{"id":6318,"date":"2022-08-29T06:12:00","date_gmt":"2022-08-29T05:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6318"},"modified":"2022-07-07T14:19:07","modified_gmt":"2022-07-07T13:19:07","slug":"queen-of-goths","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6318","title":{"rendered":"\u201eQueen of Goths\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Vielen B\u00fcchern und Filmen diente ihr Klassiker als Vorlage f\u00fcr Horrorvisionen eines im Labor geschaffenen Menschen. Der 2,40 Meter gro\u00dfe, hoffnungslos h\u00e4ssliche \u201eD\u00e4mon\u201c, den die Autorin im Alter von 19 Jahren erschuf, warf einen gigantischen Schatten auf ihr weiteres Werk. Weil er verletzlich war wie ein Kind, grausam wie ein Raubtier und gr\u00fcblerisch wie Hamlet. Ein mutterloses Monster, das \u201eDie Leiden des jungen Werther\u201c las. Eine zutiefst einsame Kreatur, die zum Mehrfachm\u00f6rder wurde und sich selbst ebenso hasste wie ihr Sch\u00f6pfer. Der gottgleiche Gelehrte Frankenstein nennt seine Kreatur ein \u201eekelhaftes Scheusal\u201c, einen \u201everfluchten Satan\u201c, den er am liebsten eliminieren w\u00fcrde: \u201eKomm her, und ich will den Funken zertreten, den ich in so leichtfertiger Weise angefacht.\u201c Die Urheberin der Kreatur und ihres Sch\u00f6pfers kam am 30. August vor 225 Jahren in London zur Welt: Mary Shelley.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie war die Tochter der Feministin Mary Wollstonecraft, die mit \u201eVerteidigung der Rechte der Frau\u201c (1792) eine der grundlegenden Arbeiten der Frauenrechtsbewegung verfasste und kurz nach der Geburt ihrer Tochter starb. Ihr Vater, der radikale Sozialphilosoph und Begr\u00fcnder des politischen Anarchismus William Godwin, zog sie gemeinsam mit ihrer \u00e4lteren Halbschwester zun\u00e4chst allein auf und lie\u00df ihr eine umfassende Bildung zuteilwerden. 1811 besuchte sie f\u00fcr kurze Zeit ein M\u00e4dchenpensionat in Ramsgate. Die F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige wurde von ihrem Vater als ungew\u00f6hnlich k\u00fchn, ein wenig herrschs\u00fcchtig und von wachem Verstand beschrieben. Zwei l\u00e4ngere und pr\u00e4gende Reisen nach Schottland folgten: in der weiten, offenen Landschaft habe sich ihre Phantasie entwickeln k\u00f6nnen, schrieb sie sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit 16 verliebte sich Mary in ihren sp\u00e4teren Ehemann Percy Bysshe Shelley, der jedoch noch verheiratet war. Shelley entstammte einer wohlhabenden Aristokratenfamilie, besuchte Eton und Oxford, war rebellisch, unbequem, Republikaner, Vegetarier, \u00fcberzeugter Atheist. Idealistisch, introspektiv und naturvernarrt wie alle romantischen Dichter \u2013 aber auch politisch. Am 26. Juni 1814 soll sie durch ihn auf dem Grab ihrer Mutter ihre Unschuld verloren haben \u2013 \u201eQueen of Goths\u201c wird sie daf\u00fcr heute noch in Kreisen der Dark-Wave-Szene genannt. Danach reisten beide in die Schweiz, wo sie in Anlehnung an Marys Vater ihr Konzept der freien Liebe entwickelten. Mary kehrte schwanger zur\u00fcck, wurde sozial ge\u00e4chtet und traf ihren Liebhaber nur gelegentlich in Hotels, Kirchen oder Kaffeeh\u00e4usern. Zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter verarbeitete sie diese heimlichen Zusammenk\u00fcnfte im Roman \u201eLodore\u201c. Im Februar 1815 gebar Mary eine Tochter, die wenige Tage sp\u00e4ter starb und bei ihr eine depressive Phase ausl\u00f6ste. Im Sommer ging es ihr besser, sie wurde erneut schwanger und brachte im Januar 1816 einen Sohn zur Welt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Steiff-16.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Steiff-16.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6362\"\/><\/a><figcaption>Mary Shelley. Quelle: Von Richard Rothwell &#8211; Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=59420814<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Mai reiste sie dann mit Percy, dem kleinen Sohn und ihrer Stiefschwester, die vom ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Dichter Lord Byron schwanger war, erneut in die Schweiz, um den Sommer am Genfersee zu verbringen. Der von seinem Leibarzt John Polidori begleitete Byron brachte die Gesellschaft in der Villa Diodati unter, wo sie ihre Zeit mit gemeinsamem Lesen, Schreiben und mit Bootsausfl\u00fcgen verbrachte. 1816 ist in die Klimageschichte als Jahr ohne Sommer eingegangen: Die Auswirkungen des Vulkanausbruchs des Tambora in Indonesien f\u00fchrten zu einem Sommer, der ungew\u00f6hnlich kalt, st\u00fcrmisch und nass war. Nicht enden wollender Regen zwang die Gruppe, f\u00fcr Tage im Haus zu bleiben. Byron schlug vor, jeder m\u00f6ge eine Gespenstergeschichte schreiben. Der Wettstreit, den Kevin Russels Film \u201eGothic\u201c thematisiert, geh\u00f6rt laut <em>Welt<\/em> zu den \u201eActionszenen der Weltliteratur\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Gesch\u00f6pf verfolgt eigene Ziele<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Polidori schrieb zum einen die weltweit erste Vampirgeschichte \u201eDer Vampyr\u201c, der relativ schnell wieder vergessen wurde und erst durch Bram Stokers \u201eDracula\u201c (1897) die bis heute bekannte Wirkkraft erhielt. Zum anderen aber schuf die junge Mary mit \u201eFrankenstein oder Der moderne Prometheus\u201c einen wahren Klassiker. Byrons Geschichte blieb nur Fragment, von Percy ist aus dieser Zeit gar kein dunkles Werk bekannt geworden. In gewisser Weise hat Mary damit das Genre des Science-Fiction-Romans gepr\u00e4gt, wenn nicht sogar begr\u00fcndet. Der Roman ist einerseits ein Briefroman &#8211; in dieser Zeit eine beliebte Form &#8211; und andererseits eine klassische Ich-Erz\u00e4hlung. Der leidenschaftliche und ehrgeizige Polarforscher Robert Walton schreibt Briefe an seine Schwester. Den Inhalt hat ihm Viktor Frankenstein diktiert, den er zuvor aus dem ewigen Eis fischte, als dieser gerade Jagd auf sein Gesch\u00f6pf machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte ist bekannt: Viktor Frankenstein schuf aus Teilen von Toten eine menschliche Kreatur und erweckt sie mittels Elektrizit\u00e4t \u2013 Mary kannte Galvanis Experimente \u2013 zum Leben. Doch er erschrickt vor seiner eigenen Tat und flieht. Das von ihm geschaffene Wesen kennt keine Moral, da ihm auch keine Erziehung angediehen ist. So t\u00f6tet es ohne b\u00f6sen Willen. Bei den Menschen trifft es auf starke Abneigung, zun\u00e4chst nur wegen seiner H\u00e4sslichkeit. In seiner Einsamkeit bittet die Kreatur Frankenstein um eine weibliche Begleitung. Dieser beginnt das Werk zun\u00e4chst, doch aus Angst vor den unkalkulierbaren Folgen, beispielsweise wenn beide Kinder bekommen w\u00fcrden, zerst\u00f6rt er die fast fertige weibliche Sch\u00f6pfung wieder. Die einsame Kreatur sieht dies und sinnt nun auf Rache. So t\u00f6tet er &#8211; diesmal ganz bewusst &#8211; Frankensteins Braut in der Hochzeitsnacht. Sein Sch\u00f6pfer soll den gleichen Schmerz erfahren, wie das Monster. Es beginnt eine Jagd der beiden aufeinander, die letztlich beide das Leben kostet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Steiff-17.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"500\" height=\"753\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Steiff-17.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6364\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Steiff-17.jpg 500w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Steiff-17-199x300.jpg 199w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption>Manuskriptseite des Frankenstein. Quelle: Von Mary Shelley (1797-1851) &#8211; http:\/\/www.bodley.ox.ac.uk\/dept\/scwmss\/frank2.html, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=3235272 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Alle Menschen um Frankenstein werden als durch und durch tugendhaft geschildert. Auch Viktor bezeichnet seine Motive als tugendhaft. Und das ist das gro\u00dfe Dilemma von Sch\u00f6pfungen. Von der Genetik bis zur Transplantationsmedizin, von der Chim\u00e4ren-Wissenschaft bis zur KI-Forschung. Das Erkenntnisstreben der Wissenschaft ist weder b\u00f6se noch gut. Mary Shelley operiert in ihrem Roman vor allem mit dem Begriff der Tugend. Die Tugend ist eine Charaktereigenschaft, die sich aus dem Verstand und dem Herzen bildet. Und tugendhaft war immer schon das Sch\u00f6ne und Leistungsf\u00e4hige. Die gesamte KI-Forschung argumentiert mit der N\u00fctzlichkeit, den Anwendungsm\u00f6glichkeiten ihrer Sch\u00f6pfungen. Aber das ist zu einfach. Das Gesch\u00f6pf verfolgt eigene Ziele. Und wer garantiert uns, dass die KI sich nicht beim geringsten Widerstand des Menschen selbst wehrt und seine eigenen Ziele r\u00fccksichtslos verfolgt, so wie das Monster von Frankenstein? Wir erstarren vor dem Haupt der Medusa nicht, weil wir es anblicken, sondern weil wir den Anblick nicht ertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kern der Geschichte ist also weniger der Gruseleffekt, der sp\u00e4ter in Verfilmungen gern in den Mittelpunkt gestellt wurde, sondern es sind ethische Fragen jenseits des Gut-B\u00f6se-Schemas: Darf der Mensch sich zum g\u00f6ttlichen Sch\u00f6pfer erheben? Welche Verantwortung tr\u00e4gt er f\u00fcr sein Werk? Setzt eine Straftat bewusstes Handeln voraus? Mit diesen Perspektiven reiht sich Mary in die Riege von Science-Fiction-Autoren wie Stanis\u0142aw Lem oder Philip K. Dick ein, die erst weit \u00fcber 150 Jahre sp\u00e4ter solcherlei fantastische Exkurse ausbreiteten. Ihr ist es zu verdanken, dass in \u201eFrankenstein\u201c nicht nur die reine Machbarkeit von Wissenschaft betrachtet wird, sondern auch die gesellschaftlich-moralische Verantwortung eine Rolle spielt. Bei ihr ist nicht die geschaffene Kreatur das Monster, sondern sein Sch\u00f6pfer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verzweiflung, Entfremdung und Todessehnsucht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Illustre Freunde, Partys, Reisen, Drogen, Promiskuit\u00e4t und gleichgeschlechtliche Liebe \u2013 das war die schillernde H\u00fclle des Duos Shelley, das nach dem Selbstmord von Shelleys Frau heiratete und vor allem in Italien lebte. Der Kampf gegen die Konventionen war hart, f\u00fcr die Gesellschaft waren sie Auss\u00e4tzige. Exzentrik musste man sich leisten k\u00f6nnen \u2013 doch diesem Paar mangelte es permanent an Geld und R\u00fcckhalt. Ab 1818 lie\u00df eine ersch\u00fctternde Zahl von Katastrophen Mary Shelleys Leben implodieren. Wie sie es schaffte, trotz allem zu schreiben und sich immer wieder aus Schock und Depressionen zu l\u00f6sen, ist der wirklich spannende Teil ihrer Biografie. Binnen weniger Jahre verlor die nahezu dauerschwangere Mary etliche Menschen aus ihrem engsten Umfeld: Drei ihrer Kinder starben, Percy Shelley kam 1822 bei einem Sturm auf See um, sie selbst entging im selben Jahr nur knapp dem Tod durch eine Fehlgeburt. Ihre depressive Halbschwester beging Suizid, ebenso Byrons Leibarzt Polidori; Byron selbst starb 1824 im griechischen Freiheitskampf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Steiff-18.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"618\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Steiff-18-1024x618.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6365\"\/><\/a><figcaption>Ein\u00e4scherung von Percy. Quelle: Von Mary Shelley (1797-1851) &#8211; http:\/\/www.bodley.ox.ac.uk\/dept\/scwmss\/frank2.html, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=3235272<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Marys Briefe aus dieser Zeit sprechen von Verzweiflung, Entfremdung und Todessehnsucht. Monstr\u00f6s ist etwa die Vater-Tochter-Beziehung in \u201eMathilda\u201c: Die Novelle entstand zwischen 1819 und 1820, kurz nach dem Tod der Kinder. Ver\u00f6ffentlicht wurde sie erst 139 Jahre sp\u00e4ter \u2013 Shelleys Vater weigerte sich, die Erz\u00e4hlung freizugeben, und nannte die inzestu\u00f6se Leidenschaft des Protagonisten \u201ewiderlich und verabscheuenswert\u201c. Der postapokalyptische Roman \u201eThe Last Man\u201c, der vom Ende der Menschheit durch eine Pandemie handelt und manchen als erste Dystopie der Literaturgeschichte gilt, liest sich erschreckend aktuell und ist nicht nur ein Schl\u00fcsselroman zu ihrer Biographie, sondern auch ein 500-seitiger Versuch, ihr Leben mit dem ber\u00fchmten Dichter wei\u00dfzuwaschen. Und geht es im Buch wirklich darum, geplatzte Tr\u00e4ume doch noch zu erf\u00fcllen, dann geht es vor allem um Marys geplatzten Traum vom gl\u00fccklichen Leben mit Percy. \u201eDa ballen sich in einem Satz oftmals Handlung, Betrachtung, Figurenzeichnung, emotionaler Ausdruck und Gedankenfl\u00fcge konzentriert zusammen\u201c, meint Eberhard Falcke im <em>DLF<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Sir Timothy Shelley, Percys Vater, gestand ihr eine kleine Jahresrente zu unter der Bedingung, dass sie keine Biografie ihres Mannes ver\u00f6ffentlichte und auch keine weiteren Gedichtb\u00e4nde mit seinen Arbeiten herausgab. Er wollte damit erreichen, dass in Vergessenheit geriet, f\u00fcr welch radikale Ideen sein Sohn eingetreten war. Den Gedichtband \u201ePosthumous Poems of P. B. Shelley\u201c, den Mary 1824 herausgab, kaufte Timothy weitgehend auf und lie\u00df die B\u00fccher vernichten. Bis ans Ende seines Lebens weigerte er sich, seine Schwiegertochter pers\u00f6nlich zu treffen. Erst nach Timothys Tod 1844 konnte sie ihrem Mann literarische Geltung verschaffen. 1826 lernte sie den amerikanischen Schauspieler John Howard Payne kennen, der um ihre Hand anhielt. Mary lehnte mit der Begr\u00fcndung ab, dass sie nach der Ehe mit einem Genie nur ein weiteres heiraten k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Klassiker des Horrorfilms<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1827 bis 1840 war Mary als Autorin und Herausgeberin sehr aktiv, schrieb vier Romane wie \u201ePerkin Warbeck\u201c oder \u201eFalkner\u201c sowie eine Novelle, verfasste f\u00fcnf B\u00e4nde f\u00fcr die Enzyklop\u00e4die \u201eLives of the Most Eminent Literary and Scientific Men\u201c und au\u00dferdem Erz\u00e4hlungen f\u00fcr Frauenmagazine, darunter Kurzgeschichten f\u00fcr Almanache wie <em>The Keepsake<\/em>. Darin thematisiert sie oft die Zerbrechlichkeit der individuellen Identit\u00e4t und den unterschiedlichen Wert, den die Gesellschaft M\u00e4nnern und Frauen beimisst. Nach der Episode mit Payne schien sie keine neue Beziehung zu einem Mann gew\u00fcnscht zu haben. 1828 lernte sie den franz\u00f6sischen Schriftsteller Prosper M\u00e9rim\u00e9e kennen und flirtete wohl auch mit ihm. Der einzige erhaltene Brief an ihn wird meist als behutsame Ablehnung seiner Liebeserkl\u00e4rung interpretiert. Im Mittelpunkt von Mary Leben stand ihr Sohn Percy Florence, der in Cambridge Recht und Politik studierte, aber nicht die Begabung seiner Eltern besa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Steiff-19.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Steiff-19-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6366\"\/><\/a><figcaption>Boris Karloff als Frankensteins Monster im Film von 1931. Quelle:  https:\/\/assets.deutschlandfunk.de\/FILE_37f50ab3b18ca738004c58a169c8d289\/1280&#215;720.jpg?t=1597519274561<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zwischen 1840 und 1843 unternahmen Mutter und Sohn gemeinsam zwei Reisen auf den europ\u00e4ischen Kontinent, so auch nach Deutschland, aus denen Reiseberichte entstanden. Ab 1839 litt sie unter Kopfschmerzen und teilweisen L\u00e4hmungen, so dass sie h\u00e4ufig weder lesen noch schreiben konnte. Am 1. Februar 1851 starb sie im Alter von 53 Jahren in London, vermutlich an einem Hirntumor. Am ersten Jahrestag ihres Todes \u00f6ffneten Percy und seine Frau Marys Schreibtischschublade. Sie fanden dort Locken ihrer verstorbenen Kinder, ein Notizbuch, das sie gemeinsam mit Percy Bysshe Shelley genutzt hatte, sowie eine Kopie seines Gedichtes \u201eAdona\u00efs\u201c. Eine Seite des Gedichtes war um ein kleines seidenes P\u00e4ckchen gefaltet, das \u00dcberreste seines Herzens enthielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mary war kommerziell erfolgreicher als ihr Mann und erzielte h\u00f6here Auflagen als die anderen Mitglieder ihres illustren literarischen Kreises. \u201eFrankenstein\u201c aber sah man weniger als ihre eigene Leistung an, sondern meinte, in ihm die inspirierende Leistung von Shelley und Lord Byron zu entdecken \u2013 eine in der Literaturwissenschaft noch in den 1980er Jahren weit verbreitete Einstellung. Erst seitdem mehren sich Biographien mit Neubewertungen ihres Schaffens. Mary Shelley gilt heute als eine der wesentlichen Autoren der Romantik, \u201eFrankenstein\u201c als eins der bekanntesten Werke der phantastischen Literatur. Die zweite Frankenstein-Verfilmung von 1931, in der Boris Karloff das Monster spielte, wurde zu einem Klassiker des Horrorfilms. 2004 wurde Mary postum in die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame aufgenommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie wurde vom Tod begleitet, begr\u00fcndete mindestens die Postapokalypse, mit ihrem Weltbestseller \u201eFrankenstein\u201c wohl aber auch die Science Fiction: Mary Shelley. Vor 225 Jahren kam sie zur Welt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6318"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6318"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6318\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6367,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6318\/revisions\/6367"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6318"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}