{"id":4796,"date":"2020-04-21T07:36:09","date_gmt":"2020-04-21T06:36:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4796"},"modified":"2020-03-24T09:57:07","modified_gmt":"2020-03-24T08:57:07","slug":"viel-kuenstlerisches-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4796","title":{"rendered":"\u201eviel k\u00fcnstlerisches Wollen\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>G\u00e4be es den Stil \u201eExpressiorealismus\u201c, w\u00e4re sie seine bedeutendste\nVertreterin: K\u00e4the Kollwitz. Ihre teilweise erschreckend realistischen\nLithografien, Radierungen, Kupferstiche, Holzschnitte und Plastiken beruhen\nh\u00e4ufig auf pers\u00f6nlichen Lebensumst\u00e4nden und Erfahrungen. Allein das 1985 von\nder Kreissparkasse K\u00f6ln als erstes Kollwitz-Museum \u00fcberhaupt gegr\u00fcndete Haus\nvereint mit mehr als 300 Zeichnungen, \u00fcber 550 Druckgraphiken, s\u00e4mtlichen\nPlakaten und dem gesamten plastischen Werk die weltweit gr\u00f6\u00dfte Sammlung. Aber\nauch das Kupferstichkabinett Dresden beherbergt \u00fcber 200 Werke der K\u00fcnstlerin,\ndie am 22. April 1945 vor den Toren der Sachsen-Metropole starb.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNoch heute dient die Figur der K\u00e4the Kollwitz als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr -ismen aller Art: Pazifismus, Kommunismus, Feminismus\u201c, befindet Berit Hempel im <em>DLF<\/em>. \u201eIhre Kunst ist v\u00f6llig eigenw\u00fcchsig und tr\u00e4gt alle Merkmale des Genialen\u201c, pries sie Hans Pels-Leusden vom Berliner Kollwitz-Museum, das er auf Privatinitiative einrichtete. Bis auf wenige zeitgebundene Auftr\u00e4ge sei ihr Werk von zeitlosem Rang, eben \u201ef\u00fcr die Zeiten\u201c, wie Nolde sagen w\u00fcrde. Selbst das Werk der f\u00fcr den Fr\u00fchexpressionismus so bedeutungsvollen Paula Modersohn-Becker reiche \u2013 auch in der internationalen Ausstrahlung \u2013 nicht an die Bedeutung der Kollwitz heran. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"400\" height=\"463\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/kaethe_kollwitz_1940-400px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4797\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/kaethe_kollwitz_1940-400px.jpg 400w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/kaethe_kollwitz_1940-400px-259x300.jpg 259w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption> K\u00e4the Kollwitz, um 1940. Quelle: <a href=\"https:\/\/www.kollwitz.de\/biografie\">https:\/\/www.kollwitz.de\/biografie<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 8. Juli 1867 wird K\u00e4the in K\u00f6nigsberg als Tochter des Maurermeisters\nund Predigers Carl Schmidt und dessen Frau Katharina geboren. Sie galt als\nsensibles, leicht zu deprimierendes M\u00e4dchen, das ab 1881 Zeichenunterricht bei\neinem Kupferstecher in K\u00f6nigsberg erhielt. Fr\u00fch lernt sie ihren k\u00fcnftigen Gatten\nKarl Kollwitz kennen, einen jungen Mann, der mit ihrem Bruder Konrad in eine\nKlasse ging und den seine verwitwete Mutter mit neun Jahren ins Waisenhaus\ngebracht hatte. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201esei das,\nwas du gew\u00e4hlt hast, ganz\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1885 bis 1889 studierte sie Malerei bei Karl Stauffer-Bern in Berlin und\nbei Ludwig Herterich in M\u00fcnchen. Fernab des Elternhauses bl\u00fcht das M\u00e4dchen aus\nOstpreu\u00dfen in Bayern auf, unternimmt mit ihren Kommilitoninnen Reisen nach\nItalien und geht gerne auf Maskenb\u00e4lle: \u201eWie sie als bayrisches M\u00e4del mit dem\nBierseidel in der Hand ihre Rolle, die ganze Nacht hindurch spielte, ohne auch\nnur einen Moment aus ihrer Rolle zu fallen. Auf einem solchen Ball trat sie zum\nErstaunen und zur Begeisterung aller Anwesenden als Bacchantin auf, wo sie mit\neinem Kranz im Haar mit unglaublicher Leidenschaft sang und tanzte\u201c, erinnert\nsich ihre Freundin Helene Bloch.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck in K\u00f6nigsberg liest K\u00e4the Schmidt den Roman \u201eGerminal\u201c von Emile Zola \u00fcber die Bergarbeiter Frankreichs und ihre unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Die K\u00fcnstlerin will die Motive von \u201eGerminal\u201c auf die Leinwand bringen und besucht zu Studienzwecken Matrosenkneipen. Ein weiteres Schl\u00fcsselerlebnis war die Urauff\u00fchrung der Hauptmannschen \u201eWeber\u201c, der sie eine Folge von Radierungen beginnen lie\u00df. Daneben bereitete sie ihre Hochzeit vor: \u201eDie lange Verlobungszeit hat sie auch manchmal durchaus als Last empfunden, doch je \u00e4lter sie wurde, wirklich auch als R\u00fcckenst\u00e4rkung. Weil, Karl hat ihr eben nicht reingeredet, Karl hat sie nicht bedr\u00e4ngt, Karl hat die finanzielle Sicherheit erwirtschaftet und durch Karl hat sie Einblicke in soziale Verh\u00e4ltnisse gewonnen\u201c, so Iris Berndt im <em>DLF<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"726\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/kaethe_kollwitz_1940-400px-1-1024x726.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4798\"\/><figcaption>K. Kollwitz mit Mann zur Kur in Bad Reichenhall. Fotografie von Walter Plew, 1935 Privatbesitz. Quelle:  <a href=\"http:\/\/postkarten.lukasverlag.com\/produkt\/kaethe-und-karl-kollwitz-in-karlstein-bei-bad-reichenhall\/\">http:\/\/postkarten.lukasverlag.com\/produkt\/kaethe-und-karl-kollwitz-in-karlstein-bei-bad-reichenhall\/<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1891 heiratet sie Kollwitz, der sich als Kassenarzt in Berlins Stadtteil\nPrenzlauer Berg (am heutigen Kollwitzplatz) niederl\u00e4sst, und bekommt zwei\nS\u00f6hne. Ihr Vater, der viel rascher den Studienabschluss, Ausstellungen und\nErfolge erwartet hatte, war \u201esehr skeptisch gegen die Tatsache eingestellt,\ndass ich zwei Berufe vereinigen wollte, den k\u00fcnstlerischen und das b\u00fcrgerliche\nLeben in der Ehe. Mein Vater sagte mir kurz vor der Eheschlie\u00dfung: \u201aDu hast nun\ngew\u00e4hlt. Beides wirst du schwerlich vereinigen k\u00f6nnen. So sei das, was du\ngew\u00e4hlt hast, ganz!\u2018\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sie 1895 erstmals an der \u201eFreien Kunstausstellung\u201c in Berlin mit\ndrei Werken teilnahm, folgt 1898 dann der Zyklus \u201eEin Weberaufstand\u201c, der zu\nihrem k\u00fcnstlerischen Durchbruch f\u00fchrte. Max Liebermann war\ndavon so beeindruckt, dass er die junge K\u00fcnstlerin noch im selben Jahr zur\nkleinen goldenen Medaille vorschlug. Kaiser Wilhelm II., der die moderne Kunst\nals \u201eRinnsteinkunst\u201c bezeichnete, lehnte ab; im Folgejahr dagegen bekam sie die\nMedaille. Von 1898 bis 1903 war Kollwitz Lehrerin an der Damenakademie des\nVereins der Berliner K\u00fcnstlerinnen und wurde neben Liebermann, Slevogt, Corinth\noder Zille Mitglied der \u201eBerliner Secession\u201c, die gegen das historisierende\nKunstverst\u00e4ndnis Wilhelms II. opponierte.<\/p>\n\n\n\n<p>1902 begann Kollwitz ihre zweite Radierfolge \u201eBauernkrieg\u201c, f\u00fcr die sie\nsechs Jahre brauchen sollte und die ihr den Villa-Romana-Preis einbrachte.\nDazwischen liegen mit Paris (1904), wo sie August Rodin traf, und Florenz\n(1907) zwei Auslandsjahre: \u201eMutter zweier Kinder, l\u00e4sst die Kinder zur\u00fcck, bei\nMann und Betreuung, ein Kinderm\u00e4dchen, um sich diesen Aufbruch zu g\u00f6nnen. Da\nsteckt viel Kraft, viel Lebensfreude, aber auch viel k\u00fcnstlerisches Wollen\ndahinter\u201c, meint Berndt. Ihr Plakat f\u00fcr die Deutsche Heimarbeit-Ausstellung\n1906 wird auf Wunsch der Kaiserin von allen Anschlags\u00e4ulen entfernt, da Auguste\nViktoria die Darstellung einer abgearbeiteten Frau missf\u00e4llt. 1908 bis 1910\ngestaltete sie die satirische Zeitschrift \u201eSimplicissimus\u201c mit. In diese Zeit\nf\u00e4llt eine erotische Romanze mit Hugo Heller, einem verheirateten Autor,\nBuchh\u00e4ndler und Verleger mit engem Kontakt zu Sigmund Freund. Jahre sp\u00e4ter wird\nsich Karl in seine Sprechstundenhilfe Else verlieben. Die Ehe \u00fcbersteht beide\nAff\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>indirektes\nAusstellungsverbot<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Trauma dagegen wird der Weltkriegstod ihres j\u00fcngsten Sohns Peter hinterlassen. In ihrem Tagebuch notierte sie zun\u00e4chst am Montag, dem 10. August 1914, dass Peter ihren Mann bittet, ihn vor Aufgebot des Landsturms mitgehen zu lassen: \u201eKarl spricht mit allem dagegen was er kann. Ich habe das Gef\u00fchl des Dankes, dass er so um ihn k\u00e4mpft, aber ich wei\u00df es \u00e4ndert nichts mehr. Karl: Das Vaterland braucht dich noch nicht, sonst h\u00e4tte es dich schon gerufen. Peter leiser, aber fest: Das Vaterland braucht meinen Jahrgang noch nicht, aber mich braucht es.\u201c Peter Kollwitz stirbt am 22. Oktober 1914 bei Dixmuiden in Flandern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"646\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/kaethe_kollwitz_1940-400px-2-1024x646.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4799\"\/><figcaption> Alt Sankt Alban mit der Kollwitz-Skulptur. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.kuladig.de\/Objektansicht\/O-16622-20110924-3\">https:\/\/www.kuladig.de\/Objektansicht\/O-16622-20110924-3<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Tod des Sohnes macht K\u00e4the Kollwitz zur Pazifistin, lie\u00df sie mit\nSozialisten zusammentreffen und brachte ihre k\u00fcnstlerische Arbeit nahezu zum\nErliegen. Ein Denkmal will sie schaffen zu Ehren der vielen toten Freiwilligen.\nErst rund zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter wird daraus das Denkmal \u201eTrauernde Eltern\u201c,\ndas dem gefallenen Sohn gewidmet ist und heute auf\nder Kriegsgr\u00e4berst\u00e4tte Vladslo steht, wohin Peter 1956 umgebettet wurde. Eine\num 10 Prozent vergr\u00f6\u00dferte Kopie steht seit 1959 in der Erinnerungsruine der\nSt.-Alban-Kirche in K\u00f6ln.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Karl Liebknechts Tod widmete sie ihm 1919 einen Holzschnitt. Ihrer\nMeinung nach hat Kunst die Aufgabe, die sozialen Bedingungen darzustellen.\nEiner Partei geh\u00f6rte sie nie an, empfand sich aber als Sozialistin und unterst\u00fctzte\neinen Aufruf des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) zu einer\nZusammenarbeit von KPD und SPD. Im selben Jahr wurde sie, inzwischen auch\nMitglied im Deutschen K\u00fcnstlerbund, zur Professorin der Preu\u00dfischen Akademie\nder K\u00fcnste ernannt. <\/p>\n\n\n\n<p>In den folgenden Jahren wird sie vierfache Gro\u00dfmutter und erfreut sich an der Entwicklung ihrer Enkel. Sie arbeitete f\u00fcr die Internationale Arbeiter-Hilfe (IAH), der viele linke Intellektuelle angeh\u00f6ren, und gestaltet sozialpolitische Plakate wie \u201eNie wieder Krieg\u201c f\u00fcr den Mitteldeutschen Jugendtag in Leipzig , das sie 1922\/1923 zur von Ernst Barlach inspirierten Holzschnittfolge \u201eKrieg\u201c erweitert, und \u201eNieder mit den Abtreibungs-Paragraphen!\u201c. 1927 reist sie mit Karl nach Moskau, sieht auch die Kehrseite der russischen Revolution und unterschreibt eine Petition f\u00fcr Inhaftierte und Proteste gegen die Verbannung russischer Wissenschaftler. Ab 1928 leitet sie das Meisteratelier f\u00fcr Grafik an der Akademie der K\u00fcnste. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"540\" height=\"395\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/kaethe_kollwitz_1940-400px-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4800\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/kaethe_kollwitz_1940-400px-3.jpg 540w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/kaethe_kollwitz_1940-400px-3-300x219.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption> 1927, bei der Auswahl der Werke f\u00fcr ihre Ausstellung in der Preu\u00dfischen Akademie der K\u00fcnste. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.kollwitz.de\/biografie\">https:\/\/www.kollwitz.de\/biografie<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1933 wird Kollwitz zum Austritt aus der Preu\u00dfischen Akademie der K\u00fcnste\ngezwungen und des Amtes als Leiterin der Meisterklasse f\u00fcr Grafik enthoben: sie\nhatte den Dringenden Appell zum Aufbau einer einheitlichen Arbeiterfront gegen\nden Nationalsozialismus mit 32 Pers\u00f6nlichkeiten unterzeichnet, darunter auch\nAlbert Einstein, Heinrich Mann und Arnold Zweig. Ab 1934 bezog sie den\nAtelierraum Nr. 210 in der Klosterstra\u00dfe 75, wo in den n\u00e4chsten sechs Jahren ihr\nAlterswerk entstand, etwa die Lithografie-Folge \u201eTod\u201c, die Zementplastik\n\u201eMutter mit Zwillingen\u201c oder die Bronze \u201eDie Klage\u201c. 1936 lie\u00df der Preu\u00dfische\nKulturminister Bernhard Rust die Exponate der K\u00fcnstlerin aus der\nAkademieausstellung und dem Kronprinzenpalais entfernen, was einem indirekten\nAusstellungsverbot gleichkam. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201esie hat\nnie etwas kalt gemacht\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Sommer\n1940 stirbt ihr Mann. Sie zieht sich aus dem Atelier zur\u00fcck und wird nur noch\nf\u00fcr d\u00fcstere Werke Kraft finden. Die Trauer um ihren Mann, ja den Tod allgemein\nverarbeitet sie in der Kleinplastik \u201eAbschied\u201c sowie weiteren grafischen Werken,\nso ihrer letzten Lithographie \u201eSaatfr\u00fcchte sollen nicht vermahlen werden\u201c, das\nVerm\u00e4chtnis der K\u00fcnstlerin gegen Soldatentod und Krieg. Denn im September 1942\nf\u00e4llt ihr \u00e4ltester Enkel, der wie ihr gefallener Sohn auch Peter hei\u00dft, in\nRussland. 1943 verl\u00e4sst sie Berlin wegen zunehmender Luftangriffe und kommt\nzun\u00e4chst in Nordhausen bei der Bildhauerin Margret B\u00f6ning unter. Am 25.\nNovember wird ihre Berliner Wohnung, in der sie 52 Jahre lang lebte, durch\nBomben zerst\u00f6rt, viele Drucke und Platten werden vernichtet. \u201eDa stehe ich und\ngrabe mir mein eigenes Grab\u201c hei\u00dft eine ihrer letzten Zeichnungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Juli 1944 zog K\u00e4the Kollwitz auf Einladung von Ernst Heinrich von Sachsen in den Moritzburger R\u00fcdenhof wenige Kilometer vor Dresden um und bewohnte im ersten Stock zwei Zimmer mit Blick auf das Schloss. Von der Wohnungseinrichtung sind der Nachttisch, ihr Tagebuch und eine B\u00fcste von Johann Wolfgang von Goethe erhalten geblieben. Ihre Enkelin Jutta Bohnke-Kollwitz erinnert sich im <em>DLF<\/em>: \u201eAm meisten genoss sie wohl die Abende, wenn wir in dem kleinen Kamin ein Feuer angez\u00fcndet hatten und ich ihr aus \u201aDichtung und Wahrheit\u2018 vorlas. Denn Goethe war ihr unendlich lieb. Seine Maske hing \u00fcber ihrem Bett; manchmal musste ich sie ihr herunterreichen, dann tastete sie mit geschlossenen Augen ab, \u201aZur Orientierung\u2018, wie sie sagte. Und sie erinnerte mich an die Aufforderung Goethes an Ottilie: \u201aKomm, lass uns vom Sterben sprechen!\u2018\u201c <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"632\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/kaethe_kollwitz_1940-400px-4-1024x632.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4801\"\/><figcaption> K\u00e4the Kollwitz Haus Moritzburg. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.sachsens-museen-entdecken.de\/museum\/294-kaethe-kollwitz-haus-moritzburg\/\">https:\/\/www.sachsens-museen-entdecken.de\/museum\/294-kaethe-kollwitz-haus-moritzburg\/<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Und in\ndiesen Zimmern starb sie 77j\u00e4hrig wenige Tage vor Ende des Krieges; der\nR\u00fcdenhof ist seit 1995 eine Gedenkst\u00e4tte. Begraben ist sie, mit einigen\nAngeh\u00f6rigen, in der K\u00fcnstlerabteilung auf dem Berliner Zentralfriedhof\nFriedrichsfelde, heute als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet. Ihr \u201eDenkmal\nder trauernden Eltern\u201c steht als Kopie inzwischen auch auf einer\nKriegsgr\u00e4berst\u00e4tte f\u00fcr die deutschen Gefallenen des Zweiten Weltkrieges 200\nKilometer westlich von Moskau. Kollwitz lebt weiter nicht nur in der Pieta f\u00fcr\ndie Neue Wache in Berlin als zentrale Gedenkst\u00e4tte der Bundesrepublik f\u00fcr die\nOpfer von Krieg und Gewaltherrschaft, sondern auch in Stra\u00dfen, Pl\u00e4tzen und\nSchulen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Person, die Ralf Kirsten 1987 f\u00fcr die DEFA mit Jutta Wachowiak verfilmte, vereint mehrere Superlative. Sie war die erste Frau, die je zur Mitgliedschaft der Preu\u00dfischen Akademie der K\u00fcnste aufgefordert wurde. Ebenfalls als erste Frau erhielt sie den preu\u00dfischen Orden Pour le M\u00e9rite f\u00fcr Wissenschaften und K\u00fcnste. Sowohl die Bundes- als auch die DDR-Post ehrte sie mit gleich zwei Briefmarken. Anl\u00e4sslich ihres 150. Geburtstags taufte die Bahn einen ICE 4 nach ihr, selbst ein Asteroid tr\u00e4gt ihren Namen. Und als 13. Frau sowie erste K\u00fcnstlerin wurde ihre B\u00fcste vor einem Jahr feierlich in der Walhalla enth\u00fcllt. \u201eAm Ende bleibt die Intensit\u00e4t ihrer Kunst\u201c, meint Iris Berndt. \u201eUnd wenn sie sagt, sie hat nie etwas kalt gemacht in ihrer Kunst, dann kann man das, wenn man sich nur ein bisschen Ruhe nimmt, sie zu betrachten, wenn man sich anschaut, wie sie Striche f\u00fchrt, wie sie Kompositionen baut, doch ja, nachempfinden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4796&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie gilt als gr\u00f6\u00dfte deutsche K\u00fcnstlerin des 20. Jahrhunderts &#8211; und eine der ernstesten: sie verlor einen Sohn im I. und einen Enkel im II. Weltkrieg. K\u00e4the Kollwitz starb vor 75 Jahren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4796"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4796"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4796\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4802,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4796\/revisions\/4802"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4796"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4796"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4796"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}