{"id":4872,"date":"2020-05-11T07:16:26","date_gmt":"2020-05-11T06:16:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4872"},"modified":"2020-04-22T18:47:58","modified_gmt":"2020-04-22T17:47:58","slug":"schoenheit-lockt-mich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4872","title":{"rendered":"\u201eSch\u00f6nheit lockt mich\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Als das <em>ZDF<\/em> f\u00fcr seine Serie\n\u201eDie Deutschen\u201c daran ging, sein Leben zu verfilmen, w\u00e4hlte der Sender nicht\nnur \u201edie Liebe\u201c als titelgebenden roten Faden, sondern gleich noch \u201eDer\ns\u00e4chsische Casanova\u201c als Untertitel: gemeint war Sachsens Kurf\u00fcrst Friedrich August\n\u201eder Starke\u201c. Die boulevardeske \u00dcberspitzung war nicht ganz falsch. \u201eEr\nunterhielt eine Art Harem der sch\u00f6nsten Frauen seines Landes. Als er starb,\nberechnete man, dass er von seinen M\u00e4tressen 354 Kinder gehabt habe\u201c: dieses\nNotat der spitzz\u00fcngig-boshaften Bayreuther Markgr\u00e4fin Wilhelmine, Lieblingsschwester\nFriedrichs des Gro\u00dfen, gilt heute zwar als \u00fcbertrieben. Aber elf M\u00e4tressen und\nacht anerkannte uneheliche Kinder des Lebemanns sind belegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am bekanntesten wurde die 1704 begonnene Liaison mit der sch\u00f6nen und geistreichen Anna Constantia, die mit seinem Minister Hoym ungl\u00fccklich verheiratet war. Sie stellt nicht nur ihre eigenen Medikamente und Kosmetika her, sondern kann auch Branntwein brennen und Bier brauen, ist bewandert in Mathematik, Sprachen sowie antiker Geschichte, dazu bibel-, trink- und sattelfest: \u201eschie\u00dfend und reitend wie ein Kerl\u201c, hei\u00dft es. August wirft seine Maxime \u201eSch\u00f6nheit lockt mich, Charakter widert mich an\u201c \u00fcber den Haufen, l\u00e4sst sich gar auf einen heimlichen Ehevertrag ein, um sie zu bekommen, und schenkt der Angebeteten nach ihrer erfolgreichen Scheidung von Hoym, inzwischen Reichsgr\u00e4fin von Cosel, das Taschenbergpalais, heute ein F\u00fcnfsternehotel, sowie Schloss Pillnitz. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4916\"\/><figcaption>Die Cosel und August. Quelle: https:\/\/www.welt.de\/img\/geschichte\/mobile138953476\/5471627047-ci23x11-w960\/ONLINE.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Doch als er 1712 aus politischen Erw\u00e4gungen heraus wieder eine polnische M\u00e4tresse braucht und sich die Cosel, die ihm mittlerweile drei Kinder geboren hat, vehement wehrt, l\u00e4sst er sie fallen. Den Kindern lie\u00df er eine ausgezeichnete Bildung zukommen, verheiratete sie gut und sicherte sie finanziell ab &#8211; die Gr\u00e4fin dagegen kam als politische Gefangene ohne Urteil auf die Festung Stolpen, wo sie 49 Jahre lang gefangen blieb. Sie \u00fcberlebte August 32 Jahre, niemand f\u00fchlte sich f\u00fcr ihr Schicksal zust\u00e4ndig, sie wurde bis zu ihrem Tod \u201everwaltet\u201c. Der r\u00fccksichtslose Umgang mit seiner Umgebung tr\u00fcbt sein Bild bis heute: Er z\u00f6gerte nicht, in Ungnade gefallene Vertraute, Frauen wie M\u00e4nner, in Festungshaft setzen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ungl\u00fcckliche\nEhe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der zweit\u00e4lteste Sohn Johann Georgs III. von Sachsen kam am 12. Mai 1670\nin Dresden zur Welt, erfuhr eine umfangreiche standesgem\u00e4\u00dfe Ausbildung und\nwurde sowohl von der luxusliebenden Hofhaltung seines Gro\u00dfvaters Johann Georg\nII., bei dem er seine Kinderjahre verbrachte, als auch den prunkvollen Festen am\nDresdner Hof gepr\u00e4gt. Sein Verh\u00e4ltnis zu seinem \u00e4lteren Bruder Johann Georg,\ndem Thronerben, war nicht gut. 1687 ging er zwei Jahre lang auf \u201eKavalierstour\u201c\nzu seiner Einf\u00fchrung an den ausl\u00e4ndischen H\u00f6fen, darunter nach Frankreich, wo\nihn Versailles tief beeindruckte, Spanien, Portugal, England, Holland,\nSchweden, Italien und \u00d6sterreich. 1690 \u00fcberlebte er aufgrund seiner\nstarken Konstitution die Blattern.<\/p>\n\n\n\n<p>1693 heiratete er in Bayreuth Christiane Eberhardine, Prinzessin von Brandenburg-Bayreuth, um die sein Vater l\u00e4ngere Zeit hatte werben m\u00fcssen. Die Ehe verlief nicht nur aufgrund von Augusts vielen Aff\u00e4ren h\u00f6chst ungl\u00fccklich, nach der Geburt des Thronfolgers nahm Christiane einen Brand im Residenzschloss zum Vorwand, nach Schloss Hartenfels in Torgau sowie ihrer Sommerresidenz in Pretzsch zu ziehen; nach Dresden kam sie nur noch selten. Zeitlebens fromm und tugendhaft, ging sie in die Geschichte als \u201eBets\u00e4ule Sachsens\u201c ein, zu deren Begr\u00e4bnis 1727 weder ihr Mann noch ihr Sohn kamen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-6.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4917\"\/><figcaption>Eberhardine. Quelle: Von Louis de Silvestre &#8211; www.kunstkopie.de, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=24394061<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 27. April 1694 starb v\u00f6llig \u00fcberraschend Augusts \u00e4lterer Bruder Johann\nGeorg IV. kinderlos an den Pocken, nachdem er sich am Totenbett seiner M\u00e4tresse\nangesteckt hatte, so dass August pl\u00f6tzlich Kurf\u00fcrst wurde. Vor sechs Jahren\njedoch trat der Dresdner Historiker Mike Vogler mit der These an die\n\u00d6ffentlichkeit, dass August seinen Bruder ermordet habe: \u201eDie bei der Obduktion\nfestgestellten gr\u00fcnen und gelben Flecken werden auch durch das damals nicht\nnachweisbare italienische Gift \u201aAqua Tofana\u2018 hervorgerufen\u201c, sagte er <em>BILD<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>August, der sich eher auf dem Karneval in Venedig und den Festen des\nhohen Adels zuhause f\u00fchlte, hatte zwar noch keinerlei Erfahrung in der F\u00fchrung\neiner Landesverwaltung, glich aber, was ihm an Wissen fehlte, durch Tatkraft\nund Raffinesse aus und \u00fcbernahm ohne Z\u00f6gern mit 24 Jahren die\nRegierungsgesch\u00e4fte. Innenpolitisch hat der neue Kurf\u00fcrst die damals \u00fcblichen\nProbleme: Der alteingesessene Adel beansprucht Mitspracherecht, was Steuern und\nAbgaben betrifft. Friedrich August dr\u00e4ngt den Einfluss des Adels zur\u00fcck und\nversucht, im Geist des Absolutismus zu regieren. Er f\u00f6rderte die s\u00e4chsische\nWirtschaft nach den Grunds\u00e4tzen des Merkantilismus mit Staatsmitteln und\norientierte sie nicht zuletzt mit der Leipziger Messe auf Export. <\/p>\n\n\n\n<p>Als wirtschaftlich bedeutsam erwiesen sich die Gr\u00fcndung der ersten\nStaatsbank im deutschen Raum 1698 mit Sitz in Leipzig, die Errichtung einer\nLandeslotterie und die Reform der s\u00e4chsischen Post, die damals die schnellste\nim Deutschen Reich wurde. Insgesamt wurden in Augusts Regierungszeit in Sachsen\n26 Manufakturen geschaffen, allen voran die Mei\u00dfner Porzellanmanufaktur. Aber\ner bet\u00e4tigte sich auch selbst als Unternehmer, etwa mit der Olbernhauer\nWaffenschmiede sowie einer Fayence-Manufaktur. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>K\u00f6nigsabenteuer\nPolen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Denn der Dresdner Hof braucht jede Menge Geld, steht nach dem Tod Johann Sobieskis 1697 doch der polnische K\u00f6nigsthron zum Verkauf: Polen ist ein Wahlk\u00f6nigtum, W\u00e4hler sind die Mitglieder des Sejm, des polnischen Adelsparlaments. Mit dem Erwerb der polnischen K\u00f6nigsw\u00fcrde wollte August eine Rangerh\u00f6hung erreichen, ein zeittypisches Ph\u00e4nomen, das ihm gr\u00f6\u00dfere politische Souver\u00e4nit\u00e4t sichern sollte. Vor allem bei den Friedensvertr\u00e4gen nahm ein gekr\u00f6ntes Haupt einen Vorrang gegen\u00fcber F\u00fcrsten ein. August nimmt Kredite auf, erh\u00f6ht Steuern und ver\u00e4u\u00dfert ganze Landstriche Kursachsens, allen voran seine Anspr\u00fcche auf das Herzogtum Sachsen-Lauenburg. Den Sejm, berichten Augenzeugen, habe er unter Str\u00f6me von Geld und Alkohol gesetzt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4919\"\/><figcaption> Der Goldene Reiter &#8211; Statue Augusts des Starken. Quelle: https:\/\/erlebe-dresden.de\/wissenswertes\/historische-persoenlichkeiten\/august-der-starke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Begierig auf den Titel, konvertiert er gar heimlich zum Katholizismus, da\nein K\u00f6nig von Polen eben nur katholisch sein kann \u2013 obwohl Sachsen als\nMutterland der Reformation gilt! Au\u00dfenpolitisch verlor Sachsen mit dem\nGlaubenswechsel die F\u00fchrungsrolle unter den evangelischen Reichsst\u00e4nden an\nBrandenburg-Preu\u00dfen. August soll w\u00e4hrend des polnischen Abenteuers rund 39\nMillionen Reichstaler allein an Bestechungsgeldern ausgegeben haben. Eine\nentscheidende Rolle spielt sein gutbezahlter j\u00fcdischer Hofbankier Issachar\nBerend Lehmann, der in Halberstadt eine Synagoge und eine Bildungsst\u00e4tte baut, heute\nSitz der \u201eMoses-Mendelssohn-Akademie\u201c. Auch in Dresden erstarkte die j\u00fcdische\nGemeinde dank Lehmanns Reputation.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und einem ungeliebten Vetter des Sonnenk\u00f6nigs Ludwig XIV. wurde Kurf\u00fcrst Friedrich August am 15. September 1697 in Krakau als August II. Mocny zum polnischen K\u00f6nig gekr\u00f6nt. Doch er ist mit seinem Erfolg nicht gl\u00fccklich geworden, da er sich in eine Auseinandersetzung mit dem expandierenden Schwedenreich einlie\u00df. Im Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 verlor er eine Schlacht nach der anderen gegen den milit\u00e4risch \u00fcberlegenen Karl XII., der August 1704 schlie\u00dflich als polnischen K\u00f6nig ab- und 1706 gar Sachsen besetzte. Ein Jahr lang dauerte die schwedische Besatzung und kostete den s\u00e4chsischen Staat \u00fcber 30 Millionen Taler. Der Altranst\u00e4dter Friede 1706 war f\u00fcr August dem\u00fctigend.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-8.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4921\"\/><figcaption>Thorner Blutgericht. Quelle: Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=2479867<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Erst der Sieg des russischen Zaren \u00fcber die Schweden erm\u00f6glichte August\n1709 die R\u00fcckkehr nach Polen und die Wiedereinsetzung als K\u00f6nig. Die\nVerh\u00e4ltnisse blieben kompliziert: f\u00fcr Reformen im Sinne des Absolutismus\nbestand keine Aussicht, eine zentrale Wirtschafts- und Finanzpolitik war in\nPolen nicht durchsetzbar. In Augusts Regentschaft fiel auch das\naufsehenerregende Blutgericht zu Thorn von 1724, wo zehn Protestanten nach\nAusschreitungen\ngegen das dortige Jesuitenkloster hingerichtet wurden. Preu\u00dfens K\u00f6nig Friedrich\nWilhelm I. war sehr aufgebracht, England entsandte gar einen Sondergesandten an\nden Warschauer Hof. Die Ereignisse beeintr\u00e4chtigten das Bild Polens in Europa\nerheblich und wurden literarisch u.a. von Gustav Freytag (\u201eDie Ahnen\u201c) und\nErnst Wichert (\u201eDie Thorner Trag\u00f6die\u201c) aufgearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDer\nK\u00f6nig allen voraus\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz der polnischen Wirren und kostspieligen milit\u00e4rischen Konflikte mit Schweden l\u00e4sst August sein Dresden in neuem Glanz erstrahlen: Die Prachtentfaltung, die er an den H\u00f6fen des westlichen und s\u00fcdlichen Europa kennen gelernt hatte, versuchte er auch am Dresdner Hof zu erreichen. Die F\u00f6rderung von Architektur und Kunst, die gro\u00dfen Gem\u00e4ldesammlungen wie die Dresdner Gem\u00e4ldegalerie und das \u201eGr\u00fcne Gew\u00f6lbe\u201c, die pr\u00e4chtigen barocken Bauwerke wie das Schloss Moritzburg, der Barockgarten Gro\u00dfsedlitz oder der Dresdner Zwinger und Erfindungen auf technischem und k\u00fcnstlerischem Gebiet brachten Dresden den bewundernden Beinamen \u201eElbflorenz\u201c ein. Als eine der ersten deutschen St\u00e4dte besa\u00df Dresden damals \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Museen, die zum Vorbild vieler anderer (zum Beispiel in Wien und M\u00fcnchen) wurden. 1705 wurde eine Malerschule gegr\u00fcndet, aus der die Dresdner Kunstakademie hervorging.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-9.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4922\"\/><figcaption>Moritzburg. Quelle: http:\/\/www.mietstation-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/moritzburg-header.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Renommieren, vor allem mit Kunstkabinetten und Schl\u00f6ssern wie dem\nJagdschloss Hubertusburg, geh\u00f6rt zum Handwerk barocker Monarchen. Insgesamt\nhabe Augusts Politik laut diverser Historiker Sachsen eher geschw\u00e4cht als\ngest\u00e4rkt. Die Einsch\u00e4tzung ist allerdings relativ und sollte vor dem\nHintergrund der Epoche gesehen werden: Im Barock, wo Prachtentfaltung und Kraft\nein und dasselbe waren, war August tats\u00e4chlich \u201eder Starke\u201c. Seine Niederlage\nim Nordischen Krieg und die Tatsache, dass er unterm Strich Russlands Einfluss\nin Polen f\u00f6rdern half, trat dahinter zur\u00fcck. Sein Beiname bezieht sich auf seine\nmitunter zur Schau gestellte k\u00f6rperliche Kraft. So soll er am 15. Februar 1711\nein Hufeisen mit den blo\u00dfen H\u00e4nden zerbrochen haben. Dar\u00fcber lie\u00df er ein\nZertifikat anfertigen und Hufeisen wie Zertifikat in der Kunstkammer\naufbewahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Weil ihm milit\u00e4risch wenig gl\u00fcckte, \u201elegte er umso mehr Wert auf die Zurschaustellung einer Majest\u00e4t, die ihn aus dem Kreis der sieben deutschen Kurf\u00fcrsten, denen er angeh\u00f6rte, herausheben und auf eine repr\u00e4sentative Stelle mit den Weltherrschern seiner Zeit stellen sollte: mit dem Deutschen Kaiser, dem russischen Zaren und dem franz\u00f6sischen K\u00f6nig\u201c erkl\u00e4rte Andreas Platthaus in der <em>FAZ <\/em>nach dem ungeheuerlichen und unerkl\u00e4rlichen Raub dreier unermesslich wertvoller Diamant-Geschmeide aus dem Gr\u00fcnen Gew\u00f6lbe im November 2019, der den Freistaat geschockt hinterlie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"485\" height=\"347\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ONLINE-5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4905\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ONLINE-5.jpg 485w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ONLINE-5-300x215.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 485px) 100vw, 485px\" \/><figcaption>Gr\u00fcnes Gew\u00f6lbe. Quelle:  <a href=\"https:\/\/gruenes-gewoelbe.skd.museum\/fileadmin\/_processed_\/1\/6\/csm_HistGruenesGewoelbe-6317_2baea85213.jpg\">https:\/\/gruenes-gewoelbe.skd.museum\/fileadmin\/_processed_\/1\/6\/csm_HistGruenesGewoelbe-6317_2baea85213.jpg<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Rauschende Feste, oft tagelang und mit Zehntausenden Komparsen, galten\nschon eher als \u201ehohe Politik\u201c. Der <em>Focus<\/em>\nzitiert einen preu\u00dfischen Gesandten, der \u00fcber eine Geburtstagsfeier des\nRegenten schrieb: \u201eDer ganze Garten war beleuchtet und hatte in den beiden\nEcken zwei Kabinette zu stillen Vergn\u00fcgungen. Am Ende gro\u00dfes Bes\u00e4ufnis. Der\nK\u00f6nig, wacker in diesem Punkte, allen voraus.\u201c Bei gro\u00dfen Festen soll er bis zu\nsieben Flaschen Tokajer-Wein an einem Abend getrunken haben, wei\u00df\nHeimatkundlerin Ursula Breckle. Unumstrittener H\u00f6hepunkt des h\u00f6fischen Lebens\nwar die 4 Mio. Taler teure Jahrhunderthochzeit des Kurprinzen mit Kaisertochter\nMaria Josepha von \u00d6sterreich 1719: vom 2. bis 28. September wechselten Jagden,\nOpernauff\u00fchrungen, Konzerte, Tanzabende und Paraden ab. Dresden w\u00fcrdigte das\n300. Jubil\u00e4um der sogenannten Planetenfeierlichkeiten, die Stadtgeschichte\nschrieben, im vergangenen Jahr ausgiebig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eSachsen\nist wie ein Mehlsack\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Typisch f\u00fcr August war das \u201eZeithainer Lustlager\u201c im Sommer 1730, bei dem 30.000 Paradesoldaten die Kulisse gaben: Kombiniert mit Theater und Feuerwerk stellte die Festivit\u00e4t noch einmal Sachsens Lebenskraft zur Schau &#8211; und die Lebenskraft seines Monarchen. Unter den geladenen G\u00e4sten jedoch taucht neben seinem asketischen, sparsamen Vater auch der preu\u00dfische Kronprinz Friedrich auf, der dort zun\u00e4chst mehrfache Dem\u00fctigungen wegzustecken hat, an denen Sachsens Premierminister Graf Br\u00fchl beteiligt war. Eine Gr\u00e4fin Formora soll den Kronprinzen aber auch in die Liebe eingef\u00fchrt haben. Ob der Prinz sich dabei \u201einficierte\u201c, ist umstritten &#8211; er hatte sich eine Geschlechtskrankheit zugezogen, die seine Kinderlosigkeit erkl\u00e4ren k\u00f6nnte. Sein Groll gegen die Sachsen w\u00e4hrte lebenslang und beeinflusste sein Verhalten im Siebenj\u00e4hrigen Krieg. Sprichw\u00f6rtlich ist heute sein Ausspruch: \u201eSachsen ist wie ein Mehlsack. Man kann immer wieder drauf schlagen und es kommt immer noch was heraus&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/640px-Lager_bei_Zeithain_1730_von_Alexander_Thiele-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4903\"\/><figcaption>Zeithainer Lustlager. Quelle: Von Johann Alexander Thiele, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=9430831<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>August dagegen litt aufgrund seines Lebenswandels unter Diabetes mellitus \u2013 ihm wurde eine Zehe amputiert \u2013 Bluthochdruck sowie Fettstoffwechselst\u00f6rungen und war zuletzt stark \u00fcbergewichtig. Die Zuckerkrankheit lie\u00df ihn jedoch nicht enthaltsamer leben, die Vorschriften der \u00c4rzte beachtete er nicht. Er starb am 1. Februar 1733 um 4 Uhr nach einem Schw\u00e4cheanfall im Alter von 62 Jahren in Warschau und wurde am 25. Januar 1734 im Beisein seines Sohnes in der K\u00f6nigskrypta der Wawelkathedrale des Schlosses zu Krakau feierlich beigesetzt. Sein Herz dagegen kam auf eigenen Wunsch in einer silbernen, innen vergoldeten Kapsel nach Dresden. <\/p>\n\n\n\n<p>Sein Sohn Friedrich August II. wird sich als schw\u00e4cherer Regent erweisen, der w\u00e4hrend des Siebenj\u00e4hrigen Kriegs Sachsens Glanz vor Preu\u00dfens Gloria verblassen, den s\u00e4chsischen Barock sowie das \u201eaugusteische Zeitalter\u201c enden l\u00e4sst. Mit seinem Tod 1763 geht den Kurf\u00fcrsten auch die teuer erkaufte polnische Krone verloren. Sachsens Rolle auf der europ\u00e4ischen B\u00fchne ist ausgespielt \u2013 bis Pegida und AfD dem laut <em>Hamburger Morgenpost<\/em> \u201eSchandfleck\u201c Deutschlands wieder politische Aufmerksamkeit sichern. <\/p>\n\n\n\n<figure><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4872&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowtransparency=\"true\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er konnte Hufeisen verbiegen und Polens K\u00f6nigstitel kaufen, aber keinen Krieg gewinnen: Sachsens Kurf\u00fcrst August der Starke. Jetzt feierte er seinen 350. 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