{"id":3751,"date":"2019-01-06T18:14:07","date_gmt":"2019-01-06T17:14:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3751"},"modified":"2019-01-04T21:35:04","modified_gmt":"2019-01-04T20:35:04","slug":"%e2%80%9ebassists-against-racists%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3751","title":{"rendered":"\u201eBassists against racists\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWieviel politisches Engagement ist gut f\u00fcr die Marke\u201c \u2013 unter dieser Schlagzeile sah sich jetzt auch die f\u00fchrende Marketing-Fachzeitschrift <em>Absatzwirtschaft (AW)<\/em> gen\u00f6tigt, Stellung zu beziehen. Anlass war die aktuelle Verpackung der bunten \u201eErdnu\u00df Chocs\u201c der REWE-Eigenmarke \u201eja\u201c, auf der unter dem Slogan \u201eja! zu Vielfalt und Toleranz\u201c die Nascherei einen bunten Erdkreis samt bunter Kontinente bildet. Damit warb das Unternehmen zum UNESCO-Welttag f\u00fcr Toleranz am 16. November f\u00fcr Vielfalt, Respekt und ein friedliches Miteinander. Beim Kauf der limitierten Beutel gingen automatisch 40 Cent an die Organisation \u201e\u00dcber den Tellerrand\u201c. Die engagiert sich f\u00fcr das \u201eKennenlernen\u00a0und den Aufbau von nachhaltigen Freundschaften zwischen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung als Grundlage f\u00fcr Integration\u201c mit gemeinsamen Aktivit\u00e4ten wie beispielsweise Kochen und Essen. In Deutschland arbeiten 254.000 Menschen aus \u00fcber 140 Nationen bei der Handelsgruppe.<\/p>\n<p>Das Echo auf die Aktion in sozialen Medien war erwartbar ambivalent: allein bei Facebook fast 1.000.000 Mal aufgerufen und \u00fcber 700 Mal kommentiert, reicht das Spektrum von \u201eSolche plumpe Agitation gab es ja nicht mal in der DDR!\u201c bis \u201eWir sind alle Menschen, egal wo wir herkommen\u201c. Einer erbost sich gar: \u201eIm Dritten Reich gab es \u00fcberall Hitlerbildchen dabei! Wir sollten uns freuen, dass auf der Packung keine Bilder der Kanzlerin zu sehen sind\u201c. Lukas Steinwandter verwies in der <em>Jungen Freiheit<\/em> darauf, dass das Unternehmen mit seinen Superm\u00e4rkten und Discountern 2017 fast 29 Milliarden Euro einnahm und also einen stattlichen Betrag h\u00e4tte spenden k\u00f6nnen \u2013\u00a0\u201eauch ohne plumpe Polit-Slogans auf S\u00fc\u00dfigkeitenverpackungen zu drucken und seine Kunden mit links-gr\u00fcnen Botschaften zu k\u00f6dern.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<div style=\"width: 586px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/assets.jungefreiheit.de\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-08-um-15.37.44.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" \" title=\"rewe-Kampagne. Quelle: https:\/\/assets.jungefreiheit.de\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-08-um-15.37.44.png\" src=\"https:\/\/assets.jungefreiheit.de\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-08-um-15.37.44.png\" alt=\"rewe-Kampagne. Quelle: https:\/\/assets.jungefreiheit.de\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-08-um-15.37.44.png\" width=\"576\" height=\"319\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">rewe-Kampagne. Quelle: https:\/\/assets.jungefreiheit.de\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-08-um-15.37.44.png<\/p><\/div>\n<p>Ein hartes politisches Statement sei das allerdings nicht, meint Anne-Kathrin Velten in der <em>AW<\/em> und erkennt in der Einmischung in die aktuelle Diskussion zumeist wirtschaftliche Gr\u00fcnde. Zum einen sei eine solche Kampagne aufgrund internationaler Mitarbeiterschaft und Kundschaft eine Chance, sich positiv zu positionieren. Zum anderen zwinge der demografische Wandel Rewe und Co., sich als attraktiver Arbeitgeber f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge zu positionieren: Andernfalls bek\u00e4men sie mittelfristig kein Personal. Dass der Grat zwischen Nicht-Einmischen, positiver Positionierung und Marken-Authentizit\u00e4t schmal ist, beweise Drogeriechef Dirk Rossmann, der sich als Privatmann mit politischen Statements nicht zur\u00fcckh\u00e4lt. Stelle sein Unternehmen sich aber \u00f6ffentlich gegen die AFD, h\u00e4tte es 13 Prozent weniger Kunden.<\/p>\n<p><strong>\u201eGegen braune Flaschen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Explizit politisch verhielt sich bspw. sixt. Der Autovermieter kreierte 2016 eine Kampagne gegen Alexander Gauland \u201eF\u00fcr alle, die einen Gauland in der Nachbarschaft haben\u201c. Der AfD-Vorsitzende meinte, dass man neben jemandem wie dem farbigen Fu\u00dfballer Boateng \u201enicht leben wolle\u201c. Die Berliner Metallfirma Mutanox erlangte im September 2015 zweifelhaften Ruhm, als sie ein 500.000-Euro-Gesch\u00e4ft mit der ungarischen Regierung ablehnte und keinen Stacheldraht zur Grenzsicherung lieferte. Aber schon 2001 hatten Mitarbeiter der Softwarefirma Nextra die Initiative \u201eIT-Unternehmen gegen rechte Gewalt und Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\u201c ins Leben gerufen.<\/p>\n<p>Auch im Verlagswesen gibt es seit der Frankfurter Buchmesse 2017 die Initiative \u201eVerlage gegen rechts\u201c. Und k\u00fcrzlich brachte der FC St. Pauli gemeinsam mit seinem Partner Budni das neue Duschgel \u201eAnti-Fa \u2013 die wilde Frische der Stra\u00dfe\u201c heraus: \u201eIn Zeiten, in denen Nazis auf ihren Demos ungehindert und unbehelligt rechtsextreme Parolen schreien d\u00fcrfen und in denen gefl\u00fcchtete Menschen bedroht und gejagt werden, ist es wichtiger denn je, Haltung zu zeigen.\u201c Der Verein preist es als \u201eDas erste Duschgel mit Haltung\u201c auf seiner Homepage und teilt als Verwendungszweck der Erl\u00f6se aus dem Verkauf mit, dass die Initiative \u201eLaut gegen Nazis\u201c unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<div style=\"width: 511px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.horizont.net\/news\/media\/26\/St.-Pauli-Anti-Fa-256189-detailnp.jpeg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"    \" title=\"Anti-Fa-Kampagne. Quelle: https:\/\/www.horizont.net\/news\/media\/26\/St.-Pauli-Anti-Fa-256189-detailnp.jpeg\" src=\"https:\/\/www.horizont.net\/news\/media\/26\/St.-Pauli-Anti-Fa-256189-detailnp.jpeg\" alt=\"Anti-Fa-Kampagne. Quelle: https:\/\/www.horizont.net\/news\/media\/26\/St.-Pauli-Anti-Fa-256189-detailnp.jpeg\" width=\"501\" height=\"281\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Anti-Fa-Kampagne. Quelle: https:\/\/www.horizont.net\/news\/media\/26\/St.-Pauli-Anti-Fa-256189-detailnp.jpeg<\/p><\/div>\n<p>Doch die Hamburger bekommen \u00c4rger. \u201eUnsere Marke Fa ist in vielen L\u00e4ndern weltweit erh\u00e4ltlich, und als internationales Unternehmen stehen Henkel und seine Marken von jeher f\u00fcr Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit\u201c, schrieb Henkel, Hauptsponsor von Erstligist Fortuna D\u00fcsseldorf, bei Twitter. \u201eDer Verkauf eines Duschgels mit dem Produktnamen \u201eAnti-Fa\u201c beziehungsweise die Verbindung des Begriffs \u201eAnti\u201c mit einem unserer Markennamen ist grunds\u00e4tzlich nicht in unserem Sinne \u2013 ganz unabh\u00e4ngig davon, in welchen Kontext dies gestellt wird oder welche politische Haltung damit verbunden ist.\u201c<\/p>\n<p>Der weltweit erfolgreiche Konsumg\u00fcterriese f\u00fchlt sich vom FC St. Pauli hintergangen \u2013 und wehrt sich gegen die Kritik der eigenen Kunden. \u201eDas Feedback von Konsumenten und die Diskussionen in sozialen Netzwerken zeigen, dass der Produktname \u201aAnti-Fa\u2018 f\u00fcr ein Duschgel Irritation und Unverst\u00e4ndnis ausl\u00f6st. Auch vor diesem Hintergrund ist es uns wichtig zu betonen, dass diese Aktion ohne unser Wissen erfolgte\u201c, hei\u00dft es in der Stellungnahme. \u201eWir behalten uns vor, gegebenenfalls auch rechtlich gegen diese Anlehnung an unseren Markennamen vorzugehen.\u201c<\/p>\n<p>In \u00e4hnlicher \u201eGegen\u201c-Tradition steht seit Herbst auch die Initiative \u201eBrands gegen rechts\u201c (im Original in Fraktur) der Berliner Fair Fashion-Designerin Natascha von Hirschhausen. Nach ihren Worten setzten sich damit \u201eUnternehmen gemeinsam f\u00fcr Demokratief\u00f6rderung und gegen Faschismus ein. Durch das Spenden von Produkten soll Geld gesammelt werden, um politische Bildung zu unterst\u00fctzen.\u201c 20 Marken beteiligen sich, darunter \u201eDzaino\u201c, ein Berliner Zwei-Frau-Unternehmen, das Taschen und Accessoires aus gebrauchten Textilien entwickelt, seine Produktion als \u201elokal, fair, transparent, sozial und umweltfreundlich\u201c preist und als Unternehmenswerte \u201eklar, strukturiert, minimalistisch und achtsam\u201c angibt: Materialien werden von der Berliner Stadtmission gekauft, die Produktion findet in Berliner Werkst\u00e4tten f\u00fcr Menschen mit Beeintr\u00e4chtigung statt, und alle Transportwege innerhalb Berlins werden per Fahrradkurier zur\u00fcckgelegt. Im Rahmen eines ersten Testlaufs wurde f\u00fcr den \u201eCity Point\u201c in der \u201eNSU-Stadt Zwickau\u201c gesammelt, der mit Kindern und Jugendlichen aus mehr als 30 Nationen arbeitet. \u00dcber das Ergebnis der Aktion h\u00fcllen sich die Beteiligten bislang in Schweigen.<\/p>\n<div style=\"width: 593px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scontent-ams.cdninstagram.com\/vp\/ee03db17bd7af856ca7ad1f0df1efdd8\/5CD0FF10\/t51.2885-15\/e35\/43816531_167248307563768_5100428931569190064_n.jpg?_nc_ht=instagram.fdtm2-1.fna.fbcdn.net&amp;se=7&amp;ig_cache_key=MTkwMzYyNzYyNDY3MDc5MTAyMg%3D%3D.2\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  \" title=\"Brands gegen Rechts. Quelle: https:\/\/scontent-ams.cdninstagram.com\/vp\/ee03db17bd7af856ca7ad1f0df1efdd8\/5CD0FF10\/t51.2885-15\/e35\/43816531_167248307563768_5100428931569190064_n.jpg?_nc_ht=instagram.fdtm2-1.fna.fbcdn.net&amp;se=7&amp;ig_cache_key=MTkwMzYyNzYyNDY3MDc5MTAyMg%3D%3D.2 \" src=\"https:\/\/scontent-ams.cdninstagram.com\/vp\/ee03db17bd7af856ca7ad1f0df1efdd8\/5CD0FF10\/t51.2885-15\/e35\/43816531_167248307563768_5100428931569190064_n.jpg?_nc_ht=instagram.fdtm2-1.fna.fbcdn.net&amp;se=7&amp;ig_cache_key=MTkwMzYyNzYyNDY3MDc5MTAyMg%3D%3D.2\" alt=\"Brands gegen Rechts. Quelle: https:\/\/scontent-ams.cdninstagram.com\/vp\/ee03db17bd7af856ca7ad1f0df1efdd8\/5CD0FF10\/t51.2885-15\/e35\/43816531_167248307563768_5100428931569190064_n.jpg?_nc_ht=instagram.fdtm2-1.fna.fbcdn.net&amp;se=7&amp;ig_cache_key=MTkwMzYyNzYyNDY3MDc5MTAyMg%3D%3D.2 \" width=\"583\" height=\"583\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Brands gegen Rechts. Quelle: https:\/\/scontent-ams.cdninstagram.com\/vp\/ee03db17bd7af856ca7ad1f0df1efdd8\/5CD0FF10\/t51.2885-15\/e35\/43816531_167248307563768_5100428931569190064_n.jpg?_nc_ht=instagram.fdtm2-1.fna.fbcdn.net&amp;se=7&amp;ig_cache_key=MTkwMzYyNzYyNDY3MDc5MTAyMg%3D%3D.2 <\/p><\/div>\n<p>Andere Unternehmen agieren zwar einmischend-positionierend, aber nicht so heftig, dass sie Shitstorms oder gar messbare Einbu\u00dfen erleiden. So wollte die Brauerei Becks im August als \u201eLabel der Woche\u201c im Rahmen der \u201edeinbecks\u201c-Kampagne mit dem Spruch \u201eGegen braune Flaschen\u201c ein Zeichen setzen \u2013 und nahm damit in Kauf, dass sie gegen etwaige Konkurrenz stichelt: Becks Flaschen sind traditionell gr\u00fcn. Denselben Slogan nutzte im selben Kontext auch \u201eHappiness Naturradler\u201c. \u201efritz-kola\u201c entwarf im Mai unter dem Slogan \u201elieber fritz als horst\u201c eine Kampagne gegen Heimatminister Horst Seehofer (CSU), in dem sie ihre bunten Getr\u00e4nke (\u201eHeimat\u201c) uniformierten schwarz-wei\u00dfen Flaschen gegen\u00fcberstellte (\u201eHeimatministerium\u201c).<\/p>\n<div style=\"width: 615px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/scontent-ber1-1.xx.fbcdn.net\/v\/t1.0-9\/31949786_10156332860372460_2422557942323609600_n.jpg?_nc_cat=105&amp;_nc_eui2=AeHLH3khnZCoshtE-uyKxc70oXrtJ0wjvniLG7mZCBTyr2pHw2W33CuLmAFqybC20NYlEhbTsjXMcved6RTRUQvvKlH7FHXpfCkxKm4WVRXKDw&amp;_nc_ht=scontent-ber1-1.xx&amp;oh=4fc707f57281e6838579832168169307&amp;oe=5C8CDC06\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" title=\"Fritz-Kampagne. Quelle: https:\/\/scontent-ber1-1.xx.fbcdn.net\/v\/t1.0-9\/31949786_10156332860372460_2422557942323609600_n.jpg?_nc_cat=105&amp;_nc_eui2=AeHLH3khnZCoshtE-uyKxc70oXrtJ0wjvniLG7mZCBTyr2pHw2W33CuLmAFqybC20NYlEhbTsjXMcved6RTRUQvvKlH7FHXpfCkxKm4WVRXKDw&amp;_nc_ht=scontent-ber1-1.xx&amp;oh=4fc707f57281e6838579832168169307&amp;oe=5C8CDC06\" src=\"https:\/\/scontent-ber1-1.xx.fbcdn.net\/v\/t1.0-9\/31949786_10156332860372460_2422557942323609600_n.jpg?_nc_cat=105&amp;_nc_eui2=AeHLH3khnZCoshtE-uyKxc70oXrtJ0wjvniLG7mZCBTyr2pHw2W33CuLmAFqybC20NYlEhbTsjXMcved6RTRUQvvKlH7FHXpfCkxKm4WVRXKDw&amp;_nc_ht=scontent-ber1-1.xx&amp;oh=4fc707f57281e6838579832168169307&amp;oe=5C8CDC06\" alt=\"Fritz-Kampagne. 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Quelle: https:\/\/scontent-ber1-1.xx.fbcdn.net\/v\/t1.0-9\/31949786_10156332860372460_2422557942323609600_n.jpg?_nc_cat=105&amp;_nc_eui2=AeHLH3khnZCoshtE-uyKxc70oXrtJ0wjvniLG7mZCBTyr2pHw2W33CuLmAFqybC20NYlEhbTsjXMcved6RTRUQvvKlH7FHXpfCkxKm4WVRXKDw&amp;_nc_ht=scontent-ber1-1.xx&amp;oh=4fc707f57281e6838579832168169307&amp;oe=5C8CDC06<\/p><\/div>\n<p>Eine weitere Gruppe von Unternehmen liefert eher Statements mit Aktionen, die im weiten Sinn der Corporate Social Responsibility (CSR: Unternehmerische Gesellschafts- oder auch Sozialverantwortung) angeh\u00f6ren und in Sachsen wirken sollen. So hat sich der Energieversorger Vattenfall eine Null-Toleranz-Politik gegen Rassismus verordnet und veranstaltet Integrationskurse f\u00fcr eingewanderte Arbeitnehmer sowie einen Jugend-Austausch mit polnischen Azubis.<\/p>\n<p>Der Autobauer Porsche sponsert die Konzertreihe \u201eCourage zeigen\u201c und unterst\u00fctzt den Leipziger Fl\u00fcchtlingsrat. Die Uhrenmanufaktur Nomos im s\u00e4chsischen Glash\u00fctte hat am Firmensitz ein Plakat aufgeh\u00e4ngt \u201eNein zu rechtem Gedankengut. Ja zu Toleranz und Weltoffenheit\u201c und bietet der Belegschaft steuergeldfinanzierte Seminare an, wie sie mit Pegida und \u201eRechten\u201c umgehen k\u00f6nne. Der Bass-Gitarrenbauer Warwick aus dem Vogtland vertreibt in seinem Online-Shop T-Shirts mit der Aufschrift \u201eBassists against racists\u201c.<\/p>\n<p><strong>politisches Engagement ist produktabh\u00e4ngig<\/strong><\/p>\n<p>Noch freier ist die deutsche Agenturszene: So gaben \u201eScholz &amp; Friends\u201c (S&amp;F) und \u201eTLGG\u201c den Mitarbeitern beispielsweise \u201enazifrei\u201c, um in Chemnitz gegen \u201erechts\u201c zu demonstrieren. Die Agenturchefs betonten zwar, dass dies keine Dienstverpflichtung w\u00e4re, machten aber zugleich deutlich, dass die Teilnahme willkommen sei, fertigten Plakate und r\u00fchrten die Medientrommel.<\/p>\n<p>Nun sollte man allerdings wissen, dass zu den aktuellen Kunden von S&amp;F zahlreiche Verb\u00e4nde und Bundesministerien geh\u00f6ren und sie schon im Dezember 2016 auf Grund der privaten Kampagne \u201e#KeinGeldF\u00fcrRechts\u201c des damaligen Strategy Directors Gerald Hensel in der Kritik stand. Die Kampagne versuchte Werbetreibende zu beeinflussen, Werbebannerschaltungen auf Webseiten zu unterlassen, die Hensel als \u201erechts\u201c bewertete. Darunter war der Blog <em>Achgut<\/em> mit Autoren wie Henryk M. Broder, Vera Lengsfeld oder Thilo Sarrazin. Der Mann betrieb damals auch eine Website, die unter einem roten Sowjetstern und dem Namen davaidavai.com firmierte &#8211; mit dem Ruf trieben die russischen Wachmannschaften die Gefangenen in den Gulags zur Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<div style=\"width: 488px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.absatzwirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/TLGG.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"     \" title=\"Positionierung TLGG. Quelle: http:\/\/www.absatzwirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/TLGG.jpg\" src=\"http:\/\/www.absatzwirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/TLGG.jpg\" alt=\"Positionierung TLGG. Quelle: http:\/\/www.absatzwirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/TLGG.jpg\" width=\"478\" height=\"478\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Positionierung TLGG. Quelle: http:\/\/www.absatzwirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/TLGG.jpg<\/p><\/div>\n<p>Andererseits ist die sehr seltene, gegenteilige Positionierung noch nicht als gesch\u00e4ftssch\u00e4digend bekannt geworden \u2013 im Gegenteil. So organisiert der Bautzner Bauunternehmer J\u00f6rg Drews in der Initiative \u201eWir sind Deutschland\u201c Demonstrationen gegen die Asylpolitik, was seiner Firma \u201eHentschke Bau\u201c nicht im Geringsten schadet. Auch TRIGEMA-Chef Wolfgang Grupp lehnte von Anbeginn Angela Merkels Fl\u00fcchtlingskurs ab und wird daf\u00fcr hochgeachtet.<\/p>\n<p>Eine klare Antwort, wie stark sich Unternehmen positionieren d\u00fcrfen, gibt es f\u00fcr Velten nicht: Die Gr\u00f6\u00dfe entscheide, und das politische Engagement sei stark vom Produkt abh\u00e4ngig. So sei f\u00fcr Unternehmen aus der Nachhaltigkeitsbranche eine Haltung zu Umweltthemen Pflicht. Bei Themen wie Migration, Rechts- oder Linksextremismus bleibe Zur\u00fcckhaltung der K\u00f6nigsweg. Laut Meinungsforschungsinstitut Civey will fast jeder zweite Konsument zwar Produkte h\u00e4ufiger kaufen, wenn sich die politischen \u00c4u\u00dferungen von Unternehmen mit den eigenen Auffassungen decken. Letztlich w\u00fcnsche sich aber nur jeder dritte Konsument (31,4 %) eine klare Haltung von Unternehmen; 58,6 % dagegen sprechen sich f\u00fcr Neutralit\u00e4t aus.<\/p>\n<div style=\"width: 532px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.absatzwirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-08-um-09.51.39.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  \" title=\"Befragung. Quelle: http:\/\/www.absatzwirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-08-um-09.51.39.png\" src=\"http:\/\/www.absatzwirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-08-um-09.51.39.png\" alt=\"Befragung. Quelle: http:\/\/www.absatzwirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-08-um-09.51.39.png\" width=\"522\" height=\"231\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Befragung. Quelle: http:\/\/www.absatzwirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Bildschirmfoto-2018-11-08-um-09.51.39.png<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3751&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nnen oder sollen deutsche Unternehmen politisch Stellung beziehen? Welchem Imagegewinn steht welcher Umsatzverlust bei wem gegen\u00fcber? Die Marketingbranche ist gespalten, die Kunden nicht.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3751"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3751"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3751\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3753,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3751\/revisions\/3753"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3751"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3751"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3751"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}