{"id":4697,"date":"2020-02-22T07:00:43","date_gmt":"2020-02-22T06:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4697"},"modified":"2020-01-28T09:34:42","modified_gmt":"2020-01-28T08:34:42","slug":"sein-genius-in-der-kunst-des-humors","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4697","title":{"rendered":"\u201eSein Genius in der Kunst des Humors\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Selbst sein Sterben k\u00f6nnte eine Szene aus einem seiner Filme sein. Nur\nwenige Minuten vor seinem Tod erz\u00e4hlte er der Krankenschwester, dass er gerade\ngerne Skifahren w\u00fcrde. Sie entgegnete, sie habe nicht gewusst, dass er\nSkifahrer sei. Er antwortete daraufhin: \u201eBin ich nicht \u2013 aber ich w\u00fcrde es\nlieber tun als das hier.\u201c Wenige Minuten sp\u00e4ter kam die Schwester zu ihm zur\u00fcck\nund entdeckte, dass er friedlich im Sessel eingeschlafen war. So geschehen am 23.\nFebruar 1965 nach einem Herzinfarkt im Alter von 74 Jahren im kalifornischen Santa\nMonica. Der Name des verhinderten Skifahrers: Arthur Stanley Jefferson. Als\n\u201eStan Laurel\u201c wurde der Komiker, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent\nweltber\u00fchmt und gilt bis heute hinter Charlie Chaplin als weltweite Nr. 2 aller\nFilmclowns.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenigstens die Karriere war ihm in die Wiege gelegt: Seine Eltern arbeiteten beide am Theater \u2013 der Vater als Regisseur und Manager, die Mutter als Schauspielerin. Stan wird am 16. Juni 1890 im englischen Ulverston geboren und lebt, weil seine Eltern vielbesch\u00e4ftigt waren, h\u00e4ufig bei seiner Gro\u00dfmutter. Bereits als Knirps konnte er gemeinsam mit einigen Schulkameraden die gesamte Nachbarschaft mit seiner Hobby-Theater-Truppe \u201eStanley Jefferson Amateur Dramatic Society\u201c begeistern. Im Alter von elf Jahren zog Stan mit seiner Familie nach Glasgow, wo er auf der Rutherglen Academy seinen Schulabschluss machte. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Laurel1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4699\"\/><figcaption>Stan Laurel. Quelle: https:\/\/www1.wdr.de\/stichtag\/stichtagjunisechszehn-100~_v-gseapremiumxl.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sein Vater riet ihm aus Erfahrung zwar dazu, eine kaufm\u00e4nnische\nAusbildung zu machen und einen Beruf in diesem Bereich zu ergreifen, doch\nLaurel zog es auf die Bretter, die auch f\u00fcr ihn die Welt bedeuteten. Als\n15-J\u00e4hriger stellte Stan erneut ein kleines B\u00fchnenprogramm zusammen. Als er es\nin der Music Hall vorstellte, war zuf\u00e4llig auch sein Vater anwesend, der immer\nnoch die Hoffnung hatte, dass Stan in seine Fu\u00dfstapfen treten w\u00fcrde. Nachdem er\nmerkte, welche Talente in seinem Sohn schlummerten und welche enorme Wirkung\ndas Programm auf das begeisterte Publikum hatte, wollte er Stan den Weg zur\nSchauspielerei nicht mehr verstellen. Sein B\u00fchnendeb\u00fct gab Stan 16-j\u00e4hrig am \u201ePickard\u2018s\nMuseum\u201c in Glasgow. Weitere professionelle Auftritte hatte er dann zwei\nSpielzeiten lang als Alleinunterhalter bei der Pantomimen-Truppe \u201eLevy and\nCardwell\u2018s Juvenile Pantomimes\u201c, wo er zeitweise auch unter seinem Vater\narbeitete.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zwischen\nSlapstick und Pathos<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinem Solo-Programm wurde er von dem ber\u00fchmten Theaterproduzenten und\nTourneeveranstalter Fred Karno entdeckt, der schon mit Charlie Chaplin gutes\nGeld verdient hatte. Eines Tages lehnte Chaplin eine Hauptrolle ab, die dann\nStan Laurel \u00fcbernahm. Ein Zwischenfall, der in der Zukunft noch weitere Male\neintreffen sollte: Stan Laurel als Ersatzmann f\u00fcr den gro\u00dfen Chaplin. Die\nbeiden teilten sich h\u00e4ufig sogar ein Hotelzimmer. Nachdem die Karno-Truppe 1910\nerstmals durch die USA tourte, f\u00fchrte der Weg 1912 wieder nach Amerika und\nerwies sich f\u00fcr beide als zukunftsweisend: Chaplin wurde von Hollywood wegengagiert,\nKarno geriet wegen platzender Vertr\u00e4ge und Flops durch schnell\nzusammengeschusterte Shows in gro\u00dfe Schwierigkeiten, und pl\u00f6tzlich stand auch\nStan auf der Stra\u00dfe. <\/p>\n\n\n\n<p>Er blieb in den USA und gr\u00fcndete mit dem Ehepaar Alice und Baldwin Cooke \u2013 letzterer \u00fcbernahm sp\u00e4ter kleine Rollen in 25 Laurel-und-Hardy-Filmen \u2013 zwischen 1916 und 1918 das \u201eStan Jefferson Trio\u201c, mit dem er immerhin Achtungserfolge erzielte. Das leichte Leben fand ein j\u00e4hes Ende, als die australische Schauspielerin Mae Charlotte Dahlberg 1918 den Weg des ausgelassenen Trios kreuzte. Stan verliebte sich Hals \u00fcber Kopf, konnte Mae aber nicht heiraten, da diese bereits in Australien einen Mann hatte, der in eine Scheidung nicht einwilligte. Sie war es, die den K\u00fcnstlernamen \u201eStan Laurel\u201c (= Lorbeer) ausw\u00e4hlte, und so war der Weg zum Film eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"540\" height=\"485\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Laurel2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4700\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Laurel2.jpg 540w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Laurel2-300x269.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption>Laurel mit Mae. Quelle: https:\/\/de.findagrave.com\/memorial\/29443759\/mae-dahlberg#view-photo=154231198<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In dem m\u00e4\u00dfigen Deb\u00fct \u201eNuts In May\u201c spielt er einen Irren und wurde bei\nder Premiere von Carl Laemmle, dem \u201eUniversal\u201c-Boss, vom Fleck weg f\u00fcr ein Jahr\nengagiert. Doch schon nach wenigen Filmen hatte Universal Probleme, k\u00fcndigte\nStans Vertrag und verpflichtete ihn nur ab und zu f\u00fcr einzelne Kurzkom\u00f6dien.\nDas Gl\u00fcck wollte es, dass er bei einem solchen Engagement auf den Produzenten Hal\nRoach traf, mit dem er 1918 f\u00fcnf Filme drehte, darunter auch an der Seite des\nKomikers Larry Semon, dessen Starall\u00fcren eine weitere Kooperation verhinderten.\nEiner dieser Streifen war \u201eThe Lucky Dog\u201c, in dem er erstmals mit dem\nehemaligen Filmvorf\u00fchrer Oliver Hardy vor der Kamera stand. Erw\u00e4hnenswert ist\nnoch die Persiflage \u201eSchlamm und Sand\u201c, die es auf den Rudolf-Valentino-Erfolg &nbsp;\u201eBlut und Sand\u201c abgesehen hatte. Der von Stan\nverk\u00f6rperte Haupt-Charakter tr\u00e4gt den Namen Rhubarb Vaselino; solche Parodien\nliebte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem er 1923 wieder mit Hal Roach arbeitete, folgte 1924 und 1925 ein\nDutzend Kurzfilme f\u00fcr den Produzenten und Regisseur Joe Rock, darunter \u201eDr.\nPyckle and Mr. Pryde\u201c. In diesen Jahren nagte Stan beinahe am Hungertuch und trug\nviele Streitigkeiten mit Mae aus \u2013 fand aber in \u201eGet \u2018Em Young\u201c und \u201eOn the\nFront Page\u201c endg\u00fcltig zu seinem eigenen Stil, nachdem er vorher unschl\u00fcssig\nzwischen dem hektischen Slapstick eines Larry Semon und dem langsamen Pathos\neines Harry Langdon hin- und hergependelt war. <\/p>\n\n\n\n<p>Mae Laurel, die bis dahin mehrere Filmauftritte an Stans Seite absolviert\nhatte, tauchte in diesen Werken nicht mehr auf. Die dominante und charakterlich\nschwierige K\u00fcnstlerin bestand darauf, in allen Filmen ihres Lebensgef\u00e4hrten\nmitzuwirken, obwohl sie beim Publikum nicht beliebt war. Stattdessen erhielt\nsie von Rock eine Abfindung unter der Bedingung, sich wieder nach Australien\nzur\u00fcckzuziehen \u2013 was sie 1925 tat. 1926 dann traf Stan wieder auf Oliver Hardy,\nals er zum dritten Mal mit Roach kooperierte. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>tiefe\nmenschliche Tragik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im selben Jahr heiratete er seine erste Frau; die Ehe hielt neun Jahre. In sozialer Hinsicht war ihm aber von Anbeginn kein Gl\u00fcck beschieden. Er hatte drei Br\u00fcder und eine Schwester, die eine gebrochene Familie bleiben sollten. Sein j\u00fcngster Bruder starb, kein Jahr alt, am pl\u00f6tzlichen Kindstod, sein \u00e4ltester Bruder nahm sich sp\u00e4ter das Leben, der dritte kam an einer \u00dcberdosis Lachgas um, als er sich einer Zahnbehandlung unterzog. Zu allem \u00dcbel starb auch noch sein Sohn aus seiner ersten Ehe kurz nach der Geburt; Laurel ertr\u00e4nkte seinen Schmerz im Alkohol und wurde zum Trinker. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Laurel3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4702\"\/><figcaption>Laurel &amp; Hardy. Quelle: http:\/\/www.tenri-kw.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Publicity-with-Derby.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eWie es h\u00e4ufig der Fall ist, lag hinter den Auftritten des Komikers eine\ntiefe, menschliche Tragik. So war der Tod ein st\u00e4ndiger Begleiter und das\nmachte ihm schwer zu schaffen\u201c, meint der Blogger Michael B\u00fcrklin. Stan wird\nnoch viermal heiraten, darunter zweimal dieselbe Frau. Au\u00dferdem hat er eine\nau\u00dfereheliche Aff\u00e4re mit der franz\u00f6sischen Schauspielerin Alice Ardell, die\ndrei Ehen \u00fcberdauerte. Eine Tochter, wie der Sohn aus seiner ersten Ehe, wird\nsein einziges Kind bleiben. <\/p>\n\n\n\n<p>Stan hat sich nie \u00fcber sein Innenleben ge\u00e4u\u00dfert, er war gepr\u00e4gt vom Viktorianischen\nZeitalter, also jemand, der seine Gef\u00fchle nicht ausstellt: \u201eEs gibt da diese\nAura von Einsamkeit, der immer um ihn liegt, auch von Unsicherheit. Er hat also\nlieber die falsche Frau geheiratet als alleine zu sein, er brauchte einfach\neine Frau in seinem Leben\u201c, erkl\u00e4rt der irische Biograph John Connolly. In\nk\u00fcnstlerischer Hinsicht dagegen zieht er mit dem zwei Jahre j\u00fcngeren Amerikaner\nOliver Hardy das gro\u00dfe Los. Dabei scheint es auch im Leben so gewesen zu sein,\ndass ihre Unterschiedlichkeit sie verbunden hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Oliver Hardy war der bessere Filmschauspieler, trotz seines Gewichts der\nbessere T\u00e4nzer zumal. Ein Heben der Augenbraue sagt bei ihm manchmal alles.\nStan hingegen kam aus dem Vaudeville-Theater, er beherrschte die gro\u00dfen Gesten\nf\u00fcr die letzte Reihe. Aber er verstand die Mechanik der Kom\u00f6die. Er schrieb\ntausende von Gags f\u00fcr ihre Filme, war der Kopf, der Denker, der Kreative, und\nzeichnete, im Abspann nie genannt, oftmals f\u00fcr Co-Regie, Drehbuch, Schnitt und\nGags verantwortlich, w\u00e4hrend \u201eBabe\u201c Hardy, im Wortsinne ganz Bauchmensch, der\nauch j\u00e4hzornig sein konnte, sich ausschlie\u00dflich als Schauspieler begriff. Dem\nAlkohol wiederum standen sie beide nahe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStan und Ollie haben sich nie wegen des Geldes in die Haare gekriegt.\nStan Laurel hat mehr Geld bekommen, weil er sich mit der Produktion und den\nSkripten und der Regie befasst hat. Oliver Hardy war in der Zeit lieber auf dem\nGolfplatz oder in Spielhallen unterwegs, er hat seinem Partner das Geld\ngeg\u00f6nnt. Stan Laurel wiederum ist sehr gro\u00dfz\u00fcgig, wenn es um den Auftritt geht,\ner g\u00f6nnt seinem Partner die besten Momente. Es gab da keinen Neid zwischen\nihnen, sie haben sich vorbildlich verhalten\u201c, meint Connolly. Ihre Zusammenarbeit\nw\u00e4hrte nahezu drei Jahrzehnte und umspannte insgesamt 106 Filme, davon 79 Kurz-\nund 27 Langfilme. Eine unterstellte homosexuelle Neigung wird von allen Experten\nschon aufgrund der diversen Eheschlie\u00dfungen verneint. Ihre Freundschaft, die\nerst im Laufe der Jahre enger und vertrauter wurde, sei von tiefem Respekt\nf\u00fcreinander gepr\u00e4gt, darin sind sich alle Anh\u00e4nger und Experten einig. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Film selbst machte w\u00e4hrend ihrer Karriere enorme Entwicklungen durch. \u00dcblicherweise wurden zu dieser Zeit die Filme auf 35mm-Material gedreht. Die Spulen enthielten jeweils ein Filmsegment f\u00fcr ca. 10 Minuten, daher kommt auch die Unterscheidung in Ein-, Zwei- oder Dreiakter, was einem 20- bzw. 30- Minuten Film entspricht. Gedreht wurde auf \u201eNitratfilm\u201c (Nitrocelluose, Celluloid), einem sehr feuergef\u00e4hrlichen Produkt. Aus dieser Sicht ist es sicher ein kleines Wunder, dass nur zwei Laurel &amp; Hardy-Filme bis heute verschollen sind. Zu den erhaltenen Klassikern geh\u00f6ren u.a. \u201eDie Sache mit der Hose\u201c (1929), \u201eUnterschlagene Noten\u201c (1930), \u201eJene fernen Berge\u201c (1934) und \u201eWie du mir, so ich dir\u201c (1935). Viele Nebendarsteller wie Jean Harlow, Peter Cushing oder Robert Mitchum wurden sp\u00e4ter selbst Stars.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Laurel4-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4703\"\/><figcaption>Der junge Mitchum mit Hardy. Quelle: https:\/\/conradbrunstrom.files.wordpress.com\/2018\/12\/Mitchum.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Deutschland kennt man Laurel &amp; Hardy unter dem abwertenden Namen \u201eDick\n&amp; Doof\u201c. Ihre Filme liefen bereits in den 1930er Jahren in den Kinos, selbst\nin der Zeit des Nationalsozialismus waren sie in den Kinos zu sehen, bis die\nNationalsozialisten 1938 ein allgemeines Importverbot amerikanischer Filme\nverh\u00e4ngten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden ihre Filme wieder gezeigt und\nLaurel &amp; Hardy nicht zuletzt dank der stetig zunehmenden Verbreitung des\nFernsehens immer popul\u00e4rer.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald wurde der Kurz- vom Langspielfilm und zudem vom Tonfilm abgel\u00f6st.\nRoach passte sich der Zeit an, drehte mit Laurel und Hardy abendf\u00fcllende\nKinoversionen, die aber wesentlich kostenaufw\u00e4ndiger waren, gleichzeitig den\nkreativen Freiraum einschr\u00e4nkten. Mit \u201eDie W\u00fcstens\u00f6hne\u201c (1933), \u201eDie\nSittenstrolche\u201c (1933), \u201eDie Doppelg\u00e4nger\u201c (1936), \u201eZwei ritten nach Texas\u201c\n(1937) und \u201eDie Klotzk\u00f6pfe\u201c (1938) lieferte das Duo H\u00f6hepunkte der klassischen\nUS-amerikanischen Filmkom\u00f6die &#8211; bis sich Laurel aus k\u00fcnstlerischen Gr\u00fcnden mit\ndem Regisseur \u00fcberwarf. <\/p>\n\n\n\n<p>John McCabe, ein Laurel-und-Hardy-Biograph, gr\u00fcndete Anfang der\n1960er-Jahre einen Fan-Club, der sich in Anlehnung an den gleichnamigen Film \u201eDie\nW\u00fcstens\u00f6hne\u201c nannte. Die Idee gefiel Stan so gut, dass er sogar das Statut schrieb\nund darin festlegte, dass die \u201eW\u00fcstens\u00f6hne\u201c sich nicht in Klubs versammeln,\nsondern in Zelten. Deshalb werden die lokalen Klubzentralen \u2013 mittlerweile rund\n250 weltweit \u2013 als \u201eTent\u201c bezeichnet. Sitz des deutschen \u201eTwo Tars Tent\u201c ist\ndas Laurel und Hardy Museum Solingen \u2013 eins von dreien weltweit und zugleich der\neinzige Ort, an dem noch Original-Kinofilme der Klamaukklassiker aufgef\u00fchrt\nwerden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eJeder\nist einzigartig\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Roach litt ab 1940 die Qualit\u00e4t der Komik, die bei beiden sowieso ein Kapitel f\u00fcr sich war: schlicht, aber nicht einf\u00e4ltig: \u201eTiming, Wiederholung, das Spiel mit Gegens\u00e4tzen \u2013 all das haben die beiden perfekt beherrscht. Dass sie sich von zeitgen\u00f6ssischen und regionalen Anspielungen fernhielten, war dem Erfolg auch nur zutr\u00e4glich. Wenn zwei M\u00e4nner sich vergeblich darum bem\u00fchen, ein Klavier eine Treppe hochzubekommen, kann man dar\u00fcber in Kairo oder Buenos Aires genauso lachen wie in Amerika\u201c, sagt John C. Reilly, der 2018 den beh\u00e4bigen Oliver Hardy in einem Biopic spielte, der <em>FAZ<\/em>. Naturalismus, Realismus und emotionale Wahrhaftigkeit, fasste er die Tugenden des Duos zusammen, das sich in den meisten Filmen vor Aufgaben gestellt sieht, deren L\u00f6sung dank der chaotischen Herangehensweise im Desaster endet und oft in die Zerst\u00f6rung von Inventar m\u00fcndet. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"614\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Laurel5-1024x614.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4704\"\/><figcaption>Die Hauptdarsteller Coogan und Reilly im Biopic. Quelle: https:\/\/www.theguardian.com\/film\/2016\/jan\/18\/steve-coogan-john-c-reilly-laurel-and-hardy-biopic#img-1<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein vertauschter Hut, eine wackelige Leiter reichten aus, um Alltag in\nAnarchie umschlagen zu lassen. So folgt in ihrem legend\u00e4ren Kurzfilm \u201eThe\nBattle of the Century\u201c auf eine sorglos weggeworfene Bananenschale ein\nexzessives Handgemenge, bei dem \u00fcber 3000 Sahnetorten durch die Luft fliegen. Jedes\nMal kristallisiert sich heraus, dass der den grinsenden d\u00fcnnen Mann so gern\nherumkommandierende Dicke in Wahrheit gar nicht der Dominierende ist &#8211; sondern\nim Gegenteil der D\u00fcnne den Dicken ein ums andere Mal provoziert und ihm an Ende\nins Auge sticht. \u201eF\u00fcr mich war die Botschaft ihrer Sketche immer: Egal, wie\nchaotisch, nervig oder anstrengend Menschen auch sein m\u00f6gen, sind sie doch\nstets liebenswert. Jeder ist einzigartig und verdient Liebe und W\u00fcrde\u201c, beschreibt\ndas Conolly.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei 20th Century Fox und MGM drehten sie dann bis 1945 insgesamt acht\nSpielfilme. Allerdings bekamen sie dort nicht den k\u00fcnstlerischen Freiraum, den\nsie von Roach gewohnt waren. Daher werden viele dieser Filme im Vergleich zu\nden Roach-Produktionen als schw\u00e4cher angesehen. Der schlechteste Film ihrer\nKarriere war mit \u201eAtoll K\u201c (1951, \u201eDick und Doof erben eine Insel\u201c) in\nitalienisch-franz\u00f6sischer Produktion gleichzeitig ihr letzter gemeinsamer\nLeinwandauftritt. Andere Filmgesellschaften zeigten kein Interesse an den\nbeiden Komikern, was zu ersten gemeinsamen B\u00fchnenauftritten f\u00fchrte. Zwischen\n1947 und 1954 absolvierten Laurel und Hardy einige Tourneen durch Europa und\ndie USA. <\/p>\n\n\n\n<p>Als sie 1955 vom Sohn ihres fr\u00fcheren Produzenten, Hal Roach jr., ein\nAngebot erhielten, f\u00fcr das Fernsehen zu arbeiten, willigten Laurel und Hardy\nbegeistert ein. Geplant war eine Serie von ganzst\u00fcndigen Sendungen mit dem\nTitel \u201eLaurel &amp; Hardy\u2019s Fabulous Fables\u201c. F\u00fcr die damalige Zeit\nungew\u00f6hnlich war, dass sie auf Farbfilm aufgezeichnet werden sollten. Wenige\nTage vor Drehbeginn der ersten Folge erlitt Laurel jedoch einen leichten\nSchlaganfall, danach auch Hardy. Das Projekt wurde fallen gelassen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAls Oliver Hardy im Sterben lag, konnte er irgendwann nicht mehr sprechen\u201c, erz\u00e4hlt Conolly. \u201eEr war auch teilweise gel\u00e4hmt. Und Stan Laurel hat verstanden, wie verzweifelt Oliver Hardy war. Wenn er ihn besucht hat, dann hat er selbst aufgeh\u00f6rt, zu reden. Sie werden also pl\u00f6tzlich wieder zu den Stummfilmpers\u00f6nlichkeiten, die sie einmal gewesen waren, sie kommunizieren mit ihren Augen und mit ihren Gesten, und das ist f\u00fcr mich ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Akt der Zuneigung, sogar der Liebe, die dieser eine Mann dem anderen bewiesen hat.\u201c Hardy starb am 7. August 1957 und damit sicherlich auch ein Teil von Stan Laurel. Ihm wurde vom Arzt untersagt, an Ollies Beerdigung teilzunehmen. Sp\u00e4ter sagte Stan dazu: \u201eEr war wie ein Bruder zu mir.\u201c <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"883\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Laurel6-1024x883.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4706\"\/><figcaption>Walk of Fame. Quelle: https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/1\/19\/Stella_Stan_Laurel_-<em>Hollywood_Walk_of_Fame<\/em>-_Agosto_2011.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In den folgenden Jahren f\u00fchrte er ein finanziell halbwegs sorgenfreies, dennoch depressives Leben mit seiner f\u00fcnften Frau in einem Hotel am Strand von L.A. und beantwortet jeden einzelnen Brief, den er bekommt. Auf dem Walk of Fame in Los Angeles wurde er 1960 mit einem Stern geehrt, au\u00dferdem tr\u00e4gt ein Asteroid seinen Namen. Bei der Verleihung des Ehrenoscars 1961 erscheint er nicht pers\u00f6nlich, obwohl es nur eine halbe Stunde bis zum Kino w\u00e4re: Ohne Olli will er \u00f6ffentlich nicht mehr auftreten. Dies beschreibt auch Connolly: \u201eDie Adresse seines kleinen Apartments in Santa Monica stand im Telefonbuch. Man konnte ihn anrufen und besuchen. Er hat dir einen Tee gekocht und wenn er dich mochte, sogar einen billigen Hut geschenkt. Er schrieb weiterhin jeden Tag Sketche f\u00fcr sich und Olli \u2013 die niemals aufgef\u00fchrt werden w\u00fcrden, denn er lehnte es ab, jemals wieder ohne ihn zu arbeiten.\u201c Sein Tod war unter dieser Perspektive eine Erl\u00f6sung. \u201eSein Genius in der Kunst des Humors brachte Freude in die Welt, die er liebte\u201c, steht auf seinem Grabstein. Der Filmkanon der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung hat 2003 den Stummfilm \u201eDer beleidigte Bl\u00e4ser\u201c aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4697&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er war vielfach verheiratet und hatte mit Oliver Hardy doch nur einen kongenialen Partner: Stan Laurel. Vor 55 Jahren ist der \u00fcberaus produktive Filmkomiker gestorben.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4697"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4697"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4697\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4708,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4697\/revisions\/4708"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4697"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4697"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4697"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}