{"id":4789,"date":"2020-04-16T06:19:41","date_gmt":"2020-04-16T05:19:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4789"},"modified":"2020-03-22T19:45:50","modified_gmt":"2020-03-22T18:45:50","slug":"ein-gefaehrlicher-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4789","title":{"rendered":"\u201eein gef\u00e4hrlicher Mann\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Seine Wirkungsgeschichte war wie die kaum eines anderen Amerikaners himmlischen\nH\u00f6hen und h\u00f6llischen Tiefen unterworfen. In einer Begr\u00e4bnisrede hob William\nSmith, erster Kanzler der Universit\u00e4t von Pennsylvania, die philanthropischen\nund wissenschaftlichen Leistungen Benjamin Franklins hervor. Der\nLiteraturkritiker Lord Jeffrey lobte Franklin f\u00fcr seinen \u201eeinfachen Witz\u201c und\npries ihn als einen der gro\u00dfen Vertreter des Rationalismus. Der Romantiker John\nKeats schrieb in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts dagegen, Franklin sei\n\u201evoller erb\u00e4rmlicher und auf Sparsamkeit ausgerichteter Lebensregeln\u201c und \u201ekein\ngro\u00dfartiger Mann\u201c gewesen. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Anbruch des Gilded Age Ende des 19. Jahrhunderts, einer Bl\u00fctezeit der Wirtschaft in den Vereinigten Staaten, wurde Franklin als Musterbeispiel eines sozialen Aufsteigers wieder in weitaus positiverem Licht gesehen. In der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts schlug die Stimmung erneut um: so zog der Soziologe Max Weber Franklin in seinem Werk \u201eDie protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus\u201c ein ums andere Mal als Negativbeispiel f\u00fcr eine Gesinnung heran, die allein auf die Steigerung des eigenen finanziellen Wohlstandes gerichtet ist. In der Wirtschaftskrise nach 1929 stieg Franklins Ansehen erneut stark an \u2013 Werte wie Sparsamkeit und Gemeinsinn standen hoch im Kurs. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/c\/cc\/BenFranklinDuplessis.jpg\/800px-BenFranklinDuplessis.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Franklin-Portr\u00e4t von Joseph-Siffred Duplessis (\u00d6lgem\u00e4lde, um 1785). Das Bild diente 1995 als Vorlage zur Darstellung Franklins auf der neugestalteten 100-US-Dollar-Banknote.  Quelle: http:\/\/www.npg.si.edu\/exh\/brush\/ben.htm, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=52076<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Heute f\u00fcllt eine lange Reihe von Werken mit Benjamin Franklins Namen im\nTitel die amerikanischen Buchregale. Zu schreiben \u00fcber ihn und sein langes\nLeben gab es genug: Er war Drucker, Verleger, Publizist, Naturwissenschaftler, Politiker,\nDiplomat \u2013 und Erfinder. Am Ende hat er neben dem Blitzableiter auch die Glasharmonika,\nden flexiblen Harnkatheter, eine fr\u00fche Form der Schwimmflossen, einen Holzofen\nmit verbesserter Brennleistung und die Bifokalbrille erfunden: es war ihm l\u00e4stig,\nst\u00e4ndig seine Fernbrille gegen die Lesebrille auszutauschen. Sie blieb bis zur\nErfindung der Gleitsichtbrille internationaler Standard. Seine gro\u00dfe Liebe in\nder Freizeit galt dem Schach: \u201eDie Sittlichkeit des Schachspiels\u201c (\u201eThe morals\nof chess\u201c) gilt als erster amerikanischer Beitrag zur Schachliteratur; seit 20\nJahren ist Franklin in der US Chess Hall of Fame aufgenommen. Der Selfmademan starb\nam 17. April 1790 in Philadelphia.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ich,\nDrucker<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geboren am\n17. Januar 1706 als 15. von 17 Kindern eines ausgewanderten englischen Seifen-\nund Kerzenmachers in Boston, lernte er ab dem achten Lebensjahr auf der\nLateinschule, um sich f\u00fcr ein Studium in Harvard und eine sp\u00e4tere Laufbahn als\nPastor vorzubereiten. Er war hochbegabt, \u00fcbersprang eine Klasse und musste\ndennoch die Schule wechseln, um Schreiben und Arithmetik zu lernen. W\u00e4hrend\nFranklin in seiner Autobiographie behauptete, dies sei allein dem geringen\nEinkommen seines Vaters geschuldet gewesen, gehen Biographen davon aus, dass dieser\nschon fr\u00fch die rebellische Natur seines Sohnes erkannte und ihn deshalb als\nungeeignet f\u00fcr eine geistliche Laufbahn hielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem er\nals 10-j\u00e4hriger f\u00fcr zwei Jahre bei seinem Vater arbeitete, ging er anschlie\u00dfend\nzu seinem Halbbruder James und arbeitete in dessen Druckerei. In der Zeit\nbildete er sich autodidaktisch durch Lesen weiter. Franklin war ab 1721 bei der\nvon seinem Bruder gegr\u00fcndeten Zeitung \u201eNew England Courant\u201c t\u00e4tig und verfasste\nanonym als \u201eMrs. Silence Dogood\u201c liberale Beitr\u00e4ge, in denen er die N\u00e4he\nzwischen Kirche und Staat attackierte. Schon in jungen Jahren wandte er sich\nvom Christentum ab und wurde Deist. Die Gedanken der Aufkl\u00e4rung und christliche\nOrthodoxie lie\u00dfen sich f\u00fcr ihn nicht vereinbaren. Als er sich 1723 dem Bruder\nals Autor offenbarte, kam es zum Bruch. Nach einem Intermezzo in der Druckerei\nvon Samuel Keimer in Philadelphia zog er nach London, um sich dort als Drucker\nausbilden zu lassen. Noch sein Testament beginnt mit den Worten \u201eIch, Benjamin\nFranklin aus Philadelphia, Drucker\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>1726 kehrte Franklin als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zu Keimer zur\u00fcck und entwickelte einen Schriftschnitt, der als der erste auf dem nordamerikanischen Kontinent gilt. Zur Erinnerung daran erarbeitete der Typograph Morris Fuller Benton die Schriftfamilie \u201eFranklin Gothic\u201c. Zusammen mit einem von Keimers Angestellten machte er sich selbstst\u00e4ndig und gr\u00fcndete 1728 eine eigene Druckerei. Ein Jahr sp\u00e4ter \u00fcbernahm er von Keimer die bis 1777 erscheinende erfolgreiche <em>Pennsylvania Gazette<\/em> und wurde damit zum ebenso stolzen wie selbst schreibenden, finanziell unabh\u00e4ngigen Zeitungsverleger. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/3\/35\/FranklinGothicSP.svg\/800px-FranklinGothicSP.svg.png\" alt=\"\"\/><figcaption> Schriftbeispiel f\u00fcr Franklin Gothic. Quelle:  <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/3\/35\/FranklinGothicSP.svg\/800px-FranklinGothicSP.svg.png\">https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/3\/35\/FranklinGothicSP.svg\/800px-FranklinGothicSP.svg.png<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit der\nfreimaurerischen Idee in London bekannt geworden, vertrat er schon in dem 1727 von\nihm gegr\u00fcndeten Selbsterziehungsklub \u201eJunto\u201c, der aber allgemein der \u201eLederschurzklub\u201c\nhie\u00df, maurerische Grunds\u00e4tze. 1734 brachte er als erstes freimaurerisches Buch\njenseits des Ozeans eine Ausgabe der \u201eAlten Pflichten\u201c heraus. Von den ersten Junto-Zusammenk\u00fcnften\nan diskutierte Franklin praktische Vorschl\u00e4ge zur Verbesserung des allt\u00e4glichen\nLebens. Als der Club eigene R\u00e4ume bezog, wurden diese mit B\u00fcchern aus dem\nBesitz der Mitglieder eingerichtet und so die erste Leihbibliothek in Amerika\netabliert. Sie geh\u00f6rt heute zu den \u00e4ltesten kulturellen Institutionen in den USA\nund verf\u00fcgt \u00fcber einen Bestand von mehr als 500.000 B\u00fcchern und \u00fcber 160.000\nHandschriften.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich\nwird Franklin unter ungew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden sesshaft: in einer \u201eCommon-Law\u201c-Ehe\nmit seiner ersten Liebe Deborah, die inzwischen geheiratet hatte, aber von\nihrem Gatten mit Schulden zur\u00fcckgelassen wurde. Franklin wiederum hatte einen\nSohn aus einer seiner vielen \u201eLiebschaften mit sozial niederen Frauen, die mir\n\u00fcber den Weg liefen\u201c. Das Paar bekam gemeinsam noch einen Sohn, der als Kind an\nden Pocken starb \u2013 seitdem gilt er als Vertreter einer Impfpflicht \u2013, und eine\nTochter. 1733 startete er sein erfolgreichstes literarisches Unternehmen: das\nJahrbuch \u201ePoor Richard\u00b4s Almanach\u201c, das bis 1758 erschien. Es war in seiner\nMischung aus h\u00e4uslicher Philosophie und Ratschl\u00e4gen f\u00fcr den Alltag nach der\nBibel das bekannteste Werk in den Kolonien, eine daraus entstandene\nSpruchsammlung wurde in 145 Editionen nachgedruckt und ist bis heute in mehr\nals dreizehnhundert Auflagen verkauft worden. Darin finden sich Weisheiten wie\n\u201eWer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides\nverlieren\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eFunken aus dem Schl\u00fcssel ziehen\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1736 gr\u00fcndete er sowohl die erste Feuerversicherungsgesellschaft als auch mit der Union Fire Company die erste Freiwillige Feuerwehr. 1737 wird er Oberpostmeister, sp\u00e4ter als stellvertretender Postminister auch Angeh\u00f6riger der Kolonialverwaltung und zieht sich aus dem Gesch\u00e4ftsleben weitgehend zur\u00fcck. Den Betrieb seiner Druckerei \u00fcberlie\u00df der Privatier und \u201egentleman philosopher\u201c seinem Vorarbeiter, der ihm die H\u00e4lfte der Einnahmen \u00fcberlassen musste. Anfang der 1740er Jahre geh\u00f6rte er zu den Mitgr\u00fcndern der sich an der britischen \u201eRoyal Society\u201c orientierenden Gelehrtengesellschaft \u201eAmerican Philosophical Society\u201c und begann sich mit Leidenschaft mit Fragen der Naturwissenschaft, vor allem der Elektrizit\u00e4t, zu besch\u00e4ftigen. Die von den Gelehrten zu diskutierenden Themen waren \u2013 wie vieles, was Franklin vorschlug \u2013 mehr an der N\u00fctzlichkeit als an der Theorie ausgerichtet. So sollten etwa Entdeckungen auf dem Gebiet der Nutzpflanzen, des Handels, der Gel\u00e4ndevermessung, der Herstellung von G\u00fctern, der Tierzucht und anderer praktischen Themen untereinander bekannt gemacht werden. Die Gesellschaft existiert bis heute.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.brieselang.net\/images\/franklin-experiment3.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption> zeitgen\u00f6ssische Darstellung vom Franklin-Experiment am 15. Juni 1752 mit seinem Sohn. Quelle:  <a href=\"http:\/\/www.brieselang.net\/benjamin-franklin.php\">http:\/\/www.brieselang.net\/benjamin-franklin.php<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Besonders auf dem Gebiet der Luft- und Reibeelektrizit\u00e4t\nmachte sich Franklin einen Namen, der ihn \u00fcber die USA auch in Europa und in\nDeutschland bekannt machte. Er erkannte das Gewitter als Elektrizit\u00e4t und wies\ndiese Annahme mit seinem ber\u00fchmten \u201eDrachenversuch\u201c nach: Er baute einen\nDrachen aus Zedernholzleisten, klemmte einen Eisendraht an die Spitze und an\nden Schweif seinen Hausschl\u00fcssel, in dem sich die Elektrizit\u00e4t sammeln sollte.\nAm 15. Juni 1752 zog das erhoffte Gewitter auf, und Franklin lie\u00df seine\nfliegende Versuchsanordnung in den Himmel von Neuengland aufsteigen. Die\nRechnung ging auf f\u00fcr den T\u00fcftler: Er habe mit den Fingern Funken aus dem\nSchl\u00fcssel ziehen k\u00f6nnen, schw\u00e4rmte er in der \u201ePennsylvania Gazette\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Daraus entstand der Blitzableiter, der zuerst von Pfarrern\ngenutzt wurde, die sich beim Schutz ihrer Kircht\u00fcrme nicht mehr allein auf ihr\nGottvertrauen verlassen wollten. Der erste deutsche Blitzableiter wurde 1769\nauf dem Hamburger Jacobikirchturm errichtet. Georg Christoph Lichtenberg war\nnicht nur ein Bewunderer Franklins, sondern machte seine wissenschaftlichen\nErrungenschaften \u00fcber die Elektrizit\u00e4t in Deutschland popul\u00e4r und weitete sie\naus. Zusammen mit Lichtenberg f\u00fchrte Franklin die nach der unitarischen Lehre\ng\u00fcltige Bezeichnung von positiv und negativ zur Erkl\u00e4rung der Elektrizit\u00e4t ein.\nF\u00fcr den deutschen Professor Lichtenberg war Franklin das Paradebeispiel des\ngenialen Kopfes und Wissenschaftlers auch ohne akademische Laufbahn. Zweifacher\nEhrendoktor in England, erhielt er von der Royal Society 1753 die\nCopley-Medaille, den \u201eNobelpreis des 19. Jahrhunderts\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dieser Zeit engagierte er sich auch explizit politisch.\nBereits 1747 rief er zur Bildung einer B\u00fcrgermiliz auf: Allein ein Bund der\nMittelschicht, der H\u00e4ndler, Ladenbesitzer und Farmer, k\u00f6nne die Kolonie retten.\nBald schrieben sich einige zehntausend Freiwillige in die Register der von\nFranklin sorgsam geplanten Freiwilligenkompanien ein. Thomas, Sohn des Pennsylvania-Gr\u00fcnders\nWilliam Penn, bezeichnete Franklin in einem Brief als \u201eVolkstribun\u201c und klagte:\n\u201eEr ist ein gef\u00e4hrlicher Mann und ich w\u00e4re froh, wenn er in einem anderen Land\nlebte, denn ich glaube, dass er von \u00fcberaus ruhelosem Geiste ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sprecher f\u00fcr die Rechte\nder Amerikaner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1754 repr\u00e4sentierte er Pennsylvania im Albany Congress, lebte zwischen 1757-62 und 1764-75 wieder in England: Erst als Repr\u00e4sentant f\u00fcr Pennsylvania, sp\u00e4ter f\u00fcr Georgia, New Jersey und Massachusetts. W\u00e4hrend seiner letzten Repr\u00e4sentanten-Periode, die zeitgleich mit den Unruhen in den Kolonien war, durchlief er eine politische Metamorphose und wurde zum Zeitpunkt der Stamp Act Krise vom Anf\u00fchrer einer zerbrochenen l\u00e4ndlichen Partei zum gefeierten Sprecher f\u00fcr die Rechte der Amerikaner in London. Dieses sog. Stempelgesetz bestimmte, dass alle offiziellen Schriftst\u00fccke und Dokumente, aber auch Zeitungen, Karten- und W\u00fcrfelspiele in den nordamerikanischen Kolonien mit Stempelmarken versehen werden oder auf eigens in London hergestelltem Papier mit einer Stempelpr\u00e4gung ausgefertigt sein mussten. So sollten die Kolonien finanziell an der Stationierung britischer Truppen in Nordamerika beteiligt werden, da die Kolonisten als Nutznie\u00dfer dieses milit\u00e4rischen Schutzes f\u00fcr einen Teil der entstehenden Kosten aufkommen sollten. 1766 wird das Gesetz zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/d5\/Franklin_-_Autobiography_%28draft%29.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Seite aus seiner Autobiographie. Quelle:  \u00a0<a href=\"http:\/\/www.librarycompany.org\/BFWriter\/images\/large\/8.1.jpg\">http:\/\/www.librarycompany.org\/BFWriter\/images\/large\/8.1.jpg<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Franklin wechselte endg\u00fcltig aus dem Lager der Loyalisten in\ndas Lager der Unabh\u00e4ngigkeitsbef\u00fcrworter. Dieser Schritt brachte ihn in\nheftigen Gegensatz zu seinem im New Jersey als britischer Gouverneur\nresidierenden Sohn William. In den Jahren des Unabh\u00e4ngigkeitskampfes geh\u00f6rte\nBenjamin Franklin fortan zu den f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten: Ausl\u00f6ser war die\nAff\u00e4re um die Hutchinson-Briefe, die Franklins Biograph Gordon S. Wood als das\n\u201eau\u00dfergew\u00f6hnlichste und aufschlussreichste Ereignis in Franklins politischem\nLeben\u201c bezeichnet. Thomas Hutchinson, Vizegouverneur von Massachusetts, hatte eine\nReihe von Briefen an den britischen Au\u00dfenminister geschrieben, sich darin f\u00fcr\neine harte Haltung gegen\u00fcber den Kolonien ausgesprochen und insbesondere\nempfohlen, deren Freiheiten zu beschneiden, und sei es durch spezielle Steuern.\nFranklin sandte sie nach Massachusetts, um auf diese Weise zu belegen, dass das\nVerschulden f\u00fcr die Krise zwischen den Kolonien und dem Mutterland nicht etwa\nbei der britischen Regierung, sondern vielmehr bei Kolonialbeamten wie\nHutchinson liege. Die Boston Tea Party 1773 ging unter anderem auf diese\nIndiskretion zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>1776 wurde er vom Kontinental-Kongress in den Ausschuss\ngew\u00e4hlt, der die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung konzipierte. Au\u00dferdem wurde er zum\nVorsitzenden des die entsprechende Pennsylvania-Verfassung ausarbeitenden\nGremiums eingesetzt. Gesundheitlich angegriffen, beschr\u00e4nkte sich seine Rolle\nanfangs darauf, die Entw\u00fcrfe Thomas Jeffersons durchzugehen und\nVerbesserungsvorschl\u00e4ge zu erarbeiten. Seine \u00c4nderungen sind in dem Dokument\n\u00fcberliefert, das Jefferson als \u201eRohentwurf\u201c bezeichnete. Nach der Losl\u00f6sung von\nGro\u00dfbritannien machten sich die einzelnen Staaten an die Ausarbeitung von\nVerfassungen. In einer Zeit, als die englische Mischverfassung mit ihrer\nBalance zwischen Krone, Oberhaus und Unterhaus als das Ideal galt, sah die\nPennsylvania Constitution lediglich ein Einkammersystem vor. Damit gilt sie\nheute als der demokratischste aller Verfassungsentw\u00fcrfe jener Zeit.\nInsbesondere in Frankreich wurde die Idee mit gro\u00dfem Beifall aufgenommen und\nJahre sp\u00e4ter in der Franz\u00f6sischen Revolution umgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>einziges amerikanisches\nUniversalgenie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Gesandter in Paris schmiedete er ab 1777 das B\u00fcndnis der\nUSA mit Frankreich, erreichte\ndie Gew\u00e4hrung eines Kredits von K\u00f6nig Ludwig XVI und schloss mit Frankreich\neinen Handels- und B\u00fcndniskontrakt. Vor allem w\u00fcnschten sich die bedr\u00e4ngten\nAmerikaner milit\u00e4rische Hilfe von Frankreich. Franklins Mission in Paris und\nVersailles zog sich bis 1785 hin. In Frankreich wurde er \u00fcberaus wohlwollend\naufgenommen und verband pers\u00f6nliches Wohlleben in der dekadenten Atmosph\u00e4re des\nBourbonen-Hofes mit erfolgreicher diplomatischer Kleinarbeit f\u00fcr die Sache der\nUnabh\u00e4ngigkeit. Die Verpflichtung Steubens als amerikanischer Generalinspekteur\nist ihm zu verdanken. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach der f\u00fcr die Amerikaner siegreichen Schlacht von Saratoga im Oktober 1777 gingen die Franzosen auf Franklins Vorschl\u00e4ge ein und schlossen im Februar 1778 einen Freundschaftsvertrag mit den Nordamerikanern. Das Eingreifen der Franzosen in den Unabh\u00e4ngigkeitskrieg trug wesentlich zum Zusammenbruch der britischen Position bei. Am 30. November 1782 unterschrieben britische Delegierte und die von Franklin angef\u00fchrte amerikanische Delegation in Paris den Friedensvertrag, in dem Gro\u00dfbritannien die Unabh\u00e4ngigkeit seiner nordamerikanischen Kolonien anerkannte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/9\/91\/Declaration_of_Independence_draft_%28detail_with_changes_by_Franklin%29.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung mit Franklins \u00c4nderungen. Quelle: Von US_Declaration_of_Independence_draft_1.jpg: Thomas Jeffersonderivative work: Frank Schulenburg (talk) &#8211; US_Declaration_of_Independence_draft_1.jpg, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=12862942<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In den n\u00e4chsten drei Jahren wirkte Franklin weiter als Gesandter in Frankreich, wo er sehr gefragt war, notierte ein Tagebuchschreiber, \u201eund dies nicht nur bei seinen gelehrten Kollegen, sondern bei jedermann, der Zugang zu ihm erlangen kann\u201c. Wohin auch immer er in seiner Kutsche reiste, bildeten sich Menschengruppen, die ihn hochleben lie\u00dfen und einen Blick auf ihn werfen wollten. 1785 kehrte er, mittlerweile 79-j\u00e4hrig, nach Philadelphia zur\u00fcck und wurde mit gro\u00dfem Pomp gefeiert. Er bekleidete bis 1787 das Amt eines Pr\u00e4sidenten von Pennsylvania und beteiligte sich, schon schwerkrank durch Blasensteine und Gicht, an der \u201ePhiladelphia Convention\u201c, die endlich den lediglich losen verbundenen 13 ehemaligen Kolonien eine gemeinsame Verfassung geben sollte. Am 17. September 1787 unterzeichneten 39 von 42 anwesenden Delegierten, darunter auch Franklin, die neue Bundes-Verfassung der USA. Auf seinen Vorschlag geht die Unterteilung der Legislative in Senat und Repr\u00e4sentantenhaus zur\u00fcck. Im selben Jahr wurde er, inzwischen Witwer, 1787 Pr\u00e4sident der Gesellschaft gegen Sklaverei. <\/p>\n\n\n\n<p>Bis zuletzt ver\u00f6ffentlichte Franklin Schriften zu diversen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen, korrespondierte mit vielen bekannten Zeitgenossen und schrieb seit 1771 an seiner letztlich unvollendeten Autobiographie. Er stirbt 84j\u00e4hrig in Philadelphia &#8211; als einziger Gr\u00fcndervater der USA, der neben der Verfassung auch die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung und den Friedensvertrag mit dem K\u00f6nigreich Gro\u00dfbritannien unterzeichnete. Schon von der jungen Madame Tussaud wurde er als Wachsfigur portraitiert. Bis heute w\u00fcrdigen \u00c4rzte seine Verbundenheit zur Medizin: Franklin gr\u00fcndete unter anderem das Pennsylvania Hospital und konstituierte aus Sorge um die Ausbildung nachfolgender Generationen ein College, aus dem die University of Pennsylvania hervorging. Er gilt vor Thomas Alva Edison als erstes amerikanisches Universalgenie. <\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4789&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er erfand Blitzableiter und Leihbibliothek, schrieb Amerikas ersten Schachtext und korrigierte die amerikanische Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung: Vor 230 Jahren starb Benjamin Franklin.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4789"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4789"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4789\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4791,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4789\/revisions\/4791"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4789"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4789"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4789"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}