{"id":3301,"date":"2017-11-14T19:58:58","date_gmt":"2017-11-14T18:58:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3301"},"modified":"2017-11-14T20:02:17","modified_gmt":"2017-11-14T19:02:17","slug":"3301","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3301","title":{"rendered":"Verhalten sei nicht angeboren? Falsch!"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Judith Sevinc Basad,<\/p>\n<p>eigentlich wollte Ihnen zu Ihrer Initiative \u201eStudenten f\u00fcr Demokratie und Meinungsfreiheit\u201c gratulieren, stie\u00df aber mit einigem Entsetzen auf Ihren \u201ecausa\u201c-Text im \u201eTagesspiegel\u201c zum Problem <a href=\"https:\/\/causa.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/wie-gleich-sind-mann-und-frau\/beim-thema-geschlecht-laesst-sich-die-wissenschaft-von-gesellschaftlichen-vorurteilen-leiten.html\" target=\"_blank\">Geschlecht und Verhalten<\/a>. Da behaupten Sie, dass es f\u00fcr die These, dass m\u00e4nnliches oder weibliches Verhalten angeboren sei, keine wissenschaftlichen Beweise gebe und der Diskurs durch Vorurteile und verdrehte Fakten dominiert werde. Das kann nicht Ihr Ernst sein. Da ich keine Lust habe, zur Kommentierung meine Daten einem weiteren Medium zu \u00fcberlassen, publiziere ich meinen \u201eLeserbrief\u201c hier.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist Ihnen hoffentlich bekannt, dass die Humanbiologie f\u00fcnf Ebenen der Geschlechtsentwicklung unterscheidet; dies sind:<\/p>\n<p>I Genetisches Geschlecht: das Geschlechtschromosomenpaar ist bei Mann und Frau verschieden. Das m\u00e4nnliche XY steht dem weiblichen XX gegen\u00fcber. Eizellen sind immer vom Typ X, w\u00e4hrend Spermazellen X oder Y sein k\u00f6nnen: das Erbgut des Vaters entscheidet, ob ein Sohn oder eine Tochter entsteht.<\/p>\n<p>II Gonadales Geschlecht: die morphologische Entwicklung der inneren Geschlechtsorgane beginnt ab der 7. Woche der Schwangerschaft, die Differenzierung ist genetisch induziert (Y-Chromosom) und hormonell gesteuert. Die Geschlechtsdifferenzierung verl\u00e4uft nur bis zur Bildung der Gonaden unter dem unmittelbaren Einfluss der Gene. Sobald die Gonaden ausgebildet sind, erfolgt die weitere Differenzierung allein aufgrund der Hormonwirkung (Testosteron bzw. \u00d6strogen und Progesteron).<\/p>\n<p>III Morphologisches Geschlecht: wird rein durch die \u00e4u\u00dferen sichtbaren Geschlechtsmerkmale (Genitalien) definiert.<\/p>\n<p>IV Zerebrales Geschlecht: Die geschlechtsspezifische Determination bestimmter Gehirnstrukturen, das zerebrale Geschlecht, erf\u00fcllt zwei Funktionen. Zum einen die Programmierung hypothalamischer, f\u00fcr die Steuerung der Hormone zust\u00e4ndiger Zentren und zum anderen die Ausbildung von Gehirnstrukturen, in denen die Basis f\u00fcr geschlechtstypisches Verhaltensdispositionen vermutet wird, vor allem den Hypothalamus, das limbische System und den Balken (das Corpus callosum): Frauen und M\u00e4nner aktivieren bei der L\u00f6sung der gleichen Aufgaben verschiedene Bereiche des Gehirns.<\/p>\n<div style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" title=\"Quelle: http:\/\/physiologie.cc\/Mann_Frau_Gehirn.jpg\" src=\"http:\/\/physiologie.cc\/Mann_Frau_Gehirn.jpg\" alt=\"Quelle: http:\/\/physiologie.cc\/Mann_Frau_Gehirn.jpg\" width=\"555\" height=\"320\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Quelle: http:\/\/physiologie.cc\/Mann_Frau_Gehirn.jpg<\/p><\/div>\n<p>V) Soziales Verhaltensgeschlecht: weibliche Gehirne sind personal-empathisch verdrahtet, m\u00e4nnliche nichtpersonal-systemisch (allerdings beeinflusst der Hormonspiegel das Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen). So wurden in der legend\u00e4ren Studie von Cohen in Cambridge (2001)  \u00fcber 100 Neugeborene im Alter von einem Tag gefilmt. Jungen schauten l\u00e4nger auf einen mechanischen, runden, mobilen Gegenstand (ein System mit vorhersagbaren Bewegungsgesetzen) als auf ein menschliches Gesicht (ein Objekt, das fast unm\u00f6glich zu systematisieren ist). Im Alter von einem Jahr schauten sich Jungen lieber einen Film \u00fcber vorbeifahrende Autos an (vorhersagbare mechanische Systeme) als einen Film mit \u201esprechenden K\u00f6pfen\u201c (bei abgedrehtem Ton), bei M\u00e4dchen verhielt es sich genau umgekehrt. Das \u00e4ndert sich auch sp\u00e4ter nicht: M\u00e4nner nehmen Details und bewegte Objekte genauer wahr, Frauen dagegen Farben. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede treten also zu einem Zeitpunkt auf, da Kinder kaum Gelegenheit hatten, pr\u00e4gende Sozialisations- und andere Erfahrungen zu sammeln, die diese Unterschiede erkl\u00e4ren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Zum weiteren werden Rollenerwartungen nicht nur von au\u00dfen an Junge\/Mann \u2013 M\u00e4dchen\/Frau herangetragen, sondern auch durch spontanes Verhalten des jeweiligen Geschlechts ermutigt. Es sind letztlich die \u201eVorgaben\u201c, die den interaktiven Prozess \u201eDisposition &#8211; Sozialisation\u201c ansto\u00dfen und in eine bestimmte Richtung lenken. Psychologie l\u00e4sst sich nicht auf Biologie reduzieren, aber dass Biologie und Psyche nichts miteinander zu tun h\u00e4tten, hie\u00dfe einem Dualismus das Wort reden, der bereits \u00fcberholt ist. Vorgabe ist nicht Fixierung, Vorgabe ist Aufgabe. In der Wahrnehmungs- und Entwicklungspsychologie gelten folgende \u201eVorgaben\u201c als gesichert, die die meisten Genderisten quasi in G\u00e4nze ablehnen:<\/p>\n<ul>\n<li> Sprachf\u00e4higkeit: M\u00e4dchen fangen etwa einen Monat fr\u00fcher an zu sprechen als Jungen, ihr Wortschatz ist gr\u00f6\u00dfer, M\u00e4nner haben eine doppelt so hohe Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Sprachst\u00f6rungen wie zum Beispiel Stottern.<\/li>\n<li>Gruppenstruktur: Jungen begr\u00fcnden rasch eine auf K\u00f6rperst\u00e4rke bezogene \u201eDominanzhierarchie\u201c, M\u00e4dchen legen auch eine Rangordnung fest, aber sie orientieren sich dabei an anderen Qualit\u00e4ten als an simpler K\u00f6rperkraft oder einem raubeinigen Auftreten.<\/li>\n<li>Konfliktbew\u00e4ltigung und Aggression: Jungen reagieren in den ersten Lebensjahren prim\u00e4r aggressiver, haben eine geringere Frustrationsgrenze und geraten \u00f6fter in Konflikte, die sie brachial aushandeln; M\u00e4dchen ziehen sich eher zur\u00fcck, wenn sie in eine Situation geraten, bei der es darum geht, um ein Objekt zu streiten, sie brauchen l\u00e4nger, bis sie auf einen Konflikt reagieren, weil sie vorher mehr \u00fcberlegen. Frauen wollen h\u00e4ufig Probleme besprechen, M\u00e4nner verdr\u00e4ngen und leugnen sie.<\/li>\n<li>Spielverhalten: Jungen w\u00e4hlen spontan andere Spielzeuge (Autos, Bausteine) als M\u00e4dchen (Puppen, Schmusespielzeug). Daneben sind beim Spiel mit Bausteinen unterschiedliche Spielergebnisse auff\u00e4llig: Jungen bauen (phallische) T\u00fcrme, M\u00e4dchen (besch\u00fctzende, uterine) H\u00e4user.\n<p><div id=\"attachment_3302\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Mann_Frau_Gehirn.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3302\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3302\" title=\"Mann_Frau_Gehirn\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Mann_Frau_Gehirn.jpg\" alt=\"Quelle: https:\/\/www.welt.de\/img\/bildergalerien\/mobile106398785\/5441623947-ci23x11-w960\/title.jpg\" width=\"555\" height=\"265\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Mann_Frau_Gehirn.jpg 960w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Mann_Frau_Gehirn-300x143.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3302\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: https:\/\/www.welt.de\/img\/bildergalerien\/mobile106398785\/5441623947-ci23x11-w960\/title.jpg<\/p><\/div><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Empathie und Beziehung: M\u00e4dchen reagieren schon im Alter von 12 Monaten deutlich empathischer als Jungen auf den Kummer anderer Menschen, zeigen mehr Anteilnahme durch traurigere Blicke, mitf\u00fchlende Laut\u00e4u\u00dferungen und tr\u00f6stendes Verhalten. Frauen legen bei Freundschaften im Allgemeinen mehr Wert auf Empathie, w\u00e4hrend M\u00e4nner eher gemeinsame Aktivit\u00e4ten sch\u00e4tzen.<\/li>\n<li>Begehren: Frauen neigen dazu, \u00fcber die charakterlichen und emotionalen Qualit\u00e4ten ihres Partners nachzudenken, was darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass sie ihr Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen nicht einfach ausblenden k\u00f6nnen, nicht einmal, wenn sie an Sex denken. Im Gegensatz dazu neigen M\u00e4nner dazu, sich auf die k\u00f6rperlichen Merkmale der Partnerin zu konzentrieren.<\/li>\n<li>Gewalt: \u201eEs gibt keine bekannte menschliche Gesellschaft, in der das Ausma\u00df an t\u00f6dlicher Gewalt zwischen Frauen auch nur ann\u00e4hernd an das der M\u00e4nner heranreicht.\u201c  Der Krieg, so Heraklit, ist der Vater aller Dinge. Und Gewalt die Grundlage alles M\u00e4nnlichen, erg\u00e4nzen US-Forscher: \u201eEin weiblicher Mozart fehlt, weil es auch keinen weiblichen Jack the Ripper gibt.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das ist das eine. Das andere ist: weder kann jemand sein Geschlecht abw\u00e4hlen, noch erf\u00e4hrt er es als blo\u00dfe Rolle. Trivialzynisch: w\u00e4hrend einst M\u00e4nner und Frauen ihre Leiblichkeit als normal, nat\u00fcrlich und generativ (aus)lebten und dabei Konzepte von Mensch-Sein heraufdachten, sollen sie jetzt ein idealiteres \u201eKonstrukt Mensch\u201c als normal leben und dabei\/danach Konzepte von Frau-\/Mann-Sein bzw. Mutter-\/Vaterschaft herabdenken: das Bewusstsein bestimmt das Sein. Das f\u00fchrt anfangs zur psychischen Deformation des Menschen und sp\u00e4ter zu fehlender Generativit\u00e4t (vgl. Eriksons &#8222;psychosoziale Krisen&#8220;) \u2013 der Mensch stirbt aus; Tilo Sarrazin hatte es nur pr\u00e4gnanter formuliert.<\/p>\n<div id=\"attachment_3303\" style=\"width: 566px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/vom-alterwerde-abb1-psychosoziale-krisen.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3303\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-3303\" title=\"vom-alterwerde-abb1-psychosoziale-krisen\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/vom-alterwerde-abb1-psychosoziale-krisen-1024x457.png\" alt=\"Quelle: http:\/\/j17xl2okmvq3vsfd34do0vvoq3-wpengine.netdna-ssl.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/vom-alterwerde-abb1-psychosoziale-krisen.png\" width=\"556\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/vom-alterwerde-abb1-psychosoziale-krisen-1024x457.png 1024w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/vom-alterwerde-abb1-psychosoziale-krisen-300x133.png 300w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/vom-alterwerde-abb1-psychosoziale-krisen.png 1046w\" sizes=\"(max-width: 556px) 100vw, 556px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3303\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: http:\/\/j17xl2okmvq3vsfd34do0vvoq3-wpengine.netdna-ssl.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/vom-alterwerde-abb1-psychosoziale-krisen.png<\/p><\/div>\n<p>Wer Mann- und Frausein prinzipiell als austauschbare, da symmetrische Rollenspiele und also inszenierte Identit\u00e4t auslegt, blendet die Generativit\u00e4t aus, dass Frauen M\u00fctter und M\u00e4nner V\u00e4ter werden (ein geschlechtsbedingtes und biologisches Faktum, das zu lebenslangen Bindungen f\u00fchrt) &#8211; oder bek\u00e4mpft sie im Sinne eines \u201etraditionellen\u201c Feminismus, der Geschlecht bestenfalls als paradoxe Kategorie begreift.<\/p>\n<p>Fortpflanzung nun verl\u00e4uft (wie zu Teilen auch Erziehung) aber immer asymmetrisch: Frauen geb\u00e4ren, M\u00e4nner nicht. Seit der \u201esexuellen Revolution\u201c will der westliche Feminismus die Asymmetrie aufheben: die Befreiung der Frau wird an die Befreiung vom Kind gekn\u00fcpft, erst dann herrschten Geschlechtergleichheit und damit Geschlechtergerechtigkeit.<\/p>\n<p>Die neuen Ungleichheiten und Machtverh\u00e4ltnisse entstehen nicht mehr entlang einer Trennung \u201eMann = Patriarchat, Unterdr\u00fccker\u201c versus \u201eFrau = Opfer, Unterdr\u00fcckte\u201c, sondern verlaufen entlang eines kalten Markts, f\u00fcr den der Mensch als Subjekt nicht z\u00e4hlt: Frauenk\u00f6rper etwa sollen marktdiktiert gesund und sch\u00f6n sein, weswegen viele Frauen schon ihre eigene K\u00f6rperlichkeit als problematisch empfinden und zunehmend verunsichert sind &#8211; es entsteht ein zwiesp\u00e4ltiges Verh\u00e4ltnis zum eigenen Leib. Eine Autorin namens Sarah Diehl (\u201eDie Uhr, die nicht tickt. Kinderlos gl\u00fccklich &#8211; Eine Streitschrift\u201c, Hamburg 2014) bringt tats\u00e4chlich zu Papier: \u201eDer Mutterinstinkt wurde von Naturwissenschaftlern und P\u00e4dagogen erfunden, er ist nicht biologisch in den Frauen verankert\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_3305\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/9783716027202_1446566710713_xxl.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3305\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3305\" title=\"9783716027202_1446566710713_xxl\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/9783716027202_1446566710713_xxl.jpg\" alt=\"Quelle: https:\/\/s3-eu-west-1.amazonaws.com\/cover.allsize.lovelybooks.de\/9783716027202_1446566710713_xxl.jpg\" width=\"265\" height=\"447\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/9783716027202_1446566710713_xxl.jpg 265w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/9783716027202_1446566710713_xxl-177x300.jpg 177w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3305\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: https:\/\/s3-eu-west-1.amazonaws.com\/cover.allsize.lovelybooks.de\/9783716027202_1446566710713_xxl.jpg<\/p><\/div>\n<p>Einerseits soll das Geschlecht also immer bedeutungsloser werden, konstruktivistisch gedacht soll ja jeder w\u00e4hlen, wie und was er ist. Paradoxerweise w\u00e4chst aber genau in dieser faktischen Gleichheitsgesellschaft der Druck, erst recht anzuzeigen und idealtypisch zu verk\u00f6rpern, dass man eine Frau ist oder ein Mann &#8211; das Ph\u00e4nomen der Kommerzialisierung des K\u00f6rpers. Wenn der \u201eLeib\u201c nur als K\u00f6rper erfahren, ohne Bezug auf das Geistig-Seelische zum K\u00f6rper degradiert wird, wird der Mensch selbst zum Objekt, zur Ware. Die Akzeptanz des Leibes als integralem Identit\u00e4ts-Bestandteil aber ist u.a. f\u00fcr Erich Fromm wesentlich f\u00fcr die gesunde Entfaltung der eigenen Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>Wird nun beim Menschen die \u201ebiologische\u201c Reproduktion vom sozialen Sinngehalt dieser Reproduktion (Generativit\u00e4t als Weitergabe des Lebens) getrennt, \u00fcbernimmt die Logik des Marktes Angebot und Nachfrage. Das geht im Fall der Reproduktion und des medizinischen Fortschrittwahns insbesondere auf Kosten der Frau, Indizien sind u.a. Leihm\u00fctter, Eizellen-Lieferantinnen, Abtreibung\u2026 . Kinder aber als Geschenk anzunehmen, eine lebenslange Bindung als Verantwortung zu entwickeln &#8211; Gender-Theorien k\u00f6nnen diese Widerspr\u00fcche nicht ad\u00e4quat erkl\u00e4ren und m\u00fcssten eingestehen, dass biologische Vorgabe und soziales Verhalten nicht beliebig kombinierbar und inszenierungsf\u00e4hig sind.<\/p>\n<div id=\"attachment_3306\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/9783716027202_1446566710713_xxl1.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3306\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3306\" title=\"9783716027202_1446566710713_xxl\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/9783716027202_1446566710713_xxl1.jpg\" alt=\"Quelle: http:\/\/www.schwaebische.de\/cms_media\/module_img\/4184\/2092296_2_article660x420_B993363329Z.1_20140806195021_000_G6T38VJA0.1_0.jpg\" width=\"555\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/9783716027202_1446566710713_xxl1.jpg 478w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/9783716027202_1446566710713_xxl1-300x263.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3306\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: http:\/\/www.schwaebische.de\/cms_media\/module_img\/4184\/2092296_2_article660x420_B993363329Z.1_20140806195021_000_G6T38VJA0.1_0.jpg<\/p><\/div>\n<p>Es ist genau diese Beliebigkeit und Austauschbarkeit, die unsere Gesellschaft in allen Bereichen an den Tag legt und die leider durch solche Texte wie Ihren gelobhudelt statt kritisiert wird. Damit wird eben nicht die Meinungsfreiheit gest\u00e4rkt, die Sie an anderer Stelle eingefordert haben, sondern Unwissenschaftlichkeit als regul\u00e4re Meinung in den wissenschaftlichen Diskurs eingebracht. Das ist haneb\u00fcchen und spricht  den akademischen Traditionen dieses Landes Hohn.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Thomas Hartung<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3301&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Judith Sevinc Basad,<br \/>\neigentlich wollte Ihnen zu Ihrer Initiative \u201eStudenten f\u00fcr Demokratie und Meinungsfreiheit\u201c gratulieren, stie\u00df aber mit einigem Entsetzen auf Ihren \u201ecausa\u201c-Text im \u201eTagesspiegel\u201c zum Problem Geschlecht und Verhalten. Da behaupten Sie, dass es f\u00fcr die These, dass m\u00e4nnliches oder weibliches Verhalten angeboren sei, keine wissenschaftlichen Beweise gebe und der Diskurs durch Vorurteile und verdrehte Fakten dominiert werde. Das kann nicht Ihr Ernst sein. Da ich keine Lust habe, zur Kommentierung meine Daten einem weiteren Medium zu \u00fcberlassen, publiziere ich meinen \u201eLeserbrief\u201c hier.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,6,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3301"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3301"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3301\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3312,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3301\/revisions\/3312"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3301"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3301"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3301"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}