{"id":3599,"date":"2018-10-05T06:48:10","date_gmt":"2018-10-05T05:48:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3599"},"modified":"2018-10-05T06:48:10","modified_gmt":"2018-10-05T05:48:10","slug":"mit-kopf-herz-hand-und-fus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3599","title":{"rendered":"Mit Kopf, Herz, Hand &#8211; und Fu\u00df"},"content":{"rendered":"<p>Dem Schweizer P\u00e4dagogen Johann Heinrich Pestalozzi verdanken wir seit rund 200 Jahren die Einsicht, dass Lernen nur ganzheitlich mit \u201eKopf, Herz und Hand\u201c wirklich sinnvoll ist und allem Begreifen das Greifen vorausgeht. Wer allerdings nur wenige M\u00f6glichkeiten hat, Hand &#8211; und Fu\u00df &#8211; zu trainieren, beschr\u00e4nkt sich auf die Kopfsinne H\u00f6ren und Sehen, die vor allem durch Medienkonsum bedient werden. Doch zu viel Mediennutzung im jungen Alter wirkt sich ung\u00fcnstig auf die Entwicklung aus, warnt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit Blick auf Daten des Nationalen Bildungspanels.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig seien \u00dcbergewicht, Schlafst\u00f6rungen oder ein aggressiveres Sozialverhalten die Folge, sagt IW-Familienexperte Wido Geis in der <em>ZEIT<\/em>. Problematisch: vor allem Kinder aus bildungsfernen Familien verbringen besonders viel Zeit vor Bildschirmen. Das Institut unterschied bei der Auswertung zwischen M\u00fcttern mit und ohne berufsqualifizierenden Bildungsabschluss \u2013 also zum Beispiel nur mit abgeschlossener Hauptschule. Demnach verbrachten fast 60 Prozent der Viertkl\u00e4ssler mit einer Mutter ohne berufsqualifizierenden Abschluss mehr als zwei Stunden am Tag vor Bildschirmen. Bei den Kindern von M\u00fcttern mit Hochschulabschluss war dies hingegen nur bei knapp 30 Prozent der Fall. Den Grund f\u00fcr die Diskrepanz sieht Geis darin, dass sich Kinder an ihren Eltern orientierten: \u201eErwachsene aus bildungsfernen Haushalten konsumieren mehr Fernsehen\u201c. Eltern aus bildungsnahen Haushalten bes\u00e4\u00dfen hingegen deutlich mehr B\u00fccher, weshalb das Lesen eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spiele.<\/p>\n<p>Von einem \u201eklaren Alarmsignal\u201c spricht auch der AOK-Vorstandsvize Jens Martin Hoyer bei der Vorstellung der aktuellen Familienstudie seiner Krankenkasse. Danach bewegt sich jede dritte Familie zu wenig, auch seien mehr als die H\u00e4lfte der Eltern, oft die V\u00e4ter, zu dick. Wenn auch unter anderem Untersuchungsdesign, kommt eine Studie der Krankenversicherung DKV ebenfalls zu dem Schluss, dass nur noch 43 Prozent der deutschen Erwachsenen das empfohlene Mindestma\u00df an k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t erreichen. Der Trend der vergangenen Jahre sei r\u00fcckl\u00e4ufig. 2010 h\u00e4tten noch 60 Prozent der Bundesb\u00fcrger gen\u00fcgend Bewegung bekommen. Jeder Zehnte gab an, \u00fcberhaupt keiner k\u00f6rperlichen Aktivit\u00e4t nachzugehen, die l\u00e4nger als zehn Minuten am St\u00fcck dauert. Der Nachwuchs macht\u2018s nach.<\/p>\n<div id=\"attachment_3600\" style=\"width: 529px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Johann_Heinrich_Pestalozzi.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3600\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3600\" title=\"Johann Heinrich Pestalozzi. Quelle: https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/d3\/Johann_Heinrich_Pestalozzi.jpg \" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Johann_Heinrich_Pestalozzi.jpg\" alt=\"Johann Heinrich Pestalozzi. Quelle: https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/d3\/Johann_Heinrich_Pestalozzi.jpg \" width=\"519\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Johann_Heinrich_Pestalozzi.jpg 405w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Johann_Heinrich_Pestalozzi-202x300.jpg 202w\" sizes=\"(max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3600\" class=\"wp-caption-text\">Johann Heinrich Pestalozzi. Quelle: https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/d3\/Johann_Heinrich_Pestalozzi.jpg <\/p><\/div>\n<p>Statt rauszugehen spielen Kinder besonders an freien Tagen auf Smartphone und Tablet: 59 Prozent der Kinder von vier bis sechs Jahren nutzen Medien l\u00e4nger als die von Experten empfohlene halbe Stunde am Tag, am Wochenende liegt dieser Wert sogar bei 84 Prozent, so Hoyer. Bei Kindern von sieben bis elf Jahren sind die Zahlen \u00e4hnlich. Siebzehnj\u00e4hrige schauen 135-mal am Tag auf das Smartphone. N\u00fctzlich w\u00e4ren gesicherte Fahrradwege, gut erreichbare Sportpl\u00e4tze, Schwimmb\u00e4der oder Spielpl\u00e4tze. Kinder, die laut Eltern in einem attraktiven Wohnumfeld leben, bewegen sich im Schnitt an 3,8 Tagen pro Woche und damit 27 Prozent mehr als Kinder, die diese Bedingungen gar nicht vorfinden (3,0 Tage pro Woche).<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sehe es auch beim gemeinsamen Radfahren aus. Prompt schlug hier eine Mitteilung der Landesverkehrswacht Nordrhein-Westfalen Alarm. Wir Direktor Burkhard Nipper der <em>Rheinischen Post<\/em> sagte, m\u00fcssen mittlerweile f\u00fcnf bis zehn Kinder nach der Fahrradpr\u00fcfung nachgeschult werden. Vor zehn Jahren h\u00e4tten im Durchschnitt nur zwei Kinder pro Klasse einer Nachschulung bedurft. Den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern fehlt es nach Ansicht Nippers an der n\u00f6tigen Motorik: \u201eDie Beweglichkeit der Kinder ist deutlich zur\u00fcckgegangen. Manche k\u00f6nnen nicht einmal mit einer Hand fahren oder fahren selbst beidh\u00e4ndig Schlangenlinien.\u201c So beherrschen immer mehr Kinder wichtige Alltagssituationen des Radfahrens nicht, beispielsweise das Spurhalten beim Blick zur Seite oder nach hinten. Dabei fallen vor allem Stadtkinder, M\u00e4dchen mit Migrationshintergrund, \u00fcbergewichtige und \u00fcberbeh\u00fctete Kinder auf. Gef\u00e4hrlich sei diese Entwicklung vor allem deshalb, weil die Kinder mit dem Fahrrad nicht mehr sicher am Stra\u00dfenverkehr teilnehmen k\u00f6nnten und, da es allem in St\u00e4dten oftmals an sicheren Radwegen mangelt, Kinder immer weniger mit dem Fahrrad fahren,\u00a0 weshalb sie es nat\u00fcrlich auch nicht richtig k\u00f6nnen, so Nipper. Die Fahrradpr\u00fcfung absolvieren bundesweit ca. 95 % der Grundsch\u00fcler.<\/p>\n<p><strong>\u201eDas ist eine problematische Entwicklung\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Eine aktuelle Untersuchung des Kinderhilfswerks kommt in Sachen Spielverhalten auch zu negativen Befunden. So spiele nur jedes zweite Kind selbst bei sch\u00f6nem Wetter an drei oder mehr Tagen der Woche im Freien. Knapp die H\u00e4lfte der Stubenhocker f\u00fchren als Grund an, dass es in ihrem Wohngebiet keine anderen Kinder zum Spielen gibt. Mehr als ein Viertel hat keine geeigneten Spielm\u00f6glichkeiten oder sagt, dass der Stra\u00dfenverkehr zu gef\u00e4hrlich ist. \u201eDadurch haben sie weniger soziale Erfahrungen mit Gleichaltrigen und einen deutlich h\u00f6heren Medienkonsum als Kinder in spielfreundlichen Stadtteilen. Das ist eine problematische Entwicklung\u201c, erkl\u00e4rt Holger Hofmann, Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Deutschen Kinderhilfswerks, in der <em>S\u00e4chsischen Zeitung<\/em>.<\/p>\n<div id=\"attachment_3601\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/csm_uebung_strasse_97613b5bf3.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3601\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3601\" title=\"Fahrradpr\u00fcfung in Sachsen. Quelle: https:\/\/www.verkehrswacht-medien-service.de\/fileadmin\/_processed_\/a\/4\/csm_uebung_strasse_97613b5bf3.jpg \" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/csm_uebung_strasse_97613b5bf3.jpg\" alt=\"Fahrradpr\u00fcfung in Sachsen. Quelle: https:\/\/www.verkehrswacht-medien-service.de\/fileadmin\/_processed_\/a\/4\/csm_uebung_strasse_97613b5bf3.jpg \" width=\"555\" height=\"370\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/csm_uebung_strasse_97613b5bf3.jpg 800w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/csm_uebung_strasse_97613b5bf3-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3601\" class=\"wp-caption-text\">Fahrradpr\u00fcfung in Sachsen. Quelle: https:\/\/www.verkehrswacht-medien-service.de\/fileadmin\/_processed_\/a\/4\/csm_uebung_strasse_97613b5bf3.jpg <\/p><\/div>\n<p>Dabei k\u00f6nne das Drau\u00dfenspielen f\u00fcr die pers\u00f6nliche Entwicklung der Kinder gar nicht hoch genug eingesch\u00e4tzt werden, so Claudia Neumann vom Kinderhilfswerk im selben Blatt: \u201eF\u00fcr ein gesundes Aufwachsen sind Kopf, Herz, Hand und Fu\u00df wichtig\u201c. Es beuge Haltungsproblemen, \u00dcbergewicht und Konzentrationsst\u00f6rungen vor, wenn Kinder h\u00e4ufiger und l\u00e4nger aktiv im Freien spielten. Nur \u00fcber den Nutzen aufzukl\u00e4ren und zu mehr Bewegung anzuregen, reiche aber nicht mehr aus: \u201eIn der Gesellschaft m\u00fcssen prinzipielle M\u00f6glichkeiten geschaffen werden, um Sport im Alltag zu integrieren\u201c, so Christian Andr\u00e4, Sportp\u00e4dagoge der Uni Leipzig. Verschiedene Initiativen versuchen seit geraumer Zeit, den laut Andr\u00e4 \u201eseit Jahrzehnten pr\u00e4senten Trend\u201c zum Bewegungsmuffel aufzuhalten.<\/p>\n<p>So hat das Kinderhilfswerk, weil in vielen Kommunen die Voraussetzungen f\u00fcr ausagierendes Spielen noch fehlen oder nicht mehr vorhanden sind, anl\u00e4sslich der Etablierung eines \u201eWeltspieltags\u201c vor 10 Jahren das B\u00fcndnis \u201eRecht auf Spiel\u201c gegr\u00fcndet. \u201eWir brauchen dringend eine auf Kinder bezogene Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik. Gerade in Wohngebieten fahren die Autos zu schnell oder nehmen parkend den Kindern den Platz zum Spielen\u201c, sagt Hofmann.<\/p>\n<p>Nach seinen Worten spielten Kinder aus sehr kinderfreundlichen Stadtteilen t\u00e4glich durchschnittlich fast zwei Stunden alleine ohne Aufsicht drau\u00dfen, Kinder unter schlechten Bedingungen nur eine Viertelstunde. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens eine Stunde t\u00e4glich. Das Kinderhilfswerk appelliert aber nicht nur an Stadtplaner, sondern auch an die Eltern, die ihren Kindern den n\u00f6tigen Freiraum zum Drau\u00dfenspielen geben m\u00fcssten.<\/p>\n<p>\u201eKinder werden immer mehr zu Stubenhockern\u201c, erkl\u00e4rt Hofmann. \u201eSie werden zur Schule gefahren, verbringen dort die meiste Zeit im Sitzen, bleiben zunehmend auch am Nachmittag unter dem Dach der Schule oder machen es sich vorm heimischen Computer bequem.\u201c Es gebe heute immer mehr Kinder, die sich nicht mehr trauen, \u00fcber einen schmalen Bach zu springen. Sie bewegten sich bei Regen nicht von der Stelle, bis das Elterntaxi kommt. Und das, obwohl 61 Prozent der f\u00fcr die Studie des Kinderhilfswerks befragten Eltern die Bewegung im Freien als sehr wichtig ansahen. Von den Kindern und Jugendlichen fanden das aber nur zw\u00f6lf Prozent.<\/p>\n<p><strong>\u201eZutrauen in die eigenen F\u00e4higkeiten\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Inzwischen ist unstrittig, dass sich durch k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t Sauerstoffversorgung und Stoffwechsel im Gehirn verbessern und Denkprozesse effizienter laufen, weil das Gehirn durch regelm\u00e4\u00dfige k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t lernt, \u00f6konomischer zu arbeiten. \u201eDiese Trainingswirkung ist durchaus mit der auf Herz und Kreislauf vergleichbar\u201c, fand Wildor Hollmann vom Institut f\u00fcr neurologische Forschung in K\u00f6ln heraus. Viele Kognitionswissenschaftler vertreten heute die Embodiment-These, nach der alle geistigen Prozesse in sensomotorischen Interaktionen des K\u00f6rpers mit seiner Umwelt wurzeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_3602\" style=\"width: 563px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/aufruf.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3602\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3602\" title=\"Weltspieltag. Quelle https:\/\/www.recht-auf-spiel.de\/images\/modules\/aufruf.jpg \" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/aufruf.jpg\" alt=\"Weltspieltag. Quelle https:\/\/www.recht-auf-spiel.de\/images\/modules\/aufruf.jpg \" width=\"553\" height=\"332\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/aufruf.jpg 500w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/aufruf-300x180.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 553px) 100vw, 553px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3602\" class=\"wp-caption-text\">Weltspieltag. Quelle https:\/\/www.recht-auf-spiel.de\/images\/modules\/aufruf.jpg <\/p><\/div>\n<p>Eine p\u00e4dagogische Initiative, die darauf baut, ist Andr\u00e4\u2018s Konzept zum \u201ebewegten Lernen\u201c, in das vielf\u00e4ltige Forschungsergebnisse \u00fcber das Zusammenwirken von k\u00f6rperlicher und geistiger Fitness einflossen. \u201eDurch den Bewegungssinn steht dem Gehirn ein zus\u00e4tzlicher Informationszugang zur Verf\u00fcgung\u201c, so Andr\u00e4. Aktivit\u00e4t trainiere also auch den Geist. \u201eGute Mathenoten erzielen nicht unbedingt Kinder, die besonders viele Mathe \u00fcben, sondern vor allem die Kinder, die gut auf B\u00e4ume klettern und balancieren k\u00f6nnen\u201c, wei\u00df auch Hofmann. Immer mehr Bildungseinrichtungen in Sachsen lassen sich als \u201eBewegte Schule\u201c oder \u201eBewegte Kita\u201c zertifizieren, um die in der Freizeit nicht ausgeglichenen Bewegungsdefizite zu mildern.<\/p>\n<p>So hei\u00dft es etwa in den Empfehlungen zur Unterrichtseinheit \u201eW\u00e4hle die richtige Bindungsart!\u201c im Fach Chemie: \u201eDie Ecken des Raumes stehen f\u00fcr die Bindungsarten: Polare Atombindung, unpolare Atombindung, Ionenbindung, metallische Bindung. Der Lehrer nennt Begriffe oder Sachverhalte bzw. stellt Fragen, die den Bindungsarten zugeordnet werden k\u00f6nnen und die Sch\u00fcler begeben sich in die dazugeh\u00f6rige Ecke. Im Anschluss wird das Ergebnis diskutiert.\u201c<\/p>\n<p>Das \u201ebewegte Lernen\u201c scheint in Sachsen umso n\u00f6tiger, als sich die Regierungspartner CDU und SPD im Fr\u00fchjahr auf die abstrakte Formel einigten, die vergleichsweise hohe Stundenlast der s\u00e4chsischen Sch\u00fcler \u201eum vier Prozent\u201c zu senken und \u201ealle F\u00e4chergruppen\u201c in die Pr\u00fcfung einzubeziehen. Damit sollen letztlich 770 volle Lehrerstellen weniger n\u00f6tig sein. Das Ergebnis verk\u00fcndete Kultusminister Christian Piwarz (CDU) im Juni: Statt Kunst trifft es nun auch Deutsch, Biologie, Englisch \u2013 und Sport.<\/p>\n<p>Der Aufschrei des Landessportbunds (LSB) lie\u00df nicht lange auf sich warten. Statt &#8211; wie einst geplant &#8211; den Sportunterricht \u201eeinheitlich f\u00fcr alle Klassenstufen und Schularten auf zwei Wochenstunden\u201c zu begrenzen, bleibt zwar die dritte Stunde f\u00fcr die Erst- bis Drittkl\u00e4ssler genauso wie f\u00fcr die F\u00fcnft- und Sechstkl\u00e4ssler erhalten. Aber die K\u00fcrzung um je eine Sportstunde f\u00fcr alle Viert- und Siebtkl\u00e4ssler sowie an den Oberschulen f\u00fcr alle Acht- bis Zehntkl\u00e4ssler widerspreche dem Ziel \u201eGesund aufwachsen\u201c des Freistaates. Vor allem die Streichung f\u00fcr Viertkl\u00e4ssler sei \u201enicht nachvollziehbar\u201c, hie\u00df es.<\/p>\n<p>Sie ist es umso weniger, als die Schuleingangsbefunde des Schuljahres 2018\/19 Erschreckendes offenbarten: nicht einmal jedes f\u00fcnfte Kind hatte die Kriterien f\u00fcr eine altersgerechte Entwicklung erf\u00fcllt. Nicht nur, dass ein Drittel der angehenden Erstkl\u00e4ssler in Sachsen nicht richtig sprechen kann. Probleme gebe es auch in der K\u00f6rperkoordination sowie bei der Visuomotorik, der F\u00e4higkeit, Sehen mit Bewegungen des K\u00f6rpers zu koordinieren. Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) appellierte in der <em>S\u00e4chsischen Zeitung<\/em> an die Eltern, sich mehr Zeit f\u00fcr ihren Nachwuchs zu nehmen: beim Essen, Spielen und bei Ausfl\u00fcgen. \u201eScreen-free-parenting\u201c hei\u00dft das in den USA und gilt dort als Trend.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurde bei fast zehn Prozent der angehenden Erstkl\u00e4ssler \u00dcbergewicht bis hin zu Adipositas diagnostiziert. Untersuchungen h\u00e4tten weiter ergeben, dass sich die Gewichtszunahme mit dem Alter nochmals versch\u00e4rft: Laut Ministerium ist jeder sechste Sechstkl\u00e4ssler \u00fcbergewichtig. Auch eine australische Studie von 2017 legt einen Zusammenhang zwischen Bildschirmnutzung bei Jugendlichen und sp\u00e4terer Fettleibigkeit nahe. \u201eMir ist es besonders wichtig, dass sich unsere Kinder gesund ern\u00e4hren und Spiel und Bewegung wieder zum Alltag der Kinder geh\u00f6ren. Setzen das Kinder und Eltern jeden Tag um, ist pr\u00e4ventiv schon viel getan\u201c, betonte Klepsch. Kinder s\u00e4hen ihre Bildschirme oft h\u00e4ufiger und l\u00e4nger als Familien, Freunde oder Lehrer. Inzwischen haben Forscher vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig gar die beunruhigende Entdeckung gemacht, dass \u00dcbergewicht das Gehirn schrumpfen l\u00e4sst und so das\u00a0 Denken einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<div id=\"attachment_3603\" style=\"width: 468px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bewegte_Schule_275.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3603\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3603\" title=\"Bewegte Schule. Quelle: https:\/\/www.schulsport.sachsen.de\/img\/img_sport\/Bewegte_Schule_275.JPG \" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bewegte_Schule_275.jpg\" alt=\"Bewegte Schule. 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Aus eigenen Erfahrungen in kritischen Situationen lernten Kinder oft mehr als durch andauernde elterliche Warnungen und Verbote.<\/p>\n<p>Aber ein positives Studienresultat f\u00fcr Eltern ist doch noch zu vermelden: Der Mann in Vollzeit als Ern\u00e4hrer, die Frau vor allem als Hausfrau und Mutter mit einem Hinzuverdienst \u2013 ausgerechnet dieses traditionell-einfache, im linksgr\u00fcnen Weltverst\u00e4ndnis fast schon als \u00fcberkommen geltende, ja als \u201eheteronormativ\u201c herabgew\u00fcrdigte Familienmodell scheint aus wissenschaftlicher Sicht das Gl\u00fcck der Familie zu mehren. Eine arbeitssoziologische Studie der Universit\u00e4t Marburg ergab, dass es nicht die Zahl der gearbeiteten Stunden an sich sei, die V\u00e4ter und M\u00fctter gl\u00fccklicher mache, sondern die damit verbundene, klare Rollenzuweisung. Studienautor Martin Schr\u00f6der vermutet in der <em>ZEIT<\/em>: \u201eSich gegen stereotype Rollenbilder zu stemmen kostet viele Menschen m\u00f6glicherweise Lebenszufriedenheit\u201c. Dass Arbeit und Bewegung in tradiertem Rahmen also gl\u00fccklich machen, ist so neu aber nicht.<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3599&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehrere Studien sorgten sich im Sommer um das kindliche Spielverhalten: statt auf B\u00e4ume zu klettern werde auf Bildschirme gestarrt. Das B\u00fcndnis \u201eRecht auf Spiel\u201c macht der Politik noch keine Beine.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3599"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3599"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3599\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3606,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3599\/revisions\/3606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3599"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3599"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}