{"id":5960,"date":"2021-11-16T06:41:33","date_gmt":"2021-11-16T05:41:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5960"},"modified":"2021-10-27T19:56:11","modified_gmt":"2021-10-27T18:56:11","slug":"zart-innig-und-liebenswert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5960","title":{"rendered":"\u201ezart, innig und liebenswert\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Winter 1227\/28 war die einst so beliebte Adlige am Tiefpunkt\nihres Lebens angekommen: Niemand wollte ihr und ihren drei kleinen Kindern\nObdach gew\u00e4hren. Weder die wohlhabenden B\u00fcrger noch der Klerus \u00f6ffneten ihnen\ndie T\u00fcren. Selbst die Armen, denen sie einst geholfen hatte, verspotteten die\nversto\u00dfene Adlige. Als sie mit ihren Kindern schlie\u00dflich in einen alten\nSchweinestall ziehen musste, soll sie bitter festgestellt haben: \u201eDen Menschen\nw\u00fcrde ich gern danken, aber ich wei\u00df nicht wof\u00fcr.\u201c F\u00fcr immer mit ihr verbunden\nbleibt das sogenannte \u201eRosenwunder\u201c, das ihre Mildt\u00e4tigkeit und Heiligkeit\nsowie ihre Zuwendung zu den Armen und zur Armut ausschm\u00fcckt. Da andere Versionen\ndie Legende auf Elisabeth von Portugal sowie auf Nikolaus von Tolentino\nbeziehen und eine ihrem Gatten verheimlichte Mildt\u00e4tigkeit historisch\nunwahrscheinlich ist, ist davon auszugehen, dass die Wanderlegende erst nach\nihrer Heiligsprechung auf sie \u00fcbertragen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte dazu geht so: Als sie eines Tages in die\nStadt geht, um den Armen Brot zu geben, obwohl gerade dies ihr unter Strafe\nverboten ist, trifft sie die Mutter ihres Mannes (in anderen Versionen ihren\nMann selbst), die ihre Barmherzigkeit nicht guthei\u00dft und ihr eine Falle stellen\nwill. Auf die Frage, was sie in dem Korb (andere Versionen: unter der Sch\u00fcrze)\nhabe, den sie bei sich tr\u00e4gt, antwortet sie, es seien Rosen im Korb. Ihre\nSchwiegermutter bittet sie, das Tuch zu heben, um die wunderbaren Rosen sehen\nzu k\u00f6nnen. Widerwillig hebt sie das Tuch, und im Korb sieht die Schwiegermutter\nstatt Broten nur: Rosen. Von Hans Gottwald, einem Sch\u00fcler Tilman\nRiemenschneiders, 1515 in Saalburg \u00fcber Moritz von Schwind 1855 in Eisenach bis\nJosef Wittmann 1956 im bayrischen Kehlheim reichen die bildlichen Darstellungen\nvon ihr und dem Wunder: Elisabeth von Th\u00fcringen, die am 17. November 1231 in\nMarburg starb.<\/p>\n\n\n\n<p>Geboren wurde sie 1207 auf Burg S\u00e1rospatak bei Pre\u00dfburg. Zeitgleich fand der ber\u00fchmte \u201eS\u00e4ngerkrieg\u201c auf der Wartburg statt. Dichtung und Legende erz\u00e4hlen von der Anwesenheit des zauberkundigen Klingsor aus Ungarn und seinem prophetischen Hinweis auf die K\u00f6nigstochter Elisabeth: Ihr Vater war der ungarische K\u00f6nig Andreas II., ihre Mutter Gertrud entstammte der einflussreichen Familie Andechs-Meranien. \u00dcber ihre Geschwister, die sie bestenfalls fl\u00fcchtig kannte, war sie mit dem europ\u00e4ischen Hochadel verbunden: Ihr Bruder B\u00e9la folgte seinem Vater auf dem ungarischen Thron, ihre Schwester Maria heiratete Iwan Assen II., den Zaren von Bulgarien.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"559\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/elisa-559x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5962\"\/><figcaption>Elisabeth bei der Versorgung Bed\u00fcrftiger. Quelle: Von Ferdinand Piloty &#8211; see description, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=3863474<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aufgrund ihrer Herkunft wurde Elisabeth unter Einfluss der\npolitischen Interessen von Papst Innozenz III. und einer F\u00fcrstenkoalition gegen\nKaiser Otto IV. als politische Schachfigur im Machtspiel der europ\u00e4ischen\nDynastien benutzt. &nbsp;Entsprechend der\ndamaligen Praxis zog die Prinzessin bereits als Vierj\u00e4hrige zur Familie ihres\nVerlobten, Hermann von Th\u00fcringen. Dort \u00fcbernahm die fromme Landgr\u00e4fin Sophie\ndie Erziehung ihrer zuk\u00fcnftigen Schwiegertochter. Elisabeth wuchs deshalb\n\u00fcberwiegend auf den Residenzen der th\u00fcringischen Landgrafenfamilie auf,\ndarunter der Neuenburg bei Freyburg\/Unstrut, der Runneburg bei Wei\u00dfensee und\nschlie\u00dflich der Creuzburg an der Werra. <\/p>\n\n\n\n<p>Elisabeth fiel durch Fr\u00f6mmigkeit, Sch\u00f6nheit und Sittsamkeit\nauf. Die Verlobungszeit aber verlief so gar nicht nach Plan. Erst fiel\nElisabeths Mutter Gertrud einem politischen Mord zum Opfer. Weil dadurch die\nAuszahlung von Elisabeths versprochener Mitgift unsicher wurde, sank auch ihre\nStellung in Th\u00fcringen. Dann starb \u00fcberraschend der \u00e4lteste Sohn des Landgrafen,\nElisabeths Verlobter Hermann; ein Jahr darauf auch sein Vater. Die unbrauchbare\nKinderbraut solle zur\u00fcckgeschickt werden, forderten immer lautere Stimmen bei\nHofe. Als Herrscher stand nun der zweitgeborene Ludwig an, der, nachdem er\nvollj\u00e4hrig geworden war, 1218 als Ludwig IV. Landgraf wurde &#8211; und Gef\u00fchle f\u00fcr\nElisabeth entwickelt hatte. 1221 heiratete er die Vierzehnj\u00e4hrige in Eisenach. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eist mir die Welt\ngestorben\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es war eine f\u00fcr diese Zeit v\u00f6llig un\u00fcbliche Liebesehe, aus der drei Kinder hervorgingen; darunter Sophie (1224\u20131275), die sp\u00e4ter als Herzogin von Brabant in Gestalt ihres Sohnes Heinrich Stammmutter des Hauses Hessen wurde &#8211; von ihr stammen alle noch heute lebenden Nachkommen Elisabeths ab. Entgegen sp\u00e4terer Legenden unterst\u00fctzte der sonst so skrupellose Machtpolitiker Ludwig die karitativen Ambitionen seiner Frau. 1223 gr\u00fcndete das Paar gemeinsam das Maria-Magdalenen-Hospital in Gotha. Als 1225 die ersten Franziskaner nach Eisenach kamen, \u00fcbte deren Ideal befreiender Besitzlosigkeit gro\u00dfen Einfluss auf Elisabeth aus. Sie gr\u00fcndete unterhalb der Wartburg ein zweites Hospital, unterst\u00fctzte das Kloster und k\u00fcmmerte sich selbst um Bed\u00fcrftige, besuchte Armenviertel. Trotz der Unterst\u00fctzung, die Elisabeth darin von ihrem Mann erhielt, wurde ihr Engagement von der Familie mehr als skeptisch betrachtet. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"308\" height=\"500\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/elisa-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5963\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/elisa-1.jpg 308w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/elisa-1-185x300.jpg 185w\" sizes=\"(max-width: 308px) 100vw, 308px\" \/><figcaption>Rosenwunder. Quelle: Von Autor unbekannt &#8211; [2], Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=1226026<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Armenf\u00fcrsorge geh\u00f6rte zwar zu den traditionellen Aufgaben\neiner mittelalterlichen Landesf\u00fcrstin, doch Elisabeth wollte nicht nur von\nihrem \u00dcberfluss geben. Sie verschenkte zunehmend ihren Schmuck und trug nur zu\nh\u00f6fischen Anl\u00e4ssen widerwillig ihre pr\u00e4chtigen Gew\u00e4nder. Dass sie pers\u00f6nlich\nauss\u00e4tzige Kinder pflegte und sogar Verstorbene f\u00fcr ihre Beerdigung wusch,\nempfand ihr Umfeld als Zumutung: Elisabeth solle sich endlich standesgem\u00e4\u00df\nverhalten und Th\u00fcringen als Landgr\u00e4fin w\u00fcrdig vertreten. Ausf\u00fchrlich berichten\ndie Legenden, wie sie unersch\u00fcttert den Verleumdungen und Vorw\u00fcrfen ihrer\nUmgebung standhielt.<\/p>\n\n\n\n<p>1226 betrat der gef\u00fcrchtete, redegewaltige Kreuzzugprediger\nund Inquisitor Konrad von Marburg den Hof bei Eisenach. Er wurde Elisabeths\ngeistlicher Leiter und Beichtvater und sah in der frommen Adligen vor allem\nseine Chance, als \u201eMacher\u201c einer neuen Heiligen Ruhm zu erlangen. Der strenge\nPriester trieb Elisabeth zu immer neuen asketischen H\u00f6chstleistungen an. Bald\nwar Ludwig die einzige Person, die au\u00dfer Konrad noch nennenswerten Einfluss auf\nElisabeth hatte. Ludwig war inzwischen dem Deutschen Orden beigetreten und wurde\nprompt zum 5. Kreuzzug gerufen. Kurz vor seiner Abreise legte die damals zum\ndritten Mal schwangere Elisabeth ein doppeltes Gel\u00fcbde ab: Soweit dadurch nicht\nLudwigs Rechte betroffen w\u00fcrden, versprach sie auf ihren geistlichen Leiter\nh\u00f6ren. Und sollte sie Witwe werden, wollte sie ehelos bleiben und Konrad gar\nabsoluten Gehorsam leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ludwig erkrankte im italienischen Brindisi, wurde &#8211; schon eingeschifft &#8211; in Otranto wieder an Land gebracht und starb dort 1226 an einer Seuche &#8211; die Legende berichtet aber auch von einem verderblichen Trank, den er mit der Kaiserin Jolanthe getrunken habe, denn auch sie starb. Elisabeth war tief traurig: \u201eMit ihm ist mir die Welt gestorben\u201c. Der Legende nach zersprang der Stein ihres Ringes bei der Todesnachricht. Nach dem Tod ihres Mannes wurde Elisabeth mit ihren drei Kindern von ihrem Schwager Heinrich Raspe von der Wartburg vertrieben mit der Begr\u00fcndung, sie verschwende \u00f6ffentliche Gelder f\u00fcr Almosen. Elisabeth sei nicht mehr zurechnungsf\u00e4hig, war Heinrich \u00fcberzeugt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/elisa-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5964\"\/><figcaption> Elisabethkemenate auf der Wartburg. Quelle. Von Traveler100 &#8211; Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=5612341 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In Eisenach fand sie keine Unterkunft, habe zun\u00e4chst in\neinem Schweinestall gehaust. Bei ihrem Onkel m\u00fctterlicherseits, dem Bischof von\nBamberg, fand Elisabeth dann mit ihren drei Kindern Aufnahme. Der wollte sie\nwieder verm\u00e4hlen, aber Elisabeth lehnte selbst die Werbung von Kaiser Friedrich\nab. R\u00fcckkehrende Kreuzfahrer brachten ihr Ring und Gebeine Ludwigs; nach seiner\nfeierlicher Bestattung musste man ihr auf Betreiben von Papst Gregor IX. ihr\nWitwengut herausgegeben. Legend\u00e4r ist, dass Gregor, auf Franziskus&#8216;\nausdr\u00fccklichen Wunsch, diesem den Mantel von den Schultern nahm und ihn\nElisabeth zusandte. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eohne jeden Abscheu\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Konrad \u00fcbte weiterhin erheblichen Einfluss auf Elisabeth aus.\nDas Verh\u00e4ltnis zwischen der jungen Witwe und dem Priester gab schon damals\nAnlass zu Spekulationen. In der Moderne wurden Elisabeth sogar psychische\nSt\u00f6rungen unterstellt. Ihr Lebenswandel aber erkl\u00e4rt sich nur mit Blick auf\nihre Zeit: Das 13. Jahrhundert war eine Periode intensiver Gottsuche, die sich\nschonungslos mit der Problematik ungerechten Besitzes auseinandersetzte. Eine\nradikale Armutsbewegung nach der anderen entstand. W\u00e4hrend einige als Ketzer\nverfolgt wurden, entwickelten sich andere zu den bis heute bekannten\nBettelorden. Ganz in dieser Tradition stand auch Elisabeth. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Suche nach einer \u201ekompromisslosen Nachfolge Christi mit dem Ziel ihres pers\u00f6nlichen Heilsstrebens\u201c erkannte Irmtraut Sahmland im <em>\u00c4rzteblatt<\/em>. Elisabeth habe sich immer weiter zur\u00fcckgenommen: der Verzicht auf die Repr\u00e4sentation ihrer sozialen Stellung im Angesicht des gekreuzigten Christi, die asketische Lebens- und Ern\u00e4hrungsweise, schlie\u00dflich die Abweisung aller Optionen, die einer Witwe in ihrer Position offen gestanden h\u00e4tten. Mit ihrer Entsch\u00e4digungssumme gr\u00fcndete sie 1228 ein Hospital vor den Stadtmauern von Marburg und w\u00e4hlte als Patron den erst kurz zuvor heiliggesprochenen Franz von Assisi. 1229 zog sie dann als einfache Spitalschwester dorthin \u2013 auf Konrads Druck isolierte sie sich von ihren letzten Freundinnen, sagte sich von ihrer Familie los und gab ihre Kinder ab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/elisa-3-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5965\"\/><figcaption>Marburger Elisabethkirche mit Mausoleum. Quelle: Von Foto von Hydro bei Wikipedia, CC BY-SA 4.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=48463870<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Isentrud von H\u00f6rselgau, eine ihrer M\u00e4gde, berichtet 1235 im\n\u201eLibellus de dictis quatuor ancillarum sanctae Elisabeth confectus\u201c: \u201eUnd\nobwohl sie verdorbene Luft nirgends sonst vertragen konnte, ertrug sie doch die\nAusd\u00fcnstungen der Kranken im Sommer, welche die M\u00e4gde nur unter Klagen\naushielten, ohne jeden Abscheu, behandelte die Kranken heiter mit ihren eigenen\nH\u00e4nden und wischte mit dem Schleier ihres Hauptes ihr Antlitz, ihren Speichel,\nihren Auswurf und den Schmutz ihres Mundes und der Nase ab. Au\u00dfer diesen hatte\nsie in demselben Haus noch viele arme Kindlein, f\u00fcr die sie sorgte. Gegen die\nwar sie g\u00fctig und mild, dass alle sie Mutter nannten und zu ihr liefen und sich\num sie scharten, wenn sie ins Haus kam. Unter ihnen liebte sie besonders die\nKr\u00e4tzigen, Kranken, Schwachen, H\u00e4sslichen und Ungestalteten, streichelte ihr\nHaupt mit den H\u00e4nden und barg es in ihrem Scho\u00df.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im November 1231 wurde Elisabeth krank; es hei\u00dft, dass ihre\nletzten Tage von kindlicher Heiterkeit \u00fcberstrahlt waren. Wenige Tage vor ihrem\nTod hatte sie eine Vision von einem Vogel, der zwischen ihr und der Wand\nfr\u00f6hlich sang und sie dazu bewog mitzusingen. Sie verschenkte ihre letzten\nSachen und soll sogar noch ihre Gef\u00e4hrtinnen getr\u00f6stet haben. Elisabeth starb\nim Alter von 24 Jahren, aufgezehrt in der F\u00fcrsorge f\u00fcr andere, und wurde am 19.\nNovember in ihrem Franziskushospital in Marburg bestattet. Viele Menschen\nsollen als Zeichen ihrer Verehrung w\u00e4hrend der Aufbahrung St\u00fccke von den\nT\u00fcchern, die Elisabeths Gesicht bedeckten, abgerissen, ihr Haupthaar, N\u00e4gel und\nsogar einen ihrer Finger abgeschnitten haben. Konrad von Marburg leitete\nsp\u00e4testens im Fr\u00fchjahr 1232 ihr Heiligsprechungsverfahren ein und trieb es bis\nzu seinem Tod energisch und geschickt voran \u2013 er wurde 1233 von Adligen wegen\nseines Fanatismus\u2018 erschlagen. Von ihm stammt die \u201eSumma Vitae\u201c; die erste\nBiographie Elisabeths.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eEs k\u00fcndet St.\nElisabeth\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Verfahrens wurden \u00fcber 600 Zeugen vernommen und 105 medizinische Wunder verzeichnet, die die Elisabeth lebend oder tot vollbracht haben soll; die H\u00e4lfte davon bei Kindern unter 14 Jahren. Die Heiligsprechung wurde zu Pfingsten 1235 offiziell verk\u00fcndet. Der Deutsche Orden, der seinen Verwaltungssitz in Marburg hatte, erweiterte Elisabeths Spital und lie\u00df nach der Heiligsprechung bis 1283 die ihr geweihte Kirche als ersten gotischen Bau in Deutschland errichten. 1236 erfolgte die Erhebung ihrer Gebeine im Beisein des Kaisers Friedrich II. von Hohenstaufen; er stiftete eine Krone, mit der der gesondert abgetrennte Kopf gekr\u00f6nt wurde. Das Reliquiar befindet sich heute ohne Inhalt im Historischen Museum in Stockholm, das Haupt wird in der Klosterkirche zur Hl. Elisabeth in Wien aufbewahrt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"762\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/elisa-4-1024x762.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5966\"\/><figcaption>Elisabeths Haupt in Wien. Quelle: https:\/\/4.bp.blogspot.com\/-zhfqTz3tOcE\/UoqTOU_qGmI\/AAAAAAAALFE\/FuqQX7EhU68\/s640\/DPP12-11-19-0105.JPG<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1240 wurde die neue Predigerkirche in Eisenach der\nLandgr\u00e4fin geweiht, 1245 der goldene Schrein mit ihren Gebeinen in Marburg mit\nder Inschrift \u201eGloria Teutoniae\u201c versehen. Die \u00dcberlieferung und Verehrung von\nElisabeth wurde ab Mitte des 13. Jahrhunderts stark beeinflusst durch die von\nDietrich von Apolda vor 1240 verfasste Lebensgeschichte. Die Wallfahrt &#8211; durch\nwundersame Heilungen sich ausbreitend &#8211; wuchs nun so schnell, dass sie bald\neine mit der zu Jakobus nach Santiago de Compostela vergleichbare Bedeutung\nerreichte. Besonders die Bettelorden f\u00f6rderten ihre Verehrung als einer Frau\nk\u00f6niglicher Herkunft, die sich dennoch um Arme k\u00fcmmert, und sie breiteten die\nVerehrung in ganz Europa, besonders in Belgien, Frankreich, Italien und Ungarn\naus. Im 14.\/15. Jahrhundert wurden ihr viele Spit\u00e4ler geweiht.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp von Hessen lie\u00df Elisabeths Reliquien 1539 im Zuge der Reformation aus dem Sarg entfernen und gab den Befehl, die sterblichen \u00dcberreste seiner Ahnfrau so zu zerstreuen, dass sie nicht wieder auffindbar sein sollten, um die Verehrung zu beenden. Der Statthalter Georg von Kolmatsch missachtete aber die Weisung, lie\u00df die Gebeine auf sein Wasserschloss Wommen bringen und musste die nach der Niederlage der Protestanten im Schmalkaldischen Krieg 1548 an den Deutschen Orden zur\u00fcckgeben. Seit dem fr\u00fchen 19. Jahrhundert erlebte Elisabeths Verehrung neuen Aufschwung mit romantischer Verkl\u00e4rung ihres Tuns und der von ihr gewirkten Wunder. Sie wurde in der bildenden Kunst und der Musik vielfach gew\u00fcrdigt, etwa durch Franz Liszts Oratorium \u201eDie Legende von der heiligen Elisabeth\u201c (1865). An ihrem 750. Todestag im Jahre 1981 veranstalteten die Kirchen in der atheistisch-sozialistischen DDR (!) ihre erste Massenversammlung, bei der Zehntausende auf dem Platz unterhalb des Erfurter Domes zusammenkamen. 1994 stellte sich bei seiner Neugr\u00fcndung das Bistum Erfurt unter ihr Patronat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/elisa-5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5967\"\/><figcaption> W\u00fcrdigung Elisabeths 2020 durch die Stadt Eisenach, das katholische Bistum Erfurt und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland. Quelle: https:\/\/www.ekmd.de\/media\/cache\/jA\/jAnvfC_zTx6iZmKcZ93ypg\/crops_SzSUyHqK<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der \u00f6sterreichische Kulturhistoriker Friedrich Heer nannte\nElisabeth \u201eeine der zartesten, innigsten und liebenswertesten\u201c Heiligen des\nMittelalters; der katholische Theologieprofessor Alban Stolz schrieb, \u201edass\nau\u00dfer der Mutter Gottes Maria noch keine weibliche Person eine gr\u00f6\u00dfere, weiter\nverbreitete Verherrlichung auf Erden gefunden hat als die Heilige Elisabeth\u201c. Im\ndeutschen Sprachgebiet ist der 19. November, ihr Begr\u00e4bnistag, Elisabeths\nGedenktag &#8211; wie der evangelische und anglikanische. In anderen L\u00e4ndern ist dagegen\nihr Todestag, der 17. November, der katholische Gedenktag. Sie ist Patronin von\nTh\u00fcringen und Hessen, der Witwen und Waisen, Bettler, Kranken, unschuldig\nVerfolgten und Notleidenden, der B\u00e4cker, Sozialarbeiter und\nSpitzenkl\u00f6pplerinnen, des Deutschen Ordens, der Caritas-Vereinigungen, und zweite\nPatronin des Bistums Fulda. Auch eine Bauernregel ist ihr gewidmet: \u201eEs k\u00fcndet\nSt. Elisabeth \/ was f\u00fcr ein Winter vor uns steht.\u201c Eine Gedenktafel f\u00fcr sie fand\nAufnahme in die Walhalla.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie ist Patronin von L\u00e4ndern, Bist\u00fcmern, mehreren Berufen, des Deutschen Ordens und der Caritas: Elisabeth von Th\u00fcringen. Die geheiligte Landgr\u00e4fin starb vor 790 Jahren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5960"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5960"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5960\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5968,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5960\/revisions\/5968"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}