{"id":6240,"date":"2022-05-04T06:44:00","date_gmt":"2022-05-04T05:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6240"},"modified":"2022-04-28T13:54:16","modified_gmt":"2022-04-28T12:54:16","slug":"ein-mann-von-angenehmer-persoenlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6240","title":{"rendered":"\u201eein Mann von angenehmer Pers\u00f6nlichkeit\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Das italienische \u201econversazione\u201c bedeutet viel mehr als nur Geschw\u00e4tz und den Austausch seichter H\u00f6flichkeitsfloskeln: Konversation bedeutet \u201esoziale Praxis des Debattierens und Urteilens\u201c, wie die Soziologin Claudia Honegger schrieb. Ein \u201eKonversationslexikon\u201c also hat sich das emanzipatorische Programm der Aufkl\u00e4rung auf seine Fahnen geschrieben. Seine Leser und Leserinnen sollten, frei nach Kant, durch den \u00f6ffentlichen Gebrauch der Vernunft die Wahrheit \u00f6ffentlich darstellen. In Deutschland war es der \u201eGro\u00dfe Brockhaus\u201c, dessen erste, sechsb\u00e4ndige Auflage zwischen 1796 und 1808&nbsp; erschien, der dieses Programm verfolgte. Herausgegeben wurde er von Friedrich Arnold Brockhaus, der am 4. Mai 1772 in Dortmund als Kaufmannssohn geboren wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Vater, ein Ratsherr, unterhielt eine Materialwarenhandlung, in der der Heranwachsende in seiner Gymnasialzeit bedienen musste, um Gesp\u00fcr und Kenntnisse f\u00fcr das Gesch\u00e4ft zu entwickeln. Eine \u201ewahre Lesewuth\u201c attestierte er sich schon damals, er las vor allem nachts. Die erste gesch\u00e4ftliche Begegnung mit B\u00fcchern lie\u00df jedoch nicht lange auf sich warten. Bereits als Jugendlicher wurde er im Dienste des Gesch\u00e4fts auf Auktionen geschickt, um Folianten und Quartanten zu erstehen, die der Vater in seinem Gesch\u00e4ft als Makulatur brauchte. Bei einer der Auktionen wurde Voltaires Leben von Karl XII. angeboten, und der junge Brockhaus ersteigerte, zum Entsetzen seines Vaters, das Buch f\u00fcr zwei Groschen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Friedrich_Arnold_Brockhaus_Vogel_von_Vogelstein.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Friedrich_Arnold_Brockhaus_Vogel_von_Vogelstein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6261\"\/><\/a><figcaption>Brockhaus. Quelle: Von Carl Christian Vogel von Vogelstein &#8211; http:\/\/www.bildindex.de, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=356606<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4\u00df den elterlichen W\u00fcnschen brach Friedrich Arnold die Schule ab und begab sich von 1788 bis 1793 nach D\u00fcsseldorf, um in einer gro\u00dfen Firma \u201edie Handlung zu erlernen\u201c. Trotz der erfolgreichen Lehr- und Arbeitsjahre in D\u00fcsseldorf hatte \u201edie Liebe f\u00fcr Literatur und die Wissenschaft indessen nie geschlummert(&#8230;)\u201c. Je mehr er las, umso mehr f\u00fchlte Brockhaus die L\u00fccken in seinem Wissen. Er hatte das Gef\u00fchl, keine solide Grundlage zu besitzen. Nach einem Streit mit seinem Prinzipal brach Brockhaus, der zeitlebens f\u00fcr sein aufbrausendes Temperament bekannt war, die Lehre in D\u00fcsseldorf ab und kehrte 1793 nach Dortmund zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kauf des L\u00f6bel\u2018schen \u201eConversationslexikon\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Vater entsprach letztlich seinen dringenden Bitten und gestattete einen Studienaufenthalt in Leipzig zur Verbesserung der Allgemeinbildung des Sohnes. Brockhaus h\u00f6rte Philosophie und Naturwissenschaften und lernte daneben das rege buchh\u00e4ndlerische und literarische Leben der Messestadt kennen, das ihn faszinierte. Nach gl\u00fccklichen anderthalb Jahren kehrte Brockhaus nach Dortmund zur\u00fcck und gr\u00fcndete mit zwei Partnern eine eigene Handlung mit \u201eenglischen Manufacturen\u201c. Das Gesch\u00e4ft ging sehr gut, und so konnte er 1798 die Dortmunder Patriziertochter Sophie Beurhaus heiraten. Nach dem Zerw\u00fcrfnis mit seinen Partnern verlegte Brockhaus 1801 die Firma nach Arnheim und dann nach Amsterdam, zumal Holland den Hauptabsatzmarkt f\u00fcr seine Tuchware bot.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kontinentalsperre Napoleons verhinderte jedoch eine erfolgreiche Weiterf\u00fchrung des Gesch\u00e4fts. Brockhaus wandte sich in der Not seinen alten Vorlieben zu und gr\u00fcndete 1805 mit dem Buchh\u00e4ndler J. G. Rohloff die Sortiments-und Verlagsbuchhandlung \u201eRohloff &amp; Co\u201c. Rohloff lieh daf\u00fcr allerdings nur seinen Namen, denn als Deutscher konnte Brockhaus nicht Mitglied der Amsterdamer Buchh\u00e4ndlergilde werden. So kam es zu der kuriosen Tatsache, dass einer der bekanntesten deutschen Verlage im Ausland gegr\u00fcndet wurde, ein Tuchh\u00e4ndler sein Gr\u00fcnder und Napoleon der Inspirator war.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben seiner Arbeit als Sortimentsbuchh\u00e4ndler gr\u00fcndete Brockhaus die politisch-literarische Zeitung <em>Der Stern<\/em>, die zeitgeschichtliche Monatsschrift <em>Individualit\u00e4ten<\/em> aus und \u00fcber Paris sowie die franz\u00f6sische belletristische Vierteljahrsschrift <em>Le Conservateur<\/em>. Die weitere Verlagst\u00e4tigkeit umfasste die Herausgabe literarischer Werke wie etwa \u00dcbersetzungen, naturwissenschaftliche Werke und Reiseliteratur. Mit dem <em>Historisch-milit\u00e4rischen Handbuch f\u00fcr die Kriegsgeschichte der Jahre 1792 bis 1808<\/em> des Freiherrn von Gro\u00df begr\u00fcndete er 1808 die Verlagstradition der Militaria.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Friedrich_Arnold_Brockhaus_Vogel_von_Vogelstein-1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Friedrich_Arnold_Brockhaus_Vogel_von_Vogelstein-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6262\"\/><\/a><figcaption>B\u00fcste in Leipzig. Quelle: Von Photo: Andreas Praefcke &#8211; Selbst fotografiert, CC BY 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=10494240<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Den wohl folgenreichsten Schritt in seiner verlegerischen Karriere machte er im Herbst 1808 beim Besuch der Leipziger Buchh\u00e4ndlermesse: Er erwarb aus einer Insolvenzmasse f\u00fcr die \u2013 nach damaligen Verh\u00e4ltnissen bescheidene \u2013 Summe von 1.800 Reichstalern die Rechte an dem 1796 von Renatus Gotthelf L\u00f6bel unter dem Titel <em>Conversationslexikon mit vorz\u00fcglicher R\u00fccksicht auf die gegenw\u00e4rtigen Zeiten<\/em> begonnenen Werk. Brockhaus war also nicht der Erfinder des \u201eKonversationslexikons\u201c, seine Leistung bestand vielmehr darin, die Chancen des unvollendeten L\u00f6belschen Lexikons erkannt und durch seine Arbeit daran den Grundstein dazu gelegt zu haben, dass es sich sp\u00e4ter zum Standardwerk des deutschen Bildungsb\u00fcrgertums entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Parallel dazu hatte er famili\u00e4re Probleme: 1809 war Sophie im Kindbett gestorben, und ihr Mann sah sich veranlasst, seine sieben Kinder bei verschiedenen Verwandten unterzubringen, um seinen ohnehin m\u00fchsamen Gesch\u00e4ften nachgehen zu k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich entschloss er sich 1811, seine Firma wieder nach Deutschland zu verlegen, und w\u00e4hlte Altenburg als ersten Sitz der neuen \u201eVerlagsbuchhandlung F. A. Brockhaus\u201c. Die Verlobung mit Hofr\u00e4tin Wilhelmine Spazier, Schw\u00e4gerin von Jean Paul und Herausgeberin des von Brockhaus verlegten Jahreskalenders <em>Urania<\/em>, l\u00f6ste er wieder, nachdem die Frau Wahnvorstellungen entwickelte: \u201eO Gott, aus welchem Himmel bin ich gest\u00fcrzt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als B\u00fcrger in Leipzig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Winter 1812 heiratete Brockhaus die Altenburgerin Jeannette von Zschock und konnte daraufhin auch seine Kinder wieder zu sich holen. Nach anf\u00e4nglichem Ehegl\u00fcck und vier gemeinsamen Kindern setzte jedoch eine Entfremdung ein, die schlie\u00dflich 1821 zur Trennung der Eheleute f\u00fchren sollte, aber das Zusammenleben von Vater und Kindern aus erster Ehe erm\u00f6glichte. Das f\u00fchrte dazu, dass er mit seinen mittlerweile fast erwachsenen S\u00f6hnen gemeinsam am Weiterbau des Verlages arbeiteten konnte. Diese Zusammenarbeit war f\u00fcr den Vater besonders begl\u00fcckend. In diese Jahre bis 1823 fallen die verlegerischen Projekte, die den Verlag \u00fcber den Tod von Friedrich Arnold Brockhaus hinaus erfolgreich machen sollten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Friedrich_Arnold_Brockhaus_Vogel_von_Vogelstein-2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Friedrich_Arnold_Brockhaus_Vogel_von_Vogelstein-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6263\"\/><\/a><figcaption>117 B\u00e4nde. Quelle: https:\/\/i.ebayimg.com\/00\/s\/MTIwMFgxNjAw\/z\/83oAAOSw435iTsza\/$_59.JPG<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>So die <em>Urania<\/em>, eines zu jener Zeit \u00e4u\u00dferst beliebten \u201eTaschenbuchs f\u00fcr Damen\u201c, die aus einer Sammlung zeitgen\u00f6ssischer Prosast\u00fccke und Gedichte bestanden und f\u00fcr die Brockhaus Autoren wie Jean Paul, Theodor K\u00f6rner, Gustav Schwab, Ludwig Tieck und Eichendorff gewinnen konnte. Sie gl\u00e4nzte allein aufgrund ihres hochwertigen Drucks und der sorgf\u00e4ltigen Bebilderung mit Kupferstichen namhafter K\u00fcnstler. Unmittelbar vor der Leipziger V\u00f6lkerschlacht brachte er die <em>Deutschen Bl\u00e4tter<\/em> heraus, die unter dem Eindruck des Kriegsgeschehens zur t\u00e4glichen patriotischen Nachrichtenquelle wurden. 1818 erhielt Brockhaus das Leipziger B\u00fcrgerrecht, das ihm den Eintritt in die Leipziger Buchh\u00e4ndlergemeinschaft erm\u00f6glichte. Damit war er einer von damals 121 Verlags- und Sortimentsbuchh\u00e4ndlern der Stadt. Bis 1819 erfolgte die Umarbeitung des \u201eConversations-Lexikons\u201c, dass so gro\u00dfen Anklang fand, dass der junge Verlag, der in den ersten Jahren vor allem wissenschaftliche Verlagst\u00e4tigkeit betrieb, nun finanziell g\u00fcnstig stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum ersten Mal soll Wissen nicht f\u00fcr den exquisiten Kreis der Gelehrten zug\u00e4nglich werden, sondern f\u00fcr das gebildete B\u00fcrgertum: zur Belehrung, aber auch zur Unterhaltung in den Salons und guten Stuben. \u201eFl\u00fcssigmachung und Popularisierung der wissenschaftlichen, k\u00fcnstlerischen und technischen Ergebnisse, nicht f\u00fcr die gesch\u00e4ftliche Praxis, sondern f\u00fcr die Befriedigung und F\u00f6rderung der allgemeinen Bildung&#8220; wird Brockhaus diese Aufgabe nennen. Darin lebt das emanzipatorische Grundanliegen der Aufkl\u00e4rung weiter: Dass \u201eder Einzelne selbst denken lernen m\u00f6ge, damit er mit seinen Mitmenschen r\u00e4sonieren k\u00f6nne und die Welt also vern\u00fcnftiger werde. Denn: Wer r\u00e4soniert, nimmt Wissen nicht als gegeben hin und macht es \u2013 zur Zeit der Aufkl\u00e4rung und auch nachher keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit \u2013 \u00f6ffentlich\u201c, so Urs Hafner in der <em>NZZ<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der \u00dcbersiedlung der Firma nach Leipzig verwirklichte Brockhaus ein seit langem gehegtes Vorhaben &#8211; den Bau einer eigenen Druckerei. Fremde Druckereien konnten die steigende Nachfrage nach dem Konversations-Lexikon n\u00e4mlich kaum noch bew\u00e4ltigen. Au\u00dferdem gab er das sp\u00e4ter ebenfalls weit verbreitete \u201eHandbuch der deutschen Literatur\u201c heraus. Brockhaus selbst trat im Jahrgang 1822 unter dem Pseudonym \u201eGuntram\u201c mit der Erz\u00e4hlung \u201eDie Nebenbuhlerin ihrer selbst\u201c als Schriftsteller auf, war damit aber wenig erfolgreich. Mit der von dem Naturforscher Lorenz Oken herausgegebenen <em>Isis oder Encyclop\u00e4dische Zeitung von Oken<\/em> geriet er mehrfach an den Rand eines Verbots durch die Zensur.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Friedrich_Arnold_Brockhaus_Vogel_von_Vogelstein-3.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"728\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Friedrich_Arnold_Brockhaus_Vogel_von_Vogelstein-3-1024x728.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6264\"\/><\/a><figcaption>Urania von 1812. Quelle: https:\/\/www.booklooker.de\/B%C3%BCcher\/Brockhaus-Friedrich-Arnold+URANIA-Taschenbuch-f%C3%BCr-Damen-auf-das-Jahr-1812-Mit-zw%C3%B6lf-Kupfern\/id\/A02jwOXi01ZZh<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Reihe <em>Zeitgenossen. Biographien und Charakteristiken<\/em> bildete den Hauptteil seiner journalistischen Verlagst\u00e4tigkeit in Leipzig. Das Werk stellte die Biografien von damals noch lebenden oder bereits verstorbenen Personen der Zeitgeschichte vor und \u00fcbernahm damit ein Konzept, das sich zuvor bereits in England bew\u00e4hrt hatte. Autoren waren etwa Varnhagen von Ense und August Wilhelm Schlegel. Neben dem weiteren Ausbau des enzyklop\u00e4dischen Programms seines Verlages wagte sich Brockhaus auch an die Ver\u00f6ffentlichung der Memoiren Casanovas. Das Werk wurde ein voller Erfolg und der Ausgangspunkt einer umfangreichen Casanova-Literatur im Brockhaus-Verlag, der nun ein spezielles Casanova-Archiv anlegte. 2010 verkaufte die Familie Brockhaus das Manuskript der Memoiren an die franz\u00f6sische Nationalbibliothek &#8211; f\u00fcr siebeneinhalb Millionen Euro, wie gemunkelt wurde. Brockhaus hatte es 1821 f\u00fcr 200 Taler erworben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eWas er geschaffen hat, soll fortleben!\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinem Tod am 23. August 1823 verloren die deutschen Verleger einen vielseitig gebildeten Menschen mit gro\u00dfer Verehrung f\u00fcr das Wissen und K\u00f6nnen seiner Autoren, \u00fcber den Heinrich Heine, trotz der Ablehnung eines Gedichtbandes urteilte: \u201e&#8230;ein Mann von angenehmer Pers\u00f6nlichkeit. Seine \u00e4u\u00dfere Repr\u00e4sentation, sein scharfblickender Ernst und seine feste Freim\u00fctigkeit lassen in ihm jenen Mann erkennen, der die Wissenschaften und den Meinungskampf nicht mit gew\u00f6hnlichen Buchh\u00e4ndleraugen betrachtete.\u201c Gleichsam als Vorgriff auf die Zukunft schrieb sein Sohn Heinrich kurz nach dem Tode des Vaters in sein Tagebuch: \u201eWas er geschaffen hat, soll fortleben!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Brockhaus war Vorbild vieler ausl\u00e4ndischer Lexikaprojekte, darunter das 26-b\u00e4ndige niederl\u00e4ndische Gro\u00dflexikon <em>Winkler Prins Ge\u00efllustreerde Encyclopaedie<\/em> (1870\u20131882) oder auch eine 43-b\u00e4ndige russische Enzyklop\u00e4die (1890\u20131906). Zwischen Oktober 1936 und M\u00e4rz 1938 ver\u00f6ffentlichte die Redaktion, dem neuen Zeitgeist entsprechend, eine vierb\u00e4ndige Ausgabe \u201eDer Neue Brockhaus\u201c, die durch einen Atlasband erg\u00e4nzt und nicht mehr Konversationslexikon, sondern \u201eAllbuch\u201c genannt wurde. Eine kompromisslose Attacke gegen das enzyklop\u00e4dische Wissensmodell ritt der 1948 verstorbene franz\u00f6sische Autor Antonin Artaud: Es erlaube irgendwelchen Pedanten, ihre \u201egeistigen Beschr\u00e4nktheiten zu kanalisieren\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Verkauf der letzten, 21. Auflage war so schlecht verlaufen, dass Brockhaus mit einem Verlust in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von mehreren Millionen Euro abschlie\u00dfen musste. Die f\u00fcr den 15. April 2008 angek\u00fcndigte Lancierung des kostenlosen Onlineportals wurde auf unbestimmte Zeit verschoben und sp\u00e4ter ganz abgesagt. Die Brockhaus-Enzyklop\u00e4die wurde schlie\u00dflich r\u00fcckwirkend zum 1. Februar 2009 durch die Bertelsmann-Tochter Arvato \u00fcbernommen, die Mitte 2013 verlauten lie\u00df, die \u201eBrockhaus-Enzyklop\u00e4die\u201c nicht weiterzuf\u00fchren. Die Marke hat sich seitdem vom Wissens- zum Bildungsanbieter gewandelt und bietet neben Online-Nachschlagewerken bestehend aus Enzyklop\u00e4die, Jugendlexikon und Kinderlexikon, noch digitale Lehrwerke, E-Learning-Material sowie englischsprachige Lehrvideos an.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Friedrich_Arnold_Brockhaus_Vogel_von_Vogelstein.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"725\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Friedrich_Arnold_Brockhaus_Vogel_von_Vogelstein-725x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6265\"\/><\/a><figcaption>Publikationsanordnung f\u00fcr Brockhaus auf Befehl des F\u00fcrsten Schwarzenberg in der ersten Ausgabe der Deutschen Bl\u00e4tter aus dem Jahr 1813. Quelle: Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=374058<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In der \u201esch\u00f6nen neuen Medienwelt\u201c, in der das Digitale und das dynamisch Bewegte eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus\u00fcben, wirkten die in schwarzes Leder eingebundenen W\u00e4lzer, auf deren R\u00fccken goldfarbene Lettern prangen, seit sp\u00e4testens der Jahrtausendwende wie Dinosaurier. Die Standardausgabe wurde bei Komplettabnahme zu einem Gesamtpreis von 2.820&nbsp;Euro verkauft. Dem Verlag zufolge wiegen die B\u00e4nde zusammen 70 Kilogramm und nehmen 1,70 Regalmeter ein. Die 30 B\u00e4nde bieten zwar 300 000 Artikel, doch die deutschsprachige Wikipedia stellt bereits \u00fcber eineinhalb Millionen bereit \u2013 und das obendrein noch kostenlos. Doch das Verdienst, das bedeutendste Nachschlagewerk deutscher Sprache geschaffen zu haben, das sich im Laufe seiner Geschichte zum zentralen Tr\u00e4ger des Wissens unserer Gesellschaft entwickelte, ist Brockhaus nicht zu nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kaufmann und B\u00fcchernarr schuf mit seinem Konversationslexikon das bedeutendste Nachschlagewerk deutscher Sprache: Friedrich Arnold Brockhaus. Vor 250 Jahren kam er zur Welt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6240"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6240"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6240\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6266,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6240\/revisions\/6266"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}