{"id":4037,"date":"2019-05-17T04:50:17","date_gmt":"2019-05-17T03:50:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4037"},"modified":"2019-05-17T05:19:04","modified_gmt":"2019-05-17T04:19:04","slug":"%e2%80%9ezu-spat-geborener-kolonialherr%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4037","title":{"rendered":"\u201ezu sp\u00e4t geborener Kolonialherr\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Es war nur eine Frage der Zeit, bis so ein Satz fallen musste: \u201eIn der Afrikapolitik m\u00fcssten Afrikaner das Sagen haben oder zumindest mitreden\u201c. Gesagt hat ihn Mitte April im <em>Tagesspiegel<\/em> Clement-Amatevi Klutse (CDU), ein aus Togo geb\u00fcrtiger Hamburger Betriebswirtschaftler. Anlass war die erneut anschwellende Kritik an Angela Merkels Afrika-Beauftragtem G\u00fcnter Nooke (CDU). Es gebe genug kompetente Menschen mit afrikanischen Wurzeln, die es besser k\u00f6nnten, so Klutse. \u201eDie Politik tut aber so, als w\u00fcrden wir nicht existieren. Wir werden nicht gefragt.\u201c<\/p>\n<p>Der Gr\u00fcnen-Abgeordnete Ottmar von Holtz wurde im selben Blatt noch deutlicher: \u201eDass dieser Posten trotz der offensichtlichen \u00dcberforderung des Amtsinhabers und seiner Fehltritte weiterhin mit Herrn Nooke besetzt ist, zeigt, welchen Stellenwert die Bundesregierung der Afrikapolitik in Wahrheit beimisst\u201c. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann sah das \u00e4hnlich: Merkels Berater sollte eigentlich die \u201epersonifizierte Richtlinienkompetenz der Kanzlerin f\u00fcr eine koh\u00e4rente Afrika-Politik darstellen\u201c. Doch \u201ewozu braucht es einen Afrika-Beauftragten, wenn er G\u00fcnter Nooke hei\u00dft?\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_4038\" style=\"width: 452px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Nooke.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4038\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4038   \" title=\"G\u00fcnter Nooke. Quelle: https:\/\/www.tagesspiegel.de\/images\/guenter-nooke-afrikabeauftragter\/24197968\/2-format43.jpg\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Nooke.jpg\" alt=\"G\u00fcnter Nooke. Quelle: https:\/\/www.tagesspiegel.de\/images\/guenter-nooke-afrikabeauftragter\/24197968\/2-format43.jpg\" width=\"442\" height=\"280\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Nooke.jpg 2048w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Nooke-300x190.jpg 300w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Nooke-1024x649.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 442px) 100vw, 442px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4038\" class=\"wp-caption-text\">G\u00fcnter Nooke. Quelle: https:\/\/www.tagesspiegel.de\/images\/guenter-nooke-afrikabeauftragter\/24197968\/2-format43.jpg<\/p><\/div>\n<p>Hintergrund der Tiraden ist die Antwort auf eine Kleine Anfrage der Gr\u00fcnen-Bundestagsfraktion. Die wollte wissen, ob sich Angela Merkel von Nooke \u201ein Bezug auf den afrikanischen Kontinent sachkundig beraten\u201c f\u00fchle. Die Antwort der Bundesregierung lautet: \u201eJa.\u201c Die Anfrage wiederum war eine Reaktion auf die Berichterstattung \u00fcber ein Treffen Nookes mit Afrikanisten im Februar, auf dem der Diplomphysiker die Rassismusvorw\u00fcrfe und R\u00fccktrittsforderungen der Wissenschaftler kl\u00e4ren wollte. Der Vorgang erhellt ein weiteres Mal sowohl die ideologisch abstruse Entwertung tradierter Erkenntnisse als auch die machtpolitisch instrumentalisierte Interpretation von Geschichte.<\/p>\n<p><strong>\u201eerschreckend paternalistisch\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Nookes Vergehen: In einem <em>BZ<\/em>-Interview hatte er im Oktober 2018 unter anderem erkl\u00e4rt, \u201eAfrika ist anders\u201c, die Gesellschaften seien von \u201eClanstrukturen\u201c und \u201eStammesf\u00fchrern\u201c gepr\u00e4gt. Die Kolonialzeit habe in Afrika dazu beigetragen, \u201eden Kontinent aus archaischen Strukturen zu l\u00f6sen. Experten, auch Afrikaner, sagen: Der Kalte Krieg hat Afrika mehr geschadet als die Kolonialzeit.\u201c Der Satz stammt vom britisch-sudanesischen Unternehmer Mo Ibrahim. Schlie\u00dflich paraphrasierte Nooke Ideen des Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4gers Paul Romer: Vielleicht sei ein afrikanischer Regierungschef bereit, ein Teilterritorium zu verpachten. Dort k\u00f6nnten \u201ein Wirtschaftssonderzonen Migranten angesiedelt werden, unterst\u00fctzt von der Weltbank oder der EU oder einzelnen Staaten\u201c.<\/p>\n<p>Das politische Echo darauf war enorm. Im <em>Tagesspiegel<\/em> w\u00fctete der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat (Linke): \u201eNooke \u00e4u\u00dfert sich wie ein zu sp\u00e4t geborener Kolonialherr. Er geh\u00f6rt unverz\u00fcglich entlassen.\u201c \u201eZu sagen, der Kalte Krieg war schlimmer als die Kolonialzeit, ist absurd\u201c, findet SPD-Vorstand Christoph Matschie (MdB), was Nooke sage, sei \u201eerschreckend paternalistisch\u201c. F\u00fcr Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland verharmlost Nooke \u201enicht nur eins der gr\u00f6\u00dften Menschheitsverbrechen, sondern negiert auch die unmittelbaren Folgen von Kolonialismus, Versklavung und die anhaltende Ausbeutung Afrikas.\u201c Und f\u00fcr Moctar Kamara, Vorsitzender des Zentralrats der afrikanischen Gemeinden in Deutschland, bedient Nooke \u201erassistische Stereotypen\u201c.<\/p>\n<p>Tage sp\u00e4ter fuhr der Fachverband Afrikanistik e.V., ein Wissenschaftlerverein an deutschsprachigen Hochschulen, weitere m\u00e4chtige Gesch\u00fctze auf. Mit \u201ekolonialen Stereotypen und rassistischen Untert\u00f6nen\u201c sei Nooke in dem Interview \u201erechtspopulistischen und rassistischen Positionen\u201c entgegengekommen. \u201eWir fordern die Entlassung von G\u00fcnter Nooke\u201c, lautete die Schlussfolgerung eines offenen Briefs an Merkel und Entwicklungsminister Gerd M\u00fcller des besagten Fachverbands unter dem Vorsitz der Hamburger Juniorprofessorin Raija Kramer.<\/p>\n<p>Das Problem: Merkel gibt sich seit Jahren \u00fcberzeugt, dass Europas Schicksal an Afrika h\u00e4ngt, und will den Kontinent deshalb nach Kr\u00e4ften unterst\u00fctzen. Zentral daf\u00fcr sei die \u201epartnerschaftliche Zusammenarbeit\u201c, die \u201eAugenh\u00f6he\u201c mit den Menschen \u2013 um f\u00fcr Stabilit\u00e4t zu sorgen, die Wirtschaft anzukurbeln und vor allem die Migration einzud\u00e4mmen. \u201eDie wenigsten Migranten aus Afrika sind Fl\u00fcchtlinge. Die meisten suchen ein besseres Leben\u201c, hatte Nooke in dem Interview auch noch nachgelegt.<\/p>\n<div id=\"attachment_4039\" style=\"width: 501px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Nooke1.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4039\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4039\" title=\"G\u00fcnter Nooke und Angela Merkel. Quelle: https:\/\/www.imago-images.de\/imagoextern\/asp\/default\/bild.asp?c=x%B7%9Cl%8E%5F%82Zg%7D%5CZS%BC%C1k%B6T%AB%84o%C4%A8%B8%D1%BE%B0%9E%B2%C7%BCU%82%A0%B3%90%B2%A2L%7B%D3%B1%C0%BA%B4%B0%BF%BAk%A3x%B5r%8A%AA%8Dp%9D%CF%BB%8E%C2%B4%95%BF%D0%C8%9C%AC%C8%D4%B5%90%60%9DS%9A%9F%B3%C8k%8D%AD%C5%A3%AF%5E%A7%93%60G%AC%93%9FJf%B5%8B%B5%CA%C1m%88%9B%98%9F%9F%9CF%AB%94%BC%C4%AD%B6K%995%9E%A1%A6%CEm%95%C6%99%AB%BB%AE%5E%8A%5BkrwTa%82%60%97P%9D%A9%7C%CC%B5%9D%BF%C9\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Nooke1.jpg\" alt=\"G\u00fcnter Nooke und Angela Merkel. Quelle: https:\/\/www.imago-images.de\/imagoextern\/asp\/default\/bild.asp?c=x%B7%9Cl%8E%5F%82Zg%7D%5CZS%BC%C1k%B6T%AB%84o%C4%A8%B8%D1%BE%B0%9E%B2%C7%BCU%82%A0%B3%90%B2%A2L%7B%D3%B1%C0%BA%B4%B0%BF%BAk%A3x%B5r%8A%AA%8Dp%9D%CF%BB%8E%C2%B4%95%BF%D0%C8%9C%AC%C8%D4%B5%90%60%9DS%9A%9F%B3%C8k%8D%AD%C5%A3%AF%5E%A7%93%60G%AC%93%9FJf%B5%8B%B5%CA%C1m%88%9B%98%9F%9F%9CF%AB%94%BC%C4%AD%B6K%995%9E%A1%A6%CEm%95%C6%99%AB%BB%AE%5E%8A%5BkrwTa%82%60%97P%9D%A9%7C%CC%B5%9D%BF%C9\" width=\"491\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Nooke1.jpg 491w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Nooke1-300x195.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 491px) 100vw, 491px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4039\" class=\"wp-caption-text\">G\u00fcnter Nooke und Angela Merkel. Quelle: https:\/\/www.imago-images.de\/imagoextern\/asp\/default\/bild.asp?c=x%B7%9Cl%8E%5F%82Zg%7D%5CZS%BC%C1k%B6T%AB%84o%C4%A8%B8%D1%BE%B0%9E%B2%C7%BCU%82%A0%B3%90%B2%A2L%7B%D3%B1%C0%BA%B4%B0%BF%BAk%A3x%B5r%8A%AA%8Dp%9D%CF%BB%8E%C2%B4%95%BF%D0%C8%9C%AC%C8%D4%B5%90%60%9DS%9A%9F%B3%C8k%8D%AD%C5%A3%AF%5E%A7%93%60G%AC%93%9FJf%B5%8B%B5%CA%C1m%88%9B%98%9F%9F%9CF%AB%94%BC%C4%AD%B6K%995%9E%A1%A6%CEm%95%C6%99%AB%BB%AE%5E%8A%5BkrwTa%82%60%97P%9D%A9%7C%CC%B5%9D%BF%C9<\/p><\/div>\n<p>Dass ausgerechnet Merkels Afrikaberater, ein Ex-DDR-B\u00fcrgerrechtler, dem Kolonialzeitalter \u00f6ffentlich positive Aspekte abgewinnt, ist f\u00fcr die Bundesregierung eine harte Nuss, steht sie bei dem Thema doch unter Beobachtung &#8211; und Zugzwang. Dass die im Koalitionsvertrag versprochene Aufarbeitung deutscher Kolonialverbrechen nicht vorankommt, l\u00f6st ohnehin schon Wut aus bei den Nachfahren der Opfer, etwa in Namibia. Zu \u201ePartnerschaft\u201c und \u201eAugenh\u00f6he\u201c geh\u00f6re eine Anerkennung der deutschen Schuld &#8211; und eine offizielle Entschuldigung, sagen sie. W\u00e4hrend der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Namibia hatten deutsche Truppen ein Massaker unter den dortigen Herero und Nama angerichtet \u2013 das Verbrechen gilt als erster V\u00f6lkermord des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p><strong>\u201evielleicht auch ein anderer Faktenbegriff\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Dann passierte: fast nichts. Schon im Oktober hatte Nooke der <em>S\u00fcZ<\/em> erkl\u00e4rt, es liege ihm fern, \u201edie Verbrechen der Kolonialzeit zu relativieren\u201c. Auf eine parlamentarische Anfrage hin erkl\u00e4rte das Ministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), wo Nooke als Unterabteilungsleiter arbeitet, ein Vergleich von Kolonialzeit und Kaltem Krieg sei unangemessen. Was er seinen Kritikern zubilligte, war das erw\u00e4hnte, presseoffene Gespr\u00e4ch am 13. Februar im BMZ mit neun Wissenschaftlern, bei dem eine eisige Atmosph\u00e4re geherrscht und der von einem Anwalt flankierte Nooke \u201ebeleidigt\u201c gewirkt haben soll. Moderiert wurde das Gespr\u00e4ch vom G\u00f6rlitzer Kulturwissenschaftler Matthias Vogt, einem pers\u00f6nlichen Freund Nookes.<\/p>\n<p>Man redete aneinander vorbei, res\u00fcmierte Ansgar Graw in der <em>Welt<\/em>. So konterte Nooke den Vorwurf, er habe den Stereotyp verbreitet, dass Afrika \u201eanders\u201c sei, damit, es sei nicht seine Auffassung, wenn aus der Feststellung von Unterschieden ein Rassismusvorwurf abgeleitet werde. Au\u00dferdem wollte er wissen, was denn nun an seinen Fakten falsch sei. Der Hamburger Professor J\u00fcrgen Zimmerer r\u00e4sonierte, Nooke h\u00e4tte ja auch positive Beispiele aus Afrika nennen k\u00f6nnen: Kenia etwa sei weltf\u00fchrend beim bargeldlosen Zahlungsverkehr. Dann w\u00e4re das Interview ausgewogener gewesen: \u201eWir als Geisteswissenschaftler haben vielleicht auch einen anderen Faktenbegriff als Sie\u201c. Ein anderer Faktenbegriff, aha. Eine von Nooke vorbereitete Schlusserkl\u00e4rung \u00a0wurde prompt abgelehnt.<\/p>\n<p>Allerdings erhielt Raija Kramer von Nooke ein 13seitiges Gutachten von Vogt. Das enth\u00e4lt eine Sammlung von Komma- und Tippfehlern des Briefs, begleitet von der Kritik, der Protestbrief gegen Nooke sei eine wissenschaftliche Arbeit Kramers mit Plagiaten, Falschangaben und verf\u00e4lschten Daten, und der Empfehlung, Kramers \u201eDienstherrn\u201c zu informieren, den Pr\u00e4sidenten der Universit\u00e4t Hamburg. Das wurde als Drohgeb\u00e4rde gegen die Afrika-Expertin gewertet. \u00a0Die Bundesregierung distanzierte sich jetzt von Vogts Gutachten und will trotz der massiven Kritik an ihm festhalten. Aus ihrer Sicht ist er auch weiterhin ein geeigneter Gespr\u00e4chspartner f\u00fcr afrikanische Regierungen und Organisationen sowie Forscher und wissenschaftliche Einrichtungen.<\/p>\n<p><strong>\u201ebeinahe historische Ank\u00fcndigung\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Abgesehen von der Ungeschicklichkeit des \u201eLausitzer Granitsch\u00e4dels\u201c, wie Vogt Nooke nennt, zeigt der Vorgang zun\u00e4chst, wie in bester sozialistischer Tradition selektive Wahrnehmung betrieben wird und die mit einer Umwertung des Eigenen einhergeht. Europa stehe gegen\u00fcber Afrika in \u201etiefer Schuld\u201c, mahnte Merkel im Januar 2016 in Davos. \u201eWir haben uns in der Kolonialzeit an Afrika vers\u00fcndigt\u201c, verst\u00e4rkte sie Anfang April 2017 ihre Appelle: \u201eWir m\u00fcssen ein bisschen Leidenschaft f\u00fcr die Geschichte Afrikas entwickeln, ansonsten werden wir auch nicht zueinanderkommen.\u201c Zwei Jahre sp\u00e4ter ist sie noch deutlicher: \u201eDer Kolonialismus hatte eine historisch anerkannte, massiv sch\u00e4digende Wirkung auf die Entwicklung in Afrika. Das sollte man nicht relativieren.\u201c Die Bundesregierung bek\u00e4mpfe \u201eRassismus in jeglicher Form\u201c. Wer mit \u201ewir\u201c gemeint ist und aus welchen Gr\u00fcnden zueinander kommen m\u00fcsse, verschwieg sie ebenso wie die Quellen der sch\u00e4digenden Wirkung.<\/p>\n<div class=\"mceTemp mceIEcenter\">\n<div id=\"attachment_4040\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Nooke2.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4040\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4040\" title=\"Vogt und Nooke mit Kamerunern. Quelle: http:\/\/www.taz.de\/picture\/3266471\/624\/foto-nooke-vogt-kamerun.jpeg\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Nooke2-e1558064332188.jpg\" alt=\"Vogt und Nooke mit Kamerunern. Quelle: http:\/\/www.taz.de\/picture\/3266471\/624\/foto-nooke-vogt-kamerun.jpeg\" width=\"555\" height=\"277\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4040\" class=\"wp-caption-text\">Vogt und Nooke mit Kamerunern. Quelle: http:\/\/www.taz.de\/picture\/3266471\/624\/foto-nooke-vogt-kamerun.jpeg<\/p><\/div>\n<\/div>\n<p>Denn ungeachtet aller Feinheiten der \u2013 kurzen \u2013 deutschen \u00a0Kolonialgeschichte: Was heute als \u201eGlobalisierung\u201c gefeiert wird, war zuvor, obwohl dort Nationen fehlten (!), selbstredend falsch, ja sch\u00e4dlich \u2013 denn es gelte, nicht die aktuellen eigenen Interessen zu sehen, sondern von Anbeginn die aller von Kolonialismus Betroffenen, und damit ungeachtet aller Geschichte auf Interessensausgleich hinzuwirken. Jansen\/Osterhammel stellen aber wie andere schon 2013 fest: \u201eEs gibt keine direkte Korrelation zwischen kolonialer Lage, Dekolonisationsprozess und der heutigen Situation von Staaten\u201c.<\/p>\n<p>\u201eWenn jede Form der Auspl\u00fcnderung und Unterdr\u00fcckung eine Form des Kolonialismus darstellt, dann wird der Begriff historisch vollst\u00e4ndig entleert \u2013 der Kolonialismus gewisserma\u00dfen enthistorisiert\u201c, muss selbst die <em>Zeit<\/em> zugeben. Denn es endeten mitnichten Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung, brachte die formale Unabh\u00e4ngigkeit der neuen Staaten \u201eh\u00e4ufig weder Freiheit noch Unabh\u00e4ngigkeit. Vor allem in Afrika hat sich die Situation in manchen L\u00e4ndern sogar versch\u00e4rft.\u201c \u00a0Denn wann, wo und womit beginnt die Verantwortung der einst Kolonisierten?<\/p>\n<p>Der Vorgang zeigt ebenso, dass selektive Wahrnehmung zugleich die selektierten Fakten funktionalisiert. Aus der Idee des Nobelpreistr\u00e4gers Romer der \u201eCharter-Citys\u201c als \u201eSonderverwaltungszentren\u201c wird in Nookes Adaption nat\u00fcrlich ein verdammenswerter R\u00fcckfall in Stereotype, die \u201edie M\u00e4r von der Zivilisationsmission\u201c wieder aufw\u00e4rmten: \u201eals Vorteil f\u00fcr die Kolonisierten wird ausgegeben, was den Kolonisierern nutzt\u201c, bringt Zimmerer in der <em>taz <\/em>ein hermeneutisches Kunstst\u00fcck fertig. Folglich m\u00fcsse Nooke \u201eInvasion und Massenraubmord der Vergangenheit vom Stigma\u201c befreien. Aber die Vergangenheit mit den Ma\u00dfst\u00e4ben der Gegenwart zu messen wird immer ahistorisch sein &#8211; diese Erkenntnis geh\u00f6rte schon in der DDR zum selbstverst\u00e4ndlichen\u00a0 Schulwissen! Sind alle Ossis Rassisten?<\/p>\n<p>Der Vorgang zeigt auch, dass der eigentliche Paternalismus der Bundesregierung zuzuschreiben ist: Merkel sagte nach dem Nooke-Interview eine Milliarde Euro f\u00fcr die F\u00f6rderung privater Investitionen in Afrika zu. \u201eWir wollen hier heute gemeinsam ein deutliches Signal setzen, n\u00e4mlich dass uns an einer guten und gewinnbringenden Nachbarschaft zwischen Afrika und Europa gelegen ist\u201c, erkl\u00e4rte sie vor Top-Managern und afrikanischen Staatschefs. Bei den in Afrika t\u00e4tigen deutschen Unternehmen stie\u00df die Ank\u00fcndigung auf gro\u00dfe Zustimmung. Der Vorsitzende des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, Stefan Liebing, sprach von einer \u201ebeinahe historischen Ank\u00fcndigung\u201c.<\/p>\n<p><strong>\u201eAfrika braucht keine Babysitter\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der Vorgang zeigt weiter, dass an den eigentlichen Belangen der Betroffenen vorbeigef\u00f6rdert und damit vorbeiregiert wird. In den vergangenen 55 Jahren sind weltweit bereits eine Billion Dollar Hilfsgeld allein nach Afrika geflossen. Doch bis heute gibt es nicht gen\u00fcgend Projekte f\u00fcr das vorhandene Geld, erkl\u00e4rt der emeritierte N\u00fcrnberger Finanzexperte Klaus Stocker in der <em>S\u00fcZ<\/em>. Es g\u00e4be<\/p>\n<blockquote><p>\u201estattdessen eine Reihe von Negativbeispielen in rohstoffreichen L\u00e4ndern wie Nigeria, dem Kongo oder auch Angola, deren Einnahmen aus Rohstoffexporten das zigfache des Entwicklungsgeldes betragen und deren Entwicklung dennoch alles andere als positiv verlaufen\u00a0ist.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_4041\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Africa_by_GDP_2002.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4041\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4041\" title=\"Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in US-Dollar (Studie der Weltbank, 2002). Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaft_Afrikas#\/media\/File:Africa_by_GDP,_2002.png\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Africa_by_GDP_2002.png\" alt=\"Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in US-Dollar (Studie der Weltbank, 2002). Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaft_Afrikas#\/media\/File:Africa_by_GDP,_2002.png\" width=\"360\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Africa_by_GDP_2002.png 360w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Africa_by_GDP_2002-275x300.png 275w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4041\" class=\"wp-caption-text\">Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in US-Dollar (Studie der Weltbank, 2002). Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaft_Afrikas#\/media\/File:Africa_by_GDP,_2002.png<\/p><\/div>\n<p>Beispielsweise betrugen 2014 Nigerias \u00d6leinnahmen 85,6 Milliarden Dollar, Migranten \u00fcberwiesen etwa 20 Milliarden Dollar an ihre Familien und Freunde in der Heimat. Dem stand Entwicklungshilfe in H\u00f6he von 2,5 Milliarden Dollar gegen\u00fcber. Obwohl Nigeria damit eines der L\u00e4nder ist, die am meisten Entwicklungsgeld erhalten, sind diese Mittel im Vergleich zu den Einnahmen aus dem \u00d6lgesch\u00e4ft unbedeutend. Trotzdem ist Nigeria noch ein armes Land. Ruandas Pr\u00e4sident Paul Kagame brachte es im Juni 2018 in einem Interview mit der Zeitschrift <em>Jeune Afrique<\/em> auf den Punkt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAfrika braucht keine Babysitter. Je weniger sich die Welt um Afrika k\u00fcmmert, umso besser geht es Afrika.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Verein \u201eAktion Tagwerk\u201c freut sich etwa, dass bundesweit am 18. Juni \u201ewieder hunderttausende Sch\u00fcler, statt die Schulbank zu dr\u00fccken, einen Tag lang jobben\u201c. Der Verdienst soll Bildungsprojekten in sieben afrikanischen L\u00e4ndern, darunter Ruanda, zugutekommen. Den Sch\u00fclern wird suggeriert, sich mit der Aktion w\u00e4hrend der Unterrichtszeit f\u00fcr etwas Edles und Gutes einzusetzen: die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Vorsitzende der Aktion, Nora Weisbrod, m\u00f6chte die Afrikaner \u201eneue Wege lehren, ihre Felder zu bestellen\u201c. Aber wer sich so verh\u00e4lt, weil er den Afrikanern nicht zutraut, dass sie selbst wissen, wie sie ihre Felder bestellen k\u00f6nnen, verh\u00e4lt sich \u2013 zumindest tendenziell \u2013 rassistisch.<\/p>\n<p>\u201eDie schwarze Haut ist armutsfotogen und wird intensiv von Hilfsorganisationen und der Entwicklungshilfeindustrie benutzt\u201c, schreibt Lug Degla aus Benin in seinem Buch \u201eWenn G\u00e4ste bleiben\u201c. Man muss den Afrikanern nicht helfen, weil sie ja ach so arm sind; es w\u00fcrde schon reichen, wenn man sie in Ruhe l\u00e4sst, sagt dem Blog <em>Tichys Einblick<\/em> der Kameruner Filmemacher Jean-Marie T\u00e9no:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEntwicklungshilfeorganisationen haben in vielen F\u00e4llen das freie Unternehmertum zerst\u00f6rt und Afrikaner zu Bettlern gemacht. Wer braucht schon 20-j\u00e4hrige Freiwillige, die beim Brunnengraben helfen? Haben die schon jemals einen Brunnen in ihrer Heimat gegraben? Die wissen nicht einmal, wie ein Brunnen ausschaut.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Und der Vorgang zeigt schlie\u00dflich auch, dass das Gutgemeinte noch schlimmer als das Schlechtgemachte sein kann. So verlangen SPD, Linke und Gr\u00fcne im April, \u201edass Berlin seiner Verantwortung als ehemalige Hauptstadt des Deutschen Kolonialreiches endlich gerecht wird\u201c. In einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung fordern sie konkrete Ma\u00dfnahmen. \u201eRaubkunst\u201c m\u00fcsse zur\u00fcckgegeben werden, meint Frank Jahnke (SPD). Regina Kittler (Linke) pl\u00e4diert f\u00fcr Reparationen, und Daniel Wesener (Gr\u00fcne) schwebt gar \u201eeine zentrale Gedenkst\u00e4tte an die Opfer der deutschen Kolonialverbrechen\u201c vor.<\/p>\n<p>\u201eEs ist seltsam und fast unbegreiflich, mit welcher Inbrunst man jetzt versucht, diese Geschichte hervorzukramen und zu behaupten, man habe noch nicht ausreichend Verantwortung \u00fcbernommen\u201c, \u00e4rgert sich Gunnar Schupelius in der <em>BZ<\/em>. Warum sollten, wie 2018 Kulturstaatsministerin Monika Gr\u00fctters (CDU) in der <em>FAZ<\/em> schrieb, Universit\u00e4ten, Medien und Schulen die deutsche Schuld in der Kolonialzeit hervorheben? Geschichte muss erz\u00e4hlt werden, wie sie war. Ungesch\u00f6nt. Aber nicht verbunden mit einem Schuldbekenntnis der heutigen Generation f\u00fcr eine ferne Zeit in Afrika vor 120\u202fJahren. Ein solches \u201eMahnmal der Schande\u201c wird dann leicht wieder zu einem von Schande-Interpretationen. Und die spalten uns weiter, obwohl wir das Gegenteil von Spaltung brauchen.<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4037&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angela Merkels Afrika-Beauftragter G\u00fcnter Nooke (CDU) steht massiv unter Beschuss: mit \u201ekolonialen Stereotypen\u201c sei er \u201erassistischen Positionen\u201c entgegengekommen. Das ist absurd.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4037"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4037"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4037\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4049,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4037\/revisions\/4049"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4037"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4037"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4037"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}