{"id":4374,"date":"2019-10-29T11:34:02","date_gmt":"2019-10-29T10:34:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4374"},"modified":"2019-10-29T13:30:05","modified_gmt":"2019-10-29T12:30:05","slug":"als-klaeranlage-gewissermassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4374","title":{"rendered":"\u201eals Kl\u00e4ranlage gewisserma\u00dfen\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Es war kein so gro\u00dfer Aufreger wie erwartet: Marta Rafael, Witwe\ndes Journalisten Karl Eduard von Schnitzler, gestattete dem vormaligen\nFDJ-Kampfblatt <em>Junge Welt<\/em>, unter dem\nTitel der einstigen Fernsehsendung \u201edie Tradition aufkl\u00e4rerischer Medienkritik\nim Geiste ihres Mannes fortzusetzen\u201c. Die sozialistische Tageszeitung stellt\nseit August zun\u00e4chst monatlich einen Video- und Audio-Podcast mit\nmedienkritischen Inhalten online bereit; sp\u00e4ter soll das Format w\u00f6chentlich\nlaufen. \u201eIn Berlin ersteht die DDR wieder auf\u201c, titelte <em>Bild<\/em> prompt. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Schwarze Kanal\u201c, den das DDR-Fernsehen ab 21. M\u00e4rz 1960 jeden Abend nach dem Montagsfilm 1519 Mal f\u00fcr rund 20 Minuten ausstrahlte, wurde zum Inbegriff der SED-Propaganda. Er zeigte Sendeausschnitte aus dem Westfernsehen, die Schnitzler anschlie\u00dfend sarkastisch im Sinne des DDR-Regimes kommentierte: f\u00fcr die <em>Junge Welt<\/em> \u201eAufkl\u00e4rung \u00fcber die westliche antikommunistische Propaganda\u201c. Schnitzlers erste Worte waren: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p> \u201eDer Schwarze Kanal, den wir meinen, meine lieben Damen und Herren,  f\u00fchrt Unflat und Abw\u00e4sser; aber statt auf Rieselfelder zu flie\u00dfen, wie  es eigentlich sein m\u00fc\u00dfte, ergie\u00dft er sich Tag f\u00fcr Tag in hunderttausende  westdeutsche und Westberliner Haushalte. Es ist der Kanal, auf welchem  das westdeutsche Fernsehen sein Programm ausstrahlt: Der Schwarze Kanal.  Und ihm werden wir uns von heute an jeden Montag zu dieser Stunde  widmen, als Kl\u00e4ranlage gewisserma\u00dfen.\u201c <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"555\" height=\"421\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/3-format43-e1569240463487.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4452\"\/><figcaption>Schnitzler vor Sendungslogo. Quelle: tagesspiegel.de<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Sendung war \u00fcber fast drei\u00dfig Jahre hinweg nicht nur fester Bestandteil des ostdeutschen Fernsehprogramms, sondern ein agitatorisches und politisches Instrument der SED-Machthaber. Der Name Schnitzlers, der die Sendung 1322 Mal moderierte, \u00a0und der Titel \u201eDer Schwarz Kanal\u201c sind untrennbar miteinander verbunden, ebenso wie mit der gesamtdeutschen Geschichte, denn die w\u00f6chentlich ausgestrahlte Sendung hatte mindestens ebenso viele Zuschauer im Westen (wenn nicht noch mehr) als im eigenen Land. Am 30. Oktober 1989 verabschiedete er sich:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p> \u201eIch werde meine Arbeit als Kommunist und Journalist f\u00fcr die einzige  Alternative zum unmenschlichen Kapitalismus fortsetzen. Als Waffe im  Klassenkampf (\u2026) Auf Wiederschauen\u201c. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Sendung war schon einmal im Internet lebendig geworden:\nZum 40. Jahrestag des Mauerbaus hatte das Deutsche Rundfunkarchiv\nPotsdam-Babelsberg Sendemanuskripte und Unterlagen unter <a href=\"www.sk.dra.de\">www.sk.dra.de<\/a>\nzug\u00e4nglich gemacht, wo sie bis heute abrufbar sind. Der Berliner Historiker\nClemens Escher h\u00e4lt die aktuelle Wiederbelebung f\u00fcr wenig originell. Das\n\u201egeraunt Verschw\u00f6rerische\u201c von Moderator Schnitzler habe dessen Sendung\n\u00fcberlebt \u2013 \u201eebenso das Misstrauen gegen westliche Medien und das\nEstablishment\u201c, so Escher in der <em>NWZ<\/em>.\n\u201eDer Antikapitalismus ging und geht dabei eine Melange ein mit dem als\nAntizionismus nur notd\u00fcrftig getarnten Antisemitismus.\u201c Um diese Hintergr\u00fcnde\nsolle jeder wissen, der den \u201eSchwarzen Kanal\u201c reanimiere. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eEntlarvung der\npolitischen Manipulation\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Sendung galt als Antwort auf die zwischen 1958 und 1960 quartalsweise ausgestrahlte ARD-Sendung \u201eDie rote Optik\u201c, in der der Westberliner <em>NDR<\/em>-Studioleiter Thilo Koch anhand von Sendungsausschnitten die DDR-Fernsehpropaganda analysierte: Der Titel war eine Anspielung darauf. Sp\u00e4ter galt das zwischen 1969 und 1988 ausgestrahlte <em>ZDF-Magazin<\/em> mit Gerhard L\u00f6wenthal wegen seiner \u00e4hnlich polarisierenden Wirkung als Pendant. Intention der Sendung war, Multiplikatoren wie &nbsp;Offizieren der NVA, denen der Konsum westlicher Fernsehsendungen untersagt war, Lehrern, Journalisten und interessierten B\u00fcrgern ausgew\u00e4hlte westliche Nachrichten nebst ideologischer Interpretation zu pr\u00e4sentieren: Statt Zahn um Zahn Propaganda um Propaganda. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"555\" height=\"364\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Bild4-e1568990942852.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4379\"\/><figcaption>L\u00f6wenthal mit Sendungslogo. Quelle: dra.de<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Torsten Hampel spricht im <em>Tagesspiegel<\/em> von wortm\u00e4chtigen Monologen, \u201eunterf\u00fcttert mit einem\nhistorischen Wissen, von Preu\u00dfen, Kaiserreich, den beiden Weltkriegen und\nUmst\u00e4nden der beiden deutschen Staatsgr\u00fcndungen \u2013 \u00fcberhaupt einer\nInformiertheit \u00fcber nahezu alles und jeden \u2013, das aus dem heutigen Fernsehen\nnahezu unbekannt ist. Eingewebt aber auch in eine Einsch\u00fcchterung: Wer so viel\nwei\u00df, muss recht haben.\u201c So sollte die \u201esystematische Enth\u00fcllung des menschen-\nund fortschrittsfeindlichen Charakters der imperialistischen Klassenherrschaft\u201d\ndurch eine \u201escheinbare Entlarvung der politischen Manipulation seitens des\nWestfernsehens\u201d geschehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach au\u00dfen hin begr\u00fcndete Schnitzler die aggressive Form der\nAuseinandersetzung mit dem sich \u201eobjektiv ver\u00e4ndernden Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis\nzugunsten des Sozialismus\u201d und der \u201esubjektiv organisierten psychologischen\nKriegsf\u00fchrung des Imperialismus\u201c. Allein diese Begr\u00fcndung entbl\u00f6\u00dft sich bei\ngenauerem Hinsehen als eine Anti-Begr\u00fcndung. Denn wenn sich das\nKr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zugunsten des Sozialismus entwickelt h\u00e4tte, w\u00e4re wohl kaum\neine solch propagandistische Form der medialen Nachrichtenaufbereitung vonn\u00f6ten\ngewesen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die beeinflussende Wirkung seiner Hetztiraden gegen den Westen war Schnitzler nicht nur bewusst, sondern sogar Ziel seiner Agitation. Noch 1985 erkl\u00e4rte er anl\u00e4sslich der Verleihung des Ehrentitels \u201eHeld der Arbeit\u201c, \u201eder Adressat des \u201aSchwarzen Kanals\u2018 ist der DDR-B\u00fcrger. Und die Zuschauer sind Multiplikatoren, die das Gesehene und Geh\u00f6rte auf vielf\u00e4ltige Weise weitertragen &#8211; in Schulen und Versammlungen, in die Zirkel des Partei- und FDJ-Lehrjahres, die es nutzen in pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie dieser Nutzen auszusehen hatte, war eindeutig: Die B\u00fcrger der DDR sollten gegen den Westen aufgestachelt und aggressiv gestimmt werden. Schnitzler betrachtete, das schrieb er sp\u00e4ter auf, \u201eden Journalismus als ein Mittel der Machtaus\u00fcbung\u201c. Ein Schelm, der heute Arges dabei denkt\u2026 Es verwundert nicht, dass bei Facebook seit geraumer Zeit sein Bild mit der \u00dcberschrift \u201eMeckert nicht, ich habe euch jeden Montag gewarnt\u201c kursiert und auf Zustimmung st\u00f6\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"555\" height=\"373\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Sindermann-Ulbricht-Schnitzler-e1569241090378.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4454\"\/><figcaption>Schnitzler, Ulbricht, Sendermann. Quelle: bpb.de<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Sendung wurde zeitweise, vor allem Mitte der 1960er bis Anfang\nder 1970er Jahre, in einigen sozialen Bereichen als eine Art Pflichtveranstaltung\nbetrachtet, so im Politunterricht bei der Armee oder, lehrerabh\u00e4ngig, im Staatsb\u00fcrgerkundeunterricht\nin der Schule. Vor allem im DDR-Bezirk Dresden (umgangssprachlich \u201eTal der\nAhnungslosen\u201c) bot \u201eDer schwarze Kanal\u201c zwar die M\u00f6glichkeit, Ausschnitte aus\nNachrichten von ARD und ZDF zu sehen, doch taugten die nat\u00fcrlich nicht als\nneutrale Informationsquelle, da sie stark gek\u00fcrzt und aus dem Zusammenhang\ngerissen waren. Das Deutsche Rundfunkarchiv wirft Schnitzler vor, durch\nsinnentstellende K\u00fcrzungen von Szenen und speziell geordnete Abfolgen von\nAusschnitten Aussagen manipuliert zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201everschmilzt die\nPrivatperson mit dem Moderator\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist klar, dass Sendung und Moderator auch politisch nicht\nzu trennen waren: \u201eNiemals wird im demokratischen Rundfunk ein Volksfeind, ein\nFriedensfeind Gelegenheit haben, die Redefreiheit zu missbrauchen. (\u2026) Und\ndarum k\u00f6nnen wir auch nicht objektiv sein, sondern wir sind parteiisch\u201d, sagte\nSchnitzler zur Feier des zehnj\u00e4hrigen Bestehens des DDR-Rundfunks. Den Vorwurf,\ner sei ein parteikonfomer Journalist gewesen, der im Grunde genommen immer auf\nder Regierungslinie gelegen habe, kontert er lapidar mit der Tatsache, dass\nsich seine Auffassung lediglich mit der Linie seiner Partei und Regierung\ngedeckt habe. Allerdings deckte Regina M\u00f6nch in der <em>FAZ<\/em> auf, dass Schnitzler abh\u00e4ngig von der jeweiligen politischen\nGro\u00dfwetterlage weisungsgebunden agieren musste: So war er zur Zeit der Anbahnung\ndes Milliardenkredits 1983 gehalten, sich wegen der Darstellung des bisherigen\nLieblingsfeindes Franz Josef Strau\u00df (CSU) als \u201eKommunistenfresser\u201c\nzur\u00fcckzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der am 28. April 1918 in Berlin geborene Sohn eines preu\u00dfischen Legationsrats erz\u00e4hlte gern, dass er das Adelspr\u00e4dikat bei Gr\u00fcndung der DDR ablegen wollte, aber von Walter Ulbricht hierzu mit den Worten \u00fcberredet worden ist: \u201eDu bist wohl verr\u00fcckt, die Leute sollen wissen, woher man \u00fcberall zu uns kommt.\u201c Schnitzlers Gro\u00dfmutter war eine au\u00dfereheliche Tochter des \u201e99-Tage-Kaisers\u201c Friedrich III., er selbst mithin ein Urenkel des Kaisers. Welchen Stellenwert diese Verwandten im Dritten Reich innehatten, schilderte von Schnitzler in einem Interview: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p> \u201eMein Vetter, Dr. Georg von Schnitzler, war Verkaufsdirektor des  IG-Farbenkonzerns. Seine Unterschrift steht unter den Liefervertr\u00e4gen  Zyklon-B, des Giftgases f\u00fcr die Konzentrationslager; und ich habe noch  ein paar von der Sorte.\u201c <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"555\" height=\"370\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/3-format43-1-e1569242192817.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4455\"\/><figcaption>Schnitzler-Protest 1989. Quelle: bundesregierung.de<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bereits mit 14 trat Schnitzler in die Sozialistische\nArbeiter-Jugend ein und begann sich entgegen seiner famili\u00e4r gutsituierten\nAusgangslage mit dem Kommunismus zu besch\u00e4ftigen. Er brach 1937 nach zwei\nSemestern ein Medizinstudium ab, lernte in K\u00f6ln Kaufmann und wurde 1939\neinberufen. Zweimal verwundet und einmal wegen antinazistischer Propaganda mit\ndem Strafbataillon 999 im Afrikafeldzug eingesetzt, kam er 1944 in britische\nKriegsgefangenschaft, wo er als verantwortlicher Redakteur f\u00fcr die t\u00e4gliche <em>BBC<\/em>-Sendung \u201eHier sprechen deutsche\nKriegsgefangene zur Heimat\u201d ab 10. Juni Propagandaarbeit f\u00fcr die Briten\nleistete. \u201eVon diesem Tag an verschmilzt die Privatperson mit dem Moderator\nbzw. Kommentator von Schnitzler\u201c, erkl\u00e4rt sein Biograph Horst R\u00f6rig.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Juni 1945 schickten ihn die Engl\u00e4nder zum damaligen <em>NWDR<\/em>. Dort zuerst als Kommentator t\u00e4tig,\nwurde der \u00fcberzeugte Kommunist am 1. Januar 1946 als erster amtierender\nIntendant und Leiter der politischen Abteilung in K\u00f6ln eingesetzt. Am Anfang\nwegen seiner Arbeit in London und seiner \u201esauberen\u201c Denkweise als Journalist\ngesch\u00e4tzt, urteilte der britische Chief Controller des <em>NWDR<\/em>, Hugh Carleton Greene, r\u00fcckblickend \u00fcber ihn: \u201e\u2026er war ein\nguter Rundfunkpublizist und ein gescheiter Kopf, den ich nicht unbedingt verlieren\nwollte.\u201c Als er mit der britischen Besatzungsmacht auf Grund seiner extrem\nlinken Denk- und Arbeitsweise in unl\u00f6sbaren Konflikt geriet, wurde Schnitzler im\nFr\u00fchjahr 1947 fristlos entlassen. Logische Folge war seine Emigration nach\nOst-Berlin, wo er von Michael Storm, dem journalistischen Pseudonym des sp\u00e4teren\nAuslands-Spionagechefs Markus Wolf, beim <em>Berliner\nRundfunk<\/em> empfangen wurde. Wahrscheinlich \u00fcber diese Beziehungen wurde\nSchnitzler nach eigenen Angaben sofort Festangestellter. <\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst leitete er neben seiner Kommentatorent\u00e4tigkeit die Diskussionsrunde \u201eTreffpunkt Berlin\u201c mit westlichen Journalisten und dreht Dokumentarfilme, bevor er mit dem \u201eSchwarzen Kanal\u201c auf Sendung geht. Rasch zum Chefkommentator berufen, bezeichnete er sp\u00e4ter den 18-j\u00e4hrigen Maurergesellen Peter Fechter, der bei einem unbewaffneten Fluchtversuch am Checkpoint Charlie vor laufender Kamera verblutete, als \u201eeinen angeschossenen Kriminellen\u201c. Nicht allein der kommunistische Gedanke war richtungsweisend f\u00fcr seinen agitativen \u201eJournalismus\u201c, sondern auch seine Verachtung der westlichen &#8211; seiner Meinung nach imperialistischen und kapitalistischen &#8211; Gesellschaftsformen, im Besonderen der Westdeutschlands. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"555\" height=\"248\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/fleischhauer-e1568992327281.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4380\"\/><figcaption>Auch ein &#8222;schwarzer Kanal&#8220;. Quelle: freitag.de<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>So gab er kurz nach der Einstellung seiner Sendung als Anspruch an seine Arbeit in der <em>Stuttgarter Zeitung<\/em>, an, \u201eer habe immer nur zur \u201aHygiene im \u00c4ther\u2018 beitragen wollen, um der \u201aHetze\u2018 der westlichen Medien gegen den Sozialismus und speziell den auf deutschem Boden etwas entgegenzusetzen\u201c. R\u00f6rig nannte das eine \u201e\u00fcberzeugte Verblendung\u201c. Die AfD Niedersachsen hat inzwischen vorgeschlagen, einen \u201eKarl-Eduard-von-Schnitzler-Preis\u201c an Redaktionen zu verleihen, in denen gegen journalistische Prinzipien versto\u00dfen, das Trennungsprinzip von Sachberichterstattung und Meinung nicht realisiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eNervens\u00e4ge der\nNation\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Resonanz in der Bev\u00f6lkerung gab Schnitzler zu Anfang mit\n50% und mehr Einschaltquote an, die wegen schwindendem Interesse sich dann bei\nrund 30% eingependelt habe. Dabei f\u00e4llt zus\u00e4tzlich ins Gewicht, dass in den\nersten Jahren lediglich ein bzw. zwei Programme zur Verf\u00fcgung standen und die\nEinschaltquoten in der DDR niemals offiziell bekannt waren. Eine objektive\nBewertung dieser Zahlen ist also nicht m\u00f6glich. Auch die Aussage von\nSchnitzlers, er \u201ehabe nie 3% gehabt wie Herr H\u00f6fer in seinem \u201aFr\u00fchschoppen\u2018\nmittags um zw\u00f6lf. Mit 3% Prozent gibt es bei uns keine Sendung, die w\u00e4re\nabgesetzt worden\u201d, ist vorsichtig zu betrachten. In jedem Fall nahm die\nSehbeteiligung rapide ab: Ende der 1970er Jahre waren es kaum noch zweistellige\nWerte, die kontinuierlich mit durchschnittlichen Quoten um drei bis f\u00fcnf\nProzent bis zur Einstellung sanken.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt geh\u00f6rte der in der Bev\u00f6lkerung \u201eSudel-Ede\u201c titulierte zu den meistgehassten Systemvertretern. So wurde auf Demonstrationen 1989 gefordert: \u201eSchnitzler weg von Bild und Ton, der besudelt die Nation!\u201c, oder \u201eVersetzt die alte L\u00fcgensau schnellstens in den Tagebau\u201c, oder \u201eSchnitzler weg \u2013 L\u00fcgendreck\u201c. Der <em>Spiegel<\/em> nannte ihn \u201eNervens\u00e4ge der Nation\u201c und kommentierte: \u201eNeben dem Unterangebot an S\u00fcdfr\u00fcchten war es das \u00dcberangebot an Schnitzler-Kommentaren, das die Leute 1989 auf die Stra\u00dfen trieb.\u201c Denn noch im Fr\u00fchherbst polemisierte er in gewohnt ungehobelter, arroganter und \u00fcberlegenheitsschwangerer Art gegen die westliche Welt, ohne auch nur im geringsten die Zeichen der Zeit im eigenen Land zu erkennen. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ihn war die B\u00fcrgerbewegung in der DDR vom Westfernsehen organisiert, um die Struktur des ostdeutschen Staates von innen auszuh\u00f6hlen. Nachdem bei den Montagsdemonstrationen seine Absetzung gefordert worden war und ihn das SED-Blatt <em>Neues Deutschland<\/em> als \u201eNessie-\u00e4hnliches Fossil\u201c geschm\u00e4ht hatte, war die Absetzung der Sendung folgerichtig. Einem Parteiausschlussverfahren kam er mit seinem Austritt zuvor und ging in die DKP.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"555\" height=\"247\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Grab1-g-e1569240987301.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4453\"\/><figcaption>Schnitzlers Grab. Quelle: in-berlin-brandenburg.com<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach dem Ende der DDR war Schnitzler Kolumnist, darunter der Satirezeitschrift <em>Titanic<\/em>, und Autor. 1994 ver\u00f6ffentlicht er die Schrift \u201eProvokation\u201c, die mit dem Satz beginnt: \u201eDie Deutsche Demokratische Republik war das Beste, was in der Geschichte den Deutschen, den V\u00f6lkern Europas und der Welt aus Deutschland begegnet ist\u201c. Der in der DDR vielfach geehrte, viermal verheiratete kalte Krieger \u2013 aus seiner zweiten Ehe ging die Schauspielerin Barbara Schnitzler hervor \u2013 erlag am 20. September 2001 in Zeuthen einer Lungenentz\u00fcndung. Als ein \u201ePh\u00e4nomen\u201c bezeichnet ihn R\u00f6rig: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p> \u201eDie teilweise Unm\u00f6glichkeit, seiner Gedankenf\u00fchrung rationales  Verst\u00e4ndnis entgegenzubringen, mindert dabei nicht die Faszination  seiner Person.\u201c  <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dieser Faszination erlagen etwa vier Hamburger Punkrocker namens \u201eDer Schwarze Kanal\u201c. Daraus ging die Intellektuellenband \u201eBlumfeld\u201c hervor, die sich 2004 in einem \u201eManifest\u201c von jedem K\u00fcnstler distanzierte, der \u201ees billigend in Kauf nimmt, die in deutschem Namen begangenen Verbrechen und (Un-) Taten der Vergangenheit und Gegenwart zu ignorieren und vergessen zu machen, um seine Zielgruppe zu erreichen.\u201c Und ihr erlag auch der Journalist Jan Fleischhauer, der achteinhalb Jahre lang \u201eunter unz\u00e4hligen Aufforderungen an die Chefredaktion, dem Autor zu k\u00fcndigen\u201c, 438 konservative<em> Spiegel<\/em>-Kolumnen namens \u201eDer schwarze Kanal\u201c schrieb. Sowohl die Kolumne als auch die Erg\u00fcsse des Namensgebers gibt\u2019s heute wieder: erstere neuerdings im <em>Focus<\/em>, zweitere im Onlineshop des <em>RBB<\/em>. Hier kann der geneigte Kunde eine 6er-DVD-Box \u201eDer schwarze Kanal\u201c erwerben und sich an den messianischen Tiraden erg\u00f6tzen. Oder erschrecken, je nach Perspektive.<\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4374&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer schwarze Kanal\u201c mit dem Adelsspro\u00df Karl Eduard von Schnitzler war das Propagandaformat des DDR-Fernsehens. Vor 30 Jahren lief es letztmals \u2013 und feiert nun wieder fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4374"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4374"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4478,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4374\/revisions\/4478"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}