{"id":5086,"date":"2020-07-16T06:14:19","date_gmt":"2020-07-16T05:14:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5086"},"modified":"2020-06-24T15:14:38","modified_gmt":"2020-06-24T14:14:38","slug":"der-vater-des-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5086","title":{"rendered":"Der Vater des Kapitalismus"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Ex-Notenbankchef der USA, Alan Greenspan, fand es verbl\u00fcffend, dass\nunsere heutigen Vorstellungen von der Wirksamkeit des Marktes und des freien\nWettbewerbs im Wesentlichen schon in seinen Gedanken enthalten seien. Der indische Philosoph Amartya Sen bezeichnete seinen Beitrag f\u00fcr\nunser Verst\u00e4ndnis dessen, was sp\u00e4ter Kapitalismus genannt wurde, als monumental\nund nannte seine Erkenntnisse bis zum heutigen Tag bedeutend. Ganz anders der\nUS-\u00d6konom Murray Rothbard, f\u00fcr den er den theoretischen Unterbau f\u00fcr den\nMarxismus gebildet, die Fortschritte seiner Vorg\u00e4nger negiert und die\nWirtschaftswissenschaften auf den falschen Weg gebracht habe. Der so\npolarisiert, hei\u00dft Adam Smith und gilt als Begr\u00fcnder der klassischen\nNational\u00f6konomie. Am 17. Juli vor 230 Jahren starb er in Edinburgh.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor hatte er im Beisein einiger Freunde alle Notizen und Manuskripte\nverbrannt, um zu verhindern, dass er der Welt etwas Unfertiges \u00fcberl\u00e4sst. Sein\nFreund, der Philosoph David Hume, beschrieb ihn in einem Brief: \u201eSie werden in\nihm einen wahrhaft verdienstvollen Mann finden, wenngleich seine sesshafte,\nzur\u00fcckgezogene Lebensweise sein Auftreten und Erscheinungsbild als Mann von\nWelt getr\u00fcbt hat.\u201c Er lebt nicht nur auf der 20-Pfund-Sterling-Note der Bank of\nEngland sowie gleich zwei Adam-Smith-Preisen zweier \u00d6konomie-Institutionen weiter,\nsondern vor allem in seinen Texten, die bis heute in vielen\nWirtschafts-Studieng\u00e4ngen Pflichtlekt\u00fcre sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Geboren am 5. Juni 1723 in Kirkcaldy in der schottischen Grafschaft Fife, hatte er eine enge Bindung zu seiner Mutter Margaret, mit der er bis zu ihrem Tod 1784 lebte: Vater Adam sen., ein Rechtsanwalt und Zollkontrolleur, war vor der Geburt seines Sohnes gestorben. Im Alter von vier Jahren soll das schw\u00e4chliche Einzelkind entf\u00fchrt, doch schon nach kurzer Zeit wieder nach Hause gebracht worden sein: Die Entf\u00fchrer h\u00e4tten ihn bei der Verfolgungsjagd verloren. Er besucht die Burgh School in Kirkcaldy und studierte ab seinem 14. Lebensjahr Philosophie und \u00d6konomie \u2013 damals ein Teilgebiet der Moralphilosophie, das sich \u201eLehre vom richtigen Haushalten\u201c nannte. Zun\u00e4chst blieb er drei Jahre an der Universit\u00e4t Glasgow, mit einem Stipendium weitere drei am Balliol College in Oxford. Die Atmosph\u00e4re im beschaulichen Oxford empfand er im Vergleich zu Glasgow als r\u00fcckst\u00e4ndig; unter seinen Kommilitonen hatte er kaum Freunde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"287\" height=\"350\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/matthau-walter-7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5087\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/matthau-walter-7.jpg 287w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/matthau-walter-7-246x300.jpg 246w\" sizes=\"(max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><figcaption>Adam Smith. Quelle: Von Autor unbekannt &#8211; author: \u0645\u0627\u064a\u0643\u0644 \u0647\u0627\u0631\u062adate: 2012-06-11, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=19857903<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nachdem er 1746 nach Kirkcaldy zur\u00fcckgekehrt war, aber keine Anstellung\nfand, konnte er 1748\/49 in Edinburgh eine Serie thematisch breit gef\u00e4cherter \u00f6ffentlicher\nVorlesungen halten &#8211; damals eine Voraussetzung f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit als\nUniversit\u00e4tsdozent. Zeitgenossen berichten \u00fcber riesigen Andrang. Sp\u00e4testens 1751\nwurde er im Alter von nur 27 Jahren Professor f\u00fcr Logik an der Universit\u00e4t\nGlasgow und folgte 1752 als Professor f\u00fcr Moralphilosophie seinem Lehrer Francis\nHutcheson nach. Das Fach deckte ein weites Spektrum von Theologie \u00fcber\npolitische \u00d6konomie bis hin zu Ethik ab. Smith\u2018s Unterrichtsniveau galt als\nhoch, er war einer der ersten, die statt Latein als Unterrichtssprache Englisch\nnutzen. In dieser Zeit freundete er sich mit Hume an: Als er in Oxford beim\nLesen eines Buches von Hume erwischt wurde, hatte er daf\u00fcr einen Tadel erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Professor\nund Privatlehrer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1759 erschien sein erstes gro\u00dfes Werk, die \u201eTheorie der ethischen Gef\u00fchle\u201c\n(\u201eThe Theory of Moral Sentiments\u201c), das sich mit der menschlichen Natur und\nihrem Verh\u00e4ltnis zur Gesellschaft befasste und ihn rasch bekannt machte. Im\nMittelpunkt steht die \u201eSympathie\u201c des Menschen \u2013 sie sei die moralische\nBegr\u00fcndung des Kapitalismus. Als Gef\u00fchl erm\u00f6gliche sie erst die Bildung von\nGemeinschaften und sichere so das \u00dcberleben. \u201eWie selbsts\u00fcchtig der Mensch auch\nimmer eingesch\u00e4tzt werden mag, so liegen doch offensichtlich bestimmte\nGrundveranlagungen in seiner Natur, die ihn am Schicksal anderer Anteil nehmen\nlassen\u201c, schrieb er. <\/p>\n\n\n\n<p>Damit entpuppte er sich als Aufkl\u00e4rer und stellte sich gegen das etwas rohe Weltbild, das sich z. B. in Thomas Hobbes\u2019 \u201eLeviathan\u201c manifestiert. Die F\u00e4higkeit der Selbstkritik, glaubte Smith, h\u00e4lt die egoistischen Z\u00fcge im Zaum. Da diese F\u00e4higkeit als Kontrollinstanz nicht ausreiche, forderte er Gesetze, die ein Ausufern der Eigenliebe in hemmungslose Selbstsucht verhindern sollen. Die Gesellschaft sollte aber auf keinen Fall das Streben nach pers\u00f6nlichem Wohlstand unterdr\u00fccken. Die Eigenliebe, die uns von der Geburt bis zum Grab begleite und ohne die freie Marktwirtschaft undenkbar w\u00e4re, sei ein positiver Charakterzug, eine Eigenschaft, die Achtung verdiene. Diese Theorie machte Smith schlagartig bekannt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/matthau-walter-8.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5090\"\/><figcaption> Seit 2007 auf der britischen 20-Pfund-Note. Quelle: <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/images\/mittig_adam-smith_banknote_16_12_11_pr\/5969438\/2-format1001.jpg\">https:\/\/www.wiwo.de\/images\/mittig_adam-smith_banknote_16_12_11_pr\/5969438\/2-format1001.jpg<\/a>  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Vier Jahre sp\u00e4ter legte er seine Professur nieder und begleitete den Sohn\ndes Duke of Buccleuch, Henry Scott, als Privatlehrer auf eine fast dreij\u00e4hrige\nBildungsreise durch Frankreich und die Schweiz \u2013 der Job war finanziell\nlukrativer und brachte Smith eine lebenslange Rente von 300 Pfund Sterling\nj\u00e4hrlich ein. Die Reise lieferte ihm viele neue Erkenntnisse und vor allem\nBekanntschaften, darunter mit Voltaire, Diderot und d\u2019Alembert. Zugleich hatte\ner Mu\u00dfe zum Lesen und Schreiben \u2013 die ersten Entw\u00fcrfe seines Hauptwerks fallen\nin diese Zeit. Die Reise musste 1766 abrupt abgebrochen werden, da der j\u00fcngere\nBruder des Herzogs, der an dieser Reise teilnahm, pl\u00f6tzlich erkrankte und kurz\ndarauf starb. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Kircaldy schreibt er \u201eDer Wohlstand der\nNationen\u201c (\u201eAn Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations\u201c)\nfertig, das Buch erscheint 1776. <\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Jahre sp\u00e4ter beruft ihn Premierminister Lord Frederick North zum\nZollkommissar von Schottland, das Amt \u00fcbte er bis seinem Lebensende aus. Im\nKampf gegen militante Tee- und Branntweinschmuggler soll er rigoros agiert\nhaben: In Briefen ist \u00fcberliefert, wie er das Milit\u00e4r zu Hilfe rief und\nzusammen mit seinen Kollegen an der K\u00fcste alte Schiffsr\u00fcmpfe als\nTruppenst\u00fctzpunkte einrichten lie\u00df. Innerhalb von zwei Jahren gelang ihm die\nSanierung des schwer maroden schottischen Geldwesens. Smith machte mehreren Frauen\nHeiratsantr\u00e4ge, die jedoch alle abgelehnt wurden, und so steckte er sein Geld\nin karitative Projekte und baute eine ansehnliche Privatbibliothek auf. Anekdoten\nberichten von einer vorwiegend geistigen Existenz: Er soll zeitlebens\nSelbstgespr\u00e4che gef\u00fchrt haben und auch einmal im Schlafanzug durch Edinburgh\ngegangen sein. Drei Jahre vor seinem Tod wird er noch zum Lord Rector der\nUniversit\u00e4t Glasgow ernannt. Er liegt auf dem Canongate Kirkyard in Edinburgh\nbegraben, wo seit 2008 vor der St.-Giles-Kathedrale ein Denkmal an ihn\nerinnert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201edurch\neine unsichtbare Hand geleitet\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sein 900seitiges Hauptwerk \u201eWohlstand der Nationen\u201c, das Greenspan als\neine der gr\u00f6\u00dften Errungenschaften der Geistesgeschichte pries, ist zun\u00e4chst\neine Art eklektische Enzyklop\u00e4die des \u00f6konomischen Wissens der Zeit. Darin\nverhandelte Smith f\u00fcnf Hauptthemen: neben den Rollen von Arbeitsteilung und\nfreiem Markt auch Fragen der Verteilung, des Au\u00dfenhandels und der Rolle des\nStaates. Mit seinen Ansichten vollzog er zun\u00e4chst einen Paradigmenwechsel vom Merkantilismus,\nder typischen Wirtschaftsform zu Zeiten des Absolutismus, hin zum Liberalismus.\nWar bis dahin vorrangiges Ziel, den Reichtum der herrschenden F\u00fcrsten vor allem\ndurch den Export von Fertigwaren zu maximieren, um die stehenden Heere, aber\nauch den wachsenden Beamtenapparat und nicht zuletzt die Prunkbauten der\nHerrscher zu finanzieren, setzt Smith auf die Bedeutung freier Produzenten sowie\ndie Rolle von K\u00e4ufer und Preis.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"300\" height=\"248\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/matthau-walter-9.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5091\"\/><figcaption>Smith&#8216; Hauptwerk. Quelle:  <a href=\"http:\/\/www.impulsderzeiten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Adam-Smith-und-die-Ehre-Titelseite-Wohlstand2-300x248.jpg\">http:\/\/www.impulsderzeiten.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Adam-Smith-und-die-Ehre-Titelseite-Wohlstand2-300&#215;248.jpg<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst erkl\u00e4rt und rechtfertigt er den internationalen Handel. Mit der Theorie des absoluten Kostenvorteils beweist er, dass es sich f\u00fcr jedes Land lohnt, mit seinen Nachbarn Handel zu treiben, und wendet sich damit gegen die protektionistischen Wirtschaftsauffassungen seiner Zeit, die besagten, m\u00f6glichst wenige Waren zu importieren, um die Produktion im eigenen Land nicht durch Konkurrenz aus dem Ausland zu gef\u00e4hrden. F\u00fcr Smith bestimmt sich der Wert einer Ware durch die Arbeitsstunden, die zu seiner Produktion n\u00f6tig waren. \u201eSie enthalten den Wert einer bestimmten Menge Arbeit, von der wir zum Zeitpunkt des Erwerbs annehmen, dass sie die gleiche Menge Arbeit enth\u00e4lt, wie das Gut, das wir erwerben.\u201c Durch den Wettbewerb des freien Marktes stimmt der Preis am Ende mit dem Wert der Ware \u00fcberein \u2013 niemand kann mehr verlangen, als die Produktion der Ware ihn wirklich an Arbeit gekostet hat. Unterschiede im Preis einer Ware h\u00e4ngen also mit einer unterschiedlichen Produktivit\u00e4t der L\u00e4nder zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Grundlegend war seine positive Beurteilung des menschlichen\nErwerbsstrebens. Smith forderte, die Regulierung der Produktion dem Markt\nselbst zu \u00fcberlassen. Aufgrund des Preises, das hei\u00dft durch die Verbraucher,\nsolle entschieden werden, was produziert wird. Um die Bed\u00fcrfnisse der K\u00e4ufer\noptimal zu befriedigen, m\u00fcsse ein Wettbewerb freier und rechtlich gleicher\nProduzenten herrschen. Nicht dem Wohl der Produzenten, sondern dem der K\u00e4ufer\nsollte die neue Wirtschaftsordnung dienen, in die der Staat m\u00f6glichst wenig\neingreifen d\u00fcrfe. Smith forderte die Abschaffung von Preis- und Lohnordnungen,\nvon Z\u00fcnften, Privilegien und Monopolen \u2013 also die Freiheit f\u00fcr alle\nProduzenten, Art und Umfang der Produktion selbst zu bestimmen (Freie\nMarktwirtschaft). Allerdings reicht die Liste der von Smith f\u00fcr gerechtfertigt\nerachteten Staatseingriffe von der Regulierung des Bankgesch\u00e4fts und der\nKontrolle der Zinsen \u00fcber Steuern zur Eind\u00e4mmung des Alkoholkonsums bis hin zur\nF\u00f6rderung der Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ziel war eine dynamische Wirtschaftsordnung, angetrieben durch das \u201enat\u00fcrliche\u201c Erwerbs- und Besitzstreben des Menschen und die Konkurrenz der Produzenten. Der Wettbewerb w\u00fcrde f\u00fcr reelle Preise sorgen und eine stete Innovation erzwingen, das hei\u00dft eine Verbesserung der Produkte und Produktionsmittel, die Fortentwicklung der Arbeitsteilung &#8211; und damit des \u201eWohlstands der Nationen\u201c: Der einzelne habe \u201eweder die Absicht, das \u00f6ffentliche Interesse zu fordern noch wei\u00df er, wie sehr er es f\u00f6rdert &#8230; Er beabsichtigt nur seinen eigenen Gewinn, und er wird dabei, wie in vielen anderen F\u00e4llen, durch eine unsichtbare Hand geleitet, die ein Ziel bef\u00f6rdert, das nicht Teil seiner Absichten war.\u201c Diese ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Metapher, die die vielen Einzelinteressen zum Gemeinnutzen zusammenf\u00fcgt, ist nun in Tatsachen erfahrbar, \u201eauch wenn ihr Wirken in der Realit\u00e4t durch Interventionen so sehr abgelenkt wird, dass es kaum noch auffindbar ist\u201c, meinte Ralf Dahrendorf schon 1984 in der <em>Zeit<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"338\" height=\"450\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/matthau-walter-10.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5092\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/matthau-walter-10.jpg 338w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/matthau-walter-10-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 338px) 100vw, 338px\" \/><figcaption>Statue in Edinburgh. Quelle:  <a href=\"https:\/\/media-cdn.tripadvisor.com\/media\/photo-s\/14\/fd\/81\/34\/adam-smith-tribute-statue.jpg\">https:\/\/media-cdn.tripadvisor.com\/media\/photo-s\/14\/fd\/81\/34\/adam-smith-tribute-statue.jpg<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Buch erlebte bis zur Jahrhundertwende neun Auflagen und wurde auch rasch ins Deutsche \u00fcbersetzt, doch blieb seine Wirkung hier begrenzt. Hardenberg berief sich zwar gerne auf Smith, doch sah die deutsche Schule der National\u00f6konomie in ihm den britischen Individualisten, der die Aufgaben des Staates verkannte, dessen Interessen deutsche \u00d6konomen n\u00e4herstanden als der unsichtbaren Hand. F\u00fcr Marx und Engels war der \u201e\u00f6konomische Luther\u201c ein \u201eInbegriff kapitalistischer Ideologie; sie priesen ihn, um ihn in der Kritik umso tiefer zu st\u00fcrzen\u201c, so Dahrendorf. Der Knackpunkt: Smith verteufelt nicht den Unternehmergewinn, sondern verteidigt ihn als lebensnotwendig. Denn weil ein Unternehmer auch k\u00fcnftig Gewinne erwirtschaften will, investiert er in Arbeit nicht aus N\u00e4chstenliebe dem Arbeitsuchenden gegen\u00fcber, sondern wegen seiner Gewinnziele. Er schafft keine Arbeitspl\u00e4tze aus Mitgef\u00fchl, sondern im Hinblick auf seinen Gewinn, er denkt bei der Investition nicht ans Gemeinwohl, sondern nur an sein eigenes Interesse (self-interest). Diese Kopplung von Eigennutz und Wohlfahrt ist der entscheidende Gedanke der liberalistischen Wirtschaftstheorie. <\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch betrachtete Smith Fabrikanten und Kaufleute mit gro\u00dfer Skepsis, sah in ihnen zuweilen \u201eVerschw\u00f6rer\u201c, die die Preise hochtreiben und die L\u00f6hne niedrig halten. So forderte er Gewerkschaften, denn der einzelne Arbeiter hat gegen diese \u201eKaste\u201c keine Chance. Sein Traum war ein sittlich reifer, moralischer Kapitalismus. \u201eDie altruistische Forderung der utilitaristischen Ethik, nach der eine Handlungsweise gut genannt wird, deren Folgen geeignet sind, das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Gl\u00fcck f\u00fcr die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Zahl zu erreichen, wird bei Smith nicht um den Preis des Egoismus erreicht, sondern vermittels des Egoismus\u201c, bilanziert Josef Bordat 2007 auf dem Webportal <em>philosophieren<\/em>. Der Grazer Volkswirtschaftsprofessor Heinz D. Kurz verweist vor allem auf Smith\u2018 Erkenntnis, dass eine Gesellschaft \u201ezwar ohne Wohlwollen auskommen kann, die Vorherrschaft von Ungerechtigkeit sie jedoch letztlich zerst\u00f6ren muss\u201c. Das klingt hochaktuell. <\/p>\n\n\n\n<figure><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D5086&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"><\/iframe><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Moralphilosoph gilt als Begr\u00fcnder der klassischen National\u00f6konomie und tr\u00e4umte von einem sittlich reifen, moralischen Kapitalismus: Adam Smith. 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