{"id":7337,"date":"2026-03-19T12:59:19","date_gmt":"2026-03-19T11:59:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=7337"},"modified":"2026-04-07T05:51:15","modified_gmt":"2026-04-07T04:51:15","slug":"wiederwahl-im-sturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/?p=7337","title":{"rendered":"Wiederwahl im Sturm"},"content":{"rendered":"\n<p>Norbert Himmler ist vom <em>ZDF<\/em>-Fernsehrat erneut zum Intendanten gew\u00e4hlt worden &#8211; ohne Gegenkandidat, mit einem Fast-DDR-Ergebnis. In ruhigen Zeiten w\u00e4re das eine Personalie, ein Verwaltungsakt im Binnenraum eines Apparats, der sich \u00fcber Gremien legitimiert, die ihrerseits selten im Rampenlicht stehen. In diesen Tagen ist es ein Signal. Denn die Wiederwahl f\u00e4llt in eine Phase, in der das ZDF nicht \u00fcber programmliche Geschmacksfragen stolpert, sondern \u00fcber die Grundbedingung seiner Sonderstellung: Glaubw\u00fcrdigkeit im Nachrichtengesch\u00e4ft, Integrit\u00e4t im Umgang mit Bildern, Transparenz bei Fehlern und \u2013 vor allem \u2013 die F\u00e4higkeit, Kritik auszuhalten, ohne in Frontlogik zu verfallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade deshalb ist Himmlers Antrittsrede f\u00fcr die zweite Amtszeit so aufschlussreich. Sie wirkt wie eine Selbstbeschreibung, die das, was viele seit Jahren vermuten, offen ausspricht: Der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk versteht sich zunehmend nicht als pluralistische Dienstleistung, sondern als Koordinator eines Milieus, als Werteinstanz und als Machtfaktor in einem politischen Deutungskampf. Wer sich so definiert, hat nicht einfach Kritiker. Er hat Feinde.<\/p>\n\n\n\n<p>Himmler k\u00fcndigte an, die Zusammenarbeit mit \u201eQualit\u00e4tsmedien\u201c zu intensivieren \u2013 mit Medien, die \u201eunsere Werte auch gemeinsam teilen\u201c. Die Schl\u00fcsselformel ist nicht \u201eQualit\u00e4t\u201c, sondern \u201egemeinsam teilen\u201c. Qualit\u00e4t ist hier nicht mehr prim\u00e4r eine handwerkliche Kategorie (Belegpflicht, Quellenpr\u00fcfung, Korrekturmechanik, Gegenpr\u00fcfung), sondern eine weltanschauliche: Qualit\u00e4t als Wertekompatibilit\u00e4t. Damit \u00e4ndert sich die Achse, entlang der Medienkritik und Medienpartnerschaft legitimiert werden. Wer denselben Wertekern teilt, gilt als \u201eQualit\u00e4tsmedium\u201c; wer ihn nicht teilt, steht au\u00dferhalb \u2013 selbst dann, wenn er formal sauber arbeitet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/image-1.png\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"573\" src=\"https:\/\/www.dr-thomas-hartung.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/image-1-1024x573.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7338\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Screenshot von Himmlers Rede bie NIUS  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Verschiebung ist nicht harmlos. Ein \u00f6ffentlich-rechtlicher Sender hat nicht den Auftrag, eine Wertegemeinschaft zu bilden, sondern eine \u00d6ffentlichkeit zu bedienen, die gerade keine Wertegemeinschaft ist, sondern eine konflikthafte, pluralistische Gesellschaft. Dort gibt es konkurrierende Priorit\u00e4ten, Deutungen, Interessen, Weltbilder. Der \u00d6RR ist nur so lange legitim, wie er sich nicht mit einem Lager identifiziert. \u201eGemeinsam geteilte Werte\u201c als Kooperationskriterium ist jedoch die Sprache eines Lagers, nicht die Sprache eines Forums.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch deutlicher wird es in der n\u00e4chsten Formulierung: Mit Printmedien, die \u201eauf derselben journalistischen Linie\u201c l\u00e4gen, wolle man \u201eenger und effizienter\u201c kooperieren. \u201eLinie\u201c ist ein Organisationswort. Es sagt: Es gibt eine Richtung, und diese Richtung soll effizient umgesetzt werden. In pluraler \u00d6ffentlichkeit ist Effizienz kein H\u00f6chstwert; ein St\u00fcck Reibung, Vielfalt, Querulanz ist kein Unfall, sondern Zweck. Wer Effizienz im Verbund der Gleichgesinnten anstrebt, baut kein Forum, sondern einen Block.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Feind als Kategorie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Satz \u201eDer Feind sitzt schlichtweg woanders\u201c markiert den Bruch. Ein Intendant, der Feinde benennt, spricht nicht wie ein Journalist, sondern wie ein Funktion\u00e4r. \u201eFeind\u201c ist keine Kategorie der Kritik, sondern der Front. Kritik verlangt Argument, Beleg, Widerlegung. Feindsprache verlangt Abwehr, Delegitimierung, Ausschluss. Und im System des \u00d6RR ist diese Feindsprache besonders brisant, weil der Sender nicht freiwillig finanziert wird. Der B\u00fcrger kann den Rundfunkbeitrag nicht abbestellen; er muss zahlen, auch wenn die Anstalt ihn rhetorisch in eine Wertefront hineinzieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer ist dieser Feind? Es seien \u201esogenannte Medien\u201c, die \u201eso einseitig berichten, dass das mit Journalismus nichts mehr zu tun hat\u201c. Das ist Exkommunikation. Nicht: \u201eIhr irrt.\u201c Sondern: \u201eIhr seid keine Medien.\u201c Damit wird dem Gegner der Status als legitimer Teilnehmer entzogen. Noch weiter geht die Behauptung, diese Medien bek\u00e4mpften \u201ekritischen, professionellen Journalismus mit allen Mitteln\u201c, h\u00e4tten eine \u201eerodierende Wirkung auf die Gesellschaft\u201c und zerst\u00f6rten den \u201ecommon ground f\u00fcr ein demokratisches Miteinander\u201c. Das ist die typische Umkehrformel des Apparats: Kritik am eigenen Produkt wird als Angriff auf die Gesellschaft \u00fcbersetzt; Konkurrenz wird als Gef\u00e4hrdung moralisiert; die eigene Rolle wird vom Anbieter zur Schutzmacht \u00fcberh\u00f6ht.<\/p>\n\n\n\n<p>In liberaler Ordnung ist der \u201ecommon ground\u201c nicht Einigkeit, sondern Regelbindung: Gewaltverzicht, Rechtsstaat, Wahlen, Rede und Gegenrede. Wer den common ground an einen bestimmten Typus \u201eprofessionellen Journalismus\u201c bindet und diesen wiederum \u00fcber \u201eWerte\u201c und \u201eLinie\u201c definiert, verwandelt Demokratie in eine Haltungsordnung. Pluralit\u00e4t darf dann nur noch innerhalb eines moralisch bereinigten Spektrums stattfinden. Das ist nicht Stabilit\u00e4t, das ist immunisierte \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Skandal 1: KI-Bilder und das Ende der Evidenz-Disziplin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund bekommen die <em>ZDF<\/em>-Skandale der letzten Tage ein anderes Gewicht. Sie sind nicht blo\u00df Peinlichkeiten; sie sind Symptome eines Selbstverst\u00e4ndnisses, das sich vom Verfahren weg und zur Wirkung hin verschiebt. Der erste Skandal \u2013 und der gravierendste im Kernbereich \u2013 betrifft den Umgang mit Bildmaterial im <em>heute journal<\/em>. Dort wurden KI-generierte Bilder in einem Beitrag \u00fcber ICE-Eins\u00e4tze in den USA verwendet, ohne klare Kennzeichnung; zus\u00e4tzlich wurde Archivmaterial in einer Weise eingebunden, die beim Publikum den Eindruck eines aktuellen Vorgangs erzeugen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <em>ZDF<\/em> r\u00e4umte Fehler ein, doch die Nachkommunikation wirkte widerspr\u00fcchlich und l\u00f6ste neue Fragen aus: Welche internen Regeln gelten? Warum wurden sie offenbar nicht eingehalten? Warum war die Transparenz erst nachtr\u00e4glich, nicht in der Sendung selbst, gegeben? Ein Leitnachrichtenformat, das synthetische Bilder ohne eindeutige Markierung nutzt, trifft den empfindlichsten Nerv der Gegenwart: die Unterscheidung von dokumentierter Wirklichkeit und erzeugter Illustration.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade der \u00d6RR beansprucht seine Sonderstellung mit dem Argument, Bollwerk gegen Desinformation, Filterblasen und Manipulation zu sein. Wenn dann ausgerechnet sein Flaggschiffformat die Evidenz-Disziplin schleifen l\u00e4sst, ist der Schaden nicht additiv, sondern strukturell: Der Sender besch\u00e4digt sein Alleinstellungsmerkmal. Es geht nicht um \u201eKI ist b\u00f6se\u201c. Es geht um die Norm, die in Nachrichten absolut sein muss: Herkunftssicherheit und Kennzeichnungspflicht. Wer diese Norm auch nur einmal relativiert, l\u00e4dt den Verdacht ein, dass Wirkung vor Wahrheit rangiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Skandal 2: Leaks, Krisensitzung, innerer Vertrauenszerfall<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Skandal ist institutionell mindestens ebenso aufschlussreich wie die Panne selbst: Es kam zu internen Krisensitzungen, deren Inhalte nach au\u00dfen drangen: Ein anonymer Mitarbeiter hat die Krisensitzung zum Eklat mitgefilmt und die Aufnahme an externe Medien weitergereicht. Darin ist etwa <em>ZDF<\/em>-Chefredakteurin Bettina Schausten zu sehen, wie sie sagt, die KI-Bilder seien \u201cwissentlich\u201d verwendet worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraufhin wandte sich das Personalratsmitglied Hubert Krech in einem Beitrag im Intranet \u2013 dem internen Kommunikationsnetzwerk des Senders \u2013 direkt an den anonymen Informanten. Dieser habe mit dem Leak \u201eTausenden von Kolleginnen und Kollegen ins Gesicht gespuckt\u201c, schrieb Krech laut <em>Spiegel<\/em>. Krech warf der Quelle des Leaks vor, sie habe \u201eKolleginnen und Kollegen Portalen preisgegeben, die einen Krieg gegen uns f\u00fchren\u201c. F\u00fcr Gegner des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks sei diese Person lediglich ein \u201en\u00fctzlicher Idiot\u201c. Der Beitrag erhielt im Intranet fast 600 Likes \u2013 ein interner Rekord beim ZDF.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich eskalierte intern die Suche nach dem \u201eMaulwurf\u201c, mit \u00f6ffentlicher Emp\u00f6rung und Abwehrreflexen. Berichte \u00fcber den Inhalt der Mitschnitte \u2013 etwa, wer was wann wusste und warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden \u2013 verwandelten die redaktionelle Panne in eine Organisationskrise. Hier zeigt sich die innere Verfassung eines Apparats. In einer Kultur funktionierender Selbstkorrektur w\u00e4re ein Leak nicht notwendig, weil interne Aufkl\u00e4rung glaubw\u00fcrdig w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Leaks sind oft das Symptom eines Vertrauensdefizits: Mitarbeiter glauben, dass intern besch\u00f6nigt, gedeckelt oder politisch rationalisiert wird, und suchen deshalb externe \u00d6ffentlichkeit als Hebel. Das ist der Punkt, an dem man nicht mehr \u00fcber einen Beitrag spricht, sondern \u00fcber ein System: Wer sich nach au\u00dfen als moralische Instanz gegen \u201eFake News\u201c positioniert, muss nach innen die radikalste Transparenz- und Fehlerkultur leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn stattdessen Leaks, Loyalit\u00e4tsdebatten und Intranet-Schlachten dominieren, entsteht ein Bild des Apparats, der Kontrolle \u00fcber seine Narrative mit H\u00e4rte verteidigt \u2013 gerade weil er ihnen nicht mehr vertraut. Und genau hier ber\u00fchrt sich der Skandal mit Himmlers Rede: Wer Kritik als feindlichen Angriff versteht, erzeugt in der Organisation eine Atmosph\u00e4re, in der Fehler nicht offen bearbeitet, sondern politisch abgesichert werden m\u00fcssen. Dann wird Aufkl\u00e4rung riskant, und der Leak wird zur Gegenmacht \u2013 ein h\u00e4ssliches, aber folgerichtiges Korrektiv.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Skandal 3: \u201eFeind\u201c-Rhetorik im ZDF-Umfeld und die Normalisierung des Ausnahmezustands<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Skandal ist kulturell-politisch: die Normalisierung von Feindrhetorik im Umfeld des ZDF, exemplarisch durch \u00c4u\u00dferungen, in denen alternative oder digitale Medien als \u201eFeinde der Demokratie\u201c bezeichnet wurden. So entsteht ein Klima, in dem \u201eFeind\u201c als legitime Kategorie des \u00f6ffentlichen Gespr\u00e4chs gilt. \u201cAusgerechnet das Milieu, das dauernd \u00fcber \u2018Hass und Hetze\u2019 flennt, normalisiert die D\u00e4monisierung kritischer Journalisten und markiert sie als Ziel\u201d, \u00e4rgert sich Pauline Voss auf <em>X<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Normalisierung, die kurz zuvor im selben Sender mit dem Auftritt des schleswig-holsteinischen Ministerpr\u00e4sidenten Daniel G\u00fcnther bei<em> Markus Lanz<\/em> begann, ist der Kern des Freiheitsproblems. Denn in einer liberalen Medienordnung gibt es Gegner, Konkurrenten, Kritiker \u2013 aber keine Feinde im Sinne von auszuschlie\u00dfenden Akteuren, solange sie sich im Rahmen des Rechts bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer \u201eFeind\u201c sagt, setzt eine Ausnahme, die die Regeln selbst suspendiert: Der Feind muss nicht widerlegt, sondern bek\u00e4mpft werden. Genau das spiegelt Himmlers Rede, wenn sie \u201esogenannte Medien\u201c als gesellschaftserodierend markiert und als Zerst\u00f6rer des demokratischen common ground beschreibt. Das ist die Grammatik des Ausnahmezustands \u2013 \u00fcbertragen auf \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Konstellation wird doppelt ironisch: W\u00e4hrend alternative Medien als Gefahr gerahmt werden, war es zugleich ein solcher Akteur, an den interne <em>ZDF<\/em>-Mitschnitte gelangten. Der Apparat erzeugt durch Abwehrreflexe genau jene Parallel\u00f6ffentlichkeiten, die er anschlie\u00dfend als Feindbild ben\u00f6tigt. Er ruft den Gegner herbei, indem er ihn moralisch absolut setzt. \u201cWenn ein mit Zwangsbeitragsgeldern hochbezahlter Anstaltsfunktion\u00e4r wie Himmler von freien Medien als dem \u2018Feind\u2019 spricht, dann ist diese Anstalt &#8211; Himmlers ZDF &#8211; zum Feind der Freiheit geworden\u201d, konstatiert Alexander Kissler auf <em>X<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Wiederwahl als Best\u00e4tigung eines Blocks<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fast zu Petitessen werden da zwei Fehler, die der <em>ZDF<\/em>-Fernsehrat nicht umhinkam zu r\u00fcgen. Fernsehr\u00e4tin Christine Richter als Vertreterin des Berliner Senats sei bei der Berichterstattung zur Baden-W\u00fcrttemberg-Wahl \u201edann doch ein bisschen erschrocken\u201c: eine mehrfach gezeigte Grafik zur Sitzverteilung im Landtag stellte die AfD mit 35 Sitzen etwa so gro\u00df dar wie die SPD mit zehn Sitzen. Und in einem Beitrag \u00fcber die weltweit gr\u00f6\u00dften Waffenexporteure zeigte das <em>Heute Journal<\/em> eine Grafik, in der Frankreich pl\u00f6tzlich unter russischer Flagge und Italien unter franz\u00f6sischer Flagge erschien.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund ist Himmlers Wiederwahl nicht nur ein Personalvotum, sondern eine Best\u00e4tigung des Kurses. Der Fernsehrat signalisiert: Der Apparat h\u00e4lt seine Linie f\u00fcr richtig, auch wenn die j\u00fcngsten Ereignisse zeigen, dass die Linie in eine gef\u00e4hrliche Richtung kippen kann \u2013 weg von evidenzbasierter Demut, hin zu wertebasierter Koalitionsbildung und feindbasierter Selbstdefinition.<\/p>\n\n\n\n<p>Der rechtsintellektuelle Kern ist deshalb nat\u00fcrlich die Frage nach der Legitimation eines zwangsfinanzierten Medienapparats. Zwangsfinanzierung ist nur dort gerechtfertigt, wo Selbstbegrenzung, Pluralit\u00e4t und Verfahrenstreue maximal sind. Wer hingegen eine Wertegemeinschaft organisiert (\u201eunsere Werte\u201c), eine Linie formt (\u201ederselbe journalistische Linie\u201c), Effizienz im Gleichklang sucht (\u201eenger und effizienter\u201c) und Gegner als Feinde markiert (\u201eFeind sitzt woanders\u201c), verwandelt den Rundfunkbeitrag in die Finanzierung eines Blocks.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Moment wird der \u00d6RR nicht mehr \u201e\u00f6ffentlich-rechtlich\u201c im urspr\u00fcnglichen Sinn, sondern \u00f6ffentlich-politisch: ein Machtzentrum, das sich als Instanz der Demokratie versteht \u2013 und deshalb glaubt, Kritik an ihm sei Kritik an der Demokratie. Das ist die gef\u00e4hrlichste Selbstt\u00e4uschung moderner Institutionen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Ma\u00dfstab hei\u00dft Freiheit, nicht Wertegemeinschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine freie Ordnung braucht Medienvielfalt und Konkurrenz, auch scharfe Konkurrenz. Sie braucht Fehlerkultur statt Bannspruch. Sie braucht Korrektur durch Gegen\u00f6ffentlichkeit, weil Apparate ohne Gegenmacht tr\u00e4ge werden. Und sie braucht vor allem die sprachliche Abr\u00fcstung: Ein zwangsfinanziertes Leitmedium hat kein Recht auf Feindbilder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei Skandale \u2013 KI-Bilder ohne klare Kennzeichnung, innerer Vertrauenszerfall mit Leaks und Abwehrreflexen, Normalisierung von \u201eFeind\u201c-Rhetorik \u2013 sind deshalb kein Zufall, sondern eine Spur. Sie f\u00fchren zu einer einzigen Frage, die die Wiederwahl im Sturm unausweichlich macht: Will das <em>ZDF<\/em> Informationsmedium sein oder politische Macht?<\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Bolz bejahte das auf <em>X<\/em> umgehend: \u201cDie Freund-Feind-Unterscheidung von Herrn Himmler macht sehr sch\u00f6n deutlich, dass sich der \u00d6RR nicht als Informationsmedium, sondern als politische Macht versteht\u201d. Das h\u00e4tte er falsch verstanden, entgegnet prompt der ehemalige <em>SWR<\/em>-Chefredakteur Fritz Frey. \u201cDer ZDF-Intendant unterscheidet zwischen Medien, die sich der Demokratie verpflichtet f\u00fchlen und Medien, die die parlamentarische Demokratie zerst\u00f6ren wollen. F\u00fcr Letztgenannte sind freie Medien Gegner, die es zu eliminieren gilt.\u201d Zerst\u00f6ren, eliminieren&#8230; Julius Streicher w\u00e4re stolz auf solche Medienfunktion\u00e4re! Welche Medien die &#8222;parlamentarische Demokratie zerst\u00f6ren&#8220; wollen, sagt Frey selbstredend nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Informationsmedium reagiert auf solche Krisen mit Transparenz, Selbstbegrenzung, sichtbarer Pluralit\u00e4tskorrektur und strikter Evidenzdisziplin. Eine Macht reagiert mit Blockbildung, Effizienz im Gleichklang, moralischer Delegitimierung der Konkurrenz und Feindkonstruktion. Himmlers Rede \u2013 in den zitierten Formeln \u2013 klingt nach Letzterem. Und wenn das stimmt, dann ist nicht \u201eder Feind\u201c irgendwo drau\u00dfen. Dann sitzt das Problem dort, wo Zwangsbeitr\u00e4ge in Deutungshoheit verwandelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk versteht sich zunehmend nicht als pluralistische Dienstleistung, sondern als Koordinator eines Milieus, als Werteinstanz und als Machtfaktor in einem politischen Deutungskampf. Wer sich so definiert, hat nicht einfach Kritiker. 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