{"id":3793,"date":"2019-02-14T07:15:49","date_gmt":"2019-02-14T06:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3793"},"modified":"2019-02-15T06:41:04","modified_gmt":"2019-02-15T05:41:04","slug":"%e2%80%9eheute-erwarte-ich-keine-jungfrauen-mehr-im-himmel%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=3793","title":{"rendered":"\u201eHeute erwarte ich keine Jungfrauen mehr im Himmel\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Eine \u201eFatwa\u201c ist eigentlich nur eine Rechtsauskunft, mit der eine muslimische Autorit\u00e4t auf Anfrage ein religi\u00f6ses oder rechtliches Problem unter Angeh\u00f6rigen des Islam kl\u00e4rt. Aus westlicher Perspektive sind viele nicht zu beanstanden, ja k\u00f6nnen durchaus progressiv gewertet werden: die Fatwa gegen die Unvereinbarkeit jeglicher Terroranschl\u00e4ge mit dem Islam vom Londoner Rat der Sunniten etwa oder die Fatwa gegen die Genitalverst\u00fcmmelung an Frauen auf Initiative des Obermuftis von Mauretanien, beide 2005. Die Tabak-Fatwa vom Gro\u00dfmufti von \u00c4gypten zur Unterst\u00fctzung der nationalen Antiraucherkampagne von 2000 mag man vielleicht auch bef\u00fcrworten.<\/p>\n<p>Anders sieht das aus mit der Fatwa des iranischen Ajatollah Chomeini vom Valentinstag 1989, dem 14. Februar, gegen den indobritischen Autor Salman Rushdie, die einem Todesurteil gleichkam. \u00a0Darin verlangte der Schiitenf\u00fchrer, dass Rushdies \u201eBlut vergossen werden\u201c m\u00fcsse wegen angeblicher Gottesl\u00e4sterung in dessen Roman \u201eSatanische Verse\u201c: \u201eIch ersuche alle tapferen Muslime, ihn, gleich wo sie ihn finden, schnell zu t\u00f6ten, damit nie wieder jemand wagt, die Heiligen des Islam zu beleidigen. Jeder, der bei dem Versuch, Rushdie umzubringen, selbst ums Leben kommt, ist, so Gott will, ein M\u00e4rtyrer.\u201c Obwohl Chomeini schon im Juni 1989 starb, wird das Todesurteil, da nur er es h\u00e4tte l\u00f6sen k\u00f6nnen, aufrechterhalten \u2013 bis heute. Die halbstaatliche iranische Chordat-Stiftung setzte ein Kopfgeld von zun\u00e4chst einer Million US-Dollar aus, das sie 1991 verdoppelte und 2012 noch einmal auf 3,3 Millionen aufstockte. 2016 haben vierzig staatliche iranische Medien das Kopfgeld auf insgesamt mittlerweile fast 4 Millionen Dollar erh\u00f6ht.<\/p>\n<div style=\"width: 586px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/stichtag\/stichtag-fadwa-khomeini-rushdie-100~_v-ARDFotogalerie.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" \" title=\"Die Kontrahenten. Quelle: https:\/\/www1.wdr.de\/stichtag\/stichtag-fadwa-khomeini-rushdie-100~_v-ARDFotogalerie.jpg\" src=\"https:\/\/www1.wdr.de\/stichtag\/stichtag-fadwa-khomeini-rushdie-100~_v-ARDFotogalerie.jpg\" alt=\"Die Kontrahenten. Quelle: https:\/\/www1.wdr.de\/stichtag\/stichtag-fadwa-khomeini-rushdie-100~_v-ARDFotogalerie.jpg\" width=\"576\" height=\"324\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Die Kontrahenten. Quelle: https:\/\/www1.wdr.de\/stichtag\/stichtag-fadwa-khomeini-rushdie-100~_v-ARDFotogalerie.jpg<\/p><\/div>\n<p>Der <em>Tagesspiegel<\/em> zitiert den stellvertretenden iranischen Kulturminister Sayyed Abbas Salehi mit dem Satz \u201eChomeinis Fatwa ist ein religi\u00f6ses Dekret, das niemals seine Kraft verlieren oder verblassen wird\u201c. Auch Chomeinis Nachfolger Ajatollah Ch\u0101mene&#8217;\u012b sowie die Iranische Revolutionsgarde halten daran fest &#8211; obwohl religi\u00f6se Autorit\u00e4ten in Saudi-Arabien und \u00c4gypten die Fatwa als illegal und dem Islam widersprechend verwarfen, da kein Mensch ohne Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt werden k\u00f6nne. Bereits im M\u00e4rz 1989 hatten alle Mitgliedsstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz au\u00dfer dem Iran der Fatwa widersprochen. Der Autor wurde dennoch zum lebenden Beweis f\u00fcr die Intoleranz des Islam.<\/p>\n<p><strong>\u201eDie Welt war schon immer voller Geisteskranker\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der damals 42j\u00e4hrige Rushdie, der zuvor mit \u201eMitternachtskinder\u201c und \u201eScham und Schande\u201c bereits zwei Bestseller vorgelegt hatte, soll von seinem Todesurteil durch eine BBC-Reporterin am Telefon erfahren haben. Das Buch machte ihn vor\u00fcbergehend zum bekanntesten, umstrittensten und bestbewachten Autor der Welt. Er lebte lange in erzwungener Isolation an st\u00e4ndig wechselnden Wohnorten unter Polizeischutz, kommt erst seit rund f\u00fcnf Jahren wieder ohne Leibw\u00e4chter aus und wird auch nicht mehr rund um die Uhr bewacht.<\/p>\n<p>Andere \u00fcberlebten nicht. Sein italienischer \u00dcbersetzer Ettore Capriolo wurde am 3. Juli 1991 in seiner Wohnung in Mailand durch Stiche verletzt, sein japanischer Kollege Hitoshi Igarashi nur eine Woche sp\u00e4ter im Geb\u00e4ude seines B\u00fcros an der Universit\u00e4t Tsukuba erstochen. W\u00e4hrend eines alevitischen Kulturfestivals im t\u00fcrkischen Sivas versammelten sich 20.000 Sunniten vor dem Festivalhotel, in dem auch sein t\u00fcrkischer Herausgeber Aziz Nesin n\u00e4chtigte, und warfen am 2. Juli 1993 Brands\u00e4tze. 35 Menschen starben, Nesin wurde nur leicht verletzt. Sein norwegischer Verleger William Nygaard, 2010 durch Sch\u00fcsse schwer verletzt, hatte ebenfalls Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Opfer waren der H\u00f6hepunkt einer in der modernen Literaturgeschichte beispiellosen Kampagne, nachdem der 700-Seiten-Roman Anfang September 1988 im Verlag Viking Press erschien und nur Wochen sp\u00e4ter den Whitbread-Preis errang. Der komplexe, postmoderne Text mit vielen weltliterarischen Anleihen von Ovid \u00fcber Shakespeare bis Bulgakow ist dem magischen Realismus zuzuschlagen. Er schildert die miteinander verwobenen Schicksale zweier indischer Muslime, die als Satan und Erzengel Gabriel entschl\u00fcsselbar sind, und verschmilzt Themen wie Migration und Identit\u00e4t, Religion und Okkultismus, Prophetie und Islam sowie Erotik und Gewalt zu einer fantastischen Melange mit Traumsequenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<div style=\"width: 480px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/radio\/cosmo\/sivas-katliami-madimak-100~_v-ARDFotogalerie.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  \" title=\"Anschlag von Sivas. Quelle: https:\/\/www1.wdr.de\/radio\/cosmo\/sivas-katliami-madimak-100~_v-ARDFotogalerie.jpg\" src=\"https:\/\/www1.wdr.de\/radio\/cosmo\/sivas-katliami-madimak-100~_v-ARDFotogalerie.jpg\" alt=\"Anschlag von Sivas. Quelle: https:\/\/www1.wdr.de\/radio\/cosmo\/sivas-katliami-madimak-100~_v-ARDFotogalerie.jpg\" width=\"470\" height=\"265\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Anschlag von Sivas. Quelle: https:\/\/www1.wdr.de\/radio\/cosmo\/sivas-katliami-madimak-100~_v-ARDFotogalerie.jpg<\/p><\/div>\n<p>Schon wenige Tage nach Ver\u00f6ffentlichung des Buchs wurde seine Einfuhr nach Indien verboten. Am 14. Januar 1989 wurde es auf einer Demonstration von Muslimen in Bradford symbolisch verbrannt &#8211; woraufhin Buchh\u00e4ndler dazu \u00fcbergingen, den Roman nicht mehr auszustellen. Auf einer Demonstration am 27. desselben Monats im Londoner Hyde Park richteten Muslime eine Petition an die Verlagsgruppe Penguin, zu der Viking geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Erste Kopien kursierten auch rasch im Iran, eine Buchbesprechung und Ausz\u00fcge wurden im iranischen Rundfunk verbreitet, deren Sendungen Chomeini regelm\u00e4\u00dfig verfolgte. Ein unbekannter Geistlicher \u00fcbersetzte auf eigene Initiative eine 700-Seiten-Version, die er dem B\u00fcro Chomeinis sandte. Chomeinis Kommentar nach dem Lesen habe gelautet: \u201eDie Welt war schon immer voller Geisteskranker, die Unsinn geredet haben. Es lohnt sich nicht, auf so etwas zu reagieren. Nehmt es nicht ernst.\u201c Ein Importverbot wurde nicht verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p><strong>\u201eParanoia eine Vorbedingung des \u00dcberlebens\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Drei Ursachenb\u00fcndel d\u00fcrften es sein, die Chomeinis Zorn dann doch heraufbeschworen haben m\u00f6gen. Zum ersten sind es Passagen, in denen der Koran und der Prophet Mohammed (angeblich) beleidigt werden. So imaginierte Rushdie ein Bordell in Mekka, in dem sich Huren zu Werbezwecken die Namen aller Prophetengattinnen zulegten. Au\u00dferdem habe Rushdie die semantischen Unklarheiten um die 53. Sure des Korans seiner subjektiven, satirischen Interpretation unterworfen: Es geht um drei G\u00f6ttinnen, die neben dem Hochgott Allah in der Kaaba zu Mekka verehrt worden sein sollen, also das strikte Prinzip des Monotheismus verletzen. Die verschiedenen Versionen einiger Verse dieser Sure, die die anderen G\u00f6ttinnen legitimierten, seien statt vom Erzengel Gabriel von Satan eingefl\u00fcstert (\u201esatanische Verse\u201c) und erst in einer sp\u00e4teren Offenbarung durch den Engel richtiggestellt worden.<\/p>\n<p>Zum zweiten habe sich Chomeini in bestimmten figuralen Charakterisierungen wiedererkannt, bspw. \u201e\u2026der b\u00e4rtige, beturbante Imam. Wer ist er &#8211; Ein Verbannter, ein Mann im Exil\u201c oder \u201eF\u00fcr den Mann im Exil ist Paranoia eine Vorbedingung des \u00dcberlebens\u201c. Sauer stie\u00df dem islamischen Revolutionsf\u00fchrer sicher auch die Beschreibung Mohammeds als geschickter Politiker auf (\u201eWie praktisch, ein Prophet zu sein\u201c), der sich bei Unstimmigkeiten auf einen Berg zur\u00fcckzog und dort &#8211; dies deckt sich mit den koranischen Angaben &#8211; im Traum vom Erzengel Gabriel den Willen Allahs erfuhr. G\u00fcnstigerweise vertrat der Erzengel im Roman dabei immer diejenige Auffassung, die Mohammed bereits hatte. Und zum dritten habe Chomeini offensichtlich die Meinungsf\u00fchrerschaft innerhalb der islamischen Welt angestrebt, weswegen er religi\u00f6se und damit ideologische Pfl\u00f6cke einschlagen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<div style=\"width: 586px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/img\/kultur\/mobile100762439\/6951622847-ci23x11-w1600\/rush6-vo-BM-Berlin-Islamabad-jpg.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  \" title=\"Unruhen um Rushdie. Quelle: https:\/\/www.welt.de\/img\/kultur\/mobile100762439\/6951622847-ci23x11-w1600\/rush6-vo-BM-Berlin-Islamabad-jpg.jpg\" src=\"https:\/\/www.welt.de\/img\/kultur\/mobile100762439\/6951622847-ci23x11-w1600\/rush6-vo-BM-Berlin-Islamabad-jpg.jpg\" alt=\"Unruhen um Rushdie. Quelle: https:\/\/www.welt.de\/img\/kultur\/mobile100762439\/6951622847-ci23x11-w1600\/rush6-vo-BM-Berlin-Islamabad-jpg.jpg\" width=\"576\" height=\"275\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Unruhen um Rushdie. Quelle: https:\/\/www.welt.de\/img\/kultur\/mobile100762439\/6951622847-ci23x11-w1600\/rush6-vo-BM-Berlin-Islamabad-jpg.jpg<\/p><\/div>\n<p>Als am 12. Februar 1989 erste Unruhen mit Todesopfern wegen des Buches aus Pakistan und Indien publik wurden, reagierte der Iran sehr rasch &#8211; mit dem bekannten Resultat, das eine politische und diplomatische Krise ohnegleichen ausl\u00f6ste, denn die Fatwa war auch Todesurteil f\u00fcr alle, die an der Ver\u00f6ffentlichung beteiligt waren und den Inhalt des Buchs kannten. Die in London ans\u00e4ssige Nichtregierungsorganisation \u201eArticle 19\u201c gr\u00fcndete das Rushdie Defence Committee und ver\u00f6ffentlichte am 2. M\u00e4rz 1989 einen von mehr als 1000 Autoren weltweit unterzeichneten Aufruf zum Schutz der Meinungsfreiheit \u2013 eben die regelt die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte im Artikel 19. Am 7. M\u00e4rz 1989 brach der Iran seine diplomatischen Beziehungen zu Gro\u00dfbritannien ab.<\/p>\n<p>Der bis dahin schweigende Rushdie wies am 4. Februar 1990 im <em>Independent<\/em> den Vorwurf der Gottesl\u00e4sterung zur\u00fcck und gab an, kein Muslim zu sein. Iran und Gro\u00dfbritannien nahmen ihre diplomatischen Beziehungen am 28. September wieder auf. In Deutschland wurde laut Handelsregister am selben Tag der Fatwa der \u201eArtikel 19 Verlag\u201c gegr\u00fcndet mit dem einzigen Unternehmenszweck, das Buch auf Deutsch zu ver\u00f6ffentlichen. Es beteiligten sich Verleger aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz. Rund neunzig Verlage und weit \u00fcber hundert Herausgeber fanden sich bis August 1989; seit \u00a017. Oktober desselben Jahres gibt es \u201eDie satanischen Verse\u201c in deutscher Sprache im Handel.<\/p>\n<p><strong>\u201edem Verlagsgewerbe schwersten Schaden zugef\u00fcgt\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Gewaltwelle 1991 &#8211; 1993 kehrte teilweise Ruhe um Text und Autor ein. Auf seiner Flucht hatte Rushdie f\u00fcr seinen Sohn das M\u00e4rchen \u201eHarun und das Meer der Geschichten\u201c verfasst, in dem ein M\u00e4rchenerz\u00e4hler die F\u00e4higkeit verliert, Geschichten zu erz\u00e4hlen, weil ihm der \u201eGeschichtenhahn\u201c abgedreht wird und er keinen Zugang mehr zum \u201eErz\u00e4hlwasser\u201c hat. Der Sohn macht sich auf den Weg, seinen Vater zu retten. Das Buch ist das vielleicht poetischste des Autors, der mit \u201eDes Mauren letzter Seufzer\u201c, das in Mumbai auf den Zensur-Index gesetzt wurde, \u201eDer Boden unter ihren F\u00fc\u00dfen\u201c, \u201eFury\u201c und \u201eShalimar der Narr\u201c weitere lesenswerte Romane schrieb.<\/p>\n<p>1995 kam es in Deutschland zu einer Kontroverse anl\u00e4sslich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels an die renommierte Islamwissenschaftlerin und \u00dcbersetzerin Annemarie Schimmel (1922 \u2013 2003). In einem Fernsehinterview hatte sie Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Emp\u00f6rung in der islamischen Welt \u00fcber das Buch Rushdies ge\u00e4u\u00dfert, das auf eine \u201esehr \u00fcble Art\u201c die Gef\u00fchle gl\u00e4ubiger Muslime verletzt habe. Es kam zu einer Protestinitiative innerhalb des B\u00f6rsenvereins gegen die Preisverleihung, die u.a. von Henryk M. Broder, Alice Schwarzer und Elfriede Jelinek unterst\u00fctzt wurde, aber auch ihrem ehemaligen Sch\u00fcler Gernot Rotter. Der Hamburger Orientalist erkl\u00e4rte in der <em>ZEIT<\/em>, dass Schimmel \u201edem Ansehen nicht nur der Islamwissenschaft, sondern dem gesamten im B\u00f6rsenverein vertretenen Verlagsgewerbe schwersten Schaden zugef\u00fcgt\u201c hat. Die Preisvergabe wurde mit sehr gro\u00dfer Mehrheit best\u00e4tigt, Schimmel jedoch noch im Jahr vor ihrem Tod f\u00fcr ihre Toleranz gegen\u00fcber dem Islam von feministischen Islamkritikern angegriffen.<\/p>\n<div style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/de.qantara.de\/sites\/default\/files\/styles\/editor_large\/public\/uploads\/2013\/01\/24\/Herzog-und-Schimmel-dpa.JPG?itok=GZGOrmU1\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" title=\"Roman Herzog und Annemarie Schimmel w\u00e4hrend der Vergabe des Friedenspreises 1995 in der Frankfurter Paulskirche. Quelle: https:\/\/de.qantara.de\/sites\/default\/files\/styles\/editor_large\/public\/uploads\/2013\/01\/24\/Herzog-und-Schimmel-dpa.JPG?itok=GZGOrmU1 \" src=\"https:\/\/de.qantara.de\/sites\/default\/files\/styles\/editor_large\/public\/uploads\/2013\/01\/24\/Herzog-und-Schimmel-dpa.JPG?itok=GZGOrmU1\" alt=\"Roman Herzog und Annemarie Schimmel w\u00e4hrend der Vergabe des Friedenspreises 1995 in der Frankfurter Paulskirche. Quelle: https:\/\/de.qantara.de\/sites\/default\/files\/styles\/editor_large\/public\/uploads\/2013\/01\/24\/Herzog-und-Schimmel-dpa.JPG?itok=GZGOrmU1\" width=\"590\" height=\"261\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Roman Herzog und Annemarie Schimmel w\u00e4hrend der Vergabe des Friedenspreises 1995 in der Frankfurter Paulskirche. Quelle: https:\/\/de.qantara.de\/sites\/default\/files\/styles\/editor_large\/public\/uploads\/2013\/01\/24\/Herzog-und-Schimmel-dpa.JPG?itok=GZGOrmU1<\/p><\/div>\n<p>F\u00fcr sein Lebenswerk wurde Rushdie vielfach ausgezeichnet, 1999 erhielt er von der Freien Universit\u00e4t Berlin die Ehrendoktorw\u00fcrde. Als 2007 Elisabeth II. ihre Absicht mitteilte, ihn zusammen mit 945 Sportlern, Kulturgr\u00f6\u00dfen und Repr\u00e4sentanten der Wirtschaft in den Ritterstand zu erheben (was sie dann auch tat), l\u00f6ste das erneut offizielle diplomatische Proteste im Iran und in Pakistan aus; in beiden L\u00e4ndern wurden die britischen Botschafter einbestellt. Das iranische Au\u00dfenministerium nannte die Entscheidung einen eindeutigen Beweis f\u00fcr Islamophobie unter hochrangigen britischen Beamten: \u201eEine der meistgehassten Personen der islamischen Welt auszuzeichnen, zeigt Gro\u00dfbritanniens Feindschaft gegen\u00fcber dem Islam\u201c, sagte Mohammad-Ali Hosseini, Sprecher des iranischen Au\u00dfenministeriums, laut der <em>ZEIT<\/em>. In Iran, Pakistan und Malaysia kam es anschlie\u00dfend zu teilweise gewaltt\u00e4tigen Stra\u00dfenprotesten, in Kaschmir kam gar die Wirtschaft einen Tag lang zum Erliegen.<\/p>\n<p>Nach zahlreichen Drohungen mit Gewaltausschreitungen und Mordaufrufen von Islamisten sagte Rushdie die Teilnahme am gr\u00f6\u00dften Literaturfestival Indiens in Jaipur im Januar 2012 ab &#8211; er h\u00e4tte die Er\u00f6ffnungsrede halten sollen. Und noch auf Rushdies Pr\u00e4senz bei der Auftakt-Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse 2015 reagierte die iranische Regierung mit einer offiziellen Teilnahmeabsage. Kaum ein neuzeitlicher Text der Weltliteratur hat solche weltweiten, lange w\u00e4hrenden Reaktionen hervorgerufen.<\/p>\n<p><strong>\u201eMan kann Ideen nicht einz\u00e4unen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Bis heute wundert sich der \u00fcberzeugte Atheist Rushdie, wie naiv er war ein Buch zu schreiben, in dem der Prophet Mohammed an verschiedene G\u00f6tter glaubt und seine Frauen in einem Bordell arbeiten. Niemand w\u00e4re heute \u00fcberrascht, wenn es deshalb zu Protesten in der islamischen Welt k\u00e4me. \u201eWir lebten damals in unbedarfteren Zeiten\u201c, sagt Rushdie dem <em>STERN<\/em>. \u201eIch habe keine Lust mehr, \u00fcber den Iran und die Fatwa zu reden. Das ist ein alter Hut\u201c, erkl\u00e4rte er weiter. \u201eEs ist, als w\u00e4re etwas weltber\u00fchmt, das ich nicht bin\u201c. \u00dcber diese Zeit auf der Flucht hatte er 2012 eine Autobiographie geschrieben, die zeitgleich in 27 L\u00e4ndern ausgeliefert wurde, allein in Deutschland in 100.000 Exemplaren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<div style=\"width: 568px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/secure.i.telegraph.co.uk\/multimedia\/archive\/02344\/rushdie_2344419b.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" \" title=\"Autor und Werk. Quelle: https:\/\/secure.i.telegraph.co.uk\/multimedia\/archive\/02344\/rushdie_2344419b.jpg\" src=\"https:\/\/secure.i.telegraph.co.uk\/multimedia\/archive\/02344\/rushdie_2344419b.jpg\" alt=\"Autor und Werk. Quelle: https:\/\/secure.i.telegraph.co.uk\/multimedia\/archive\/02344\/rushdie_2344419b.jpg\" width=\"558\" height=\"348\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Autor und Werk. Quelle: https:\/\/secure.i.telegraph.co.uk\/multimedia\/archive\/02344\/rushdie_2344419b.jpg<\/p><\/div>\n<p>Er ist sich sicher, dass das Buch heute keinen Verleger mehr f\u00e4nde, sagte er der <em>BBC<\/em>. Aber: \u201eIch bestehe auf dem Recht der Meinungs\u00e4u\u00dferung &#8211; auch gegen\u00fcber Religionen.\u201c Die seien f\u00fcr ihn \u201eGift f\u00fcr das Herz\u201c. R\u00fccksicht auf die Meinung von Millionen Gl\u00e4ubigen zu nehmen, h\u00e4lt er f\u00fcr falsch. \u201eMan kann Ideen nicht einz\u00e4unen. Ich halte Gott nun mal f\u00fcr eine l\u00e4cherliche Idee. Und ich sollte das Recht haben, das auch zu sagen.\u201c Rushdie bedauert ein wenig, die im islamischen Paradies versprochenen Freuden nicht zu erlangen: \u201eHeute erwarte ich keine Jungfrauen mehr im Himmel\u201c, schmunzelt der viermal verheiratete Autor der <em>Weltwoche<\/em>. \u201eIch brauche, um ein moralisches Wesen zu sein, keinen obersten Schiedsrichter.\u201c<\/p>\n<p>Er w\u00fcrde seinen Roman genauso wieder schreiben. \u201eZum Gl\u00fcck muss ich es nicht mehr\u201c, sagte er in einem Interview mit dem <em>SPIEGEL<\/em>. Auch die umstrittenen Traumpassagen \u00fcber den Propheten, in dem Huren nach den Ehefrauen des Propheten Mohammed benannt sind, w\u00fcrde er so lassen. \u201eIch finde, sie geh\u00f6ren zu den besten Passagen des Buchs (&#8230;) Diese Passagen sind ernsthaft und legen an keiner Stelle nahe, dass die Frauen des Propheten sich unangemessen verhalten h\u00e4tten.\u201c Bereut hat Rushdie sein Buch nie: Wer es nicht mag, m\u00fcsse es ja auch nicht lesen.<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D3793&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Salman Rushdie wurde mit seinen \u201eSatanischen Versen\u201c zum lebenden Beweis f\u00fcr die Intoleranz des Islam. Andere starben f\u00fcr ihn, er \u00fcberlebte. Vor 30 Jahren wurde im Iran seine Fatwa ausgesprochen. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3793"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3793"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3793\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3798,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3793\/revisions\/3798"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3793"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3793"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3793"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}