzeigbarer Erfolge bei solch hingebungsvoller Anbetung, ja Verg\u00f6tterung doch wieder amtieren darf. Aber immerhin: Merkel ist die erste Bundeskanzlerin, die ins Amt gebuht und gepfiffen wurde! Andererseits passt dieses Ende zu dem distanzlosen, gef\u00fchligen Duktus, der mich an ein kleines M\u00e4dchen erinnert, das einer Prominenten einen Strau\u00df Blumen \u00fcberreicht und dazu ein Gedicht aufsagt.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Viele Kommentare zu ihrem Text sind notabene auch in der fiktiven Form eines Briefs und\/oder jener Rede gehalten, die Sie einforderten, und ranken sich im Wesentlichen um drei Problemkreise: soziale Marktwirtschaft vs. Kapitalismus, Ostalgie vs. Demokratie und Politik vs. Kritik. \u201eLiebe Ostdeutsche, dass viele von Euch nur den Mindestlohn zum Leben haben und sich auf einen Lebensabend in Armut einrichten m\u00fcssen, ist mir v\u00f6llig wumpe\u201c, beginnt ein User etwa seinen sarkastischen Redeentwurf. \u201eDaf\u00fcr habt Ihr jetzt ja sch\u00f6ne Innenst\u00e4dte. Und meinen neoliberalen Umbau der Gesellschaft hin zu einer marktkonformen Demokratie halten weder Ochs noch Esel auf. Warum ich das mache, wei\u00df ich eigentlich selbst nicht so genau. Ich bin halt einfach nur gerne Kanzlerin\u2026\u201c \u00a0Und setzt als Pointe: \u201eSie muss das den Leuten gar nicht mehr sagen. Die wissen das schon.\u201c Da f\u00e4llt mir sogleich ein literarischer Vorschlag in Form von Ringelnatz\u2018 Gedicht \u201eAn die Masse\u201c ein, das Sie hier h\u00e4tten zitieren k\u00f6nnen:<\/p>\n<address>\u201eIch halte zu euch, aber liebe euch nicht,<\/address>\n<address>Weil ihr das niemals versteht.<\/address>\n<address>Und ich liebe \u2013 ich liebe \u2013\u00a0 ich liebe euch doch,<\/address>\n<address>Weil ihr solcher Liebe entgeht.<\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address>Wenn ihr einmal Gelegenheit habt,<\/address>\n<address>Laut zu br\u00fcllen gegen Mauern,<\/address>\n<address>Dann schweige ich. Ich bin mehr begabt<\/address>\n<address>Als ihr. Und kann dann nur trauern.\u201c (1929)<\/address>\n<p>Auf die Idee, dass die \u201esch\u00f6nen Innenst\u00e4dte\u201c vielleicht die einzigen bl\u00fchenden Landschaften inmitten einer W\u00fcste vergilbter Hoffnungen und vertrockneter Tr\u00e4ume sind, kamen Sie offenbar noch nicht. Auch nicht, dass wir uns statt um marktkonforme Demokratie vielleicht besser um demokratiekonforme M\u00e4rkte k\u00fcmmern sollten. Und erst recht nicht, dass die Lebensbedingungen vieler Menschen im Verh\u00e4ltnis zu den Lebenshaltungskosten \u2013 Stichworte L\u00f6hne, Miete, Rente\u2026 \u2013 vor 1990 besser waren als jetzt.<\/p>\n<p>Einen bitteren Brief genau diesen Inhalts \u2013 ebenfalls an Angela Merkel \u2013 schrieb Anfang des Jahres eine 45j\u00e4hrige, v\u00f6llig desillusionierte Ostdeutsche namens Heidi Langer (Sie finden ihn leicht im <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/forum\/politik\/bundestagsradar-diese-abgeordneten-stimmten-fuer-die-diaeten-erhoehung-thread-114221-8.html\" target=\"_blank\">Netz<\/a>), in dem sie die erlangte \u201eFreiheit\u201c und den Kanzler-Amtseid (\u201edem Wohle des deutschen Volkes\u201c) reflektiert. Darin hei\u00dft es u.a.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWie kann man \u201aden Nutzen eines Volkes mehren\u2018, indem man zul\u00e4sst, dass Armut und Elend im Land um sich greifen, Rentner, die ihr ganzes Leben lang hart gearbeitet haben, ihre Renten \u00fcber Hartz 4 aufstocken m\u00fcssen, Kinderarmut um sich greift und gleichzeitig angeblich ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen ist? Wie kann man \u201aSchaden von einem Volk abwenden\u2018, indem man die Interessen der Menschen denen von gro\u00dfen Wirtschaftskonzernen unterordnet\u2026?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Und das ist beileibe keine subjektiv empfundene Wahrheit, wie etwa in der Vorwahlwoche Jacob Augstein im SPIEGEL best\u00e4tigen musste:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDumm ist nur, wer glaubt, sein eigenes Wohl und das Wohl der \u201aWirtschaft\u2018 seien identisch. Denn die Volkswirtschaft hat sich vom Volk abgekoppelt. Was gut f\u00fcr VW ist, ist l\u00e4ngst nicht mehr gut f\u00fcr die Deutschen. Wer also sagt, dass es \u201auns\u2018 gut gehe, der l\u00fcgt. Aber nicht nur das. Er legt auch Zeugnis seiner eigenen politischen Fantasielosigkeit ab. Denn in diesem Satz steckt immer: Besser wird\u2019s nicht. F\u00fcr viele Menschen im Land ist das keine gute Nachricht.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>In einer echten sozialen Marktwirtschaft kippen die zu kurz Gekommenen nicht hinten runter, gehen pers\u00f6nliche Schicksalsschl\u00e4ge nicht mit sozialem Absturz und Existenzverlust einher und klafft die Schere zwischen arm und reich nicht immer weiter auf. Haben Sie einmal dar\u00fcber nachgedacht, wie \u00fcberhaupt in einem System, das auf Konkurrenz basiert, Konsens hergestellt werden kann?<\/p>\n<p>Inzwischen ist alles, was mit dem Begriff \u201esozial-\u201c\u00a0 verbunden war, in Bausch und Bogen diskreditiert und nach dem Motto \u201ewenn jeder an sich selber denkt, ist an alle gedacht\u201c eine Kultur der Ellenbogen und ungez\u00fcgelten Profit-Egomanie auf allen Ebenen etabliert worden, deren Folgen wir heute gesamteurop\u00e4isch ausbaden d\u00fcrfen: privatisierte Gewinne, sozialisierte Verluste \u2013 einerlei, ob in Griechenland, der Commerzbank oder Air Berlin.<\/p>\n<p>Auch Daniel Gr\u00fcneke, ein 32 Jahre alter Konstruktionsmechaniker Schiffbau, Vater eines kleinen Sohnes und bei einem Dutzend Leiharbeitsfirmen t\u00e4tig, schrieb vor zwei Wochen einen Offenen Wutbrief nicht nur an Merkel, sondern gleich an die ganze CDU (Sie finden auch den leicht im <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/57298-zynisch-und-menschenverachtend-facharbeiter-brief-an-cdu\/\" target=\"_self\">Netz<\/a>), im dem er angesichts eines vollmundigen Wahl-O-Mat-Zitats versuchte, einen \u201eEinblick in das Ausma\u00df der Dem\u00fctigungen, Perspektivlosigkeit, Entrechtungen, N\u00f6tigungen, Erpressungen, Drohungen, Lohn- und Nebenkostenbetrug und den v\u00f6lligen Entzug der Lebensgrundlage bis hin unterhalb des Anpruches auf Arbeitslosengeld 2\u201c zu liefern. Ein Kernsatz lautet:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e&#8230;einen Monatslohn von maximal 1600\u20ac netto. Zum Vergleich: Dies entspricht exakt dem ALG2-Anspruch meiner dreik\u00f6pfigen Familie. Entgegen der Werkt\u00e4tigkeit h\u00e4tte ich im Falle der Arbeitslosigkeit jedoch 365 Tage Urlaub und jede Menge Zeit der Welt zu erkl\u00e4ren, warum Arno D\u00fcbel Recht hatte.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ansgar Neuhof <a href=\"http:\/\/www.achgut.com\/artikel\/deutschland_geht_es_gut_aber_welchem\/P10\" target=\"_self\">verallgemeinerte<\/a> ebenfalls in der Vorwahlwoche:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDeutschland, das Land mit dem niedrigsten privaten Median-Haushaltsverm\u00f6gen der EU, mit der (zweit)h\u00f6chsten Steuer-\/Abgabenquote der OECD-Staaten, mit einem der EU-weit geringsten Rentenniveaus, mit nicht oder nur wenig \u00fcber der Preissteigerung liegenden Lohnzuw\u00e4chsen, mit den (zweit)h\u00f6chsten Strompreisen in der EU, mit der h\u00f6chsten Zunahme an Leiharbeit und Erwerbsarmut in der EU, daf\u00fcr aber mit einer sich \u00fcberproportional bedienenden politischen Kaste,\u00a0 mit der h\u00f6chsten Zuwanderung in die Sozialsysteme und deutlich zunehmender Kriminalit\u00e4t, mit einer trotz sprudelnder Steuereinnahmen teilweise verfallenden Schul- und Verkehrsinfrastruktur und unterfinanzierter Polizei und Bundeswehr.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Und all das soll kein Grund sein, der Kanzlerin mal richtig die Meinung zu sagen? Dieser Politik und diesem Politikstil entgegenzuwirken, ist nicht nur ein ehrenwertes, sondern auch \u00fcberaus dringendes und notwendiges Unterfangen, dessen Lautheit mangels einer parlamentarischen Opposition dabei fast unausweichlich war.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Dann: die \u201eZone\u201c. Sie schrieben einst selbst, dass in keinem anderen Land die Wirtschaft so stark zusammengebrochen war nach W\u00e4hrungsunion und Wiedervereinigung: sie verlor 27 Prozent gegen\u00fcber dem Wert von vor 1989. Nur in Bosnien und Herzegowina findet man \u00e4hnliche Zahlen \u2013 allerdings nach dem Jugoslawienkrieg. Sie schrieben einst selbst, dass das Nettoverm\u00f6gen westdeutscher Haushalte den Wert im Osten um mehr als das Doppelte \u00fcbertrifft, Stichwort Wohlstandsgef\u00e4lle. Und dabei wurde Ihnen doch nachgeschrieben, dass man mit einer \u201eBewusstseinsf\u00fchrung\u201c wie der in \u201eZonenkinder\u201c niedergelegten nirgends in einem Leben ank\u00e4me. Da sollen alle anderen also angekommen sein? Aber wo?<\/p>\n<p>Ein Kommentator schrieb pauschalisierend vom \u201eWessi\u201c als \u201eneuer Besatzungsmacht\u201c, der alle Schaltstellen der Gesellschaft besetze: \u201e\u2026ihm geh\u00f6ren H\u00e4user, Boden, Betriebe \u2026 er stellt die Professoren, B\u00fcrgermeister, Chefs\u2026 Und eine Menge Ostdeutscher f\u00fchlen sich inzwischen wie Gastarbeiter im eigenen Land. H\u00e4tten sie das gewusst, h\u00e4tten viele wohl auf Bananen und Reisefreiheit, die sie sich eh nicht leisten k\u00f6nnen, verzichtet\u2026\u201c Die Ostgebiete wurden also doch noch erobert \u2013 wenn auch anders und nicht in erhoffter Quanti- und Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ein anderer konstatierte, dass auch 27 Jahr nach der Wende, \u201edie wir Ossis mit unseren Demos erzwungen haben\u201c, der Arbeitsmarkt im Osten noch immer weit abgehangen sei, Stichwort \u201eNiedriglohnkolonie\u201c. Da verst\u00fcnde niemand, warum mit Massenzuwanderung ungelernter Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge Konkurrenzprobleme geschaffen werden m\u00fcssten. Ich sehe auf der ganzen Welt kein Land, in dem die Wirtschaft die Arbeiter mit sittenwidrigen L\u00f6hnen abspeist und zugleich nach mehr Arbeitern ruft. Sachsens Ministerpr\u00e4sident Stanislaw Tillich wirbt mit \u201eNiedriglohn als Standortvorteil\u201c und faselt zugleich etwas von \u201eRespekt\u201c und einer \u201eKultur des Miteinanders\u201c \u2013 vor bzw. mit wem eigentlich?<\/p>\n<p>\u201eDie Bundesregierung ist dem deutschen Volke verpflichtet, im Grundgesetz kann ich nicht entdecken, dass damit Mulikulti gemeint ist\u201c, lese ich bei demselben Schreiber weiter. Der Osten habe nach 1945 an die UdSSR Reparationsleistungen erbringen m\u00fcssen, aber keinen Marshallplan gehabt: \u201eHier haben unsere Gro\u00dfeltern und Eltern in die H\u00e4nde gespuckt und aufgebaut. Hier wurde nach dem Krieg gehungert!\u201c Und ein dritter \u00e4rgert sich, dass seit nun bald 27 Jahren die Menschen im Osten Staatsb\u00fcrger 2. Klasse seien: \u201eSie haben die gleichen Steuern und Abgaben, aber niedrigere L\u00f6hne und Renten\u201c. Dagegen zu protestieren sei nicht \u201erechts\u201c. Richtig.<\/p>\n<p>Das ist aber nur die aktuelle H\u00e4lfte der Wahrheit. Hinzu kommt eine historische H\u00e4lfte, die viel viel schwerer wiegt und etwas zu tun hat mit Schweigen als psychologischer Kategorie. Mit Verstummtheit, auch, aber eher mit Sprachlosigkeit \u2013 die jetzt, nach \u00fcber zweieinhalb Jahrzehnten, \u00fcberwunden wird, wie Stefan Locke in der <a href=\"http:\/\/plus.faz.net\/politik\/2017-08-05\/vom-ende-der-sprachlosigkeit\/39495.html\" target=\"_blank\">FAZ<\/a> fast erstaunt feststellen musste. Gemeint sind die ersch\u00fctternden Geschichten aus der ersch\u00fctternden (Nach)Wendezeit, die Verletzungen, Dem\u00fctigungen, Ohnm\u00e4chte. Der wei\u00df Gott nicht konservative Locke sieht sich gezwungen, einen Diplomingenieur mit dem Satz zu zitieren: \u201eNur die Erinnerung an die Geborgenheit im Sozialismus und meine Familie haben mir geholfen, das alles zu \u00fcberstehen.\u201c Ein Technischer Direktor habe, ohne je wieder einen richtigen Job zu erhalten, eine ABM nach der anderen absolviert und sich dann \u201edurchgewurschtelt bis zur Fr\u00fchverrentung\u201c. Ein weiterer Ingenieur erz\u00e4hlt, wie er auf dem Bau landete, bis auch dort nach dem ersten Boom Schluss war, dann ebenfalls: ABM, Vorruhestand\u2026 Ich habe auch nach der 221. Bewerbung aufgeh\u00f6rt, die Absagen zu z\u00e4hlen. 2014 war jeder 6. Ostdeutsche immer noch \u00fcberqualifiziert und unterbezahlt.<\/p>\n<p>Ein Aspekt ist also die Umwertung: auch tausende Kumpel etwa wurden in der DDR verehrt als Helden an der Kohlefront, heute sind sie arbeitslose Umweltzerst\u00f6rer. Ein anderer Aspekt ist die zumal finanzielle Abwertung. Es geht um Bergleute und Krankenschwestern, deren Rentenbeitr\u00e4ge aus der DDR heute nicht mehr anerkannt werden, um in der DDR geschiedene Frauen, die heute vielfach in Altersarmut leben, weil es keinen Versorgungsausgleich gab, um DDR-Eisenbahner, deren Betriebsrenten, f\u00fcr die sie Beitr\u00e4ge zahlten, \u201eeinfach weggewischt\u201c wurden, die aber die Renten der West-Bahner zu ihren Lasten mitzahlen \u2013 und in der mehrheitlich westdeutschen Gewerkschaft keinerlei Unterst\u00fctzung finden. \u00dcbrigens holt all diese Geschichten in Sachsen witzigerweise gerade die SPD aus der Verdr\u00e4ngung \u2013 obwohl sie die entsprechenden Linken-Gesetzentw\u00fcrfe zur Rentenanpassung alle ablehnt hatte.<\/p>\n<p>Einerlei: es bleibt die Bitternis einer endg\u00fcltigen Ankunft in einem System, das f\u00fcr viele nichts von dem einl\u00f6ste, was ihnen vor 27 Jahren verhei\u00dfen wurde. Einem System, dass \u00fcber Nacht vom gelernten Klassenfeind zum erhofften Menschenfreund werden sollte und vor dem gerade, aber vergeblich Intellektuelle warnten (h\u00f6ren Sie sich bspw. nochmal die Reden von <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SSk-ytE9c20\" target=\"_blank\">Wolf<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ewgh5dWvvbY\" target=\"_blank\">Hein<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fCdFr5-6Pr4\" target=\"_blank\">M\u00fcller<\/a> am 4. November auf dem Berliner Alex an). Einem System, das im Gegensatz zu den \u201eSelbstwirksamkeitserfahrungen\u201c der Wende jetzt zunehmende Abstiegs- und Verlust\u00e4ngste, Entheimatungsgef\u00fchle (der <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/saltadoros\/sehen-sie-hier-nazis\">Begriff<\/a> stammt von Wolfgang Thierse, SPD) und Unkontrollierbarkeitsempfindungen verantwortet, Entt\u00e4uschung auf Entt\u00e4uschung h\u00e4uft und damit die Prophezeiung, dass es niemandem schlechter, aber vielen besser gehen sollte, mehr und mehr ad absurdum f\u00fchrt.<\/p>\n<div id=\"attachment_3271\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/013.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3271\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-3271\" title=\"Demo auf dem Alex, 4.11.1989. Quelle: http:\/\/www.mdr.de\/damals\/archiv\/bild170604-resimage_v-variantSmall16x9_w-1792.jpg?version=1725\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/013-1024x576.jpg\" alt=\"Demo auf dem Alex, 4.11.1989. Quelle: http:\/\/www.mdr.de\/damals\/archiv\/bild170604-resimage_v-variantSmall16x9_w-1792.jpg?version=1725\" width=\"555\" height=\"312\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/013-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/013-300x168.jpg 300w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/013.jpg 1792w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3271\" class=\"wp-caption-text\">Demo auf dem Alex, 4.11.1989. Quelle: http:\/\/www.mdr.de\/damals\/archiv\/bild170604-resimage_v-variantSmall16x9_w-1792.jpg?version=1725<\/p><\/div>\n<p>Und genau das ist der Knackpunkt. Sie kennen ebenso wie ich den Begriff der \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Innere_Emigration\" target=\"_blank\">Inneren Emigration<\/a>\u201c, mit dem u.a. die Literaturwissenschaft jene Autoren bezeichnet, die sich aus welchen Motiven auch immer zwischen 1933 und 1945 nicht ins Ausland absetzten, sondern in Deutschland blieben. Aber die mussten nur 12 Jahre ertragen und hatten danach Alternativen. Wir mussten inzwischen 27 Jahre ertragen und haben keine Alternativen! \u017di\u017eek hat mit seiner Einsch\u00e4tzung der \u201eFreiheit der politischen Wahl\u201c Recht: eigentlich gab es diese Wahl nie, und an dem Punkt, an man w\u00e4hlen k\u00f6nnte, hatte man bereits gew\u00e4hlt. Genau das ist es, was die B\u00fcrger der Neuen L\u00e4nder im Erlebnis zweier Systeme mit St\u00e4rken und Schw\u00e4chen unbequem sein l\u00e4sst! Selbst Helmut Kohl gab gegen\u00fcber dem Historiker Fritz Stern auf die Frage, welche Fehler er bei der Wiedervereinigung gemacht habe, nach einigem Z\u00f6gern zu, dass er es vers\u00e4umt habe, offen dar\u00fcber zu reden, dass nicht alles in der DDR falsch war und im Westen nicht alles richtig. Ich will die DDR nicht zur\u00fcck, aber diese sogenannte Bundesrepublik will ich erst recht nicht!<\/p>\n<p>Und diese von Millionen jahrzehntlang verdr\u00e4ngte und nun eingestandene Gewissheit, um seine Tr\u00e4ume, sein Leben betrogen worden zu sein, die bricht sich jetzt Bahn, und zwar laut Bahn gegen eine Frau, die offensichtlich all das repr\u00e4sentiert, von dem die Betrogenen, Entwerteten entt\u00e4uscht sind, ja was sie hassen. Ist die \u201ebeleidigte Entschlossenheit\u201c, die einmal die<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2014-12\/pegida-dresden-klotzsche-asylbewerberheim\/komplettansicht\" target=\"_blank\"> ZEIT<\/a> konstatierte, nichts weiter als die trotzige Entschlossenheit, die nicht erfolgte oberfl\u00e4chliche Einheit, die in Wirklichkeit PR-Sprech des &#8222;Beitritts&#8220; war, nun zu Ende zu bringen als Wiederaneignung von Entwendetem, ja als Sehnsucht, im eigenen Land endlich anzukommen? Was meinen Sie denn, warum gerade die AfD mit dem Slogan \u201eHol dir dein Land zur\u00fcck\u201c so erfolgreich ist? Christoph Dieckmann hat den psychologischen Mechanismus schon 1998 (!) <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1998\/25\/199825.hauser_.xml\">analysiert<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Bar aller Psychologie schien der Westen zu glauben, der DDR-Anschluss nach Artikel 23 des Grundgesetzes habe nicht nur das Verfahren der Vereinigung geregelt, sondern auch ihr Wesen. Die Ostdeutschen wollten die Einheit, also w\u00fcrde Einheit werden. Sie hatten ihre Eigenstaatlichkeit beendet, also war da nichts Eigenes. Sie w\u00fcnschten parlamentarische Demokratie, also w\u00fcrden sie Demokraten sein\u2026 Aber wer heiratet, verm\u00e4hlt sich nicht mit der eigenen Geschichte, sondern mit einer fremden. Das gilt f\u00fcr Aschenputtel und Prinz.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Und auch das alles ist nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die gegenw\u00e4rtige bundesrepublikanische Darreichungsform von \u201eDemokratie\u201c als \u201eFreiheitlich-Demokratische Grundordnung\u201c. Und genau die sehe ich wie viele andere, nicht nur AfD-Mitglieder, seit geraumer Zeit au\u00dfer Kraft gesetzt. Wenn n\u00e4mlich erstens zum Verst\u00e4ndnis dieser freiheitlich-demokratischen <strong>Grundordnung<\/strong> die Zumutung geh\u00f6rt, hunderttausende Eindringlinge ungeordnet in unser Land zu lassen; sie undifferenziert mit dem schon l\u00e4nger hier lebenden \u201ePack\u201c gleichzustellen, das dieses Land und sein Sozialsystem erst erschuf; hunderttausende \u201eSchutzsuchende\u201c, vor denen Frauen Schutz suchen m\u00fcssen, wenn also statt Grenzen Weihnachtsm\u00e4rkte gesichert werden, vor Trinkwasseranschl\u00e4gen gewarnt wird; wenn Zumutungen wie TBC, Anti-Vergewaltigungsshorts oder gar der Islam zu Deutschland geh\u00f6ren sollen, ja wenn ich pl\u00f6tzlich ungefragt Bewohner eines Einwanderungslands sein soll, dann ist dieses Verst\u00e4ndnis von Grundordnung nicht mein Verst\u00e4ndnis von Grundordnung. Das ist im Gegenteil das Chaos einer poststalinistischen Psychopathin und ihrer durchgeknallten Pseudoelite! Unsere sch\u00f6ne deutsche Sprache unterscheidet G\u00e4ste und Fl\u00fcchtlinge, Heuchler und Helden, Verfolgte, die Asyl suchen und Asylsuchende, die ganz andere Dinge finden wollen. In einem Kommentar, der mich sehr erschreckte, las ich den Satz \u201eIch habe j\u00fcdische Freunde, die mich fragen, warum habt ihr uns vergast und die bewerft ihr mit Bananen?\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_3274\" style=\"width: 566px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/014.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3274\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3274\" title=\"Bananen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Quelle: http:\/\/www.rbb-online.de\/content\/dam\/rbb\/rbb\/Bilder%20Infoportal-------\/2015\/201508\/Bildfunk-aktuell\/60706484.jpg.jpg\/size=708x398.jpg\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/014.jpg\" alt=\"Bananen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Quelle: http:\/\/www.rbb-online.de\/content\/dam\/rbb\/rbb\/Bilder%20Infoportal-------\/2015\/201508\/Bildfunk-aktuell\/60706484.jpg.jpg\/size=708x398.jpg\" width=\"556\" height=\"312\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/014.jpg 708w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/014-300x168.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 556px) 100vw, 556px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3274\" class=\"wp-caption-text\">Bananen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Quelle: http:\/\/www.rbb-online.de\/content\/dam\/rbb\/rbb\/Bilder%20Infoportal-------\/2015\/201508\/Bildfunk-aktuell\/60706484.jpg.jpg\/size=708x398.jpg<\/p><\/div>\n<p>Wenn zweitens zum Verst\u00e4ndnis dieser freiheitlich-<strong>demokratischen<\/strong> Grundordnung Zumutungen geh\u00f6ren wie das Denunzieren Andersdenkender, die private und berufliche Vernichtung wegen abweichender Meinungen oder AfD-Engagements, das Einf\u00fchren gesetzlich ungedeckter Straftatbest\u00e4nde wie Hass-Kommentare oder Fake News, und das Versto\u00dfen gegen europ\u00e4isches Recht, ja das Grundgesetz, wie zwei Tage vor der Wahl selbst der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages zugeben musste, dann ist dieses Verst\u00e4ndnis von Demokratie nicht mein Verst\u00e4ndnis von Demokratie! Sowas hatten wir schon, ich will es nie wieder!<\/p>\n<p>Und wenn drittens zum Verst\u00e4ndnis dieser <strong>freiheitlich<\/strong>-demokratischen Grundordnung Zumutungen geh\u00f6ren, die Millionen ach so unfreier DDR-B\u00fcrger nur aus Geschichtsb\u00fcchern kannten, Zumutungen wie Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Kinderarmut, Altersarmut, Analphabetismus und dergleichen mehr, dann ist dieses Verst\u00e4ndnis von Freiheit nicht mein Verst\u00e4ndnis von Freiheit! Dem Menschen ist Verstand gegeben, um die Widrigkeiten des Lebens bestm\u00f6glich zu kontrollieren und zu eliminieren \u2013 hier werden diese Widrigkeiten bei vollstem Verstand bef\u00f6rdert. Ich sage nur: rechtsfreie R\u00e4ume, unerf\u00fcllbare Rentenversprechen, Existenz\u00e4ngste des Mittelstands, unkontrollierte Zuwanderung \u2013 was ist das f\u00fcr ein Land, das mit Fl\u00fcchtlingen besser zurecht kommt als mit dem eigenen Volk? Auf unseren Schultern lastet nicht das Elend dieser Welt!<\/p>\n<p>Stellvertretend f\u00fcr viele \u00e4hnliche Statements in den Wochen vor der Wahl sei ein 76j\u00e4hriger Wolgaster angef\u00fchrt, den die Berliner Zeitung so <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik\/bundestagswahl\/wahl-entscheidung-die-macht-der-verzweifelten-aus-dem-osten-28459654\" target=\"_blank\">zitiert<\/a> \u201eBl\u00fchende Landschaften? Stattdessen ist die Arbeitslosigkeit zuerst gekommen \u2013 und die Armut. Man h\u00e4tte die Verh\u00e4ltnisse angleichen m\u00fcssen, nicht den Westen \u00fcbernehmen. Das brauchen wir nicht.\u201c Die Fehler seien bis heute nicht eingestanden worden und auch nicht korrigierbar. Im Gegenteil, in Wolgast etwa seien nach den Industriebetrieben das Kreisgericht, das Arbeitsgericht, das Finanzamt und die Krankenkassen geschlossen worden. Und \u201ejetzt steht das Krankenhaus auf der Kippe\u201c.<\/p>\n<p>Viele andere Menschen, nicht nur ich,\u00a0 empfinden, dass wir uns seit Jahren zur\u00fcck entwickeln! Wir wurden entbildet, entsozialisiert, entsolidarisiert, entwertet, ja entw\u00fcrdigt von jenen, die uns zu repr\u00e4sentieren vorgaben und -geben. Es gab keinen Aufbau Ost, nur einen Umbau Ost als Nachbau West. Den wollte ich nicht, den wollte keiner! Fr\u00fcher sprachen wir von allseitig gebildeten Menschen, heute m\u00fcssen wir von einseitig verbildeten, ach was, einseitig verbl\u00f6deten Objekten sprechen \u2013 selbst ein Subjekt setzt ja ein Ich voraus! Nein, Objekte sind es, inhaltsleere, wesenlose H\u00fcllen, die man in beliebigen politischen Koordinatensystemen beliebig hin und her verschieben kann! \u201eAuf und nieder, auf und nieder, wer nicht h\u00fcpft, der ist Pegida\u201c \u2013 das ist kein Ausdruck irgendeines ebenso lauten wie sportiven Protests verbildeter Dresdner Studenten. Das ist auch kein Ausdruck irgendeiner Ideologie. Das ist einfach nur infantil!<\/p>\n<div id=\"attachment_3267\" style=\"width: 564px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/011.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3267\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3267\" title=\"Anti-Pegida-Protest 26.10.2015. Quelle http:\/\/www.dnn.de\/Dresden\/Fotostrecken-Dresden\/Pegida-und-Gepida-am-26.10.2015#n12665878-p22\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/011.jpg\" alt=\"Anti-Pegida-Protest 26.10.2015. Quelle http:\/\/www.dnn.de\/Dresden\/Fotostrecken-Dresden\/Pegida-und-Gepida-am-26.10.2015#n12665878-p22\" width=\"554\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/011.jpg 800w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/011-300x198.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 554px) 100vw, 554px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3267\" class=\"wp-caption-text\">Anti-Pegida-Protest 26.10.2015. Quelle http:\/\/www.dnn.de\/Dresden\/Fotostrecken-Dresden\/Pegida-und-Gepida-am-26.10.2015#n12665878-p22<\/p><\/div>\n<p>\u201eDie \u00fcber Nacht sich umgestellt, zu jedem Staate sich bekennen, das sind die Praktiker der Welt; man kann sie auch Halunken nennen\u201c wusste schon Heinrich Heine. Nichts hat sich seitdem ge\u00e4ndert! Die Systemlemminge von einst mutierten zu Wendeh\u00e4lsen, die Wendeh\u00e4lse wurden die Systemlemminge von heute und k\u00f6nnen im s\u00e4chsischen Landtag besichtigt werden: dieser Bodensatz der Diktatur darf heute als Fettfilm der sogenannten Demokratie wieder oben schwimmen! Und zu diesem Nachbau West m\u00fcssen wir die CDU als demokratie- und politikunf\u00e4hige Machterhaltungsmaschinerie im Stile einer SED 2.0 addieren. Zusammen mit Linksgr\u00fcn bildet dieser Chaotisch-Diktatorische Unfall der deutschen Parteienlandschaft das Konsensmeinungskartell eines Landes, in dem sich in einer Dresdner Ortsbeiratssitzung eine gr\u00fcne B\u00fcrgermeisterin nicht entbl\u00f6det, das Mantra \u201eWir schaffen das\u201c der schwarzen Kanzlerin zu verteidigen! Dieses Land ist ebenso schizophren wie seine durchgeknallte Pseudoelite!<\/p>\n<p>Haben Sie sich mal ernsthaft mit unseren MdEP, MdB und unseren Bundesministern befasst? Da tummeln\/tummelten sich zunehmend mehr Doktorschwindler (Guttenberg, CSU; Schavan, CDU; Chatzimarkakis, FDP\u2026), Lebenslauferfinder (Hinz, SPD) oder gar ungelernte Hilfsarbeiter wie Claudia Roth (Gr\u00fcne), die als Bundestagsvize in meinen schlechtesten Zeiten mehr Einkommen im Monat hatte als ich in meiner Selbst\u00e4ndigkeit mit zwei akademischen Graden im Jahr &#8211; obwohl ich teilweise das Doppelte des Deputats eines FH-Professors schrubbte. Ganz zu schweigen von Bonusmeilenbetr\u00fcgern (\u00d6zdemir, Gr\u00fcne), Kinderpornographen (Edathy, SPD), Drogenjunkies (Beck, Gr\u00fcne) usw. usf. Was sollte ich mit einem System am Hut haben, das derlei zu- und solcherart Personal hochkommen l\u00e4sst? Von solchen Menschen w\u00fcrde ich mir nochmal nicht die Uhrzeit oder gar irgendetwas anderes sagen geschweige mich regieren lassen!<\/p>\n<p>Diejenigen dagegen, die sich ihren bildungsb\u00fcrgerlichen Humanismus, der einst per definitionem links war (!), ihre aufgekl\u00e4rte Klassizit\u00e4t, ihre Verantwortungsethik \u00fcber alle Ideologie und erst recht alle Staatswesen oder besser gesagt Staatsunwesen hinweg bewahrt haben und sich in diesem Land engagieren wollen, um es voranzubringen, die werden f\u00fcr all das, was ihnen generationenlang \u201enormal\u201c vorkam, jetzt g\u00fcnstigstenfalls als Konservative, aber viel schlimmer als Rechte, Nazis, Faschisten und Rassisten diffamiert! In wie vielen falschen Filmen kann man eigentlich noch sein? Ich bewohne meine Wohnung, du nicht. Ich fahre mit meinem Fahrrad, du nicht. Ich telefoniere mit meinem Handy, du nicht. Bin ich jetzt Rassist, weil ich f\u00fcr mich \u201eDinge\u201c beanspruche, die ich anderen vorenthalte? Und all das soll kein Grund sein, der Kanzlerin mal richtig die Meinung zu sagen?<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Letztens: Kritik und Politik. Proteste mit Trillerpfeifen gegen Merkel gab es schon immer, in den Jahren zuvor von Gr\u00fcnen, Linken, DGB &amp; Co. Da habe ich allerdings keinen Brandbrief von Ihnen gelesen. Selbst Helmut Kohl musste Pfiffe ertragen, schon am 10. November 1989 bei einer Rede vor dem Sch\u00f6neberger Rathaus. Er wurde im Osten gar ausgebuht, als nicht die bl\u00fchenden Landschaften kamen, sondern das Arbeitsamt, und durfte in Halle sogar ein paar rohe Eier vom Revers klauben. Nur weil ich satt bin und ein Dach \u00fcber dem Kopf besitze, muss ich nicht grunds\u00e4tzlich jeden politischen Irrweg beklatschen. Dazu mehrt gerade ein gewisser Wohlstands- oder Sicherheitsgrad immer die Sorge darum, dass dieser nicht Bestand haben k\u00f6nnte, zumal f\u00fcr sp\u00e4tere Generationen.<\/p>\n<div id=\"attachment_3268\" style=\"width: 566px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/012.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3268\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3268\" title=\"Kohl-Protest in Halle, 10.05.1991. Quelle: http:\/\/www.mz-web.de\/image\/24030752\/2x1\/940\/470\/69b5804fe742d89ead337e1c771ced6\/pj\/71-99277123--null--09-05-2016-21-26-57-448-.jpg\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/012.jpg\" alt=\"Kohl-Protest in Halle, 10.05.1991. Quelle: http:\/\/www.mz-web.de\/image\/24030752\/2x1\/940\/470\/69b5804fe742d89ead337e1c771ced6\/pj\/71-99277123--null--09-05-2016-21-26-57-448-.jpg\" width=\"556\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/012.jpg 940w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/012-300x150.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 556px) 100vw, 556px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3268\" class=\"wp-caption-text\">Kohl-Protest in Halle, 10.05.1991. Quelle: http:\/\/www.mz-web.de\/image\/24030752\/2x1\/940\/470\/69b5804fe742d89ead337e1c771ced6\/pj\/71-99277123--null--09-05-2016-21-26-57-448-.jpg<\/p><\/div>\n<p>Aber 2017, konstatiert Tilo Sarrazin v\u00f6llig zu Recht, sind Pfeifkonzerte, laute Zwischenrufe und Hau-ab-Ch\u00f6re nur eine Gefahr f\u00fcr die Demokratie, wenn sie Angela Merkel oder Heiko Maas gelten. In allen anderen F\u00e4llen leisten die St\u00f6rer dagegen einen Beitrag zur Rettung der Demokratie. Dazu passt Ihr beleidigt-weinerlicher Ton in Richtung Protestierer einerseits, und Ihre sich bereitwillig f\u00fcr andere entschuldigende, devote Stimme (\u201eSie sind doch so m\u00e4chtig, Sie standen doch auf einer gro\u00dfen B\u00fchne\u201c) in Richtung Merkel andererseits. Wehren Sie vielleicht die Wucht der Volkswut ab? So d\u00fcrften sich auch die Tintenstrolche der DDR-Journaille im friedlichen Herbst 1989 gef\u00fchlt haben.<\/p>\n<p>Denn immerhin sind Sie mit ihrem Fahrzeug wieder nach Hause gekommen, ohne dass es von \u201eDemonstranten\u201c durch Feuer zerst\u00f6rt, Sie durch Steine oder andere Wurfgeschosse verletzt, ja k\u00f6rperlich angegriffen wurden, wie es einem 73j\u00e4hrigen Mitglied meiner AfD-Ortsgruppe am Wochenende vor der Wahl im Dresdner Umland geschah. Auch wurde die B\u00fchne der Kanzlerin oder gar sie selbst weder \u201ebetortet\u201c noch mit Farbe oder \u00c4hnlichem beworfen, der Veranstalter des Auftritts nicht bedroht\u2026 es gab lediglich Unmutsbekundungen und \u00c4u\u00dferungen von Nicht-Zustimmung zur Politik der Rednerin. Googeln Sie doch einfach mal, wie viele AfD-Veranstaltungen durch P\u00f6beleien, Trillerpfeifen oder sonstige \u201eEvents\u201c gest\u00f6rt wurden. Ja, Gleiches mit Gleichem zu vergelten ist keineswegs die feine englische Art, zumal wir b\u00fcrgerliche W\u00e4hler erreichen wollten (und das leider nur zum Teil schafften, sonst w\u00e4re die FDP nicht so stark geworden), die sich von lautstarkem Geschrei eben nicht angesprochen f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Der Vergeltungsgedanke widerspricht zwar der (christlichen) Gesinnungsethik, ist aber im so genannten \u201egesunden Volksempfinden\u201c tief verwurzelt. Das k\u00f6nnen sie <em>erb\u00e4rmlich<\/em> nennen, m\u00fcssen es aber nicht. Es braucht die eigene Toleranz, dem Andersdenkenden zumindest einmal zuzuh\u00f6ren, freie Meinungs\u00e4u\u00dferung darf nicht die Meinung anderer missachten. Es braucht aber erst recht die Akzeptanz der Regierung, die Themen der Bev\u00f6lkerung endlich aufzugreifen und sich nicht nur die Rosinen der Gef\u00e4lligkeit heraus zu picken. Sie k\u00f6nnten sich fragen, wie ohnm\u00e4chtig und verzweifelt diese Menschen sein m\u00fcssen, weil sie, ihre Interessen, ihre Bed\u00fcrfnisse einfach nicht geh\u00f6rt werden. Sie k\u00f6nnten aber auch einfach nur feststellen, dass viele B\u00fcrger mit der Politik der Bundeskanzlerin unzufrieden sind und das friedlich, aber laut zum Ausdruck brachten.<\/p>\n<p>Finden Sie es nicht auch erstaunlich, dass Merkel bei vielen ihrer Wahlkampfveranstaltungen ausgebuht und ausgepfiffen wird &#8211; auf YouTube gibt es Aufzeichnungen zu fast jedem dieser wenig schmeichelhaften Auftritte, zuletzt am 22. September in M\u00fcnchen. Finsterwalde ist ein Symptom, kein Einzelfall. Ich erwarte daher von Ihnen, wenn AFD-Politiker Reden halten und von einer w\u00fctenden Antifa-Meute ausgepfiffen werden, dass Sie das Pfeifkonzert der Antifa, das undemokratische St\u00f6ren des Rederechts k\u00fcnftig auch verurteilen. Andernfalls messen Sie mit zweierlei Ma\u00df, so dass man Ihren Text schon aus diesem Grund nicht mehr ernst nehmen kann und Sie als Merkel-Groupie ansehen muss, oder haben schlimmstenfalls das Prinzip der Meinungsfreiheit nicht verstanden. Sie kennen ebenso gut wie ich G\u00fcnter Eich, in dessen Gedicht \u201eWacht auf\u201c es u.a. hei\u00dft:<\/p>\n<address>\u201eSchlaft nicht,<\/address>\n<address>w\u00e4hrend die<\/address>\n<address>Ordner der Welt<\/address>\n<address>gesch\u00e4ftig sind!<\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address>Seid misstrauisch gegen ihre Macht,<\/address>\n<address>die sie vorgeben<\/address>\n<address>f\u00fcr euch erwerben zu m\u00fcssen!<\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address>Wacht dar\u00fcber,<\/address>\n<address>dass Eure Herzen nicht leer sind,<\/address>\n<address>wenn mit der Leere Eurer Herzen<\/address>\n<address>gerechnet wird!<\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address>Tut das Unn\u00fctze, singt die Lieder,<\/address>\n<address>die man aus eurem Mund<\/address>\n<address>nicht erwartet!<\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address>Seid unbequem,<\/address>\n<address>seid Sand,<\/address>\n<address>nicht das \u00d6l<\/address>\n<address>im Getriebe der Welt!\u201c (1950)<\/address>\n<p>Fr\u00fcher waren gute Autoren, ja Intellektuelle nat\u00fcrliche Opposition, wenn nicht gar kratzb\u00fcrstige Dissidenten. Heute schreibt man ex-post Ergebenheitsadressen (\u201eSie hingegen sind mehr als nur ein Symbol, Sie sind weiter gekommen als jeder andere von uns, der nach dem Mauerfall in die freie Welt aufgebrochen ist&#8230;\u201c), wenn sich die Postkartenidylle nicht wie gew\u00fcnscht einstellen will. Es bleibt ein sentimentales R\u00fchrst\u00fcck ohne wirkliche Pointe: Merkel will doch nicht diskutieren. Sie will regieren. Nebenbei: vielleicht h\u00e4tte Merkel diskutiert &#8211; so sie dazu in der Lage gewesen w\u00e4re. Sie herrscht, ohne zu regieren. Die Sprache der Macht ist Schweigen. \u201eVor einem Putin oder Trump geben Sie doch auch nicht klein bei\u201c &#8211;\u00a0 vor einem Erdogan aber auf jeden Fall.<\/p>\n<p>Letzter Punkt: die Lautst\u00e4rke, die neben anderen paraverbalen Aspekten wie Artikulation, Sprechtempo \u00a0oder Sprachmelodie nicht von Stimme und Sprache zu trennen ist. Und was der gemeine W\u00e4hler, in Ostdeutschland, gar im deutschen \u201eSchandfleck\u201c Sachsen (Hamburger Morgenpost) zumal, seit einigen Jahren sprachlich aushalten muss, ist an Perfidie nicht zu \u00fcberbieten.<\/p>\n<ul>\n<li>Der CDU-Politiker Albert Stegemann (MdL) kommentierte das Abschneiden der AfD in Mecklenburg-Vorpommern mit \u201eScheiss Nazis!!!\u201c auf seiner Facebook-Seite<\/li>\n<li>\u201eHerr lass Hirn vom Himmel fallen\u201c rief Claudia Roth (Gr\u00fcne) zu Demonstranten vor der Dresdner Frauenkirche am Tag der deutschen Einheit.<\/li>\n<li>Die linke Landtagsvizepr\u00e4sidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Mignon Schwenke, erkl\u00e4rte die AfD-Fraktion w\u00e4hrend einer Regionalkonferenz zu potentiellen M\u00f6rdern.<\/li>\n<li>Der nordrhein-westf\u00e4lische Innenminister Ralf J\u00e4ger (SPD) sieht hinter Pegida \u201eNeonazis in Nadelstreifen\u201c.<\/li>\n<li>Bundesvize Ralf Stegner lie\u00df aus Anlass des K\u00f6lner Reker-Attentats\u00a0 seine Follower auf Twitter wissen, dass Pegida in K\u00f6ln \u201emitgestochen\u201c habe. Auch warnte er, \u201eanst\u00e4ndige Deutsche\u201c d\u00fcrften niemals die \u201erechtsextreme AfD-Bande\u201c w\u00e4hlen, denn diese sei \u201everantwortlich f\u00fcr rechte Gewalt\u201c. Au\u00dferdem forderte er, man m\u00fcsse \u201ePositionen und Personal der Rechtspopulisten attackieren\u201c, weil diese \u201egestrig, intolerant, rechtsau\u00dfen und gef\u00e4hrlich\u201c seien.<\/li>\n<li>CSU-Generalsekret\u00e4r Andreas Scheuer bezeichnete die AfD als \u201eL\u00fcgenpartei\u201c, kurze Zeit sp\u00e4ter warnte sein Parteikollege Joachim Hermann in einem Welt-Interview, in der AfD seien \u201eW\u00f6lfe unterwegs\u201c.<\/li>\n<li>SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Demonstranten aus Sachsen als \u201ePack\u201c, welches \u201eeingesperrt werden muss\u201c, bezeichnet. Au\u00dferdem behauptete er erst in der Vorwahlwoche \u201eWenn die AfD in den Bundestag einzieht, haben wir zum ersten Mal nach Ende des Zweiten Weltkriegs im deutschen Reichstag wieder echte Nazis.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>Soll reichen. Wer die Menschenw\u00fcrde verteidigen will, darf sie niemandem absprechen, das nur nebenbei. Wer so diffamiert wird, soll sich nicht lautstark wehren d\u00fcrfen? Die Kehrseite dieser Beschimpfungen ist nicht nur das Verk\u00fcnden teils haltloser Sch\u00f6nwetterbotschaften, denen die Demonstranten den Donner der Realit\u00e4t entgegen schleuderten, sondern die volkserzieherisch intendierte semantische Verengung vieler W\u00f6rter aus Gr\u00fcnden der Politischen Korrektheit. Der <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/intoleranz-als-tabubruch-wie-mit-pegida-alles-anfing\/19188740.html\" target=\"_blank\">Tagesspiegel<\/a> behauptete, Worte wie Krise, Welle oder Lawine seien \u201ePegidasprache\u201c. Geh\u00f6ren dann Atheisten wie ich als Ketzer auf den Scheiterhaufen, wenn ich mal \u201eGott sei Dank\u201c sage? Die \u201e<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/10\/sprache-manipulation-elisabeth-wehling\" target=\"_blank\">Zeit<\/a>\u201c will uns einreden, dass \u201eFl\u00fcchtling\u201c allein wegen der Negativendung \u201eling\u201c diskriminierend \u00a0sei. Und der Pr\u00e4sident des Landtags von Rheinland-Pfalz, Hendrik Hering, verstieg sich gar zu der <a href=\"http:\/\/wjpatzelt.de\/2017\/01\/27\/von-den-folgen-uebler-nachrede\/\" target=\"_blank\">Behauptung<\/a>, dass \u201ePegida-Versteher\u201c Prof. Dr. Patzelt wie die Nazis f\u00fcr eine Verrohung der Sprache verantwortlich sei.<\/p>\n<p>Wundert Sie da, dass sich B\u00fcrger nicht nur die Deutungshoheit \u00fcber ihr Leben, sondern auch \u00fcber ihre Sprache zur\u00fcckholen wollen? Eine offene Gesellschaft ist mit einem geschlossenen Sprachsystem nicht vereinbar. F\u00fcr Mohrenkopf, Zigeunerschnitzel &amp; Co. muss man nicht k\u00e4mpfen, das muss man einfach nur sagen, denn es gibt nichts Unsagbares, sondern nur Uns\u00e4gliches. Uns\u00e4glich ist, dass die AfD \u201emarschiert\u201c, w\u00e4hrend normale Menschen demonstrieren; dass die AfD \u201ep\u00f6belt\u201c oder \u201ehetzt\u201c, w\u00e4hrend normale Menschen fordern oder kritisieren; dass AfD-Politiker \u201ebr\u00fcllen\u201c, w\u00e4hrend normale Politiker sprechen und rufen. Aber wer uns mit solchen Beschimpfungen als geistige Brandstifter diffamiert, betreibt genau jene Menschenfeindlichkeit, die er anderen vorwirft, um dann scheinheilig zu fragen, wo blo\u00df der Hass herkommt. <\/p>\n<p>Und all das soll kein Grund sein, der Kanzlerin mal richtig die Meinung zu sagen? Und vor allem: all das wollen Sie nicht gewusst geschweige beim Abfassen Ihres Textes nicht mit bedacht haben? So naiv kann man gar nicht sein. Nicht nur, dass die sogenannten Volksparteien das Volk nicht mehr verstehen, auch die Autoren dieses Volkes tun das nicht mehr. Wenn sie es \u00fcberhaupt wollen.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Nun also: eine Wahl, wie sie nicht im (Dreh)buch stand. Fast 13 % haben ihre Stimme, ja, auch uns gegeben, aber vor allem gegen Merkel erhoben. In Sachsen haben wir bei den Zweitstimmen Platz 1 errungen, mit den Erststimmen drei Direktmandate und mit den Zweitstimmen weitere acht \u00a0geholt. \u00dcber einige der Gr\u00fcnde habe ich jetzt 10 Seiten lang nachgedacht. Wir wollen 2019 diesen Sieg verteidigen und die schon l\u00e4nger hier Regierenden abl\u00f6sen, die nur noch die Macht verwalten, aber keine Zukunft gestalten. Um die hat der Sachse n\u00e4mlich keine Angst, sondern k\u00e4mpft daf\u00fcr. Wenn Sie das auch tun, im Interesse Ihres Sohnes beispielsweise, freut sich<\/p>\n<address> Ihr<\/address>\n<address> Dr. Thomas Hartung<\/address>\n<address>Stellv. Landesvorsitzender AfD Sachsen<\/address>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3263&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Antwort an Jana Hensel: Schrieben Sie nun einen redaktionellen Beitrag im Auftrag der CDU-PR-Abteilung? Einen Bewerbungstext als Nachfolgerin von Steffen Seibert? Eine Leseprobe aus Ihrem n\u00e4chsten Roman,  Arbeitstitel \u201eDie Kindertr\u00e4nen von Finsterwalde\u201c? Ich habe diesen Brief mehrfach gelesen, ja lesen m\u00fcssen, und meine Gef\u00fchle waren jedes Mal andere: Staunen, Wut, Best\u00fcrzung\u2026 ein Potpourri, das mich zu einer ebenso offenen Antwort f\u00f6rmlich herausforderte, denn: ich bin erstens ein Mann und zweitens in der AfD \u2013 jener Partei, der Sie noch am 26. April in f\u00fcnf politischen Punkten Recht gaben. 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