{"id":4878,"date":"2020-05-20T07:23:57","date_gmt":"2020-05-20T06:23:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4878"},"modified":"2020-04-22T18:30:17","modified_gmt":"2020-04-22T17:30:17","slug":"leben-und-feingefuehl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4878","title":{"rendered":"\u201eLeben und Feingef\u00fchl\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Was am 21. Mai 1990 in einer New Yorker Kathedrale als Trauergottesdient\ngemittelt war, entpuppte sich als gro\u00dfes Happening: keiner der mehreren hundert\nTrauerg\u00e4ste trug Schwarz, der Organist improvisierte fr\u00f6hliche Melodien, ein\nals riesiger gelber Vogel verkleideter Mann sang vor dem Altar und die\nAnwesenden schwenkten Schaumstoff-Schmetterlinge. Am Ende traten sechs\nMuppet-Puppenspieler auf die B\u00fchne und sangen mit den Stimmen ihrer Figuren ein\nMedley mit den Lieblingsliedern des Verstorbenen, ehe zum Abschluss alle\nPuppenspieler dazukamen und singend mit ihren Muppets auf der B\u00fchne standen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann trat der Sohn des Toten nach vorne und verlas die letzten Worte seines Vaters an die Hinterbliebenen: \u201eDas alles kommt euch vermutlich total albern vor. Aber was zur H\u00f6lle soll&#8217;s, ich bin schlie\u00dflich tot. Wer will sich da noch mit mir streiten?\u201c Und: \u201eSeid nicht traurig, weil ich gestorben bin.\u201c Der Name des Toten: Jim Henson. Der f\u00fcnf Tage zuvor verstorbene Erfinder der Muppets hatte genaue Regieanweisungen hinterlassen, die seine Beerdigung in ein kunterbunt-absurdes Singspiel verwandelten. Eine Beerdigung wie eine Fernsehshow &#8211; es h\u00e4tte kein stimmigeres Ende f\u00fcr Hensons Leben geben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"818\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-1024x818.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4908\"\/><figcaption>Henson mit den &#8222;Fraggle Five&#8220; (Gobo, Red, Mokey, Wembley, Boober). Quelle: https:\/\/www.biography.com\/.image\/c_limit%2Ccs_srgb%2Cq_auto:good%2Cw_700\/MTU4NjEwMzE5NjQyNDY5OTYy\/jim-henson-boober-mokey-gobo-red-and-wembley-photo-by-hulton-archivegetty-images.webp<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dabei steht er nicht nur f\u00fcr Kermit, Miss Piggy und Fossi B\u00e4r, sondern auch\nf\u00fcr die Fraggles und war ma\u00dfgeblich an den Filmen \u201eDer dunkle Kristall\u201c, \u201eDie\nReise ins Labyrinth\u201c und \u201eDer kleine Horrorladen\u201c beteiligt. Aber auch Yoda,\nJabba the Hutt, die Ewoks und viele andere Figuren und Puppen aus der Star\nWars-Saga entstanden in Zusammenarbeit von Hensons Firma mit George Lucas.\n\u201eZwanghaft kreativ und rastlos\u201c nannte ihn die New Yorker Museumskuratorin\nBabara Miller im <em>DLF<\/em>. Noch nach\nseinem Tod wurden mit \u201eDie Dinos\u201c und \u201eDer B\u00e4r im gro\u00dfen blauen Haus\u201c zwei\nweitere Serien verwirklicht, die auf seinen Ideen basierten. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;Marionette + Puppet = Muppet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Geboren am 24. September 1936 in Greenville, Mississippi, machte ihn\nseine Gro\u00dfmutter, die Malerin und Schneiderin war, mit der Arbeit mit Textilien\nund Nadeln vertraut und unterst\u00fctzte Hensons k\u00fcnstlerische Ambitionen. Nach dem\neinschneidendsten Erlebnis seiner Jugend befragt, antwortete er: \u201eDer Tag, an\ndem ein Fernseher in mein Elternhaus kam\u201c. Er geh\u00f6rte zur ersten\nFernsehkinder-Generation Amerikas und war von Puppenspielern wie Burr Tillstrom\nbegeistert, dessen Figuren Kukla, Fran und Ollie ab 1947 im US-Fernsehen zu\nsehen waren. Eigentlich f\u00fcr Kinder gedacht, wurde die Sendung wegen ihres\nSlapstick-Humors jedoch bald vor allem von Erwachsenen gesehen. Dieses Erlebnis\nentz\u00fcndete Hensons lebenslange Liebe f\u00fcr das Puppenspiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits w\u00e4hrend seiner Highschool-Zeit begann Jim 1954 f\u00fcr den lokalen Fernsehsender <em>WTOP-TV<\/em> Puppen f\u00fcr eine Kindersendung zu kreieren. Dabei ging es ihm nicht darum, bestehende Puppenformate f\u00fcr das Fernsehen anzupassen, sondern Formate zu entwickeln, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr das Fernsehen gedacht waren und nur darin funktionierten. So nutzte er Bildausschnitt und Blickwinkel aus, um die Puppenspieler vor dem Zuschauer zu verbergen, und verwendete viele nahe und gro\u00dfe Einstellungen. W\u00e4hrend seines Studiums der F\u00e4cher Kunst und B\u00fchnenbild an der University of Maryland trat Henson 1955 in verschiedenen lokalen Fernsehsendungen auf. Schon nach seinem ersten Studienjahr bot ihm eine lokale <em>NBC<\/em>-Tochter eine f\u00fcnfmin\u00fctige Sendung im sp\u00e4ten Abendprogramm an. Daf\u00fcr erfand Henson zusammen mit seiner Kommilitonin Jane Nebel, die er vier Jahre sp\u00e4ter heiratet, die Sendung \u201eSam and Friends\u201c. Die Puppen hatten bereits \u00c4hnlichkeit mit den sp\u00e4teren Figuren, eine \u00e4hnelte Kermit dem Frosch.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/JimHenson_TheEarlyWorks_STILL-1024x576.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4911\"\/><figcaption>Hensons erste Gesch\u00f6pfe. Quelle: https:\/\/shorts.tv\/en\/uploads\/2019\/06\/JimHenson_TheEarlyWorks_STILL.png<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Er wollte den Figuren \u201eLeben und Feingef\u00fchl\u201c geben, um die\nAusdrucksm\u00f6glichkeiten des Puppentheaters zu erweitern. Deswegen baute er seine\nHandpuppen schon bald nicht mehr aus Holz, sondern aus Schaumstoff &#8211; so lie\u00dfen\nsie sich viel nuancierter steuern. Er lernte sogar, die Lippen seiner Puppen so\nzum Text zu bewegen, wie es Menschen beim Sprechen tun. Nachdem er w\u00e4hrend\neiner Europareise die Techniken klassischer Marionettenspieler studiert hatte,\nbeschloss er, die Eigenschaften von Handpuppen und Marionetten zu verbinden &#8211;\nzu Handpuppen, deren Arme mit St\u00e4ben bewegt wurden. Er taufte seine Erfindung\n\u201eMuppets\u201c, zusammengesetzt aus \u201emarionettes\u201c und \u201epuppets\u201c. Die Idee sollte\nbahnbrechend werden. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSam and Friends\u201c lief insgesamt acht Jahre und brachte Henson einen\nlokalen Emmy ein. Seit 1957 drehte Henson auch Werbung mit seinen Figuren, die\nin ihrem Humor bereits der sp\u00e4teren Muppet-Show nahe kamen, so f\u00fcr die\nKaffeefirma Wilkins: Eine Handpuppe sitzt hinter einer Kanone und fragt eine\nzweite: \u201eWas h\u00e4ltst du eigentlich von Wilkins-Kaffee?\u201c \u201eNie probiert\u201c, grummelt\ndie und wird prompt aus dem Bild geschossen. Die Puppe dreht ihre Kanone zum\nZuschauer. \u201eUnd? Was halten Sie von Wilkins?\u201c Dieser Spot brachte Hensons\nVision auf den Punkt: Er wollte Puppenspiel f\u00fcr Erwachsene machen und zugleich\nausloteten, welche Dinge man mit den unschuldig wirkenden Handpuppen anstellen\nkonnte, die man echten Menschen nie durchgehen lassen w\u00fcrde. So wurde der\nKaffeever\u00e4chter in weiteren Spots mit Baseballschl\u00e4gern verpr\u00fcgelt, von Wagen\n\u00fcberrollt, mit einem Kopfschuss niedergestreckt oder in die Luft gejagt. Die\nKampagne war so erfolgreich, dass Henson \u00fcber 300 weitere Werbeauftr\u00e4ge f\u00fcr\nKaffee erhielt. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eTrommelfeuer\nder Absurdit\u00e4ten\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1961 gr\u00fcndete Henson zusammen mit seiner Frau \u201eMuppets Inc.\u201c und begann seine lebenslange Zusammenarbeit mit dem Puppenspieler Frank Oz, mit dem er Figuren wie Ernie und Bert, Miss Piggy, Kermit oder Fossi B\u00e4r kreierte. Inzwischen absolvierte er zahlreiche Gastauftritte in Unterhaltungs- und Talkshows, die seine Figuren immer bekannter machten, darunter w\u00f6chentlich in der Today Show und der Jimmy Dean Show, sp\u00e4ter auch der Ed Sullivan Show. Nachdem er 1963 mit seiner Frau nach New York umgezogen war, begann er sich bis 1968 mit dem Filmemachen auseinanderzusetzen. Er produzierte eine Reihe von Experimentalfilmen wie \u201eTime Piece\u201c, der sogar f\u00fcr einen Oscar nominiert war. Daneben drehte er Sondersendungen mit M\u00e4rchenmotiven f\u00fcr das Fernsehen wie dem Froschk\u00f6nig, Cinderella oder den Bremer Stadtmusikanten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"512\" height=\"308\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4910\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-2.jpg 512w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-2-300x180.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Ernie und Bert. Quelle: https:\/\/external-preview.redd.it\/h5EmjTeqV3GAwDyV7T1ixk8a7RZ8DtTP6BvoAv7iOaE.jpg?auto=webp&amp;s=01ba120da08a1082749af738616028787614a766<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als 1968 eine Studie ergeben hatte, dass fast alle US-Kindersendungen\nerzieherisch wertlos seien, begann er mit dem Team des Children\u2019s Television\nWorkshop mit der Arbeit an der Sesamstra\u00dfe, einer damals vision\u00e4ren\nFernsehsendung f\u00fcr Kinder. Teil dieser Sendung waren einige lustige,\nfarbenfrohe Puppen, die in der \u201eStra\u00dfe\u201c leben, darunter Oscar, Ernie und Bert,\ndas Kr\u00fcmelmonster und nat\u00fcrlich Kermit der Frosch. Ihr Stil &#8211; langsam,\nvorsichtig und von zahlreichen Wiederholungen gepr\u00e4gt &#8211; sorgte f\u00fcr zahlreiche\nParodien, hat sich aber bei vielen Kinderprogrammen im Fernsehen durchgesetzt.\n1974 wurde Henson ein Emmy f\u00fcr die Sesamstra\u00dfe verliehen. Heute gibt es sie\nimmer noch, und sie ist politischer geworden. So gibt es seit 2011 die pinke Kleinm\u00e4dchenpuppe\nLily, deren Familie ihr Zuhause verloren hat und deshalb bei Freunden\nunterkommen muss \u2013 damit soll auf das Problem der Obdachlosigkeit hingewiesen\nwerden. Ende 2019 wurde bekannt, dass mit Unterst\u00fctzung die internationalen\nHilfsorganisationen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und Kriegsopfer (IRC) vor allem f\u00fcr\nsyrische Fl\u00fcchtlingskinder eine \u201eSesamstra\u00dfe\u201c auf Arabisch entstehen und ab Februar\n2020 im Mittleren Osten ausgestrahlt werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Serie war f\u00fcr ihn gleichzeitig Segen und Fluch: Hensons Puppen waren\nnun weltber\u00fchmt, er aber seinem Ziel, Puppenspiel f\u00fcr Erwachsene zu machen, so\nfern wie nie zuvor. Er entschied, eine eigene Comedy-Sendung zu drehen, und\nproduzierte 1975 eine Pilotfolge. Schon die ersten Sekunden ihres Vorspanns\nmachten deutlich, befand Danny Kringiel im <em>Spiegel<\/em>,\n\u201edass der Puppen-Anarcho sich damit seinen Weg aus der P\u00e4dagogennische\nfreiboxen wollte\u201c. \u201eThe Muppet Show\u201c war ein Trommelfeuer der Absurdit\u00e4ten: Wo\nsonst gab es im Fernsehen einen d\u00e4nischen Koch, der fr\u00f6hlich ein Salatsandwich\nmit Stapeln aus Wurst, K\u00e4se, Topflappen, Tellern und anderen Salat-Sandwiches\nbelegt, w\u00e4hrend er, mit asiatischen Schriftzeichen untertitelt, Dinge in\nPhantasie-D\u00e4nisch vor sich hinplappert? Oder eine Figur wie Laborassistent\nBeaker, der bei den Experimenten seines Chefs Dr. Honigtau Bunsenbrenner sein\nLeben riskiert, wenn er mit angespitzten Bananen beschossen, von Menschen\nfressenden M\u00fcllschluckern verfolgt oder von einem Stahlhasen angegriffen wird,\nw\u00e4hrend er magnetische Karotten in der Hand h\u00e4lt? <\/p>\n\n\n\n<p>Einige der Charaktere hatten eine gewisse \u00c4hnlichkeit mit bekannten Pers\u00f6nlichkeiten aus dem US-Fernsehen, die Jim Henson aber in einigen F\u00e4llen abstritt. US-amerikanische Sender zeigten kein Interesse, doch der britische Produzent Lew Grade glaubte an das Konzept, so dass die Muppet Show in Gro\u00dfbritannien gedreht wurde. Kermit der Frosch, Jim Hensons alter Ego, f\u00fchrte in ihr als Gastgeber durch ein buntes, ja chaotisches Variet\u00e9-Programm mit Miss Piggy, Gonzo oder Statler und Waldorf. Die Show wurde ein riesiger Erfolg: Rund 235 Millionen Zuschauer verfolgten in den besten Zeiten jede Woche die Sendung &#8211; in mehr als hundert L\u00e4ndern der Welt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"276\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4912\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-3.jpg 500w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-3-300x166.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption>Der legend\u00e4re Koch. Quelle: https:\/\/www.uiuiuiuiuiuiui.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/chef-macht-popcorn-shrimp.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Deutschland wurde die Synchronfassung zwischen 1978 und 1981 vom <em>ZDF<\/em> ausgestrahlt. Die Serie gewann vier\nEmmys. \u201eMuppets\u201c-Kinofilme wurden gedreht, Kinder wollten Kermit-Bettw\u00e4sche und\nMiss-Piggy-Puppen. Stars wie Harry Belafonte, Liza Minelli und Roger Moore\nwaren zu Gast in der Show. Das Buch \u201eMiss Piggy&#8217;s Guide to Life\u201c war 29 Wochen\nlang auf der Bestsellerliste der New York Times. \u201eHenson hatte es tats\u00e4chlich\ngeschafft, mit einem vollkommen exzentrischen Showkonzept den\nFernseh-Mainstream f\u00fcr Handpuppen einzunehmen\u201c, bilanziert Kringiel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kopf einer\nTruppe hoch motivierter Fantasten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach f\u00fcnf Staffeln stellte Henson die Serie 1981 ein, da er sie f\u00fcr\nauserz\u00e4hlt hielt. Doch auch danach hatten die Figuren noch Auftritte in\nverschiedenen Filmen. Von all seinen Figuren war ihm der Frosch wohl am n\u00e4chsten:\nKermits nachgiebige F\u00fchrung der Chaotentruppe wurde oft mit eben jener Art\nverglichen, mit der Henson die Geschicke seiner Firma \u201eMuppets Inc.\u201c lenkte. So\nberichtete etwa im Dezember 1978 das <em>Time<\/em>-Magazin,\nder gro\u00dfe, aber sanftm\u00fctige Vision\u00e4r, der stets mit leiser Stimme sprach und\naus dessen Althippie-Bart st\u00e4ndig ein strahlendes L\u00e4cheln hervorblitzte, habe\nseine Mitarbeiter in etwa so fest im Griff wie man \u201eeine Explosion in einer\nMatratzenfabrik im Griff haben kann\u201c. Dabei war Henson privat alles andere als\nein Anarchist oder Exzentriker: Carroll Spinney, Darsteller der\n\u201eSesamstra\u00dfen\u201c-Puppe Bibo, sagte 1990 im Interview mit dem Magazin <em>People<\/em>, Henson habe es nicht einmal \u00fcber\nsich gebracht, Mitarbeitern zu sagen, wenn er eine Idee schlecht fand. Seine\nh\u00f6chste Ablehnungsbekundung sei ein z\u00f6gerndes \u201eHmmm\u201c gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 1979 rief er den \u201eJim Henson\u2019s Creature Shop\u201c ins Leben, der vor\nallem f\u00fcr die Erschaffung von Figuren in Fremd-Produktionen wie etwa f\u00fcr das\nStar Wars Universum gedacht war. Henson pers\u00f6nlich war\nbeteiligt an den Kost\u00fcmen und Effekten f\u00fcr das britische Filmdrama \u201eDreamchild\u201c\nvon 1985 und \u201eHexen hexen\u201c von 1990. Bis zur \u00dcbernahme durch Walt Disney erfanden\nseine Mitarbeiter immer neue, unglaubliche Gesch\u00f6pfe: die Turtles oder Figuren\nf\u00fcr die auf dem Babelsberger Studiogel\u00e4nde entstandene \u201eUnendliche Geschichte\nIII\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>In der erstmals 1987 von <em>NBC<\/em> ausgestrahlten Fernsehserie \u201eJim Henson\u2019s The Storyteller\u201c stellte er in neun Episoden internationale M\u00e4rchen in einer Mischung aus Animations- und Realfilm dar. Diese Serie geht auf eine Idee von Hensons Tochter Lisa zur\u00fcck, die an der Harvard Universit\u00e4t einen Kurs Volkskunde besuchte, wurde von Publikum und Kritik gleicherma\u00dfen bejubelt und mit vielen Auszeichnungen geehrt. Daraus entwickelte Henson eine Nachfolgeserie als zweite Staffel mit vier Episoden zur Griechischen Mythologie. Um 1989\/1990 befand sich Henson in Verhandlungen mit Walt Disney, der seine Unternehmen und Rechte f\u00fcr 150 Millionen US-Dollar aufkaufen wollte. Bevor diese Verhandlungen zu einem Ergebnis kamen, starb Henson jedoch \u00fcberraschend mit gerade 53 Jahren an einer verschleppten Lungenentz\u00fcndung. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Front-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4913\"\/><figcaption>Teil des Muppet-Universums. Quelle: https:\/\/secure.i.telegraph.co.uk\/multimedia\/archive\/02682\/Henson2_2682388b.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Unternehmen und Rechte gingen dann dennoch an die Disney Company, die ihn 2011 postum als Disney-Legende ehrte. 2017 fand er gar postum Aufnahme in der Science Fiction Hall of Fame. W\u00e4hrend Kermit der Frosch schon l\u00e4nger im National Museum of American History ausgestellt ist, kamen 20 weitere von Hensons Puppen im Jahr 2013 hinzu. Seit Juli 2017 gibt es im American Museum of the Moving Image eine neue Dauerausstellung \u00fcber Hensons Lebensleistung. Die USA legten 2005 ihm zu Ehren eine elfteilige Briefmarkenserie auf. Georg See\u00dflen nannte ihn treffend den Kopf einer Truppe hoch motivierter Fantasten, die angetreten war gegen die \u201eVertreibung des Menschen aus seinen eigenen Fantasien\u201c. <\/p>\n\n\n\n<figure><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4878&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowtransparency=\"true\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er schuf Kermit, Miss Piggy und Fossy B\u00e4r, erfand die Fraggles und mischte auch bei den Ewoks und den Dinos mit \u2013 \u201eMuppets\u201c-Sch\u00f6pfer Jim Henson. Vor 30 Jahren starb er.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4878"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4878"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4878\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4914,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4878\/revisions\/4914"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4878"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4878"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4878"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}