{"id":5120,"date":"2020-08-31T06:40:39","date_gmt":"2020-08-31T05:40:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5120"},"modified":"2020-07-30T14:52:00","modified_gmt":"2020-07-30T13:52:00","slug":"hilf-mir-es-selbst-zu-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5120","title":{"rendered":"\u201eHilf mir, es selbst zu tun\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Auf den ersten Blick haben Amazon-Chef Jeff Bezos, Architekt Friedensreich\nHundertwasser, Schauspielerin Heike Makatsch, Literaturnobelpreistr\u00e4ger Gabriel\nGarc\u00eda M\u00e1rquez und Wikipedia-Mitgr\u00fcnder Jimmy Wales gar nichts miteinander zu\ntun. Auf den zweiten schon: sie alle sind Absolventen von Montessori-Schulen.\nSo ganz falsch kann sie also doch nicht sein, die \u201eP\u00e4dagogik vom Kinde her\u201c,\nwie das reformp\u00e4dagogische Experiment gern zusammengefasst wird. Seine\nUrheberin Maria Montessori wurde am 31. August 1870 in Chiaravalle in der\nProvinz Ancona als einziges Kind einer klassischen B\u00fcrgerfamilie geboren, die\nf\u00fcnf Jahre nach der Geburt nach Rom umzieht. <\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Gro\u00dfonkel war der katholische Theologe und Geologe Antonio Stoppani, aus dessen Theorie zur Verbindung von Theologie und Naturwissenschaften Maria ihre \u201ekosmische Erziehung\u201c entwickeln sollte. Schon in ihrer Schulzeit interessierte sie sich f\u00fcr Naturwissenschaften und besuchte daher \u2013 gegen den Widerstand ihres konservativen Vaters, eines Finanzbeamten \u2013 eine technische Oberschule. Nach ihrer Ablehnung f\u00fcr ein Medizinstudium studierte sie an der Universit\u00e4t Rom von 1890 bis 1892 zun\u00e4chst Naturwissenschaften, bevor es ihr nach ihrem ersten Hochschulabschluss doch gelingt, Medizin zu studieren. Sie musste viel Kritik und Diskriminierungen \u00fcber sich ergehen lassen, zum Beispiel durfte sie beim Sezieren der Leichen nicht mit M\u00e4nnern in einem Raum sein, was zur Folge hatte, dass sie abends und allein im Anatomiesaal arbeitete. Da sie den Geruch dort widerlich fand, soll sie kurzerhand einen Mann angeheuert haben, der abends mit ihr dort sa\u00df und Zigarre rauchte. Aufgrund ihrer Leistungen bekam sie verschiedene Stipendien, mit denen sie ihr Studium ganz alleine finanzierte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"512\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Maria_Montessori_portrait.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5122\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Maria_Montessori_portrait.jpg 512w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Maria_Montessori_portrait-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Maria Montessori. Quelle: <a href=\"https:\/\/www.montessori-dietramszell.de\/paedagogik\/maria-montessori\/\">https:\/\/www.montessori-dietramszell.de\/paedagogik\/maria-montessori\/<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Studiums war Montessori als Assistentin, sp\u00e4ter\nAssistenz\u00e4rztin an psychiatrischen Kliniken in Rom t\u00e4tig. Sie spezialisierte\nsich auf Kinderheilkunde und interessierte sich f\u00fcr die nur notd\u00fcrftig\nversorgten geistig behinderten Kinder. Von deren w\u00fcrdelosen und verwahrlosten\nZustand tief bewegt, bem\u00fchte sie sich um Abhilfe. \u00dcberzeugt, dass die\nBehandlung der \u201eSchwachsinnigen\u201c oder \u201eIdioten\u201c kein medizinisches, sondern ein\np\u00e4dagogisches Problem ist, forderte die die Einrichtung spezieller Schulen f\u00fcr\ndie betroffenen Kinder. Als sie kurz vor Ende ihres Studiums einen Vortrag hielt,\ndem auch ihr Vater lauschte, und donnernden Applaus erhielt, fanden beide\nwieder zusammen, denn er hatte das Medizinstudium seiner Tochter abgelehnt.\nJahre sp\u00e4ter, zu Marias 30. Geburtstag, schenkte er ihr sogar ein Buch, in das\ner alle Zeitungsartikel \u00fcber sie und ihre Arbeit eingeklebt hatte \u2013 es waren\nmehr als 200.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geburtsstunde\nder Inklusion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1896 promovierte sie als eine der ersten \u00c4rztinnen Italiens an der\nUniversit\u00e4t Rom \u00fcber \u201eAntagonistische Halluzinationen\u201c im Fach Psychiatrie und lie\u00df\nsich in einer eigenen Praxis nieder. Sie begegnet ihrem Kollegen Giuseppe\nMontesano \u2013 die Beziehung wird einen langen Schatten auf ihre Biografie werfen.\nIhr erstes Kind hat Montessori abtreiben lassen, um ihre Karriere nicht zu\ngef\u00e4hrden. 1898 bekommt sie mit Guiseppe unehelich ihren Sohn Mario und erh\u00e4lt 1899\nvom italienischen Erziehungsminister den Auftrag, vor Lehrerinnen in Rom eine\nVortragsreihe \u00fcber die Erziehung geistig behinderter Kinder zu halten. Aus\ndiesem Kurs ging die Scuola magistrale ortofrenica (\u201eHeilp\u00e4dagogisches\nInstitut\u201c) hervor, die sie als Direktorin zwei Jahre leitete und f\u00fcr die sie\nspezielle didaktische Materialien zum Sprach- und Mathematikunterricht\nentwickelte. Montesano geh\u00f6rt zum Kollegium, beide gelten als Paar \u2013 obwohl\nMontesano schlie\u00dflich eine andere Frau heiratet. <\/p>\n\n\n\n<p>Er willigt ein, dass Mario seinen Familiennamen bekommt, verlangt daf\u00fcr aber die Geheimhaltung der Existenz des Kindes. So wuchs Mario in einer Pflegefamilie auf und wurde von Montessori erst 1913 zu sich genommen. Erst als er \u00fcber 40 Jahre alt war, bekannte sich Maria zu ihm als seine Mutter. Er diente ihr bis zu ihrem Tode als Sekret\u00e4r. Ihr eigenes Kind nicht selbst erziehen zu k\u00f6nnen war vielleicht ein Grund, warum sie sich so sehr um die bestm\u00f6gliche Erziehung aller Kinder bem\u00fchte. Hier \u00e4hnelt sie Rousseau, der seine Kinder ins Findelhaus brachte, um ungest\u00f6rt B\u00fccher \u00fcber Erziehung zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"954\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Maria_Montessori_portrait-3-954x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5126\"\/><figcaption>Mit Sohn in Indien. Quelle:  <a href=\"https:\/\/montessori-aare.ch\/lebenskette-maria-montessori\/\">https:\/\/montessori-aare.ch\/lebenskette-maria-montessori\/<\/a>  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1901 verlie\u00df Montessori menschlich entt\u00e4uscht das Institut und nahm ein\nweiteres Studium der Anthropologie, Psychologie und Erziehungsphilosophie auf.\nAm 6. Januar 1907 \u00fcbernahm sie im neugegr\u00fcndeten Casa dei Bambini, eine\nTagesst\u00e4tte f\u00fcr Kinder aus sozial schwachen Familien, im r\u00f6mischen\nArbeiterbezirk San Lorenzo die wissenschaftliche Leitung. Sie hatte beobachtet,\ndass die p\u00e4dagogisch aufbereiteten Materialien den Kindern mit Behinderungen so\nsehr halfen, dass einige von ihnen genauso gut in der Schule abschnitten wie\nnicht Nichtbehinderte, die keine F\u00f6rderung erhielten. \u201eWarum sollten dann nicht\nauch diese normalen Kinder, wenn man die gleichen Methoden bei Ihnen anwendete,\nzu einer viel g\u00fcnstigeren Entwicklung angeregt werden als in jenen Schulen, in\ndenen alle Freude der Kinder am Lernen erstickt wurde?\u201c Das kann man im\nNachhinein auch als Geburtsstunde der Inklusion sehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201esich zu\noffenbaren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aus den in dieser Zeit gemachten Erfahrungen entwickelte sie die\nMontessori-Methode, die sie erstmals in \u201eIl metodo della pedagogia scientifica\u201c\n(1909) sowie \u201eL\u2019autoeducazione\u201c (1916) darlegte und st\u00e4ndig erweiterte. Sie\nberuht auf dem Bild des Kindes als \u201eBaumeister seines Selbst\u201c und kann insofern\nals experimentell bezeichnet werden, als die Beobachtung des Kindes den\nLehrenden dazu f\u00fchren soll, geeignete didaktische Techniken anzuwenden, um den\nLernprozess optimal zu f\u00f6rdern. Als Grundgedanke der Montessorip\u00e4dagogik gilt\ndie Aufforderung \u201eHilf mir, es selbst zu tun\u201c. Das bedeutet einen\nParadigmenwechsel von der Lehrer- zur Kindorientierung: \u201eDie Aufgabe der\nUmgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu\noffenbaren.\u201c Montessori glaubte, dass sowohl Belohnungen als auch Strafen\nsch\u00e4dlich sind f\u00fcr die innere Einstellung des Menschen, dass Kinder ganz\nnat\u00fcrlich aus ihrer eigenen Motivation lernen wollen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Montessorimethode konzentriert sich als P\u00e4dagogik auf die Bed\u00fcrfnisse, Talente und Begabungen des einzelnen Kindes, das dazu ermutigt wird, das Tempo, das Thema und die Wiederholung der Lektionen selbstst\u00e4ndig zu steuern. Das Leitmotiv der Methode ist die Pflege der nat\u00fcrlichen Freude des Kindes am Lernen, die einen Kernbestandteil des Wesens eines jeden Kindes darstelle und zur Entwicklung einer in sich ruhenden und ausgeglichenen Pers\u00f6nlichkeit f\u00fchre. Kinder, die in ihrem eigenen Rhythmus und den eigenen Interessen folgend lernen, erleben Selbstvertrauen und Selbstst\u00e4ndigkeit und verinnerlichen das Gelernte so am besten. Selbstst\u00e4ndigkeit wird durch die Arbeiten des t\u00e4glichen Lebens (F\u00e4higkeiten, die direkt im praktischen Leben anwendbar sind) unterst\u00fctzt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"320\" height=\"236\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Maria_Montessori_portrait-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5125\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Maria_Montessori_portrait-2.jpg 320w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Maria_Montessori_portrait-2-300x221.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption>Montessori und Mussolini. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.orderisda.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Maria-and-Mussolini.jpg\">https:\/\/www.orderisda.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Maria-and-Mussolini.jpg<\/a>  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dazu entwickelte sie ein eigenes entwicklungspsychologisches Dreiphasenmodell\nkindlicher Entwicklung, die Didaktik der \u201eDrei-Stufen-Lektion\u201c und das Konzept\nder \u201evorbereiteten Umgebung\u201c mit selbst entworfenen Materialien in f\u00fcnf\nLernbereichen. Entsprechend ihrem bildungstheoretischen Modell der \u201eKosmischen\nErziehung\u201c geht es um die p\u00e4dagogische Umsetzung einer schon im antiken\nGriechenland vertretenen Vorstellung, dass der Mensch als Mikrokosmos Teil\neines kosmischen Ganzen, des Makrokosmos, ist und dass seine\n\u201eSch\u00f6pfungsaufgabe\u201c darin besteht, an der Realisierung eines universellen\n\u201ekosmischen Plans\u201c mitzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>widerspruchsfreie\nWeltkultur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kritisiert wird an dem Konzept bis heute, dass Montessori keinerlei\nwissenschaftliche Systematik ausgearbeitet habe und nicht \u00fcber einen\npositivistischen, von missionarischem Pathos getragenen Eklektizismus\nhinausgekommen sei, wie Erwin Hufnagel befindet. Nach Helmut Lukesch sind Maria\nMontessoris \u201ealtbackene und allenfalls alltagspsychologische Ausf\u00fchrungen mit\ndem Stand des heutigen entwicklungspsychologischen oder p\u00e4dagogisch-psychologischen\nWissens nicht in \u00dcbereinstimmung zu bringen\u201c Aus ihren im Einzelfall anregenden\n\u201eIdeen\u201c eine zusammenh\u00e4ngende \u201eMontessori-Methode\u201c abzuleiten, sei\n\u201ewirklichkeitsfremd\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei muss das Konzept der vorbereiteten Umgebung als Grundlage von Montessoris Forderung nach einer soziopsychischen Hygiene der gesamten Gesellschaft verstanden werden. Denn es ist nach Montessori nicht genug, einzelne Kinder in ihren Verhaltensweisen zu beeinflussen, sondern sie fordert die \u201eNormalisierung\u201c der gesamten Population durch diese Hygiene, das Entfernen sch\u00e4dlicher Einfl\u00fcsse auf die Kinder. Dieser Ansatz einer homogen gestalteten Umwelt f\u00fchrt in Konsequenz nicht nur zu einer Gesellschaft, welche die individuellen Auspr\u00e4gungen der Kinder d\u00e4mpft, sondern auch zu einer uniformen, widerspruchsfreien Weltkultur. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"333\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Maria_Montessori_portrait-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5127\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Maria_Montessori_portrait-4.jpg 500w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Maria_Montessori_portrait-4-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption>Montessori-Material. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.pinterest.de\/pin\/581034789395190369\/\">https:\/\/www.pinterest.de\/pin\/581034789395190369\/<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Und genau das machte sie problemlos anschlie\u00dfbar an den Faschismus\nMussolinis &#8211; der nach einer Begegnung mit ihr 1924 die Montessori-Methode an\nallen italienischen Schulen einf\u00fchrte. Durch diese Protektion wurde die\nitalienische Montessori-Gesellschaft von der faschistischen Regierung\nunterst\u00fctzt. Die Entfremdung Montessoris gegen\u00fcber der faschistischen Regierung\nsetzte erst 1934 ein, als das Regime immer mehr versuchte, sich in die t\u00e4gliche\nArbeit an den Montessori-Schulen einzumischen, beispielsweise durch das Gebot\ndes Uniformtragens.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch da hatte ihr Konzept bereits weltweite Verbreitung gefunden. Ab 1913\nentwickelte sich in Nordamerika ein starkes Interesse an ihren\nErziehungsmethoden, das sp\u00e4ter erlahmte und ab 1960 mit der Gr\u00fcndung der\nAmerikanischen Montessori-Gesellschaft wieder aufflammte. In Deutschland hatte\nin den 1920er Jahren vor allem Clara Grunwald die Montessori-P\u00e4dagogik bekannt\ngemacht und verbreitet. Das erste Montessori-Kinderhaus in \u00d6sterreich wurde\n1917 von Franziskanerinnen in Wien gegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1916 in Barcelona lebend, wo sie eine Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr ihre\nP\u00e4dagogik einrichtet, reiste sie viel, hielt Vortr\u00e4ge und ver\u00f6ffentlichte ihre\ngro\u00dfen Werke, etwa \u201eDr. Montessoris Own Handbook\u201c sowie \u201eThe Secret of\nChildhood\u201c (\u201eKinder sind anders\u201c). Vor dem B\u00fcrgerkrieg in Spanien floh sie 1936\nnach Amsterdam und nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges nach Indien, wo sie\nvon 1939 bis 1946 mit ihrem Sohn Mario lebte, teilweise von den Briten\ninterniert. Sie baut eine starke indische Montessori-Bewegung und ein gro\u00dfes\nNetzwerk auf, erlebte aber aus der Ferne zugleich, dass alle\nMontessori-Einrichtungen in Italien, Spanien, Russland, \u00d6sterreich und\nDeutschland geschlossen wurden. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verkehrserziehung\nals Anwendungsfeld<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sie kam erst 1949 endg\u00fcltig nach Europa zur\u00fcck und lie\u00df sich in den Niederlanden nieder, wo sich heute auch der Hauptsitz der von ihr 1929 gegr\u00fcndeten Association Montessori Internationale (AMI) befindet. Ihr letztes gro\u00dfes Werk \u201eThe Absorbent Mind (\u201eDas kreative Kind &#8211; der absorbierende Geist\u201c) erschien 1949 erstmals in Indien und entstand wie die meisten ihrer B\u00fccher aus einer Sammlung von Vortr\u00e4gen, die sie selbst hielt und deren Mitschriften von ihrem Sohn Mario stammten. Sie starb am 6. Mai 1952 in Noordwijk aan Zee.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"954\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Maria_Montessori_portrait-5-954x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5128\"\/><figcaption>Grab in Nordwijk. Quelle:  <a href=\"https:\/\/montessori-aare.ch\/lebenskette-maria-montessori\/\">https:\/\/montessori-aare.ch\/lebenskette-maria-montessori\/<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine Reihe nationaler Montessori-Gesellschaften, die bestimmte\nQualit\u00e4tskriterien erf\u00fcllen, sind heute der AMI angeschlossen. Dar\u00fcber hinaus\ngibt es eine Reihe nationaler und internationaler Montessori-Vereinigungen, die\nunabh\u00e4ngig von der AMI sind und sich in Deutung, Umsetzung und\nQualit\u00e4tsverst\u00e4ndnis der Montessorip\u00e4dagogik von der AMI unterscheiden. Nach\nSch\u00e4tzungen der AMI existierten 2011 in 110 L\u00e4ndern der Welt rund 22 000\nMontessori-Einrichtungen. In Deutschland arbeiteten 2009 \u00fcber 600 Kitas nach\nden Prinzipien der Montessorip\u00e4dagogik. Ende 2012 gab es 225 Montessori-Grund-\nund 156 Sekundarschulen, die meisten in freier Tr\u00e4gerschaft. <\/p>\n\n\n\n<p>Schul\u00fcbergreifend spielt ihre P\u00e4dagogik heute noch in der Verkehrserziehung eine Rolle. Die Kinder werden allerdings nicht nur mit p\u00e4dagogisch pr\u00e4parierten Lehrmaterialien versorgt, sondern zur Entwicklung eigenen Spielzeugs angeleitet. Dies geschieht etwa in Form der Gestaltung eines eigenen Schulwegspiels, das die Kinder als Brettspiel auf der Basis ihrer begleiteten Schulwegerkundungen selbst entwerfen und herstellen d\u00fcrfen. Denn die Sch\u00fcler sollen lernen, altersgerecht f\u00fcr sich und die Verkehrssicherheit mit Verantwortung zu \u00fcbernehmen, bspw. beim Fahrradfahren, nicht aber als \u201eunfertige Erwachsene\u201c behandelt und im Verkehrsleben bevormundet und entm\u00fcndigt werden, in dem sie sich etwa im Elterntaxi zur Schule kutschieren lassen. Das kann man doch glatt gut finden.<\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D5120&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kinder\u00e4rztin entwickelte ein reformp\u00e4dagogisches Bildungskonzept, das sogar Mussolini f\u00fcr Italien \u00fcbernahm: Maria Montessori. Vor 150 Jahren kam sie zur Welt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5120"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5120"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5129,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5120\/revisions\/5129"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}