{"id":6419,"date":"2022-10-02T06:36:00","date_gmt":"2022-10-02T05:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6419"},"modified":"2022-10-01T16:45:59","modified_gmt":"2022-10-01T15:45:59","slug":"der-eiserne-feldherr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6419","title":{"rendered":"Der eiserne Feldherr"},"content":{"rendered":"\n<p>Nachdem seine Verlobte 17j\u00e4hrig an Tuberkulose verstorben war, trauerte er acht Jahre, bevor er eine andere Frau heiratete &#8211; und sandte bis an sein Lebensende jedes Jahr zu ihrem Todestag einen Kranz an ihr Grab. Er war vielfacher Ehrendoktor, mehrhundertfacher Namenspate von Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen, ihm wurden allein 3824 Ehrenb\u00fcrgerschaften zuteil \u2013 von denen nach 1945 viele eine Umbenennung oder Aberkennung erfuhren, zuletzt 2020 in Berlin. Und er ist bis heute das einzige deutsche Staatsoberhaupt, das je vom Volk direkt gew\u00e4hlt wurde: Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg, der am 2. Oktober vor 175 Jahren als erster von zwei S\u00f6hnen eines preu\u00dfischen Offiziers und Gutsbesitzers und einer Arzttochter in Posen geboren wurde. Sein elf Jahre j\u00fcngerer Bruder Bernhard wird 1915 die erste Biografie des Soldatenpolitikers verfassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 1859 besucht Hindenburg kurzzeitig das Gymnasium und wechselt dann &#8211; seine Milit\u00e4rlaufbahn ist vorgegeben &#8211; zur Kadettenanstalt in Wahlstatt und sp\u00e4ter nach Berlin. 1865 wurde er K\u00f6nigin Elisabeth, der Witwe des verstorbenen preu\u00dfischen K\u00f6nigs Friedrich Wilhelm IV., als Leibpage zugeteilt und im April 1866 als Leutnant in das 3. Garderegiment zu Fu\u00df aufgenommen. Als solcher nahm er an der Schlacht von K\u00f6niggr\u00e4tz teil. Im Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg ist er in der Schlacht von Sedan dabei, und er repr\u00e4sentierte sein Garderegiment bei der Kaiserproklamation im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles. 1879 heiratete er die Offizierstochter und Philanthropin Gertrud von Sperling und bekommt mit ihr zwei T\u00f6chter und einen Sohn. Ein weiterer Sohn wird 1881 tot geboren. Hindenburg sah in seiner Frau, wie er selbst schrieb, \u201eeine liebende Gattin, die treulich und unerm\u00fcdlich Freud und Leid, alle Sorge und Arbeit mit mir teilte und so mein bester Freund und Kamerad wurde\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Bundesarchiv_Bild_183-R17289_Paul_v._Hindenburg.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Bundesarchiv_Bild_183-R17289_Paul_v._Hindenburg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6421\"\/><\/a><figcaption>Paul von Hindenburg. Quelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-R17289 \/ CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=5436370<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chsten 40 Jahre verfolgte er nach dem Besuch der Berliner Kriegsakademie, die er mit der Qualifikation f\u00fcr den Generalstab verlie\u00df, seine Milit\u00e4rlaufbahn an wechselnden Orten. 1877 wurde er in den Gro\u00dfen Generalstab versetzt und geh\u00f6rte 1888 zu den Offizieren, die am aufgebahrten Leichnam Kaiser Wilhelms I. Totenwache hielten. 1890 leitete er die II. Abteilung im Kriegsministerium und wurde im Jahr darauf Oberstleutnant. 1893 kommandierte er das Oldenburgische Infanterieregiment Nr. 91, ein Jahr sp\u00e4ter wurde er zum Oberst bef\u00f6rdert. 1896 wurde er Chef des Generalstabes des VIII. Armee-Korps in Koblenz und im Jahr darauf zum Generalmajor ernannt. 1900 folgte seine Bef\u00f6rderung zum Generalleutnant und die Ernennung zum Kommandeur der 28. Division in Karlsruhe. 1903 wurde er zum Kommandierenden General des IV. Armee-Korps in Magdeburg ernannt und 1905 zum General der Infanterie bef\u00f6rdert. Zuletzt im Rang eines Kommandierenden Generals in Magdeburg, nimmt er 1911 Abschied aus dem Milit\u00e4rdienst und l\u00e4sst sich in Hannover nieder.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mythos des \u201eSiegers von Tannenberg\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Drei Wochen nach Beginn des Ersten Weltkriegs wird Hindenburg reaktiviert und \u00fcbernimmt die 8. Armee als Oberbefehlshaber mit Erich Ludendorff als Stabschef, \u201eweil ihm im Gegensatz zu seinem Vorg\u00e4nger die \u00fcberlegene Ruhe des Gew\u00e4hrenlassens gegen\u00fcber dem eigenwilligen, energisch kraftvollen neuen Chef zugetraut wurde\u201c, so Hindenburgs Biograph Werner Conze. \u201eLudendorff blieb im Kriege stets der erste Mitarbeiter Hindenburgs, \u00fcberragte ihn aber in der F\u00fchrungskunst an Entschlusskraft und Arbeitsleistung. Er pr\u00e4gte Hindenburg seinen Willen sowohl milit\u00e4risch wie politisch auf, ohne dass Hindenburg dies als Fremdbestimmung empfunden h\u00e4tte; denn milit\u00e4risch kamen beide erfahrenen Generalst\u00e4bler aus Schlieffens Schule und fanden sich auch politisch in gleicher Gesinnung zusammen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Beide schlugen die nach Ostpreu\u00dfen eingedrungene russische Narew-Armee in einer Umfassungs- und Vernichtungsschlacht vom 26. bis zum 30. August 1914. Dieser Sieg begr\u00fcndete Hindenburgs au\u00dferordentliches Prestige, das ihn im weiteren Verlauf des Krieges zum m\u00e4chtigsten Mann in Deutschland machen sollte. An diesem politischen Mythos, der sich um seine Person und den Sieg ranken sollte, arbeitete er selbst aktiv mit und setzte unmittelbar nach der Schlacht durch, dass sie nach dem vom Kampfgeschehen am Rande betroffenen Ort Tannenberg genannt werden sollte. Denn in der Schlacht bei Tannenberg &#8211; auch: Schlacht bei Grunwald &#8211; hatte 1410 ein polnisch-litauisches Heer den Deutschen Orden vernichtend geschlagen, eine \u201eScharte\u201c, die Hindenburg durch die Namensgebung auszuwetzen versuchte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Russian_prisoners_tannenberg.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Russian_prisoners_tannenberg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6423\"\/><\/a><figcaption>Russische Gefangene nach der Schlacht bei Tannenberg. Quelle:  Von website: Ray Mentzer (<a href=\"javascript:DeCryptX('0a2v2q1n1j0n1g0o0@1b0o0l1\/1d2q0m')\">&#97;tominf&#111;&#64;&#97;&#111;l&#46;&#99;&#111;&#109;<\/a>); photographer unknown &#8211; Photos of the Great War, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=196215<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der triumphale Sieg brachte ihm die Ernennung zum Generalfeldmarschall, die Verleihung des Sterns zum Gro\u00dfkreuz des Eisernen Kreuzes und 1915 die Ehre der damals gr\u00f6\u00dften deutschen Nagelfigur in Berlin.&nbsp; Mit dem Mythos des \u201eSiegers von Tannenberg\u201c erh\u00e4lt Hindenburg das Oberkommando \u00fcber alle deutschen Truppen der Ostfront (OberOst) und \u00fcbernimmt 1916 mit Ludendorff als Erstem Generalquartiermeister die Oberste Heeresleitung (OHL). Sie gewann schnell an Einfluss auf die Politik des Deutschen Reiches und entmachtete praktisch Wilhelm II. Hindenburg war dabei (mit)verantwortlich f\u00fcr entscheidende Weichenstellungen im Krieg wie die Er\u00f6ffnung des uneingeschr\u00e4nkten U-Boot-Krieges, die Ablehnung eines Verst\u00e4ndigungsfriedens und die Diktatfrieden von Brest-Litowsk und Bukarest.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Machtf\u00fclle von Hindenburg und Ludendorff war so gro\u00df, dass verschiedene Zeitgenossen wie unter anderem Max Weber von einer regelrechten \u201eMilit\u00e4rdiktatur\u201c sprachen. Andere Historiker weisen dagegen darauf hin, dass die Machtaus\u00fcbung der OHL nicht im strengen Sinne als Milit\u00e4rdiktatur gewertet werden k\u00f6nne, da sie die politische F\u00fchrung nie verantwortlich \u00fcbernommen habe und durchaus auch innenpolitisch an Grenzen gesto\u00dfen sei, und sprechen von einer Sonderform der charismatischen Herrschaft. Die dem \u201eVaterl\u00e4ndischen Hilfsdienstgesetz\u201c von 1916 zugrundeliegenden Vorbereitungen deckte Hindenburg mit seinem Namen und dr\u00e4ngte auf die Entlassung des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende September 1918 fordert die OHL nach dem Scheitern der Fr\u00fchjahrsoffensive sofortige Waffenstillstandsverhandlungen und eine parlamentarische Regierung. Am 9.11.1918 riet Hindenburg zum \u00dcbertritt Wilhelms II. nach Holland, woraus unerquickliche Kontroversen, eine Vertrauenskrise zwischen dem ehemaligen Kaiser und ihm sowie ein lebenslanges Trauma Hindenburgs folgten. Der \u00dcbergang von der Monarchie zur Republik gelang unter den Bedingungen der Niederlage, materieller Not und Revolutionsgefahr verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig reibungslos. Hindenburg, geachtet vom gr\u00f6\u00dften Teil des Volkes und der Front, wurde von Friedrich Ebert und der SPD-Mehrheit f\u00fcr unentbehrlich gehalten, dr\u00e4ngte am 10. November auf schnelle Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags und stellte sich der neuen Regierung zur Verf\u00fcgung, um das Frontheer geordnet zur\u00fcckzuf\u00fchren und, mit Hilfe der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, Ruhe und Ordnung aufrechterhalten zu helfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201evon hinten erdolcht\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Abschluss des Versailler Vertrages im Juli 1919 gew\u00e4hrte Reichspr\u00e4sident Ebert Hindenburg auf dessen Wunsch den Abschied. Vor dem Untersuchungsausschuss f\u00fcr die Schuldfragen des Weltkrieges der Weimarer Nationalversammlung verbreitete Hindenburg am 18. November 1919 die \u201eDolchsto\u00dflegende\u201c, deren Text wahrscheinlich der deutschnationale Politiker Karl Helfferich in Absprache mit Ludendorff verfasst hatte: Ein Sieg \u00fcber die Entente w\u00e4re danach m\u00f6glich gewesen, \u201ewenn die geschlossene und einheitliche Zusammenwirkung von Heer und Heimat eingetreten w\u00e4re\u201c. Dass sie nicht eingetreten sei, sei darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass \u201edie deutsche Armee [\u2026] von hinten erdolcht\u201c worden w\u00e4re, eine Metapher, die er dem englischen General Frederick Maurice zuschrieb \u2013 dem sie von der NZZ f\u00e4lschlich in den Mund gelegt worden war. Die Entscheidung, den Waffenstillstand abzuschlie\u00dfen, kam aber nicht von der revolution\u00e4ren Regierung, sondern war noch vor der Novemberrevolution von der letzten kaiserlichen Regierung getroffen worden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Russian_prisoners_tannenberg-1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Russian_prisoners_tannenberg-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6424\"\/><\/a><figcaption>Hindenburg und Ludendorff. Quelle: Von Bundesarchiv, Bild 146-1987-127-09A \/ CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=5483400 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der General, der sich erneut nach Hannover zur\u00fcckgezogen hatte, das ihn im August 1915 zum Ehrenb\u00fcrger ernannt und ihm im Oktober 1918 im Zooviertel eine Villa zum lebenslangen Nie\u00dfbrauch \u00fcberlassen hatte, unternahm viele Reisen durch das Reich, besonders durch Ostpreu\u00dfen, wo er sich als Befreier Ostpreu\u00dfens einer gro\u00dfen Popularit\u00e4t erfreute. 1921 wurde er Vorsitzender der Deutschenhilfe. Nachdem beim ersten Wahlgang zur Reichspr\u00e4sidentenwahl am 29. M\u00e4rz 1925 kein Kandidat eine absolute Mehrheit erreicht hatte, fragten die Rechtsparteien bei dem parteilosen Hindenburg eine Kandidatur an. Der 77-J\u00e4hrige \u00e4u\u00dferte sich zun\u00e4chst z\u00f6gerlich, stimmte jedoch schlie\u00dflich zu und wird mit einer relativen Mehrheit vor dem Kandidaten des Zentrums Wilhelm Marx gew\u00e4hlt. Er sollte ein von den demokratischen Parteien weitgehend anerkannter Pr\u00e4sident werden, dessen politische Amnestie von 1925 die umfangreichste in Deutschland bis 1932 wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im antisemitischen Lager erntete Hindenburg 1927 Kritik, weil er sich f\u00fcr ein Staatsportr\u00e4t von \u201edem Juden Liebermann\u201c malen lie\u00df. Nachdem er 1930 den Young-Plan unterschrieben hatte, der von den rechtsradikalen Parteien als Verpflichtung zu jahrzehntelanger \u201eVersklavung\u201c des Volkes hingestellt wurde, r\u00fcckten seine ehemaligen politischen Freunde immer mehr von ihm ab. Hindenburg beschloss, die derzeit regierende Gro\u00dfe Koalition unter Kanzler Hermann M\u00fcller (SPD) durch eine \u201eantimarxistische und antiparlamentarische\u201c Regierung zu ersetzen. Die Gelegenheit hierzu ergab sich, nachdem die Gro\u00dfe Koalition an der Frage des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung zerbrochen war: Ende M\u00e4rz 1930 beruft er, ohne das Parlament einzuschalten, Heinrich Br\u00fcning zum Reichskanzler. Mit dieser Ernennung beginnt die Zeit der Pr\u00e4sidialkabinette.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eMangel an Urteilskraft\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Widerwillig f\u00fcgte sich Hindenburg 1932 der Tatsache, dass nur er noch f\u00fcr popul\u00e4r genug gehalten werden konnte, in der durch die Weltwirtschaftskrise polarisierten Gesellschaft gegen den aufstrebenden Hitler den Wahlsieg davonzutragen. Reichswehrminister Groener musste feststellen: \u201eDer Alte vom Berge will sich nicht k\u00fcren lassen, wenn nicht auch die Rechtser mitmachen\u201c. Dass er, verglichen mit 1925, gleichsam mit verkehrter Front, das hei\u00dft von links und der Mitte gegen rechts gew\u00e4hlt wurde, hat er kaum verwinden k\u00f6nnen. Nachdem er im 2. Wahlgang mit der absoluten Mehrheit von 53% vor Hitler mit 37% und Th\u00e4lmann mit 10% gew\u00e4hlt worden war, entl\u00e4sst das zweite Kabinett Br\u00fcning und ernennt Franz von Papen zum Reichskanzler \u2013 lehnt jedoch im November 1932 Hindenburg eine befristete Diktatur Papens als Ausweg aus der staatspolitischen Krise ab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Russian_prisoners_tannenberg-2.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"284\" height=\"412\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Russian_prisoners_tannenberg-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6425\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Russian_prisoners_tannenberg-2.jpg 284w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Russian_prisoners_tannenberg-2-207x300.jpg 207w\" sizes=\"(max-width: 284px) 100vw, 284px\" \/><\/a><figcaption>Stimmzettel 1932. Quelle: Von Reichspr\u00e4sidentenwahl 1932 &#8211; Pr\u00e4sidentenwahl, 1932, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=134735<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens seitdem war er \u201edem Vorgehen Hitlers aus Mangel an Urteilskraft und Information mehr oder weniger hilflos ausgeliefert\u201c, befindet Conze \u2013 obwohl er diesen anfangs absch\u00e4tzig den \u201eb\u00f6hmischen Gefreiten\u201c nannte. Nach dem Zwischenreich mit Kurt von Schleicher als Reichskanzler beruft Hindenburg am 30. Januar Hitler zum Reichskanzler. Am 28. Februar ebnet er mit der Unterzeichnung der \u201eVerordnung zum Schutz von Volk und Staat\u201c den Weg in die nationalsozialistische Diktatur. Am 21. M\u00e4rz 1933, dem sogenannten \u201eTag von Potsdam\u201c, wurde der neu gew\u00e4hlte Reichstag in der Potsdamer Garnisonkirche, der Grablege Friedrichs des Gro\u00dfen, er\u00f6ffnet: Durch eine Verneigung Hitlers vor dem greisen Reichspr\u00e4sidenten wurde eine symboltr\u00e4chtige Kontinuit\u00e4t zwischen der Kaiserzeit und dem Dritten Reich hergestellt und Hindenburgs hohes Ansehen f\u00fcr das neue Regime instrumentalisiert und vereinnahmt. Hindenburg reagierte zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt auf die Huldigung Hitlers.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn den letzten Lebensmonaten ist Hindenburg teils infolge Nachlassens seiner Kraft, teils infolge der von Hitler bewerkstelligten Isolierung schon mehr und mehr ausgeschaltet gewesen\u201c, so Conze. Er verfasste noch ein \u201epolitisches Testament\u201c, in dem er Hitler pers\u00f6nlich die Wiedereinf\u00fchrung der Monarchie empfahl. Mit seinem Tode sollte das Amt des Reichspr\u00e4sidenten erl\u00f6schen, das auf Grund eines schon vorher verabschiedeten Gesetzes mit dem des Reichskanzlers vereinigt wurde &#8211; die Reichswehr leistet nun ihren Eid auf Hitlers Person. Hindenburgs l\u00e4ngst erhoffter Tod am 2. August in Neudeck s\u00fcdlich von Danzig gab Hitler den Weg noch unbehinderter als zuvor frei. Er wird auf Hitlers Betreiben im Denkmal von Tannenberg beigesetzt. Anfang 1945 wurden nach einer Irrfahrt \u00fcber K\u00f6nigsberg und Stettin seine Gebeine nebst vielen anderen historischen Relikten im th\u00fcringischen Bernterode eingelagert, dort von der US-Army entdeckt und nach Marburg gebracht. Dort fanden Hindenburg und seine Frau in der Nordturmkapelle der Elisabethkirche ihre letzte Ruhest\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Russian_prisoners_tannenberg-3.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Russian_prisoners_tannenberg-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6426\"\/><\/a><figcaption>Beisetzung im Tannenberg-Denkmal- Quelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-2006-0429-502 \/ CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=5348669 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Seiner \u00dcberzeugung nach st\u00f6ren Parteien den \u201eZusammenhalt der Nation\u201c. Nach dem \u201eEisernen Kanzler\u201c Bismarck galt er als \u201eEiserner Feldherr\u201c, ja \u201eErsatzkaiser\u201c. Seine Bedeutung sei jedoch nach dem 1. Weltkrieg von einem gro\u00dfen Teil der Nation \u00fcbersch\u00e4tzt worden, bilanziert Conze. 1925 &#8211; 33 sei er \u00fcberfordert gewesen, \u201eals er aus dem milit\u00e4rischen Bereich herauszutreten und eine politische F\u00fchrungsrolle zu spielen gen\u00f6tigt war. Sein Ausharren im Dienst, inmitten einer weithin fremden, ja zum Teil von ihm missachteten Umwelt, hat zum Scheitern der demokratischen Republik beigetragen\u201c. So war \u201eder im Kriege gefeierte Feldherr als Greis in eine f\u00fcr ihn ausweglose Tragik verstrickt gewesen\u201c. Die innere Einigung der Nation, wie sie angeblich bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 existiert hatte, konnte seiner Ansicht nach nur wieder gelingen, wenn die nationalsozialistische Bewegung mit eingebunden und so die v\u00f6llig zerstrittene politische Rechte zusammengef\u00fchrt werde. Das gelang \u2013 mit verheerenden Konsequenzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er siegte bei Tannenberg, behauptete die Dolchsto\u00df-Legende und ist der einzige direkt vom Volk gew\u00e4hlte deutsche Pr\u00e4sident: Paul von Hindenburg. Jetzt feierte er seinen 175. 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