{"id":5501,"date":"2021-01-05T07:01:00","date_gmt":"2021-01-05T06:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5501"},"modified":"2020-12-31T20:03:42","modified_gmt":"2020-12-31T19:03:42","slug":"der-stubenhocker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5501","title":{"rendered":"Der Stubenhocker"},"content":{"rendered":"\n<p>Als er einmal in Deutschland eine\nRede hielt und aufgefordert wurde, Hochdeutsch zu sprechen, entgegnete er: \u201eIch\nkann nicht h\u00f6her!\u201c Ganz selbstverst\u00e4ndlich flossen in seine Texte Helvetismen\nein. Legend\u00e4r ist der Dialog zwischen Kaiser Romulus und Kammerdiener Pyramus\nim Theaterst\u00fcck <em>Romulus der Gro\u00dfe<\/em>,\nden er einf\u00fcgte, nachdem sich ein Schauspieler \u00fcber den Ausdruck \u201eMorgenessen\u201c\nstatt \u201eFr\u00fchst\u00fcck\u201c mokiert hatte. Als 1985 sein Roman <em>Justiz<\/em> im <em>Stern<\/em>\nvorabgedruckt wurde und man die Helvetismen aus dem Text strich, kam es sogar\nzum Prozess. Sp\u00e4testens damit erhielten sie die h\u00f6heren literarischen Weihen \u2013\nund fanden wie \u201eKondukteur\u201c oder \u201ePneu\u201c auch den Weg in den Duden, wo sie als\n\u201eschweizerische Variante\u201c gekennzeichnet sind: der Wortsch\u00f6pfer als\nSprachlehrer.<\/p>\n\n\n\n<p>Er bewegte sich ungern, sah sich\nselbst als Stubenhocker. Die allermeiste Zeit sa\u00df er nur in seinem\nArbeitszimmer und schrieb oder zeichnete. Ein Solit\u00e4r und Solodenker, der sich\nimmer \u00fcber die Frauengeschichten seines Kollegen und Freundes Max Frisch pikiert\nzeigte \u2013 aber auch selbst welche hatte. Der Suizidversuch seiner ersten Frau\nLotti nach einem dieser Seitenspr\u00fcnge nahm in mehr mit als er sich eingestehen\nwollte.&nbsp; Als sie, die ihm drei Kinder\ngebar, 1983 starb, st\u00fcrzt ihn der Tod in tiefe Verwirrung, er h\u00e4lt ihn auf\nkindliche Weise f\u00fcr einen b\u00f6sen \u201eStreich\u201c, den ihm Lotti gespielt hat, f\u00fcr eine\nArt b\u00f6swilliges Verlassen des gemeinsamen Ehestandes. Aus Ratlosigkeit,\nVerd\u00fcsterung und aus der Verfinsterung seiner Lebensumst\u00e4nde rettet er sich\n1984 durch die Ehe mit der Journalistin und Schauspielerin Charlotte Kerr. Die\nzweite Ehe wird zu einer Wiedergeburt des Autors. Ein neuer Alltag, neue\nBeziehungen und neue Einsichten l\u00f6sen einen Kreativschub aus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt \u2013 Kreativit\u00e4t. Ein D\u00f6rfler, gepr\u00e4gt von der Kindheit im Emmental, der sich schon dort als dicklicher Au\u00dfenseiter empfindet und von den Mitsch\u00fclern gepr\u00fcgelt wird. Seiner geordneten, kleinkarierten Wirklichkeit setzt er fr\u00fch, wild um sich malend und dichtend, die Eigenwelt seiner \u00fcberbordend monstr\u00f6sen, apokalyptischen Phantasie entgegen. Er f\u00fchlte sich als Kind oft eingesperrt in ein undurchschaubares Labyrinth, wie der Minotaurus, der nicht wei\u00df, was auf ihn zukommt \u2013 eines der wichtigen Motive des bildenden K\u00fcnstlers: \u201eZeichnen war f\u00fcr mich eine Abwehr, ein Umfunktionieren, ich konnte dann das irgendwie bildlich darstellen. Was hab ich gezeichnet? Ich habe immer Katastrophen gezeichnet, ich habe immer Kriege gezeichnet, ich hab immer Sintfluten gezeichnet.\u201c In guter Laune verewigt er sich als Erwachsener zeichnerisch sogar auf Weinflaschen &#8211; im Selbstportr\u00e4t als \u201eMinoromulus\u201c, als Mischwesen aus \u201eRomulus dem Gro\u00dfen\u201c und dem \u201eMinotaurus\u201c, das kr\u00e4ftig den Darm entleert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/sasasa-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5504\"\/><figcaption>Friedrich D\u00fcrrenmatt. Quelle: https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/media\/thumbs\/2\/2938e248734c84b4735632f46816485av1_max_755x425_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2.jpg?key=5e0170<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenig Verst\u00e4ndnis findet seine Welt\nbeim Vater, einem Pfarrer und Gelehrten. Beide Eltern, erinnert sich seine\nj\u00fcngere Schwester Verena, seien ausgepr\u00e4gte Pers\u00f6nlichkeiten gewesen, die ihre\nWelt gelebt haben, \u201ewir waren ja eigentlich drau\u00dfen und hatten unsere eigene zu\nentdecken\u201c. Die Rebellion gegen den Vater f\u00fchrt zeitweise zu einem \u201enebul\u00f6sen\nParteinehmen f\u00fcr Hitler\u201c, befindet sein Biograph Peter R\u00fcedi, dessen Aufstieg\nanfangs noch als Gegenkraft zum Kommunismus von beiden D\u00fcrrenmatts gemeinsam\nmit Sympathie verfolgt wird. Das \u00e4ndert sich beim Vater, der den F\u00fchrer des\nDritten Reiches zunehmend als Antichristen wahrnimmt, w\u00e4hrend der Sohn ihn als\n\u201eSchutz gegen die v\u00e4terliche Welt des Glaubens\u201c verwendet. Au\u00dferdem gef\u00e4llt er\nsich von Anbeginn in der Rolle des Au\u00dfenseiters und des provokanten\nB\u00fcrgerschrecks \u2013 laut R\u00fcedi war er germanophil, aber kein Nazi, und am Ende\nseines Lebens gar linksliberal: Friedrich Reinhold D\u00fcrrenmatt, der vor 100\nJahren, am 5. Januar 1921 im kleinen St\u00e4dtchen Konolfingen zur Welt kam.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weltver\u00e4nderer sind Narren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1935 zieht die Familie nach Bern,\nwo der Vater Pfarrer am Salemspital wird und Friedrich das Gymnasium besucht.\nDer Vater wollte, dass sein Sohn nach dem Abitur 1941 Theologie studiert, doch\nFriedrich hatte beschlossen, Maler zu werden. Doch zu einem Kunststudium kam es\nnie &#8211; seine magisch-surrealen Bilder stie\u00dfen auf Ablehnung: \u201eDas war eine Zeit,\nda ganz Bern impressionistisch malte; der Expressionismus existierte nicht\u201c. So\nbelegte er Theologie, Philosophie und Literatur; Homer und Aristophanes,\nKierkegaard und Kafka werden ihm wichtig. Zwischendurch setzt er das Studium in\nZ\u00fcrich fort, kehrt aber im Mai 1943 nach Bern zur\u00fcck, wo er auch noch\nPsychologie, National\u00f6konomie und Philosophie studiert. Parallel leistet er in\njener Zeit den milit\u00e4rischen Hilfsdienst ab und vor allem \u2013 er malt und schreibt:\nProsa, Lyrik, Dramatik, allesamt sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlicht. Der Gedanke an einen\nk\u00fcnstlerischen Beruf beherrscht ihn. In Bern wohnte er bei seinen Eltern in\neiner Mansarde, die er mit gro\u00dfen Wandbildern ausstattete, die sp\u00e4ter\n\u00fcbert\u00fcncht und erst Anfang der neunziger Jahre entdeckt, freigelegt, restauriert\nund zug\u00e4nglich gemacht wurden. <\/p>\n\n\n\n<p>Am 5. Januar 1945, als Hilfssoldat in einem Schweizer Grenzbataillon, f\u00e4llt er die Entscheidung, als Autor zu arbeiten, und bricht nach 10 Semestern das Studium ab, ohne seine geplante Dissertation zu S\u00f8ren Kierkegaard auch nur anzufangen. 1946 heiratet er Lotti und betritt 1947mit Get\u00f6se&nbsp; die B\u00fchne des Schauspielhauses Z\u00fcrich. Die Premiere seines turbulenten Wiedert\u00e4ufer-Spektakels <em>Es steht geschrieben<\/em> f\u00fchrt zu einem solchen Skandal, dass man sich in Z\u00fcrich f\u00fcr etliche Jahre an kein neues Werk des Szenen-Berserkers wagt. \u201eDie Welt rast dem Nichts entgegen, und Friedrich D\u00fcrrenmatt schreibt als Zeremonienmeister das Protokoll dazu\u201c, fasst Roman Bucheli in der <em>NZZ <\/em>die literarische Existenz D\u00fcrrenmatts zusammen. Zeitlebens hat D\u00fcrrenmatt weiter gezeichnet, oft bedauerte er auch, nicht Maler geworden zu sein. Er hatte auch au\u00dferhalb der Schweiz viele Ausstellungen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"402\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/sasasa-5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5505\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/sasasa-5.jpg 500w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/sasasa-5-300x241.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption> &#8222;Die Welt der Atlasse&#8220; (Ausschnitt, 1965 \u2013 1978). Quelle: https:\/\/www.duerrenmatt.net\/fukushima-h5n1-und-jimmy-carter-durrenmatts-chilling-words\/<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zuerst findet er im Theater seine\nBestimmung. Hier konnte er Bilder auf die B\u00fchne bringen und zugleich philosophische\nDenkmodelle mit handelnden Personen entwerfen. Mit 35 Jahren erlebte D\u00fcrrenmatt\nden Durchbruch. Die tragische Kom\u00f6die <em>Der\nBesuch der alten Dame<\/em> wurde 1956 ein Welterfolg. \u00dcberall verfolgten die\nZuschauer seine d\u00fcstere Spielanordnung: Was w\u00fcrde geschehen, wenn ein Mensch \u2013\nwie die alte Dame Claire Zachanassian \u2013 eine Milliarde f\u00fcr einen Mord b\u00f6te? Und\nwas, wenn die Formel zur Vernichtung der Welt in falsche H\u00e4nde geriete, wie in <em>Die Physiker<\/em>? Auch dieses St\u00fcck, das\n1962 uraufgef\u00fchrt wurde, nannte D\u00fcrrenmatt eine Kom\u00f6die, denn seiner\n\u00dcberzeugung nach konnten nur noch Kom\u00f6dien den grotesk-horrenden Zustand der\nWelt im Zeitalter der Atombombe abbilden: \u201eDas Kom\u00f6diantische ist meine\ndramaturgische, ich m\u00f6chte fast sagen, wissenschaftliche Methode, mit der ich\nmit den Menschen experimentiere, um Resultate zu erhalte, die mich allerdings\noft selber verbl\u00fcffen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kafka steht bei D\u00fcrrenmatt ebenso\nPate wie Wedekind und Nestroy. In seinen politischen Themen wurde er auch von\nBertolt Brecht inspiriert, aber anders als Brecht trieb D\u00fcrrenmatt seine Stoffe\nstets in die Groteske. D\u00fcrrenmatt l\u00e4sst die Zuschauer lachen \u2013&nbsp;und dann in\nden Abgrund blicken, der f\u00fcr ihn die Welt bedeutete. Seine Themen sind wahrlich\nnicht gem\u00fctlich: Prediger, Idealisten und zynische M\u00f6rder ringen in seinen\nTheaterst\u00fccken um Wahrheit und Macht. Seine Kriminalromane und H\u00f6rspiele\nhandeln von meist unges\u00fchnten Verbrechen, davon, wie man jemanden in einen Mord\nhineintreiben kann \u2013 oder in eine Schuld, wie in dem fr\u00fchen H\u00f6rspiel <em>Der Doppelg\u00e4nger<\/em>. F\u00fcr D\u00fcrrenmatt sind\nWeltver\u00e4nderer Narren, denn sie sind nicht nur ohne Erfolg, sondern auch der\nkleinste Zufall kann die menschlichen Bestimmungen zunichtemachen. Mit seiner\nliterarischen Darstellungsweise als ein Gegenbild zur Realit\u00e4t verfolgte er moralische\nZwecke, um die Menschen in ihrem Bewusstsein der Freiheit zu sensibilisieren. Einige\nseiner Theaterst\u00fccke wurden fest eingeplant in die Schullekt\u00fcre. Im <em>Portr\u00e4t eines Planeten<\/em> (1967) wird die\nWeltgeschichte zum Schlachthaus. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eBuhrufe statt Applaus\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie besteht der K\u00fcnstler in einer Welt der Bildung\u201c, fragt er listig, als er sich nach besserem Verdienst umtut. \u201eVielleicht am besten, indem er Kriminalromane schreibt, Kunst da tut, wo sie niemand vermutet.\u201c 1950 erscheint <em>Der Richter und sein Henker<\/em> als Fortsetzungsroman in <em>Der Schweizerische Beobachter<\/em> und erreicht bis heute eine weltweite Auflage von rund 7 Millionen Exemplaren. D\u00fcrrenmatts Themen auch der folgenden Kriminalromane sind die des ketzerischen Protestanten; es geht stets um Schuld und Verrat, die unm\u00f6gliche Gnade und die unm\u00f6gliche Gerechtigkeit auf Erden. Die Welt erscheint D\u00fcrrenmatt als Paradoxon, als Absurdum, als faszinierende Sinnlosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"309\" height=\"439\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/sasasa-6.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5507\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/sasasa-6.jpg 309w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/sasasa-6-211x300.jpg 211w\" sizes=\"(max-width: 309px) 100vw, 309px\" \/><figcaption>Filmplakat zur Adaption von &#8222;Das Versprechen&#8220;. Quelle: https:\/\/www.anankesreich.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/esgeschahamhellichtentag.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p> In den n\u00e4chsten Jahren publiziert\ner weitere Kriminalromane, die seinen Weltruhm mit begr\u00fcnden, etwa <em>Der Verdacht<\/em> (1953). Herausragend ist\ndabei <em>Das Versprechen<\/em> (1958). F\u00fcr\nR\u00fcedi ist das Buch, in dem ein pensionierter Kommissar einen von seiner Ehefrau\ntraumatisierten M\u00e4dchenm\u00f6rder sucht, der seine Opfer mit Schokolade anlockt, &nbsp;ein \u201eMeisterwerk \u00fcber den Zufall.\u201c Der Stoff\nwird noch im Erscheinungsjahr unter dem Titel <em>Es geschah am helllichten Tag<\/em> mit Heinz R\u00fchmann in der Rolle des\nKommissars Matth\u00e4i und Gert Fr\u00f6be als Triebt\u00e4ter Schrott verfilmt; Sean Penn\ndreht 2001 mit Jack Nicholson als Kommissar ein vielbeachtetes Remake. <\/p>\n\n\n\n<p>D\u00fcrrenmatt schrieb unerm\u00fcdlich\nweiter: <em>Frank der F\u00fcnfte<\/em> (1959), <em>Der Meteor<\/em> (1966), unternahm Reisen nach\nLondon, Mailand, Paris und Stockholm und erhielt zahlreiche Preise. So den\n\u201eH\u00f6rspielpreis der Kriegsblinden\u201c f\u00fcr <em>Die\nPanne<\/em> (1957), den \u201ePrix Italia\u201c f\u00fcr das H\u00f6rspiel <em>Abendstunde im Sp\u00e4therbst<\/em> (1958) und den Preis der Schillerstiftung\n. 1968 h\u00e4lt D\u00fcrrenmatt den \u201eMonstervortrag \u00fcber Gerechtigkeit und Recht\u201d in\nMainz, im selben Jahr bekommt er den Grillparzer-Preis. 1973 scheiterte\nFriedrich D\u00fcrrenmatt spektakul\u00e4r. F\u00fcr sein St\u00fcck \u201eDer Mitmacher\u201c gab es am\nZ\u00fcrcher Schauspielhaus Buhrufe statt Applaus. Mit dieser Niederlage begann f\u00fcr\nD\u00fcrrenmatt eine langsame Abkehr vom Theater und eine komplette Hinwendung zur\nProsa. <\/p>\n\n\n\n<p>Er beginnt mit der Arbeit an den <em>Stoffen<\/em> und versucht eine umfassende\nDarstellung der Geschichte seiner Schriftstellerei zu schaffen &#8211; ein Werk, das\nsich keiner g\u00e4ngigen Literaturgattung zuordnen l\u00e4sst: Teils Autobiografie,\nteils Erz\u00e4hlung, teils philosophische Reflexion. Es entstehen die Stoffe I \u2013\nIII (Labyrinth) und IV \u2013 IX (Turmbau). An dem Projekt arbeitet D\u00fcrrenmatt bis\nzu seinem Tod. Weitere erw\u00e4hnenswerte Werke sind unter anderem <em>Ein Engel kommt nach Babylon<\/em> (1954), <em>Herkules und der Stall des Augias<\/em>\n(1954), <em>Die Panne<\/em> (1956), <em>Frank der F\u00fcnfte. Oper einer Privatbank<\/em>\n(1960), <em>Der Mitmacher<\/em> (1976), <em>Durcheinandertal<\/em> (1989) oder <em>Midas oder die Schwarze Leinwand<\/em> (1991).\n<\/p>\n\n\n\n<p>Den inzwischen erworbenen Wohlstand wei\u00df er zu genie\u00dfen. Seine seit jeher bestehende Leidenschaft f\u00fcr Wein pflegt er nunmehr im gro\u00dfen Stil des Kenners. Es entsteht im Laufe der Jahre ein legend\u00e4rer Weinkeller, nachdem er f\u00fcr diesen Luxus durch den Bau seines zweiten Hauses (1965) im gro\u00dfen Luftschutzkeller Platz geschaffen hat. Schon fr\u00fch hat er sich mit Vorliebe an roten Bordeaux gehalten. Auch nach einer durchzechten Nacht war er sp\u00e4testens morgens um neun wieder an der Arbeit. Er hat auch die Auffassung vertreten, dass sein Diabetes, an dem er seit Jahrzehnten litt, und der Anf\u00e4lle von M\u00fcdigkeit und von Verstimmungen zu Folge hatte, f\u00fcr seine Arbeit f\u00f6rderlich sei. Er betrachtete die Krankheit als Widerstand, den er \u00fcberwinden musste.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/sasasa-7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5509\"\/><figcaption> D\u00fcrrenmatt widmete ihr \u00abDie Physiker\u00bb: Therese Giehse (vorne) als Irren\u00e4rztin. Urauff\u00fchrung im Schauspielhaus Z\u00fcrich 21.2.1962. Quelle: https:\/\/tageswoche.ch\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/imagescms-image-000040154-760&#215;427.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p> Seine Texte sind nicht Ausdruck seiner Pers\u00f6nlichkeit, wie bei den meisten Schriftstellern. Er ist ein Beobachter der Welt aus sicherer Distanz und h\u00e4lt dem Leser von dieser Welt das verzerrte Spiegelbild vor. Er war Ehrendoktor in den USA, Frankreich und Israel und ging mit seinen Kritikern nicht gerade sanft um. Selbst in seine Werke baute er Entgegnungen ein, etwa in der <em>Dichterd\u00e4mmerung<\/em> (1980), in der er unter anderem Hellmuth Karasek, Joachim Kaiser oder Marcel Reich-Ranicki abfertigte. Am 14. Dezember 1990 stirbt Friedrich D\u00fcrrenmatt an den Folgen eines Herzinfarkts in Neuenburg. 1998 hat der Diogenes Verlag eine auf 37 B\u00e4nde erweiterte Werkausgabe ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.dr-thomas-hartung.de%2F%3Fp%3D5501&amp;send=true&amp;layout=standard&amp;width=450&amp;show_faces=true&amp;action=like&amp;colorscheme=light&amp;font&amp;height=80\"scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px; height:80px;\" allowTransparency=\"true\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er galt als oberster Deutschlehrer der Schweiz und schuf einige der wirkm\u00e4chtigsten deutschsprachigen Kriminalstorys: Friedrich D\u00fcrrenmatt. Vor 100 Jahren wurde er geboren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5501"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5501"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5501\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5511,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5501\/revisions\/5511"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}