{"id":5246,"date":"2020-10-31T06:20:49","date_gmt":"2020-10-31T05:20:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5246"},"modified":"2020-09-30T15:21:20","modified_gmt":"2020-09-30T14:21:20","slug":"seine-tabubrueche-sind-entschaerft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5246","title":{"rendered":"\u201eseine Tabubr\u00fcche sind entsch\u00e4rft\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Gemeint war Alice Schwarzer: Er kenne das Fr\u00e4ulein nicht, wisse aber, dass\nsie \u201enicht sehr h\u00fcbsch\u201c aussehe, zitiert der <em>Spiegel<\/em> den Starfotografen, der 1994 auf ihren Gehei\u00df tats\u00e4chlich\nbestreiten sollte, dass seine Bilder faschistoid seien. Er tat es nicht: \u201eSo,\nwie die M\u00e4dels dastehen, die ganze Auffassung \u2013 da k\u00f6nnte man sagen,\nfaschistisch. Sie m\u00fcssen sehen, den Begriff faschistisch verstehe ich\n\u00e4sthetisch\u201c, antwortete er der <em>EMMA<\/em>-Herausgeberin\nund Vorzeigefeministin. So viel Selbstbezichtigung \u00fcberraschte sogar die gescholtene\nKontrahentin, die staunte: \u201eIch frage mich, ob er tats\u00e4chlich so naiv ist oder\nnur so tut. Mein Vorwurf bezieht sich ausschlie\u00dflich auf seine Arbeit, seine\n\u00c4sthetik. Dies ist eine Bilderanalyse. Ich erlaube mir kein Urteil \u00fcber den\nMenschen\u201c. Der K\u00fcnstler hei\u00dft Helmut Newton, galt als einer der bedeutendsten\nFotografen der Gegenwart, ja mit einem Tageshonorar von rund 5.000 Dollar als einst\nteuerster Fotograf der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anlass der Kontroverse war eine Werkschau in Hamburg, deren Fotos laut\nSchwarzer nicht nur \u201esexistisch und rassistisch [sind] \u2013 sie sind auch\nfaschistisch. Denn seine Bilder transportieren und propagieren die Ideologie\nvom Herrenmenschen und seinen Untermenschen. Bis zur letzten Konsequenz.\u201c F\u00fcr\ndiese \u00c4u\u00dferungen, die keine wissenschaftliche Bildanalyse, sondern \u201eeine\nkritisch-polemische Auseinandersetzung\u201c seien, illustriert mit neunzehn\nNewton-Photos, musste sich die Herausgeberin vor dem M\u00fcnchner Landgericht\nverantworten. <\/p>\n\n\n\n<p>Verklagt hat sie Newtons Verlag Schirmer\/Mosel, weil die Redaktion vor Drucklegung weder die Genehmigung f\u00fcr den Abdruck der Fotos eingeholt noch das f\u00e4llige Honorar von 38.000 Mark gezahlt hat. Schwarzer verlor, zum Gl\u00fcck, wie Silvia Bovenschen im <em>Spiegel <\/em>befand: \u201eWenn das, wof\u00fcr der Name Newton steht, auf der verbotenen Seite der Korrektheitsgrenze landet, wenn es dem korrekten Blick nicht l\u00e4nger zugemutet werden d\u00fcrfte, dann wird es offen um die Zumutung gehen, einen Teil der Bildbest\u00e4nde unserer Museen und Archive unter Verschluss zu bringen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"981\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Newton-1024x981.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5247\"\/><figcaption> Helmut Newton 1987 in Monte Carlo. Quelle: https:\/\/www.wienerzeitung.at\/nachrichten\/kultur\/film\/2068630-Zum-100.-Geburtstag-von-Helmut-Newton-Fuehrer-Frauen-und-freche-Fotos.html#images-1  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Sohn einer wohlhabenden j\u00fcdischen Knopffabrikantenfamilie kam am 31.\nOktober 1920 in Berlin als Helmut Neust\u00e4dter zu Welt und besuchte bis 1936 das\nGymnasium. Er brach es ab, nachdem er mehr dem Schwimmen und den M\u00e4dchen\nzugetan war &#8211; und dem Fotografieren: \u201eEines Tages im Jahr 1932, als ich zw\u00f6lf\nJahre alt war, ging ich in eine Art Tante-Emma-Laden in Berlin und kaufte mir\nvon meinem Taschengeld eine Kamera. Es war eine Zeiss Box Tengor f\u00fcr 3,50 Mark,\ninklusive einer Filmrolle.\u201c Da half auch nichts mehr, dass seine Mutter die\nKamera wegschloss und Nachhilfestunden ansetzte, als seine schulischen Leistungen\nzu w\u00fcnschen \u00fcbrig lie\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p>Er begann noch 1936 eine Lehre als Fotograf bei der damals bekannten\nBerliner Fotografin Yva (Else Neul\u00e4nder-Simon), die nach dem Berufsverbot 1938\nihr Atelier schlie\u00dfen musste und sp\u00e4ter von den Nationalsozialisten ermordet\nwurde. Zu der Zeit, kurz nach seinem 18. Geburtstag, am 5. Dezember 1938,\nfl\u00fcchtete die Familie vor den Nazis &#8211; die Eltern und der Bruder gehen nach\nS\u00fcdamerika, Helmut dagegen nach Singapur, wo er zwei Wochen lang als\nBildreporter bei der <em>The Straits Times<\/em>\narbeitete, bevor er wegen \u201eUnf\u00e4higkeit\u201c entlassen wurde. Es folgen unstete\nJahre, viele Reisen, die Suche nach der eigenen Bild-Sprache. Um zu \u00fcberleben,\nknipst er f\u00fcr eine Handvoll Dollar alles, was ihm vor die Linse kommt:\nHochzeiten, Kindstaufen, Passfotos, Baby-Leibchen, Strickwaren: \u201eJahrelang \u00fcbt\ner sich im Klinkenputzen, wohnt in d\u00fcsteren L\u00f6chern, trinkt billigen Rotwein,\nraucht wie ein Schlot &#8211; und leistet sich einen wei\u00dfen Porsche mit roten\nLedersitzen\u201c, schreibt Carola G\u00fcldner im <em>Stern<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zwischen\nLiebe und Hass<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kriegsjahre ab 1940 verbrachte er in Australien, wo er auch als LKW-Fahrer bei der Armee und beim Eisenbahnbau malochte. 1945 er\u00f6ffnete er ein Fotostudio in Melbourne und nahm die australische Staatsangeh\u00f6rigkeit an. 1948 heiratete er die Schauspielerin June Browne, die unter dem Schauspielerpseudonym June Brunell arbeitete, da es schon eine Aktrice gleichen Namens gab. Die geb\u00fcrtige Australierin ist f\u00fcr ihn nicht nur Ehefrau, sondern auch Managerin. Anfangs verbietet ihr Helmut, eine eigene Fotografenkarriere unter dem Namen Newton zu beginnen, aus Furcht, sie ruiniere den Namen. Doch er t\u00e4uscht sich in ihren F\u00e4higkeiten, denn unter dem Pseudonym Alice Springs macht seine Frau seit den 1970er Jahren eine beachtliche Karriere als Fotografin. Er wird mit ihr bis zu seinem Tod zusammenleben, sie gilt als sein &#8222;Schatten&#8220;. Die Ehe bleibt kinderlos.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"638\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Newton-1-1024x638.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5248\"\/><figcaption>Newton mit Frau. Quelle: https:\/\/www.derbund.ch\/kultur\/kunst\/helmut-newtons-schatten\/story\/19442256<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ab 1956 arbeitete Helmut Newton f\u00fcr die australische Ausgabe der <em>Vogue<\/em>, die sein Hauptarbeitgeber wurde.\nNach und nach verpflichteten ihn auch andere L\u00e4nderausgaben wie die italienische,\namerikanische und die deutsche sowie weitere Modezeitschriften wie <em>Elle<\/em> oder <em>Marie-Claire<\/em>. Aber auch der <em>Playboy<\/em>\nversicherte sich seiner Dienste. Als Newton sich mit Anfang vierzig in Paris\nniederl\u00e4sst, beginnt seine wirkliche Karriere als Modefotograf. Die\nfranz\u00f6sische <em>Vogue<\/em> druckt Bilder, auf\ndenen er sich in bis dato unbekannter Manier einer sexuellen\nDetailversessenheit und nackten Obsessionen widmet. Wenn Newton Portr\u00e4ts macht,\ninteressieren ihn nur drei Kategorien Mensch: \u201esolche, die ich liebe, solche,\ndie ich verehre, und solche, die ich hasse.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinen Fotografien, die Inszenierungen sind und \u201eSex wollen, nicht\nErotik\u201c, scheidet Newton die Geister. Die einen sehen ihn als Revolution\u00e4r, die\nanderen verachten seine Arbeiten, weil sie sie frauenfeindlich finden. Obwohl\nNewtons Akte an der Oberfl\u00e4che bleiben, provozieren sie in ihrer K\u00e4lte. Bei\neinigen m\u00f6chte man emp\u00f6rt einschreiten, bei anderen schockiert wegsehen. Zu\nseinen umstrittensten Werken z\u00e4hlen die Schwarz-Wei\u00df-Aufnahmen aus seiner Reihe\n\u201eBig Nudes\u201c: Ab den 80er Jahren lichtete Newton seine Models nackt und auf\nSt\u00f6ckelschuhen in St\u00e4dten wie Nizza oder Paris ab. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Serie \u201eDomestic Nudes\u201c verband er seine k\u00fcnstlerischen Fantasien mit Allt\u00e4glichem. So zeigt die Ausstellung auch Frauen, die ihren K\u00f6rper in der \u201eh\u00e4uslichen\u201c Waschk\u00fcche oder im \u201eheimischen\u201c Wohnzimmer f\u00fcr den K\u00fcnstler zur Schau stellten. Mit seinen \u201eDummies\u201c &#8211; unnahbar wirkende Sch\u00f6nheiten, die sich mit Schaufensterpuppen vergn\u00fcgen &#8211; ging der K\u00fcnstler noch einen Schritt weiter; Newton selbst bezeichnet diese Aufnahmen als \u201epornografisch\u201c. Den Vorwurf der \u201eKulturpornographie\u201c erhoben neben Schwarzer auch andere Kritiker. Ein Grund ist Newtons Verkn\u00fcpfung von Nacktheit mit St\u00f6ckelschuhen, dem klassischen Fetisch-Accessoire. \u201eF\u00fcr Akt-Photos\u201c, erkl\u00e4rte er als 73j\u00e4hriger im <em>Stern<\/em>, \u201esind hohe Abs\u00e4tze &#8230; sehr wichtig. Eine Frau hat ganz andere Muskeln, wenn sie auf Abs\u00e4tzen steht. Das spannt sich am Hintern, an den Waden und am Schenkel.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Newton-4-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5254\"\/><figcaption>Ausstellungs-Schnappschuss. Quelle: https:\/\/static.euronews.com\/articles\/stories\/04\/81\/19\/28\/1440x810_cmsv2_3ad04088-64bc-54db-bece-211f720d3f6b-4811928.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein anderer ist die mindestens angedeutete Gewalt bei einigen Motiven,\ndie manchen als grundlegendes Kriterium von Pornographie gilt. So sei seine dominierende\nPerspektive die von Objekt und Begierde und damit weiblichen Opfern: Ein \u2013\nbekleidetes \u2013 M\u00e4dchen, etwa sechs Jahre alt, gefesselt auf dem Todesstuhl in\neiner amerikanischen Gaskammer. Bleiche Frauen, erstarrt oder wie leblos mit\ngeschlossenen Augen auf B\u00e4nken ausgestreckt. In Ketten gefesselt, an st\u00e4hlernem\nGest\u00e4nge gekreuzigt oder am Strick als Sklavenware vorgef\u00fchrt, mit Pickelhaube\nund Nietenzubeh\u00f6r. Auf dem R\u00fccken liegend, mit Lederb\u00e4ndern fixiert, von einer\nRiesendogge \u00fcberw\u00e4ltigt. Die R\u00fcckenansicht einer Nackten, die, vor einem Eisengitter\nstehend, eine Peitsche \u00fcber ihre Schultern biegt. Hinter Maschendraht eine\nuniformierte Aufseherin mit entbl\u00f6\u00dftem Geschlecht. Solche Motive sorgen bis\nheute f\u00fcr Diskussionen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201egro\u00dfe\nEhre f\u00fcr das Land\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sein erster Bildband erschien erst 1976: \u201eWhite Women\u201c wurde kurz nach\nder Ver\u00f6ffentlichung mit dem Kodak-Fotobuchpreis ausgezeichnet. Seit 1981 lebte\nNewton mit seiner Frau in Monaco und verbrachte die Wintermonate in Los\nAngeles. F\u00fcr \u201eGirls of Berlin\u201c kehrte er in seine Geburtsstadt zur\u00fcck und\nbannte kurz vor dem Mauerfall mehrere junge Frauen vor dem Reichstag auf\nFotopapier. 1992 bekam er das Bundesverdienstkreuz. Im April 2000 erregte\nNewtons sogenannter SUMO-Bildband Aufsehen, als das Exemplar Nummer eins \u2013\nhandsigniert von \u00fcber 100 der in dem Buch abgebildeten ber\u00fchmten\nPers\u00f6nlichkeiten \u2013 auf einer Charity-Auktion 620.000 DM erzielte und damit den\nRekord f\u00fcr das teuerste Buch des 20. Jahrhunderts brach. <\/p>\n\n\n\n<p>2003 schrieb Newton in der kanadischen <em>National Post<\/em>, in seiner Fototechnik habe sich seit seiner Jugend nicht viel ver\u00e4ndert: \u201eIn der 30er Jahren habe ich im Sommer mit Tageslicht gearbeitet und im Winter die Portr\u00e4taufnahmen meiner Freundinnen mit einem 200-Watt-Blitz ausgeleuchtet. Heute bin ich aufgestiegen und fotografiere mit einem 500-Watt-Blitz.\u201c Im selben Jahr vermachte er sein Archiv seiner Heimatstadt Berlin. \u201eIch bin sehr stolz, dass meine Fotos in die Stadt zur\u00fcckkehren, wo ich geboren bin\u201c, sagte er damals. \u201eIch habe Deutschland seit 1938 nicht vermisst, aber Berlin schon.\u201c Es sei seine Frau June gewesen, \u201edie mich schon lange in Richtung Berlin geschubst hat, obwohl die Arme kein Wort Deutsch spricht\u201c. Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der (SPD), den Newton 1998 als Kanzlerkandidaten portr\u00e4tiert hatte, dankte ihm f\u00fcr seine \u201eGeste der Vers\u00f6hnung, die eine gro\u00dfe Ehre f\u00fcr das Land ist\u201c. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Newton-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5252\"\/><figcaption> Helmut Newton Stiftung im ehemaligen Landwehrkasino. Quelle: https:\/\/www.wikiwand.com\/de\/Helmut_Newton<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Kulturstaatsministerin Christina Weiss (SPD) sprach von einem \u201egro\u00dfen Tag\nf\u00fcr die Fotografie in Deutschland\u201c und einem \u201eGl\u00fccksfall f\u00fcr die Hauptstadt\u201c.\nDamit werde auch der Grundstein f\u00fcr ein national bedeutendes Zentrum f\u00fcr\nFotografie gelegt. Nach den Worten des Regierenden B\u00fcrgermeisters Klaus\nWowereit (SPD) habe Berlin das Geb\u00e4ude in der Charlottenburger Jebensstra\u00dfe\nneben dem Bahnhof Zoo gerne daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung gestellt. Der Vertrag beinhaltete\ndie unbefristete Dauerleihgabe f\u00fcr \u00fcber 1000 Werke Newtons und Alice Springs\u2019.\nEine sp\u00e4tere Aufstockung des Bestandes ist beabsichtigt, betonten die\nStaatlichen Museen, die in dem Geb\u00e4ude in der Jebensstra\u00dfe auch ihre\numfangreiche Fotosammlung konzentrieren. Newton trug die Kosten f\u00fcr den Kurator\nder Sammlung sowie f\u00fcr den Umbau des ehemaligen Landwehr-Casinos. Heute hat\nauch die im selben Jahr gegr\u00fcndete Helmut-Newton-Stiftung dort ihren Sitz. <\/p>\n\n\n\n<p>Zum Verbleib der Negative sagte Newton dem <em>Stern<\/em>: \u201eSolange wir beide leben, bleiben die Negative bei uns, wir brauchen sie zum arbeiten. Wenn wir abgekratzt sind, geht alles nach Berlin.\u201c Das klang ahnungsvoll: Nur wenige Monate sp\u00e4ter, am 23. Januar 2004, kam er bei einem Verkehrsunfall in Los Angeles ums Leben. Er hatte bei der Ausfahrt von einem Hotelparkplatz die Kontrolle \u00fcber seinen Cadillac verloren und war in eine Mauer auf der anderen Stra\u00dfenseite gefahren. Im Juni desselben Jahres wurde seine Urne in Berlin in einem Ehrengrab unmittelbar neben dem Grab von Marlene Dietrich auf dem Friedhof Stubenrauchstra\u00dfe beigesetzt; seine Witwe legte einen Fotoapparat mit ins Grab. Zu den Trauerg\u00e4sten geh\u00f6rten neben Gerhard Schr\u00f6der und Klaus Wowereit auch die Schauspieler Roger Moore und Rupert Everett sowie Deutschlands erster Kosmonaut Sigmund J\u00e4hn. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Newton-5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5256\"\/><figcaption>Newtons Beerdigung. Quelle: https:\/\/media1.faz.net\/ppmedia\/aktuell\/feuilleton\/3955872336\/1.157259\/width610x580\/kein-trauerzug-froehlich.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Er suche die S\u00fcnde, hat Newton einmal gesagt. \u201eDiese Spekulation auf die Effekte der S\u00fcndhaftigkeit ist, wo an S\u00fcnde und Scham l\u00e4ngst nicht mehr geglaubt wird, schamlos\u201c, meint Bovenschen. Seine Fotografie ziele nicht auf die Festlegung einer wahren Bedeutung des K\u00f6rpers, sondern verdeutliche vielmehr dessen Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr alle m\u00f6glichen Bedeutungen: \u201eNewtons erotische Tr\u00e4ume kommen nicht aus der H\u00f6lle des Unbewussten, sie kommen \u2026 aus der Tiefk\u00fchltruhe der Routine; sie er\u00f6ffnen nicht den Blick in tiefe Abgr\u00fcnde, sie sind r\u00e4tselfrei das, was ihre Oberfl\u00e4che zeigt: recycelte Erotik. Und gerade das macht sie interessant\u201c. \u201eNewton ist Nacktheit, ist Glanz, ist Perfektion, auch heute noch. Seine Bilder sind nicht frei von Vulgarit\u00e4t, aber im Vergleich zu heute erscheinen selbst diese schamvoll\u201c, w\u00fcrdigte ihn sp\u00e4ter der <em>Cicero<\/em>. \u201eNewton thront l\u00e4ngst unangreifbar im Kreis der Unsterblichen im Olymp der sch\u00f6nen K\u00fcnste. Sein Werk ist abgeschlossen, seine Tabubr\u00fcche sind entsch\u00e4rft. Was bleibt, ist die Kunst, die \u00c4sthetik, die Eleganz.\u201c <\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D5246&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der einst teuerste Fotograf der Welt arbeitete im Mode- ebenso gern wie im Erotik-Bereich und verstand \u201efaschistisch\u201c \u00e4sthetisch: Helmut Newton. Vor 100 Jahren kam er zur Welt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5246"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5246"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5246\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5257,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5246\/revisions\/5257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5246"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5246"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5246"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}