{"id":5185,"date":"2020-09-27T06:55:08","date_gmt":"2020-09-27T05:55:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5185"},"modified":"2020-07-31T12:12:06","modified_gmt":"2020-07-31T11:12:06","slug":"der-ich-meine-kristalle-so-sehr-liebte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5185","title":{"rendered":"\u201eder ich meine Kristalle so sehr liebte\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Als der neunj\u00e4hrige B\u00e4ckerssohn Joseph Meister aus dem els\u00e4ssischen\nSteige am 4. Juli 1885 vom Hund eines Nachbarn 14 Mal gebissen wurde, konnten\nweder er, seine Eltern noch die Welt ahnen, dass er einer der ber\u00fchmtesten\nPatienten der Medizingeschichte werden sollte. Denn Joseph, den sein Vater\nrasch nach Paris zu einer medizinischen Koryph\u00e4e brachte, sollte der erste\nTollwutkranke sein, der durch eine Impfung geheilt wurde: Er erhielt 14 Tage\nlang Spritzen mit dem Extrakt des getrockneten R\u00fcckenmarks unterschiedlich\nstark infizierter Kaninchen. Am 27. Juli wurde er als geheilt entlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Koryph\u00e4e wird heute von vielerlei Fachrichtungen als Pionier beansprucht. Die Medizin sieht in ihm den Entdecker der Erreger von Milzbrand, Schweinerotlauf, Gefl\u00fcgelcholera und nat\u00fcrlich Tollwut, gegen die er Schutzimpfungen entwickelte und damit die Immunisierung revolutionierte. Die Lebensmittelbiologie sieht in ihm den Entdecker der Mechanismen von Fermentation, G\u00e4rung und F\u00e4ulnis, mit denen er die Bier- und Weinproduktion sowie die Haltbarmachung fl\u00fcssiger Lebensmittel revolutionierte. Und die klassische Chemie sieht in ihm den Entdecker der Stereochemie, der die Lehre vom dreidimensionalen Aufbau der Molek\u00fcle, die die gleiche chemische Bindung und Zusammensetzung, aber eine verschiedene Anordnung der Atome aufweisen, mit entwickelte und damit die Lehre vom r\u00e4umlichen Ablauf chemischer Reaktionen revolutionierte. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/louis-pasteur-m-2akaj6n.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5188\"\/><figcaption>Pasteur im Labor. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.geo.de\/wissen\/gesundheit\/22902-rtkl-held-mit-makeln-wie-louis-pasteur-die-tollwut-besiegte-und-dabei-sehr\">https:\/\/www.geo.de\/wissen\/gesundheit\/22902-rtkl-held-mit-makeln-wie-louis-pasteur-die-tollwut-besiegte-und-dabei-sehr<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Er war einerseits ein Vollblutwissenschaftler, dessen medizinische\nErkenntnisse vielen Menschen das Leben rettete, andererseits ein gl\u00fchender\nPatriot und Katholik, der sich weigerte, die Evolutionslehre von Charles Darwin\nanzuerkennen. Zeitweise galt er in franz\u00f6sischen Umfragen noch vor Napoleon als\nder bedeutendste Franzose, der je gelebt hat. W\u00e4hrend sein Andenken in\nDeutschland, aufgrund seiner Rivalit\u00e4t mit dem fast eine Generation j\u00fcngeren\nRobert Koch, zur\u00fcckhaltend gepflegt wurde, war er vor allem auch in Russland\npopul\u00e4r: Zar Alexander III. geh\u00f6rte mit einem Beitrag von 100.000 Francs zu den\ngro\u00dfz\u00fcgigsten Spendern f\u00fcr sein Institut. Ein Asteroid tr\u00e4gt seinen Namen, Orte\nin Algerien und Kanada, die Stra\u00dfburger Uni \u2013 und mehr als 2000 Stra\u00dfen\nFrankreichs: Louis Pasteur. Am 28. September j\u00e4hrt sich sein 125. Todestag. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eer\nspricht kaum mit mir\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Louis Pasteur wurde am 27. Dezember 1822 als drittes von f\u00fcnf Kindern\neiner Gerberfamilie in Dole geboren, wo er mit seinen Eltern und Geschwistern\ndrei Jahre lang lebte und fr\u00fch mit chemischen Prozessen in Ber\u00fchrung kam: Die Verarbeitung\nroher Tierh\u00e4ute zu Leder ben\u00f6tigt Gerbstoffe wie Tannine, die F\u00e4ulnis verhindern,\nauch in der Medizin verwendet werden und als Geschmackskomponente von Wein und\nTee bekannt sind. Nach dem Umzug der Familie wuchs er in der ostfranz\u00f6sischen\nStadt Arbois auf. W\u00e4hrend der fr\u00fchen Schulzeit zeigte Louis Pasteur zun\u00e4chst\nkein ausgepr\u00e4gtes Talent f\u00fcr wissenschaftliche F\u00e4cher, sondern eher eine\nk\u00fcnstlerische Begabung, denn er verbrachte viel Zeit damit, Portraits und\nLandschaftsmalereien anzufertigen. <\/p>\n\n\n\n<p>Er wechselte mehrmals die Schule und besuchte einige Zeit lang die Hochschule in Arbois, bevor er ans Coll\u00e8ge Royal in Besancon wechselte. Je \u00e4lter Louis wurde, desto besser wurden seine schulischen Leistungen: 1837\/38 errang er so viele Schulpreise, dass ihm nahegelegt wurde, sich auf die \u00c9cole normale sup\u00e9rieure, die P\u00e4dagogische Fakult\u00e4t, in Paris vorzubereiten. Der erste Versuch scheiterte an zu starkem Heimweh, der zweite klappte. Nach dem Baccalaur\u00e9at studierte er dort f\u00fcnf Jahre lang und promovierte 1847 zum Doktor der Naturwissenschaften mit gleich zwei Dissertationen, die je ein chemisches und ein physikalisches Thema behandelten. Noch w\u00e4hrend seiner Studienzeit f\u00fchrte Pasteur Experimente zur Struktur von Weins\u00e4ure durch und entwickelte den sogenannten Weins\u00e4urekristalltest, der heute als Anfang der Stereochemie definiert wird. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"344\" height=\"512\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/louis-pasteur-m-2akaj6n-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5191\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/louis-pasteur-m-2akaj6n-1.jpg 344w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/louis-pasteur-m-2akaj6n-1-202x300.jpg 202w\" sizes=\"(max-width: 344px) 100vw, 344px\" \/><figcaption>Ehepaar Pasteur. Quelle:  <a href=\"https:\/\/artsandculture.google.com\/asset\/louis-and-marie-pasteur-lejeune-et-joliot-l\/VwHWuNlhfV4eOQ?hl=de\">https:\/\/artsandculture.google.com\/asset\/louis-and-marie-pasteur-lejeune-et-joliot-l\/VwHWuNlhfV4eOQ?hl=de<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich hatte Pasteur geplant, als Lehrer der Naturwissenschaften\nt\u00e4tig zu werden. Als Gymnasialprofessor in Physik war er jedoch nur einige\nMonate am Lyc\u00e9e in Dijon t\u00e4tig, denn zu Beginn des Jahres 1849 folgte er dem\nRuf an die Universit\u00e4t von Stra\u00dfburg, wo ihm eine Stelle als Assistent am\nChemischen Institut angeboten worden war. Hier verliebte er sich in Marie\nLaurent, die Tochter des Rektors der Akademie Stra\u00dfburg, und schrieb ihr: \u201eDie Zeit\nwird Ihnen zeigen, dass sich unter meinem kalten und sch\u00fcchternem \u00c4u\u00dferen, das Ihnen\nm\u00f6glicherweise nicht gef\u00e4llt, ein Herz schl\u00e4gt, das voller Liebe zu Ihnen ist\u201c.\nEr unterzeichnete: \u201eIch, der ich meine Kristalle so sehr liebte.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Beide heirateten bereits am 29. Mai, wobei sich der Wissenschaftler versp\u00e4tete,\nda er im Laboratorium sa\u00df und den Termin vergessen hatte. Auch sp\u00e4ter war er so\nmit seiner Arbeit besch\u00e4ftigt, dass die Familie \u2013 beide hatten f\u00fcnf Kinder \u2013 zu\nkurz kam. In einem Brief an ihre Kinder an ihrem Hochzeitstag 1884 schrieb Madame\nPasteur: \u201eEuer Vater ist so besch\u00e4ftigt wie immer: er spricht kaum mit mir, schl\u00e4ft\nwenig und steht schon im Morgengrauen auf; kurz, er f\u00fchrt dasselbe Leben, das\nich heute vor 35 Jahren mit ihm zu teilen begann.\u201c Er erarbeitete sich in der\nFachwelt rasch einen exzellenten Ruf als Chemiker und wurde 1853 von der\nSoci\u00e9t\u00e9 de Pharmacie mit einem hochdotierten Preis ausgezeichnet. Ein Jahr\nsp\u00e4ter \u00fcbernahm er in Lille einen Lehrstuhl f\u00fcr Chemie und wurde zum Dekan\nberufen. Hier erwies sich Pasteur als innovativer Lehrer, der durchsetzte, dass\ndie Studenten in neuen Laboratorien praxisorientiert ausgebildet werden\nkonnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eHass auf\nPreu\u00dfen. Rache. Rache.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lille lebte von der Fabrikation des Runkelr\u00fcben- und Kornspiritus, so wandte er sich zun\u00e4chst den Problemen der G\u00e4rung zu. 1857 entdeckt er, inzwischen Kanzler an der \u00c9cole Normale in Paris, das f\u00fcr die Milchs\u00e4ureg\u00e4rung verantwortliche Bakterium und gelangt sp\u00e4ter zur Theorie, dass einzellige Lebewesen an F\u00e4ulnis- und Verwesungsprozessen beteiligt sind. Pasteur weist nach, dass der Essigpilz die Essigs\u00e4ure erzeugt und damit die Entstehung und Erhaltung von Wein beeinflusst. Er bezeichnet die winzigen Mikroorganismen als \u201eSpaltpilze\u201c und schloss damit die konkurrierende Hypothese aus, die etwa von Justus von Liebig vertreten worden war, es handele sich um rein chemische Reaktionen ohne Beteiligung von Lebewesen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/louis-pasteur-m-2akaj6n-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5194\"\/><figcaption>Tunnel-Pasteurisierungsanlage. Quelle:  <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pasteurisierung#\/media\/Datei:60s_Pama_pasteurizer.jpg\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pasteurisierung#\/media\/Datei:60s_Pama_pasteurizer.jpg<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Von Weinbauern seiner Heimatstadt Arbois um eine L\u00f6sung gebeten, die\nEntwicklung von Wein zu Essig zu verhindern oder zu verlangsamen, fand Pasteur\nheraus, dass das durch Erhitzen m\u00f6glich war. Gleichzeitig musste er aber\nfeststellen, dass dadurch der Geschmack des Weines zerst\u00f6rt wurde. Er\nexperimentierte weiter und erkannte, dass nach kurzer Erhitzung auf eine\nTemperatur von 55\u00b0 Celsius mit sofortigem Abk\u00fchlen sowohl die Bakterien\nabzut\u00f6ten als auch der charakteristische Geschmack des Weines zu erhalten war: Als\n\u201ePasteurisieren\u201c wird die Technik bis heute in der Lebensmittelindustrie zur\nHaltbarmachung von Milch, daraus hergestellten Produkten sowie Gem\u00fcse- und\nObsts\u00e4ften angewandt.<\/p>\n\n\n\n<p>1862 wurde Pasteur in die Akademie der Wissenschaften gew\u00e4hlt und\nbefasste sich ab 1865 auf Bitte der Regierung mit Krankheiten der Seidenraupen.\nEr entdeckte winzige Parasiten, die die kranken Seidenraupen und ihre Nahrung, die\nBl\u00e4tter der Maulbeere, befielen. Als einzige L\u00f6sung sah er die Vernichtung\naller befallenen Seidenraupen und alles befallenen Futters, wodurch die\nSeidenindustrie gerettet wurde. F\u00fcr Pasteur schien das, was f\u00fcr eine\nansteckende Krankheit gilt, auch f\u00fcr andere zu gelten, womit der Grundstein der\nKeimtheorie gelegt war. Da er in Paris auch f\u00fcr die Disziplin unter den\nStudenten zust\u00e4ndig war, was ihn \u00fcberforderte, wechselte er nach 1867\nausgebrochenen Studentenunruhen als Chemie-Professor an die Sorbonne. Im Jahr\ndarauf erleidet er einen Schlaganfall, was zu einer partiellen halbseitigen\nL\u00e4hmung f\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<p>Der stockkonservative Wissenschaftler k\u00fcndigte w\u00e4hrend des Deutsch-Franz\u00f6sischen Kriegs an, k\u00fcnftig alle Werke mit \u201eHass auf Preu\u00dfen. Rache. Rache.\u201c zu zeichnen. Einen Ehrendoktor der Universit\u00e4t Bonn gab er aus diesem Grund 1870 zur\u00fcck und weigerte sich noch kurz vor seinem Tod, den preu\u00dfischen Orden Pour le M\u00e9rite anzunehmen. 1875 kandidierte Pasteur f\u00fcr die Konservativen f\u00fcr einen Sitz im Senat f\u00fcr seine Heimatstadt Arbois, scheiterte aber weit abgeschlagen, weil er als Bonapartist galt. Abgesehen von diesem Ausflug in die Politik lebte Pasteur ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Wissenschaft, verfolgte auch keine Hobbys; in seiner Pariser Zeit verlie\u00df er nur selten das Quartier Latin, wo die f\u00fcr ihn wesentlichen Wissenschaftsinstitutionen lagen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/louis-pasteur-m-2akaj6n-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5197\"\/><figcaption>Modernes Typhus-Medikament. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.apotheke-adhoc.de\/nachrichten\/detail\/pharmazie\/pharmakonzerne-sanofi-pasteur-impfstoffe-apotheke-arzt-msd-merck\/\">https:\/\/www.apotheke-adhoc.de\/nachrichten\/detail\/pharmazie\/pharmakonzerne-sanofi-pasteur-impfstoffe-apotheke-arzt-msd-merck\/<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Da drei T\u00f6chter Pasteurs, Jeanne, Camille und C\u00e9cile, jeweils als Kind an\nTyphus starben, hatte er eine starke Motivation, seit den 1870er Jahren die\nInfektionskrankheiten nicht nur von Haustieren, sondern auch Menschen zu\nerforschen, und begann mit dem Milzbrand, gegen den er 1877 einen Impfstoff\nentwickelte. Zu dessen Produktion wurde ein zus\u00e4tzliches Labor gebaut \u2013 der\nBeginn der Impfstoff-Industrie. Da Robert Koch ebenfalls zum Milzbrand forschte,\ngab es zeitweilig eine verbitterte, durch Missverst\u00e4ndnisse hervorgerufene Konkurrenz,\ndie teilweise auch \u00f6ffentlich ausgetragen wurde. Durch Infizieren von\nVersuchsh\u00fchnern mit abgeschw\u00e4chten Erregern der H\u00fchnercholera, einer nicht auf\nden Menschen \u00fcbertragbaren t\u00f6dlichen Vogelkrankheit, fand Pasteur heraus, dass\ndie Tiere Antik\u00f6rper bildeten und die Krankheit \u00fcberlebten \u2013 das Prinzip der\nImmunisierung nahm Gestalt an. F\u00fcr seine Tollwut-Forschung wurden Pasteur\nau\u00dferdem die alten St\u00e4lle des Schlosses Saint-Cloud zur Verf\u00fcgung gestellt.\nPasteur hatte zeitweise zehn Prozent der gesamten franz\u00f6sischen\nForschungsausgaben vereinnahmt. 1882 erh\u00f6hte der franz\u00f6sische Staat seine\nLeibrente auf 25.000 Francs, vererbbar auf seine Frau und seine Kinder, was dem\nDoppelten des Gehalts eines Universit\u00e4tsprofessors entsprach. Im selben Jahr\nwurde Pasteur als \u201eUnsterblicher\u201c in die Acad\u00e9mie fran\u00e7aise gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Karriere\nvon Kontroversen begleitet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Erfolge bei der Tollwutimpfung verschaffen Pasteur finanzielle und\norganisatorische Freiheiten: Eine Flut von Spenden traf ein. Der f\u00fcr die\nGr\u00fcndung eines Institut Pasteur aufgelegte Fonds schwoll auf 2,6 Millionen\nFrancs an. Beim Bau des Institutsnahm der Architekt selbst kein Honorar, die Unternehmer\nberechneten nur ihre Selbstkosten und die Arbeiter arbeiteten gegen allen\nBrauch auch am Montag. Am 14. November 1888 wurde es in Anwesenheit von\nPr\u00e4sident Carnot eingeweiht, Pasteur, der so ger\u00fchrt war, dass er seine Rede von\nseinem Sohn vorlesen lie\u00df, wurde erster Direktor. Nach dem Vorbild dieses weltweit\nersten Forschungsinstituts f\u00fcr Medizinische Mikrobiologie entstanden Institute in\naller Welt, so 1891 das Preu\u00dfische Institut f\u00fcr Infektionskrankheiten in Berlin.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber seinen Sch\u00fclern und Mitarbeitern verhielt sich Pasteur autorit\u00e4r, und er galt als v\u00f6llig humorlos. Sein Labor f\u00fchrte er wie ein Familienvater, wobei er darauf achtete, dass seine Angestellten auch verwandtschaftlich verbunden waren. Durch mehrere Schlaganf\u00e4lle war Pasteur ab 1887 gesundheitlich allerdings sehr angeschlagen, konnte sp\u00e4testens ab 1890 keine wichtigen Beitr\u00e4ge zur Forschung mehr leisten und siechte die letzten Lebensjahre dahin. Der 70. Geburtstag Pasteurs am 27. Dezember 1892 wurde im gro\u00dfen Amphitheater der neuen Sorbonne vor \u00fcber 2000 Personen gefeiert, unter ihnen auch der Pr\u00e4sident. Als Louis Pasteur gest\u00fctzt an dessen Arm in den Festsaal gef\u00fchrt wurde, erscholl brausender, nicht endender Beifall. Es wurden viele Reden auf ihn gehalten. Nach seinem Tod wurde f\u00fcr ihn ein Staatsakt mit milit\u00e4rischen Ehren im Dom N\u00f4tre Dame gegeben. Im Januar 1896 wurde er in einer Krypta im Institut Pasteur beigesetzt; Jahre sp\u00e4ter auch seine Frau. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/louis-pasteur-m-2akaj6n-4-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5198\"\/><figcaption>Institut Pasteur. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.hotel-15-montparnasse.fr\/de\/tourisme-hotel-paris-15eme\/hotel-boulevard-pasteur\">https:\/\/www.hotel-15-montparnasse.fr\/de\/tourisme-hotel-paris-15eme\/hotel-boulevard-pasteur<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der vision\u00e4re Mikrobiologe legte mit seiner unerm\u00fcdlichen Arbeit im Kampf\ngegen Krankheitserreger den Grundstein zur Vorbeugung von bakteriell und viral\nverursachten Infektionen und pr\u00e4gte die moderne Pharmakologie damit nachhaltig.\nSeine \u00fcber 500 Arbeiten zeigen, dass eine strikte Trennung zwischen\nGrundlagenforschung und angewandter Forschung bei ihm nicht m\u00f6glich ist: Er\nbearbeitete mit gro\u00dfem Elan anwendungsbezogene Probleme und stie\u00df dabei\nregelm\u00e4\u00dfig zu Erkenntnissen von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung vor. Da die\nDiskussionskultur im Wissenschaftsbetrieb des 19. Jahrhunderts generell st\u00e4rker\nvon Polemik gepr\u00e4gt war als heute, war seine Karriere von Kontroversen\nbegleitet und seine Methode der Beweisf\u00fchrung stark rhetorisch gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Pasteur hatte sich bereits 1878 ausgebeten, seine Laborjournale niemandem zug\u00e4nglich zu machen. Doch sein letzter \u00fcberlebender Enkel \u00fcbergab die Dokumente 1964 der Nationalbibliothek in Paris. Der Wissenschaftshistoriker Gerald Geison kam nach der Lekt\u00fcre von \u00fcber 100 dieser Journale mit Pasteurs schwer entzifferbarer Handschrift zu dem Schluss, dass die Geschichte von Pasteurs Versuchen in einigen F\u00e4llen anders abgelaufen ist, als seine Ver\u00f6ffentlichungen nahelegen. So habe er bei der Entwicklung des Tollwut-Impfstoffs zwei Patienten ohne vorige Tierversuche behandelt &#8211; ein junges M\u00e4dchen starb. Pasteur habe sich nicht immer an die wissenschaftlichen und ethischen Normen gehalten, die er selbst in seinen Arbeiten vertrat, so Geison. Das Buch verursachte in Frankreich einen Skandal &#8211; obwohl es nie \u00fcbersetzt wurde.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/louis-pasteur-m-2akaj6n-5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5200\"\/><figcaption>Pasteur und Meister. Quelle:  <a href=\"https:\/\/asset1.betterplace.org\/uploads\/project\/image\/000\/021\/070\/147169\/limit_600x450_image.jpg\">https:\/\/asset1.betterplace.org\/uploads\/project\/image\/000\/021\/070\/147169\/limit_600x450_image.jpg<\/a>  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Und Joseph Meister, Pasteurs erster geheilter offizieller Tollwutpatient? Der siebenfache Vater wurde, nach der Pleite seiner B\u00e4ckerei, 1913 Hausmeister an Pasteurs Institut. Zwei T\u00f6chter traten sp\u00e4ter ebenfalls in den Dienst des Instituts. Am 24. Juni 1940 nahm sich Meister das Leben \u2013 angeblich habe er sich geweigert, deutschen Soldaten Zugang zur Krypta seines Retters zu gew\u00e4hren. Sein Freitod wurde von vielen Franzosen als Zeichen aufgefasst, dass das Elsass nie wieder deutsch werden w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D5185&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er gilt als Vater der Immunologie, Bakteriologie und Lebensmittelbiologie; Bier- und Weinproduktion w\u00e4ren ohne ihn anders verlaufen: Louis Pasteur. Vor 125 Jahren starb er.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5185"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5185"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5185\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5202,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5185\/revisions\/5202"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5185"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}