{"id":4803,"date":"2020-04-05T07:01:22","date_gmt":"2020-04-05T06:01:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4803"},"modified":"2020-03-24T10:42:24","modified_gmt":"2020-03-24T09:42:24","slug":"die-natur-hatte-angst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4803","title":{"rendered":"\u201eDie Natur hatte Angst\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Bis heute genie\u00dft er das nahezu einmalige Privileg, nur durch seinen\nVornamen bekannt zu sein, und noch heute kennen die wenigsten seinen vollst\u00e4ndigen\nNamen Raffaello Santi da Urbino. \u00dcber vier Jahrhunderte hinweg blieb er vorbildhaft\nf\u00fcr Generationen von K\u00fcnstlern. An den Akademien gelehrt und vor allem im 19.\nJahrhundert unter anderem von Goethe propagiert, galt Raffael als Vollendung\nder Renaissance, seine Kunst als Inbegriff der \u201eKlassik\u201c und er lange als\ngr\u00f6\u00dfter Maler aller Zeiten \u2013 vor seinen Zeitgenossen Michelangelo und Leonardo\nda Vinci. Am Karfreitag 1483 geboren, starb er am 6. April 1520, seinem 37.\nGeburtstag, ebenfalls einem Karfreitag. <\/p>\n\n\n\n<p>Bereits am Tag danach begann die mythische \u00dcberh\u00f6hung des jung verstorbenen K\u00fcnstlers. \u201eMan spricht hier nur vom Tod dieses Mannes, der am Ende seiner siebenunddrei\u00dfig Lebensjahre sein erstes Leben beendete. Sein zweites Leben aber, das seines Ruhmes, der weder der Zeit noch dem Tod unterliegt, wird ewig sein, wegen seiner Werke und auch wegen der Anstrengungen der Gelehrten, die in seinem Lob schreiben und denen es nicht an Themen fehlen wird\u201c, schrieb der r\u00f6mische Gesandte Grossino an Isabella d\u2019Este, die Herzogin von Mantua. \u201eDie Natur hatte Angst, als Raffael lebte, vor seinem Sieg; als er starb, dass sie sterbe mit ihm\u201c, steht in Latein auf dem antiken Sarkophag im Pantheon in Rom, in dem er auf eigenen Wunsch bestattet wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"528\" height=\"720\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/528px-Raffaello_Sanzio-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4806\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/528px-Raffaello_Sanzio-1.jpg 528w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/528px-Raffaello_Sanzio-1-220x300.jpg 220w\" sizes=\"(max-width: 528px) 100vw, 528px\" \/><figcaption>Selbstportr\u00e4t 1506. Quelle: Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=35440864<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zu seinem Ende existieren drei Versionen. Nach der einen starb er an\neinem Aderlass zur Kurierung von der Syphilis, die er sich \u2013 zwar klein, aber\nfreundlich, gut aussehend und vor allem bei Frauen beliebt \u2013 bei seinen\nzahlreichen Aff\u00e4ren zugezogen haben soll \u2013 einen \u201egalanten Sch\u00f6nling\u201c nennt ihn\nKia Vahlland. Nach der anderen verschied er nach einem arch\u00e4ologischen\nAufenthalt in Sumpfgebieten um Rom an Malaria. Und nach der dritten, dramatischsten\nraffte ihn die Pest dahin: die damals \u00fcblichen Beerdigungsrituale wurden stark\nabgek\u00fcrzt, um den Leichnam Raffaels schnellstens in Rom beizusetzen.\nM\u00f6glicherweise sollte so eine Ansteckung verhindert werden. Dass er sich durch\nseine rastlose geistige und k\u00f6rperliche T\u00e4tigkeit im \u00dcberma\u00df \u00fcberanstrengt\nhatte, gilt heute als eher fraglich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eFrucht\ndieser Kultur\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Sohn des Goldschmieds Giovanni Santi, der auch als Maler arbeitete,\nkam in Urbino zur Welt, der Idealstadt des kunstverliebten Herzogs Federico da Montefeltro,\nwie die Kunsthistorikerin Lorenza Mochi Onori im <em>DLF<\/em> erkl\u00e4rt: \u201eEs war der Ort und der Hofstaat den Baldassare\nCastiglione in seinem Buch \u00fcber den \u201aCortigiano\u2018, den H\u00f6fling, beschrieben\nhatte. Hier gab es eine der reichsten Bibliotheken der damaligen Zeit. In\nUrbino hatte Raffael ein vielseitiges Repertoire k\u00fcnstlerischer Ausdrucksformen\nvor Augen. Um Raffael zu verstehen, muss man diese Architekturen sehen, diese\nLandschaften erleben. Raffael ist die Frucht dieser Kultur.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Durch seinen Vater bekam er fr\u00fch Kontakt zu gebildeten Humanistenkreisen und erhielt schon als Kind die erste Ausbildung in der Malerei \u2013 Henning Kl\u00fcver nennt Giovanni im <em>DLF<\/em> einen \u201ehochtalentierten und stilsicheren K\u00fcnstler\u201c. Als Hofmaler arbeitete er an Entw\u00fcrfen f\u00fcr die Hochzeitsfeier von Herzog Guidobaldo und Elisabetta Gonzaga. Doch bereits 1491 verstarb Raffaels Mutter, 1494 sein Vater. Der erst elfj\u00e4hrige Knabe trat als Sch\u00fcler in die Werkstatt des Pietro Vanucci ein, genannt Perugino. Der galt als gro\u00dfer Maler, war er doch von Papst Sixtus IV. nach Rom gerufen worden, um bei der Ausschm\u00fcckung der Sixtinischen Kapelle mitzuwirken, wo er die Schl\u00fcssel\u00fcbergabe an den heiligen Petrus malte. Perugino unterhielt zwei Werkst\u00e4tten, eine in Florenz und eine in Perugia, wo der junge Raffael lernte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/sixtinische-madonna.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4808\"\/><figcaption>Die sixtinische Madonna. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.kunstkopie.de\/a\/raffael.html&amp;mpos=999\">https:\/\/www.kunstkopie.de\/a\/raffael.html&amp;mpos=999<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Er zeigte bereits als 17j\u00e4hriger gro\u00dfes Talent: es gelang ihm,\nsich so weit an den Stil Peruginos anzun\u00e4hern, dass eine Unterscheidung der\nWerke oft nur mit M\u00fche gelingt. Er stellte bald seinen Lehrer in den Schatten,\ndessen Figuren von oft manieristischer Anmut sind, mit s\u00fc\u00dflichen Farben gemalt,\nim Rhythmus etwas monoton und wie abgezirkelt. Prompt wurde er in dem \u00e4ltesten\nseiner \u00fcberlieferten Vertr\u00e4ge, einer Abmachung zwecks eines Altarwerkes in\nCitt\u00e0 di Castello, magister (Meister) genannt. Er unterzeichnete gemeinsam mit dem\nMaler Evangelista da Pian di Meleto einen Vertrag mit einem Wollh\u00e4ndler f\u00fcr ein\nAltarbild f\u00fcr die Familienkapelle &#8211; Raffaels erstes belegtes Werk, das\nallerdings durch ein Erdbeben 1789 weitgehend zerst\u00f6rt und in mehrere Teile\nzerlegt wurde. Immerhin 33 Dukaten brachte es ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der \u201eLondoner Kreuzigung\u201c und \u201eDie Kr\u00f6nung Mari\u00e4\u201c, die in eine\nirdische und eine himmlische Zone gegliedert sind und von geometrischen\nGrundformen, vor allem Kreisen, beherrscht werden, vollendete Raffael 1504 sein\nfr\u00fches Meisterwerk \u201eDie Verm\u00e4hlung der Maria\u201c. Das Gem\u00e4lde ist nicht mehr durch\nein \u00dcbereinander von Zonen, sondern durch eine deutliche perspektivische\nTiefenstaffelung gekennzeichnet und \u00fcbertraf damit Perugino. Im selben Jahr\nging der junge Meister mit einem Empfehlungsschreiben des urbinischen Hofes\nnach Florenz, wo schon Michelangelo und Leonardo da Vinci Ber\u00fchmtheit erlangt\nhatten. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die\nFresken der Stanzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Er freundete sich mit dem m\u00e4chtigen Taddeo Taddei an, in dessen Palast er wohnte, und wurde mit dem Maler Fra Bartolomeo bekannt, der ihn mit dem fundamentalistischen Christentum des 1498 hingerichteten Girolamo Savonarola in Kontakt brachte. Auch w\u00e4hrend seiner Florentiner Zeit waren die Madonnenbilder, die er schuf, hoch gesch\u00e4tzt. Raffael, der nun intensiv die Werke Leonardo da Vincis studierte, schuf in Florenz etwa 15 Madonnen, die zu seinen besten z\u00e4hlen. Auf Empfehlung seines Onkels Donato Bramante, der unter Papst Julius II. mit dem Neubau des Petersdoms und des Vatikans beauftragt war, kam Raffael schlie\u00dflich 1508 nach Rom.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/sixtinische-madonna-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4810\"\/><figcaption>Die Schule von Athen. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.kunstkopie.de\/a\/raffael\/die-schule-von-athen-1-1.html\">https:\/\/www.kunstkopie.de\/a\/raffael\/die-schule-von-athen-1-1.html<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Hier erhielt er den Auftrag, die p\u00e4pstlichen Gem\u00e4cher, die so genannten\nStanzen, mit Fresken zu schm\u00fccken. Julius II. beauftragte einige Maler f\u00fcr\ndieses Projekt, doch nachdem ihn das Talent Raffaels so beeindruckte, entlie\u00df\ner alle anderen und w\u00e4hlte Raffael als einzigen K\u00fcnstler f\u00fcr diese Arbeiten\naus. Auch der auf Julius II. folgende Papst Leo X. war von seinen Arbeiten\nfasziniert und bezeugte Raffael seine Gunst. So entstanden zwischen 1509 und\n1517 seine ber\u00fchmtesten Werke, begonnen mit der ber\u00fchmten \u201eSchule von Athen\u201c,\neiner Darstellung der philosophischen Wissenschaften. Das Zentrum bilden Platon\nund Aristoteles, um die sich die anderen Philosophen wie Pythagoras, Heraklit,\nSokrates oder Diogenes gruppieren. W\u00e4hrend seiner Arbeiten im Vatikan lernte\nRaffael Michelangelo kennen, der zu dieser Zeit mit der Ausschm\u00fcckung der\nSixtinischen Kapelle befasst war. Auch der Stil Michelangelos beeinflusste\nRaffaels Arbeiten seit dieser Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wandgem\u00e4lde der Stanzen preisen die K\u00fcnste, die Religion und die Philosophie und gelten als absolute Meisterwerke der Hochrenaissance, in denen zudem religi\u00f6se Inhalte mit aktuellen politischen Ereignissen verkn\u00fcpft sind. Diese vielschichtige Ikonographie geht auf Anregungen des Papstes zur\u00fcck, der seine religionspolitischen Vorstellungen auch in der Kunst zum Ausdruck bringen wollte. Die durchdachten Eingriffe Raffaels in die vorgegebenen Themen bringen das humanistisch gepr\u00e4gte kulturelle Klima des Roms seiner Zeit auf au\u00dfergew\u00f6hnliche Weise zum Ausdruck. Daneben entwarf Raffael die Kartons f\u00fcr die Apostelteppiche in der Sixtinischen Kapelle.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cq5dam.thumbnail.cropped.1500.844-1024x576.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4812\"\/><figcaption> \u00a0Raffael-Wandteppich in der Sixtinischen Kapelle. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/vatikan\/news\/2020-02\/sonderschau-raffael-wandteppiche-in-der-sixtinischen-kapelle.html\">https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/vatikan\/news\/2020-02\/sonderschau-raffael-wandteppiche-in-der-sixtinischen-kapelle.html<\/a>  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Fresken der Stanzen stellen einen H\u00f6hepunkt der europ\u00e4ischen Malerei\ndar. Das Wahre, Gute und Sch\u00f6ne erg\u00e4nzen einander und f\u00fchren zur Verschmelzung\nvon antikem und christlichem Denken. In den klaren und ausdrucksvollen Bildern\nentsprechen sich Form und Inhalt nahezu vollkommen. Am 13. Januar 1509 best\u00e4tigte\nRaffael den Erhalt von 100 Dukaten f\u00fcr die begonnene Arbeit an den p\u00e4pstlichen\nGem\u00e4chern. Aber auch etliche ber\u00fchmte Pers\u00f6nlichkeiten lie\u00dfen sich vom Meister\nportr\u00e4tieren- neben den P\u00e4psten auch Graf Castiglione oder Kardinal da Bibbiena.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Raffael 1511 den ersten Teil der fertiggestellten Deckenfresken Michelangelos\nzu Gesicht bekam, entschloss er sich, seinen eigenen Stil zu ver\u00e4ndern, indem er\ndie Darstellung seiner Figuren zunehmend dynamischer werden lie\u00df und er ihnen\nmehr Gr\u00f6\u00dfe und W\u00fcrde verlieh. Im selben Jahr wurde er formell zum scriptor\nbrevium ernannt: Das Amt des Brevenschreibers sollte sicherstellen, dass\nRaffael dem Papst ein treuer Mitarbeiter blieb, denn es galt als Ehrung und\nPfr\u00fcndengarantie. Um das finanzielle Auskommen des K\u00fcnstlers zu sichern, war es\nmit einem festen Gehalt verbunden. 1512 entstand dann sein ber\u00fchmtestes\nMadonnenbild, die Sixtinische Madonna, die heute in der Gem\u00e4ldegalerie von\nDresden bewundert werden kann und deren zauberhafte Putten am unteren Bildrand zahllose\nZitate der Popul\u00e4rkultur auf allen m\u00f6glichen Gegenst\u00e4nden der heutigen Zeit\nnach sich zogen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lieblich\nund harmlos <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Jahre sp\u00e4ter wurde Raffael zum Architekten und Bauleiter der neuen Peterskirche ernannt. Unter seiner Leitung wurde allerdings nur der Unterbau begonnen. Als Architekt schuf er den Grundriss der Kathedrale auf Basis eines lateinischen Kreuzes, w\u00e4hrend sein Vorg\u00e4nger noch ein griechisches Kreuz vorgesehen hatte. Erhalten blieben zahlreiche weitere Entw\u00fcrfe und Architekturzeichnungen Raffaels aus dieser Zeit. Er vollendete jedoch den Hof von San Damaso im Vatikan und fertigte mehrere Pl\u00e4ne zu Privatgeb\u00e4uden an. Raffael intensivierte sein Antikenstudium und bereitete die Rekonstruktion des antiken Rom vor. Zudem war der K\u00fcnstler f\u00fcr alle Projekte des Papstes in der Stadt verantwortlich, wodurch seine eigene malerische Produktion litt. Seine Aufgaben als Bauleiter und Aufseher lie\u00dfen ihm kaum Zeit, seine sp\u00e4ten Malwerke selbst anzufertigen, so dass er seine Auftr\u00e4ge \u00fcberwiegend von seinen Mitarbeitern, vor allem Raffaellino del Colle und Giulio Romano, ausf\u00fchren lie\u00df. Nach seinem Tod erlosch auch seine Schule \u2013 im Gegensatz zur Werkstatt seines Vaters, die er gemeinsam mit Pian de Meleto weitergef\u00fchrt hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.daskreativeuniversum.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Chigi-Kapelle-Rom-Foto-Peter1936F-Wikipedia-CC-BY-SA3.0.webp\"\/><figcaption>Chigi-Kapelle in Rom. Quelle:   <a href=\"https:\/\/www.daskreativeuniversum.de\/raffael-biografie\/\">https:\/\/www.daskreativeuniversum.de\/raffael-biografie\/<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Briefen\nan seinen Onkel in Urbino sprach Raffael von Heiratspl\u00e4nen. Er war lange Zeit\nverlobt mit Maria da Bibbiena, einer Nichte des von ihn portr\u00e4tierten Kardinals.\nSie starb in seinem Todesjahr. Seine Geliebte Margharita Luti, eine\nB\u00e4ckerstochter aus Rom, ist unter dem Namen Fornarina bekannt &#8211; Raffael verewigte\nsie in mehreren seiner Werke. Sie soll bis zu seinem Tod in seinem Haus in Rom\ngelebt haben. Vor seinem Tod entstanden noch der Amor- und Psyche-Freskenzyklus\nsowie die Fresken der vatikanischen Loggien, die biblische Szenen darstellen\nund als \u201eBibel Raffaels\u201c bezeichnet werden. Raffaels letztes eigenh\u00e4ndig\ngemaltes Werk war die Verkl\u00e4rung Christi, die sich heute in der Pinakothek des\nVatikans befindet und nie vollendet wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Durch seine\nhohen menschlichen Tugenden, seine Grazie, Sch\u00f6nheit, Bescheidenheit und seine\nvortrefflichen Sitten geh\u00f6re er nicht zu den normal Sterblichen, sondern zu den\nsterblichen G\u00f6ttern, die den Nachgeborenen in dauerhafter Erinnerung bleiben, meint\nsein Biograph und Zeitgenoss Giorgio Vasari. Die von Raffaels Kunst und Person\nausgehende Faszination hielt nahezu vier Jahrhunderte an, bevor sie gegen Ende\ndes 19. Jahrhunderts zu verblassen begann, etwa genau zu der Zeit, als\nMichelangelo zum Inbegriff des in Konflikte verstrickten Genius und zum Symbol\ntragischer Gr\u00f6\u00dfe wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Denn der galt neben dem Renaissance-Titanen Leonardo als kolossaler, universaler, w\u00e4hrend Raffael neben ihnen immer wie ein Leichtgewicht erschien, feiert er doch mit seinen Werken vor allem die Sch\u00f6nheit und Harmonie, in den Marienbildnissen die Zartheit und Poesie. F\u00fcr seine Rezeption sollte das nicht nur von Vorteil sein. Heute wird Raffael vielfach als \u201elieblich\u201c und \u201eharmlos\u201c abgetan: \u201eSeine Madonnen wirken einfach zu vollendet, die immer wiederkehrende Dreieckskomposition aus Maria mit dem Kind, der gef\u00e4llige Dreiklang aus rotem Kleid, blauem Mantel und hellem Inkarnat scheint zu perfekt\u201c, befindet Nicola Kuhn im <em>Tagesspiegel<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"478\" height=\"719\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/478px-LorenzettoMadonna.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4814\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/478px-LorenzettoMadonna.jpg 478w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/478px-LorenzettoMadonna-199x300.jpg 199w\" sizes=\"(max-width: 478px) 100vw, 478px\" \/><figcaption>Raffaels Grab. Quelle: CC BY 2.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=2118119<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p> Doch Raffaels Entwicklung verdeutlicht nach Ansicht Vasaris, dass es ein K\u00fcnstler trotz ung\u00fcnstiger Voraussetzungen durch M\u00fchen, Studien und Fleiss (\u201efatica, studio, e diligenza\u201c) zu gro\u00dfem Ansehen und K\u00f6nnen bringen k\u00f6nne, wenn er sich die richtigen Beispiele suche, die ihm helfen, seinen Stil zu verbessern. Raffael habe nicht wie ein K\u00fcnstler, sondern wie ein F\u00fcrst gelebt und gezeigt, wie die Maler freundlich und h\u00f6flich miteinander umgehen k\u00f6nnten, obwohl dies ihrer Wesensart widerspreche. Eine solche Harmonie und Einheit habe es in keiner anderen Zeit gegeben.  <\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4803&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Sch\u00f6pfer der \u201eSixtinischen Madonna\u201c und Bauleiter des Petersdoms gilt Raffael als einer der bedeutendsten K\u00fcnstler der Welt. Vor 500 Jahren starb er.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4803"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4803"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4803\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4816,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4803\/revisions\/4816"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}