{"id":4854,"date":"2020-04-02T15:51:19","date_gmt":"2020-04-02T14:51:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4854"},"modified":"2020-04-02T15:51:20","modified_gmt":"2020-04-02T14:51:20","slug":"offener-brief-an-kai-gniffke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4854","title":{"rendered":"Offener Brief an Kai Gniffke"},"content":{"rendered":"\n<p>Sehr\ngeehrter Herr Gniffke,<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie AfD hat\ngenauso einen Anspruch auf eine faire Berichterstattung wie jede andere Partei\nauch\u201c, sagten Sie am 25. Oktober noch als ARD-Aktuell-Chef bei einer Dresdner\nPodiumsdiskussion, der ich selbst beiwohnte. \u201eWir haben zu einem\nprofessionellen, sachlichen Umgang mit der neuen Partei gefunden, die nun in\nunserer Berichterstattung gilt\u201c, sagten Sie als SWR-Intendant am 27. M\u00e4rz der <em>Jungen Freiheit<\/em>. An beidem ist nach der vorgestrigen\nBerichterstattung, wieder einmal, zu zweifeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Hintergrund: ich lud am 30. M\u00e4rz 15.56 Uhr die SWR-H\u00f6rfunk- und Fernsehredaktion zu Zeiten von Homeoffice, virtuellen Konferenzen etc. ein, \u00fcber die reale AfD-Fraktionssitzung am 31. M\u00e4rz 10.00 Uhr mit den beiden Initiativen \u201eVerfassungsklage an M. Aras\u201c und \u201eFragenkatalog an T. Schopper\u201c zu berichten. Ihr Redakteur M. Pfalzgraf sagte 20.11 Uhr zu und war am Morgen auch mit Team vor Ort, f\u00fchrte ein Interview mit Fraktionschef Bernd G\u00f6gel und machte Schnittbilder. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"534\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild2-1024x534.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4855\"\/><figcaption>Schnittbild. Screenshot:  <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/swr\/player\/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEyMjEwNjk\/sendung-19-30-uhr-vom-31-3-2020\">https:\/\/www.ardmediathek.de\/swr\/player\/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEyMjEwNjk\/sendung-19-30-uhr-vom-31-3-2020<\/a>  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Heraus kam\nin der SWR-Aktuell-Sendung ein Minutenst\u00fcck zum Parteiausschluss von Stefan\nR\u00e4pple MdL, den das Landesschiedsgericht am Abend zuvor beschlossen hatte. Kein\nWort \u00fcber die (am Nachmittag verworfene) Verfassungsklage, die den unertr\u00e4glich\nautokratischen Zustand anprangerte, die permanente demokratische Kontrolle der\nRegierung durch das Parlament nicht zuzulassen \u2013 offenbar nimmt der SWR diesen\nZustand als normal wahr. Und auch kein Wort \u00fcber den Fragenkatalog zur\nCorona-Situation, mit dem die gr\u00f6\u00dfte Oppositionsfraktion im S\u00fcdwesten eine transparente,\ntagesaktuelle Teilhabe am Informationsstand der Landesregierung einforderte, um\nihrer Kontrollfunktion gerecht zu werden und zu pr\u00fcfen, ob die Landesregierung\ntats\u00e4chlich zum Wohl der Bev\u00f6lkerung agiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit hat\nIhr Sender musterg\u00fcltig alle Klischees bedient, die ihm, neben den anderen\n\u00f6ffentlich-rechtlichen Anstalten, seit Jahren vorgeworfen werden. Zum Ersten\nhaben Sie nach dem Prinzip der Medialisierung eine Neben- zur Hauptsache\ngemacht: Ein Parteiausschluss isoliert, eine Mehrheitsklage dagegen\nkollektiviert und normiert. Das betrifft auch und erst recht die Fragen an\nBernd G\u00f6gel, die sich bestenfalls terti\u00e4r um die Person R\u00e4pple drehten. Zum Zweiten\nhaben Sie nach dem Prinzip der Mediatisierung den Einzel- zum Normalfall\nerhoben: die Person R\u00e4pple wird als fraktionsentscheidend gezeigt, nicht der\nkollektive sachpolitische Wille der anderen Fraktion\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zum Dritten haben Sie nach dem Prinzip der \u201einstrumentellen Aktualisierung\u201c (Kepplinger 2011) genau jene Sachverhalte gehypt, die ihrem politischen, oder besser politisch korrekten, Verst\u00e4ndnis entsprechen, und die anderen, mehrheitlich dem Land und seiner Bev\u00f6lkerung nutzenden durch Verschweigen abgewertet. Das ist nicht nur hochgradig unseri\u00f6s, sondern manipulativ, desinformativ und letztlich destruktiv: Sie wollen den S\u00fcdwesten und seine B\u00fcrger nicht einen, sondern seine Spaltung vorantreiben, indem sie Ausgrenzung bef\u00f6rdern \u2013 ein Schema, das der SWR nach Auskunft meiner Kollegen von Anbeginn betreibt: die AfD findet auf sachpolitischer Ebene nicht statt, sondern nur auf moralischer Metaebene. Das k\u00fcndet von der Heraufkunft der Schmitt\u2018schen Freund-Feind-Unterscheidung im Journalismus und kann nicht Aufgabe eines b\u00fcrgerfinanzierten Senders sein. Erst recht nicht, und dieser Verdacht liegt sehr nahe, einen privaten Feldzug gegen einen Politiker zu f\u00fchren, dessen Protestaktionen gegen sich man vielleicht nicht guthei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"477\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Bild3-1024x477.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4856\"\/><figcaption>Anmoderation. Screenshot:  <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/swr\/player\/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEyMjEwNjk\/sendung-19-30-uhr-vom-31-3-2020\">https:\/\/www.ardmediathek.de\/swr\/player\/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzEyMjEwNjk\/sendung-19-30-uhr-vom-31-3-2020<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sehr\ngeehrter Herr Gniffke, dass ich nach gerade vier Wochen Arbeit als\nPressesprecher ob solcher Unkollegialit\u00e4t verschnupft bin, k\u00f6nnen Sie diesen\nZeilen entnehmen: Sie haben bewiesen, dass die altehrw\u00fcrdige Theorie der\nNachrichtenwerte (vgl. zuletzt Maier\/Ruhrmann\/Klietsch 2007 und Maier\/Stengel\/Marschall\n2010) nicht nur funktionalisiert, sondern leider auch ideologisiert, ja\nmoralisiert werden kann. Das hat mit einem Grundversorgungsauftrag \u201eInformation\n\u2013 Bildung\/Beratung \u2013 Unterhaltung\u201c rein gar nichts mehr zu tun \u2013 aber umso mehr\nmit einem P\u00e4dagogisierungs-, ja eingebildeten Indoktrinationsauftrag. Den\nhatten Sie nicht, den haben Sie nicht und den werden Sie auch nie haben. Also\nbeflei\u00dfigen Sie sich gef\u00e4lligst all- statt einseitiger Information; die habe\nich in meiner aktiven Zeit als Fernsehjournalist und Mediendozent von meinen\nRedakteuren, Volont\u00e4ren und Studenten selbst eingefordert. Die\nManipulierbarkeit des Menschen endet an der Wahrheit. Unser Land braucht Sinn,\nkeinen publizistischen Unsinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit\nverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Thomas\nHartung<\/p>\n\n\n\n<p>Pressesprecher<\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4854&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Gniffke,<br \/>\n\u201eDie AfD hat genauso einen Anspruch auf eine faire Berichterstattung wie jede andere Partei auch\u201c, sagten Sie am 25. 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