{"id":3567,"date":"2018-08-22T07:44:20","date_gmt":"2018-08-22T06:44:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3567"},"modified":"2018-09-22T12:01:23","modified_gmt":"2018-09-22T11:01:23","slug":"%e2%80%9edas-ist-dramatisch%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3567","title":{"rendered":"\u201eDas ist dramatisch\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Seine Fruchtsorten tragen so klangvolle Namen wie Leikora, Askola oder Habego, und in ihrem Hit \u201eDu hast den Farbfilm vergessen\u201c hat ihn 1974 sogar Nina Hagen besungen: \u201eHoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee &#8230;\u201c Doch um das \u00d6lweidengew\u00e4chs, das hierzulande noch bis Ende September geerntet wird, steht es schlecht: \u201eMecklenburg-Vorpommern droht offenbar ein Sanddornsterben\u201d, vermeldete Ende Juni das Landesamt f\u00fcr Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LaLLF) G\u00fcstrow, das im Sommer 2015 erstmals abgestorbene Sanddornpflanzen beobachtete.<\/p>\n<p>Der Schweriner Agrarminister Till Backhaus (SPD) sagte im <em>Nordkurier<\/em>: \u201eAm Hochufer von Ahrenshoop sind bereits ganze Best\u00e4nde tot. In Teilen der Insel R\u00fcgen und zwischen B\u00f6rgerende und Heiligendamm gibt es ebenfalls abgestorbene Sanddornstr\u00e4ucher.\u201c Auch rings um Warnem\u00fcnde sowie in den Sanddorn-Plantagen in den Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Ludwigslust-Parchim gebe es Pflanzensch\u00e4den: \u201eDas ist dramatisch! Wir m\u00fcssen uns dieses Problems jetzt verst\u00e4rkt annehmen\u201c, schlug der Minister Alarm.<\/p>\n<div style=\"width: 564px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" title=\"https:\/\/www.gartenjournal.net\/wp-content\/uploads\/Sanddorn-schneiden1.jpg\" src=\"https:\/\/www.gartenjournal.net\/wp-content\/uploads\/Sanddorn-schneiden1.jpg\" alt=\"https:\/\/www.gartenjournal.net\/wp-content\/uploads\/Sanddorn-schneiden1.jpg\" width=\"554\" height=\"368\" \/><p class=\"wp-caption-text\">K\u00fcsten-Sanddorn. Quelle: https:\/\/www.gartenjournal.net\/wp-content\/uploads\/Sanddorn-schneiden1.jpg<\/p><\/div>\n<p>Er ist nicht allein. 90 Prozent der Sanddorn-Pflanzen in der L\u00fcbecker Bucht sind abgestorben, erkl\u00e4rt Matthias Braun vom Vorstand des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer in den <em>L\u00fcbecker Nachrichten<\/em>: \u201eWir beobachten das seit etwa vier Jahren \u2013 und jetzt mit sehr gro\u00dfer Sorge\u201c. Damit hat sich das Ph\u00e4nomen, von dem das Kieler Umweltministerium bis Ende Juni 2018 nichts gewusst haben will, auf einer inzwischen mehrere hundert Kilometer langen K\u00fcstenlinie ausgedehnt; ob von Ost nach West oder umgekehrt, ist unklar.<\/p>\n<p><strong>\u201ekein Hinweis auf eine \u00dcbers\u00e4uerung\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde liegen im Dunkeln. Braun vermutet einen Befall der Pflanzen mit der Verticillium-Welke, eine Pflanzenkrankheit, die durch Pilze verursacht wird und \u00fcber den Boden in das Gew\u00e4chs kommt. Die Bl\u00e4tter bleiben klein, werden gelblich und sterben ab. \u201eAuch nach einem R\u00fcckschnitt w\u00e4chst der Pilz immer weiter ein. Es gibt keine Behandlungsm\u00f6glichkeiten, einmal befallene Pflanzen sind nicht mehr zu retten\u201c, so Braun. Sanddornpflanzen hingen unterirdisch \u00fcber ihre Wurzeln zusammen. \u201eWenn eine Pflanze vom Pilz betroffen ist, werden andere in der N\u00e4he ebenfalls befallen\u201c, wei\u00df der Biologe.<\/p>\n<p>Bereits vor zwei Jahren hatte der Verein aufgrund von Hinweisen von den ostfriesischen Inseln, auf denen ebenfalls der Sanddorn vertrocknet, auf dem Priwall Bodenproben entnommen und diese untersuchen lassen. \u201eWir haben allerdings keinen Hinweis auf eine \u00dcbers\u00e4uerung gefunden\u201c, so Braun. Eine letzte Chance, dass der Sanddorn nicht vollst\u00e4ndig ausstirbt, sieht der Experte darin, dass einige Pflanzen gegen den Pilz resistent sind und deshalb f\u00fcr weiteren Wuchs sorgen k\u00f6nnten. \u201eAnsonsten wird es f\u00fcr viele Jahre keinen Sanddorn mehr hier geben.\u201c Die vertrockneten B\u00fcsche und B\u00e4ume m\u00fcssten gro\u00dffl\u00e4chig entsorgt werden, vor allem wegen der drohenden Brandgefahr.<\/p>\n<p>Der Pflanzenschutzdienst des LaLLF habe inzwischen gleich mehrere Schadpilze identifiziert, die beim Absterben von Sanddorn in anderen Regionen allerdings nicht in Erscheinung getreten seien. M\u00f6glich sei das Zusammenwirken mehrerer Ursachen. Neben Phytoplasmen \u2013 Bakterien, die sich als Parasiten in Pflanzen ansiedeln \u2013 k\u00f6nnten laut der Experten des LaLLF auch klimatische Faktoren eine Rolle spielen. Bei Deutschlands gr\u00f6\u00dftem Sanddorn-Anbauer, \u00a0der Storchennest GmbH bei Ludwigslust, ging der Ertrag seit dem \u201eSupersommer 2011\u201c von rund 100 Tonnen um rund die H\u00e4lfte zur\u00fcck, so Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Silvia Hinrichs im <em>Nordkurier<\/em>.<\/p>\n<div style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" title=\"Sanddornernte. Quelle: https:\/\/www.lr-onli-ne.de\/imgs\/16\/4\/8\/6\/0\/3\/3\/1\/tok_37c685936ddc1b61d95a297f10130c0f\/w950_h655_x480_y331_20141003239-GVT56AMUP.1-ORG-3807e9f097dc67e9.jpg\" src=\"https:\/\/www.lr-online.de\/imgs\/16\/4\/8\/6\/0\/3\/3\/1\/tok_37c685936ddc1b61d95a297f10130c0f\/w950_h655_x480_y331_20141003239-GVT56AMUP.1-ORG-3807e9f097dc67e9.jpg\" alt=\"Sanddornernte. Quelle: https:\/\/www.lr-onli-ne.de\/imgs\/16\/4\/8\/6\/0\/3\/3\/1\/tok_37c685936ddc1b61d95a297f10130c0f\/w950_h655_x480_y331_20141003239-GVT56AMUP.1-ORG-3807e9f097dc67e9.jpg\" width=\"555\" height=\"382\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Sanddornernte. Quelle: https:\/\/www.lr-onli-ne.de\/imgs\/16\/4\/8\/6\/0\/3\/3\/1\/tok_37c685936ddc1b61d95a297f10130c0f\/w950_h655_x480_y331_20141003239-GVT56AMUP.1-ORG-3807e9f097dc67e9.jpg<\/p><\/div>\n<p>Die Ludwigsluster, die sogar eine Sanddornk\u00f6nigin w\u00e4hlen, hatten Anfang der 80er Jahre eine Pionierrolle inne: auf den sandigen, eher mageren B\u00f6den lie\u00df die DDR-F\u00fchrung Sorten f\u00fcr den kommerziellen Anbau entwickeln und pflanzen. Der Sanddorn stammt urspr\u00fcnglich aus dem eurasischen Raum, er w\u00e4chst in Tibet, China und der Mongolei. \u201eEs ist die heimische Obstart mit dem h\u00f6chsten Wirkstoffgehalt\u201c, so Friedrich H\u00f6hne von der LaLLF in der <em>Lausitzer Rundschau<\/em>. So sei der Vitamin-C-Gehalt siebenmal h\u00f6her als jener der Zitrone. Das interessierte die DDR-F\u00fchrung, die von teuren Zitrusfrucht-Importen unabh\u00e4ngig werden wollte.<\/p>\n<p><strong>Zitrone des Nordens <\/strong><\/p>\n<p>Heute wird vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch Brandenburg und Sachsen-Anhalt, auf rund 600 ha Fl\u00e4che Sanddorn kultiviert; allein 120 davon entfallen auf das Storchennest. Erlebnis-Bauernh\u00f6fe auf R\u00fcgen bieten inzwischen sogar Ernteurlaube an. \u201eWir geben unseren G\u00e4sten die M\u00f6glichkeit, mehr \u00fcber die Zitrone des Nordens zu erfahren\u201c, sagt Putgartens B\u00fcrgermeister Ernst Heinemann im <em>Nordkurier<\/em>. Wer wolle, k\u00f6nne sich seinen Sanddornsaft sogar selbst pressen.<\/p>\n<p>2,4 ha des deutschen Anbaugel\u00e4ndes entfallen seit zehn Jahren aber auch auf das Frauengef\u00e4ngnis in Vechta: Gefangene im Offenen Vollzug k\u00f6nnen hier f\u00fcr ca. 12 \u20ac\/Tag ihre Arbeitspflicht ableisten. Das Anbaugebiet ist das gr\u00f6\u00dfte in den alten Bundesl\u00e4ndern. Weil im Gef\u00e4ngnis keine Lebensmittel verarbeitet werden d\u00fcrfen, wird die Ernte ans Storchennest verkauft \u2013 und diverse Sanddornprodukte unter der Marke \u201eJustiz-Irrtum\u201c im JVA-Onlineshop angeboten, darunter ein \u201eJailhouse-Jam\u201c.<\/p>\n<p>So anspruchslos und robust die Pflanze eigentlich ist, so aufw\u00e4ndig stellt sich die Ernte der Beeren dar. Die tragenden, vielfach bedornten Zweige werden abgeschnitten und in fl\u00fcssigem Stickstoff bei \u2013 90 Grad Celsius schockgefrostet. So k\u00f6nnen die Fr\u00fcchte dann von den Zweigen geschlagen, in einer Art Fleischwolf zermust und schlie\u00dflich zu Saft gepresst werden. Bei derart rabiaten Erntemethoden kann ein Strauch nur alle paar Jahre beerntet werden und muss sich dazwischen erholen. Das macht die Beeren teuer.<\/p>\n<div style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" title=\"Sanddorn-Produkte. Quelle: http:\/\/www.sanddorn-storchennest.de\/images\/index\/hochwertige-sanddornprodukte.jpg\" src=\"http:\/\/www.sanddorn-storchennest.de\/images\/index\/hochwertige-sanddornprodukte.jpg\" alt=\"Sanddorn-Produkte. Quelle: http:\/\/www.sanddorn-storchennest.de\/images\/index\/hochwertige-sanddornprodukte.jpg\" width=\"555\" height=\"416\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Sanddorn-Produkte. Quelle: http:\/\/www.sanddorn-storchennest.de\/images\/index\/hochwertige-sanddornprodukte.jpg<\/p><\/div>\n<p>Inzwischen kann man aus den Fr\u00fcchten, die eher N\u00fcsse als Beeren sind, weit mehr fabrizieren als nur Sanddornsaft, -torte, -eis oder -marmelade. Mittlerweile haben die kleinen Vitamin-Bomben auch die Superm\u00e4rkte und Drogerien erobert: als Bonbons, getrocknet in Tees, mit Apfel zu Kompott vermischt, als K\u00f6rper-\u00d6l oder in Cremes. Denn die Super-Fr\u00fcchte enthalten neben viel Vitamin C auch den Vitamin-B-Komplex, Karotin, wichtige Mineralien und Spurenelemente sowie unges\u00e4ttigte Fetts\u00e4uren. Liebenswerter Nebeneffekt: da nach dem Genuss der Beeren die Lust auf S\u00fc\u00dfigkeiten, aber auch auf Nikotin und Koffein schwindet, funktionieren sie als nat\u00fcrliche Gewichtsreduzierer. Au\u00dferdem wirkt ihr \u00d6l haarkr\u00e4ftigend und entz\u00fcndungshemmend. Fast 200 Sanddorn-Produkte, fast alle \u00f6ko-zertifiziert, sind inzwischen auf M\u00e4rkten erh\u00e4ltlich \u2013 nicht nur die auf der Insel R\u00fcgen w\u00fcrden an Attraktivit\u00e4t sehr verlieren, m\u00fcssten sie darauf verzichten.<\/p>\n<p>Nach dem geh\u00e4uften Auftreten der aus Osteuropa eingewanderten Sanddornfliege vor f\u00fcnf Jahren droht der Pflanze nun erneut Ungemach. \u201eWichtig ist jetzt ein umfangreiches Monitoring im Land mit zielgerichteten Probeentnahmen und -untersuchungen. In der Diagnostik arbeiten wir bereits mit dem Julius-K\u00fchn-Bundesforschungsinstitut f\u00fcr Kulturpflanzen und mit Laboren anderer Bundesl\u00e4nder zusammen\u201c, verspricht Backhaus. Das ist auch dringend geboten, um einerseits eine touristisch beliebte K\u00fcstenattraktion zu erhalten und andererseits nach Strandgerste, Lichtnelke und einigen Brombeerarten nicht eine weitere Pflanzenart in Norddeutschland f\u00fcr immer zu verlieren.<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3567&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sanddorn ist eine gesunde Ostseeattraktion. Doch seit 2015 nehmen die Strauchbest\u00e4nde an den K\u00fcsten ab. Die Gr\u00fcnde sind unklar. Jetzt schl\u00e4gt Mecklenburg-Vorpommern Alarm.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3567"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3567"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3567\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3580,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3567\/revisions\/3580"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}