{"id":6196,"date":"2022-03-22T06:54:00","date_gmt":"2022-03-22T05:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6196"},"modified":"2022-01-30T16:55:03","modified_gmt":"2022-01-30T15:55:03","slug":"den-beifall-der-masse-fuerchten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6196","title":{"rendered":"\u201eden Beifall der Masse f\u00fcrchten\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Sein Lebensthema war der Wirtschaftsliberalismus. Er k\u00e4mpfte unabl\u00e4ssig gegen jede Form staatlicher Eingriffe, weil die seiner Meinung nach letztlich zur Unfreiheit der Menschen f\u00fchrten. Sein Argument war: Der Staat kann niemals \u00fcber ausreichend Wissen verf\u00fcgen, um eine Gesellschaft richtig lenken zu k\u00f6nnen. Seine Ideen waren \u00e4u\u00dferst einflussreich und pr\u00e4gten viele konservative Politiker des letzten Jahrhunderts, etwa Ronald Reagan oder V\u00e1clav Klaus. Besonderen Einfluss hatte er auf die britische Premierministerin Margaret Thatcher. Einer Anekdote zufolge soll Thatcher einmal zu Beginn einer Kabinettssitzung ein Buch von ihm auf den Tisch geworfen haben, begleitet von den Worten: \u201eDas ist es, woran wir glauben!\u201c Er wiederum war ein Bewunderer der \u201eIron Lady\u201c \u2013 und ein Bef\u00fcrworter ihres harten Reformkurses. Mehrfach soll er sie ermutigt haben, ihre Sparma\u00dfnahmen und Einschnitte ins Sozialsystem z\u00fcgiger umzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Arbeiten zur Preistheorie werden als sein wichtigster Beitrag zur Wirtschaftswissenschaft angesehen. In seiner Dankesrede zum Nobelpreis erkl\u00e4rte er doch tats\u00e4chlich, dass er den Preis f\u00fcr unangemessen h\u00e4lt. Ja mehr noch, die Auszeichnung sei gef\u00e4hrlich, weil sie \u201eeinem Einzelnen eine solche Autorit\u00e4t gibt, wie sie in den Wirtschaftswissenschaften niemand besitzen sollte.\u201c Aber auch der zweite Geehrte, der schwedische Sozialist Gunnar Myrdal, war unzufrieden \u2013 allerdings mit der Wahl seines Ko-Preistr\u00e4gers. Solange Forscher wie er geehrt w\u00fcrden, sollte der Preis besser abgeschafft werden, meinte Myrdal. Die Auszeichnung angenommen haben 1974 aber letztlich beide. Und vor allem dem 75-j\u00e4hrigen \u2013 zuvor kr\u00e4nklich und in Forscherkreisen eher ein Au\u00dfenseiter \u2013 verlieh der Preis f\u00fcr die letzten knapp zwei Lebensjahrzehnte ungeheuren Auftrieb: Friedrich August von Hayek, der am 23. M\u00e4rz 1992 starb.<\/p>\n\n\n\n<p>Als \u00e4ltester von drei Br\u00fcdern, die auch als Wissenschaftler Karriere machen, am 8. Mai 1899 in Wien geboren, w\u00e4chst er in einem Akademikerhaushalt auf: Sein Vater ist Arzt und Privatdozent f\u00fcr Botanik an der Universit\u00e4t Wien; sein Cousin ist der Philosoph Ludwig Wittgenstein. In Hayeks Elternhaus treffen sich oft die Kollegen des Vaters. Wissenschaftliche Themen sind an der Tagesordnung. Auch die wissenschaftliche Methodik lernte der junge Fritz Hayek von seinem Vater, der ihn bei Versuchen assistieren l\u00e4sst. Als Jugendlicher wird er im Ersten Weltkrieg eingezogen und k\u00e4mpft als Artillerieoffizier an der italienischen Front. Nach einem Granateinschlag bleibt er sein Leben lang auf einem Ohr taub. Zudem erkrankt er an Malaria. Nach Ende des Krieges kehrt er, von der Krankheit geschw\u00e4cht, nach Wien zur\u00fcck und beginnt unverz\u00fcglich mit dem Studium.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Hayek.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Hayek-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6198\"\/><\/a><figcaption>Hayek. Quelle: https:\/\/www1.wdr.de\/stichtag\/friedrich-august-von-hayek-stichtagmaerz-zwanzigsiebzehn-100~_v-gseagaleriexl.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Hayek ist f\u00fcr Rechtswissenschaften eingeschrieben. Tats\u00e4chlich besucht er aber haupts\u00e4chlich Vorlesungen in Volkswirtschaft und Psychologie. Als junger Student ist er zun\u00e4chst von den Ideen der Planwirtschaft angetan und liest mit Begeisterung Walther Rathenaus Werke. 1921 schlie\u00dft er mit gerade 20 Jahren sein Jurastudium mit der Promotion ab und entschlie\u00dft sich f\u00fcr ein zweites Studium in Staatswissenschaften: \u201eWer nur ein \u00d6konom ist, kann kein guter \u00d6konom sein\u201c, wird er bilanzieren. Bereits zwei Jahre sp\u00e4ter erh\u00e4lt er auch in diesem Fach den Doktortitel. W\u00e4hrend seines Studiums arbeitet Hayek im \u00f6sterreichischen Abrechnungsamt, wo Angelegenheiten der Reparationszahlungen und Kriegsfolgekosten abgewickelt werden. Er lernt Ludwig von Mises kennen, einen der wichtigsten Vertreter der \u00d6sterreichischen Schule der National\u00f6konomie, dessen Buch \u201eDie Gemeinwirtschaft\u201c ihn sehr beeindruckt. Von der systematischen Widerlegung der sozialistischen Ideen \u00fcberzeugt, wirft er seine Begeisterung f\u00fcr die Planwirtschaft \u00fcber Bord und wird zu einem \u201eradikalen Anti-Sozialisten\u201c, wie er sich selbst nennt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201ethe muddle of the middle\u201d<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen 1923 und 1924 arbeitete Hayek als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der New York University, kehrt zur\u00fcck in den \u00f6sterreichischen Staatsdienst, heiratet 1926 Hella von Fritsch, die als Sekret\u00e4rin in einer \u00f6ffentlichen Beh\u00f6rde arbeitete und bekommt mit ihr zwei Kinder. Mit Mises, der sein Mentor und Freund geworden ist, gr\u00fcndet er 1927 das \u00d6sterreichische Institut f\u00fcr Konjunkturforschung und forschte besonders \u00fcber die Theorie von Konjunkturschwankungen. Konjunkturtheorien sind Ende der 1920er Jahre in Mode, nicht zuletzt weil ausgehend von den USA die Gro\u00dfe Depression, eine Wirtschaftskrise ungekannten Ausma\u00dfes, \u00fcber die Welt hereinbricht, die zu Massenarbeitslosigkeit und sogar zu Hungertoten f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele \u00d6konomen sind schockiert und suchen h\u00e4nderingend nach Rezepten, um die Wirtschaft schnell wieder in Gang zu bringen. Hayek geht davon aus, dass es in einer Volkswirtschaft einen nat\u00fcrlichen Zinssatz gibt. Dieser Zinssatz w\u00fcrde sich ergeben, wenn niemand in das Wirtschaftsgeschehen eingreift. Der Zins, den die Zentralbank festlegt, weicht vom nat\u00fcrlichen Zins ab. Deshalb kommt es zu Verzerrungen im Produktionsprozess \u2013 und zum Auf und Ab in der Wirtschaft, weil entweder zu viel oder zu wenig investiert wird. Hayek h\u00e4lt jegliche Eingriffe \u2013 egal ob in Form von staatlichen Investitionen oder billigem Geld \u2013 f\u00fcr sch\u00e4dlich. Krisen geh\u00f6ren seiner Meinung nach zum Wirtschaftszyklus dazu. Sie h\u00e4tten eine Art reinigende Wirkung und machten eine \u00d6konomie langfristig produktiver, denn schlechte Investitionsprojekte werden abgebrochen, Produktionsfaktoren freigesetzt. Er selbst bezeichnete sich als T\u00fcftler, sitzt lange an seinen Manuskripten, \u00fcberarbeitet sie von morgens bis abends. Spontane Aussagen und Diskussionen liegen ihm nicht. Seine Kinder sagten einmal, sie h\u00e4tten ihren Vater immer nur lesen gesehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Hayek-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Hayek-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6199\"\/><\/a><figcaption>Vorlesung 1948. Quelle: https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/d23b5bd5-0002-0004-0000-00009ebe4065_w948_r1.9452887537993921_fpx25.71_fpy50.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Seine Arbeiten sorgen f\u00fcr Furore in der Fachwelt. Die renommierte London School of Economics bietet ihm eine Professur an. Hayek wird hier 1931 Professor \u2013 als erster Ausl\u00e4nder \u00fcberhaupt. Man hatte schon l\u00e4nger Ausschau nach jemandem wie Hayek gehalten. Denn an der anderen renommierten britischen Universit\u00e4t, dem King`s College in Cambrigde, sorgt gerade John Maynard Keynes f\u00fcr eine Revolution in der \u00d6konomie. Hayek gilt bald als bedeutendster intellektueller Widerpart von Keynes. Die wirtschaftspolitischen Empfehlungen der beiden k\u00f6nnten unterschiedlicher nicht sein. W\u00e4hrend Hayek Krisen f\u00fcr unausweichlich h\u00e4lt \u2013 ihnen sogar eine reinigende Wirkung zuspricht \u2013, pl\u00e4diert Keynes f\u00fcr ein beherztes Eingreifen des Staates durch Konjunkturprogramme.<\/p>\n\n\n\n<p>Hayek war nicht bereit, nach dem Anschluss 1938 nach \u00d6sterreich zur\u00fcckzukehren, und wurde mit seinen Kindern britischer Staatsb\u00fcrger \u2013 ein Status, den f\u00fcr den Rest seines Lebens innehatte. 1944 ver\u00f6ffentlicht er \u201eDer Weg in die Knechtschaft\u201c. Darin warnt er davor, dass eine zentralwirtschaftliche Planung letztlich in die Despotie f\u00fchre. Auch die NS-Herrschaft sei keine Antwort auf linke Tendenzen, sondern vielmehr deren zwangsl\u00e4ufige Folge gewesen. \u201eHayeks Angriff richtete sich in erster Linie gegen die prinzipienlose \u201agemischte Wirtschaftsordnung\u2018 &#8211; also das pragmatische Nebeneinander von staatlichem Interventionismus und Markt -, die er als \u201athe muddle of the middle\u2018 verspottetet\u201c, so der Grazer Volkswirt Stephan B\u00f6hm in der <em>Zeit<\/em>. Die erste Auflage von 2000 Exemplaren ist innerhalb eines Monats vergriffen. Bis heute wurde das Buch in zahlreiche Sprachen \u00fcbersetzt und millionenfach verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p>1945 erscheint sein ber\u00fchmter Aufsatz \u201eDie Verwertung des Wissens f\u00fcr eine Gesellschaft\u201c. Weil der Staat niemals so viel Wissen anh\u00e4ufen k\u00f6nne wie die Menschen insgesamt besitzen, ist es besser, wenn er die Menschen frei handeln l\u00e4sst: Als Einrichtung, die sich an tausende Umst\u00e4nde anpasst, welche niemand komplett erfassen kann, ja als \u201eEinrichtung, wo Preise, die sich auf dem Markt gebildet haben, dem Einzelnen signalisieren, was er tun sollte und was nicht, und das ganz im Sinne des Gemeinwohls.\u201c Preise haben in der Marktwirtschaft die Rolle, Menschen, Marktakteure darauf hinzuweisen, was sie tun, in welche Richtung sie ihre Anstrengungen lenken sollten. Wenn etwa der Preis f\u00fcr einen wichtigen Rohstoff wie etwa&nbsp; Erd\u00f6l steigt, bedeutet das im Sinne von Hayek, hier wird den Marktakteuren angezeigt, mit diesem Rohstoff vorsichtiger umzugehen und Alternativen zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wettbewerb als Entdeckungsverfahren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Krieg k\u00e4mpft Hayek weiter f\u00fcr wirtschaftsliberale Ideen. 1947 gr\u00fcndet er die Mont P\u00e8lerin Society, eine Diskussionsrunde einflussreicher \u00d6konomen, darunter Milton Friedman, sp\u00e4terer Nobelpreistr\u00e4ger, oder Walter Eucken, der als geistiger Vater der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland gilt. Die Society existiert bis heute, im Laufe der Zeit geh\u00f6rten ihr viele hochrangige Politiker an, auch der deutsche Wirtschaftsminister und Bundeskanzler Ludwig Erhard. Hayek wendet sich im Laufe der Zeit allerdings von der Mont P\u00e8lerin Society ab \u2013 als zu interventionistisch empfindet er die Ausrichtung. Er favorisiert die \u201eadjektivlose\u201c Marktwirtschaft, wie er es nennt, also eine Marktwirtschaft ohne sozialen Ausgleich. Statt Umverteilung solle sich der Staat darauf beschr\u00e4nken, den Rahmen festzulegen, innerhalb dessen sich die Marktwirtschaft ungehindert abspielen kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Hayek-2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Hayek-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6200\"\/><\/a><figcaption><p>Nobelpreisverleihung 1974. Quelle: https:\/\/www.npr.org\/2011\/11\/15\/142307737\/austrian-school-economist-hayek-finds-new-fans?t=1643557955671<\/p><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Privat sorgte er derweil f\u00fcr einen Skandal: Er nahm eine Beziehung zu seiner Cousine Helene Bitterlich auf, hielt sie jedoch bis 1948 geheim. Hayek und Fritsch lie\u00dfen sich im Juli 1950 scheiden und Friedrich August ehelichte seine Cousine, mit der er bis zu seinem Tod verheiratet war. Da sich einige Wissenschaftler darum weigerten, weiter mit Hayek zu arbeiten, ging er 1950 in die USA an die Universit\u00e4t Chicago, wo er elf Jahre lehrte. Hier erscheint 1960 \u201eDie Verfassung der Freiheit\u201c, sein Opus magnum, sein wissenschaftlich bedeutendstes sozialphilosophisches Buch, in dem er die ethischen, anthropologischen und \u00f6konomischen Grundlagen einer freien Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung darlegte. Es steht auf Platz neun auf der Liste der 100 besten Non-Fiction-B\u00fccher des 20. Jahrhunderts des Magazins <em>National Review<\/em>. Daneben reiste er viel, allein vier Mal nach Japan, und verlor durch einen finanziellen Betrug eine gro\u00dfe Summe Geld.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr seine Altersversorgung folgte er 1962 dem Ruf auf den Lehrstuhl f\u00fcr angewandte National\u00f6konomie an der Universit\u00e4t Freiburg. In dieser Zeit entstanden seine Konzeption des Wettbewerbs als ein \u201eEntdeckungsverfahren\u201c und weitere Aufs\u00e4tze der \u201eFreiburger Studien\u201c. Da sich der Keynesianismus nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen durchgesetzt hatte, sto\u00dfen seine Mahnungen vor den Gefahren staatlicher Wirtschaftst\u00e4tigkeit auf taube Ohren, auch in Deutschland: \u201eEine soziale Marktwirtschaft ist keine Marktwirtschaft, ein sozialer Rechtsstaat kein Rechtsstaat, ein soziales Gewissen kein Gewissen, soziale Gerechtigkeit keine Gerechtigkeit \u2013 und ich f\u00fcrchte auch, dass soziale Demokratie keine Demokratie ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nach seiner Emeritierung 1969 vollendete er die Trilogie \u201eRecht, Gesetzgebung und Freiheit\u201c (1973\u20131979), f\u00fcr viele sein bedeutendes Werk. Hayeks Stunde kommt, als der Keynesianismus in den 70er Jahren in die Krise ger\u00e4t: Die Inflation kehrt zur\u00fcck, es gibt Konsums\u00e4ttigung und den \u201e\u00d6lschock\u201c. Staatliche Stimulierung sei nur kurzfristig erfolgreich, langfristig f\u00fchre sie zu h\u00f6herer Arbeitslosigkeit plus Inflation, erkl\u00e4ren die Wirtschaftsliberalen und fordern deshalb, dass sich der Staat aus der Wirtschaft heraushalten soll. Hayek wurde von 1969 bis 1977 Professor an der Universit\u00e4t Salzburg und kehrte dann nach Freiburg zur\u00fcck, wo er den Rest seiner Tage verbrachte. Er litt allerdings an einer schweren Depression sowie insgesamt schlechter Gesundheit und hatte zwei Herzinfarkte, die erst im Nachhinein entdeckt und sp\u00e4ter falsch diagnostiziert wurden. Nach der Nobelpreisverleihung besserte sich sein Befinden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Hayek-3.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Hayek-3-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6202\"\/><\/a><figcaption>Grab in Wien. Quelle: Von I, Michael Kranewitter, CC BY 2.5, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=23260005<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Margaret Thatcher setzt in Gro\u00dfbritannien erstmals in einem Industrieland seine Theorien in Politik um. Der \u00fcber 80-j\u00e4hrige Hayek wird ihr wichtigster Berater, lobte auch ihre restriktive Einwanderungspolitik, was ihm zahlreiche Vorw\u00fcrfe des Rassismus einbrachte. Man k\u00f6nne im Vorhinein nicht wissen, was die besten Regeln sind, und m\u00fcsse auf Wettbewerb als \u201eEntdeckungsverfahren\u201c zur\u00fcckgreifen, lautet eine seiner wichtigsten Lehren, die er auch \u201ekulturelle Evolution\u201c nannte. Zweimal besuchte er Chile, wo er unter anderem mit dem Diktator Augusto Pinochet pers\u00f6nlich sprach, dessen Regime er daraufhin in verschiedenen Artikeln zu verteidigen suchte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er starb hochbetagt in Freiburg und ist in Wien begraben. Bis heute wird er sehr unterschiedlich beurteilt. F\u00fcr die einen ist er ein unabl\u00e4ssiger K\u00e4mpfer f\u00fcr Wohlstand und die Freiheit des Individuums. F\u00fcr die Anderen ist er ein Marktfundamentalist, der im Wettbewerb das Heil ganzer Gesellschaften sucht. Hayek selbst d\u00fcrfte die ambivalente Beurteilung \u00fcbrigens wenig gest\u00f6rt haben. Das jedenfalls legt seine eingangs erw\u00e4hnte Dankesrede vor dem Nobelpreis-Komitee nahe. Er beendet sie mit den Worten: \u201eSozialwissenschaftler m\u00fcssen den Beifall der Masse f\u00fcrchten: Der Teufel ist mit ihnen, wenn alle gut von ihnen sprechen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielen gilt er als wichtigster Denker des Liberalismus und einflussreichster \u00d6konom des 20. Jahrhun-derts: Friedrich August von Hayek. 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