{"id":5329,"date":"2020-11-03T06:42:39","date_gmt":"2020-11-03T05:42:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5329"},"modified":"2020-11-03T13:21:18","modified_gmt":"2020-11-03T12:21:18","slug":"unser-traum-ist-auch-ihr-traum-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5329","title":{"rendered":"\u201eUnser Traum ist auch Ihr Traum\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Der 4. November, sein Todestag, ist in Israel inzwischen nationaler Erinnerungstag. Bei seiner Beerdigung waren neben 60 Regierungs- und Staatschefs auch Vertreter von sieben arabischen Staaten anwesend. 2005 wurde in Tel Aviv das nach ihm benannte Zentrum eingeweiht, das als Veranstaltungsort f\u00fcr Ausstellungen und Konferenzen sowie als Forschungs- und Dokumentationszentrum zur Geschichte des Staates Israel dient. Im selben Jahre meinte ein Viertel der Befragten in Israel, er sei einem Komplott zum Opfer gefallen, was sich auch in einer Reihe verschw\u00f6rungstheoretischer Internetseiten widerspiegelt: Itzhak Rabin. Der israelische Politiker wurde vor 25 Jahren von einem religi\u00f6s-fanatischen israelischen Jurastudenten erschossen. Nach seinem Tod gerieten die Verhandlungen und der gesamte Friedensprozess im Nahen Osten ins Stocken: \u201eDas Trauma der Ermordung war tiefgehend, intensiv und anhaltend\u201c, bilanzierte der Historiker Yaacov Lozowick auf dem Online-Portal <em>audiatur<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Geboren am\n1. M\u00e4rz 1922 als erstes von zwei Kindern russisch-amerikanischer Exiljuden in\nJerusalem, besuchte er nach zwei Schulen in Tel Aviv ab 1937 die Kadoori\nLandwirtschaftsschule. Er beendete sie nach anf\u00e4nglichen Schwierigkeiten 1940 als\nbester Sch\u00fcler seiner Klasse mit dem Abitur. Zwischendurch engagierte er sich\nin der Hagana, einer paramilit\u00e4rischen Untergrundmiliz w\u00e4hrend des britischen\nMandats. 1941 wurde er in einem Kibbuz f\u00fcr den neu gegr\u00fcndeten Palmach\nrekrutiert, eine Eliteeinheit der Hagana, die nach 1948 in die israelischen\nStreitkr\u00e4fte \u00fcberging. Als Angeh\u00f6riger der britischen Armee nahm er am\nSyrisch-Libanesischen Feldzug teil und wurde 1945 Vize einer Palmach-Einheit. Daraufhin\nwurde er im Juli 1946 von den britischen Truppen verhaftet und zu sechs Monaten\nHaft verurteilt \u2013 und nach seiner Freilassung 1947 zum Stabschef des Palmach\nbef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>1948 heiratete er die geb\u00fcrtige K\u00f6nigsbergerin Leah und hatte mit ihr zwei Kinder. W\u00e4hrend des israelischen Unabh\u00e4ngigkeitskriegs befehligte er bei den K\u00e4mpfen um Jerusalem eine Brigade und handelte 1949 das Waffenstillstandsabkommen mit \u00c4gypten mit aus. Nach dem Krieg wurde seine Einheit aufgel\u00f6st und er als einer der wenigen Offiziere in die Armee Israels \u00fcbernommen. Nach einem Kurs f\u00fcr Bataillonskommandeure folgte seine Bef\u00f6rderung in den Generalstab, wo er als Chef der Operationsabteilung der Armee Israels wirkte. 1952 ging er mit seiner Familie nach England, um dort das Staff College der British Army in Camberley zu besuchen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"761\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Yitzhak-Rabin-1992-761x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5333\"\/><figcaption> Itzhak Rabin. Quelle: https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Yitzhak-Rabin<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1953 zur\u00fcckgekehrt,\n\u00fcbernahm Rabin, inzwischen Generalmajor, bis 1956 die Leitung der Ausbildung\nder israelischen Armee und, nachdem er eine Generalstabsakademie aufgebaut\nhatte, den Oberbefehl \u00fcber die Truppen an der syrischen Grenze Israels. Nach\neinem Intermezzo als stellvertretenden Generalstabschef wurde er am 1. Januar\n1964 zum Generalstabschef ernannt. Unter seinem Kommando errang die israelische\nArmee einen umfassenden Sieg \u00fcber \u00c4gypten, Syrien und Jordanien im Sechstagekrieg.\nNach dem Krieg hielt er eine ber\u00fchmt gewordene Rede, nachdem er von der\nUniversit\u00e4t mit der Ehrendoktorw\u00fcrde der Philosophie geehrt worden war. Er nahm\nden Preis im Namen der ganzen Armee an, die sich, wie er sagte, nicht nur in\nihrer spirituellen Gr\u00f6\u00dfe, dem Trauern um die Opfer des Feindes, von allen\nanderen Armeen in der Welt unterscheide. Sie habe auch auf anderen Gebieten einen\nSonderstatus in der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eihre H\u00e4nde und Beine brechen\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1967 gab\nRabin seinen Posten als Generalstabschef ab und wurde 1968 als Botschafter in\nden Vereinigten Staaten entsandt. Obwohl er als sehr unerfahren galt und weder\ngutes Englisch sprach noch ein guter Gesellschafter war, wird seine Arbeit in\nden USA als erfolgreich bewertet. Rabin sah schon damals voraus, dass\nFrankreich Israel in Zukunft nicht mehr unterst\u00fctzen w\u00fcrde, weshalb andere\nB\u00fcndnispartner gefunden werden m\u00fcssten. 1973 wurde er als Mitglied der\nArbeitspartei in die Knesset gew\u00e4hlt und diente als Arbeitsminister unter Golda\nMe\u00efr. Am 3. Juni 1974 l\u00f6ste er sie an der Spitze der Regierung ab, nachdem er sich\nin einer parteiinternen Urwahl gegen Schimon Peres durchgesetzt hatte. Zwischen\nbeiden entwickelte sich eine jahrelange Konkurrenzsituation. Ein Jahr sp\u00e4ter unterzeichnete\nRabin ein Interimsabkommen mit \u00c4gypten. In seine Amtszeit fiel auch die\nBefreiung der Geiseln eines von Pal\u00e4stinensern entf\u00fchrten Air-France-Flugzeuges\nin Entebbe in Uganda.<\/p>\n\n\n\n<p>1974 musste er sein Amt aufgeben. Unter anderem wurde kurz vor der Parlamentswahl ein illegales Dollarverm\u00f6gen seiner Frau aufgedeckt, wof\u00fcr er die politische Verantwortung \u00fcbernahm und vom Parteivorsitz zur\u00fccktrat. Die Knesset-Wahl 1977 bescherte seinem Parteienb\u00fcndnis herbe Verluste und dem Likud-Politiker Menachem Begin den Sieg. Damit endete die jahrzehntelange Dominanz der Arbeitspartei, wof\u00fcr Rabin verantwortlich gemacht wurde. Sp\u00e4ter bekannte er, w\u00e4hrend seiner ersten Amtszeit zu unerfahren in innenpolitischen Fragen gewesen zu sein. Zudem galt er, der nie studierte und ganz ohne intellektuelle Ambitionen oder formelle Ausbildung agierte, als scheu und zuweilen introvertiert. Hinzu kamen generelle Schw\u00e4chen Rabins im \u00f6ffentlichen Auftreten: Oft auch mit seiner eigenen Partei ungeduldig, zeigte er sich taktlos und unh\u00f6flich, weshalb ihn manche als schlechten Politiker betrachteten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"339\" height=\"500\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Yitzhak-Rabin-1992-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5334\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Yitzhak-Rabin-1992-1.jpg 339w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Yitzhak-Rabin-1992-1-203x300.jpg 203w\" sizes=\"(max-width: 339px) 100vw, 339px\" \/><figcaption> Rabin als Offizier im israelischen Norden. Quelle: https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/e\/e6\/Rabin_Northern_Command1957.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1984 berief\nihn Schimon Peres als Verteidigungsminister in seine Einheitsregierung. Es war\ndie Zeit der Ersten Intifada (\u201eKrieg der Steine\u201c), eine gewaltt\u00e4tige\nAuseinandersetzung zwischen Pal\u00e4stinensern und der israelischen Armee, die erst\nnach dem Oslo-Abkommen von 1993 zu Ende ging. Um sie zu beenden, setzte Rabin umstrittene\nbis brutale Methoden ein und wurde 1988 mit dem Ausspruch zitiert: \u201eWir sollten\nihre H\u00e4nde und Beine brechen\u201c (bezogen auf die pal\u00e4stinensischen Steinewerfer),\nwas ihm in der arabischen Welt den Titel \u201eKnochenbrecher\u201c einbrachte. Zugleich\nwar er zust\u00e4ndig f\u00fcr den R\u00fcckzug der israelischen Armee aus dem s\u00fcdlichen\nLibanon. Dennoch galt er als unumstrittene Autorit\u00e4t Israels in\nverteidigungspolitischen Fragen und setzte im Mai 1989 im Kabinett seinen Plan\nzu einer Zusammenarbeit mit den Pal\u00e4stinensern durch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>Der Frieden hat keine Grenzen\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ab 1990\nwurde Rabin zu einem der wichtigsten F\u00fcrsprecher des Friedensprozesses zwischen\nIsrael, Pal\u00e4stinensern und arabischen Nachbarn. Er wurde wieder Vorsitzender\nder israelischen Arbeitspartei, siegte bei den Wahlen und bekleidete 1992\nerneut das Ministerpr\u00e4sidentenamt. Seinen Vorg\u00e4nger Schimon Peres machte er zum\nAu\u00dfenminister, er selbst behielt das Verteidigungsministerium. Nach den Friedensgespr\u00e4chen\nin Madrid 1991, noch ohne PLO, k\u00fcndigte Rabin 1992 Syrien einen Abzug der\nTruppen aus den Golanh\u00f6hen an. Zeitgleich kam es vermehrt zu pal\u00e4stinensischen Terrorakten.\nRabin zeigte H\u00e4rte und lie\u00df \u00fcber 400 Hamas-Anh\u00e4nger als Rache f\u00fcr die Ermordung\neines zuvor entf\u00fchrten Grenzpolizisten v\u00f6lkerrechtswidrig in den S\u00fcdlibanon\ndeportieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sommer 1993 kam es dann zu ersten direkten Gespr\u00e4chen zwischen Vertretern der PLO und der israelischen Regierung mit dem Oslo-Abkommen als Endpunkt. Es sah einen Abzug der israelischen Armee aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen sowie eine pal\u00e4stinensische Selbstverwaltung in diesen Gebieten bei gleichzeitigem Gewaltverzicht der Pal\u00e4stinenser vor. Nach einer \u00dcbergangszeit sollte ein dauerhafter Status der Gebiete ausgehandelt werden. Am 4. Mai 1994 erfolgte eine weitere vertragliche Regelung in Washington, bei der die PLO erstmals eine anerkannte begrenzte Autonomie f\u00fcr den Gazastreifen und das Gebiet um Jericho bekam. F\u00fcr seine Beteiligung an diesem Prozess erhielt Rabin im selben Jahr, zusammen mit Jassir Arafat und Schimon Peres, den Friedensnobelpreis.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Yitzhak-Rabin-1992-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5336\"\/><figcaption>Rabin, Clinton und Arafat im Zuge des Oslo-Friedensprozesses am 13. September 1993 vor dem Wei\u00dfen Haus. Quelle: https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/f\/f2\/Bill_Clinton%2C_Yitzhak_Rabin%2C_Yasser_Arafat_at_the_White_House_1993-09-13.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In der Folge\nwurden israelische Truppen aus den Autonomiegebieten abgezogen, die PLO durfte\neine Polizeitruppe von 9000 Mann bilden, um ihrer Aufgaben der Verwaltung und\nKontrolle gerecht zu werden, au\u00dferdem wurden etwa 8500 pal\u00e4stinensische\nGefangene freigelassen. Am 28. September 1995 trafen Rabin, Arafat, K\u00f6nig\nHussein, Pr\u00e4sident Mubarak und Bill Clinton erneut zusammen, um das zweite\nOsloer Abkommen zu unterzeichnen, mit dem die pal\u00e4stinensische Autonomie auf\nden gr\u00f6\u00dferen Bev\u00f6lkerungsteil der Araber im Westjordanland ausgedehnt wurde. In\nseiner Rede sagte Rabin: \u201eWas Sie hier vor sich sehen, war noch vor zwei oder\ndrei Jahren unm\u00f6glich, ja phantastisch. Nur Dichter haben davon getr\u00e4umt, und\nzu unserem gro\u00dfen Schmerz sind Soldaten und Zivilisten in den Tod gegangen, um\ndiesen Augenblick m\u00f6glich zu machen. Hier stehen wir vor Ihnen, M\u00e4nner, die vom\nSchicksal und der Geschichte auf eine Friedensmission geschickt wurden:\neinhundert Jahre Blutvergie\u00dfen f\u00fcr alle Zeiten zu beenden. Unser Traum ist auch\nIhr Traum. Wir alle lieben dieselben Kinder, weinen dieselben Tr\u00e4nen, hassen\ndieselbe Feindschaft und beten um Vers\u00f6hnung. Der Frieden hat keine Grenzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch\ninnenpolitisch war Rabin zunehmend angeschlagen: Er stand nur noch einer\nMinderheitsregierung vor, die in der Knesset von den Stimmen der Kommunisten\nund der nationalistischen Araber abh\u00e4ngig war. Die Durchf\u00fchrung der Politik der\n\u201eTauben\u201c um Schimon Peres f\u00fchrte zu einer Radikalisierung in Israel, die\nNichtintegration von Mitte-rechts-Positionen vor allem der Siedler wird oft als\nsein schwerster Fehler betrachtet. Leah Rabin berichtet in ihrer Autobiographie\n\u00fcber zahlreiche Anfeindungen: \u201e\u201aNach den n\u00e4chsten Wahlen wirst du mit deinem\nMann auf dem Marktplatz h\u00e4ngen. Mit den F\u00fc\u00dfen nach oben. Wie Mussolini und\nseine M\u00e4tresse\u2018, br\u00fcllte jemand aus der Menge. \u2026 Einige der Demonstranten vor\nunserem Mietshaus verglichen uns sogar mit Nicolae und Elena Ceau\u0219escu, dem\nvielleicht meist geschm\u00e4hten Despotenpaar der Neuzeit \u2026 Schon Monate zuvor\nwaren in der \u00d6ffentlichkeit die ersten Poster aufgetaucht, die Jitzchak als\nVerr\u00e4ter und M\u00f6rder brandmarkten.\u201c Flugbl\u00e4tter kursierten, die den\nMinisterpr\u00e4sidenten in SS-Uniform zeigen &#8211; im Staat der Holocaust-\u00dcberlebenden\nwar das die ultimative Schm\u00e4hung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eein Verr\u00e4ter an Israel\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 4. November 1995 hatten sich auf dem Platz der K\u00f6nige in Tel Aviv rund 150.000 Menschen eingefunden, um f\u00fcr Frieden im Nahen Osten einzutreten und Zugest\u00e4ndnisse an die Pal\u00e4stinenser zu fordern. Rabin hatte bef\u00fcrchtet, es k\u00f6nnten zu wenig Menschen kommen \u2013 dann w\u00e4re die erhoffte St\u00e4rkung der Friedensfraktion in Israels zerrissener Gesellschaft eine Schw\u00e4chung geworden. Doch der ehemalige Generalstabschef und Kriegsheld irrte sich: Die Menschen str\u00f6mten in ungeahnter Zahl zu der Kundgebung. Ger\u00fcchte \u00fcber geplante Terroranschl\u00e4ge pal\u00e4stinensischer Extremisten konnten sie ebenso wenig abhalten wie die hasserf\u00fcllten Botschaften oppositioneller Gruppen vor allem in Gestalt des konservativen Likudblocks um Benjamin Netanjahu. Von einem \u201e\u00fcberw\u00e4ltigenden Sieg des Realismus\u201c schrieb Sven Felix Kellerhoff in der <em>Welt<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"753\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Yitzhak-Rabin-1992-3-1024x753.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5338\"\/><figcaption>M\u00f6rder Yigal Amir vor Gericht. Quelle: https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/jizchak-rabin-moerder-jigal-amir-schuesse-gegen-den-frieden-a-1060942.html#fotostrecke-efb3ace2-0001-0002-0000-000000131553  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach der\nKundgebung \u2013 Rabin wollte gerade seinen Wagen besteigen \u2013 schaffte es der 25-J\u00e4hrige\nYigal Amir, ihm trotz mehrerer Leibw\u00e4chter zweimal in den R\u00fccken zu schie\u00dfen.\nEine dritte Kugel traf einen Leibw\u00e4chter am Handgelenk, dann wurde der Sch\u00fctze\n\u00fcberw\u00e4ltigt. Obwohl die \u00c4rzte alles unternahmen, 50 Minuten lang um sein Leben\nk\u00e4mpften, starb Yitzhak Rabin gegen 23 Uhr: Zwei selbst gebastelte\nDumdum-Geschosse hatten ihm beide Lungenfl\u00fcgel und die Milz zerfetzt. Der\nM\u00f6rder war erstaunlich kaltbl\u00fctig und vor allem arrogant: \u201eTun Sie Ihre Arbeit.\nIch habe meine getan.\u201c In allen Verh\u00f6ren blieb der Fanatisierte bei derselben\nDarstellung: Er allein habe das Attentat vorbereitet und ausgef\u00fchrt. Rabin sei\nein Verr\u00e4ter an Israel gewesen, weil er die Auss\u00f6hnung mit den Pal\u00e4stinensern\ngesucht habe und daf\u00fcr auch laut Bibel zu \u201eEretz Israel\u201c geh\u00f6rende Gebiete habe\naufgeben wollen. Nach dem j\u00fcdischen Gesetz sei der Ministerpr\u00e4sident ein\n\u201eVerr\u00e4ter\u201c gewesen, der get\u00f6tet werden d\u00fcrfe, um schlimmeres Unheil von der\nJudenheit abzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Amir wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Trotzdem durfte er telefonisch eine Freundin heiraten und sie seit 2006 einmal monatlich ohne Bewachung empfangen: 2007 gebar die aus Russland stammende Frau seinen Sohn. Dessen Beschneidung, im j\u00fcdischen Zyklus ein Freudenfest, fand auf den Tag genau zw\u00f6lf Jahre nach dem Attentat statt. Die perfide Planung hatte bei der Zeugung neun Monaten zuvor begonnen: Da das Kind mit Kaiserschnitt auf die Welt kommen sollte, schrieb sich die studierte Philosophin exakt acht Tage vor dem Jahrestag im Operationssaal ein. Nach j\u00fcdischem Ritual wird der Junge am achten Tag nach der Geburt beschnitten. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Yitzhak-Rabin-1992-4-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5339\"\/><figcaption>Rabins Frau Leah beim Begr\u00e4bnis. Quelle: https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/jizchak-rabin-moerder-jigal-amir-schuesse-gegen-den-frieden-a-1060942.html#fotostrecke-efb3ace2-0001-0002-0000-000000131553 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Wellen schlugen hoch \u2013 obwohl mehr als ein Drittel der religi\u00f6sen B\u00fcrger Israels Amirs Begnadigung bef\u00fcrworten. Reue hat der Attent\u00e4ter bis heute nicht gezeigt: Er f\u00fchlt sich nach wie vor im g\u00f6ttlichen Recht. Doch der Mord an Rabin zerst\u00f6rte die gr\u00f6\u00dfte Chance auf Frieden im Nahen Osten, den es wohl je gegeben hatte. Der Sieger im Sechstage-Krieg von 1967 h\u00e4tte glaubw\u00fcrdig wie kein anderer die Politik nach dem Prinzip \u201eLand gegen Frieden\u201c durchsetzen k\u00f6nnen. Nach seinem gewaltsamen Tod \u00fcbernahm zwar Peres die Regierungsgesch\u00e4fte, wurde aber bald von Netanjahu abgel\u00f6st. Seither ist kein Ende der Eskalation im Konflikt zwischen Pal\u00e4stinensern und Israelis absehbar. <\/p>\n\n\n\n<figure><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D5329&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"><\/iframe><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er galt als wichtiger Architekt des Friedensprozesses im Nahen Osten: Israels Ministerpr\u00e4sident Itzhak Rabin. Der Friedensnobelpreistr\u00e4ger wurde vor 25 Jahren ermordet.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5329"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5329"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5329\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5353,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5329\/revisions\/5353"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}