{"id":5781,"date":"2021-08-21T06:34:28","date_gmt":"2021-08-21T05:34:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5781"},"modified":"2021-06-25T13:34:57","modified_gmt":"2021-06-25T12:34:57","slug":"frueher-war-mehr-lametta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5781","title":{"rendered":"\u201eFr\u00fcher war mehr Lametta\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Die eigentlich massentauglich erdachte Idee war auch online\ngut: der 1. Mopslauf des VfL Brandenburg Anfang April. Dabei sollten Kinder,\nJugendliche, Rentner, ja ganze Familien alle 27 in den vergangenen Jahren \u201eausgewilderten\nWaldm\u00f6pse\u201c (sprich aufgestellten Bronzem\u00f6pse) in einem sieben Kilometer langen\nParcours erlaufen, denn: \u201eEin Leben ohne M\u00f6pse ist m\u00f6glich, aber sinnlos\u201c, wie\nder aus der Havelstadt stammende deutsche Jahrhunderthumorist wusste. Dabei war\ner Werbung zeitlebens abgeneigt. Als ihn der Macher der <em>FAZ<\/em>-Kampagne \u201eDahinter steckt immer ein kluger Kopf\u201c, Sebastian Turner,\num eine Mitwirkung anfragte, winkte er ab. Turners Idee: Wenn er keine Werbung\nf\u00fcr ein Produkt mache, warum dann nicht dagegen? Er willigte ein. Das Motiv\nzeigt ihn auf einem Sofa liegend, eingeschlafen, die <em>FAZ<\/em> \u00fcber dem Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Alleinerbinnen lehnten auch gegen jede Art Promotion mit ihm ab. Eine Firma vertrieb T-Shirts mit dem Satz \u201eFr\u00fcher war mehr Lametta\u201c; dagegen gingen sie vor. Schon das Landgericht M\u00fcnchen hatte eine einstweilige Verf\u00fcgung gegen den Hersteller zur\u00fcckgewiesen, die n\u00e4chste Instanz diesen Beschluss nun best\u00e4tigt. Seine Besonderheit und Originalit\u00e4t erfahre der Satz durch die \u201eEinbettung in den Fernsehsketch \u201aWeihnachten bei den Hoppenstedts\u2018 und die Situationskomik\u201c. Blende man dies aus, handle es sich um einen \u201eeher allt\u00e4glichen und belanglosen Satz\u201c. Die Entscheidung ist rechtskr\u00e4ftig. Anders sah das mit seinen Kreationen aus: Ab Mitte der 1950er Jahre war er etwa f\u00fcr Paderborner Bier, Agfa, den Weinbrand Scharlachberg (\u201eNimm\u2019s leicht\u201c) und die Tabakmarke Stanwell (\u201eDrei Dinge braucht der Mann\u201c) aktiv. In Anzeigen und Trickfilmspots kamen seine Knollennasenm\u00e4nnchen zum Einsatz und gewannen mehr und mehr an Popularit\u00e4t. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Loriot.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5782\"\/><figcaption>Loriot. Quelle: Von Philipp von Ostau &#8211; Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=17816304<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Manche Dialoge\ngingen nicht nur in die deutsche Medien-, sondern auch Sozialgeschichte ein,\netwa die Fr\u00fchst\u00fccksepisode \u201eDas Ei ist hart\u201c, die die Bundespost mit einer\neigenen Briefmarke adelte:<\/p>\n\n\n\n<p>Sie: \u201eIch\nnehme es nach viereinhalb Minuten heraus, mein Gott.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Er: \u201eNach\nder Uhr oder wie?\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Sie: \u201eNach\nGef\u00fchl. Eine Hausfrau hat das im Gef\u00fchl.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Er: \u201eAber es\nist hart. Vielleicht stimmt da mit deinem Gef\u00fchl was nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sketch von 1977 schloss mit\nden ebenfalls legend\u00e4ren S\u00e4tzen: \u201eIch bringe sie um. Morgen bringe ich sie um.\u201c\nDer geniale Sch\u00f6pfer dieser und vieler anderer Szenen, der freischaffende\nZeichner, Autor, Regisseur, Moderator, Kost\u00fcm- und B\u00fchnenbildner sowie\nSchauspieler Bernhard-Viktor Christoph Carl \u201eVicco\u201c von B\u00fclow, der sich nach\ndem Wappentier seiner Familie, dem franz\u00f6sischen Wort f\u00fcr Pirol, seit ca. 1950\n\u201eLoriot\u201c nannte, starb am 22. August 2011 in Ammerland bei Bad T\u00f6lz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eseit Jahren t\u00e4glich eine Flasche Wein\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Familie, ein altes\nmecklenburgisches Adelsgeschlecht mit gleichnamigem Stammhaus im Dorf B\u00fclow bei\nRehna, beginnt mit Godofridus de Bulowe (1229); der Name wird erstmals bei der Grundsteinlegung\ndes Ratzeburger Doms 1154 urkundlich erw\u00e4hnt. Zu seinen Verwandten z\u00e4hlt Reichskanzler\nBernhard von B\u00fclow. Geboren am 12. November 1923 als Sohn eines\nPolizeileutnants, lassen sich seine Eltern schon 1928 scheiden, so dass Vicco\nmit seinem ein Jahr j\u00fcngeren Bruder bei Gro\u00dfmutter und Urgro\u00dfmutter in Berlin\nund ab 1933 wieder beim erneut verheirateten Vater aufw\u00e4chst und bis 1938 das\nSchadow-Gymnasium in Berlin-Zehlendorf besucht. Schon zu Schulzeiten war sein zeichnerisches\nTalent aufgefallen. Die Gro\u00dfmutter spielte ihm Mozart, Puccini und Bach auf dem\nKlavier vor, was seine Pr\u00e4gung f\u00fcr klassische Musik bef\u00f6rdert. Die Familie zog\ndann nach Stuttgart, wo er das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium 1941 mit Notabitur\nverlie\u00df. Hier sammelte er auch erste Erfahrungen als Statist in Oper und\nSchauspiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfen begann er eine Offizierslaufbahn, war drei Jahre mit der 3. Panzer-Division an der Ostfront im Einsatz, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und erreichte den Dienstgrad Oberleutnant. Sein j\u00fcngerer Bruder fiel im M\u00e4rz 1945 im Oderbruch. Auf die Frage, ob er ein guter Soldat gewesen sei, antwortete er in einem Interview: \u201eNicht gut genug, sonst h\u00e4tte ich am 20. Juli 1944 zum Widerstand geh\u00f6rt. Aber f\u00fcr den schauerlichen deutschen Beitrag zur Weltgeschichte werde ich mich sch\u00e4men bis an mein Lebensende.\u201c Nach dem Krieg arbeitete er nach eigener Schilderung f\u00fcr etwa ein Jahr als Holzf\u00e4ller im Solling, um sich Lebensmittelkarten zu verdienen 1946 vervollst\u00e4ndigte er in Northeim das Notabitur und studierte auf Anraten seines Vaters bis 1949 Malerei und Grafik an der Kunstakademie in Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"727\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Loriot-1-1024x727.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5783\"\/><figcaption>Einer der Waldm\u00f6pse in Brandenburg. Quelle: Von Asio otus &#8211; Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=47249877<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Von 1950 an war er sowohl als\nselbst\u00e4ndiger Werbegrafiker als auch als Cartoonist f\u00fcr das Hamburger Magazin <em>Die Stra\u00dfe<\/em> t\u00e4tig. Er war ab 1951\nverheiratet mit der Hamburger Kaufmannstochter Romi, einer ehemaligen\nModesch\u00fclerin, und wurde Vater zweier T\u00f6chter&nbsp;Bettina und\nSusanne.&nbsp;Eine erste Comic-Serie \u201eAuf den Hund gekommen\u201c f\u00fcr den <em>Stern<\/em> beendet Chefredakteur Henri Nannen\nnach sieben Folgen: \u201eIch will den Kerl nie wieder im Stern sehen!\u201c Umso\nerfolgreicher wurde er sp\u00e4ter f\u00fcr die Kinder-Ausgabe <em>Sternchen<\/em>, f\u00fcr die er ab 1953 \u201eReinhold das Nashorn\u201c zeichnete \u2013 17\nJahre lang. 1954 fand der missgl\u00fcckte Zeitschriftenstart doch noch ein\nHappy-Ende: Loriot sandte die Zeichnungen auf Anraten einer Bekannten dem\nSchweizer Daniel Keel, der 1952 den Diogenes Verlag gegr\u00fcndet hatte und 44 der\n\u201elieblosen Zeichnungen\u201c ver\u00f6ffentlichte. So begann eine lebenslange\nZusammenarbeit; Loriot publizierte fortan fast ausschlie\u00dflich bei Keel.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Kooperation mit dem\nMartens-Verlag (<em>Weltbild<\/em>, <em>Quick<\/em>) endete 1961 auch im Unfrieden:\nB\u00fclow hatte in der 100. Folge seiner Kolumne <em>Der ganz offene Brief<\/em> den\nZorn von Winzern und Weinh\u00e4ndlern auf sich gezogen, obwohl er \u201eseit Jahren\nt\u00e4glich eine Flasche Wein leere\u201c. Er nahm inzwischen auch kleinere Rollen als\nSchauspieler an, etwa in Bernhard Wickis Filmen \u201eDie Br\u00fccke\u201c (1959) und \u201eDas\nWunder des Malachias\u201c (1961). 1962 gestaltete er das Titelblatt der ersten\nAusgabe der Satirezeitschrift <em>pardon<\/em>\nund zog ein Jahr sp\u00e4ter nach Ammerland, das ihn sp\u00e4ter zum Ehrenb\u00fcrger machen\nsollte. 1967 begann dann seine Arbeit f\u00fcrs Fernsehen. F\u00fcr Serien wie\n\u201eTelekabinett\u201c, \u201eCartoon\u201c und \u201eLoriot I bis VI\u201c, beim S\u00fcdwestfunk und bei Radio\nBremen entstanden, sollte Loriot urspr\u00fcnglich nur die Sketche schreiben &#8211; vom\nSpielen war keine Rede. Bis sich herausstellte, dass f\u00fcr Profi-Akteure kein\nGeld da war: \u201eDann machen Sie es doch selbst.\u201c Er machte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eNa warte\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1971 schuf er mit dem Zeichentrick-Hund Wum ein Maskottchen f\u00fcr die \u201eAktion Sorgenkind\u201c in der <em>ZDF<\/em>-Quizshow \u201eDrei mal Neun\u201c, dem er anfangs selbst auch die Stimme lieh. Zu Anfang noch der treue Freund eines M\u00e4nnchens, des eigentlichen Maskottchens, stahl er dem jedoch mehr und mehr die Show und verdr\u00e4ngte es schlie\u00dflich v\u00f6llig. Zu Weihnachten 1972 wurde Wum dann zum Gesangsstar: Mit dem Titel \u201eIch w\u00fcnsch\u2019 mir \u2019ne kleine Miezekatze\u201c mit von B\u00fclows Sprechgesang belegte er f\u00fcr neun Wochen die Spitze der deutschen Hitparade. Wum blieb auch in der Nachfolgesendung \u201eDer Gro\u00dfe Preis\u201c bis in die 1990er Jahre hinein als Pausenf\u00fcller erhalten, bald schon als Duo zusammen mit dem Elefanten Wendelin und sp\u00e4ter dem au\u00dferirdischen Blauen Klaus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"673\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Loriot-2-1024x673.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5785\"\/><figcaption>Wum und sein Sch\u00f6pfer. Quelle: https:\/\/cdn1.stuttgarter-zeitung.de\/media.media.62745e47-0a7b-4d12-8c19-8ed16935b852.original1024.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1976 entstand mit <em>Loriots sauberer Bildschirm<\/em> die erste\nFolge der sechsteiligen Personality-Serie \u201eLoriot\u201c bei <em>Radio Bremen<\/em>, in der er sowohl Zeichentrickfilme als auch Sketche\npr\u00e4sentierte. Die Serie mit k\u00f6stlicher bis absurder Situationskomik wie \u201eHerren\nim Bad\u201c, \u201eAuf der Rennbahn\u201c oder \u201eWeihnachten bei Hoppenstedts\u201c gilt als\nH\u00f6hepunkt seines Fernsehschaffens und machte ihn zu einem festen Bestandteil\ndeutscher Fernseh-, Literatur-, Kultur- und Sozialgeschichte. Dabei geht es oft\num die \u201eT\u00fccke des Objekts\u201c, noch h\u00e4ufiger aber um Kommunikationsst\u00f6rungen,\nzumal zwischen Frau und Mann, die aneinander vorbeireden. Einige Erfindungen\nund Formulierungen Loriots wurden im deutschen Sprachraum Allgemeingut, etwa\ndas Jodeldiplom oder die Steinlaus, die sogar mit einem Eintrag im Pschyrembel,\ndem alphabetischen Verzeichnis der gebr\u00e4uchlichsten und wichtigsten Begriffe\nder Medizin, vertreten ist; aber auch S\u00e4tze wie \u201eDa hab\u2019 ich was Eigenes\u201c, \u201eDas\nist fein beobachtet\u201c, \u201eDas Bild h\u00e4ngt schief!\u201c oder \u201eFrauen haben auch ihr\nGutes\u201c. Auffallend ist, neben gekonnt eingesetzten schl\u00fcpfrigen Akzenten, der meisterhafte\nGebrauch der deutschen Sprache. 1978 auf seinen Wunsch eingestellt, werden viele\nSketche der Reihe bis heute wiederholt.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Sketchpartnerin Evelyn Hamann entsprach anfangs gar nicht seiner Idealvorstellung: Eigentlich war er auf der Suche nach einer \u201ekleinen, blonden, pummeligen Hausfrau\u201c und sagte zu Hamann, nachdem sie ihm vorgespielt hatte: \u201eLiebe Frau Hamann, wenn Sie auf unsere Kosten mehrere Wochen t\u00e4glich Schweinshaxen essen, meinen Sie, Sie werden dann f\u00fclliger?\u201c Jahrelang spielte sie an Loriots Seite \u2013 und \u00fcberzeugte die Kritiker auf ganzer Linie. Mit unbewegter Miene und hanseatisch trockenem Humor schrieb sie Fernsehgeschichte, etwa als Hildegard in dem Sketch \u201eDie Nudel\u201c beim Treffen mit B\u00fclow als eitlem Verehrer, dem eine Nudel hartn\u00e4ckig im Gesicht klebt (\u201eBitte sagen Sie jetzt nichts, Hildegard\u201c), oder \u201eEnglische Ansage\u201c, in der sie \u00fcber die vielen \u201eth\u201c in Orts- und Personennamen schier den Verstand verliert. Sie verstand sich mit ihm zuletzt blind. Unvergessen bleibt 2007 sein Nachruf bei <em>Beckmann<\/em>: \u201eLiebe Evelyn, dein Timing war immer perfekt. Nur heute hast du die Reihenfolge nicht eingehalten.\u201c Und nach einer Pause schlie\u00dflich mit ganz feinem L\u00e4cheln: \u201eNa warte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"692\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Loriot-3-1024x692.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5786\"\/><figcaption>Loriot und Hamann w\u00e4hrend einer Lesung. Quelle: Von Ralf Zeigermann &#8211; Flickr: loriot5, CC BY 2.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=30858811<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die achtziger Jahre kann man als\nLoriots musikalisches Jahrzehnt beschreiben. 1982 dirigierte er das\n\u201ehumoristische Festkonzert\u201c zum 100. Geburtstag der Berliner Philharmoniker.\nWiederholt f\u00fchrte er seine Erz\u00e4hlfassung des \u201eKarnevals der Tiere\u201c auf.&nbsp; Als Regisseur inszenierte Loriot die Opern\n\u201eMartha\u201c (Stuttgart, 1986) und \u201eDer Freisch\u00fctz\u201c (Ludwigsburg, 1988). Seit 1992\nwird seine Erz\u00e4hlfassung von Wagners \u201eRing des Nibelungen\u201c in Mannheim\naufgef\u00fchrt. Bis 2006 moderierte er auch die Operngala zugunsten der Deutschen\nAIDS-Stiftung, seine Moderationstexte bildeten sp\u00e4ter den Grundstock f\u00fcr\n\u201eLoriots kleinen Opernf\u00fchrer\u201c. F\u00fcr Leonard Bernsteins Operette \u201eCandide\u201c\nverfasste er neue Texte f\u00fcr eine konzertante Auff\u00fchrung, welche die Handlung\nbesser verst\u00e4ndlich machten und dem St\u00fcck in Deutschland zu neuer Popularit\u00e4t\nverhalfen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eLieber Gott, viel Spa\u00df!\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1988 drehte Loriot als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller den Film <em>\u00d6dipussi<\/em>. Die Geschichte um ein neurotisches Mutters\u00f6hnchen lockte 4,6 Millionen Zuschauer in die Kinos. 1991 folgte dann <em>Pappa ante portas<\/em>, in dem er den heimischen Haushalt betriebswirtschaftlich zu organisieren suchte und daneben auch einen Stra\u00dfenmusiker mit Geige und den Dichter Lothar Frohwein mit Schluckauf bei einer Lesung spielte: \u201eKraweel, Kraweel!\u201c 34 Mal musste Hamann durch einen Hundehaufen laufen &#8211; erst bei der letzten Aufnahme war es Loriot beil\u00e4ufig genug. \u201eDie getreulichste Spiegelung der bundesrepublikanischen Wirklichkeit findet sich zweifellos bei Loriot\u201c, schrieb die \u201eFAZ\u201c und stellte fest: \u201eEr allein hat die Archetypen der Bonner Republik entworfen, M\u00e4nnlein wie Weiblein.\u201c Ein \u201eRinnsal seniler Sketche\u201c eines \u201eemeritierten preu\u00dfischen Spa\u00dfadlers\u201c nannte dagegen der <em>Spiegel<\/em> den Film, den 3,5 Millionen Zuschauer sahen. Unter dem Titel \u201eWo es um Freundschaft geht\u201c pr\u00e4sentierten Loriot und Walter Jens 1994 in Hamburg, Wien und Z\u00fcrich Ausschnitte aus dem Briefwechsel zwischen Friedrich dem Gro\u00dfen und Voltaire. In M\u00fcnchen las Loriot 1996 aus Thomas Manns Werken. In jenem Jahr soll er der meistgespielte B\u00fchnenautor in Deutschland gewesen sein. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"742\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Loriot-4-1024x742.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5787\"\/><figcaption>Bronzereplik des Loriot-Sofas mit Mops vor dem Funkhaus von Radio Bremen (2013). Quelle: Von Skulptur: Herbert Rauer; Foto: Wikiuka &#8211; Eigenes Werk\u00a0: Wikiuka, CC BY-SA 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=30142157<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Loriot gr\u00fcndete in seiner Geburtsstadt Brandenburg die Vicco-von-B\u00fclow-Stiftung, die den Erhalt von Denkm\u00e4lern und Kunstsch\u00e4tzen f\u00f6rdert, aber auch bed\u00fcrftige Einwohner der Stadt unterst\u00fctzt. Er geh\u00f6rte dem im August 2004 in M\u00fcnchen aus Protest gegen die Rechtschreibreform gegr\u00fcndeten Rat f\u00fcr deutsche Rechtschreibung e. V. als Ehrenmitglied an und gab im April 2006 Loriot bekannt, sich als Fernsehschaffender zur\u00fcckzuziehen: Seiner Meinung nach war in diesem Medium wegen der entstandenen Schnelllebigkeit keine humoristische Qualit\u00e4t mehr zu erzielen. Zudem beklagte er, der f\u00fcr einen Sketch Mitte der siebziger Jahre noch 1.500 Mark bekam, die \u00d6konomisierung der Unterhaltungsbranche. Als er starb, galt er bereits als \u201egr\u00f6\u00dfter Unterhalter der Nachkriegszeit\u201c: Schon 2007 landete er bei der ZDF-Sendung \u201eUnsere Besten &#8211; Komiker &amp; Co\u201c auf Platz eins vor Heinz Ehrhardt. Eine Woche nach seinem Tod wurde er in Berlin beigesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p> Bundestagspr\u00e4sident Norbert Lammert w\u00fcrdigte B\u00fclow als eine der gro\u00dfen Pers\u00f6nlichkeiten, die das kulturelle Leben in Deutschland \u00fcber Jahrzehnte gepr\u00e4gt und als Loriot ganz wesentlich dazu beigetragen habe, \u201edass die Deutschen ein gelassenes Bild ihrer Mentalit\u00e4t und Gewohnheiten gewinnen konnten\u201c. \u201eF\u00fcr unsere Nation war er so etwas wie ein heimlicher Bundespr\u00e4sident. H\u00e4tte er jemals tats\u00e4chlich zur Wahl gestanden, er w\u00e4re vollkommen zu Recht im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit gew\u00e4hlt worden\u201c, so Komikerkollege H.P. Kerkeling. Manche nannten ihn \u201eKarl Valentin des Cartoons\u201c, \u201eDeutschlands komischste Figur\u201c oder \u201eLegende des anspruchsvollen Humors\u201c (Horst Seehofer). Der Art Directors Club trauerte um sein Ehrenmitglied in einer Zeitungsanzeige mit den Worten: \u201eLieber Gott, viel Spa\u00df!\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seine Cartoons (\u201eWum\u201c), Sketche (\u201eDas Fr\u00fchst\u00fccksei\u201c) und Filme (\u201e\u00d6dipussi\u201c) machten ihn zu \u201eDeutschlands komischster Figur\u201c: Vicco von B\u00fclow, genannt Loriot. Vor 10 Jahren starb er.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5781"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5781"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5781\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5788,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5781\/revisions\/5788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5781"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5781"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5781"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}