{"id":5203,"date":"2020-09-03T06:28:21","date_gmt":"2020-09-03T05:28:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5203"},"modified":"2020-07-31T12:28:46","modified_gmt":"2020-07-31T11:28:46","slug":"mit-zentralafrikanischem-gruss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5203","title":{"rendered":"\u201emit zentralafrikanischem Gru\u00df\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Seinen Namen tragen hierzulande nicht nur die SOS-Kinderd\u00f6rfer, sondern\nauch weit \u00fcber 100 Schulen. Der Deutsche Basketball Bund spielt in Erinnerung\nan ihn jedes zweite Jahr im Fr\u00fchjahr in Mannheim einen Pokal f\u00fcr\nJugend-Nationalmannschaften aus. Eine Dokumentation \u00fcber ihn erhielt 1958 den\nersten Oscar als Bester Dokumentarfilm. Daneben reformierte er den Orgelbau;\nauf seine Vorstellungen gingen die Instrumente in St. Reinoldi (Dortmund 1909)\nund Sankt Michaelis (Hamburg 1912) zur\u00fcck. Und fast nebenbei erfand er den konvexen\n\u201eRundbogen\u201c, dessen Haare beim Geigenspiel so entspannt werden k\u00f6nnen, dass ein\ngleichzeitiges Anstreichen aller Saiten m\u00f6glich ist: Albert Schweitzer. Der\nUniversalist starb am 4. September 1965 in Gabun.<\/p>\n\n\n\n<p>Geboren am 14. Januar 1875 in Kaysersberg im Elsass, wuchs er im\nPfarrhaus des oberels\u00e4ssischen G\u00fcnzbach &#8211; dem heutigen Gunsbach &#8211; auf, wo sein\nVater Dorfpfarrer war. Das Hochdeutsche erlernte Schweitzer erst in der Schule,\nDeutsch und Franz\u00f6sisch beherrschte er fast gleich gut. Im Alter von 17 Jahren\ngab er in M\u00fchlhausen &#8211; dem heutigen Mulhouse &#8211; sein erstes Orgelkonzert. Ab\n1893 studierte er an der Evangelisch-Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t in\nStra\u00dfburg Theologie und Philosophie und lie\u00df sich zugleich in Paris von Charles-Marie\nWidor zum Organisten ausbilden. <\/p>\n\n\n\n<p>1894\/1895 leistete Schweitzer sein Milit\u00e4rjahr beim Infanterieregiment 143 in der Manteuffel-Kaserne in Stra\u00dfburg und fasste an Pfingsten 1896 den Entschluss, ab seinem 30. Lebensjahr einen Beruf auszu\u00fcben, mit dem er den Menschen helfen wolle. Er setzte das Studium der Philosophie und der Musik in Paris fort, ab 1899 in Berlin, wo er in Philosophie promovierte. 1900 wurde er mit einer Arbeit \u00fcber das Abendmahl zum Doktor der Theologie promoviert und als Vikar an der Nikolaikirche eingesetzt. 1902 erfolgte an der Universit\u00e4t Stra\u00dfburg die Habilitation in Evangelischer Theologie, damit wurde er Dozent f\u00fcr Theologie an der Universit\u00e4t. In seinem gro\u00dfen Buch \u00fcber Johann Sebastian Bach (1905\/1908) zeichnete er Bach als Dichter und Maler in T\u00f6nen. Auch als Herausgeber der Orgelwerke Bachs gemeinsam mit Widor erwarb er sich 1912\/13 gro\u00dfe Verdienste. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"490\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Albert-Schweitzer-1024x490.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5206\"\/><figcaption>Albert Schweitzer. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/gesundheit\/article117999649\/Rettung-fuer-Albert-Schweitzers-Urwaldklinik.html#cs-Albert-Schweitzer-Holds-Two-Newborn-Infants-At-Lambarene-2.jpg\">https:\/\/www.welt.de\/gesundheit\/article117999649\/Rettung-fuer-Albert-Schweitzers-Urwaldklinik.html#cs-Albert-Schweitzer-Holds-Two-Newborn-Infants-At-Lambarene-2.jpg<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Von 1905 bis 1913 studierte Albert Schweitzer Medizin in Stra\u00dfburg mit\ndem Ziel, in Franz\u00f6sisch-\u00c4quatorialafrika als Missionsarzt t\u00e4tig zu werden. Die\nImmatrikulation war jedoch sehr kompliziert, da er ja bereits Dozent an der\nUniversit\u00e4t war. Erst eine Sondergenehmigung der Regierung machte das Studium\nm\u00f6glich. 1912 wurde er als Arzt approbiert, im gleichen Jahr wurde ihm der\nTitel eines Professors f\u00fcr Theologie verliehen auf Grund seiner\n\u201eanerkennenswerten wissenschaftlichen Leistungen\u201c. In diesem Jahr heiratete er\nauch Helene Bresslau, die Tochter des j\u00fcdischen Historikers Harry Bresslau, und\nhat mit ihr eine Tochter. 1913 erschien seine \u201eGeschichte der\nLeben-Jesu-Forschung\u201c, im selben Jahr folgte seine medizinische Doktorarbeit. Somit\nwar er im Alter von 38 Jahren, bevor er nach Afrika ging, in drei verschiedenen\nF\u00e4chern promoviert, habilitiert und Professor.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eHumanisierung\ndes Krieges\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Noch 1913 reiste Albert Schweitzer mit Helene nach Afrika und gr\u00fcndete\nauf dem Gel\u00e4nde der Pariser evangelischen Mission in Andende &#8211; einem Stadtteil\nvon Lambar\u00e9n\u00e9 in Gabun &#8211; sein erstes Spital. Er begann in einem alten\nH\u00fchnerstall, den er bald in einen Operationssaal umwandelte, f\u00fcgte dann kleine\nBambuspavillons f\u00fcr die Kranken an. Seine Frau wirkte als Verwalterin und\nKrankenschwester, ein Einheimischer assistierte ihr und diente als Dolmetscher.\nWegen des weitverzweigten Flussnetzes war der Ort aus allen Himmelsrichtungen\nerreichbar. Nach der Fertigstellung des Krankenhausbaus konnte er ans andere\nFlussufer, nach Lambarene, umziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>1915 benutzte Schweitzer nach einer Schifffahrt auf dem Fluss Ogove erstmals den f\u00fcr sein weiteres Leben zentralen Begriff der \u201eEhrfurcht vor dem Leben\u201c; darin sah er zusammengefasst das \u201eGrundprinzip des Sittlichen: Gut ist: Leben erhalten, Leben f\u00f6rdern, entwicklungsf\u00e4higes Leben auf seinen h\u00f6chsten Wert bringen. B\u00f6se ist: Leben vernichten, Leben sch\u00e4digen, entwickelbares Leben niederhalten\u201c. Dieses Grundprinzip sei denknotwendig, absolut und universal, Ausgangspunkt dieses Denkens ist ihm die Erkenntnis: \u201eIch bin Leben, das leben will inmitten von Leben, das leben will\u201c. Der Erste Weltkrieg machte einen weiteren Ausbau seiner Krankenstation unm\u00f6glich, 1917 wurde Schweitzer wegen seiner deutschen Staatsb\u00fcrgerschaft als Zivilinternierter nach S\u00fcdfrankreich interniert. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Albert-Schweitzer-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5207\"\/><figcaption>Bei einer Behandlung. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/albert-schweitzer-ein-leben-fuer-afrika-12278990\/der-urwalddoktor-albert-12279847.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/menschen\/albert-schweitzer-ein-leben-fuer-afrika-12278990\/der-urwalddoktor-albert-12279847.html<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1918 konnte er nach Stra\u00dfburg zur\u00fcckkehren, nahm die franz\u00f6sische\nStaatsb\u00fcrgerschaft an (obwohl er sich selbst gern als \u201eWeltb\u00fcrger\u201c bezeichnete)\nund arbeitete dort als Arzt und Vikar an der Nikolaikirche. Durch Vortr\u00e4ge,\nB\u00fccher und Orgelkonzerte gelang es ihm, weitere Finanzmittel einzutreiben. 1924\nkehrte er nach Afrika zur\u00fcck, wo er nun ein gr\u00f6\u00dferes Krankenhaus bauen konnte.\nBald wurde die Raumnot aber wieder zu gro\u00df, und er begann, drei Kilometer\noberhalb der Missionsstation seine dritte Krankenstation zu bauen. Das 1927\nbezogene neue Spital Lambar\u00e9n\u00e9 bot mehr als 200 Patienten Platz, europ\u00e4ische \u00c4rzte\nund Krankenschwestern unterst\u00fctzten Schweitzer. Im Zweiten Weltkrieg blieb die\nEinrichtung aufgrund ihrer weltweiten Bekanntheit unzerst\u00f6rt. Er f\u00fchrte jahrzehntelang\nein zweigeteiltes Leben: Der Arbeit in seinem Hospital standen l\u00e4ngere\nAufenthalte in Europa gegen\u00fcber, w\u00e4hrend denen er Konzerte gab, Vortr\u00e4ge hielt\nund B\u00fccher schrieb \u2013 27 waren es am Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>1928 erhielt Schweitzer den Goethepreis der Stadt Frankfurt; mit dem Preisgeld lie\u00df er in G\u00fcnzbach ein neues Haus bauen, in dem er dann w\u00e4hrend seiner Aufenthalte in Europa lebte. In seiner Rede zum 100. Todestag Johann Wolfgang von Goethes 1932 in Frankfurt warnte Schweitzer vor den Gefahren des aufkommenden Nationalsozialismus. Versuchen von Joseph Goebbels, den in Lambar\u00e9n\u00e9 weilenden Schweitzer einzuladen und f\u00fcr die NS-Ideologie zu gewinnen, erteilte er auf die \u201emit deutschem Gru\u00df\u201c geschlossene Anfrage \u201emit zentralafrikanischem Gru\u00df\u201c eine h\u00f6fliche Absage. 1949 unternahm Schweitzer seine erste Reise in die USA, wo man in ihm \u201eden gr\u00f6\u00dften Mann des Jahrhunderts\u201c sah. 1951 wurde Schweitzer mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Albert-Schweitzer-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5208\"\/><figcaption>Lambarene heute. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/images\/schweitzer3\/8447766\/2-format3001.jpg\">https:\/\/www.tagesspiegel.de\/images\/schweitzer3\/8447766\/2-format3001.jpg<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr 1952 erhielt er 1953 den Friedensnobelpreis &#8211; mit dem Preisgeld\nerrichtete er ein Lepradorf in Lambar\u00e9n\u00e9. In seiner erst 1954 gehaltenen\nDankesrede sprach sich Schweitzer deutlich f\u00fcr eine generelle Verwerfung von\nKrieg aus: \u201eKrieg macht uns der Unmenschlichkeit schuldig\u201c, \u201ezitiert\u201c er Erasmus\nvon Rotterdam. Infolge der Genfer Konvention von 1864 und der Gr\u00fcndung des\nRoten Kreuzes sei es zu einer \u201eHumanisierung des Krieges\u201c gekommen, die dazu\ngef\u00fchrt h\u00e4tte, dass die Menschen 1914 den beginnenden Ersten Weltkrieg nicht in\nder Weise ernst genommen hatten, wie sie dies h\u00e4tten tun sollen. 1955 bekam er den\nOrden \u201ePour le m\u00e9rite\u201c in der Friedensklasse, hinzu kamen Ehrendoktorw\u00fcrden\nzahlreicher Universit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Arzt und\nAtomkriegsgegner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zum Teil wurden Schweitzer rassistische, paternalistische und\npro-kolonialistische Einstellungen vorgeworfen. So kritisierte er die\nUnabh\u00e4ngigkeit von Gabun, weil das Land daf\u00fcr noch nicht bereit sei. Chinua\nAchebe berichtete, dass Schweitzer gesagt habe, Afrikaner seien seine Br\u00fcder,\njedoch seine \u201ej\u00fcngeren Br\u00fcder\u201c. Der amerikanische Journalist John Gunther\nbesuchte Lambar\u00e9n\u00e9 in den 1950ern und kritisierte Schweitzers paternalistische\nEinstellung gegen\u00fcber Afrikanern: Diese w\u00fcrden dort nicht als Fachkr\u00e4fte\neingesetzt. \u201eMein Vater kam mir immer wie ein Patriarch im Alten Testament vor,\nmit seiner Sippe von schwarzen und wei\u00dfen Menschen\u201c, erinnert sich seine\nTochter an ihre Aufenthalte in dem Hospital. \u201eUnd obwohl er unerbittlich sein\nkonnte \u00fcber die Art, in der er etwas getan haben wollte, nahm man das hin, denn\ner hatte dieses Lambar\u00e9n\u00e9 geschaffen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aufsehen l\u00f6sten 1957 drei vom Rundfunk in Oslo ausgestrahlte Reden aus, in der er gegen die Kernwaffenversuche auftrat und zur Vernunft angesichts der atomaren Weltgefahr mahnte; sie erschienen als Buch unter dem Titel \u201eFriede oder Atomkrieg\u201c und wurden in viele Sprachen \u00fcbersetzt. Immer gr\u00f6\u00dfer wurde seine Wirksamkeit im europ\u00e4ischen Kulturleben durch Orgelkonzerte, Vortr\u00e4ge und Reden; seine ethischen Impulse wurden nicht nur im europ\u00e4ischen Raum, sondern in der ganzen Welt geh\u00f6rt und gew\u00fcrdigt. Nach dem Abschluss des Versuchsstoppabkommens im Jahr 1963 begl\u00fcckw\u00fcnschte Schweitzer John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow brieflich zu ihrem \u201eMut und Weitblick, eine Politik des Friedens einzuleiten\u201c. Allerdings protestierte er im selben Jahr noch einmal \u00f6ffentlich gegen die nach dem Vertrag weiterhin erlaubten unterirdischen Kernwaffentests. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"721\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Albert-Schweitzer-3-721x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5210\"\/><figcaption>Anti-Atom-Plakat BRD 1958. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/bestand\/objekt\/plakat-albert-schweitzer-gegen-atomwaffen.html\">https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/bestand\/objekt\/plakat-albert-schweitzer-gegen-atomwaffen.html<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1957 starb seine Frau. Ende der 1950er Jahre wich die Verehrung\nSchweitzers einer kritischen Bestandsaufnahme seines Hospitals. Viele kritische\n\u00c4u\u00dferungen richteten sich vordergr\u00fcndig gegen Schweitzers T\u00e4tigkeit in\nLambar\u00e9n\u00e9, zielten aber offensichtlich auf die Diskreditierung seines\n\u00f6ffentlichen Ansehens als Friedensnobelpreistr\u00e4ger im Zusammenhang mit seinem Engagement\ngegen die Atomr\u00fcstung. Theodor Heuss, den er noch aus seiner Jugendzeit kannte\nund den er bei dessen Heirat getraut hatte, beanstandete Schweitzers\nBriefwechsel mit Walter Ulbricht und die Kontakte mit der Deutschen Friedens\nUnion DFU. Parallel dazu erhielt er die Ehrendoktorw\u00fcrde der Universit\u00e4ten\nM\u00fcnster und Braunschweig und ist seit 1959 Ehrenb\u00fcrger der Stadt Frankfurt am\nMain.<\/p>\n\n\n\n<p>1964, ein Jahr vor seinem Tode, \u00fcbertrug Schweitzer, inzwischen\n\u00fcberzeugten Veganer, die \u00e4rztliche Leitung des Spitals dem Schweizer Arzt\nWalter Munz. Immer noch kamen hunderte Patienten t\u00e4glich. Anfang 1965 besuchten\nden Mann mit dem markanten Schnauzbart anl\u00e4sslich seines 90. Geburtstages\nzahlreiche Repr\u00e4sentanten aus aller Welt in seinem Krankenhaus in Afrika.\nBegraben wurde er neben seiner Frau. Drei Monate tanzten Afrikaner immer wieder\nTotent\u00e4nze, um den Menschen im Jenseits zu zeigen, was f\u00fcr ein bedeutender Mann\nzu ihnen kommt &#8211; Totent\u00e4nze dauerten sonst kaum eine Woche. Das Krankenhaus \u2013\nheute eine Siedlung mit \u00fcber 1000 Menschen \u2013 ging sp\u00e4ter auf die\nSchweitzer-Stiftung \u00fcber. Im Wohnhaus Schweitzers in G\u00fcnsbach wurden ab 1967\nArchiv und Museum eingerichtet. Heute befinden sich hier tausende Briefe und viele\nManuskripte seiner ver\u00f6ffentlichten und unver\u00f6ffentlichten B\u00fccher und Predigten,\ndaneben Dias, Filme, Tonband- und Videokassetten, Tonb\u00e4nder und Schallplatten\nmit seinen musikalischen Aufnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eS\u00fchne zu\nleisten\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Jahrtausend nahm die Kritik post mortem an Schweitzer erneut zu. Andr\u00e9 Audoynaud, sein \u00e4rztlicher Direktor Anfang der Sechziger Jahre, kritisierte, Schweitzer habe sein Hospital trotz hoher Spenden nicht modernisiert und unelektrifiziert gelassen, unhygienische und krankheitsf\u00f6rdernde Zust\u00e4nde mit der Begr\u00fcndung von Tierliebe geduldet, Symptomkuriererei betrieben und blind das europ\u00e4ische Modell der Krankenversorgung \u00fcbertragen. \u00dcberdies habe er einen kolonialen F\u00fchrungsstil gepflegt, schwarze Angeh\u00f6rige von Erkrankten zu Fronarbeit gezwungen und geschlagen. Er sei \u2013 dem 19. Jahrhundert verhaftet \u2013 in Afrika ein Fremder geblieben, habe trotz gro\u00dfer Unterst\u00fctzung wenig bewirkt, sich aber medienwirksam mit fremden Federn geschm\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"400\" height=\"288\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Albert-Schweitzer-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5212\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Albert-Schweitzer-4.jpg 400w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Albert-Schweitzer-4-300x216.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption>Schweitzer beim Orgelspiel. Quelle:   <a href=\"https:\/\/germanculture.com.ua\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Dr.-Albert-Schweitzer-Playing-The-Organ-In-1952-e1518744759496.jpg\">https:\/\/germanculture.com.ua\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Dr.-Albert-Schweitzer-Playing-The-Organ-In-1952-e1518744759496.jpg<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Kritik wurde allerdings erst 2005 ver\u00f6ffentlicht; es gibt so gut\nwie keine Augenzeugen mehr, um die Vorw\u00fcrfe zu \u00fcberpr\u00fcfen. Einzelne Vorw\u00fcrfe\nk\u00f6nnen zudem widerlegt werden: Im dokumentarischen Film \u201eAlbert Schweitzer\u201c\nbereitet sich ein schwarzer Mediziner auf eine Operation vor. Zumindest im\nJahre 1964 war der Operationssaal mit einem Generator versehen und mit\nelektrischen Operationsleuchten ausgestattet. In seiner 2009 erschienenen\nBiographie \u00fcber Albert Schweitzer bezeichnete ihn der Theologe Nils Ole Oermann\nals einen \u201eMeister der Selbstinszenierung\u201c, ohne jedoch die gro\u00dfen Leistungen\nSchweitzers zu leugnen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr war ein ruhiger Mensch, mit einem Sinn f\u00fcr trockenen Humor, doch er konnte auch zornig werden\u201c, erinnerte sich Ary Van Wijnen 2009, einer seiner medizinischen Direktoren. \u201eEr war eine starke Pers\u00f6nlichkeit und ein kleiner Diktator \u2013 aber nicht im schlechten Sinne. Er konnte gut zuh\u00f6ren, man konnte mit ihm diskutieren und ihn dabei auch \u00fcberzeugen.\u201c Van Wijnen gab zu, dass er f\u00fcr einige Menschen \u201efast wie ein Heiliger\u201c war und man ihn zu viel herausgestellt habe. Dennoch sei er \u201esehr sensibler Mensch\u201c gewesen: \u201eEr hat auch geschrieben, wir sind nicht nur in Afrika, um zu entdecken, sondern um etwas Gutes zu tun und damit S\u00fchne zu leisten.\u201c Schweitzers Jugenderinnerungen bezeichnete Hermann Hesse als \u201ebeste Jugenderinnerung im deutschen Sprachraum\u201c. <\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D5203&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er war Philosoph, evangelischer Theologe, Organist, Musikwissenschaftler, Pazifist \u2013 und wurde als \u201eUrwaldarzt\u201c bekannt: Albert Schweitzer. Der Friedensnobelpreistr\u00e4ger starb vor 55 Jahren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5203"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5203"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5203\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5213,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5203\/revisions\/5213"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}