{"id":5986,"date":"2021-11-14T05:54:15","date_gmt":"2021-11-14T04:54:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5986"},"modified":"2021-10-27T20:54:54","modified_gmt":"2021-10-27T19:54:54","slug":"der-wuestenfuchs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=5986","title":{"rendered":"Der W\u00fcstenfuchs"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Narrativ der \u201eSauberen Wehrmacht\u201c geht vor allem auf\nseine \u201eritterliche\u201c Kriegsf\u00fchrung zur\u00fcck. Bei der Verbreitung half erheblich Hans\nSpeidel, 1944 sein Stabschef, der den Mythos unbeschadet in die Nachkriegszeit\n\u00fcbertr\u00e4gt. Mit seinem 1949 erschienenen Buch \u201eInvasion 1944\u201c legte er den\nGrundstein f\u00fcr die Umdeutung seines Vorgesetzten vom hitlertreuen General zum\nWiderstandsk\u00e4mpfer, der dem NS-Regime zum Opfer fiel. Er habe die \u201ewachsende\nAmoralit\u00e4t des Regimes\u201c erkannt und Hitler im Juli 1944 verhaften wollen. Nur\nseine schwere Verwundung habe verhindert, dass er \u201ezur Tat schreiten\u201c konnte.\nSpeidel, seit 1950 milit\u00e4rischer Berater Adenauers und Mitplaner der\nBundeswehr, gelingt es, seiner Perspektive breite gesellschaftliche Zustimmung\nzu verschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wird nun zum soldatischen Vorbild auch der Bundeswehr und\ndient der Traditionsbildung der neuen Streitkr\u00e4fte. Im November 1956 spricht\nSpeidel als Bundeswehrgeneral erstmals vor Soldaten am Grabe des\nFeldmarschalls. Er habe sein Gewissen \u00fcber den Gehorsam gestellt, so Speidel,\nsein Leben gereiche \u201eden besten Traditionen deutschen Soldatentums und unseres\ndeutschen Volkes \u00fcberhaupt zur Ehre.\u201c Zwei Jahrzehnte hat das neue Leitbild\nBestand. Stra\u00dfen, Kasernen und ein Zerst\u00f6rer werden nach dem Feldmarschall\nbenannt. Erst Ende der 1970er-Jahre ger\u00e4t das Bild in die Kritik, und es\nbeginnt um ihn ein Deutungsstreit, der bis heute andauert: Johannes Erwin Eugen\nRommel, der am 15. November 1891 in Heidenheim an der Brenz zur Welt kam.<\/p>\n\n\n\n<p>Rommel, drittes von f\u00fcnf Kindern eines Lehrers, ist ein vertr\u00e4umter, blasser und oft kr\u00e4nkelnder Junge, auch in der Schule ist er nicht erfolgreich. Erst sp\u00e4ter entwickelt sich sein mathematisches Talent, und er interessiert sich f\u00fcr die Fliegerei. Die Zeppelinwerft am Bodensee hat es ihm angetan: Er will Flugzeugingenieur werden. Doch der Vater stellt ihn vor die Wahl: Lehrer oder Offizier. Rommel entscheidet sich f\u00fcr das Milit\u00e4r und tritt am 19. Juli 1910 als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment \u201eK\u00f6nig Wilhelm I.\u201c\u00a0 im oberschw\u00e4bischen Weingarten ein. Er wird Leutnant, bildet f\u00fcr das Regiment Rekruten aus und hat eine Freundin: Walburga Stemmer, die im Dezember 1913 Tochter Gertrud zur Welt bringt. Rommel will sie nicht heiraten, sie stirbt 1928 mutma\u00dflich durch Suizid. Zeitlebens gibt er sich als Gertruds Onkel aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/rommel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5988\"\/><figcaption>Rommel. Quelle: Von Bundesarchiv, Bild 146-1985-013-07 \/ CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=5483247<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1911 hatte er w\u00e4hrend eines Kriegsschullehrgangs in Danzig Lucie-Maria\nMollin kennengelernt, beide heiraten 1916. Im 1. Weltkrieg k\u00e4mpft Rommel immer\nan vorderster Front, wird mehrfach verwundet, bef\u00f6rdert und ausgezeichnet. Im\nOktober 1917 steht er als Kompaniechef des w\u00fcrttembergischen Gebirgsbataillons\neiner italienischen \u00dcbermacht an der Isonzo-Front gegen\u00fcber. F\u00fcr die Eroberung\ndes Monte Matajur ist der h\u00f6chste Orden ausgesetzt: der Pour le M\u00e9rite. Rommel\nwill ihn haben. Er erst\u00fcrmt an der Spitze seiner Truppe den Matajur und hat\nErfolg.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>J\u00fcngster deutscher\nGeneralfeldmarschall<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Krieg entgeht er der Entlassung nach den\nBestimmungen des Versailler Vertrags. 1921 bis 1929 ist er Chef einer\nMaschinengewehrkompanie in Stuttgart, wo 1928 auch sein Sohn Manfred zur Welt\nkommt, der sp\u00e4tere Stuttgarter Oberb\u00fcrgermeister. Danach lehrt er bis 1933 an\nder Dresdner Infanterieschule. Die Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten\nbegr\u00fc\u00dft Rommel, da er sich eine Revision des Versailler Vertrags erhofft. Er\nwird Bataillonskommandeur in Goslar und zum Major bef\u00f6rdert. Nach einem\nIntermezzo als Lehrgangsleiter der Infanterieschule Potsdam wird er 1936 in das\nmilit\u00e4rische Begleitkommando von Hitler berufen und ver\u00f6ffentlicht im Jahr\ndarauf sein Buch \u201eInfanterie greift an\u201c, das sich bis 1945 \u00fcber 400.000 Mal\nverkauft. Gef\u00f6rdert durch Hitler macht er nun eine Bilderbuch-Karriere und wird\nzum Helden der NS-Propaganda. Beim deutschen Einmarsch in das Sudetengebiet\n1938 hat Rommel den Oberbefehl \u00fcber das F\u00fchrerbegleitkommando und wird 1939\nKommandant des F\u00fchrerhauptquartiers bei der Besetzung von \u201eResttschechei\u201c und\nMemelland. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Generalmajor hat er dann bei Beginn des Zweiten Weltkriegs die regul\u00e4re Leitung des F\u00fchrerhauptquartiers inne. Als Kommandeur der 7. Panzerdivision nimmt er 1940 am Frankreichfeldzug teil und erh\u00e4lt das Ritterkreuz. Rommel hatte bis dahin zwar keinerlei praktische Erfahrung in der F\u00fchrung von Panzerverb\u00e4nden, erwies sich mit seiner eigenwilligen \u201eVorne-F\u00fchrung\u201c aber als erfolgreich: Er f\u00fchrte lieber aus dem Befehlspanzer von vorne als vom Kartentisch weit hinter der Front. \u00a0Die Unvorhersehbarkeit und Geschwindigkeit seiner Operationen irritierten nicht nur seine Gegner, sondern auch das deutsche Oberkommando und brachte seiner Einheit den Beinamen \u201eGespensterdivision\u201c ein. Er hat einen Auftritt in der NS-Wochenschau. Auch Bildpostkarten sind in dieser Zeit schon weit verbreitet: Rommel entspricht dem Idealtyp des jungen, modernen Offiziers. Nach seiner Bef\u00f6rderung zum Generalleutnant erh\u00e4lt Rommel 1941 mit dem \u201eUnternehmen Sonnenblume\u201c den Oberbefehl \u00fcber das deutsche Afrikakorps in Libyen gegen den Widerstand des Oberbefehlshabers des Heers, Walther von Brauchitsch. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/rommel-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5989\"\/><figcaption>16.6.1942 Generaloberst Rommel mit seinem Stab, ca. 46 km westl. von Tobruk. Quelle: Von Bundesarchiv, Bild 101I-443-1582-32 \/ Bauer \/ CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=5412247<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit einer Offensive gegen die britischen Truppen zu Beginn des\nAfrikafeldzugs gelingt ihm im Fr\u00fchjahr die R\u00fcckeroberung der Cyrenaika (Libyen),\nobwohl das Oberkommando des Heeres ihn vorher mehrfach angewiesen hatte, auf\ndas Eintreffen von Verst\u00e4rkung zu warten. Da die Briten die\nEnigma-Verschl\u00fcsselung entschl\u00fcsselt hatten, h\u00f6rten sie die wiederholten\nWartebefehle an Rommel ab und erwarteten keine weiteren Schritte, weshalb ihm\nweitere Vorst\u00f6\u00dfe gelangen. Prompt wird er Befehlshaber der \u201ePanzergruppe\nAfrika\u201c. Seine Erfolge bewegen Goebbels und Hitler, ihn zum Volkshelden zu\nstilisieren. Im April 1941 wird Rommel in der Zeitschrift \u201eDas Reich\u201c als\nsoldatischer F\u00fchrer beschrieben, \u201edem jede neue Aufgabe und jeder neue Boden\nwillkommen ist, Lehrer und Vorbild, politischer K\u00e4mpfer und milit\u00e4rischer\nSchriftsteller, (\u2026) eine Gestalt, die von den jungen Deutschen als diesem\nJahrhundert gem\u00e4\u00df empfunden wird.\u201c Insgesamt war der deutsche Einsatz in\nNordafrika von Nachschubproblemen aufgrund der bevorzugten Versorgung der\ndeutschen Truppen im Krieg gegen die Sowjetunion gepr\u00e4gt. Umso beachtlicher\nsind seine Erfolge. Der britische Historiker Paul Kennedy bezeichnet etwa die\nNiederlage der amerikanischen Landstreitkr\u00e4fte bei Kasserine als \u201edem\u00fctigendste\nNiederlage\u201c im gesamten Krieg neben der Schlacht um die Philippinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 20. Januar 1942 wurde Rommel als erster Soldat des Heeres\nmit den Schwertern zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ausgezeichnet. Aus Rommel\nwird so \u201eUnser Rommel\u201c, ein Offizier, der immer ganz nahe bei \u201eseinen\u201c Soldaten\nist, ein harter und fordernder Kommandeur, auf den man sich verlassen kann.\nNach der Eroberung von Tobruk ernennt Hitler Rommel im Juni zum\nGeneralfeldmarschall, dem j\u00fcngsten Deutschlands, woraus weitere Konflikte mit\nder Generalstabsf\u00fchrung erwachsen. Er r\u00fcckt bis El Alamein in \u00c4gypten vor, tritt\nim Berliner Sportpalast auf und wird von der Propaganda als Kriegsheld\ngefeiert. Nach der Gegenoffensive erteilt Hitler den Befehl zum Halten der\nStellung, doch im November beginnt Rommel den R\u00fcckzug. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>mutiger Feldherr und\ngro\u00dfer Taktiker<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als die Niederlage der deutschen Truppen abzusehen war, verlie\u00df Rommel, zuvor noch zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Afrika ernannt, am 6. M\u00e4rz 1943 den Kontinent: Die von der deutschen Bev\u00f6lkerung verehrte Propagandafigur sollte nicht mit der Niederlage in Verbindung gebracht werden. Nur Tage sp\u00e4ter verlieh Hitler Rommel die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern als erstem Soldat des Heeres. Wegen seiner Befehlsmissachtung war es erstmals zu Spannungen zwischen Hitler und Rommel gekommen, die sich erst aufl\u00f6sten, als sich Rommels Einsch\u00e4tzung der nicht mehr abzuwendenden Niederlage in Nordafrika im Mai schlie\u00dflich best\u00e4tigte. Insgesamt brachten ihm die Erfolge im Afrikafeldzug gro\u00dfe Popularit\u00e4t in der Heimat und offenen Respekt im Ausland sowie den Spitznamen \u201eW\u00fcstenfuchs\u201c ein. Er gilt als risikobereiter Befehlshaber, der im Gefecht die gegnerischen Schw\u00e4chen brillant ausnutzen, die Gegenseite durch schnelle und \u00fcberraschende Vorst\u00f6\u00dfe \u00fcberrumpeln kann und auch von den Gegnern als mutiger Feldherr und gro\u00dfer Taktiker anerkannt wurde. Im Ausland galt er als der nach Hitler bekannteste Deutsche.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/rommel-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5990\"\/><figcaption>Rommel mit Speidel 1944. Quelle: Von Bundesarchiv, Bild 101I-719-0240-22 \/ Jesse \/ CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=5413491<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach der alliierten Landung in Sizilien erh\u00e4lt Rommel das\nKommando \u00fcber die Heeresgruppe B. Als im August Benito Mussolini gest\u00fcrzt wird,\nbesetzt Rommel mit seiner Heeresgruppe Italien. Im November bekommt er den\nAuftrag zur Kontrolle der Verteidigungsma\u00dfnahmen an der franz\u00f6sischen\nAtlantikk\u00fcste und ist damit Hitler direkt unterstellt &#8211; er galt, obwohl nie\nNSDAP-Mitglied, als Hitlers Lieblingsgeneral. Im M\u00e4rz 1944 unterzeichnete\nRommel wie alle anderen Generalfeldmarsch\u00e4lle eine Loyalit\u00e4tserkl\u00e4rung\ngegen\u00fcber Hitler, obwohl er diese als unn\u00f6tig empfand, da seiner Ansicht nach\nein einmal gegebenes soldatisches Treuegel\u00f6bnis ohnehin dauerhaften Bestand\nhabe. <\/p>\n\n\n\n<p>Noch im Juni 1944, als die alliierte Invasion unmittelbar\nbevorsteht, beteiligt er sich an Pl\u00e4nen des Propagandaministers, eine \u201eZersetzungspropaganda\u201c\ngegen\u00fcber den westalliierten Truppen aufzubauen. \u201eEr ist auch pers\u00f6nlich an\ndieser Propaganda interessiert und m\u00f6chte sie mit allen Mitteln f\u00f6rdern. Er hat\nsich selbst Gedanken dar\u00fcber gemacht und bringt praktische Vorschl\u00e4ge f\u00fcr\neinzelne Sendungen und Themen!\u201c, schreibt Goebbels Beauftragter Alfred-Ingemar\nBerndt nach einem Frankreich-Besuch bei Rommel. Sowohl in pers\u00f6nlichen\nBesprechungen mit Hitler im Juni 1944 als auch in seinem Schreiben\n\u201eBetrachtungen zur Lage\u201c vom 15. Juli machte er dann deutlich, dass er einen\nSieg der deutschen Truppen f\u00fcr unwahrscheinlich hielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 17. Juli wurde Rommel bei einem Tieffliegerangriff schwer\nverwundet: er erlitt einen dreifachen Sch\u00e4delbruch und ein zugeschwollenes\nlinkes Auge, dessen Bewegungsnerven abgequetscht waren. Nachdem er seinen\nOberbefehl \u00fcber die Heeresgruppe niedergelegt hatte, hielt er sich zur Erholung\nin seinem Haus in Herrlingen auf. Nach dem Attentat vom 20. Juli wird er aus\nKreisen der Wehrmachtsf\u00fchrung der Beteiligung am Widerstand beschuldigt: Er\nhabe von den Anschlagspl\u00e4nen gewusst und sich einer m\u00f6glichen neuen deutschen\nRegierung im Vorfeld als potentieller Reichspr\u00e4sident zur Verf\u00fcgung gestellt. Schon\nin den Wochen vor seinem Tod habe der Vater gegen\u00fcber der Familie von\nTodes\u00e4ngsten gesprochen, berichtet Manfred Rommel in Interviews nach dem Krieg.\nEr bekommt am 7. Oktober den Befehl, sich in Berlin zu melden, um sich vor dem\nVolksgerichtshof zu verantworten. Mit Verweis auf seinen gesundheitlichen\nZustand lehnt er ab. Daraufhin sind am 14. Oktober Hitlers Chefadjutant Wilhelm\nBurgdorf und der Chef f\u00fcr Ehrenangelegenheiten im Heerespersonalamt Ernst\nMaisel bei Rommel in Herrlingen angemeldet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eOffizier aus dem\nGeiste des Nationalsozialismus\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach sp\u00e4teren Verh\u00f6rprotokollen soll Burgdorf das Protokoll eines Verh\u00f6rs mit von Hofacker, einem der am Attentat Beteiligten, dabeigehabt haben. Von Hofacker belastet Rommel darin schwer. Auch Maisel gibt sp\u00e4ter zu Protokoll, dass Rommel, konfrontiert mit der Aussage von Hofackers, geantwortet habe: \u201eIch habe mich vergessen und ich werde die Konsequenzen ziehen.\u201c Nach anderen Quellen streitet Rommel die Vorw\u00fcrfe ab und sieht sich als Opfer einer Intrige. Die Abgesandten Hitlers bleiben unbeeindruckt. Die Gener\u00e4le stellen ihn vor die Wahl: Entweder er wird dem Volksgerichtshof \u00fcberstellt und seine Familie in Sippenhaft genommen, oder er begeht Selbstmord und erh\u00e4lt ein Staatsbegr\u00e4bnis. Rommel entscheidet sich f\u00fcr den Selbstmord. Den Generalen soll Rommel noch gesagt haben: \u201eIch habe den F\u00fchrer geliebt und liebe ihn noch\u2026\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"678\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/rommel-3-1024x678.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5991\"\/><figcaption> Gedenkstein f\u00fcr Erwin Rommel am Ort des Suizids in Herrlingen. Quelle: Von Olga Ernst &#8211; Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=78676578<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der 15 Jahre alte Manfred darf sich noch von seinem Vater\nverabschieden, f\u00fcr immer. Kurz hinter dem Ortsausgang von Herrlingen nimmt sich\nder Generalfeldmarschall mit der von den Generalen mitgebrachten\nZyankali-Kapsel das Leben. Offiziell hei\u00dft es: \u201eGeneralfeldmarschall Rommel ist\nan den Folgen einer schweren Kopfverletzung, die er als Oberbefehlshaber einer\nHeeresgruppe im Westen durch einen Kraftfahrzeugunfall erlitten hatte,\nverstorben.\u201c Die NS-Propaganda kann aufgrund seines Nimbus den Slogan \u201eUnser\nRommel\u201c nicht ohne Prestigeverlust Hitlers und seines Regimes ins Gegenteil\nverkehren. Sie muss den Schein wahren, ja ihn durch ein Staatsbegr\u00e4bnis sogar\nnoch st\u00e4rken. Rommel muss gewusst haben, dass er dadurch die Deutung seiner\nPerson und seiner Taten an das Regime abtreten w\u00fcrde. Um seine Familie vor\nVerfolgung zu sch\u00fctzen, schweigt er und f\u00fcgt sich in das Unabwendbare. Beim\nfeierlichen Staatsakt im Ulmer Rathaus l\u00e4sst sich Hitler vom Oberbefehlshaber\nWest, Generalfeldmarschall von Rundstedt, vertreten: Rommel sei ein Offizier\n\u201eaus dem Geiste des Nationalsozialismus\u201c gewesen. Sein Herz habe dem F\u00fchrer\ngeh\u00f6rt. <\/p>\n\n\n\n<p>Rommels Bewertung als unpolitischer, genialer Befehlshaber\nund Opfer des Nationalsozialismus pr\u00e4gt sein Bild bis heute. Die erste\nBiographie schrieb ausgerechnet der Brite Desmond Young 1950, der in Nordafrika\nselbst gegen Rommel gek\u00e4mpft hatte. Im selben Jahr hatte Rommels Witwe seine\nMemoiren ver\u00f6ffentlicht mit dem Titel \u201eKrieg ohne Hass\u201c. Damit war laut Daniel\nSternal auch \u201eeine positive Leitfigur\u201c in den Nachkriegswirren erschaffen und\ndankbar angenommen worden. Weiteren Auftrieb bekam seine Popularisierung mit\ndem Hollywoodfilm \u201eThe Desert Fox: The Story of Rommel\u201c mit James Mason, der\n1952 zum Kassenschlager wurde. Nach dem Krieg entstanden Gruppen wie der\n\u201eVerband Deutsches Afrika-Korps e.V.\u201c sowie das \u201eRommel Sozialwerk e.V.\u201c, die\nein \u00dcbriges taten. <\/p>\n\n\n\n<p>Ausgerechnet der rechtskonservative Historiker David Irving hatte mit einer 1978 auf Deutsch erschienen Rommel-Biographie erstmals mit gro\u00dfer \u00f6ffentlicher Resonanz die Beteiligung Rommels am Widerstand angezweifelt. Linke haben inzwischen nachgezogen, vor allem beim Umgang mit seinen Denkm\u00e4lern, zumal dem am Ortsrand seiner Geburtsstadt Heidenheim. Die \u201eHeidenheimer Geschichtswerkstatt\u201c hat dessen Umgestaltung oder gar Entfernung gefordert. Eine 2011 angebrachte Informationstafel mit Erl\u00e4uterungen wurde als peinliches Dokument geschichtlicher Ahnungslosigkeit 2014 wieder entfernt. Seit 2020 wirft ein Gegendenkmal einen \u201eSchatten\u201c darauf &#8211; ein Minenopfer an Kr\u00fccken, um auf Rommels \u201eTeufelsg\u00e4rten\u201c hinzuweisen: Labyrinthe aus hufeisenf\u00f6rmigen Minenfeldern, deren \u00d6ffnungen in Richtung der britischen Widersacher wiesen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/rommel-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5992\"\/><figcaption>Erwin Rommel mit Frau Lucie und Sohn Manfred 1941 in Wiener Neustadt. Quelle: https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/bd55352f-0001-0004-0000-000000612032_w860_r1.5167548500881833_fpx35.47_fpy49.92.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eWenn es um \u201aF\u00fchrerkult\u2018 und \u201aVolksgemeinschaft\u2018 ging, stand\nRommel dem Nationalsozialismus sehr positiv gegen\u00fcber. Wenn man aber unter\neinem \u201aNazi\u2018 einen Antisemiten, einen Kriegsverbrecher und einen radikalen\nWeltanschauungskrieger versteht, dann war Rommel kein \u201aNazi\u2018. Im Gegenteil, er\nmissachtete mehrmals verbrecherische Befehle\u201c, so der Potsdamer\nMilit\u00e4rhistoriker J\u00fcrgen Lieb in der <em>Welt<\/em>.\nIn der wissenschaftlichen Literatur \u00fcberwiegt heute das Bild des\nopportunistischen Karrieristen, der als Produkt seiner Generation wie gro\u00dfe\nTeile des deutschen Offizierskorps lange unf\u00e4hig, aber bis zu einem gewissen\nGrad auch unwillig war, die politischen Ziele des Nationalsozialismus in\nad\u00e4quater Weise zu erfassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der begabte Frankreich- und Afrikastratege galt als Hitlers \u201eLieblingsgeneral\u201c und wurde trotzdem von ihm zum Suizid gezwungen: Erwin Rommel. Vor 130 Jahren wurde er geboren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5986"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5986"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5986\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5993,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5986\/revisions\/5993"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}