{"id":4941,"date":"2020-07-17T06:36:53","date_gmt":"2020-07-17T05:36:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4941"},"modified":"2020-05-28T16:36:11","modified_gmt":"2020-05-28T15:36:11","slug":"kaiser-von-kalifornien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=4941","title":{"rendered":"Kaiser von Kalifornien"},"content":{"rendered":"\n<p>Manchen Menschen spielt das Schicksal unterschiedlich mit \u2013 einerlei, ob\nmit oder ohne eigenes Zutun. Mal wirft es sie hin und her, l\u00e4sst sie in einer\nregelrechten Achterbahnfahrt in schwindelnde H\u00f6hen aufsteigen und mit\natemberaubender Geschwindigkeit wieder abst\u00fcrzen. Einen der merkw\u00fcrdigsten\nsolcher Lebensl\u00e4ufe hatte Johann August Sutter, der als Gr\u00fcnder von \u201eNueva\nHelvetia\u201c den amerikanischen Pioniergeist wie kaum ein anderer lebte. Das von\nihm urbar gemachte Land bildete die Grundlage f\u00fcr den landwirtschaftlichen\nAufstieg Kaliforniens und gleicht heute noch einem paradiesischen Garten. Doch\nwas er erarbeitet hatte, verlor er im Zuge des kalifornischen Goldrauschs fast\nvollst\u00e4ndig und erlitt verarmt und verbittert am 18. Juli 1880 einen Herzinfarkt \u2013 auf der Treppe\ndes Kongre\u00dfhauses in Washington, wo er immer noch hoffte, seine Anspr\u00fcche\ndurchzusetzen: Als Mann, den sein Reichtum arm machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Geboren am 23. Februar 1803 in Kandern bei L\u00f6rrach als Sohn eines Papierfabrikanten, absolvierte er eine kaufm\u00e4nnische Lehre in Basel und kam 1824 nach Burgdorf im Kanton Bern, wo er seine k\u00fcnftige Frau Annette kennen lernte. Bei der \u00dcberreichung des Verlobungsgeschenks, einem Seidentuchs, kam ihm seine erste Gesch\u00e4ftsidee: Seident\u00fcchlein bedrucken. Am 24. Oktober 1826 heiratete er Annette, am Tag darauf wird ihr erster Sohn geboren. Vier weitere Kinder, drei Jungen und ein M\u00e4dchen, folgten in kurzem Abstand. 1828 er\u00f6ffnete er mit Mitteln der Schwiegermutter seine \u201eTuch- und Kurzwarenhandlung\u201c, Anfang der 1830er Jahre wurde Sutter auch Unterlieutenant der Infanterie in der Berner Reserve. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"791\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Sutter-791x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4989\"\/><figcaption>Sutter. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.verlagshaus-jaumann.de\/media.media.db2dfc5a-ab0f-402b-b2ab-9125e88ff6a7.original1024.jpg\">https:\/\/www.verlagshaus-jaumann.de\/media.media.db2dfc5a-ab0f-402b-b2ab-9125e88ff6a7.original1024.jpg<\/a>  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Er wird als jovial, aber auch schlitzohrig beschrieben, der als Angeber\nund Tagtr\u00e4umer an der Seite seiner manchmal als griesgr\u00e4mig charakterisierten\nEhefrau ein biederes Familienleben gef\u00fchrt hat und die Abende oft im\n\u201eKaltwasserleist\u201c verbrachte &#8211; einem Lese-und Diskussionszirkel, in dem nach 20\nUhr kein Alkohol mehr konsumiert werden durfte und der ihm die gro\u00dfe weite Welt\nn\u00e4her bringt. Mangelnde kaufm\u00e4nnische Begabung, Betrug durch Gesch\u00e4ftspartner\nund die Tatsache, dass er \u00fcber seine Verh\u00e4ltnisse lebte, f\u00fchrten im Fr\u00fchjahr\n1834 zum Konkurs. Steckbrieflich gesucht, floh er im Mai 1834 \u00fcber Le Havre in\ndie USA und lie\u00df seine Familie sowie Schulden von \u00fcber 50.000 Franken zur\u00fcck.\n\u201eMit Einverst\u00e4ndnis seiner tapferen Frau verliess er Burgdorf bei Nacht und\nNebel\u201c, wei\u00df Roland H\u00fcbner, einer seiner Biographen; f\u00fcr andere lie\u00df er sie im\nStich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufbruch\nnach Kalifornien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Juli 1834 angekommen, f\u00fchrte der umtriebige Sutter erst das unstete\nLeben eines mittellosen Einwanderers, machte gesch\u00e4ftlich erfolgreiche und\nkontaktbringende Abstecher \u00fcber Hawaii und das russische Nowo-Archangelsk\n(heute Sitka) und etablierte sich als Pelzh\u00e4ndler in Kansas City. Doch es zog\nihn in den \u201egoldenen Westen\u201c, das noch weitgehend unerschlossene Land\n\u201eKalifornien\u201c. Er holte beim Gouverneur die Erlaubnis ein, f\u00fcr zehn Jahre im\nSacramento-Tal zu siedeln, auf einem Gebiet von der Gr\u00f6\u00dfe des Kantons\nBaselland. Zugleich schreitet sein Angebertum voran: Er kleidet sich in\nPhantasie-Uniformen, ist etwa \u201eCaptain John A. Sutter\u201c, erlogener Hauptmann\na.D. einer k\u00f6niglich-franz\u00f6sischen Schweizergarde.<\/p>\n\n\n\n<p>1838 macht er ernst, verkauft, was er hat, begleicht seine Schulden in der Schweiz und r\u00fcstet mit dem Rest seines Verm\u00f6gens einen Schiffstreck aus, der, nach der Landung, in der weiten kalifornischen Ebene zun\u00e4chst von den Mokelumne-Indianern bedroht wird, die wegen ihrer Giftpfeile gef\u00fcrchtet sind. Sutter verbietet zu schie\u00dfen und geht allein den Indianern entgegen, verhandelt mit ihrem H\u00e4uptling und sichert einen \u201evorl\u00e4ufigen Frieden\u201c, so dass die Expedition ungeschoren kalifornischen Boden betreten kann. 1839 hat sich Sutters Karawane auf \u00fcber 400 B\u00fcffelwagen mit Zelten, Werkzeugen, Kleidern, Lebensmitteln, Waffen und Munition sowie Geschenken f\u00fcr die Wilden vergr\u00f6\u00dfert. Hinzu kommen Hunderte von Pferden, K\u00fchen, B\u00fcffeln und als Deckung ein langer Zug von Allround-Gesellen, die es ins kalifornische Abenteuer lockte. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"300\" height=\"216\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Sutter-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4991\"\/><figcaption>Die &#8222;Gold-M\u00fchle&#8220;. Quelle:  <a href=\"https:\/\/blog.buchplanet.ch\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/220px-Sutters_Mill-300x216.jpg\">https:\/\/blog.buchplanet.ch\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/220px-Sutters_Mill-300&#215;216.jpg<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ohne Verzug ging es seit Juni 1839 ans Bauen: Sutter erweist sich als\nPlaner ersten Ranges, tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt von einigen vortrefflichen\nHandwerkern und Bauern aus aller Welt, die er wie ein Magnet angezogen und um\nsich versammelt hatte. Er berechnet und vermisst sogleich die erste Siedlung,\ndie er \u201eFort Sutter\u201c nennt, die Ortschaft ringsherum soll \u201eSuttersville\u201c\nhei\u00dfen. Lehm ist gen\u00fcgend vorhanden, so dass man au\u00dfer Holz auch solide von der\nSonne getrocknete Ziegel verwenden kann: Wirtschaftsgeb\u00e4ude, Stallungen,\nKornkammern, Schulen, Kasernen, Werkst\u00e4tten, Schmieden, Tischlereien, eine\nGerberei und vieles andere mehr entstehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Tiere bev\u00f6lkern Weidefl\u00e4chen, die f\u00fcr die 30-fache Viehmenge reichen\nw\u00fcrden. Wild gibt es ebenfalls reichlich. Auch monet\u00e4r bew\u00e4hrt sich das\nGeschick Sutters: Den anf\u00e4nglichen Bargeldmangel behebt er durch Pr\u00e4gung von\n\u201eSuttergeld\u201c, einfache Blechtaler, die er in seinen Schmieden anfertigen l\u00e4sst,\nund wof\u00fcr man in den L\u00e4den von Sutterland alles kaufen kann. Der Handel\nentfaltet sich in unglaublichem Tempo, Wege, Kan\u00e4le, neue Umschlagpl\u00e4tze werden\ngeschaffen, denn Sutter versorgt jetzt auch Hafenst\u00e4dte von Sitka bis Lima mit\nseinen Waren. <\/p>\n\n\n\n<p>Er gr\u00fcndet den \u201eSan Francisco Reporter\u201c und ruft die \u201eSan Francisco Bankers Union\u201c ins Leben, bestellt Obst- und Weinreben aus Europa, die er neben ausgedehnten Orangen-, Zitronen-, Weizen-, Korn-, Spargel- und Tabakplantagen auf den H\u00fcgeln von Sacramento anzupflanzen beginnt. Sein \u201eReich\u201c w\u00e4chst und w\u00e4chst, die ersten ausgesetzten Sorten tragen bis zu f\u00fcnfmal mehr als in Europa. Er hat M\u00fche, gen\u00fcgend Viehhalter f\u00fcr die inzwischen auf mehrere zehntausend St\u00fcck angewachsenen Rinder- und Pferdeherden zu finden. Zugleich vertrieb er die ortsans\u00e4ssigen Indianer und gr\u00fcndete die Stadt Sacramento als Verwaltungssitz. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"277\" height=\"210\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Sutter-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4992\"\/><figcaption>Sutters Fort. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/blob\/7412712\/a77075e47bc575dd6a928a84f167751e\/sriimg20090522_10727647_2-data.jpg\">https:\/\/www.swissinfo.ch\/blob\/7412712\/a77075e47bc575dd6a928a84f167751e\/sriimg20090522_10727647_2-data.jpg<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Traum von einem \u201eeigenen Reich\u201c, von einer kleinen Schweiz im\nkalifornischen Paradies, scheint Wirklichkeit zu werden:\n\u201eNeu-Helvetien-Sutterland\u201c ist in voller Bl\u00fcte, ein gut ausgebildetes\nMilit\u00e4rkorps sichert den Frieden. Man nannte ihn \u201eCaptain\u201c, und er durfte sich\nals der \u201eKaiser von Kalifornien\u201c f\u00fchlen: \u201eIch war alles: Patriarch, Priester, Vater,\nRichter. Im Fort herrschte milit\u00e4rische Zucht\u201c, erinnert er sich sp\u00e4ter. Nicht emigrierende Indianer rekrutiert er f\u00fcr seine Mannschaft\nund schafft ihre \u201eVielweiberei\u201c ab: \u201eIch stellte M\u00e4nner und M\u00e4dchen in je einer\nReihe einander gegen\u00fcber. Dann befahl ich den M\u00e4dchen, eines nach den andern\nvorzutreten und aus der Reihe der M\u00e4nner einen Gatten auszuw\u00e4hlen. Den\nH\u00e4uptlingen erlaubte ich ebenfalls nur eine oder h\u00f6chstens zwei Frauen.\u201c\n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eGold ist das einzige Gesetz\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1841 erh\u00e4lt Sutter vom mexikanischen Gouverneur Don Juan Alvarado \u201edas\nLand am Sacramento\u201c mit \u00fcber 12 Leguas, etwa 6.000 Quadratkilometer, als \u201eerbliches\nEigentum legal verschrieben\u201c, mit dem \u201esouver\u00e4nen Recht, selbst Besitzrechte zu\nverleihen, das oberste Richteramt auszu\u00fcben, P\u00e4sse auszustellen und oberster\nKriegsherr zu sein.\u201c Das Land rings um den Zusammenfluss von Sacramento und\nAmerican River wurde \u201eNueva Helvetia\u201c benannt und umfasste die gesamte\nfruchtbare Landschaft zwischen dem K\u00fcstengebirge und der Sierra Nevada. Einige\nJahre sp\u00e4ter ziehen die Russen ab, die hier Pelzhandel betrieben, und verkaufen\nihm vorher Bodega und Fort Ross mit allen ihren reichen Besitzungen und\nL\u00e4ndereien. Sutter verf\u00fcgt damit \u00fcber den gr\u00f6\u00dften Privatbesitz im S\u00fcden\nNordamerikas. <\/p>\n\n\n\n<p>Er baut die \u201eHockfarm\u201c, einen vornehmen Landsitz, der f\u00fcr seine ihm nun nachziehende Familie aus der Schweiz und sp\u00e4ter als Alterssitz gedacht ist. Doch im Vertrag von Guadalupe Hidalgo, der den Mexikanisch-Amerikanischen Krieg beendete, fiel das Gebiet des heutigen Bundesstaats Kalifornien (damals Oberkalifornien) und damit auch Neu-Helvetien 1848 an die USA. Sutter wird Amerikaner und ist ein Mitunterzeichner der Verfassung Kaliforniens, das dann 1850 als 31. Bundesstaat in die Union aufgenommen wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Sutter-3-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4993\"\/><figcaption>Plakat zu Trenkers Verfilmung. Quelle:  <a href=\"https:\/\/image.tmdb.org\/t\/p\/w1280\/ltt4UW0UCkfUH0wwLxM9xIRWxAu.jpg\">https:\/\/image.tmdb.org\/t\/p\/w1280\/ltt4UW0UCkfUH0wwLxM9xIRWxAu.jpg<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei Coloma am S\u00fcdarm des American River l\u00e4sst Sutter ein S\u00e4gewerk durch\nseinen Zimmermeister James W. Marshall errichten. Der steht am 28. Januar 1848 atemlos\nvor seinem Chef: Er sei beim Graben des Abflusskanals f\u00fcr die S\u00e4gem\u00fchle auf\ngolden schimmerndes Gestein gesto\u00dfen. Er vermute, das sei Gold. Es war welches.\nSutter war sich der Brisanz dieser Entdeckung bewusst und versuchte, sie geheim\nzu halten &#8211; vergeblich. Der ber\u00fchmte Kalifornische Goldrausch begann und l\u00f6ste\neine unvergleichliche Zunahme der Bev\u00f6lkerung aus, denn Hunderttausende\nstr\u00f6mten nach dem \u201eneuen El Dorado\u201c. Zwischen 1848 und 1849 wuchs allein San\nFrancisco von 1.000 auf 25.000 Einwohner. <\/p>\n\n\n\n<p>Die ohnehin fragile staatliche Ordnung im fernen Westen brach unter dem Ansturm zusammen, die Gl\u00fccksritter ruinierten Sutters Imperium. Goldgr\u00e4bersyndikate schie\u00dfen aus dem Boden und betreiben ihre unsauberen Gesch\u00e4fte, indem sie Parzellen im Goldgr\u00e4bergebiet, ohne einen Rechtstitel zu besitzen, an die golds\u00fcchtigen Digger verpachten. \u201eWas wissen diese Horden schon von Sutters verbrieften Rechten? Was schert sie sein altmodisches Bauernparadies? Sie schlagen ihre Zelt- und H\u00fcttensiedlungen auf seinen Feldern, in seinen Hainen auf. R\u00fccksichtslos hacken sie die Fruchtb\u00e4ume um, nehmen die Bretter der S\u00e4gewerke, schlachten sein Vieh und nisten sich in den verlassenen Farmen ein. Gold ist das einzige Gesetz, das die Menschen anerkennen\u201c entsetzt sich sein Biograph Siegfried Hagl. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Sutter-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4994\"\/><figcaption>Goldrausch. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.theeuropean.de\/guido-walter\/2519-test\">https:\/\/www.theeuropean.de\/guido-walter\/2519-test<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sutter liefen die Arbeiter davon; auch die Soldaten, die er anforderte. Bevor\nsich der verzweifelte Patriarch umsieht, haben sich \u00fcber 17000 kleine Siedler (sog.\n\u201eSquatter\u201c) auf seinen L\u00e4ndereien eingenistet, ganz zu schweigen von den\nLeuten, die \u201eseine Wasserm\u00fchlen, S\u00e4gewerke, seine Schiffe, Hammerwerke und\nBauernh\u00f6fe fortgenommen haben. An allen Wasserl\u00e4ufen entstehen wilde\nAnsammlungen von Goldgr\u00e4berd\u00f6rfern: k\u00fcnstliche Bretterkan\u00e4le, Waschbecken,\nSch\u00fcttelwerke, Gruben und das dazugeh\u00f6rige Gewucher von \u201aSaloons\u2018, Spielh\u00f6llen,\nH\u00fctten und Tanzlokalen\u201c, beschreibt Otto Zierer die Situation. Doch Sutter strengt eine Monsterklage an und fordert vom Bundesstaat Kalifornien\nSchadenersatz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eTod dem\nSutter\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1855 dann die Urteilsverk\u00fcndung im Operntheater von San Francisco. Kurz\nzuvor wurde Sutter von General Riley in W\u00fcrdigung seiner Verdienste um\nKalifornien zum General bef\u00f6rdert und ihm der goldene S\u00e4bel der kalifornischen\nMiliz verliehen: \u201eB\u00fcrger von San Francisco, Kalifornier, stimmt mit mir ein in\nden Ruf: Es lebe General Sutter!\u201c Und die Menge brach in ein Freudengeschrei\naus, immer wieder t\u00f6nt es: \u201eGeneral Sutter, General Sutter!\u201c Doch nach der\nUrteilsverk\u00fcndung schrie die gleiche Menge: \u201eTod dem Sutter\u201c. Denn das Gericht\nhat die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit aller Anspr\u00fcche und Forderungen Sutters sowie die\nUnversehrbarkeit aller seiner L\u00e4ndereien best\u00e4tigt, was ihn als Eigent\u00fcmer des\nBodens von San Francisco und des goldreichen Gebiets abermals zum reichsten\nMann der Erde machte. Doch jeder f\u00fchlte sich betroffen und an seiner Goldader\nangezapft, es kam zum Aufruhr: Die Bev\u00f6lkerung akzeptierte den Urteilsspruch\nnicht und brannte den Justizpalast nieder. Seine S\u00f6hne wurden gelyncht, Sutter\nkonnte sich mit seiner Frau knapp retten. <\/p>\n\n\n\n<p>Er beginnt, sich ins Elend zu trinken. Zwischendurch versucht er sich als Hotelier. W\u00e4hrend die Zuwanderer fr\u00fcher bei ihm im Fort gratis \u00fcbernachten durften, verlangt er nun 100 Dollar pro Nacht und Person. Als ein Landstreicher, dem Sutter aus Mitleid Unterkunft angeboten hat, ihn bestiehlt, l\u00e4sst Sutter ihn auspeitschen. Der Landstreicher revanchiert sich, indem er die Hock-Farm anz\u00fcndet. Mit dem Herrenhaus werden alle pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nde Sutters zu Asche. Er sieht ein, dass er Kalifornien verlassen muss, zieht mit seiner Frau nach Pennsylvania, wo er auch begraben liegt, und reist oft ins nahe Washington, um sich mit seinen Anw\u00e4lten zu besprechen, die vor dem amerikanischen Kongress Sutters Recht auf Entsch\u00e4digung einfordern sollen. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der Prozess zieht sich in die L\u00e4nge, vor allem die Juristen verdienen jetzt. De iure hat er Recht, de facto wird er arm trotz seiner Rente als General. Er nahm zwar weiter Anteil an vielen Geschehnissen Kaliforniens und gilt auch als Mitinitiator des Bahnbaus zwischen dem Atlantik und dem Pazifischen Ozean. Doch bald war er nur noch von dem\u00a0 einen Gedanken besessen, sein Recht durchzusetzen. Als Relikt aus der inzwischen vergangenen Pionierzeit, das keiner mehr ernst nahm, schl\u00e4gt er sich zwei Jahrzehnte um den Justizpalast herum und stirbt kurz vor der endg\u00fcltigen Kongressentscheidung. Seine Frau folgt ihm nur Monate sp\u00e4ter ins Grab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"467\" height=\"721\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/467px-General_sutter_grave.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4995\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/467px-General_sutter_grave.jpg 467w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/467px-General_sutter_grave-194x300.jpg 194w\" sizes=\"(max-width: 467px) 100vw, 467px\" \/><figcaption>Familiengrab auf dem Friedhof der Herrnhuter Br\u00fcdergemeine in Lititz. Quelle Von Bohemianroots &#8211; Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=2629783<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sutters\nPers\u00f6nlichkeit wird unterschiedlich beurteilt. Nicht alle Autoren sehen in ihm\ndas unschuldige Opfer des \u201eGold Rush\u201c, das zwangsl\u00e4ufig scheitern musste. Sein\nVerhalten war zwiesp\u00e4ltig. Er h\u00f6rte nicht auf den Rat ehrlicher Freunde, lie\u00df\nsich von Gaunern betr\u00fcgen, vergraulte kompetente Mitarbeiter und verstand\nnicht, seine Gesch\u00e4fte ehrlich und anst\u00e4ndig zu f\u00fchren. \u201eIn entscheidenden\nSituationen fehlten ihm menschliche Gr\u00f6\u00dfe, Bescheidenheit und Zuverl\u00e4ssigkeit,\nwas aufgrund seines Lebenslaufes fast zu erwarten war\u201c, befindet Bernard R. Bachmann\nin der <em>NZZ<\/em>. So verstand er auch nicht, sich wenigstens als H\u00e4ndler an\ndem Goldrausch zu beteiligen, wozu er eigentlich beste Voraussetzungen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFort Sutter\u201c wurde an gleicher Stelle eins zu eins wieder aufgebaut und ist heute Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr den \u201eGr\u00fcnder Kaliforniens\u201c. Stefan Zweig hat ihm mit der Skizze \u201eDie Entdeckung Eldorados\u201c in seinem Essayband \u201eSternstunden der Menschheit\u201c (1927) ein bleibendes literarisches Denkmal gesetzt. Ein filmisches Denkmal setzte ihm Luis Trenker 1936 mit seinem Film \u201eDer Kaiser von Kalifornien\u201c. \u201eSutter`s Gold\u201c nannte ein Z\u00fcchter namens Swim seine Mitte des 20. Jahrhunderts in den USA gez\u00fcchtete gelb-orange Rose: \u00fcberreich bl\u00fchend, stark duftend und, da anspruchslos, f\u00fcr Anf\u00e4nger geeignet.<\/p>\n\n\n\n<figure><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D4941&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowtransparency=\"true\"><\/iframe><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Deutsch-Schweizer war der personifizierte amerikanische Pioniergeist, machte Kalifornien fruchtbar und starb vor 140 Jahren als \u00e4rmster reichster Mann der Welt: Johann August Sutter.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4941"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4941"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4941\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4996,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4941\/revisions\/4996"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4941"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4941"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4941"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}