{"id":4660,"date":"2020-01-06T10:51:08","date_gmt":"2020-01-06T09:51:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4660"},"modified":"2019-12-29T11:27:04","modified_gmt":"2019-12-29T10:27:04","slug":"schoepfer-des-abendlands","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4660","title":{"rendered":"Sch\u00f6pfer des Abendlands?"},"content":{"rendered":"\n<p>Manchmal entwickeln Begriffe ein Eigenleben und trennen sich aus\nvielerlei Gr\u00fcnden von den Personen, mit denen sie eine kausale Einheit bilden. So\nberuhte der \u201eSputnikschock\u201c von 1957, der die erst entsetzten emotionalen,\nsp\u00e4ter emsigen wirtschaftlichen Reaktionen vor allem der USA auf den Start des\nersten k\u00fcnstlichen Satelliten beschreibt, auf dem R\u00fcstungsprogramm des\nsowjetischen Staatschefs Nikita Chruschtschow, der heute kaum noch pr\u00e4sent ist.\n<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliches gilt f\u00fcr das \u201eAbendland\u201c. Folgt man dem Berliner Historiker Wolfgang Benz, der den Begriff in der <em>Welt<\/em> als Wertegemeinschaft definiert, die \u201edie griechisch-r\u00f6mische Philosophie mit christlichem Denken verbindet und den Eindruck erweckt, als habe sich die Antike im Christentum vollendet\u201c, dann ist er untrennbar mit Kaiser Theodosius I., genannt \u201eder Gro\u00dfe\u201c, verbunden: er erlie\u00df am 27. Februar 380 das Dekret \u201eCunctos populos\u201c, in dem sich \u201edie j\u00fcdisch-christlichen Wurzeln mit der griechisch-r\u00f6mischen Antike verbanden und eine bis heute wirkende Symbiose eingingen\u201c, wie Matthias von Hellfeld auf <em>DW online<\/em> schreibt. Der au\u00dferhalb von Fachkreisen heute kaum noch bekannte letzte Kaiser des r\u00f6mischen Gesamtreichs starb vor nunmehr 1625 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"406\" height=\"455\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/S\u00e4Z-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4663\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/S\u00e4Z-4.jpg 406w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/S\u00e4Z-4-268x300.jpg 268w\" sizes=\"(max-width: 406px) 100vw, 406px\" \/><figcaption>Theodosius. Quelle: https:\/\/www.heiligenlexikon.de\/BiographienT\/Theodosius_I_der_Grosse.html<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Seine Regierungszeit war f\u00fcr das Imperium Romanum mit entscheidenden\nVer\u00e4nderungen verbunden. Der \u201eGotenfreund\u201c siedelte erstmals eine Gruppe von\nBarbaren &#8211; die Goten unter Alarich \u2013 als autonomen Verband auf dem Boden des\nReiches an, erhob das Christentum zur Staatsreligion, erlie\u00df Gesetze gegen das\nHeidentum und die christliche H\u00e4resie und verwirklichte nach einem B\u00fcrgerkrieg\nein letztes Mal die auch faktisch gegebene Einheit des Imperiums. Nach seinem\nTod am 7. Januar 395 in Mailand f\u00fchrte die Aufteilung des Reiches unter seine\nbeiden S\u00f6hne zur endg\u00fcltigen Trennung in ein Westr\u00f6misches und ein Ostr\u00f6misches\nReich, die von den Zeitgenossen allerdings nie als solche wahrgenommen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Milit\u00e4rische\nLaufbahn unter Einfluss des Vaters<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geboren wurde er am 11. Januar 347 im spanischen Cauca, einer\nunbedeutenden kleinen Stadt in der nordwestlichen spanischen Provinz Galaecia,\nwo sein Vater, der ebenfalls Flavius Theodosius hie\u00df und ein erfolgreicher\nMilit\u00e4r unter Kaiser Valentinian I. war, gr\u00f6\u00dfere Besitzungen hatte. Seine\nGro\u00dfeltern v\u00e4terlicherseits waren ebenso nicaenisch-orthodoxe Christen wie sein\nVater und er selbst. Er hatte einen Bruder, Honorius, dessen Tochter Serena er\nsp\u00e4ter adoptierte. Seine Kindheit verbrachte er in der spanischen Heimat. Obwohl\ner aufgrund seiner gehobenen Herkunft eine standesgem\u00e4\u00dfe Erziehung erhalten\nhaben d\u00fcrfte, ist \u00fcber seinen Bildungsweg kaum etwas bekannt. Er soll\nallerdings Interesse an geschichtlichen Studien gezeigt haben und auch sonst\nsehr aufgeschlossen, wenn auch etwas unstet \u2013 manche vermuten gar\nmanisch-depressiv \u2013 gewesen sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Er schlug er eine milit\u00e4rische Laufbahn ein, ist ab 368 im Gefolge seines\nVaters zu finden und nahm mit ihm an den Feldz\u00fcgen in Britannien 368\/369 teil,\nan dem Feldzug gegen die Alemannen 370 am Rhein, wo sein Vater der\nReiterei der Hofarmee kommandierte, und 372\/373 im Donauraum an dem gegen die iranischen\nReiterst\u00e4mme der Sarmaten, die mit der beginnenden V\u00f6lkerwanderung aus dem\nOsten eindrangen und bereits in den Historien des Herodot erw\u00e4hnt wurden. Parallel\ndazu wurde er vermutlich durch den Einfluss des Vaters zum dux Moesiae\nsuperioris bef\u00f6rdert \u2013 eine Art Grenztruppenkommandeur, womit ihm eine eigene\nMilit\u00e4rprovinz auf dem Balkan unterstand, die im Wesentlichen deckungsgleich\nmit Serbien s\u00fcdlich der Donau und dem Kosovo war, erg\u00e4nzt um einen schmalen Streifen\nim Norden Mazedoniens. 373 wurde der Vater nach Afrika abberufen, er selbst\nschlug im Jahr darauf die Sarmaten in Pannonien und bewies damit seine Befehlshaber-Qualit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Jahr 376 bildete eine Z\u00e4sur. Sein Vater, der in Afrika den Usurpator Firmus unterwerfen sollte, wurde trotz Selbstmords desselben in einer Palastintrige \u2013 wohl zu Unrecht \u2013 des Hochverrats angeklagt und hingerichtet. Theodosius, inzwischen eine stattliche Erscheinung mit blondem Haar und Hakennase, zog sich auf seine heimatlichen Besitzungen zur\u00fcck, heiratete Aelia Flacilla, eine Frau aus dem spanischen Provinzadel, die seine S\u00f6hne Arcadius und Honorius zur Welt brachte, widmete sich der Verwaltung seiner G\u00fcter und konnte kaum mehr damit rechnen, je wieder im Milit\u00e4rdienst aktiv zu werden. Doch er hatte die Rechnung ohne die Schlacht von Adrianopel, dem heutigen t\u00fcrkischen Edirne, am 9. August 378 gemacht. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"490\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Gold-medal-of-the-Roman-emperor-Valens-1024x490.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4664\"\/><figcaption>Kaiser Valens. Quelle: https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article147308311\/Roms-entscheidende-Niederlage-gegen-die-Germanen.html#cs-lazy-picture-placeholder-01c4eedaca.png<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In dieser Schlacht fiel der ostr\u00f6mische Kaiser Valens gegen die so\ngenannte Dreiv\u00f6lker-Konf\u00f6deration mit den Goten an der Spitze. Angeblich standen\nsich 30.000 R\u00f6mer und 25.000 Goten gegen\u00fcber; gesch\u00e4tzt zwei Drittel der R\u00f6mer\nfielen. Gratian, der Kaiser des r\u00f6mischen Westreiches, f\u00fcrchtet um seine\nHerrschaft, holt Theodosius aus Spanien zur\u00fcck und unterstellt ihm das Heer &#8211;\nsein Mitkaiser Valentinian II. war noch ein Kind. Anfangs nur Heermeister \u00fcber\nIllyrien, wird Theodosius am 19. November 379 von Gratian zum Mitkaiser erhoben,\nerh\u00e4lt Dakien und Makedonien in S\u00fcdosteuropa sowie die orientalische Provinz. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cuius regio\neius religio<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was Theodosius von seinen Vorg\u00e4ngern unterschied, war weniger sein christlicher Glaube als vielmehr seine dezidierte Hervorhebung der Katholizit\u00e4t: Die meisten christlichen Kaiser vor ihm hatten mit dem Arianismus sympathisiert, der die Wesensgleichheit von Gott\/Gott-Vater und Sohn bestritt. Theodosius hingegen unterzeichnete in Thessaloniki in Gegenwart von Valentinian II. und Gratian das Dekret Cunctos populos, mit dem das Christentum zur Staatsreligion erkl\u00e4rt und die Aus\u00fcbung heidnischer Kulte unter Strafe gestellt wurden. Das nic\u00e4nische Christentum wurde f\u00fcr ma\u00dfgeblich erkl\u00e4rt: als wahrer, katholischer Christ k\u00f6nne nur gelten, wer die Religion bekenne, die der Apostel Petrus den R\u00f6mern \u00fcberliefert habe. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"744\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/S\u00e4Z-5-744x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4665\"\/><figcaption>Titelblatt des Dekrets. Quelle: https:\/\/historybytez.com\/2016\/02\/27\/380-edict-of-thessalonica\/<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Daher gelte, \u201edass wir also an die eine Gottheit des Vaters und des\nSohnes und des Heiligen Geistes bei gleicher Majest\u00e4t und heiliger\nDreifaltigkeit glauben\u201c. Alle anderen sollten als H\u00e4retiker gelten. Zus\u00e4tzlich\nberief Theodosius, um den seit 325 andauernden Streit und die drohende Glaubensspaltung\nzwischen Trinitariern und Arianern zu beenden, 381 das 1. Konzil von\nKonstantinopel (das 2. \u00f6kumenische Konzil) ein \u2013 dazwischen hatten bereits achtzehn\nKonzile stattgefunden, die sich alle der Aufgabe verschrieben hatten, ein\ndrohendes Schisma zu verhindern. In Konstantinopel verwarfen 150 Bisch\u00f6fe\nnochmals den Arianismus und formulierten die endg\u00fcltige, bis heute bestehende\nFassung des Nic\u00e4ischen Glaubensbekenntnisses. <\/p>\n\n\n\n<p>Theodosius\u2018 Dekret wird bis heute ambivalent interpretiert. Zum einen kann\nes tats\u00e4chlich als erste staatlich reglementierte Verbindung von Antike und\nChristentum gelten, die schlie\u00dflich in den Jahrhunderte sp\u00e4ter etablierten\nBegriff des \u201eAbendlands\u201c m\u00fcnden sollte. Zum anderen aber begann damit der \u201eSiegeszug\neines zwangsweise geeinten Christentums\u201c, erkl\u00e4rt der Althistoriker Rolf\nBergmeier im <em>Humanistischen Pressedienst<\/em>.\nDenn mit rund sechzig weiteren Edikten baut Theodosius in rascher Folge\n\u201eCunctos populos\u201c zu einem m\u00e4chtigen \u201eWerkzeugkasten\u201c aus, mit dessen Hilfe\njede religi\u00f6se Konkurrenz ausgeschaltet wurde: \u201eDreiundzwanzig Edikte sind\ndirekt gegen die abweichenden christlichen Konfessionen gerichtet, dreizehn\ngegen die Heiden und sechs gegen die Juden.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVon nun an hie\u00df Christ sein katholisch glauben\u201c, bilanziert Bergmeier. \u201eDas\nheutige Christentum wurde par ordre de mufti in das heidnische, j\u00fcdische und\nh\u00e4retische Volk hineingepr\u00fcgelt und die Allianz aus Kirche und Herrscher wurde\nzur Staatskirche erkl\u00e4rt. \u201aCuius regio eius religio \u2013 wem das Land geh\u00f6rt, der\nbestimmt die Religion\u2018 betritt die Weltb\u00fchne.\u201c Freilich wird von der Forschung\ninzwischen bezweifelt, ob die entsprechenden Erlasse des \u201eWerkzeugkastens\u201c wirklich\nw\u00f6rtlich zu nehmen sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegenteil: Offenbar wurden sie weder wahrgenommen noch durchgesetzt, da\nerst Kaiser Justinian 150 Jahre nach Theodosius wirklich entschlossen und\ntatkr\u00e4ftig gegen die letzten Altgl\u00e4ubigen vorging und die letzten offiziell\ngeduldeten Tempel schlie\u00dfen lie\u00df. Allerdings verbot Theodosius am Ende\nseiner Amtszeit tats\u00e4chlich alle heidnischen Kulte und ihre Aus\u00fcbung, im Jahr\nvor seinem Tod gar die Olympischen Spiele, und schloss auch die Platonische\nAkademie in Athen. \u201eIn den kommenden Jahrhunderten wurden unter dem Kreuz der\nChristen nicht nur die Armen gespeist, sondern auch die Kritiker und Abweichler\nim Namen des Herrn ermordet\u201c, lautet Hellfelds Bilanz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufschwung\nKonstantinopels <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Energisch k\u00fcmmert sich Theodosius um die Sicherung seines Herrschaftsbereichs, reorganisiert zun\u00e4chst aus Thessaloniki die Armee und nimmt deren Barbarisierung in Kauf. Er geht zun\u00e4chst zwar erfolgreich ab 380 gegen die Goten auf dem Balkan vor, erlitt jedoch schlie\u00dflich eine Niederlage und bekommt von Gratian zwei seiner erfahrensten Gener\u00e4le \u00fcberlassen, darunter Arbogast, der sich als Danaergeschenk entpuppen sollte. Gegen Jahresende erkrankte Theodosius so schwer, dass er sich daraufhin taufen lie\u00df \u2013 schon als Kind getauft zu werden war in der damaligen Zeit nicht \u00fcblich. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/S\u00e4Z-6.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4668\"\/><figcaption>Solidus mit Theodosius&#8216; Bildnis. Quelle: https:\/\/www.ma-shops.de\/vossen\/item.php?id=910<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>382 brachte er die Goten dazu, mit ihm einen Vertrag zu schlie\u00dfen, durch\nden sie zu so genannten \u201eFoederati\u201c wurden: Sie durften zwar s\u00fcdlich der\nunteren Donau siedeln, mussten aber Rom Waffenhilfe leisten. Dieser\nGotenvertrag war ein Wendepunkt in der r\u00f6mischen Geschichte. Bisher waren\nbesiegte Germanen zwar als \u201eDediticii\u201c aufgenommen worden, hatten aber keine\nRechte. Das foedus sorgte jedoch daf\u00fcr, dass die angesiedelten Goten frei und\nautonom waren. Sie dienten demnach zwar in Kriegszeiten, allerdings unter\neigenen F\u00fchrern, und wurden zus\u00e4tzlich hoch besoldet. Trotz hoher Kosten st\u00e4rkt\ndieser Vertrag die Wehrkraft Roms. 383 machte er seinen Sohn Arcadius zum\nAugustus Ostroms, Honorius 10 Jahre sp\u00e4ter zu dem Westroms.<\/p>\n\n\n\n<p>383 aber wurde auch General Magnus Maximus in Britannien zum Augustus\nerhoben: von seinen eigenen Truppen, die unzufrieden waren, weil sich Gratian lieber\nmit Alanen als mit r\u00f6mischen Offizieren umgab. Gratians Truppen liefen bei Paris\nzu Maximus \u00fcber; Gratian selbst wurde ermordet. Theodosius lie\u00df den Rivalen vorerst\ngew\u00e4hren: In einer Reichsteilung erhielt Valentinian II. Italia und Africa, den\nRest Maximus. So hatte er Zeit, sich der Verwaltung des Ostens zu widmen.\nObwohl man ihm keine Vers\u00e4umnisse vorwerfen kann, gelang ihm keine\ndurchschlagende Reform des Steuerwesens, auch die Korruption vermochte er kaum einzud\u00e4mmen.\nAllerdings erlebte Konstantinopel einen lebhaften Aufschwung und wurde\nendg\u00fcltig zum Zentrum des Ostreichs: die Bev\u00f6lkerung stieg auf ca. 250.000\nMenschen an.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Tod von Aelia Flacilla heiratete Theodosius 387 Galla, die\nSchwester von Valentinian II., die ihm noch eine Tochter gebar und wenige\nMonate vor ihm starb. Im selben Jahr schloss er nach jahrelangen Verhandlungen\neinen Vertrag mit dem Sassanidenreich \u00fcber das stets umstrittene Armenien: etwa\n1\/5 des Landes erhielt Rom, den Rest Persien. Damit gab Theodosius zwar den\njahrhundertealten r\u00f6mischen Anspruch auf Armenien auf, sorgte aber f\u00fcr Ruhe an\nder sonst immer bedrohten Ostgrenze. Daf\u00fcr wurde es im Innern wieder turbulent:\nals Maximus 388 doch in Italien einf\u00e4llt und Valentinian II. zu Theodosius\nflieht, schl\u00e4gt der ihn in zwei Schlachten und richtet ihn wenig sp\u00e4ter hin. Er\nsetzt den jungen Valentinian II. wieder im Westen ein und stellt ihm Arbogast\nzur Seite. <\/p>\n\n\n\n<p>389 hielt Theodosius dann triumphalen Einzug in Rom und war auf einen Ausgleich mit jenen stadtr\u00f6misch-senatorischen Kreisen bedacht, die immer noch mehrheitlich heidnisch gesinnt waren. Zuvor begann seine Auseinandersetzung mit Ambrosius, dem m\u00e4chtigen Bischof von Mailand, die die machtpolitische Kehrseite des Christentums als Staatsreligion zutage treten lie\u00df: Nachdem 388 eine Synagoge in Callinicum von Christen niedergebrannt worden war, wollte Theodosius sie bestrafen und den Wideraufbau des j\u00fcdischen Gotteshauses anordnen. Doch Ambrosius bestand darauf, es handle sich um einen Konflikt zwischen dem christlichen Glauben und dem Judentum; falls der Kaiser die christlichen Gewaltt\u00e4ter bestrafe, w\u00fcrde er sich damit gegen die einzig wahre Religion wenden. Er verweigerte ihm die Eucharistie, bis er nachgab, die Schuldigen ungestraft lie\u00df und seinen Befehl zum Wiederaufbau durch die Christen widerrief. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"543\" height=\"720\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/543px-Anthonis_van_Dyck_005.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4666\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/543px-Anthonis_van_Dyck_005.jpg 543w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/543px-Anthonis_van_Dyck_005-226x300.jpg 226w\" sizes=\"(max-width: 543px) 100vw, 543px\" \/><figcaption>  Ambrosius und Theodosius. Gem\u00e4lde von va Dyck aus dem 17. Jahrhundert. Quelle: Von Anthonis van Dyck &#8211; http:\/\/www.nationalgallery.org.uk\/paintings\/anthony-van-dyck-st-ambrose-barring-theodosius-from-milan-cathedral, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=150526 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dasselbe \u201eSpiel\u201c wiederholte Ambrosius 390 nach dem \u201eMassaker von Thessaloniki\u201c, in dem angeblich 7.000 B\u00fcrger aufgrund eines nicht mehr rechtzeitig zur\u00fcckgenommenen kaiserlichen Befehls massakriert wurden. Theodosius wurde von Ambrosius nicht zur Messe zugelassen und zu einem Bu\u00dfakt gen\u00f6tigt. Folgerichtig legte er auch 391 den Titel \u201ePontifex maximus\u201c ab, also seine priesterliche Funktion. Damit war klar, dass nun die weltliche Autorit\u00e4t des Kaisers unter der geistlichen der Kirche stand und erstere sanktionieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>eigenst\u00e4ndig,\numsichtig und mildt\u00e4tig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Mai 392 wurde Valentinian II. erh\u00e4ngt in seinem Palast aufgefunden &#8211; es\nist unklar, ob er von Arbogast ermordet wurde oder aufgrund seiner faktischen\nMachtlosigkeit durch Suizid starb. Arbogast rief den Beamten Eugenius zum\nKaiser aus, der fr\u00e4nkische Unterst\u00fctzung erhielt. Theodosius bereitete\nsorgf\u00e4ltig seinen Feldzug gegen Eugenius vor und r\u00fcckte mit etwa 100.000 Mann, darunter\nauch gotischen Hilfstruppen unter Alarich, in den Westen ein. Am 5.\/6.\nSeptember 394 kam es zur blutigen Entscheidungsschlacht im Vipava-Tal im\nheutigen Grenzgebiet zwischen Italien und Slowenien. Theodosius verbrachte den\nVorabend der Schlacht angeblich wachend und betend: im Traum erschienen ihm\ndemnach Johannes der T\u00e4ufer und Philippus der Apostel und befahlen, dass er\nseine zahlenm\u00e4\u00dfig unterlegenen Truppen zur Schlacht ordne. <\/p>\n\n\n\n<p>Beim Kirchenhistoriker Theodoret liest sich der folgende Schlachttag so: \u201eKaum aber hatte man auf beiden Seiten begonnen, die Geschosse zu schleudern, als die Besch\u00fctzer ihre Versprechungen als wahr erwiesen. Denn ein gewaltiger Sturmwind, der seine Richtung gegen den Feind nahm, warf ihre Pfeile, Lanzen und Speere zur\u00fcck, so dass jegliches Gescho\u00df f\u00fcr sie nutzlos war und weder Schwerbewaffnete noch Bogensch\u00fctzen noch Leichtbewaffnete dem Heere des Kaisers Schaden zuf\u00fcgen konnten. Au\u00dferdem wurden ihnen ganze Wolken von Staub in das Gesicht getrieben, die sie zwangen, ihre Augenlider zu schlie\u00dfen, um so ihre gef\u00e4hrdeten Augen zu sch\u00fctzen. Die Soldaten des Kaisers dagegen erfuhren von jenem Sturm nicht den geringsten Nachteil, sondern machten die Feinde unerschrocken nieder.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Es war eine der gr\u00f6\u00dften Schlachten der r\u00f6mischen Geschichte und galt den Christen im Nachhinein als ein Gottesurteil: das Christentum habe demnach \u00fcber die alten G\u00f6tter triumphiert \u2013 obwohl die \u201eHeidentruppen\u201c der Vandalen hohen Blutzoll entrichteten. Eugenius wurde gefangen genommen und hingerichtet, Arbogast starb kurz darauf durch Suizid. Damit war Theodosius noch einmal kurzzeitig uneingeschr\u00e4nkter Herrscher \u00fcber beide Reichsteile. Er verst\u00e4ndigte sich sowohl mit den \u00fcberlebenden gegnerischen Truppen als auch den stadtr\u00f6mischen Kreisen, die er in seine Herrschaft einbinden wollte, doch starb dann \u00fcberraschend, wahrscheinlich an Wassersucht. Zuvor hatte er angeordnet, das Reich auf seine beiden S\u00f6hne zu verteilen. Ambrosius, mit dem er sich so manchen Streit geliefert hatte, hielt eine bewegende Totenrede, in der er die Person des Theodosius zum Vorbild eines christlichen Kaisers stilisierte. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/597px-Roman_empire_395.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4667\"\/><figcaption>Von Shepherd, William R. Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=395874<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Schon bald nach seinem Tod wurde Theodosius wegen seiner Bem\u00fchungen um die Einigung der Kirche \u201eder Gro\u00dfe\u201c genannt, unter ihm gelang der wirkliche Durchbruch zum \u201eImperium Romanum Christianum\u201c. Der Schriftsteller Zosimos sah in der Zwangschristianisierung aber den eigentlichen Grund f\u00fcr den sp\u00e4teren Untergang Westroms &#8211; im Gegensatz zum Westen erkannten die Bisch\u00f6fe des Ostens den Kaiser als oberste Autorit\u00e4t in Glaubensfragen an. Theodosius war der bedeutendste Herrscher in der Zeit zwischen Konstantin \u201edem Gro\u00dfen\u201d und Justinian I., eigenst\u00e4ndig, umsichtig und mildt\u00e4tig regierend; milit\u00e4risch erfolgreich, besonders gegen die andr\u00e4ngenden Goten, und doch integrativ. Den wirtschaftlichen Niedergang und die soziale Spaltung der Bev\u00f6lkerung konnte er wenigstens einbremsen und Literatur und Kunst zu einer gewissen \u2013 aber auch letzten \u2013 Bl\u00fcte f\u00fchren. Derzeit wird er vor allem in der Numismatik hochgehandelt: ein Original-Solidus aus Gold mit seinem Portr\u00e4t bringt bis zu 4.600 Euro.<\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4660&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal entwickeln Begriffe ein Eigenleben und trennen sich aus vielerlei Gr\u00fcnden von den Personen, mit denen sie eine kausale Einheit bilden. 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