{"id":3589,"date":"2018-09-28T17:14:52","date_gmt":"2018-09-28T16:14:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3589"},"modified":"2018-09-28T17:14:52","modified_gmt":"2018-09-28T16:14:52","slug":"%e2%80%9ees-gibt-nichts-was-wir-in-dieser-sache-andern-konnen%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3589","title":{"rendered":"\u201eEs gibt nichts, was wir in dieser Sache \u00e4ndern k\u00f6nnen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ist die Korrelation zul\u00e4ssig, dass die k\u00fcnstliche Intelligenz immer besser, die menschliche dagegen immer schlechter wird? Ja! Das schlie\u00dfen zunehmend mehr Experten aus Studien, wonach die Leistung bei IQ-Tests in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen habe. Zuletzt registrierten Bernt Bratsberg und Ole Rogeberg von der Universit\u00e4t Oslo Mitte Juni, nachdem sie 730.000 IQ-Tests \u00fcberpr\u00fcften, ein konstantes Absinken der Leistung in den letzten Jahrzehnten.<\/p>\n<p>Die Tests stammen von jungen M\u00e4nnern und Frauen der Jahrg\u00e4nge 1962 bis 1991, die bei der norwegischen Armee zum Milit\u00e4rdienst antraten. Kamen die Armee-Neulinge bis zum Jahrgang 1975 beim Eingangstest auf mehr als 102 IQ-Punkte, erreichten die Jahrg\u00e4nge bis 1991 nur noch knapp 100 Punkte. Das Absinken erfolgte kontinuierlich. Bratsberg und R\u00f8geberg prognostizierten, dass der durchschnittliche IQ-Wert im n\u00e4chsten Jahrhundert um bis zu zehn Punkte fallen wird.<\/p>\n<p>Der Aufsatz der beiden Norweger ordnet sich als vorl\u00e4ufig letzter in eine Reihe von Aufs\u00e4tzen ein, die mehr oder weniger alarmistisch einem europ\u00e4ischen Siegeszug der Dummheit das Wort reden. In D\u00e4nemark wurde ebenfalls die milit\u00e4rische Tauglichkeit aller jungen M\u00e4nner untersucht &#8211; auch wenn nur einige von ihnen den Wehrdienst tats\u00e4chlich ableisten. Diese Untersuchung umfasst auch einen IQ-Test. Seit 1998 sind die Werte im Schnitt um 1,5 Punkte gefallen, berichtet der <em>NewScientist<\/em> im Sommer 2014 und rechnet auch mit einer Senkung von sieben bis zehn IQ-Punkten pro Jahrhundert.<\/p>\n<p>Aber bereits 2012 hat die University of Hartford eine Berechnung ver\u00f6ffentlicht, nach der der durchschnittliche IQ f\u00fcr das Jahr 2011 bei 88,54 gelegen hat \u2013 ein deutlicher R\u00fcckgang im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren. Studien in L\u00e4ndern wie Neuseeland, Australien, Brasilien und Mexiko haben au\u00dferdem gezeigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Bev\u00f6lkerungswachstum und dem R\u00fcckgang des IQ gibt. Es wird angenommen, dass der durchschnittliche IQ bis zum Jahr 2050 auf 86,32 f\u00e4llt, wenn die Weltbev\u00f6lkerung mit anhaltend hoher Geschwindigkeit w\u00e4chst. Im Jahr 1950 lag er noch bei 91,64 \u2013 mehr als 5 Punkte h\u00f6her.<\/p>\n<div id=\"attachment_3590\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gauszsche-normalverteilung.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3590\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3590\" title=\"Normalverteilung des Intelligenzquotienten in der Bev\u00f6lkerung, Quelle:  https:\/\/www.begabtenpaedagogik.de\/images\/gauszsche-normalverteilung.jpg \" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gauszsche-normalverteilung.jpg\" alt=\"Normalverteilung des Intelligenzquotienten in der Bev\u00f6lkerung, Quelle:  https:\/\/www.begabtenpaedagogik.de\/images\/gauszsche-normalverteilung.jpg \" width=\"555\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gauszsche-normalverteilung.jpg 497w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/gauszsche-normalverteilung-300x229.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3590\" class=\"wp-caption-text\">Normalverteilung des Intelligenzquotienten in der Bev\u00f6lkerung, Quelle:  https:\/\/www.begabtenpaedagogik.de\/images\/gauszsche-normalverteilung.jpg <\/p><\/div>\n<p>\u00c4hnliche Berechnungen stellten im Januar 2018 Forscher vom Ulster Institut f\u00fcr Sozialforschung um den Anthropologen Edward Dutton an. Danach sei der IQ in vielen westlichen Nationen alle zehn Jahre um etwa zwei Punkte gesunken. Die Ergebnisse scheinen im Widerspruch dazu zu stehen, dass \u2013 politisch gewollt \u2013 immer mehr junge Menschen an die Universit\u00e4ten dr\u00e4ngen und der technische Fortschritt unaufhaltsam voranschreitet. Nun hatte der Begriff \u201eHochschulreife\u201c in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts noch eine besondere Aura, \u201eweil er die Beherrschung eines anspruchsvollen Bildungskanons in neun Disziplinen versprach\u201c, erkl\u00e4rte der Altphilologe Gerhard Wolf 2016. Heute dagegen ist er auf eine blo\u00dfe Hochschulzugangsberechtigung reduziert, die mit \u201eStudierf\u00e4higkeit\u201c nichts mehr gemein haben muss.<\/p>\n<p><strong>Tests zur Messung des IQ ver\u00e4ndert<\/strong><\/p>\n<p>Parallel dazu stehen einerseits die Konzepte von IQ-Tests sowie andererseits die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Intelligenzschwund auf dem Pr\u00fcfstand. Seit die Psychologen Alfred Binet und Th\u00e9odore Simon 1905 einen Intelligenztest entwickelten, begannen Forscher den Intelligenzquotienten (IQ) zu messen, der den Unterschied ausdr\u00fccken soll zwischen Talent (150) und Trant\u00fcte (70). Die standardisierten Tests \u00fcberwiegend in Bereichen des verbalen und mathematischen Verst\u00e4ndnisses lie\u00dfen nicht nur R\u00fcckschl\u00fcsse auf den IQ einzelner Menschen zu, sondern auch auf den Durchschnittswert der Bev\u00f6lkerung, der bis ca. 1980 stetig gestiegen war.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Psychologin Professor Elsbeth Stern von der Eidgen\u00f6ssischen Technischen Hochschule in Z\u00fcrich ist Intelligenz \u201evorwiegend die F\u00e4higkeit zum schlussfolgernden Denken und zur effizienten Informationsverarbeitung.\u201c Die brauche man vor allen Dingen dann, so Stern im <em>DLF<\/em>, \u201ewenn man eben komplexe Aufgaben l\u00f6sen muss. Und dann haben Menschen, die das effizienter k\u00f6nnen, die also besser aktuell mehr Information parallel halten k\u00f6nnen, die haben dann einen Vorteil.\u201c Um das logische Denken zu beurteilen, gibt es in Intelligenztests Fragen wie: 2,4,6,8 &#8211; was ist die n\u00e4chste Zahl? In diesem sehr einfachen Beispiel: die 10. Oder: Wald verh\u00e4lt sich zu B\u00e4umen wie Wiese zu Gr\u00fcn &#8211; Gr\u00e4sern &#8211; Weite &#8211; Blumen? Richtig ist: Gr\u00e4ser.<\/p>\n<p>1988 ver\u00f6ffentlichte Robert Flynn sein Buch \u201eDer Flynn-Effekt\u201c, in dem er den steigenden IQ in vielen westlichen L\u00e4ndern zwischen 1930 und 1980 als eine Folge der besseren Ern\u00e4hrung und verbesserter Lebensbedingungen einschlie\u00dflich der medizinischen Versorgung sowie der besseren Bildung und F\u00f6rderung von Kindern erkl\u00e4rt. Gerade der Zusammenhang von Bildung und Intelligenz ist ein kontroverses Thema. Doch hat sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine h\u00f6here Bildung auch Auswirkungen auf den IQ hat. Die US-Neurowissenschaftler Daniel Ansari und Aaron Berkowitz wiesen anhand einer Improvisations-Aufgabe nach, dass die Hirnt\u00e4tigkeit bei musikalisch gebildeten Testpersonen anders ist und zu besseren Ergebnissen f\u00fchrt als bei musikalischen Laien. Die Ergebnisse wurden von anderen Untersuchungen best\u00e4tigt, etwa in \u00d6sterreich. Die Forscher glauben, dass die Ergebnisse nicht nur auf den Bereich der Musik zutreffen, sondern auch auf andere Branchen. Vor allem in kreativen Branchen ist Bildung eine entscheidende Voraussetzung zur L\u00f6sung von komplexen Aufgabenstellungen.<\/p>\n<p>Flynn hatte \u00fcberdies zwischen der ph\u00e4notypischen (umweltbedingten) Intelligenz und der genotypischen (vererbten) Intelligenz unterschieden und bereits entdeckt, dass die genotypische Intelligenz um 0,57 Punkte pro Generation f\u00e4llt. In der entwickelten Welt wurde bis vor rund 15 Jahren der R\u00fcckgang der genotypischen Intelligenz durch einen Anstieg der ph\u00e4notypischen Intelligenz ausgeglichen. Die These ist aus mehreren Gr\u00fcnden nicht mehr haltbar. So gibt es m\u00f6glicherweise einen direkten Zusammenhang zwischen dem R\u00fcckgang des IQ und Armutsquoten, die heute auf einem historisch hohen Stand sind. Dadurch entgehen vielen Menschen Bildungschancen, sie k\u00f6nnen ihren Kindern keine M\u00f6glichkeit bieten, sich auf hohem Niveau zu entwickeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_3591\" style=\"width: 564px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Flynn-Effekt.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3591\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3591\" title=\"Flynn-Effekt. Quelle: https:\/\/www.aau.at\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/5-INTELLIGENZ-2.pdf\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Flynn-Effekt.jpg\" alt=\"Flynn-Effekt. Quelle: https:\/\/www.aau.at\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/5-INTELLIGENZ-2.pdf\" width=\"554\" height=\"421\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Flynn-Effekt.jpg 596w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Flynn-Effekt-300x228.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 554px) 100vw, 554px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3591\" class=\"wp-caption-text\">Flynn-Effekt. Quelle: https:\/\/www.aau.at\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/5-INTELLIGENZ-2.pdf<\/p><\/div>\n<p>Andere Experten weisen darauf hin, dass sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten die Tests zur Messung des IQ leicht ver\u00e4ndert h\u00e4tten und der R\u00fcckgang dadurch bedingt sei. Dieser These gingen 2017 Forscher um Robin Morris (Kings College London) im Fachblatt \u201eIntelligence\u201c nach und analysierten f\u00fcr ihre Studie zun\u00e4chst rund 1.750 verschiedene Intelligenztests seit dem Jahr 1972, und zwar im Speziellen nach zwei Testteilen: jenen, die das Kurzzeitged\u00e4chtnis, und jene, die das Arbeitsged\u00e4chtnis messen. Letzteres ist komplexer als das Kurzzeitged\u00e4chtnis und bef\u00e4higt zur Manipulation der Erinnerungen, au\u00dferdem sind damit andere Hirnteile befasst.<\/p>\n<p><strong>nat\u00fcrliche Auslese beg\u00fcnstigt intelligente Menschen <\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst zeigte sich, dass in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Menschen IQ-Tests unterzogen wurden, die bereits \u00fcber 60 Jahre alt waren. Da \u00e4ltere Personen an einem nachlassenden Arbeitsged\u00e4chtnis leiden, w\u00e4hrend das Kurzzeitged\u00e4chtnis ann\u00e4hernd konstant bleibt, k\u00f6nnte das eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr r\u00fcckl\u00e4ufige Testergebnisse sein. Im Hauptbefund ergaben sich Verbesserungen des Kurzzeitged\u00e4chtnisses analog zum Flynn-Effekt, w\u00e4hrend die Testergebnisse in Sachen Arbeitsged\u00e4chtnis abnahmen.<\/p>\n<p>Eine weitere Erkl\u00e4rung: Sp\u00e4testens 2012 stand nach Untersuchungen des US-Neurowissenschaftlers Read Montague von der Universit\u00e4t Virginia Tech fest, dass Intelligenz offenbar weniger eine stabile, gleichbleibende und vererbbare Eigenschaft ist, sondern immer auch eine Momentaufnahme. Seine Begr\u00fcndung: bei direktem Feedback zu Lernergebnissen schrumpfe der IQ.<\/p>\n<p>\u201eIn Kleingruppen sinkt die geistige Leistungsf\u00e4higkeit\u201c, wird Montague auf dem Portal <em>alltagsforschung.de <\/em>zitiert, \u201eerst recht, wenn man glaubt, schlechter zu sein als die anderen.\u201c Offenbar erh\u00f6hen kleine, intime Gruppen den sozialen Druck. Man ist nicht anonym, jeder bemerkt die Leistung des anderen, es entsteht eine unbewusste Hackordnung. Mit der Konsequenz, dass Stress und Einsch\u00fcchterung nicht nur aufs Gem\u00fct, sondern auch die Intelligenz schlagen. Das m\u00fcsste Konsequenzen f\u00fcr das Design jeder Art von Assessment Center haben.<\/p>\n<div id=\"attachment_3593\" style=\"width: 564px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IntelligenzII.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3593\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3593\" title=\"Intelligenz und Ma\u00dfstab. Quelle: https:\/\/islieb.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/islieb-intelligenz.png\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IntelligenzII.png\" alt=\"Intelligenz und Ma\u00dfstab. Quelle: https:\/\/islieb.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/islieb-intelligenz.png\" width=\"554\" height=\"490\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IntelligenzII.png 1024w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/IntelligenzII-300x265.png 300w\" sizes=\"(max-width: 554px) 100vw, 554px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3593\" class=\"wp-caption-text\">Intelligenz und Ma\u00dfstab. Quelle: https:\/\/islieb.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/islieb-intelligenz.png<\/p><\/div>\n<p>\u00c4hnlich argumentiert auch Edward Dutton. Der IQ-Test sei sehr ungenau und \u201eein schlechtes Ma\u00df f\u00fcr Intelligenz\u201c. Mit der industriellen Revolution sei zwar die Umwelt des Menschen zunehmend von Wissenschaft dominiert worden, was das analytische Denken angeregt habe. Analytische F\u00e4higkeiten seien aber nur bedingt zur eigentlichen Intelligenz zu z\u00e4hlen, der Flynn-Effekt aber allein dieser Ursache geschuldet gewesen, sagt er der Website <em>sputniknews.com<\/em>: \u201eDas w\u00fcrde im Umkehrschluss bedeuten, dass es in einhundert Jahren bereits 30 Punkte gewesen sind. Und das w\u00fcrde wiederum hei\u00dfen, dass der durchschnittliche Mensch im 19. Jahrhundert im Vergleich zum durchschnittlichen Menschen aus dem Jahr 2000 geistig behindert gewesen war, was offensichtlich nicht stimmt.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u201eIntelligenz ist zu 80 Prozent vererbbar\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings unterscheidet sich Duttons Erkl\u00e4rung fundamental vom akademischen Mainstream. So kamen Bratsberg und Rogeberg zu dem Ergebnis, dass der Grund f\u00fcr den Intelligenz-Abstieg prim\u00e4r im modernen Lebensstil l\u00e4ge. Da auch bei Geschwistern in Norwegen der IQ ab dem Geburtsjahrgang 1975 herunterging, bedeute dies, \u201edass nicht die Gene, sondern irgendein Umwelteinfluss die Intelligenz beeinflusst haben muss. Und zwar abh\u00e4ngig davon, in welchem Jahr die Kinder geboren wurden. Es geht nicht um Gene &#8211; sonst g\u00e4be es keine Unterschiede zwischen Kindern, die die gleichen Eltern haben\u201c, so die Norweger im DLF. Als Ursachen vermuten sie eine ver\u00e4nderte Mediennutzung, aber auch die Ern\u00e4hrung mit viel ungesundem Fastfood. Auch Umweltfaktoren sollen eine Rolle spielen. Unter besonderem Verdacht stehen dabei Umwelthormone, die in hormonelle Abl\u00e4ufe im K\u00f6rper eingreifen, die auch kognitive F\u00e4higkeiten betreffen.<\/p>\n<p>Dutton dagegen beschreibt genetische Gr\u00fcnde, f\u00fcr ihn gilt: \u201eIntelligenz ist zu 80 Prozent vererbbar.\u201c In der Praxis habe fr\u00fcher eine starke nat\u00fcrliche Auslese intelligente Menschen beg\u00fcnstigt: Wer intelligenter war, wurde innerhalb einer Gesellschaft wohlhabender, und wer wohlhabender war, pflanzte sich erfolgreicher fort. Der Prozentanteil der Menschen, die eine genetische Veranlagung f\u00fcr eine hohe Intelligenz mitbringen, sei in den vergangenen Generationen aber gesunken: \u201eBis zur industriellen Revolution hatten in jeder Generation die 50 reicheren Prozent der Bev\u00f6lkerung 40 Prozent mehr \u00fcberlebende Kinder als die \u00e4rmeren 50 Prozent. Das bedeutet, dass in jeder Generation die Intelligenz anstieg. Das ging so vom Mittelalter bis etwa 1800. Um 1800 war die Intelligenz dann so hoch, dass es diesen massiven Durchbruch gab mit den vielen Erfindungen, die industrielle Revolution eben\u201c.<\/p>\n<p>Damit \u00e4nderte sich jedoch die Situation der Menschen: \u201eEs kamen Dinge wie Impfungen auf und senkten die Kindersterblichkeit immer weiter\u201c, erkl\u00e4rt Dutton. Au\u00dferdem wurden Verh\u00fctungsmittel entwickelt, und da gelte: \u201eMenschen, die intelligenter sind, neigen dazu, mehr Verh\u00fctungsmittel einzusetzen, weil sie weiter vorausdenken und weniger impulsiv handeln. Sie k\u00f6nnen besser planen. W\u00e4hrend also bei armen Familien immer mehr Kinder \u00fcberlebten, produzierten die wohlhabenden Familien immer weniger Nachkommen.\u201c Diese Tendenz sei noch durch den Feminismus verst\u00e4rkt worden: Intelligentere Frauen h\u00e4tten damit immer mehr Zeit f\u00fcr Bildung aufgewendet und dadurch weniger bis gar keine Kinder produziert &#8211; eine Erkl\u00e4rung, die auch andere Experten vertreten. L\u00e4sst da etwa Sarrazin gr\u00fc\u00dfen? Der Liedermacher Manfred Maurenbrecher kehrte die Relation drastisch, aber durchaus treffend in seinem Hit \u201eDumm fickt gut\u201c auf dem Album \u201eGl\u00fcck\u201c (2007) um.<\/p>\n<div id=\"attachment_3592\" style=\"width: 564px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Intelligenz.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3592\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3592\" title=\"Intelligenz und Gegen\u00fcber. Quelle: https:\/\/lolin.files.wordpress.com\/2007\/06\/garfield_intelligenz.jpg?w=450\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Intelligenz.jpg\" alt=\"Intelligenz und Gegen\u00fcber. Quelle: https:\/\/lolin.files.wordpress.com\/2007\/06\/garfield_intelligenz.jpg?w=450\" width=\"554\" height=\"421\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Intelligenz.jpg 434w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Intelligenz-300x228.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 554px) 100vw, 554px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3592\" class=\"wp-caption-text\">Intelligenz und Gegen\u00fcber. Quelle: https:\/\/lolin.files.wordpress.com\/2007\/06\/garfield_intelligenz.jpg?w=450<\/p><\/div>\n<p>Und auch die Religionen h\u00e4tten ihre Rolle gespielt, mit ihrer Aufforderung: \u201eSeid fruchtbar und mehret euch\u201c. Infolgedessen w\u00fcrden religi\u00f6se Familien tendenziell mehr Kinder in die Welt setzen: Laut Dutton geht Religiosit\u00e4t mit einer niedrigen Intelligenz einher. Der Flynn-Effekt, der nur die umweltbedingten Aspekte des Denkens betreffe und nicht seine vererbbare Seite, habe also in den 90er Jahren seine nat\u00fcrliche Grenze erreicht und sich seitdem ins Negative gekehrt.<\/p>\n<p><strong>\u201eWir werden also definitiv weniger intelligent\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Welche intellektuellen F\u00e4higkeiten im Laufe der Zeit gefallen sind, wei\u00df Dutton auch: In Sachen Reaktionszeit schneiden die Menschen immer schlechter ab. Bereits im Winter 2013 ergab eine multinationale europ\u00e4ische Studie, dass sich die Reaktionszeit moderner Menschen, die als ein Indiz f\u00fcr den IQ (weil ein Teilaspekt einer h\u00f6heren Intelligenz) gilt, im Vergleich zum Viktorianischen Zeitalter erh\u00f6ht hat. Im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert betrug diese Reaktionszeit auf einen bestimmten Reiz durchschnittlich 194 Millisekunden, im Jahr 2004 dagegen schon 275 Millisekunden. Auch das Verm\u00f6gen, Farben zu unterscheiden, verschlechtere sich. Zahlenreihen werden schlechter wiedergegeben. Und die Kreativit\u00e4t baut ab. \u201eUnd alle diese Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen wir \u00fcber hundert Jahre in die Vergangenheit zur\u00fcckverfolgen. Wir werden also definitiv weniger intelligent \u2013 und das aus genetischen Gr\u00fcnden\u201c.<\/p>\n<p>Damit reiht sich Dutton in eine geschichtspessimistische Tradition ein, die Oswald Spengler in seinem Opus magnum \u201eDer Untergang des Abendlandes\u201c zu ihrer deutschen Bl\u00fcte f\u00fchrte. F\u00fcr Spengler erstarrt am Ende der Zivilisation jede Kultur, n\u00e4hme eine versteinerte Gestalt an und gleite ab in einen nur noch interessensgeleiteten Vernunftgebrauch. Spengler weissagte auch, dass Wissenschaft und Technik nur solange aufrecht erhalten, weiterentwickelt und von Nutzen sein w\u00fcrden, solange es Menschen gibt, die ihre Funktionsweise verstehen. Nimmt deren Zahl allm\u00e4hlich ab \u2013 wie es die von ihm prophezeite Kinderlosigkeit zwangsl\u00e4ufig mit sich bringen wird, weil \u201edie bis zum \u00e4u\u00dfersten gesteigerte Intelligenz keine Gr\u00fcnde f\u00fcr ihr Vorhandensein mehr findet\u201c \u2013 so wird auch die von ihnen aufrechterhaltene Technik bald verschwunden sein.<\/p>\n<p>Pikant: F\u00fcr eine Arte-Dokumentation, die am 7.11.2017 gesendet und den genetischen Erkl\u00e4rungsansatz verfolgen sollte, wurde auch Dutton interviewt \u2013 und fiel der redaktionellen Schere zum Opfer. \u201eIch wei\u00df nicht, ob sie Angst hatten, meine Erkl\u00e4rung zu pr\u00e4sentieren\u201c, kommentiert er Monate danach. \u00c4hnliche Erfahrungen habe er schon mit Gutachtern seiner wissenschaftlichen Arbeiten gemacht, die ihn in die N\u00e4he von Eugenik r\u00fccken wollten. In einem Fall habe gar der Verleger auf die Bremse gedr\u00fcckt, \u201eweil die Leser das nicht m\u00f6gen w\u00fcrden\u201c.<\/p>\n<p>Duttons einfache Erkl\u00e4rung: Dass wir alles \u201ezum Guten wenden k\u00f6nnen\u201c, stimme bei Umwelteinfl\u00fcssen, bei genetischen Ursachen dagegen w\u00e4re eine Korrektur \u201eso monstr\u00f6s und schrecklich, dass niemand das ernsthaft in Erw\u00e4gung ziehen w\u00fcrde\u201c. Denn der einzige Weg, den Intelligenz-Abbau aufzuhalten, w\u00e4re, weniger intelligenten Menschen zu verbieten, sich fortzupflanzen. Solche Forderungen stellt Dutton als Wissenschaftler, dem es darum geht, die wirklichen Ursachen f\u00fcr einen Prozess darzustellen \u2013 egal wie unbequem sie sind \u2013 nat\u00fcrlich nicht. Wie man diesen Prozess aufhalten k\u00f6nne, sei eine andere Frage, die Dutton im Stile Spenglers sehr def\u00e4tistisch beantwortet: \u201eEs gibt nichts, was wir in dieser Sache \u00e4ndern k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3589&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laut diverser Studien sollte uns Einwohner von Industrienationen der sinkende IQ unserer Mitb\u00fcrger verunsichern. \u00dcber die Ursachen wird gestritten. 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