{"id":6633,"date":"2025-02-17T17:17:18","date_gmt":"2025-02-17T16:17:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6633"},"modified":"2025-02-17T20:47:17","modified_gmt":"2025-02-17T19:47:17","slug":"die-nsdap-war-weder-links-noch-eine-unterschichtspartei-nein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=6633","title":{"rendered":"\u201eDie NSDAP war weder links noch eine Unterschichtspartei.\u201c Nein!"},"content":{"rendered":"\n<p>Anfang Februar ver\u00f6ffentlichte die FAZ ein <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/welche-rolle-spielt-geschichtspolitik-in-strategien-der-neuen-rechten-und-populisten-110281300.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Interview<\/a> von Julia Encke mit dem Historiker Volker Wei\u00df mit der o.g. Schlagzeile, das mich zu folgendem Leserbrief herausforderte: <\/p>\n\n\n\n<p>Wer so einen Unsinn behauptet, mag sich gern Publizist nennen \u2013 Historiker ist er nicht. Vorab: Oswald Spengler, dem man Zeitzeugenschaft schwerlich absprechen kann, bezeichnete einst die NSDAP als \u201eOrganisation der Arbeitslosen durch die Arbeitsscheuen\u201c. Das ist auch kein Wunder, da die Organisation aus drei Gr\u00fcnden attraktiv war: Sie bot Struktur und \u201eSinn\u201c in einer Zeit der Perspektivlosigkeit, daneben Kameradschaft und ein Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl f\u00fcr sozial Ausgegrenzte, vor allem M\u00e4nner, und \u00fcberdies Machtgef\u00fchl durch Uniformen und Gewaltbereitschaft. Nach Kater war die NSDAP schon in ihrer Entstehungsphase eine Organisation, in der die Angeh\u00f6rigen der selbst\u00e4ndigen und unselbst\u00e4ndigen Mittelklasse eindeutig \u00fcberrepr\u00e4sentiert gewesen sind; wobei die unteren Schichten \u2013 Handwerker, kleine Kaufleute und Beamte \u2013 weitaus st\u00e4rker vertreten waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Grunds\u00e4tzlichen in gebotener K\u00fcrze, und ich bediene mich hier gern bei Jan Fleischhauer und Michael Klonovsky: Auch Wei\u00df scheitert an der Aufgabe, im Wort Nationalsozialismus das Wort Sozialismus unsichtbar zu machen, um es als Begriff zu retten; das funktionierte \u00fcbrigens auch bei Volks-Genosse nur unzureichend: Ein Kompositum besteht aus dem Grundwort und dem Bestimmungswort, das Grundwort lautet: Sozialismus. Um es loszuwerden \u2013 und keineswegs nur, weil es bequemer ist und plastischer klingt \u2013, hat sich die Bezeichnung \u201eNazis\u201c durchgesetzt. Bereits das 25-Punkte-Programm der NSDAP von 1920 verk\u00fcndete als Motto \u201eGemeinnutz vor Eigennutz\u201c und fordert u.a. die Verstaatlichung von Betrieben \u2013 w\u00f6rtlich hie\u00df es etwas wirr \u201eVerstaatlichung aller (bisher) bereits vergesellschafteten (Trust) Betriebe\u201c \u2013, Gewinnbeteiligung an Gro\u00dfbetrieben sowie eine Bodenreform. Auf einer NSDAP-Veranstaltung am 16. Februar 1923 hatte Hitler angek\u00fcndigt: \u201eDas Kapital muss Dienerin des Staates werden und nicht die Beherrscherin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSDSDS.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"606\" height=\"374\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSDSDS.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6637\" srcset=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSDSDS.jpg 606w, https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/DSDSDS-300x185.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 606px) 100vw, 606px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wei\u00df und sein j\u00fcngstes Werk: Anlass des Interviews<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In einer Rede zum 1. Mai 1927 erkl\u00e4rte er: \u201eWir sind Sozialisten, wir sind Feinde der heutigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung f\u00fcr die Ausbeutung der wirtschaftlich Schwachen.\u201d \u201eWir sind Sozialisten\u201c, echote Joseph Goebbels am 16. Juli 1928 im \u201eAngriff\u201c und f\u00fchrte aus: \u201eDer Sozialismus ist die Befreiungslehre des Arbeitertums\u201d, der \u201eAufstieg des vierten Standes und seine Einf\u00fcgung in den politischen Organismus unseres Vaterlandes\u201d sei \u201eunl\u00f6sbar mit der Brechung des gegenw\u00e4rtigen Sklavenzustandes und der Wiedergewinnung der deutschen Freiheit auf das Innigste verkn\u00fcpft\u201d. In Karl L\u00f6ws \u00fcber zwei Millionen Mal verkauften Propagandawerk \u201eDer verratene Sozialismus\u201c (erschienen 1938 im Nibelungen-Verlag) wird Hitler gefeiert als gr\u00f6\u00dfter Sozialist aller Zeiten. Der Nibelungen-Verlag unterstand direkt dem Reichsministerium f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von diesen und weiteren Zitaten, seien Wei\u00df und allen anderen Lechts-Rinks-Adepten nur die wichtigsten Fakten referiert: Der 1. Mai wird auch heute bis weit in linke Kreise hinein in Ehren gehalten, dabei geht seine Einrichtung als Nationalfeiertag auf die Nazis zur\u00fcck. Auch der Muttertag wird unverdrossen gefeiert. \u00dcberhaupt sind wir bei der \u00dcbernahme sozialer Errungenschaften 1945 relativ gro\u00dfz\u00fcgig verfahren, wie man bei G\u00f6tz Aly in seinem Standardwerk \u201eHitlers Volksstaat\u201c nachlesen kann. Als aufrechter Antifaschist m\u00fcsste man den Mietendeckel eigentlich ebenso boykottieren wie eine Reichensteuer. Die Nazis haben nicht nur die Grundz\u00fcge des Rentensystems gelegt, das dann nach dem Krieg z\u00fcgig ausgebaut wurde. Auch die Ausweitung von Arbeitnehmerrechten, der Mieterschutz und die Familienf\u00f6rderung lagen ihnen am Herzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer wei\u00df heute noch, dass eines der ersten NS-Gesetze die Zugriffsm\u00f6glichkeit von Gl\u00e4ubigern gegen Schuldner beschr\u00e4nkte? Mietsteigerungen waren ab sofort komplett verboten. Und als die Nazis mit Beginn des Krieges einen Kriegszuschlag auf alle Einkommen verf\u00fcgten, waren die Freibetr\u00e4ge mit R\u00fccksicht auf die Normalverdiener so gestaltet, dass die Erh\u00f6hung auf eine Reichensteuer hinauslief, die nur die obersten vier Prozent der Einkommensteuerpflichtigen betraf.<\/p>\n\n\n\n<p>1934 trat im Reich der \u201eNeue Plan\u201c in Kraft, der die Kontrolle des gesamten Au\u00dfenhandels durch 25 nach Branchen unterschiedene \u201e\u00dcberwachungsstellen\u201c anordnete. Der Staat \u00fcbernahm damit das Au\u00dfenhandelsmonopol und entschied \u00fcber s\u00e4mtliche Investitionen \u2013 und das, ohne die Unternehmen zu enteignen. Ebenfalls 1934 wurde das \u201eGesetz zur Ordnung der Nationalen Arbeit\u201c verabschiedet, dessen Inkrafttreten das Wirtschaftsleben praktisch gleichschaltete. Der Unternehmer besa\u00df zwar innerbetrieblich uneingeschr\u00e4nkte Weisungsbefugnis, war jedoch an die Vorgaben eines \u201eTreuh\u00e4nders der Arbeit\u201c gebunden, eines Staatsbeamten, der Arbeitszeiten, Lohnh\u00f6he und die konkrete Arbeitsgestaltung diktieren konnte. Das Gesetz st\u00e4rkte zugleich die Befugnisse des Staates und schw\u00e4chte die Rechte von Unternehmern und Arbeitnehmern. In einer Rede zum hundertj\u00e4hrigen Bestehen der deutschen Eisenbahn anno 1935 pries Hitler die Reichsbahn als \u201edas erste ganz gro\u00dfe sozialistische Unternehmen\u201c und stellte sie \u201eden Gesichtspunkten der Vertretung reinkapitalistischer Eigeninteressen\u201c gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Dritten Reich wurden L\u00f6hne und Preise staatlich festgelegt; seit 1936 gab es einen \u201eReichskommissar f\u00fcr die Preisbildung\u201c. Unternehmer, die staatliche Planvorgaben missachteten, konnten sich vor dem Volksgerichtshof wiederfinden. Hitler drohte am 17. Dezember 1936 in einer Rede vor Industriellen: \u201eDas Wort unm\u00f6glich gibt es hier nicht, ich werde nicht l\u00e4nger die Praxis des Kapitalismus dulden, sich Besitztitel f\u00fcr Bodensch\u00e4tze zu verschaffen, die man dann ungenutzt liegen l\u00e4sst, weil ihr Abbau nicht profitabel erscheint. Erforderlichenfalls werde ich solche Vorkommen vom Staat beschlagnahmen lassen.\u201c Hermann G\u00f6ring sekundierte seinem Chef am 16. Juni 1937 in einer Rede vor Stahlunternehmen mit der Ank\u00fcndigung, wenn sie sich weiterhin weigerten, dann \u201enehmen wir Ihnen das Erz ab und machen es selbst\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon am 20. Februar 1937, in seiner Rede zur Er\u00f6ffnung der Internationalen Automobilausstellung, forderte Hitler, das Reich m\u00fcsse bei der Treibstoff- und Gummiherstellung binnen zweier Jahre vom Ausland unabh\u00e4ngig werden: \u201eEntweder die sogenannte freie Wirtschaft ist f\u00e4hig, diese Probleme zu l\u00f6sen, oder sie ist es nicht f\u00e4hig, als freie Wirtschaft weiterzubestehen!\u201c Goebbels notierte am 16. M\u00e4rz desselben Jahres in sein Tagebuch: \u201eBeim F\u00fchrer Mittag. Gro\u00dfe Tischrunde: es geht m\u00e4chtig gegen die sogen. Wirtschaftsf\u00fchrer los. Sie haben keine Ahnung von wirklicher National\u00f6konomie. Sie sind dumm, egoistisch, unnational und borniert eingebildet. Sie m\u00f6chten gerne den 4 Jahresplan sabotieren aus lauter Feigheit und Denkfaulheit. Aber sie m\u00fcssen nun.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00d6konom und Soziologe Friedrich Pollock, Mitgr\u00fcnder des Instituts f\u00fcr Sozialforschung in Frankfurt am Main und als Jude 1933 in die USA emigriert, konstatierte 1941, die Funktion des Privateigentums in Deutschland habe sich grundlegend ver\u00e4ndert, \u201eselbst den m\u00e4chtigsten Konzernen\u201c habe die NS-Regierung das Recht aberkannt, dort zu investieren, wo man die h\u00f6chsten Profite erwarte, und die Produktion dort zu unterbrechen, wo sie unrentabel werde; gegen\u00fcber den Entscheidungen des Regimes sei \u201eder Eigentumstitel machtlos\u201c geworden. Im Krieg wurde der Ton noch sch\u00e4rfer. In Goebbels Tagebuch hei\u00dft es unter dem 14. Februar 1942, der F\u00fchrer habe erkl\u00e4rt, \u201edass die Unternehmer, die sich den von uns gegebenen Richtlinien nicht f\u00fcgen wollen, ihre Betriebe zu verlieren haben, ohne R\u00fccksicht darauf, ob sie dabei wirtschaftlich zugrunde gehen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Nichts ist durchsichtiger interessengeleitet als die linke Theorie, die Nazis seien nur die Agenten des Gro\u00dfkapitals gewesen. In der Kriegswirtschaft war der Staatssozialismus bereits hergestellt. Um die Kapitalisten zu einfachen Volksgenossen gleichzuschalten und de facto zu enteignen, das hei\u00dft komplett der staatlichen Kontrolle zu unterwerfen, fehlte allein der \u201eEndsieg\u201d. Betrachtet man das \u00f6ffentliche Erscheinungsbild des Dritten Reichs, dann findet sich kaum ein Unterschied zu den kommunistischen Diktaturen des Ostblocks: Es gibt nur eine Partei; deren Herrschaft ist absolut, wenngleich die wirkliche Macht \u2013 bis \u00fcber Leben und Tod aller \u2013 von einem kleinen Kl\u00fcngel innerhalb der Parteif\u00fchrung ausge\u00fcbt wird; das gesamte gesellschaftliche Leben ist nach milit\u00e4rischem Muster durchorganisiert, das Leben des Einzelnen desgleichen; bereits die Kinder stecken in Einheitskleidung; das Kollektiv ist absolut, der Einzelne demgegen\u00fcber nichts; eine F\u00fclle von zentralistischen Organisationen saugt die Menschen auf und bestimmt \u00fcber ihren Tagesablauf; die \u00f6ffentliche Meinung ist gleichgeschaltet; rund um die Uhr l\u00e4uft Propaganda, regelm\u00e4\u00dfig gibt es Massenkundgebungen und Aufm\u00e4rsche, \u00fcberall sieht man Fahnen, allerdings nicht die nationalen, Parolen und Uniformen. Dazu passt, dass Hitler st\u00e4ndig Uniform trug, wie Stalin, wie Mao, wie Pol Pot, Fidel Castro oder Kim Jong-il auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn allen Sozialisten sind drei Dinge gemeinsam. Sie verlangen das Primat des Staates gegen\u00fcber der Wirtschaft. Sie wollen die Menschen in ihrem Machtbereich sozialisieren, das hei\u00dft: dem Staat unterwerfen, entprivatisieren, entindividualisieren, zu gleichen, gehorsamen Gliedern der Gesellschaft machen; ob als Volksgemeinschaft oder die Gemeinschaft der Woken, ist einerlei. Und sie glauben, dass die Entwicklung der Gesellschaft menschlicher Planung zug\u00e4nglich ist und deshalb keineswegs dem Zufall \u2013 etwa dem chaotischen Markt \u2013 \u00fcberlassen werden darf. Der Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises, einer der bedeutendsten \u00d6konomen des 20. Jahrhunderts, der als Jude in die USA emigrierte, hat schon fr\u00fch gute \u00f6konomische Argumente f\u00fcr den sozialistischen Charakter der braunen Diktatur vorgetragen. Einer seiner Sch\u00fcler, der Wirtschaftsprofessor Georg Reisman, f\u00fchrt dazu aus: \u201eGrund der Annahme, Nazi-Deutschland sei kapitalistisch gewesen, ist die Tatsache, dass die meisten Unternehmen in Nazi-Deutschland formal in privaten H\u00e4nden verblieben. Mises betont hingegen, dass das Privateigentum an den Produktionsmitteln unter den Nazis nur dem Namen nach existierte, dies Eigentum aber tats\u00e4chlich beim Staat lag. Denn der deutsche Staat, nicht der nominelle Privateigent\u00fcmer, verf\u00fcgte \u00fcber alle wesentliche Macht an den Produktionsmitteln; der Staat bestimmte, was in welcher Menge und auf welche Art zu produzieren war und wem die Produkte zugeteilt werden sollten; er bestimmte auch, welche Preise zu verlangen, welche Geh\u00e4lter zu bezahlen und welche Dividenden oder andere Einkommen den nominellen Privateigent\u00fcmern zu beziehen erlaubt waren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Armin Mohler, der das Dritte Reich als Zeitzeuge erlebt hat, berichtet in seinem Essay \u201eDer faschistische Stil\u201d, wie er 1942 w\u00e4hrend seines Studiums in Berlin \u201egegen\u00fcber einem h\u00f6heren Hochschulbeamten\u201d den Namen Ernst J\u00fcnger erw\u00e4hnt habe, woraufhin der Mann, \u201eein linientreuer Nationalsozialist\u201d, ihn misstrauisch angeblickt und \u201emit tadelndem Unterton\u201d gesagt habe: \u201eJ\u00fcnger ist ein Faschist!\u201d Und sogleich als Erkl\u00e4rung nachschob: \u201eJ\u00fcnger k\u00e4mpft nicht f\u00fcr sein Volk \u2013 im Kriege k\u00e4mpfte er um des K\u00e4mpfens willen.\u201d Hellh\u00f6rig geworden, so Mohler, habe er in der Folgezeit festgestellt, dass die Vokabel \u201efaschistisch\u201d im internen Gebrauch der Nationalsozialisten der \u201egeistige(n) Diskriminierung\u201d diente. Faschistisch zu sein, war \u201eundeutsch\u201d. Es waren Nationalsozialisten, die im Juli 1934 in Wien den faschistischen Kanzler Engelbert Dollfu\u00df ermordeten. Das hing im Wesentlichen damit zusammen, dass der Faschismus im Gegensatz zum Nationalsozialismus klerikal, international, elit\u00e4r, \u00e4sthetizistisch und tats\u00e4chlich rechts war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHitler ist keineswegs so leicht als extrem rechts im politischen Spektrum einzuordnen, wie viele Leute es heute zu tun gewohnt sind\u201d, notierte Sebastian Haffner in seinen ber\u00fchmten \u201eAnmerkungen zu Hitler\u201d (M\u00fcnchen 1977). \u201eEr war nat\u00fcrlich kein Demokrat, aber er war ein Populist: ein Mann, der seine Macht auf Massen st\u00fctzte, nicht auf Eliten; in gewissem Sinne ein zu absoluter Macht gelangter Volkstribun. Sein wichtigstes Herrschaftsmittel war Demagogie, und sein Herrschaftsinstrument war keine gegliederte Hierarchie, sondern ein chaotisches B\u00fcndel unkoordinierter, nur durch seine Person an der Spitze zusammengehaltener Massenorganisationen. Alles eher \u201alinke\u2018 als \u201arechte\u2018 Z\u00fcge.\u201d Und zum Schluss mag Joachim C. Fest zu Wort kommen: \u201eDer auffallendste Unterschied bleibt, dass der Nationalsozialismus sich schon im Programm unmenschlich ausnahm, w\u00e4hrend der Sozialismus in verschiedenen humanit\u00e4ren Maskeraden auftrat. Zu lernen ist aus dieser Erfahrung, dass alle Ideologien, was immer sie den Menschen weismachen, nie halten, was sie versprechen. Auf dem Papier wirken sie stellenweise verf\u00fchrerisch. Aber wer genauer hinsieht, entdeckt im Hintergrund all der idyllisch-egalit\u00e4ren Kulissen stets das nackte Grauen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Februar ver\u00f6ffentlichte die FAZ ein Interview von Julia Encke mit dem Historiker Volker Wei\u00df mit der Schlagzeile \u201eDie NSDAP war weder links noch eine Unterschichtspartei\u201c, das mich zu folgendem Leserbrief herausforderte: <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6633"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6633"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6633\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6639,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6633\/revisions\/6639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6633"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6633"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}