{"id":4078,"date":"2019-06-23T16:00:56","date_gmt":"2019-06-23T15:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4078"},"modified":"2019-06-22T06:59:30","modified_gmt":"2019-06-22T05:59:30","slug":"elbtal-fliegt-wattenmeer-siegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4078","title":{"rendered":"Elbtal fliegt, Wattenmeer siegt"},"content":{"rendered":"<p>Die Entscheidung am 25.Juni in Sevilla fiel mit 14 zu 5 bei 2 ung\u00fcltigen Stimmen \u00fcberaus eindeutig: Das Dresdner Elbtal verliert den UNESCO-Welterbestatus. \u201eDas ist ein sehr trauriger Moment\u201c, sagte die Pr\u00e4sidentin des Gremiums, Mar\u00eda Jes\u00fas San Segundo, dem <em>SPIEGEL<\/em>. Es sei ein gro\u00dfer Verlust, wenn man das Welterbe aberkenne. Damit ist Dresden nach einem Naturschutzgebiet im arabischen Oman weltweit erst die zweite St\u00e4tte, die von der Liste gestrichen wurde.<\/p>\n<p>Die Aberkennung hatte auch finanzielle Folgen: Dresden erhielt kein Geld mehr aus einem 150 Millionen Euro schweren F\u00f6rderprogramm f\u00fcr deutsche Welterbest\u00e4tten. Doch die Blamage gerade f\u00fcnf Jahre nach der Verleihung des Titels war eine mit Ansage und hatte viel mit der teuersten Stadtbr\u00fccke Deutschlands zu tun: der Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke, die den \u201eLandschaftsraum des Elbbogens an seiner empfindlichsten Stelle irreversibel in zwei H\u00e4lften\u201c teilt, so die UNESCO.<\/p>\n<p>Der Br\u00fcckenstandort war seit dem 18. Jahrhundert umstritten. Denn immer wieder ist es dieselbe Perspektive von der alten Hirschtr\u00e4nke unterhalb der Villa \u201eWaldschl\u00f6sschen\u201c, an der die Schw\u00e4rmer f\u00fcr den Elbtalblick \u2013 neben Malern auch Dichter, Philosophen, Bildhauer, Architekten und Diplomaten \u2013 ihre Loblieder anstimmten und ihre Staffeleien aufstellten. Um eine Bebauung, ja auch nur die Aufstellung von Reklameschildern an diesem Ort zu verhindern, hatten die Dresdner Stadtverordneten noch 1908 die Waldschl\u00f6\u00dfchenwiesen f\u00fcr 400.000 Goldmark aus Privathand angekauft \u2013 und zwar ausdr\u00fccklich mit der Zielsetzung, dass \u201eder einzigartige, herrliche Aussichtspunkt auf die Stadt und ihre Umgebung f\u00fcr alle Zeiten in st\u00e4dtisches Eigentum gebracht und gesichert\u201c werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<div id=\"attachment_4079\" style=\"width: 508px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Luna-AK-Dresden-Neustadt-Restaurant-Waldschloesschen-Terrasse.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4079\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4079 \" title=\"Alte Waldschl\u00f6\u00dfchen-Terrasse. Quelle: https:\/\/www.ansichtskartenversand.com\/shop\/ak\/79\/7985305\/Luna-AK-Dresden-Neustadt-Restaurant-Waldschloesschen-Terrasse.jpg\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Luna-AK-Dresden-Neustadt-Restaurant-Waldschloesschen-Terrasse.jpg\" alt=\"Alte Waldschl\u00f6\u00dfchen-Terrasse. Quelle: https:\/\/www.ansichtskartenversand.com\/shop\/ak\/79\/7985305\/Luna-AK-Dresden-Neustadt-Restaurant-Waldschloesschen-Terrasse.jpg\" width=\"498\" height=\"308\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Luna-AK-Dresden-Neustadt-Restaurant-Waldschloesschen-Terrasse.jpg 623w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Luna-AK-Dresden-Neustadt-Restaurant-Waldschloesschen-Terrasse-300x185.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 498px) 100vw, 498px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4079\" class=\"wp-caption-text\">Alte Waldschl\u00f6\u00dfchen-Terrasse. Quelle: https:\/\/www.ansichtskartenversand.com\/shop\/ak\/79\/7985305\/Luna-AK-Dresden-Neustadt-Restaurant-Waldschloesschen-Terrasse.jpg<\/p><\/div>\n<p>Erst den Nazis blieb es vorbehalten, mit diesem Grundsatz zu brechen: 1937 nahmen sie den Hang am Waldschl\u00f6sschen als Br\u00fcckenstandort in ihren Hauptverkehrsplan auf. Es waren diese Pl\u00e4ne, die in der DDR nach einer Schamfrist Wiederauferstehung feierten und zeitweise in Br\u00fcckenprojekten mit acht Fahrspuren und dem Abriss ganzer Stadtquartiere m\u00fcndeten. Noch kurz vor der Wiedervereinigung wurden dann die Planungen 1989 in einem Architektenwettbewerb konkretisiert. Danach sollte die Elbtalaue an ihrer breitesten Stelle von einer Schr\u00e4gseilbr\u00fccke des Autobahnbaukombinats mit linkselbischem Pylon \u00fcberspannt werden \u2013 ein \u00e4hnliches Bauwerk wurde 2011 elbabw\u00e4rts in Nie-derwartha eingeweiht. Doch die neu gew\u00e4hlten Volksvertreter nahmen die zus\u00e4tzliche Elbquerung nur in ihre Programme auf, verwarfen den Siegerentwurf aber als \u201eanachronistisch\u201c.<\/p>\n<p><strong>\u201enicht besonders hochwertiges Ingenieurbauwerk\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Von diesem Augenblick an datiert das endlose Ringen um eine L\u00f6sung f\u00fcr die Elbquerung, die der Landschaft keine Gewalt antut und den Verkehrsbelangen Rechnung tr\u00e4gt. Eine schicksalhafte Bedeutung kommt dabei der conditio sine qua non zu, die der s\u00e4chsische Wirtschaftsminister Kajo Schommer (CDU) im November 1995 formuliert hatte: Die s\u00e4chsische Landesregierung werde keine andere Flussquerung f\u00f6rdern als eine Br\u00fccke am Waldschl\u00f6\u00dfchen. Damit waren Tunnell\u00f6sungen und auch ein \u201eMehrbr\u00fcckenkonzept\u201c f\u00fcr mehrere kleinere, aber weniger landschaftsbelastende und in der Summe billigere Br\u00fccken von vornherein ausgeschlossen. Artig beschloss der Dresdner Stadtrat im Sommer 1996 den Br\u00fcckenbau am Waldschl\u00f6\u00dfchen. Ein Wettbewerb wurde ausgelobt.<\/p>\n<p>Ein Berliner B\u00fcro setzte sich unter den 27 eingereichten Entw\u00fcrfen durch und gewann den 1. Preis samt 75.000 Mark. Sein Entwurf sah eine Stahlkonstruktion von 635 Metern L\u00e4nge mit einem Bogen in der Spannweite von 145 Metern und einem sich anschlie\u00dfenden Landtunnel von 400 Metern L\u00e4nge vor. Veranschlagt mit 156 Millionen Euro &#8211; 96 Millionen steuert der Freistaat Sachsen zu der Bausumme zu, 46 Millionen muss die Stadt Dresden aufbringen \u2013 sollten es schlie\u00dflich 180 Millionen werden. Im jahrelangen Ringen um Korrekturen sind zuerst zus\u00e4tzliche L\u00e4rmschutzma\u00dfnahmen, dann eine Geschwindigkeitsbeschr\u00e4nkung sowie schlie\u00dflich eine \u201eVerschlankung\u201c der Konstruktion verordnet worden. An der optischen Wirkung des Bauwerks \u00e4nderte sich nichts.<\/p>\n<div id=\"attachment_4080\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke-e1558069931418.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4080\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4080\" title=\"Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke. Quelle: https:\/\/media.tag24.de\/0\/8\/4\/840v1dfqt1n7yy1a.jpg\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke-e1558069931418.jpg\" alt=\"Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke. Quelle:https:\/\/media.tag24.de\/0\/8\/4\/840v1dfqt1n7yy1a.jpg\" width=\"555\" height=\"353\"><\/a><p id=\"caption-attachment-4080\" class=\"wp-caption-text\">Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke. Quelle: https:\/\/media.tag24.de\/0\/8\/4\/840v1dfqt1n7yy1a.jpg<\/p><\/div>\n<p>Parallel wurde das Projekt Welterbe in Angriff genommen und, weil Dresdens rekonstruierte Altstadt mangels Authentizit\u00e4t kaum Welterbe-Chancen hatte, der wohlbegr\u00fcndete Antrag seinerzeit auf die gesamte \u201esich entwickelnde Kulturlandschaft Elbtal\u201c von Schloss \u00dcbigau bis Schloss Pillnitz ausgeweitet: 20 Kilometer Flussufer. Im Juli 2004 war der Antrag erfolgreich. Am 27. Februar 2005 sprechen sich bei einem B\u00fcrgerentscheid knapp 68 Prozent der Dresdner f\u00fcr den Bau in der vorliegenden Form aus. Die UNESCO wird jetzt auf den Entwurf aufmerksam. Im Juli 2006 wurde Dresden ob des Br\u00fcckenentwurfs bereits auf die Rote Liste der gef\u00e4hrdeten Weltkulturst\u00e4tten gesetzt \u2013 prompt stimmte am 10. August der Stadtrat gegen den Bau. Das Land Sachsen dagegen beharrt auf dem Vorhaben.<\/p>\n<p>Bei einer Abstimmungsbeteiligung von 50,8 %, d.h. marginal mehr als der H\u00e4lfte der Stimmberechtigten, hatten an diesem Tag aber weniger als 40 % aller Dresdner daf\u00fcr gestimmt. Erst im Nachhinein erwiesen sich Spreng- und Rechtskraft dieses B\u00fcrgerentscheids. Im Juni 2007 scheitert Dresden vor dem Bundesverfassungsgericht mit einer Klage gegen den vom Freistaat angeordneten Bau: Die Richter bescheinigten dem B\u00fcrgerentscheid einen h\u00f6heren Rang als den v\u00f6lkerrechtlichen Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland aus der von ihr selbst mit entworfenen und 1972 unterzeichneten UNESCO-Konvention. Der Hamburger Architekt Volkwin Marg, damals Juryvorsitzender, spricht im Nachhinein in der <em>WELT <\/em>von einer \u201eoffensichtlichen Manipulation des Wunsches der B\u00fcrger nach besseren Verkehrsverbindungen zu einem Plebiszit f\u00fcr den Br\u00fcckenbau\u201c. Dankwart Guratzsch schrieb in der <em>WELT<\/em> gar von einem \u201eSieg der Autolobby\u201c.<\/p>\n<p>Marg galt sp\u00e4ter als vehementer Verfechter einer Tunnell\u00f6sung. Neben ihm hatten sich auch die Stararchitekten Santiago Calatrava und Sir Norman Foster geweigert, Br\u00fcckenentw\u00fcrfe f\u00fcr die Waldschl\u00f6\u00dfchenquerung vorzulegen. Unter Fachleuten hatte der Entwurf wenig Zustimmung gefunden. Marg spricht von einem \u201enicht besonders hochwertigen Ingenieurbauwerk\u201c, die Landschafts- wie auch die Tiefbauarchitekten der Bundesarchitektenkammer nennen den Entwurf \u201edramatisch schlecht\u201c.<\/p>\n<p><strong>\u201ekeine gute Nachricht\u201c <\/strong><\/p>\n<p>Ankn\u00fcpfend an den von Startrompeter Ludwig G\u00fcttler mit initiierten \u201eRuf aus Dresden\u201c zum Wiederaufbau <strong>f\u00fcr <\/strong>die Frauenkirche von 1990 hatten B\u00fcrgerinitiativen 2007 wiederum mit G\u00fcttler unter dem Titel \u201eErneuter Ruf aus Dresden\u201c eine Schrift <strong>gegen<\/strong> die Errichtung der Br\u00fccke ver\u00f6ffentlicht, um den Welterbestatus zu retten. Er verhallte ungeh\u00f6rt, im November desselben Jahres starteten trotz Mahnungen der Welterbe-H\u00fcter und diverser artenschutzrechtlicher Bedenken die Bauarbeiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_4085\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke3.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4085\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4085\" title=\"Br\u00fcckenprotest in Dresden. Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dresdner_Br%C3%BCckenstreit#\/media\/File:Welterbedemo250307.jpg\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke3-e1558070648768.jpg\" alt=\"Br\u00fcckenprotest in Dresden. Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dresdner_Br%C3%BCckenstreit#\/media\/File:Welterbedemo250307.jpg\" width=\"555\" height=\"416\"><\/a><p id=\"caption-attachment-4085\" class=\"wp-caption-text\">Br\u00fcckenprotest in Dresden. Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dresdner_Br%C3%BCckenstreit#\/media\/File:Welterbedemo250307.jpg<\/p><\/div>\n<p>Ein B\u00fcrgerbegehren gegen die Br\u00fccke und f\u00fcr einen Tunnel, f\u00fcr das bereits 50.000 Stimmen gesammelt worden waren, lie\u00df die s\u00e4chsische Regierung im April 2008 scheitern &#8211; einmalig in der 200-j\u00e4hrigen Geschichte des deutschen Denkmal- und Naturschutzes \u00fcberhaupt, einmalig auch in der Geschichte der UNESCO und des von ihr erfassten Weltkulturerbes. \u201eDer Verlust des Welterbetitels ist verkraftbar\u201c, befand Ministerpr\u00e4sident Georg Milbradt (CDU). Mit Blick auf die verfahrene Situation trat das Dresdner \u201eKuratorium Welterbe\u201c am 20. Juni 2008 zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die \u2013 erwartete \u2013 Entscheidung von Sevilla zog den Schlussstrich unter einen Streit, der weit \u00fcber Sachsens Landeshauptstadt hinaus die deutsche Kulturszene und Gesellschaft aufgew\u00fchlt hatte. Nahezu 20 Berufsgruppen, Spitzenverb\u00e4nde des Kulturlebens, mehrere Bundesminister und Gerichtsinstanzen waren damit befasst, ja sind es teilweise bis heute: Erst im Sommer 2016 entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass der Planfeststellungsbeschluss zum Br\u00fcckenbau teilweise rechtswidrig war, und ordnete erneute Artenschutzpr\u00fcfungen an, setzte daf\u00fcr aber keine Fristen fest.<\/p>\n<p>Noch vier Wochen vor der UNESCO-Entscheidung hatten acht namhafte K\u00fcnstler, darunter G\u00fcnter Grass, Martin Walser und Wim Wenders, Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem offenen Brief zum schnellen Eingreifen aufgefordert. F\u00fcr die acht steht nichts Geringeres als \u201eder Ruf unseres Landes als Kulturnation\u201c auf dem Spiel. \u201eWir bef\u00fcrchten, dass der bisher nicht gestoppte Frevel an einem einzigartigen Kulturerbe wie dem des Dresdner Elbtals vieles von diesem Ansehen zunichtemacht\u201c, schreiben sie.<\/p>\n<p>Umsonst. Mit Blick auf die Kaufbegr\u00fcndung vor 100 Jahren h\u00e4tten sich die Dresdner die aktuelle Begr\u00fcndung selbst geben k\u00f6nnen: \u201eDie Elbwiesen bilden hier eine nahezu hindernisfreie Auenfl\u00e4che mit nur wenigen eingestreuten B\u00e4umen, wodurch sich inmitten der Gro\u00dfstadt Dresden ein einmaliger Eindruck landschaftlicher Weite ergibt, die nur dort zur Wirkung kommen kann, wo sie nicht unmittelbar an Grenzen st\u00f6\u00dft. Dieses eindr\u00fcckliche Landschaftserlebnis wird durch die bogenf\u00f6rmige Kr\u00fcmmung des Talraums verst\u00e4rkt, weil die baulichen Konturen der benachbarten Ortsteile in den Hintergrund treten und sich der Eindruck von unendlicher Landschaft ergibt.\u201c Genau dieses Erlebnis macht der Br\u00fcckenklotz zunichte.<\/p>\n<p>Die Reaktionen fielen entsprechend aus. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sprach im <em>SPIEGEL <\/em>von einem \u201eschwarzen Tag f\u00fcr Dresden und die Kulturnation Deutschland.\u201c Er bedaure sehr, dass es dazu gekommen sei. Es sei mehr als genug Zeit f\u00fcr Sachsen und die Stadt Dresden gewesen, mit der UNESCO zu einem Kompromiss zu gelangen. Schon eine grunds\u00e4tzlich andere Br\u00fcckenl\u00f6sung h\u00e4tte gen\u00fcgt, kritisierte Tiefensee. Die Stadt Dresden m\u00fcsse nun beweisen, \u201edass ihr Bekenntnis zu diesem Kulturdenkmal nicht nur ein Lippenbekenntnis war.\u201c Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hob im selben Blatt ebenfalls den Zeigefinger:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch kann daher nur an L\u00e4nder und Kommunen appellieren, die UNESCO bei Bauvorhaben rechtzeitig zu informieren und zu beteiligen. Dann k\u00f6nnen bereits im Vorfeld Konflikte entsch\u00e4rft werden\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_4084\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke2.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4084\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4084\" title=\"Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke: Einweihung. Quelle: https:\/\/www.golocal.de\/media\/bdf63aec3198a44e042c566e6a6edcd4\/700\/5db961317e633da9.jpg\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke2-e1558070267956.jpg\" alt=\"Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke: Einweihung. Quelle: https:\/\/www.golocal.de\/media\/bdf63aec3198a44e042c566e6a6edcd4\/700\/5db961317e633da9.jpg\" width=\"555\" height=\"370\"><\/a><p id=\"caption-attachment-4084\" class=\"wp-caption-text\">Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke: Einweihung. Quelle: https:\/\/www.golocal.de\/media\/bdf63aec3198a44e042c566e6a6edcd4\/700\/5db961317e633da9.jpg<\/p><\/div>\n<p>Bundesau\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier sagte der <em>S\u00e4chsischen Zeitung<\/em>: \u201eDie Entscheidung des Welterbekomitees ist keine gute Nachricht.\u201c Auch die Deutsche UNESCO-Kommission hat die Streichung des Dresdner Elbtals von der Welterbeliste bedauert. \u201eDie Entscheidung kommt leider nicht v\u00f6llig \u00fcberraschend. Ich h\u00e4tte mir sehr viel mehr Offenheit auf beiden Seiten f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung der Br\u00fcckenpl\u00e4ne gew\u00fcnscht\u201c, erkl\u00e4rte Pr\u00e4sident Walter Hirche (FDP), im <em>SPIEGEL<\/em>. Der s\u00e4chsische Staatssekret\u00e4r im Bundeswirtschaftsministerium, Jan M\u00fccke (FDP), entbl\u00f6dete sich dagegen nicht, den Beschluss mit dem Ausruf \u201eDresden ist Welterbe der Herzen\u201c zu feiern.<\/p>\n<p><strong>\u201eAuszeichnung f\u00fcr ganz Schleswig-Holstein\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ganz anders dagegen ging das Gremium auf derselben Sitzung mit dem deutsch-niederl\u00e4ndischen Gemeinschaftsantrag um, das Wattenmeer zum Welterbe der Menschheit erkl\u00e4ren zu lassen. Dazu geh\u00f6ren das niederl\u00e4ndische Wattenmeer-Schutzgebiet sowie die deutschen Wattenmeer-Nationalparks in Niedersachsen und Schleswig-Holstein: mehr als 9500 Quadratkilometer. Das Komitee w\u00fcrdigte das Gebiet \u201eals eines der gr\u00f6\u00dften k\u00fcstennahen und gezeitenabh\u00e4ngigen Feuchtgebiete der Erde\u201c. Es sei ein einzigartiges \u00d6kosystem mit einer besonderen Artenvielfalt.<\/p>\n<p>\u201eDie Entscheidung des Komitees, den einzigartigen Wert des Wattenmeers als Welterbe anzuerkennen, verleiht den Bem\u00fchungen um die weltweite Vernetzung von Kultur- und Naturerbe neuen Auftrieb\u201c, sagte nun Hirche. Der einzigartige Lebensraum stand nun auf einer Stufe mit Naturwundern wie dem Great Barrier Reef vor Australien, dem Grand Canyon in den USA, den Galapagos-Inseln vor Ecuador oder dem Serengeti-Nationalpark im afrikanischen Tansania.<\/p>\n<p>\u201eDas ist eine Auszeichnung f\u00fcr ganz Schleswig-Holstein\u201c, sagte Ministerpr\u00e4sident Peter Harry Carstensen (CDU) in Kiel. \u201eDie Anerkennung ist eine gro\u00dfe Ehre f\u00fcr die L\u00e4nder an der deutschen Nordseek\u00fcste sowie ein Meilenstein und Ansporn f\u00fcr die gemeinsamen internationalen Bem\u00fchungen f\u00fcr den Schutz des Wattenmeeres.\u201c F\u00fcr Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) wurde mit der UNESCO-Entscheidung der Einsatz der Wattenmeeranrainer zum Schutz dieses einzigartigen und faszinierenden Lebensraumes honoriert.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNaturschutz hat bei uns eine Tradition, die ann\u00e4hernd 100 Jahre zur\u00fcckreicht. Mit der Anerkennung nehmen wir den Auftrag an, dieses Erbe auch f\u00fcr die folgenden Generationen zu erhalten.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass der eine Ministerpr\u00e4sident die K\u00fcste pars pro toto f\u00fcr das ganze Land sprechen l\u00e4sst, w\u00e4hrend der andere seine Landeshauptstadt quasi separiert, l\u00e4sst auf Unterschiede zwischen Ost und West schlie\u00dfen, die 20 Jahre nach der Einheit immer noch deutlich zutage traten. Und anders als die Sachsen brauchten die Nordl\u00e4nder immerhin 18 Jahre vom Bewerbungs- bis zum Anerkennungsbeschluss. Das l\u00e4sst auf die Richtigkeit der Volksweisheit \u201eGut Ding will Weile haben\u201c schlie\u00dfen \u2013 in Dresden war es offenbar ein Schlecht Ding.<\/p>\n<div id=\"attachment_4086\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Welterbe-Wattenmeer.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-4086\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-4086\" title=\"Welterbe Wattenmeer. Quelle: https:\/\/www.wattenrat.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Welterbe-Schild.jpg\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Welterbe-Wattenmeer.jpg\" alt=\"Welterbe Wattenmeer. Quelle: https:\/\/www.wattenrat.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Welterbe-Schild.jpg\" width=\"600\" height=\"435\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Welterbe-Wattenmeer.jpg 600w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Welterbe-Wattenmeer-300x217.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4086\" class=\"wp-caption-text\">Welterbe Wattenmeer. Quelle: https:\/\/www.wattenrat.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Welterbe-Schild.jpg<\/p><\/div>\n<p>Das Beispiel Dresden zeige aber auch, dass man den Schutz dieses Welterbes nicht leichtfertig gef\u00e4hrden d\u00fcrfe, sagte Sander weiter. Das l\u00e4sst auf die Rolle von Demut sowie des Schutzgedankens schlie\u00dfen; eine Rolle, die Eigenschaften wie Selbstverliebtheit, ja Hochn\u00e4sigkeit in ihre Schranken wies \u2013 andernfalls h\u00e4tte ja ein Dialog mit der UNESCO, ja ein wie auch immer gearteter Kompromiss zustande kommen k\u00f6nnen, wie Tiefensee und Naumann konsensual monierten. Vielleicht zeigt der parallele Vorgang aber auch einfach, dass die Dresdner ihre identifikative Sonderrolle schon damals etwas \u00fcberstrapazierten. Daran hat sich bis heute, leider, wenig ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Derzeit versuchen die Dresdner \u00fcbrigens wieder, auf die deutsche Vorschlagsliste f\u00fcr neue UNESCO-Welterbest\u00e4tten zu kommen: mit dem Gartenstadt-Ensemble Hellerau als \u201eLaboratorium einer neuen Menschheit\u201c. Das Unterfangen, als aussichtslos eingesch\u00e4tzt, wurde schon 2014 von der Kultusministerkonferenz zur\u00fcckgewiesen. Ganz anders dagegen der Antrag der Montanregion Erzgebirge\/Kru\u0161noho\u0159\u00ed, der zum Stichtag 1. Februar 2018 im Welterbezentrum in Paris vorlag, wie das Gremium mitteilte. Das Welterbekomitee wird voraussichtlich noch diesen Sommer \u00fcber eine Aufnahme in die Welterbe-Liste entscheiden. Sollten die Dresdner nicht bleibende Imagesch\u00e4den f\u00fcr Sachsen hinterlassen haben, k\u00f6nnte der Antrag sogar erfolgreich sein.<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4078&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowtransparency=\"true\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf einer denkw\u00fcrdigen UNESCO-Jahrestagung wurde vor 10 Jahren dem Elbtal der Welterbestatus aberkannt &#8211; und das Wattenmeer zum Weltnaturerbe ernannt. Naturschutz besiegt Selbstverliebtheit.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4078"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4078"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4078\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4192,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4078\/revisions\/4192"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4078"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4078"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4078"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}