{"id":5802,"date":"2021-08-08T06:05:46","date_gmt":"2021-08-08T05:05:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5802"},"modified":"2021-06-25T14:06:17","modified_gmt":"2021-06-25T13:06:17","slug":"dann-machen-wir-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5802","title":{"rendered":"\u201edann machen wir weiter\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein warmer Aufwind brachte den Tod. Als er am 9. August 1896\nseinen selbstgebauten Segelgleiter beim brandenburgischen \u00d6rtchen St\u00f6lln in\neine sogenannte Sonnenb\u00f6 steuerte, richtete sich das Flugger\u00e4t zun\u00e4chst auf und\nblieb dann quasi in der Luft stehen. In einem verzweifelten Steuerman\u00f6ver warf\ner noch Beine und Oberk\u00f6rper nach vorn &#8211; doch das reichte nicht, um einen\nAbsturz aus 15 Metern H\u00f6he zu vermeiden. Der Pilot brach sich die\nHalswirbels\u00e4ule und habe unmittelbar nach dem Absturz zu seinem Mechaniker gesagt:\n\u201eIst nicht so schlimm, kann mal vorkommen. Ich muss mich etwas ausruhen, dann\nmachen wir weiter\u201c. Er wurde \u2013 bereits im Koma \u2013 in die Berliner Uniklinik\nkutschiert und starb am folgenden Tag. \u201eOpfer m\u00fcssen gebracht werden\u201c, sollen\nseine letzte Worte gewesen sein &#8211; auch wenn dieser angeblich letzte Satz in\nWahrheit erst 1940 an seinem Berliner Ehrengrab angebracht wurde: Otto\nLilienthal, der bis heute als <strong>der<\/strong>\ndeutsche Flugpionier gilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Geboren wurde er am 23. Mai 1848 als erstes von acht Kindern eines Tuchh\u00e4ndlers und einer studierten Musikerin in Anklam. F\u00fcnf Geschwister starben im Alter von wenigen Monaten oder Jahren. Als die Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und nach Amerika auswandern wollte, durchkreuzte der pl\u00f6tzliche Tod des Vaters den Plan. Die Mutter verdiente den Lebensunterhalt f\u00fcr sich und ihre drei Kinder durch ein kleines Putzgesch\u00e4ft sowie durch Erteilen von Musikunterricht und gelegentliche Auftritte als Konzerts\u00e4ngerin. 1856 bis 1864 besuchte Otto Lilienthal das \u00f6rtliche Gymnasium. Gemeinsam mit seinem ein Jahr j\u00fcngeren Bruder Gustav, dem er \u00fcber zahlreiche Projekte und Erfindungen zeitlebens eng verbunden blieb, studierte er bereits dort den Flug der St\u00f6rche, die \u00fcber die Felder der pommerschen Landschaft glitten, f\u00fchrte erste Flugexperimente durch und baute ein erstes kindliches Fl\u00fcgelpaar. \u201eFliegen wie ein Vogel\u201c \u2013 dieser Traum setzte sich in ihm fest.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Otto-lilienthal.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5803\"\/><figcaption>Otto Lilienthal. Quelle: Von Photographer: A. Regis &#8211; http:\/\/www.lilienthal-museum.de\/olma\/images\/f0061.jpg, originally uploaded to en by User:Michael Shields, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=36359<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1866 erhielt er an der Gewerbeschule in Potsdam sein\nReifezeugnis \u201emit Auszeichnung\u201c, absolvierte dann in der Firma Schwartzkopf ein\neinj\u00e4hriges Praktikum im Fach Maschinenbau und besuchte im Anschluss daran bis\n1870 die K\u00f6nigliche Gewerbeakademie in Berlin. Er lebte in dieser Zeit als\n\u201eSchlafbursche\u201c und musste sein Bett mit einem Droschken- und einem\nRollkutscher teilen, wie er in einer Chronik berichtete. 1867 und 1868 bauten\ndie Br\u00fcder Lilienthal in Anklam Experimentierger\u00e4te zur Erzeugung von Auftrieb\ndurch Fl\u00fcgelschlag. Das Ergebnis war eine maximal hebbare Masse von 40 kg. Zu\nden entscheidenden Experimenten wurden die darauf folgenden Untersuchungen des\ngew\u00f6lbten Fl\u00fcgels in der Luftstr\u00f6mung ohne Fl\u00fcgelschlag. Nach seinem Studium\nmeldete sich Lilienthal f\u00fcr ein Jahr zur freiwilligen Teilnahme am\ndeutsch-franz\u00f6sischen Krieg und erlebte als Infanterist die Belagerung von\nParis.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eVogelflug als\nGrundlage der Fliegekunst\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Danach arbeitete er in der Zeit von 1871 bis 1880 f\u00fcr die\nBerliner Maschinenbaufirma Weber und war teilweise parallel als\nKonstruktionsingenieur f\u00fcr das Maschinenunternehmen C. Hoppe in Berlin t\u00e4tig.\nIn dieser Zeit war er an der Entwicklung von Bergbaumaschinen beteiligt: Das\nPatent auf eine Schr\u00e4mmaschine f\u00fchrte zwar zu einer Serienfertigung, jedoch\nnicht zu einem eigenen Unternehmen, das er mit Gustav, der inzwischen Architekt\nwar, anstrebte. In dieser Zeit fing Lilienthal an, \u00f6ffentlich Vortr\u00e4ge \u00fcber die\nProbleme des Fliegens zu halten. 1874 experimentierte Lilienthal mit ebenen und\ngew\u00f6lbten Tragfl\u00fcgeln, um die Luftkr\u00e4fte zu messen. Dazu f\u00fchrte er Versuche mit\nDrachen und Flugmodellen durch, bei denen Schwester Marie protokollierte. Bei\nMessungen mit Mehrkomponentenwaagen erkannte er die kraftsparenden\nEigenschaften gew\u00f6lbter Fl\u00fcgel und ermittelte genaue Werte f\u00fcr Auftrieb und\nWiderstand bei verschiedenen Anstellwinkeln. <\/p>\n\n\n\n<p>1878 heiratete Lilienthal die s\u00e4chsische Bergmannstochter Agnes Fischer, mit der er vier Kinder hatte. Im Jahr darauf entwickelte er mit Gustav ein Baukastensystem f\u00fcr Kinder mit Steinen aus Firnis, Kreide und Sand, deren Vermarktung aber ebenfalls nicht gelang. Schon 1880 verkauften sie das Herstellungsverfahren an den Gesch\u00e4ftsmann Friedrich Adolf Richter aus Rudolstadt, der sofort ein Patent anmeldete und die Steine im Rudolst\u00e4dter \u201eAnker-Werk\u201c produzieren lie\u00df. Unter diesem Namen traten sie ihren Siegeszug an \u2013 die Br\u00fcder Lilienthal konnten sich nur noch verschiedene Auslandspatente f\u00fcr ihre Erfindung sichern und stritten bis 1887 mit Richter, der letztlich gewann. Dem Erfolg konnten die Unstimmigkeiten aber nichts anhaben: \u00dcber drei Milliarden Anker-Bausteine wurden hergestellt, Albert Einstein, Erich K\u00e4stner und Walter Gropius sollen damit gespielt haben. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Otto-lilienthal-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5804\"\/><figcaption>Versuchsflug 1891. Quelle: Von Carl Kassner &#8211; reproduction of the photograph, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=1537307<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der dritte Versuch als Unternehmer war dann erfolgreich. 1881\nerhielt Lilienthal ein Patent f\u00fcr einen Schlangenrohrkessel, das den erhofften\nErfolg brachte: Zusammen mit einer kleinen Wand-Dampfmaschine entstand der\nLilienthalsche Kleinmotor, der ab 1883 in einer eigenen Firma hergestellt\nwurde, die schnell zur Fabrik mit bis zu 60 Mitarbeitern anwuchs und auch\nAkkordsirenen f\u00fcr Nebelh\u00f6rner produzierte. Es folgten weitere 19 Patente,\ndarunter vier Luftfahrtpatente. Mit dem Ethiker Moritz von\nEgidy bekannt und sozial engagiert, beteiligte er seine Arbeiter mit 25 % am\nUnternehmensgewinn und richtete eine Volksb\u00fchne im Berliner Ostend-Theater ein.\n<\/p>\n\n\n\n<p>War er zusammen mit Gustav schon 1873 Mitglied in der \u201eAeronautical Society of Great Britain\u201c geworden, trat er 1886 dem \u201eDeutschen Verein zur F\u00f6rderung der Luftschifffahrt\u201c in Berlin bei. In diese Zeit fallen auch die ersten Versuche mit Flugger\u00e4ten, die einen Menschen transportieren. Als er Ende der 1880er Jahre ein Patent auf den gew\u00f6lbten Tragfl\u00fcgel anmelden wollte, musste er konstatieren, dass ihm der Engl\u00e4nder Horatio F. Phillips zuvor gekommen war, der 1907 den ersten bemannten Motorflug in Gro\u00dfbritannien absolvieren wird. All seine Erfahrungen und Erkenntnisse bis hierhin verwertete Lilienthal 1889 in \u201eDer Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst\u201c. Als Protagonist des \u201eSchwerer als Luft-Prinzips\u201c war er \u00fcberzeugt: \u201eDie Nachahmung des Segelflugs muss auch dem Menschen m\u00f6glich sein, da er nur ein geschicktes Steuern erfordert, wozu die Kraft des Menschen v\u00f6llig ausreicht.\u201c Das bis dahin favorisierte \u201eLeichter als Luft-Prinzip\u201c der Ballonfahrten geriet ins Hintertreffen. Die im Buch enthaltene graphische Darstellung des Zusammenhangs zwischen Auftrieb und Widerstand unter Angabe des Anstellwinkels ist in dieser Form noch heute \u00fcblich und wird als Lilienthalsche Polare bezeichnet. Nach der Ver\u00f6ffentlichung experimentiert er ohne Gustav weiter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"634\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Otto-lilienthal-2-1024x634.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5806\"\/><figcaption>Der Todesapparat von 1896. Von Autor unbekannt &#8211; Ursprung unbekannt, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=268849<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im M\u00e4rz 1891 gelang ihm ein Gleitflug zwischen Derwitz und\nKrielow nahe Potsdam \u00fcber die Distanz von mehr als 25 Metern. 1892 setzte\nLilienthal seine Flugversuche mit neuen Ger\u00e4ten fort. Dabei gelangen ihm in\nGollenberg bei St\u00f6lln bahnbrechende Gleitfl\u00fcge bis zu einer Weite von 250\nMetern. Auch im Flugzeugbau experimentierte der emsige Forscher weiter. Unter\nseinen Flugapparaturen befand sich auch ein Fl\u00fcgelschlagapparat, der f\u00fcr einen\nMotorantrieb vorgesehen war. Zwischen 1890 und 1896 konstruierte Lilienthal\nrund 30 Flugapparate, die er zu mehr als 2.000 Flugversuchen in Berlin und\nUmgebung einsetzte und dabei sagenhafte Weiten von \u00fcber 400 Metern erreichte. Sein\nso bezeichneter \u201eNormalsegelapparat\u201c ging 1894 in Serie und wurde zum\nSt\u00fcckpreis von 500 Mark neunmal verkauft. Den ersten erwarb der Schweizer Industrielle\nCharles E. L. Brown, einer der beiden Gr\u00fcnder des Elektrotechnikkonzerns \u201eAsea\nBrown Boveri\u201c, einen weiteren der amerikanische Zeitungsmogul William Hearst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eEr war wohl zu\nwagemutig\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Reise-, Transport- und Verkehrsdimension seiner Entdeckung sei Lilienthal nicht bewusst gewesen, ist der stellvertretende Direktor des Otto-Lilienthal-Museums Anklam, Peer Wittig, auf dem Portal <em>heise.de<\/em> \u00fcberzeugt. Lilienthal habe in seinem Normalsegelapparat in erster Linie ein Sportflugger\u00e4t gesehen. In einem Brief an Egidy schw\u00e4rmt Lilienthal aber trotzdem von den friedensstiftenden M\u00f6glichkeiten der Fliegerei. \u201eDie Grenzen der L\u00e4nder w\u00fcrden Ihre Bedeutung verlieren, weil sie sich nicht mehr absperren lassen; die Landesverteidigung, weil zur Unm\u00f6glichkeit geworden, w\u00fcrde aufh\u00f6ren, die besten Kr\u00e4fte der Staaten zu verschlingen, und das zwingende Bed\u00fcrfnis, die Streitigkeiten der Nationen auf andere Weise zu schlichten als den blutigen K\u00e4mpfen um die imagin\u00e4r gewordenen Grenzen, w\u00fcrde uns den ewigen Frieden verschaffen.\u201c In diesem Punkt, sagt Wittig, habe sich Lilienthal gewaltig geirrt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Otto-lilienthal-3-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5807\"\/><figcaption> Denkmal bei Krielow\/Derwitz f\u00fcr die ersten Fl\u00fcge 1891. Von Doris Antony, Berlin &#8211; photo taken by Doris Antony, CC BY-SA 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=757742<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1895 unternahm Lilienthal mehrere Auslandsreisen, um sich im\nKontakt mit anderen Flugforschern und -technikern auszutauschen. In diese Zeit fallen\nauch seine ersten Flugversuche mit Doppeldeckern. Zu den Erkenntnissen, die er\nbei seinen Konstruktionen und ihrer Erprobung gewann, geh\u00f6ren die Entdeckung\ndes Vorteils von an der Vorderkante des Fl\u00fcgels verdickten Profilen und die\nZweckm\u00e4\u00dfigkeit scharfer Hinterkanten &#8211; Ergebnisse, die f\u00fcr den Flugzeugbau heute\nallgemeing\u00fcltig sind. \u00dcber Lilienthals Fl\u00fcge wurde im In- und Ausland\nberichtet; die sensationellen Flugfotografien erschienen in wissenschaftlichen\nund popul\u00e4ren Ver\u00f6ffentlichungen vieler L\u00e4nder. Regelm\u00e4\u00dfig erschienen seine\nArtikel in der <em>Zeitschrift f\u00fcr\nLuftschifffahrt und Physik der Atmosph\u00e4re<\/em> sowie in der popul\u00e4ren\nWochenschrif<em>t Prometheus<\/em>,\n\u00dcbersetzungen in den USA, Frankreich und Russland. Die Gebr\u00fcder Wright\nverwendeten Lilienthals Arbeiten als Grundlage f\u00fcr den Bau ihres ersten\nflugf\u00e4higen Motorflugzeugs der Welt: \u201eDer deutsche Ingenieur Otto Lilienthal\nlieferte wohl den gr\u00f6\u00dften Beitrag zur L\u00f6sung des Flugproblems, der je von einem\nMann geleistet wurde\u201c, schrieb Wilbur Wright 1901. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit Lilienthals Tod auf einem seiner Normalsegelapparate endete Deutschlands Vorreiterrolle im Flugwesen mit Tragfl\u00e4chen; ein gleicherma\u00dfen mutiger wie systematischer Nachfolger fand sich nicht. Er war der erste, der die Wirkung verschiedener Fl\u00fcgelprofile systematisch verma\u00df und dokumentierte, aufbauend auf diesen Messungen kontrolliert geflogen ist und seine Erkenntnisse regelm\u00e4\u00dfig publizierte. Und schlie\u00dflich war er der erste, der einen Flugapparat zur Serienreife entwickelte und verkaufte. Portr\u00e4ts und Flugapparate Lilienthals dienten als W\u00fcrdigung der technischen Pionierleistung auf Briefmarken, Medaillen und in anderer Form in vielen L\u00e4ndern als Vorlage. H\u00e4ufig ist die Darstellung mit dem Ikarusmotiv verbunden. Schulen, Stra\u00dfen, Vereine und K\u00f6rperschaften tragen seinen Namen, darunter die Otto-Lilienthal-Kaserne im fr\u00e4nkischen Roth. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Otto-lilienthal-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5808\"\/><figcaption> Gedenkstein an der Absturzstelle. Von Jo-ra-be &#8211; Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=101183000<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor f\u00fcnf Jahren bauten Forscher des Deutschen Zentrums f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR) den 20 Kilogramm schweren, 6,70 Meter breiten Normalsegelapparat aus Weidenholz und Stoff nach und testeten ihn im Windkanal. Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu zehn Metern pro Sekunde zeigte er sich verbl\u00fcffend modern in seinen Leistungswerten: \u201eAus den Daten l\u00e4sst sich auf den ersten Blick keine kritische Flugeigenschaft ableiten, die Lilienthal in Gefahr bringen musste\u201c, sagt Physiker Henning Rosemann dem <em>Spiegel<\/em>. Um alle drei Achsen stabil, gutm\u00fctige Flugeigenschaften: \u201eJe l\u00e4nger man sich mit dem Flugger\u00e4t besch\u00e4ftigt, desto mehr Hochachtung bekommt man\u201c. Wohl auch, weil das Fliegen ein Kraftakt ist: der Pilot h\u00e4ngt wie ein Reckturner zwischen den Fl\u00fcgeln und steuert allein mit K\u00f6rperbewegungen. Eine technische Todesursache wurde ausgeschlossen &#8211; Overconfidence, zu gro\u00dfes Vertrauen, nennt man das Problem bei heutigen Piloten: Die B\u00f6e zu stark, der pl\u00f6tzliche Anstellwinkel zu steil. \u201eEr war wohl zu wagemutig\u201c, so Rosemann. \u201eDas hat ihn das Leben gekostet.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Flugpionier erfand die gew\u00f6lbte Tragfl\u00e4che und baute mehr als 30 Flugapparate, mit denen er \u00fcber 2000 Gleitfl\u00fcge absolvierte: Otto Lilienthal. Vor 125 Jahren st\u00fcrzte er mit t\u00f6dlichen Folgen ab. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5802"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5802"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5802\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5809,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5802\/revisions\/5809"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}