{"id":3707,"date":"2018-12-29T13:31:19","date_gmt":"2018-12-29T12:31:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3707"},"modified":"2018-12-30T08:54:18","modified_gmt":"2018-12-30T07:54:18","slug":"%e2%80%9esogar-die-paar-netten-lehrer-waren-heuchler%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3707","title":{"rendered":"\u201eSogar die paar netten Lehrer waren Heuchler\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Dass ihm Hemingway bei einer Kriegsbegegnung 1944 in Paris \u201eteuflisches Talent\u201c bescheinigte und aus lauter Begeisterung sogleich einem Huhn den Kopf abschoss, ist eine der besseren Legenden, die sich um Jerome David (J.D.) Salinger ranken. Dass sich einige seiner Fans als M\u00f6rder und Attent\u00e4ter hervortaten, darunter Satanist Charles Manson und Mark Chapman, der nach dem Mord an John Lennon mit dem \u201eF\u00e4nger im Roggen\u201c in der Hand festgenommen wurde, ist eine der schlechteren. Und dass er seinen unsterblichen Romanhelden Holden Caulfield seine rote M\u00fctze verkehrt herum tragen lie\u00df, was letztlich einen Jugendtrend begr\u00fcndete, ist gar keine Legende, sondern Realit\u00e4t.<\/p>\n<div style=\"width: 542px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/pbs.twimg.com\/media\/Cn6PmTfUMAElW4f.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" \" title=\"Hemingway und Salinger. Quelle: https:\/\/pbs.twimg.com\/media\/Cn6PmTfUMAElW4f.jpg\" src=\"https:\/\/pbs.twimg.com\/media\/Cn6PmTfUMAElW4f.jpg\" alt=\"Hemingway und Salinger. Quelle: https:\/\/pbs.twimg.com\/media\/Cn6PmTfUMAElW4f.jpg\" width=\"532\" height=\"419\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Hemingway und Salinger. Quelle: https:\/\/pbs.twimg.com\/media\/Cn6PmTfUMAElW4f.jpg<\/p><\/div>\n<p>Selten hat eine \u201eLebensbibel f\u00fcr Generationen\u201c, so Marc Pitzke im <em>Spiegel<\/em>, junge Menschen derart beeinflusst wie \u201eThe Catcher in the Rhy\u201c. Mit mehr als 65 Millionen verkauften Exemplaren war der Roman noch 2013 der drittgr\u00f6\u00dfte US-Bestseller aller Zeiten (nach Henry Rider Haggards \u201eShe: A History of Adventure\u201c und Dan Browns \u201eThe Da Vinci Code\u201c). Der Roman war zumal in der \u00dcbersetzung von Nobelpreistr\u00e4ger Heinrich B\u00f6ll einer der wenigen Texte, die Gymnasiasten dies- und jenseits der Elbe lasen und der bis heute mehrfach adaptiert wurde: Der DDR-Longseller \u201eDie neuen Leiden des jungen W.\u201c von Ulrich Plenzdorf (1973) ist ebenso wenig ohne das Salinger-Vorbild zu denken wie die Romane \u201eFaserland\u201c von Christian Kracht (1995) oder \u201eCrazy\u201c von Benjamin Lebert (1999).<\/p>\n<p>Bis heute k\u00f6nne es bestenfalls Tom Sawyer an Popularit\u00e4t mit dem Teenager Holden Caulfield aufnehmen, der sich schnoddrig und munter-vulg\u00e4r &#8211; allein 44-mal sagt er \u201eFuck\u201c &#8211; \u00fcber seine Adoleszenzprobleme ausl\u00e4sst, meint Wolfgang H\u00f6bel im <em>Spiegel<\/em>. Obwohl Salinger nur diesen einen Roman und 35 Kurzgeschichten ver\u00f6ffentlichte, gilt er bis heute als einer der gr\u00f6\u00dften und meistrezensierten US-Autoren der Nachkriegszeit, der oft mit \u201efeierlichem Ernst\u201c verehrt wird, so H\u00f6bel. Sein literarischer Mythos wirkte so stark, dass manche Kritiker gleich ein ganzes Jahrzehnt der amerikanischen Literaturgeschichte &#8211; die Jahre von 1948 bis 1959 &#8211; als \u201e\u00c4ra Salinger\u201c bezeichnet haben.<\/p>\n<p>\u201e<strong>egal wie lange du lebst\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Diese Ber\u00fchmtheit war nicht absehbar, als Salinger am 1. Januar 1919 als einziger Sohn eines wohlhabenden j\u00fcdischen K\u00e4seh\u00e4ndlers litauischer Herkunft in New York City geboren wurde. Seine Mutter, eine irisch-schottische Katholikin, war wegen des Vaters zum Judentum konvertiert. Biographen schreiben von einer \u201everw\u00f6hnten Kindheit\u201c. Erste Versuche als Autor unternahm er als junger Kadett in einer Milit\u00e4rschule, als Student ver\u00f6ffentlichte er Kurzgeschichten und Filmkritiken und bereitete sich 1937 in Europa vor, das v\u00e4terliche Gesch\u00e4ft zu \u00fcbernehmen. Den Uni-Abschluss erwarb er nicht.<\/p>\n<div style=\"width: 543px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/img.thedailybeast.com\/image\/upload\/c_crop,d_placeholder_euli9k,h_1439,w_2560,x_0,y_0\/dpr_2.0\/c_limit,w_740\/fl_lossy,q_auto\/v1492718071\/articles\/2013\/09\/02\/15-revelations-from-new-j-d-salinger-biography\/130901-salinger-tease_iqjaxj\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  \" title=\"Jerome D. Salinger. Quelle: https:\/\/img.thedailybeast.com\/image\/upload\/c_crop,d_placeholder_euli9k,h_1439,w_2560,x_0,y_0\/dpr_2.0\/c_limit,w_740\/fl_lossy,q_auto\/v1492718071\/articles\/2013\/09\/02\/15-revelations-from-new-j-d-salinger-biography\/130901-salinger-tease_iqjaxj\" src=\"https:\/\/img.thedailybeast.com\/image\/upload\/c_crop,d_placeholder_euli9k,h_1439,w_2560,x_0,y_0\/dpr_2.0\/c_limit,w_740\/fl_lossy,q_auto\/v1492718071\/articles\/2013\/09\/02\/15-revelations-from-new-j-d-salinger-biography\/130901-salinger-tease_iqjaxj\" alt=\"Jerome D. Salinger. Quelle: https:\/\/img.thedailybeast.com\/image\/upload\/c_crop,d_placeholder_euli9k,h_1439,w_2560,x_0,y_0\/dpr_2.0\/c_limit,w_740\/fl_lossy,q_auto\/v1492718071\/articles\/2013\/09\/02\/15-revelations-from-new-j-d-salinger-biography\/130901-salinger-tease_iqjaxj\" width=\"533\" height=\"299\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Jerome D. Salinger. Quelle: https:\/\/img.thedailybeast.com\/image\/upload\/c_crop,d_placeholder_euli9k,h_1439,w_2560,x_0,y_0\/dpr_2.0\/c_limit,w_740\/fl_lossy,q_auto\/v1492718071\/articles\/2013\/09\/02\/15-revelations-from-new-j-d-salinger-biography\/130901-salinger-tease_iqjaxj<\/p><\/div>\n<p>1941 durchlebte er eine traumatische Beziehung mit der noch minderj\u00e4hrigen Tochter des Dramatikers Eugene O&#8217;Neill, Oona, seiner gro\u00dfen Liebe, die ihn verlie\u00df, um 1943 mit 18 Jahren lieber den 54-j\u00e4hrigen Charlie Chaplin zu heiraten. Sicher auch daher schmerzte den Vater zweier Kinder, der dann doch dreimal verheiratet war, darunter kurzzeitig mit einer deutschen \u00c4rztin, jede biografische Ann\u00e4herung an seine Person. Nach Oona zeitlebens der P\u00e4dophilie verd\u00e4chtigt, weil er junge Geliebte hatte und mit weiblichen Teenagern Brieffreundschaften pflegte, wird er zum stillen Exzentriker, dessen Texte in zunehmendem Ma\u00dfe introvertiert wie die eines Mannes scheinen, \u201eder f\u00fcr immer auf seine Kindheit zur\u00fcckblickt\u201c, so der <em>Guardian<\/em>.<\/p>\n<p>Viele Stories zeigen eine Vorliebe f\u00fcr nahezu ausschlie\u00dflich kindliche und pubert\u00e4re Helden und Heldinnen, beschreiben die Erlebnisse von Kindern, Studentinnen, Sch\u00fclern und jugendlichen Ehefrauen und bem\u00fchen sich dennoch, hinter profanem Jargon und hinter Alltagshandlungen subtilere psychische Regungen erkennbar zu machen. Es sind Figuren, denen oft zum Heulen ist, deren Nerven gef\u00e4hrlich zerr\u00fcttet sind und deren Welt bev\u00f6lkert ist mit heuchlerischen Erwachsenen, absto\u00dfenden Gleichaltrigen und mit toten oder weit entfernten oder hilflosen oder unendlich geliebten Geschwistern. Die jugendlichen, oft st\u00f6rrischen Verb\u00fcndeten, die hier zusammenfinden, seien \u201ejedoch beseelt von einem anr\u00fchrenden Glauben an die M\u00f6glichkeit einer freundlicheren, kl\u00fcgeren, helleren Welt\u201c, befand H\u00f6bel.<\/p>\n<p>1942 trat Salinger in die US-Army ein, nahm an f\u00fcnf Feldz\u00fcgen in Frankreich teil, erlebte die ber\u00fcchtigte deutsche Ardennen-Offensive mit &#8211; und seine n\u00e4chsten Traumata: Die Qual des Krieges zog sich sp\u00e4ter als Motiv durch viele durchaus d\u00fcstere Geschichten Salingers. Das erste verursachte die Schlacht im H\u00fcrtgenwald, die wegen ihres blutigen Gemetzels und mindestens 22.000 gefallenen US-Soldaten traurige Ber\u00fchmtheit erlangte. \u201eEin Soldat und Autor, der im Zweiten Weltkrieg dem Tod entkam, doch das \u00dcberleben nie vollends annahm\u201c, erkl\u00e4rt sein Biograph David Shields. Sein Leben sei \u201eeine Selbstmordmission in Zeitlupe\u201c.<\/p>\n<div style=\"width: 502px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/img.zeit.de\/kultur\/literatur\/2015-03\/salinger-jerome-d\/wide__820x461__desktop\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" \" title=\"Salinger im Krieg. Quelle: https:\/\/img.zeit.de\/kultur\/literatur\/2015-03\/salinger-jerome-d\/wide__820x461__desktop\" src=\"https:\/\/img.zeit.de\/kultur\/literatur\/2015-03\/salinger-jerome-d\/wide__820x461__desktop\" alt=\"Salinger im Krieg. Quelle: https:\/\/img.zeit.de\/kultur\/literatur\/2015-03\/salinger-jerome-d\/wide__820x461__desktop\" width=\"492\" height=\"277\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Salinger im Krieg. Quelle: https:\/\/img.zeit.de\/kultur\/literatur\/2015-03\/salinger-jerome-d\/wide__820x461__desktop<\/p><\/div>\n<p>Das zweite Trauma folgte Ende April 1945, als er das eben befreite Konzentrationslager Kaufering IV besuchte und dort offenbar erlebte, dass die nicht gehf\u00e4higen Insassen vor dem Heranr\u00fccken der alliierten Streitkraft bei lebendigem Leib verbrannt worden waren. Nach dem Krieg war Salinger infolge eines Nervenzusammenbruchs in psychotherapeutischer Behandlung; seine Tochter Margaret schrieb in ihren Erinnerungen, dass ihr Vater einmal gesagt haben soll: \u201eDu bekommst nie wirklich den Geruch von brennendem Fleisch aus deiner Nase, egal wie lange du lebst\u201c.<\/p>\n<p><strong>\u201eEr war emotional und warmherzig\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Direkt nach Kriegsende war Salinger, der gut Deutsch sprach, f\u00fcr sechs Monate im fr\u00e4nkischen Gunzenhausen als ziviler \u201eInvestigator\u201c f\u00fcr eine Abteilung des Nachrichtendienstes t\u00e4tig und begann sp\u00e4testens hier mit den Arbeiten am \u201eF\u00e4nger im Roggen\u201c, der 1951 erscheint. Eine literarische Sensation, die William Faulkner sp\u00e4ter das \u201ebeste Buch der gegenw\u00e4rtigen Schriftstellergeneration\u201c nennen sollte. Es war zwei Jahre auf dem Markt, als Salinger eine Flucht \u00e4hnlich seinem Romanhelden Caulfield antrat: in die waldigen H\u00fcgel Neu-Englands, nach Cornish. \u00dcberw\u00e4ltigt und &#8211; nach eigenem Eingest\u00e4ndnis &#8211; eingesch\u00fcchtert von seinem eigenen Erfolg zog er sich aus der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcck, lebte in seinem abgelegenen, ger\u00e4umigen Holzhaus im Staat New Hampshire.<\/p>\n<p>Von hier setzte er gegen Biografen und Plagiatoren wie den nicht minder geheimnisvollen Schwedenamerikaner John D. California, der eine Fortsetzung von Caulfields Leben schreiben wollte, teure Anw\u00e4lte in Gang. Gegen Neugierige, die in seinem M\u00fcll w\u00fchlten, soll er manchmal gar zur Schrotflinte gegriffen haben. Dem Buddhismus stand er ebenso nahe wie Ron L. Hubbards Scientology. Seit 1965 kam keine Zeile mehr von ihm auf den Markt \u2013 Briefe allerdings schrieb er noch: Mit trockenem Witz, eleganter Syntax und klarem Rhythmus. Etwa an seinen Armeefreund Werner Kleeman, die melancholisch, fast sanft klingen: \u201eEr war sehr bescheiden\u201c, zitiert der <em>Spiegel<\/em> Kleeman. Und: \u201eEr war emotional und warmherzig.\u201c<\/p>\n<div style=\"width: 612px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/cdn2.spiegel.de\/images\/image-64229-860_poster_16x9-dysm-64229.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" \" title=\"Werner Kleeman mit Briefen. Quelle: http:\/\/cdn2.spiegel.de\/images\/image-64229-860_poster_16x9-dysm-64229.jpg\" src=\"http:\/\/cdn2.spiegel.de\/images\/image-64229-860_poster_16x9-dysm-64229.jpg\" alt=\"Werner Kleeman mit Briefen. Quelle: http:\/\/cdn2.spiegel.de\/images\/image-64229-860_poster_16x9-dysm-64229.jpg\" width=\"602\" height=\"339\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Werner Kleeman mit Briefen. Quelle: http:\/\/cdn2.spiegel.de\/images\/image-64229-860_poster_16x9-dysm-64229.jpg<\/p><\/div>\n<p>1974 brach Salinger einmal sein Schweigen, er telefonierte mit einem Reporter und sagte: \u201eIch schreibe gerne. Ich liebe das Schreiben. Aber nur f\u00fcr mich und zu meinem eigenen Vergn\u00fcgen.\u201c Eine ehemalige Geliebte etwa wusste von zwei fertigen B\u00fcchern zu berichten und davon, dass er t\u00e4glich bis zu 100 Seiten zu Papier bringe. \u201eIch will alleingelassen werden\u201c, murrte der Eremit 1980 in einem allerletzten, widerspenstigen Zeitungsinterview, \u201eabsolut.\u201c 2010 starb er eines nat\u00fcrlichen Todes als r\u00e4tselumwobene Legende, laut <em>New York Times<\/em> ber\u00fchmt daf\u00fcr, nicht ber\u00fchmt sein zu wollen. Nach Salingers Tod gab es Vermutungen, denen zufolge bis zu 15 unver\u00f6ffentlichte Romane existieren &#8211; ein Geheimnis, das Salingers Erben bis heute nicht gel\u00fcftet haben. Lange hielt sich auch die Hypothese, er ver\u00f6ffentliche unter dem Pseudonym seines Kollegen Thomas Pynchon.<\/p>\n<p><strong>\u201eso verdammt deprimiert und einsam\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEin \u00fcblicher Roman w\u00fcrde \u00fcber einem solchen Stoff verhungern\u201c, rezensierte die <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> 1962 die damals neue B\u00f6ll-\u00dcbersetzung des \u201eF\u00e4ngers\u201c. \u201eNicht was er mitzuteilen hat, sondern wie er es mitteilt, das macht seine Geschichte und seinen Fall aus.\u201c Getrieben von Fantasie, Sehnsucht, unbestechlicher Beobachtungsgabe und von bisweilen gnadenlosem Frust, changierend zwischen Sarkasmus und Selbstmitleid, Selbsthass und \u00dcberheblichkeit berichtet ein Schulversager lakonisch, wie er an der Welt zu zerbrechen droht. \u201eMit ihm sprach endlich jemand aus, was wir dachten &#8211; nur besser\u201c, so Philip Meinhold im <em>Spiegel<\/em>.<\/p>\n<p>Salingers Anti-Held rebelliert gegen Zivilisation, Respektabilit\u00e4t und Langeweile, die Konventionen der Erwachsenen sowieso, gegen alles, was \u201ephony\u201c (unecht) ist und Holdens Gerechtigkeitssinn widerspricht. Nachdem er bereits von drei Schulen verwiesen worden ist, bekundet er auch in Pencey, einem exklusiven Internat, sein Desinteresse durch mangelhafte Leistungen und soll mit Beginn der Weihnachtsferien ausgeschlossen werden. Er flieht jedoch und treibt sich, hinreichend mit Geld versehen, aus Furcht vor seinen Eltern zwei Tage und zwei N\u00e4chte lang in New York herum.<\/p>\n<div style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/d1u4oo4rb13yy8.cloudfront.net\/article\/38075-riaohdhcpg-1469203755.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" \" title=\"US-Einb\u00e4nde. Quelle: https:\/\/d1u4oo4rb13yy8.cloudfront.net\/article\/38075-riaohdhcpg-1469203755.jpg\" src=\"https:\/\/d1u4oo4rb13yy8.cloudfront.net\/article\/38075-riaohdhcpg-1469203755.jpg\" alt=\"US-Einb\u00e4nde. Quelle: https:\/\/d1u4oo4rb13yy8.cloudfront.net\/article\/38075-riaohdhcpg-1469203755.jpg\" width=\"720\" height=\"323\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">US-Einb\u00e4nde. Quelle: https:\/\/d1u4oo4rb13yy8.cloudfront.net\/article\/38075-riaohdhcpg-1469203755.jpg<\/p><\/div>\n<p>Trotz weltm\u00e4nnischer Attit\u00fcde und Schlagfertigkeit f\u00fchlt sich Holden in der n\u00e4chtlichen Gro\u00dfstadt allerdings recht verlassen. Er besucht Tanzs\u00e4le und Bars, streitet sich mit Taxifahrern, betrinkt sich, entgeht eben noch dem Abenteuer mit einer Prostituierten, beobachtet die Aktivit\u00e4t eines ergrauten Transvestiten, wird von einem Liftf\u00fchrer ausgeraubt und gesteht sich ein, das die Erwachsenenwelt ihm eher als ein Alptraum erscheint: \u201eIch f\u00fchlte mich so verdammt deprimiert und einsam.\u201c Vor allem p\u00e4dagogischen Domestizierungsbem\u00fchungen gilt Holdens Abneigung: \u201eMan braucht nicht allzu sehr nachzudenken, wenn man sich mit einem Lehrer unterh\u00e4lt.\u201c Und: \u201eSogar die paar netten Lehrer waren Heuchler.\u201c Dass er auswandern will und ein neues Leben anfangen m\u00f6chte, ist da folgerichtig.<\/p>\n<p>Aber was sollte aus jemandem werden, der so konsequent und unbeugsam war? Wie kam er durchs Leben, welchen Beruf w\u00e4hlte er? Holden hatte selbst keinen Schimmer: \u201eWie soll man denn wissen, was man tun wird, bevor man es wirklich tut?\u201c Merkw\u00fcrdig alterslos kommt die Geschichte daher, erz\u00e4hlt von der Suche nach einem Platz in der Welt, von einer \u201efast r\u00fchrenden Rebellion\u201c (Marcel Reich-Ranicki). Zu bewundern ist Holden f\u00fcr seine Kompromisslosigkeit: in seinem Urteil, seinen Tr\u00e4umen, seinem Anspruch an sich und die Welt. Dabei sind die Grundthemen des Romans bis heute aktuell; und diese Aktualit\u00e4t l\u00e4sst die Alterslosigkeit der Geschichte im Licht der immer gleichen Pubert\u00e4t erstrahlen: Das mit der Liebe ist nicht leichter geworden, das mit der Schule auch nicht, und das mit der Scheinheiligkeit der Welt erst recht nicht.<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3707&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Goethes \u201eWerther\u201c hat kaum ein Buch der Weltliteratur so stilbildend gewirkt: J.D. Salingers \u201eDer F\u00e4nger im Roggen\u201c. Ein einziger Roman verschaffte dem Autor, der jetzt 100 Jahre w\u00fcrde, Weltruhm.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3707"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3707"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3707\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3713,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3707\/revisions\/3713"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3707"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3707"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3707"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}