{"id":6374,"date":"2022-09-29T06:52:00","date_gmt":"2022-09-29T05:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6374"},"modified":"2022-09-10T10:40:30","modified_gmt":"2022-09-10T09:40:30","slug":"kein-tag-ohne-eine-zeile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6374","title":{"rendered":"\u201eKein Tag ohne eine Zeile\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Er schrieb schon als Erstkl\u00e4ssler im Gymnasium einen Roman \u00fcber die Kreuzz\u00fcge \u2013 und bestand doch seine Baccalaur\u00e9ats-Pr\u00fcfungen nicht. Er gilt neben Stendhal, Balzac, Flaubert, Hugo und Maupassant als einer der gro\u00dfen franz\u00f6sischen Erz\u00e4hler des 19. Jahrhunderts \u2013 und wurde zugleich als unmoralischster Schriftsteller des 19. Jahrhunderts kritisiert. Und er starb am 29. September 1902 an einer Kohlenmonoxidvergiftung, offenbar durch einen verstopften Kamin, in seinem Pariser Haus &#8211; ob Unfall, politisch motivierter Mord oder Selbstmord, ist bis heute unklar: \u00c9mile \u00c9douard Charles Antoine Zola.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sohn eines italienischen Ingenieurs und einer franz\u00f6sischen Mutter wurde am 2. April 1840 in Paris geboren, blieb Einzelkind und wurde als Siebenj\u00e4hriger Halbwaise: Seine Mutter, zu der er zeitlebens ein enges Verh\u00e4ltnis hat, heiratete nicht wieder und brachte ihren Sohn alleine durch. W\u00e4hrend seiner Schulzeit in Aix-en-Provence freundete er sich mit Paul C\u00e9zanne an, der ihm die graphischen K\u00fcnste nahebrachte. Trotz seiner \u00e4rmlichen Kindheit hatte er von Anbeginn eine starke Leidenschaft f\u00fcr Literatur, las viel und setzte sich bald das Ziel, selbst professionell zu schreiben. Doch nach nicht bestandenem Abitur 1859 lebt er drei Jahre arbeitslos in Paris. Die in dieser Zeit gesammelten Erfahrungen vom Leben der Armen sollen ihm sp\u00e4ter in seiner schriftstellerischen Arbeit n\u00fctzlich sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Feuerbach_Ludwig-12.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Feuerbach_Ludwig-12.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6407\"\/><\/a><figcaption>Zola um 1910. Quelle: Von Nadar &#8211; plain photo, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=788555<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zolas erste Liebe 1860 war eine Prostituierte namens Berthe, die er \u201eaus der Gosse holen\u201c und ihr die Lust auf Arbeit zur\u00fcckgeben wollte. Sein Idealismus scheiterte an der Realit\u00e4t der Armenviertel von Paris, was er in seinem ersten Roman verarbeiten wird. 1862 nahm ihn Louis Hachette als Angestellten in seiner Buchhandlung auf, kurz darauf wurde Zola als Franzose eingeb\u00fcrgert. Er blieb vier Jahre in der Werbeabteilung von Hachette als eine Art Pressesprecher. Zola lernte nicht nur alle Techniken der Herstellung und Vermarktung von B\u00fcchern kennen, sondern kn\u00fcpfte auch viele Kontakte in die Welt der Literatur. Nach harter Arbeit in seiner Freizeit gelang es ihm, seine ersten Artikel und sein erstes Buch \u201eErz\u00e4hlungen an Ninon\u201c (1864) zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201edas dumpfe Wirken der Leidenschaften\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im selben Jahr machte Zola die Bekanntschaft von \u00c9l\u00e9onore-Alexandrine Meley, zog im Jahr darauf zu ihr, heiratete sie wegen Vorbehalten seiner Mutter aber erst weitere f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter. Ab 1863 arbeitete Zola gelegentlich und ab 1866 regelm\u00e4\u00dfig an den Rubriken zur literarischen und k\u00fcnstlerischen Kritik von verschiedenen Zeitungen mit. Das erlaubte ihm, seine Schriften nicht nur schnell zu ver\u00f6ffentlichen und seine Qualit\u00e4ten als Schriftsteller einem breiten Publikum zu zeigen, sondern auch seine Eink\u00fcnfte zu steigern. Bis zuletzt empfahl Zola allen Nachwuchsschriftstellern, die ihn um Rat fragten, zun\u00e4chst in Zeitungen zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>1866 trennte er sich von Hachette und lebte als freier Schriftsteller. Bis 1881 ver\u00f6ffentlichte er neben Literatur-, Theater- und Kunstkritik in der Presse \u00fcber 100 Erz\u00e4hlungen und Feuilleton-Romane. Er bediente sich dabei eines polemischen Journalismus, indem er seinen Hass, aber auch seinen Geschmack zeigte und seine \u00e4sthetischen wie auch politischen Positionen hervorhob. Zola beherrschte das journalistische Handwerk perfekt, sandte f\u00fcr seine fr\u00fchen Werke sogar vorgefertigte Berichte an Pariser Literaturkritiker pers\u00f6nlich und erhielt von ihnen zahlreiche R\u00fcckmeldungen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Feuerbach_Ludwig-13.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Feuerbach_Ludwig-13-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6409\"\/><\/a><figcaption>DDR-Ausgabe der Rougon-Macquart. Quelle: https:\/\/images.booklooker.de\/x\/01nnVZ\/Emile-Zola+Die-Rougon-Macquart-Natur-und-Sozialgeschichte-einer-Familie-unter-dem-Zweiten.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1867 hatte \u00c9mile Zola mit seinem dritten Roman \u201eTh\u00e9r\u00e8se Raquin\u201c bereits Aufsehen erregt. Das Vorwort zur zweiten Auflage 1868, in dem Zola sich gegen seine gutb\u00fcrgerlichen Kritiker und ihren Vorwurf der Geschmacklosigkeit verteidigt, wurde zum Manifest der jungen naturalistischen Schule: \u201eIch habe in diesen Tieren Schritt f\u00fcr Schritt das dumpfe Wirken der Leidenschaften, das Dr\u00e4ngen des Naturtriebes und die infolge einer Nervenkrisis eingetretenen Verwirrungen des Gehirns zu verfolgen versucht. Ich habe einfach an zwei lebenden K\u00f6rpern die zergliedernde Arbeit vorgenommen, welche Chirurgen an Leichen vornehmen.\u201c Damit beeinflusst er die Kunst in Frankreich, Deutschland, Russland und Skandinavien und wird Wegbereiter der modernen Str\u00f6mungen des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p>1869 begann er mit der Arbeit an dem monumentalen Zyklus \u201eDie Rougon-Macquart\u201c, die ihn mehr als zwanzig Jahre lang besch\u00e4ftigen sollte. Ab 1871 ver\u00f6ffentlichte er einen Roman pro Jahr, au\u00dferdem journalistische Beitr\u00e4ge und Theaterst\u00fccke \u2013 er wird sich \u201ekein Tag ohne eine Zeile\u201c als Motto \u00fcber seinen Kamin malen lassen. Der Romanzyklus stellt im Sinne eines \u201eMikrokosmos\u201c Aspekte der franz\u00f6sischen Gesellschaft dar. Gest\u00fctzt auf darwinistische und deterministische Vererbungs- und Milieulehren, schildert er die Verfallsgeschichte einer Familie. F\u00fcr Zola bestand die Welt nicht aus Gut und B\u00f6se, sondern aus Sein und Handeln. Seine sinnlichen und teilweise obsz\u00f6nen Werke vertraten eine neue Kultur, die Kritiker unmoralisch nannten. Als einer der ersten wandte Zola dokumentarische Verfahren an, besuchte mit dem Notizbuch in der Hand die Absteigen der armen Pariser, frequentierte die Halbwelt und die Hochfinanz.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Feuerbach_Ludwig-14.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"771\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Feuerbach_Ludwig-14-771x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6410\"\/><\/a><figcaption>J&#8217;accus. Quelle: Von \u00c9mile Zola &#8211; Scan of L&#8217;Aurore, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=784807<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Von Februar 1871 bis August 1872 produzierte er aber auch mehr als 250 kritische Artikel zur T\u00e4tigkeit des Parlaments w\u00e4hrend des deutsch-franz\u00f6sischen Krieges. In mutiger bis tollk\u00fchner Weise griff Zola dessen f\u00fchrende K\u00f6pfe an. Er beschimpfte das Parlament als ein \u201esch\u00fcchternes, reaktion\u00e4res und [\u2026] manipuliertes Haus\u201c. Im M\u00e4rz 1871 wurde er zweimal verhaftet, kam aber beide Male am gleichen Tag wieder frei. Den politischen Stoff verarbeitete er sp\u00e4ter auch in seinen Romanen. Nachdem Zola jahrelang mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen hatte, besserte sich seine Lage nach dem gro\u00dfen Erfolg von \u201eDer Totschl\u00e4ger\u201c (1877), so dass er ein Landhaus in M\u00e9dan erwerben konnte, das zu einem geistigen Zentrum wurde: Mit jungen Autoren wie Maupassant, Huysmans und anderen bildete er die Gruppe der sechs, die auch in einem Novellenzyklus vorkommt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eGesundung der Menschheit\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1880 erscheint \u201eNana\u201c, die Geschichte einer Prostituierten. Seine Werke werden kontrovers diskutiert und teilweise als Pornografie diffamiert. Er h\u00e4lt die Auseinandersetzungen um seine Person f\u00fcr die beste Werbung f\u00fcr sein literarisches Werk. Sein theoretisches Konzept legt er in dem Essay \u201eDer Experimentalroman\u201c nieder. Literatur solle in die von der Wissenschaft noch unerforschten Gebiete der Menschenwelt eindringen, um durch das Aufdecken ihrer Krankheitssymptome zur Erhaltung und Gesundung der Menschheit beizutragen. Er fordert, dass Kunst wirklichkeitsgetreu sein m\u00fcsse. Im selben Jahr f\u00e4llt er nach dem Tod seiner Mutter in Depressionen.<\/p>\n\n\n\n<p>1885 erreicht \u201eGerminal\u201c, in dem Zola das Bergarbeitermilieu beschreibt, Rekordauflagen; er wird zu einem der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit. Im Jahr darauf endet die Freundschaft mit C\u00e9zanne in einem Zerw\u00fcrfnis, weil der sich im Roman \u201eDas Werk\u201c in der Figur des scheiternden K\u00fcnstlers Lantier wiedererkannte. 1888 beginnt er eine Liebesbeziehung mit der 20j\u00e4hrigen W\u00e4scherin Jeanne Rozerot, mit der er zwei Kinder hat \u2013 seine Ehe blieb kinderlos. Zu Zolas Lebzeiten am erfolgreichsten war \u201eDas Debakel\u201c (1892), dessen Handlung vor dem Hintergrund des Krieges von 1870\/71 und der blutig unterdr\u00fcckten Pariser Commune spielt. Zwischen 1894 und 1898 ver\u00f6ffentlichte er den dreib\u00e4ndigen Zyklus \u201eDie Drei St\u00e4dte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Feuerbach_Ludwig-15.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Feuerbach_Ludwig-15-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6411\"\/><\/a><figcaption>Grabkammer von Dumas, Zola und Hugo im Pantheon. Quelle: Von selbst erstellt &#8211; Eigenes Werk (Originaltext: selbst erstellt), Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=22496490<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf dem H\u00f6hepunkt seines Ruhms ergriff Zola 1898 f\u00fcr den j\u00fcdischen Hauptmann Dreyfus Partei, der drei Jahre zuvor der Spionage f\u00fcr das Deutsche Reich bezichtigt worden war und unschuldig in Haft sa\u00df. Der offene Brief an den Pr\u00e4sidenten erschien am 13. Januar auf der Titelseite der Tageszeitung L\u2019Aurore: \u201eJ\u2019accuse\u201c (Ich klage an) lautete die \u00dcberschrift: \u201eIch klage den Oberstleutnant du Paty de Clam an, der teuflische Urheber eines Justizverbrechens zu sein und seit drei Jahren sein unheilvolles Werk mit den geschmacklosesten und verwerflichsten Machenschaften zu verteidigen. (\u2026) Ich klage das Kriegsministerium an, in der Presse einen abscheulichen Feldzug gef\u00fchrt zu haben, um die \u00f6ffentliche Meinung irrezuleiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein politischer Skandal war die Folge, der das Land spaltete, aber zugleich den Ansto\u00df f\u00fcr die Entstehung eines laizistischen Frankreichs gab. Gegen den Schriftsteller erging wegen Beleidigung der Armee ein Haftbefehl \u00fcber ein Jahr. Zola fl\u00fcchtete nach London, wo er bis zur Amnestie 1899 blieb und den Zyklus \u201eDie vier Evangelisten\u201c begann. Nach seiner R\u00fcckkehr publizierte er die drei B\u00e4nde \u201eFruchtbarkeit\u201c, \u201eArbeit\u201c und \u201eWahrheit\u201c \u2013 der vierte \u201eGerechtigkeit\u201c blieb aufgrund seines unerwarteten Todes unvollendet. Eine Untersuchungskommission machte Experimente mit dem Ofen und kam zu dem Schluss, dass es sich um einen Unfall handelte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201evon der Willk\u00fcr der Phantasie befreien\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSeit dem Tode Goethes hat vielleicht keines Dichters Tod die Gebildeten erregt wie dieser\u201c, befand Richard M. Meyer in seinem Nachruf in <em>Die Woche<\/em>. Meyer sieht Zolas Alleinstellungsmerkmal darin, dass es ihm gelang, eine \u201eneue Aera der Litteratur [zu] schaffen, indem er sie von der Willk\u00fcr der Phantasie befreien und v\u00f6llig unter das Gesetz der wissenschaftlichen Technik stellen wollte\u201c. Immer wieder betont der Literaturhistoriker Zolas N\u00e4he zur Wissenschaft, vor allem zu Soziologie und Psychologie. Mit diesem Denken sei Zola tief in seiner (nun vergangenen) wissenschaftsgl\u00e4ubigen Zeit zuhause gewesen: \u201e\u201aPsychologisch\u2018 war das Lieblingswort dieser Epoche\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Feuerbach_Ludwig-16.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Feuerbach_Ludwig-16.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6412\"\/><\/a><figcaption>Verfilmung mit S. Signoret. Quelle: https:\/\/assets.cdn.moviepilot.de\/files\/5d1606246c5a246880ed8e4933d4e859a3fa42ab187bc5c54dfb34689090\/limit\/505\/701\/zzzzzzz.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 4. Juni 1908 wurden die \u00dcberreste Zolas auf Anordnung der inzwischen linken franz\u00f6sischen Regierung in das Panth\u00e9on \u00fcberf\u00fchrt, wo er in einer Kammer mir Alexandre Dumas und Victor Hugo bestattet wurde. Bereits im fr\u00fchen 20. Jahrhundert wurden viele von Zolas Romanen verfilmt, unter der Regie von William Dieterle entstand 1937 unter dem Titel \u201eDas Leben des Emile Zola\u201c eine Filmbiografie mit Paul Muni in der Titelrolle. Er gilt bis heute als zug\u00e4nglicher und lesbarer \u201eIntellektueller\u201c, der \u201eeine ungeheure Kraft, Menschen zu zeichnen, die von einem d\u00e4monischen Verlangen ganz erf\u00fcllt sind\u201c, entfaltet habe, wie Meyer schrieb. Au\u00dferdem lasse er \u201eLandschaften leben. Er f\u00fchlt sich hinein, die Landschaft wird ihm wirklich ein \u201aseelischer Zustand\u2018\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJ\u2019accuse\u201c stieg zu einem Beweis daf\u00fcr auf, dass sich durch Sprache politische Wirkung erzielen l\u00e4sst, wenn auch nicht sofort. Zolas Ausf\u00fchrungen hatten ihren Anteil an Alfred Dreyfus\u2018 R\u00fcckkehr nach Frankreich und daran, dass der sp\u00e4tere Pr\u00e4sident \u00c9mile Loubet den Milit\u00e4r unter der Bedingung begnadigte, auf Berufung zu verzichten. 1906 wurde Dreyfus v\u00f6llig rehabilitiert, bekam ein Kommando im Ersten Weltkrieg und starb 1935. Der Text ist und bleibt ein Beispiel f\u00fcr einen pointierten Stil, der auch dann nichts besch\u00f6nigt, wenn dem Autor Konsequenzen drohen; das Gegenteil jenes Gratismuts, der er heute viel zu oft in der Publizistik zu beobachten ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er geh\u00f6rte den f\u00fchrenden und produktivsten franz\u00f6sischen Romanciers des 19. Jahrhunderts und gilt als \u201eErfinder\u201c des Naturalismus: \u00c9mile Zola, der vor 120 Jahren tragisch starb.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6374"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6374"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6413,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6374\/revisions\/6413"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}