{"id":5643,"date":"2021-05-05T06:53:51","date_gmt":"2021-05-05T05:53:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5643"},"modified":"2021-04-27T09:05:21","modified_gmt":"2021-04-27T08:05:21","slug":"kein-ereignis-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5643","title":{"rendered":"\u201ekein Ereignis mehr\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>An ihm scheiden sich die Geister bis heute: War er\ngenialischer Kriegsherr und H\u00fcter des Erbes der Franz\u00f6sischen Revolution oder\nKriegsverbrecher und Knechter der V\u00f6lker? Die Geschichte seines Lebens zeichnet\nden fantastischen Weg eines verschrienen Insulaners zum m\u00e4chtigsten Mann\nEuropas. Sein Name steht f\u00fcr den Einzug der Moderne in Europa und zugleich f\u00fcr\ndas neue, totale Gesicht des Krieges: \u201eMan kann keinen Eierkuchen backen, ohne\nein paar Eier zu zerschlagen\u201c geh\u00f6rte zu seinen Weisheiten. Er soll mehr\nSchlachten gef\u00fchrt haben als Karl der Gro\u00dfe, Hannibal und C\u00e4sar zusammen:\nNapoleon Bonaparte. Am 5. Mai 1821 starb er im Exil auf St. Helena.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Napoleone Buonaparte kommt er am 15. August 1769 in\nAjaccio zur Welt, der Hauptstadt der Insel Korsika. Von zw\u00f6lf Geschwistern\nwerden sieben gro\u00df werden. Seine Familie stammt urspr\u00fcnglich aus Italien, seine\nEltern geh\u00f6ren dem niederen Adel an. Der Vater arbeitete als Advokat, Richter\nund als Sekret\u00e4r von Pascal Paoli, einem K\u00e4mpfer, der sich f\u00fcr die politische\nUnabh\u00e4ngigkeit Korsikas einsetzte. Der Freiheitsgedanke spielte dadurch schon\nin Napoleons Kindheit eine wichtige Rolle. Der Junge begann seine schulische\nAusbildung in der franz\u00f6sischen Stadt Autun und punktete dort vor allem in den\nF\u00e4chern Mathematik und Geschichte. Mit neun Jahren kann Napoleon dank eines\nk\u00f6niglichen Stipendiums f\u00fcr verarmte Adlige auf die Milit\u00e4rschule von Brienne\ngehen. Dort ist er der einzige Korse und wird wegen seines Insel-Akzents fr\u00fch\nvon seinen Mitsch\u00fclern ausgegrenzt. Rasch lernt er aber, sich durch\nmilit\u00e4risches Geschick Achtung zu verschaffen, und wurde aber aufgrund seiner\nF\u00e4higkeiten schnell zu einer der besten Milit\u00e4rschulen Frankreichs versetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>1785 verl\u00e4sst er das \u201e\u00c9cole royale militaire\u201c in Paris und beginnt seine Karriere beim Milit\u00e4r. Im gleichen Jahr starb sein Vater an Magenkrebs, und Napoleon \u00fcbernahm die Rolle des Familienoberhaupts. Er k\u00fcmmerte sich um seine Mutter und Geschwister. Um seine Mutter zu entlasten, nahm er seinen elfj\u00e4hrigen Bruder Louis zu sich und k\u00fcmmerte sich um dessen Erziehung. W\u00e4hrenddessen arbeitete er als Leutnant beim Milit\u00e4r. In seiner Freizeit las er viel, vor allem Literatur aus der Antike, aber auch Goethes \u201eWerter\u201c hat er verschlungen. Der Franz\u00f6sischen Revolution von 1789 verdankt Napoleon seine steile Karriere in der Armee: Er stand hinter dem Ziel des Aufstands unter dem Motto \u201eFreiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit\u201c gegen das strenge Regime Ludwigs XVI, wollte er doch, dass sein Heimatland Korsika endlich frei wird und die B\u00fcrger ihr verarmtes Land wieder aufbauen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"614\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Napo-614x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5646\"\/><figcaption>Napoleon. Quelle: Von Jacques-Louis David &#8211; zQEbF0AA9NhCXQ at Google Cultural Institute maximum zoom level, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=22174172 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als er 1793 erfolgreich die Artillerie der\nRevolutionstruppen in der Schlacht um Toulon gegen die k\u00f6nigstreuen Royalisten\nf\u00fchrt, wird er zum Brigadegeneral bef\u00f6rdert. Doch die universalistischen\nPrinzipien der Franz\u00f6sischen Revolution hatten nun mal eine kolonialistische\nKehrseite. Offenkundig wurde dies w\u00e4hrend der Invasion auf dem Gebiet des\nheutigen Haiti. In der dortigen franz\u00f6sischen Kolonie hatten sich die Sklaven\nim Jahr 1791 befreit. Bonaparte schickte seinen Schwager Charles Leclerc mit\n25.000 Soldaten auf die Insel, um die Revolution zu brechen \u2013 was misslang.\nZudem lie\u00df Bonaparte in allen franz\u00f6sischen Kolonien die Sklaverei\nwiedereinf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eEin Naturereignis\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dann der Durchbruch: 1796 f\u00fchrt Napoleon den Italienfeldzug.\nDer Sieg gegen \u00d6sterreich und die Besetzung Belgiens, der Lombardei und des\nRheinufers ebnen ihm den Weg an die Spitze der Macht. Zugleich gelingt ihm der\nAufstieg in der franz\u00f6sischen Gesellschaft: Er heiratet er die h\u00f6hergestellte\nJos\u00e9phine de Beauharnais, nachdem er eine ungl\u00fcckliche Romanze mit D\u00e9sir\u00e9e\nClary hatte, der sp\u00e4teren K\u00f6nigin von Schweden, und sie mit dem autobiographisch\ngef\u00e4rbten Roman \u201eClisson et Eug\u00e9nie\u201c bew\u00e4ltigen wollte, der \u00fcber das Entwurfsstadium\naber nicht hinauskam. <\/p>\n\n\n\n<p>1798 bricht er auf Befehl der Revolutionsregierung zur \u201e\u00c4gyptischen\nExpedition\u201c auf. Dieser Feldzug an den Nil wird zum Triumph: Napoleon erreicht\nnicht nur die Losl\u00f6sung \u00c4gyptens vom Osmanischen Reich, er verursacht mit dem\nFeldzug auch einen kulturellen Boom \u2013 das Interesse am \u00c4gypten der Pharaonen lebt\nwieder auf. Den moralischen Tiefpunkt des Feldzugs stellte 1799 die Belagerung\nder osmanischen Stadt Jaffa dar, bei der Napoleon mehrere Tausend Gefangene\nmassakrieren lie\u00df. Christian Morgenstern kommentierte: \u201eNapoleon war ein\nNaturereignis. Ihn einen gro\u00dfen Schl\u00e4chter schm\u00e4hen hei\u00dft nichts anderes, als\nein Erdbeben groben Unfug schelten oder ein Gewitter \u00f6ffentliche Ruhest\u00f6rung.\u201c Seine\ngro\u00dfe Popularit\u00e4t in der Armee und im Volk verhilft ihm 1799 zum Sturz der\nRevolutionsregierung. Am 13. Dezember l\u00e4sst er sich f\u00fcr zehn Jahre zum obersten\nvon drei Konsuln w\u00e4hlen und hat praktisch nun die alleinige Macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Er zentralisiert das junge nachrevolution\u00e4re Staatsgef\u00fcge Frankreichs und veranlasst Reformen in der Justiz, im Milit\u00e4r und in der Bildung. 1804 ver\u00f6ffentlicht er den \u201eCode civil\u201c, das erste b\u00fcrgerliche Gesetzbuch Frankreichs. Zentrale Freiheitsgedanken der Revolution gie\u00dft Napoleon damit in eine bis heute g\u00fcltige Gesetzesform. Seine Kriegsz\u00fcge sp\u00fclen Geld in die Staatskassen, er kann den franz\u00f6sischen Haushalt sanieren. Nachdem er sich 1802 schon zum Konsul auf Lebenszeit hat ernennen lassen, folgt 1804 die Kr\u00f6nung zum Kaiser von Frankreich. Dabei wagt Napoleon den Eklat: In der Pariser Kathedrale Notre Dame entrei\u00dft er Papst Pius VII. die Krone und kr\u00f6nt sich kurzerhand selbst. Das war die letzte Konsequenz einer besonderen Form der Politik, die keineswegs zur G\u00e4nze vergangen ist: das von oben angeordnete Plebiszit, das den charismatischen F\u00fchrer best\u00e4tigt. Napoleon hat sich seiner in vier Situationen bedient, in denen er seine Macht sprunghaft ausweiten wollte, etwa als er 1802 \u00fcber sein lebenslanges Konsulat abstimmen lie\u00df oder 1804, als er nach der Erblichkeit der Kaiserw\u00fcrde fragte. Der \u201eBonapartismus\u201c war geboren, eine Diktatur mit plebiszit\u00e4ren Elementen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"443\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Napo-1-1024x443.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5647\"\/><figcaption>Die Schlacht bei den Pyramiden. Quelle: Von Louis-Fran\u00e7ois Lejeune &#8211; histoire-image.org. Voir aussi : Collections du ch\u00e2teau de Versailles, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=153767<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Getrieben vom Willen, wie sein Vorbild Karl der Gro\u00dfe\nHerrscher Europas zu sein, f\u00fchrt er als Kaiser Napoleon I. seine aggressive\nExpansionspolitik fort. Er erobert Italien und Holland und setzt seine Br\u00fcder\nals K\u00f6nige der Vasallenstaaten ein. In den eroberten Gebieten, besonders auf\ndeutschem Boden, ordnet er drastische Gebiets- und Rechtsreformen an. Seinen\ngr\u00f6\u00dften milit\u00e4rischen Erfolg feiert Napoleon 1805 bei der \u201eDreikaiserschlacht\u201c\nvon Austerlitz. Dort schl\u00e4gt er \u00d6sterreich und Russland. Der Friedensvertrag\nvon Pressburg versetzt dem schon lange angez\u00e4hlten Heiligen R\u00f6mischen Reich\nDeutscher Nation den Todessto\u00df. Er war ab 1805 auch K\u00f6nig von Italien und bis 1813\nProtektor des Rheinbundes.<\/p>\n\n\n\n<p>Der war am 16. Juli 1806 aus anfangs 16 L\u00e4ndern gegr\u00fcndet\nworden mit der Pflicht zur milit\u00e4rischen Unterst\u00fctzung Frankreichs und zum\nAustritt aus dem Heiligen R\u00f6mischen Reich. Daraufhin legte Franz II. die\nKaiserkrone nieder. Bereits 1808 hin geh\u00f6rten fast alle deutschen Staaten au\u00dfer\n\u00d6sterreich und Preu\u00dfen zu diesem \u201eDritten Deutschland\u201c. Umfangreiche\nZentralisierung des Staatswesens nach franz\u00f6sischem Vorbild \u2013 im oft noch\nst\u00e4ndisch organisierten \u201eFlickenteppich\u201c Deutschland \u2013 ging mit der Einf\u00fchrung\nvon Prinzipien der Franz\u00f6sischen Revolution, wie Gleichheit, Eigentumsrechte\nund dergleichen, aber auch mit der Reform des Agrar-, Bildungs-, Wirtschafts-,\nSteuer- und Finanzwesens einher.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eein Haufen Schei\u00dfe\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Feldherr besticht Napoleon durch die Schnelligkeit seiner Entscheidungen und die milit\u00e4rische Aufkl\u00e4rung \u00fcber den Feind. Seine Sp\u00e4her besorgen Informationen \u00fcber die gegnerischen Pl\u00e4ne aus allen m\u00f6glichen Quellen. Noch am Vorabend der Schlacht von Austerlitz \u00e4ndert er seine Strategie komplett \u2013 mit Erfolg. Seit Austerlitz genie\u00dft seine Armee einen legend\u00e4ren Ruf. Mit raschen Angriffskriegen bringt er eine neue Kriegsphilosophie auf. Seine Kriege sind total, sie stellen die Existenz ganzer Staaten in Frage und mobilisieren ganze V\u00f6lker. Napoleons Zeitgenosse Carl von Clausewitz schreibt 1812: \u201eNun hatten die Mittel, welche aufgewandt, die Anstrengungen, welche aufgeboten werden konnten, keine bestimmte Grenze mehr; die Energie, mit welcher der Krieg selbst gef\u00fchrt werden konnte, hatte kein Gegengewicht mehr, und folglich war die Gefahr f\u00fcr den Gegner die \u00e4u\u00dferste.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Napo-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5648\"\/><figcaption>Huldigung der Rheinbund-F\u00fcrsten. Quelle: Von Charles Etienne Pierre Motte &#8211; http:\/\/talleyrand.slub-dresden.de\/detail_09_03b.html, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=2980899<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit der sogenannten Kontinentalsperre schafft Napoleon sogar\neine neue Kriegsform: den Wirtschaftskrieg. Um Gro\u00dfbritannien in die Knie zu\nzwingen, verh\u00e4ngt er 1806 einen radikalen Importstopp f\u00fcr s\u00e4mtliche G\u00fcter der\nbritischen Insel und ihrer Kolonien. Nachdem Preu\u00dfen mit Russland ein geheimes\nB\u00fcndnis geschlossen hatte, wurde er am 26. August 1806 ultimativ aufgefordert,\nunter anderem seine Truppen hinter den Rhein zur\u00fcckzuziehen. Dies betrachtete\nBonaparte als Kriegserkl\u00e4rung und stie\u00df im Oktober 1806 mit seinen Truppen vom\nMain aus durch Th\u00fcringen auf die preu\u00dfische Hauptstadt Berlin vor. Die in der\nSchlacht bei Jena und Auerstedt geschlagene preu\u00dfische Armee l\u00f6ste sich in den\nfolgenden Wochen nahezu auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 7. Juli 1807 ist Napoleon auf der H\u00f6he seiner Macht: Im\nFrieden von Tilsit schn\u00fcrt er ein B\u00fcndnis mit Russlands Zar Alexander I. Alle\nGebiete westlich der Elbe gingen verloren und wurden Grundlage f\u00fcr das neue\nK\u00f6nigreich Westphalen. Die von Preu\u00dfen bei den Teilungen Polens 1793 und 1795\neinverleibten Gebiete wurden zum Herzogtum Warschau erhoben. Insgesamt verlor\nPreu\u00dfen etwa die H\u00e4lfte seines bisherigen Territoriums, musste zudem noch hohe Kontributionen\nzahlen und durfte nur noch in einem beschr\u00e4nkten Umfang eine Armee unterhalten.\nVom S\u00fcdzipfel Spaniens bis zum \u00f6stlichsten Ende Polens reicht nun Napoleons Einflussgebiet.\nEr will einen Thronfolger und l\u00e4sst daher 1809 die kinderlose Ehe mit Jos\u00e9phine\nscheiden. Zur neuen Frau nimmt er die \u00f6sterreichische Kaisertochter Marie\nLouise. Mit ihr bekommt er 1811 seinen einzigen legitimen Sohn, Napoleon II.\nAllerdings hatte er mindestens zwei, nach manchen Biographen gar sechs\nuneheliche Kinder mit verschiedenen M\u00e4tressen.<\/p>\n\n\n\n<p>Frankreichs Kaiser dr\u00e4ngt es nach mehr Macht. Nach seinem\nVerst\u00e4ndnis f\u00fchrt er Krieg, um anderen Nationen Vernunft und Freiheitsliebe\nbeizubringen, und schl\u00e4gt die Warnung seines wichtigsten Au\u00dfenpolitikers,\nAu\u00dfenminister Talleyrand, in den Wind, ein derartiges Vorhaben sei das beste\nMittel, \u201eden Freiheitsgedanken verhasst zu machen und seinen Triumph zu\nverhindern\u201c. Legend\u00e4r ist der Zusammenprall der beiden im Januar 1809, nachdem\nTalleyrand wieder einmal versucht hat, Napoleon auszutricksen. \u201eSie sind ein\nHaufen Schei\u00dfe in Seidenstr\u00fcmpfen\u201c, p\u00f6belt der Kaiser. Sein Minister verneigt\nsich. Es gibt viele solcher Anekdoten. Dessen ungeachtet bricht Napoleon 1812 mit\ndem russischen Zaren und marschiert auf Moskau zu. Der Russland-Feldzug, zu dem\ner Armeen aus nahezu allen Teilen seines Einflussbereichs mobilisiert, wird\nNapoleons Desaster. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eMarmor, woraus man\nG\u00f6tter macht\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Schlacht von Borodino konnte er zwar gewinnen, aber sie wurde zur verlustreichsten Auseinandersetzung der napoleonischen Kriege \u00fcberhaupt: etwa 45.000 Tote oder Verwundete auf russischer Seite und 28.000 auf franz\u00f6sischer Seite waren zu beklagen. Erst im Ersten Weltkrieg gab es noch h\u00f6here Opferzahlen an einem einzigen Tag. Napoleon ist nun in der Defensive. Russland verb\u00fcndet sich erfolgreich mit Preu\u00dfen und \u00d6sterreich. Napoleon verliert schlie\u00dflich die Leipziger \u201eV\u00f6lkerschlacht\u201c vom 16. bis 19. Oktober 1813. Die alliierten Truppen jagten ihn weiter und nahmen nach der Schlacht bei Paris am 31. M\u00e4rz 1814 die Hauptstadt ein. Der Kaiser verlor daraufhin jegliche Unterst\u00fctzung der Armee, der Politik und selbst enger Getreuer. Am 2. April 1814 sprach der Senat die Absetzung des Kaisers aus. Am 6. April dankte er zu Gunsten seines Sohnes ab. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Napo-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5650\"\/><figcaption>Napoelons R\u00fcckzug aus Ru\u00dfland. Quelle: Von Adolph Northen &#8211; [1][2], Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=298121<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Damit waren die Alliierten nicht einverstanden. Sie\nverlangten vom Kaiser, bedingungslos abzudanken und boten den Vertrag vom 11.\nApril 1814 zur Unterschrift an. Diese Offerte unterschrieb Napoleon unter dem\nDatum vom 12. April, nachdem er in der Nacht vom 12. auf den 13. April einen\nSuizidversuch unternommen haben soll. Ihm wurde die Insel Elba als Wohnsitz\nzugewiesen und einzig der Kaisertitel belassen. Doch durch ein Netz von Agenten\nwusste er genau, dass es in Frankreich nach der Restauration unter Ludwig\nXVIII. eine weit verbreitete Unzufriedenheit gab. Ermutigt von diesen Meldungen\nkehrte Napoleon am 1. M\u00e4rz 1815 nach Frankreich zur\u00fcck. Die Soldaten des 5e\nr\u00e9giment d\u2019infanterie, die ihn h\u00e4tten aufhalten sollen, liefen zu ihm \u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gelingt ihm, eine gut ausger\u00fcstete Armee von 125.000\nerfahrenen Soldaten auszuheben. Er lie\u00df eine provisorische Regierung unter\nMarschall Davout in Paris zur\u00fcck und marschierte gegen die Allianz. Wie gewohnt\nplante Bonaparte, die Gegner nacheinander zu schlagen. Anfangs gelang es ihm\nbei Charleroi, einen Keil zwischen die britische Armee unter Wellington und die\npreu\u00dfischen Truppen unter Bl\u00fccher zu treiben. Am 16. Juni schlug er die\nVerb\u00fcndeten in der Schlacht bei Quatre-Bras und der bei Ligny. Am 18. Juni\ngriff Napoleon die alliierte Armee von Wellington nahe dem belgischen Ort\nWaterloo an. Wellington gelang es, die g\u00fcnstige Stellung gegen alle\nfranz\u00f6sischen Angriffe im Wesentlichen zu halten: Der Ruf \u201eIch wollte, es w\u00e4re\nNacht oder die Preu\u00dfen k\u00e4men\u201c, wird ihm zugeschrieben. Die preu\u00dfischen Truppen\nunter Marschall Bl\u00fccher trafen rechtzeitig ein, Napoleon wurde geschlagen.\nDamit war die \u201eHundert-Tage-Herrschaft\u201c vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Briten verbannen ihn auf die englische Insel St. Helena, mitten in den S\u00fcdatlantik. Dort stirbt Napoleon am 5. Mai 1821, vermutlich wie sein Vater an Magenkrebs. Andere Vermutungen zur Todesursache sind weitgehend vom Tisch, darunter die einer Arsenvergiftung durch die arsenhaltige Farbe (Schweinfurter Gr\u00fcn) in seinen Tapeten. 1840 lassen die Franzosen seine Gebeine in einem Prunksarg unter der Kuppel des Pariser Invalidendoms aufbahren. Laut Totenschein soll Napoleon 1,66 Meter gemessen haben. \u201eNapoleon-Komplex\u201c nannte der \u00f6sterreichische Psychotherapeut Alfred Adler prompt das Verhalten, wenn Menschen ihre geringe K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe durch Erfolge und Statussymbole kompensieren wollen.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Napo-4-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5653\"\/><figcaption>Napoleons Sarkophag, Krypta des Invalidendoms, Paris. Quelle: Von Thesupermat &#8211; Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=15531310<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach seinem Tod beginnt die Auseinandersetzung um die Bedeutung Napoleons f\u00fcr die Nachwelt. Talleyrand beurteilte die Nachricht vom Ableben seines ehemaligen Kaisers lakonisch: \u201eEs ist nur noch eine Neuigkeit, aber kein Ereignis mehr.\u201c Heinrich Heine schrieb: \u201eNapoleon ist nicht von dem Holz, woraus man K\u00f6nige schnitzt \u2013 er ist von jenem Marmor, woraus man G\u00f6tter macht.\u201c Der romantische Schriftsteller und Diplomat Chateaubriand bemerkt, nun habe \u201eder m\u00e4chtigste Lebensodem, der jemals menschlichen Lehm beseelt hat\u201c aufgeh\u00f6rt zu atmen. Seit 1908 tauchte die Figur des Napoleon in mehr als 300 Spielfilmen oder TV-Produktionen auf. Damit z\u00e4hlt er neben Hitler zu den historischen Pers\u00f6nlichkeiten, die am h\u00e4ufigsten in Filmen zu sehen sind. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriegsgenie oder Kriegsverbrecher, Volksdiktator oder Monarch, Befreier oder Besatzer \u2013 Frankreichs Kaiser Napoleon ruft immer noch ambivalente Wertungen hervor. Vor 200 Jahren starb er.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5643"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5643"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5643\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5654,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5643\/revisions\/5654"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}