{"id":3510,"date":"2018-05-26T10:29:57","date_gmt":"2018-05-26T09:29:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3510"},"modified":"2018-08-12T10:42:26","modified_gmt":"2018-08-12T09:42:26","slug":"%e2%80%9egeduldete-kindesmisshandlung%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3510","title":{"rendered":"\u201egeduldete Kindesmisshandlung\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Was unterschied zum Pfingstfest auf Facebook die \u00f6sterreichische von der Bundesregierung? Die erste w\u00fcnschte in Gestalt von Kanzler Sebastian Kurz gesegnete Pfingsten, die andere beehrte die B\u00fcrger mit einer Grafik zum Insektensterben. Wenige Tage zuvor hatte sie stattdessen den muslimischen Mitb\u00fcrgern in Deutschland \u201egesegneten und friedvollen Ramadan\u201c gew\u00fcnscht. Fast 12.000 teils ziemlich unfeine Kommentare waren die Folge.<\/p>\n<p>Kein Wunder. Im Neuen Testament wird in der Apostelgeschichte erz\u00e4hlt, dass am 50. Tag der Osterzeit der Heilige Geist auf die Apostel und J\u00fcnger herabkam. Die christliche Gemeinde trat zum ersten Mal \u00f6ffentlich auf, die bis dahin verzagten Protagonisten des Christentums erweisen sich pl\u00f6tzlich als sprachm\u00e4chtig und missionarisch \u00fcberzeugend. Aus diesem Grund bezeichnet man Pfingsten auch gelegentlich als Gr\u00fcndung, ja \u201eGeburtstag der Kirche\u201c und als Beginn der weltweiten Mission.<\/p>\n<p>Anstatt dieses Ereignis zu w\u00fcrdigen, biederte sich die \u201echristdemokratisch\u201c gef\u00fchrte Regierung lieber jenen ca. 5 Millionen Mitb\u00fcrgern an, die die Herabsendung des Korans im neunten Monat des islamischen Mondkalenders, dem Ramadan, feiern: \u201eWer nun von euch w\u00e4hrend des Monats anwesend ist, soll in ihm fasten\u2026\u201c, hei\u00dft es in Sure 2, Vers 185. Auch Journalisten machen mit: f\u00fcr den \u201eDeutschlandfunk Kultur\u201c ist der Ramadan \u201eein alter deutscher Brauch\u201c.<\/p>\n<p>Der Bayrische Rundfunk ver\u00f6ffentlichte im Internet gar einen \u201eFasten-Knigge\u201c, in dem eine Redakteurin Ratschl\u00e4ge gibt, wie man seinen moslemischen Freunden im Ramadan \u201ehelfen\u201c k\u00f6nne. Und der Kurznachrichtendienst Twitter hat extra eigene Ramadan-Emojis freigeschaltet. Von \u201eGift f\u00fcr die Integration\u201c und \u201eR\u00fccksichtsappellen\u201c spricht Michael Paulwitz in der \u201eJungen Freiheit\u201c, die keine h\u00f6fliche Geste seien, \u201esondern ein weiterer Schritt zur selbstverst\u00e4ndlich erwarteten Unterwerfung.\u201c<\/p>\n<p>So sorgte die Einladung zum Abiball der Kasseler Friedrich-List-Schule in der Baunataler Stadthalle am 9. Juni f\u00fcr Aufregung. Darin fand sich der Satz: \u201eAuf Grund von Ramadan wird das B\u00fcfett erst nach Sonnenuntergang sein.\u201c Ulrich Schmidt, Schulleiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Offenbach ordnet dagegen eher unter die Rubrik \u201eskurril\u201c ein, dass es bei seinem Abi-Ball zweimal Abendessen geben wird: Das zweite mit einsetzender Abendd\u00e4mmerung nach 21 Uhr, wenn die Muslime wieder essen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Es gab aber auch andere Stimmen, die solche R\u00fccksichtsappelle mindestens in Frage stellten: \u00c4rzte, Gewerkschaften und Lehrerverb\u00e4nde kritisierten wieder einmal das zunehmend j\u00fcngere Alter der Fastenden und verwiesen auf die negativen Folgen f\u00fcr Gesundheit und schulische Leistungsf\u00e4higkeit. Denn am 18. Mai bspw. entspr\u00e4che die Zeremonie bei strikter Beachtung der Zeitspanne zwischen Sonnenauf- (3.57 Uhr) und -untergang (20.59 Uhr) ca. 17 Stunden ohne Nahrung und ohne Wasser.<\/p>\n<p><strong>\u201eDas geht nicht\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ex-Lehrerverbandspr\u00e4sident Josef Kraus spricht von \u201egeduldeter Kindesmisshandlung\u201c und z\u00e4hlt in \u201eTichys Einblick\u201c unter anderem auf, dass die jungen Leute im Unterricht nicht mitarbeiten k\u00f6nnten, unkonzentriert und blass seien, unter \u00dcbelkeit litten. Viele h\u00e4tten nicht ausgeschlafen, da sie wegen des \u201eIftar\u201c, des sp\u00e4ten Abendessens nach 21 Uhr, viel zu sp\u00e4t ins Bett k\u00e4men. Manche m\u00fcssten am n\u00e4chsten Schultag einem Arzt vorgestellt werden, weil sie zusammengeklappt sind oder starke Kopf- und Bauchschmerzen haben: \u201eDieses Ramadan-Problem nimmt von Jahr zu Jahr gr\u00f6\u00dfere Ausma\u00dfe an\u201c, so Kraus. Das best\u00e4tigt auch der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, der \u201eS\u00fcdwestpresse\u201c: \u201eInsbesondere bei warmem Wetter f\u00e4llt es diesen Sch\u00fclern schwer, sich zu konzentrieren. Es gibt immer wieder F\u00e4lle, in denen Kinder einen Schw\u00e4cheanfall bekommen und ins Krankenhaus gefahren werden m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Beckmann appelliert an die Verantwortung der Eltern, ihren Kindern klarzumachen, dass f\u00fcr sie das strenge Fasten im Koran (noch) nicht vorgesehen ist, sondern erst nach der Pubert\u00e4t. Doch er stellt auch fest, dass der Gruppendruck gr\u00f6\u00dfer geworden ist: \u201eEs gibt F\u00e4lle, in denen Kinder geh\u00e4nselt werden, wenn sie nicht fasten. Manche j\u00fcngeren Kinder wiederum finden es cool, wenn sie versuchen, es ihren \u00e4lteren Geschwistern gleichzutun.\u201c Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugend\u00e4rzte hat vor dem Fasten junger Leute gewarnt und sie und deren Eltern aufgefordert, tags\u00fcber f\u00fcr gen\u00fcgend Fl\u00fcssigkeitszufuhr zu sorgen. Schulen wenden sich in entsprechenden Briefen an die Eltern.<\/p>\n<p>Der aktuelle Lehrerverbandspr\u00e4sident Heinz-Peter Meidinger erkl\u00e4rte gegen\u00fcber \u201eWelt Online\u201c, dass es vor allem schwierig sei, wenn die religi\u00f6sen Belange einzelner Sch\u00fcler alle einschr\u00e4nken. Dies sei etwa der Fall, wenn Eltern Druck auf die Schulleitungen aus\u00fcbten, w\u00e4hrend des Fastens keine Pr\u00fcfungen oder Exkursionen anzusetzen und sich deshalb die Pr\u00fcfungen f\u00fcr alle Sch\u00fcler in einem bestimmten Zeitraum massierten. \u201eDas geht nicht\u201c, kritisierte Meidinger.<\/p>\n<p>In diesem Jahr ist die Situation besonders kritisch, denn nach Pfingsten sahen sich Deutschlands Sch\u00fcler mit einer letzten gro\u00dfen Pr\u00fcfungswelle konfrontiert. Abiturienten hatten teilweise noch schriftliche, fast immer aber noch die m\u00fcndlichen Pr\u00fcfungen vor sich. Nun wochenlang generell auf Pr\u00fcfungen zu verzichten ist schlicht nicht m\u00f6glich. F\u00fcr die fastenden Sch\u00fcler ist das besonders hart \u2013 gerade f\u00fcr jene, die den Ramadan so ernst nehmen, dass sie tags\u00fcber auch nichts trinken.<\/p>\n<p>An der Wuppertaler Else-Lasker-Sch\u00fcler Gesamtschule mit einem Ausl\u00e4nderanteil von 80 Prozent, darunter vielen Muslimen, gesteht Schulleiterin Dorothee Kleinherbers-Boden in der \u201eWestdeutschen Zeitung\u201c bspw. Probleme beim Schwimmen ein: \u201eManche wollen dann nicht gerne schwimmen, weil sie dann aus Versehen Wasser schlucken k\u00f6nnten\u201c. \u201eDer Koran ist eindeutig, was die Pflichten und Rechte beim Fasten betrifft\u201c, sagt der islamische Theologe Serdar Kurnaz von der Universit\u00e4t Hamburg. \u201eWenn man sich in einer Situation befindet, in der man nicht bequem fasten kann, fastet man nicht.\u201c Dies k\u00f6nne etwa f\u00fcr den Sportunterricht gelten \u2013 und gerade auch f\u00fcr die anstehenden Abschlusspr\u00fcfungen.<\/p>\n<p><strong>Es kommt auf das Gesp\u00fcr der Lehrer an<\/strong><\/p>\n<p>Der Beauftragte f\u00fcr Kirchen und Religionsgemeinschaften der Unionsfraktion im Bundestag, Hermann Gr\u00f6he (CDU), forderte in der \u201eWelt\u201c eine offensivere Diskussion des Themas gerade bei Grundschulkindern. Religi\u00f6s begr\u00fcndeter Druck m\u00fcsse ebenso vermieden werden wie die Ver\u00e4chtlichmachung religi\u00f6ser Gebote. Er erwarte zu dem Thema klare Worte der muslimischen Verb\u00e4nde. Der Zentralrat der Muslime erkl\u00e4rte allerdings nur, in der Zeit des Verzichts bis 14. Juni solle man sich besonders f\u00fcr ein friedliches Miteinander einsetzen, gegen Rassismus, Ausgrenzung und Hass in der Gesellschaft eintreten. Und: \u201eKinder, die die Pubert\u00e4t nicht erreicht haben, werden ermutigt, so viele Tage zu fasten wie sie k\u00f6nnen. So k\u00f6nnen sie sich nach und nach mit zunehmendem Alter an dieses Gebot gew\u00f6hnen\u201c.<\/p>\n<p>Dass Fasten irgendwie \u201ecool\u201c erscheint und es Grundschulkinder tun, \u201eweil sie den Eltern imponieren wollen\u201c, berichtet Karin Jahn, die eine Grundschule im Berliner Ortsteil Wedding leitet, in der \u201eWelt\u201c. Zwar fasteten l\u00e4ngst nicht alle muslimischen Kinder an der Schule \u2013 Jahn glaubt aber, dass der Gruppenzwang gro\u00df sei. \u201eWenn ich an einer Klasse zu Beginn drei Kinder habe, die fasten, sind es irgendwann f\u00fcnf und dann zehn.\u201c Sie sieht ihren Handlungsspielraum aber begrenzt. \u201eEs kommt auf das Gesp\u00fcr der Lehrer an, auf die einzelnen Kinder einzugehen.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) gehen zwar \u201eGesundheit und Schule\u201c vor, religi\u00f6ses Fasten d\u00fcrfe die Kinder nicht in beidem einschr\u00e4nken. Noch als Bezirksb\u00fcrgermeisterin Neuk\u00f6lln hatte sie 2017 mit 20 Moscheevereinen einen Zw\u00f6lf-Punkte-Plan erarbeitet, der als Richtschnur dienen und klarstellen solltet, was aus religi\u00f6ser Sicht geboten ist und was nicht. Wesentlicher Punkt ist die Aussage, dass \u201eKinder und Jugendliche, die fasten wollen, trotzdem etwas zu essen und zu trinken mit in die Schule nehmen\u201c sollen. Begr\u00fcndung: \u201eSie sollen das Fasten unterbrechen, wenn gesundheitliche Probleme auftauchen.\u201c Unterschrieben haben den Verhaltenskodex aber nur 2 Imame. Und Karin Jahn stellt die entscheidende Frage: \u201eWie setze ich das durch?\u201c<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3510&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr und immer j\u00fcngere Kinder fasten an Ramadan. \u00c4rzte und Lehrer warnen, Muslim-Organisationen schweigen. Und die Politik schaut zu oder entwirft untaugliche Konzepte.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6,4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3510"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3510"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3510\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3522,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3510\/revisions\/3522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3510"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3510"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3510"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}