{"id":5397,"date":"2020-12-25T05:56:18","date_gmt":"2020-12-25T04:56:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5397"},"modified":"2020-11-26T14:22:46","modified_gmt":"2020-11-26T13:22:46","slug":"energie-und-ausdauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5397","title":{"rendered":"\u201eEnergie und Ausdauer\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie es lange Zeit um sein Ansehen stand, illustriert treffend der Streit\n\u00fcber die \u201eGoldmaske des Agamemnon\u201c, die er 1876 bei Ausgrabungen in Mykene\nfand. Ernst Curtius, der das historische Olympia ausgegraben hatte, meinte, das\nGold der Maske sei viel zu d\u00fcnn, um einen so m\u00e4chtigen Herrscher damit\nauszustatten, und folgerte, dass das Grab aus der byzantinischen \u00c4ra stammen\nm\u00fcsste. Der Privatgelehrte Ernst B\u00f6tticher behauptete sogar, dass er den\nSchmuck selbst habe herstellen lassen, um ihn heimlich zu vergraben. Aufgrund\nseines Geizes habe er nicht mehr Gold verwenden wollen. Beide hatten Unrecht \u2013\nauch wenn sich sp\u00e4ter herausstellte, dass er nicht das Grab Agamemnons, sondern\ndas eines mykenischen F\u00fcrsten einer vorhergehenden Dynastie gefunden hatte. <\/p>\n\n\n\n<p>Glaubt man dem <em>SAT 1-<\/em> Zweiteiler \u201eDer geheimnisvolle Schatz von Troja\u201c (2007), ist seine Lebensgeschichte genau das M\u00e4rchen, das viele auch heute noch mit seiner Person verbinden: Ein Dorfjunge in Mecklenburg vertr\u00e4umt die Tage \u00fcber Homers Epen. Aus dem versponnenen Buben wird ein k\u00fchl rechnender Gro\u00dfkaufmann, der sechzehn Sprachen beherrscht, als deutscher Generalkonsul in Sankt Petersburg amtiert und ein riesiges Verm\u00f6gen anh\u00e4uft. Auf der H\u00f6he des Erfolgs besinnt er sich der Kindheitstr\u00e4ume, entdeckt 1870 Troja, gr\u00e4bt sp\u00e4ter, von deutschen und europ\u00e4ischen Gelehrten fortw\u00e4hrend verspottet, Agamemnons Mykene aus und Tyrins, den legend\u00e4ren F\u00fcrstensitz des Nestor. In zweiter Ehe heiratet er eine sch\u00f6ne junge Griechin, die ihm bei seiner Arbeit zur Seite steht. Die Kr\u00f6nung ihrer M\u00fchen sind Goldsch\u00e4tze, die sie in Troja und Mykene finden. Er schenkt Trojas Gold dem Deutschen Reich und wird endlich anerkannt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/unnamed-35.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5470\"\/><figcaption>Heinrich Schliemann. Quelle: https:\/\/www.planet-wissen.de\/geschichte\/archaeologie\/troja\/tempxtrojagjpg104~_v-gseapremiumxl.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Doch seine Biographie liest sich nicht nur wie ein M\u00e4rchen, sondern ist\nes teilweise auch, erfunden und niedergeschrieben von ihm selbst. \u201eDiese\nruhms\u00fcchtige Fabulierlust war gekoppelt an die verbissene Buchstabengl\u00e4ubigkeit\ndes Mannes, der &#8211; oft wider besseres Wissen &#8211; jede Zeile der Ilias beim Wort\nnahm und so die Wirklichkeit zwang, ihm zu Willen zu sein\u201c, erkl\u00e4rt Dieter\nBartetzko in der <em>FAZ<\/em>. Was nicht in\nsein Bild der homerischen Epoche und nicht in sein Selbstbild passte, habe er\nausgeblendet. In seinem romantischen Fanatismus sei er \u201eein f\u00fcr jene \u00c4ra\ntypischer Deutscher\u201c gewesen, \u201eein faszinierendes Gemisch aus Empfindsamkeit\nund H\u00e4rte\u201c: Heinrich Schliemann, der am 26. Dezember 1890 starb.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vom\nKaufmann zum Studenten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Pastorensohn kam am 6. Januar 1822 f\u00fcnftes von neun Kindern in\nNeubukow im Gro\u00dfherzogtum Mecklenburg-Schwerin zur Welt und wuchs in\nAnkershagen auf. Es sei nicht die Ilias gewesen, sondern \u201eDie Weltgeschichte\nf\u00fcr Kinder\u201c von Georg Ludwig Jerrer, die er zu Weihnachten 1828 geschenkt\nbekam, aus der nach eigenen Angaben sein Entschluss zur Suche nach der antiken\nStadt Troja erwuchs. Als die Mutter 1831 nach der Geburt des neunten Kindes\nstarb, kam Heinrich in die Familie seines Onkels, der ebenfalls Pastor war. Als\nSchliemanns Vater das Schulgeld f\u00fcr das Gymnasium Carolinum in Neustrelitz\nnicht bezahlen konnte, musste er nach nur drei Monaten den Weg zum Abitur\nabbrechen und auf die Realschule wechseln. Ostern 1836 begann er eine\nKaufmannslehre als Handelsgehilfe in F\u00fcrstenberg\/Havel und wollte nach Beendigung\nseiner Lehrzeit zu Ostern 1841 gemeinsam mit einem Schulfreund nach Nordamerika\nauswandern. <\/p>\n\n\n\n<p>In Rostock erlernt er zun\u00e4chst Englisch und Buchf\u00fchrung und beschlie\u00dft, krank und verarmt nach vergeblicher Arbeitssuche in Hamburg, nach Venezuela auszuwandern. Doch vor der holl\u00e4ndischen K\u00fcste erleidet er Schiffbruch und sucht nun in den Niederlanden sein Gl\u00fcck. Zum Jahreswechsel 1841\/42 findet er eine Anstellung als Kontorbote bei der Firma F.C. Quien in Amsterdam und beginnt, sich autodidaktisch Fremdsprachen anzueignen. Auf Englisch, Franz\u00f6sisch, Niederl\u00e4ndisch, Spanisch, Italienisch und Russisch folgen sp\u00e4ter u.a. Portugiesisch, Schwedisch, Polnisch und Neugriechisch. Bis zum Beginn seiner Grabungsleidenschaft 1870 erlernt er 16 moderne Fremdsprachen in Wort und Schrift, verwendet sie f\u00fcr Korrespondenzen und Tageb\u00fccher und \u00fcbt sie immer wieder systematisch auf Reisen. Daneben eignet er sich Altgriechisch, Lateinisch, Hebr\u00e4isch und Sanskrit an. Man vermutet eine Inselbegabung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"583\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/unnamed-36-1024x583.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5472\"\/><figcaption>Museum im Wohnhaus Ankershagen. Quelle: https:\/\/aid-magazin.de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2020\/06\/Schliemann-Museum-Ausstellung.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1844 wird er beim Amsterdamer Handelshaus B.H. Schr\u00f6der &amp; Co. zun\u00e4chst\nKorrespondent und Buchhalter, dann als Handelsagent nach St. Petersburg\ngeschickt. Bereits ein Jahr sp\u00e4ter er\u00f6ffnete er dort ein eigenes Handelshaus\nauf dem Newski-Prospekt und erwarb 1847 die russische Staatsb\u00fcrgerschaft.\nBesonders erfolgreich wurde Heinrich im Kolonialwarenhandel, vor allem mit Indigo,\nGenussmitteln und Industrierohstoffen. Der Briefwechsel mit seinem Bruder\nLudwig, der in Kalifornien Goldsucher war, zog ihn 1850 bis 1852 nach Amerika.\nEr gr\u00fcndete eine Bank f\u00fcr Goldhandel in Sacramento und begann, erfolgreich in\namerikanische, sp\u00e4ter auch kubanische Eisenbahnprojekte zu investieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck in Europa heiratete er am 12. Oktober 1852 in der Isaakskathedrale\neine russische Kaufmannstochter. Die nach russisch-orthodoxem Ritus geschlossene\nEhe f\u00fchrt zu drei Kindern und festigte seine gesellschaftliche Stellung. Sein\ngesch\u00e4ftlicher Gl\u00fccksfall sollte der Krimkrieg 1853 \u2013 1856 werden: Unter\ngeschickter Umgehung der Seeblockade lieferte er gro\u00dfe Mengen von\nMunitionsrohstoffen wie Blei, Schwefel und Salpeter \u00fcber den Landweg an die\nzaristische Armee und wurde reich. 1855 notierte er an der Petersburger B\u00f6rse\nals Kaufmann mit dem h\u00f6chsten Handelsumsatz und einem Gesch\u00e4ftsvolumen von einer\nMillion Talern. Nach Kriegsende erw\u00e4gt Schliemann, aus dem Handel auszusteigen,\nzu reisen, Land zu erwerben und erw\u00e4hnt erstmals, \u201edas Vaterland meines\nLieblings Homer\u201c besuchen zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 1858\/59 unternimmt er Reisen nach Europa und den Nahen Osten. 1861\nwird er f\u00fcr drei Jahre zum Richter beim St. Petersburger Handelsgericht gew\u00e4hlt\nund danach, gemeinsam mit seiner Frau, erblicher Ehrenb\u00fcrger Russlands. 1864\ngab er seinen russischen Wohnsitz auf und ging auf ausgedehnte Studienreisen\nnach Asien sowie Nord- und Mittelamerika. Im Jahr darauf verfasste er sein\nerstes Buch und begann mit 42 Jahren 1866 Sprachen, Literatur und\nAltertumskunde an der Sorbonne in Paris zu studieren. Er nimmt seinen Wohnsitz\nin der franz\u00f6sischen Hauptstadt und erwirbt Mietsh\u00e4user im Wert von 1,7\nMillionen Francs.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erfolgreicher\nSchatzsucher<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im April 1868 begann Schliemann seine erste Forschungsreise nach Griechenland. Zun\u00e4chst suchte er auf Korfu nach Spuren der Ph\u00e4aken, bei denen Odysseus laut Homer strandete, und erreichte Ende Juli 1868 Ithaka. \u00a0Erstmals versuchte er sich als Ausgr\u00e4ber, heuerte \u00f6rtliche Hilfskr\u00e4fte an und suchte neun Tage lang vergeblich nach dem in der Ilias beschriebenen Palast des Odysseus. Anfang August reiste er dann in die Troas, wo er den dort ans\u00e4ssigen amerikanischen Konsul Frank Calvert kennen lernt. Nach intensiven Ortsbegehungen zur vermutlichen Lage der legend\u00e4ren Stadt des Priamos teilte er die Meinung Calverts, dass sich die Burg unter dem Hisarl\u0131k verbergen m\u00fcsse, und beantragte eine Grabungserlaubnis.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/unnamed-37-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5473\"\/><figcaption>Mykenische Schachtgr\u00e4ber. Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_Schliemann#\/media\/Datei:MiceneCircoloTombeReali.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im September 1868 reiste Schliemann zur\u00fcck nach Paris und schrieb dort\nsein Buch \u201eIthaka, der Peloponnes und Troja\u201c, f\u00fcr die ihm die Universit\u00e4t\nRostock 1869 den Doktortitel zuerkennt. Im selben Jahr reiste er in die USA, um\ndie amerikanische Staatsb\u00fcrgerschaft zu erlangen, mit der er seine damals in\nEuropa unaufl\u00f6sbare russisch-orthodoxe Ehe scheiden lassen konnte. Gleichzeitig\nlie\u00df er sich von einem befreundeten Athener Erzbischof Fotografien griechischer\nHeiratskandidatinnen zusenden. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Griechenland heiratete\ner die 17-j\u00e4hrige Sophia Engastrom\u00e9nos am 24. September 1869 nach\ngriechisch-orthodoxem Ritus in der Meletios-Kirche in Kolonos, dem Geburtsort\ndes Sophokles. Nach der Hochzeitsreise kehrte das Ehepaar Anfang 1870 nach\nAthen zur\u00fcck und bezog zun\u00e4chst eine Stadtvilla. <\/p>\n\n\n\n<p>Im selben Jahr w\u00e4hlte ihn die griechische philologische Gesellschaft in\nKonstantinopel zum korrespondierenden Mitglied. Da die Grabungserlaubnis auf\nsich warten lie\u00df, begann Heinrich illegal mit Hilfsarbeitern im April einen 20\nMeter langen und bis zu 3 Meter tiefen Graben auszuheben, der bereits zur\nEntdeckung mehrerer Siedlungsschichten f\u00fchrte. 1871 begann er nach den Pl\u00e4nen\ndes Architekten Ernst Ziller ein Stadthaus in Athen zu erbauen, das er \u201eIliou\nMelathron\u201c (\u201ePalast von Ilios\u201c) nennen, ganz nach der griechischen Mythologie\neinrichten und zu einem Zentrum der Athener Gesellschaft machen wird. Aus der\nEhe mit Sophia gehen zwei\nKinder hervor, die er nach Protagonisten der Homerischen Dichtung Andromache\nund Agamemnon nennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der inzwischen erteilten Grabungserlaubnis f\u00fchrt er 1871, 72 und 73 drei Grabungskampagnen in Troja durch. W\u00e4hrend der letzten entdeckt er am 31. Mai einen Goldschatz aus Waffen, Vasen, Kelchen und Schmuck, den er \u201eSchatz des Priamos\u201c nennt und illegal au\u00dfer Landes schafft. In diesem Schatz sieht er das Beweismittel f\u00fcr die Wahrhaftigkeit Homers und die Existenz des legend\u00e4ren Troja. Tats\u00e4chlich ist dieser Grabungsbereich, Troja II, weitaus \u00e4lter; die \u201eBurg des Priamos\u201c aus der mykenischen Zeit wird bei sp\u00e4teren Grabungen unter der Leitung seines ehemaligen Assistenten Wilhelm D\u00f6rpfeld in einer anderen Schicht verortet. Unstrittig ist aber von nun an, dass sich das legend\u00e4re Troja auf dem Berg Hisarl\u0131k befindet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/unnamed-38-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5474\"\/><figcaption> Maske des Agamemnon. Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Goldmaske_des_Agamemnon#\/media\/Datei:MascheraDiAgammenone.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit dem Schatz verfuhr er genauso hemds\u00e4rmelig wie mit all seinen\nUnternehmungen: Obwohl durch die Grabungserlaubnis zur Abgabe verpflichtet,\nbrachte er ihn heimlich \u00fcber die Grenze nach Athen und schickte an die\nwichtigen wissenschaftlichen Gesellschaften Europas Depeschen, in denen er\nseine Entdeckung bekanntgab. Die T\u00fcrkei verklagte ihn vor einem griechischen\nGericht auf die Herausgabe der H\u00e4lfte der Funde. Der ein Jahr dauernde Prozess\nendete mit dem Urteil auf Zahlung von 10.000 Goldfranken. Kulanzhalber zahlte\ner jedoch 50.000 Goldfranken an das Kaiserliche Museum in Konstantinopel und\ntrat einige weniger bedeutsame Fundst\u00fccke ab. <\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sowohl der Louvre als auch die Eremitage einen Ankauf ablehnten, stellte\nHeinrich den Schatz 1877 bis 1880 in London aus und schenkte ihn auf Initiative\nseines Freundes Rudolf Virchow, der an vierten Troja-Kampagne 1879 pers\u00f6nlich\nteilnahm, schlie\u00dflich 1881 \u201edem Deutschen Volke zu ewigem Besitze und\nungetrennter Aufbewahrung in der Reichshauptstadt\u201c. Gleichzeitig wurde er\nEhrenmitglied der Berliner Gesellschaft f\u00fcr Anthropologie, Ethnologie und\nUrgeschichte und erhielt die Ehrenb\u00fcrgerschaft der Stadt Berlin. Kaiser Wilhelm\nI. bedankte sich in einem pers\u00f6nlichen Brief an Schliemann und entschied, dass\nder Schatz im gerade im Bau befindlichen Museum f\u00fcr V\u00f6lkerkunde Berlin st\u00e4ndig\nausgestellt werden solle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eVater\nder mykenischen Arch\u00e4ologie\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwischendurch hatte Heinrich auch in Mykene, wo er die Goldmaske fand, sowie in Alba Longa und Motye in Italien gegraben und war auf eine Vortrags- und Museumsreise durch Europa gegangen. In London erscheint \u201eMykenae\u201c mit einem Vorwort des ehemaligen und k\u00fcnftigen britischen Premierministers William Ewart Gladstone. Die englische, deutsche und amerikanische Ausgabe erscheinen gleichzeitig, die franz\u00f6sische folgt ein Jahr sp\u00e4ter. In den USA wird \u201eMykenae\u201c 1878 zum Buch des Jahres. 1880 ver\u00f6ffentlicht er \u201eIlios. Stadt und Land der Trojaner\u201c mit einem Vorwort von Rudolf Virchow in Leipzig, London und New York und beginnt den Text mit einer \u201eSelbstbiografie\u201c, in der er zahlreiche Legenden um seine Person rankt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"685\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/unnamed-39-1024x685.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5477\"\/><figcaption> Ehemaliges Wohnhaus Schliemanns in Athen. Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_Schliemann#\/media\/Datei:Deutsches_Arch%C3%A4ologisches_Institut_Athen_28.jpg <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1882 beginnt er seine sechste Grabungskampagne in Troja 1882 mit Hilfe\ndes Architekten Wilhelm D\u00f6rpfeld und wird Ehrenmitglied der Bayerischen\nAkademie der Wissenschaften, im Jahr darauf auch Ehrendoktor der Universit\u00e4t\nOxford. \u201eTroja. Ergebnisse meiner neuesten Ausgrabungen\u201c erscheint in Leipzig\nund London. 1884 wendet er sich gemeinsam mit D\u00f6rpfeld der Ausgrabung des\nPalasts auf der Burg von Tiryns zu, das Buch dazu ver\u00f6ffentlicht er im Jahr\ndarauf in Leipzig, Paris, London und New York. K\u00f6nigin Victoria verleiht ihm in\nLondon die \u201eGro\u00dfe Goldene Medaille f\u00fcr Kunst und Wissenschaft\u201c. 1888 nimmt Heinrich\nnach einer Nilreise gemeinsam mit Virchow auch Grabungen im \u00e4gyptischen Alexandria\nin Angriff, um vergebens das Grab Alexanders des Gro\u00dfen zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>1889 und 90 organisiert er zwei Trojakonferenzen in Hisarl\u0131k unter Beteiligung hochrangiger Gutachter sowie seines Kritikers B\u00f6tticher. Die Konferenzprotokolle verschaffen ihm volle Genugtuung, er beginnt eine erneute Grabungskampagne in Troja mit D\u00f6rpfeld und Virchow. Im April 1890 reist er mit Virchow durch die Troas zum Berg Ida, zu den Quellen des Skamander, und zieht sich eine Erk\u00e4ltung zu, in deren Folge er fast taub wird. Am 13. November unterzieht er sich einer Ohrenoperation in Halle\/Saale und verl\u00e4sst gegen den dringenden Rat des Arztes die Klinik vier Wochen sp\u00e4ter. Auf der R\u00fcckreise nach Athen stirbt er in Neapel an den Operationsfolgen. Sein Leichnam wird \u00fcberf\u00fchrt und im Januar zun\u00e4chst beigesetzt, bevor er 1892 im pr\u00e4chtigen, wiederum von Ziller entworfenen neoklassizistischen Mausoleum im Stile eines Heroentempels auf dem Ersten Friedhof von Athen seine endg\u00fcltige Ruhe findet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/unnamed-40.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5478\"\/><figcaption>Schliemann-Mausoleum auf dem &#8222;Ersten Athener Friedhof&#8220;. Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_Schliemann#\/media\/Datei:Schliemanngrab.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sein unbek\u00fcmmertes Vorgehen bei den ersten Grabungen in Hisarl\u0131k \u2013 er konnte sich auf keinerlei Vorbilder st\u00fctzen \u2013 hat Heinrich anfangs viel Kritik eingebracht. Dass er seine Methoden grundlegend ge\u00e4ndert hat, machte ihn neben D\u00f6rpfeld zu einem der Wegbereiter der Arch\u00e4ologie als Feldarbeit und der wissenschaftlich-methodischen Grabungstechnik, die bis dahin lediglich in der schatzsucherhaften Aushebung wertvoller Einzelobjekte bestand, nicht aber in der nun systematischen Freilegung eines Grabungsareals. Zu den von ihm eingef\u00fchrten neuen Forschungsmethoden geh\u00f6ren unter anderem die Voruntersuchung des Gel\u00e4ndes durch Sondagen (Suchgr\u00e4ben), die Beachtung der Stratigraphie (Schichtenfolge) sowie die Suche nach der Leitkeramik (\u201eLeitfossil\u201c) f\u00fcr die einzelnen Schichten. Auch die interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften wie Pal\u00e4ographie, Topographie und Chemie geht auf ihn zur\u00fcck. Zudem r\u00fcckten seine Berichte \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge zwischen Tiryns, Mykene und Kreta diese St\u00e4tten erst in das Bewusstsein der Geschichtswissenschaft, weshalb er heute als \u201eVater der mykenischen Arch\u00e4ologie\u201c anerkannt ist.  <\/p>\n\n\n\n<p>Heute tragen Schulen ebenso seinen Namen wie das Institut f\u00fcr Altertumswissenschaften der Universit\u00e4t Rostock, ein Asteroid und ein Mondkrater. Sein Elternhaus in Ankershagen beherbergt seit 1980 das Heinrich-Schliemann-Museum. 1990 gaben sowohl die DDR als auch die Deutsche Bundespost gemeinsam mit der griechischen Post ELTA eine Sondermarke aus Anlass von Schliemanns 100. Todestag aus. Schlecht erging es unterdessen seinem Schatz, um dessen R\u00fcckkehr nach Troja sich inzwischen die T\u00fcrkei bem\u00fcht: 1945 als Beutekunst in die Sowjetunion gebracht, wurde sein Aufenthalt geheim gehalten, erst 1993 best\u00e4tigt und seit 1996 in der st\u00e4ndigen Sammlung des Puschkin-Museums gezeigt. Im Schliemann-Saal des Museums f\u00fcr Vor- und Fr\u00fchgeschichte Berlin sind seit 2009 wichtige Teile als Kopie sowie die wenigen, von der Sowjetunion an die DDR sowie von Russland 1992 an Deutschland zur\u00fcckgegebenen Teile im Original ausgestellt. \u201eTalent bedeutet Energie und Ausdauer. Weiter nichts\u201c, schrieb Schliemann einst. Daran hielt er sich. Bis zuletzt. <\/p>\n\n\n\n<figure><iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D5397&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowtransparency=\"true\"><\/iframe><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Autodidakt entdeckte der gelernte Kaufmann Troja und ging als Pionier der Feldarch\u00e4ologie in die Geschichte ein: Heinrich Schliemann. 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