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Archiv für die 'Massenmediales' Kategorie

Der Literatur der beiden deutschen Staaten war oft eine politische Dimension eigenen, manche Texte ohne sie kaum verständlich, das betraf etwa die frühe DDR-Science Fiction (del Antonio, Weise…) ebenso wie die Agit-Prop-Szene der BRD (Kittner, Süverkrüp…). Von Anbeginn steht dabei der Begriff „Tendenzdichtung“ im Raum: solche Texte seien nicht mit den Ansprüchen autonomer Kunst zu vereinbaren, denn die affirmative Rhetorik von „Parteilichkeit“ lässt immer die Instrumentalisierung unterschiedlicher Macht- und Interessengruppen durchblicken. So sei Dichtung kein angemessenes Medium für Politik, Politik kein angemessener Inhalt für Dichtung. Die Tage kurz vor der Bundestagswahl zeigen anhand zweier Jugendbücher, dass diese Vorwürfe durchaus gerechtfertigt sind, befassen sie sich doch mehr oder weniger explizit mit der AfD und verfolgen ganz eindeutig eine politische Mission: vor dieser Partei zu warnen.

Ungeheuerliches ist geschehen. Bereits zwei AfD-Bundesvorstände haben zugegeben, dass sie Döner lieben. DÖNER! Wo kämen wir denn da hin, wenn die Spitze einer ach so homophoben Partei eine Muselspeise mag? Die mediale Aufregung war eine maßlose.

„Die AfD will den Einfluss der Parteien auf das Kulturleben zurückdrängen, gemeinnützige private Kulturstiftungen und bürgerschaftliche Kulturinitiativen stärken und die Kulturpolitik generell an fachlichen Qualitätskriterien und ökonomischer Vernunft anstatt an politischen Opportunitäten ausrichten.“ Wie ich diesen Satz unseres Programms beim MDR verteidigte, ist hier nachzuhören.

Je kürzer, desto besser

Der Psychoanalytiker Karl Abraham hat schon vor 100 Jahren behauptet, dass der Name oft zum Schicksal seiner Patienten passt. Da könnte was dran sein.

Zum Monatsbeginn machten in der Presse zwei Briefe an zwei Kinder die Runde, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Den einen, fiktiven, an Fraukes Sohn Ferdinand dachte sich im Namen der Mutter (!!!) ein FAZ-Redakteur aus, der nicht den Arsch in der Hose hatte, seinen Namen preiszugeben. Den anderen, realen an das afghanische Flüchtlingsmädchen Modina schrieb Eva Quistorp, 72jährige, ledige, kinderlose Grünen-Mitgründerin, und publizierte ihn in der WELT. In der Zusammenschau beider Texte ergibt sich ein verheerendes Bild unserer bundesdeutschen Demokratie, die sich offenbar darin gefällt, von moralisierenden, gesinnungsethischen Traumtänzern bespaßt, nicht aber, realpolitisch angemessen regiert zu werden. Das ASA-Editorial 31 ist übrigens eine Kurzfassung dieses Textes, daher teile ich es diese Woche nicht.

Wir sollten mal wieder über Literatur, genauer: über „Konkrete Poesie“ nachdenken. Das ist eine lyrische Form, bei der es weniger um den Inhalt von Sprache geht und mehr darum, Wörter anschaulich aneinanderzureihen. Der Dichter Eugen Gomringer, einer der bedeutendsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur seit den Fünfzigerjahren, gilt als ihr Initiator und gewann u.a. 2011 den Poetik-Preis der Berliner Alice Salomon Hochschule in Berlin-Hellersdorf, an der mehr als 2500 Studenten Bachelor- sowie Masterstudiengänge für Soziale Arbeit, den Gesundheitsbereich sowie Erziehung und Bildung belegen. Der heute 92jährige gab eines seiner berühmtesten (vor rund 70 Jahren in Spanisch geschriebenen) Gedichte für die Südfassade der Hochschule her, in schwarzen Lettern ragt es dort in den Himmel. Der Inhalt: Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer. Dieses Gedicht soll jetzt, nennen wir es: modifiziert werden – wegen Sexismus-Vorwürfen.

Es gibt weltweit etwa 2,5 Milliarden Menschen, die derzeit keinen Zugang zu Toiletten haben. Deutschland dagegen, wo 1860 auf Schloss Ehrenburg in Coburg die erste, heute selbstverständliche Toilette mit Wasserspülung in Betrieb ging, leistet sich Luxusprobleme, die ob ihrer Dekadenz in der Regel nur grünen Hirnen entspringen konnten.

ASA-Editorial 29-2017

Wir sollten mal wieder über den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk nachdenken. Erst hatte es das ZDF in die Schlagzeilen des Boulevards geschafft: mit der Meldung, dass eine Schmonzette im vietnamesischen Dschungel nicht fertig gedreht werden konnte. Grund: die sehr hohen Temperaturen verursachten bei der Hauptdarstellerin einen Hitzschlag. Die Produktion und ihr Ausfall kosten den Gebührenzahler mehrere hunderttausend Euro, eine genaue Zahl will das ZDF nicht nennen.

ASA-Editorial 27-2017

Wir sollten über die Kulturgeschichte der Toilette nachdenken. Auf den Gemeinschaftsklos im alten Rom hat man im doppelten Wortsinn große Geschäfte gemacht: es wurde nicht nur gekotet, sondern auch gehandelt. Auf Kaiser Vespasians Latrinensteuer geht die Redewendung „Pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht) zurück. Sicher nahm Sachsens Grünen-Fraktion diese Tradition zum Anlass, im August in einem Schreiben an die Landtagsverwaltung ihre Wünsche hinsichtlich des steuerzahlerfinanzierten Umbaus des Plenargebäudes 2018 zu äußern. Sie wünscht sich in den Toiletten: Aktenablagen.

Wir sollten nochmal über Hamburg und den G 20 Gipfel nachdenken. Waren es nun 5.000 oder mehr militante autonome Linke, die durch die zweitgrößte Stadt Deutschland zogen? Die genaue Zahl ist einerlei, taten sie doch exakt das, was die Polizei befürchtet hat: sie steckten Autos in Brand, auch von normalen Familien und alten Frauen, zertrümmerten Scheiben und griffen gezielt Polizisten an. 476 Beamte waren verletzt worden bei diesem dreitägigen Chaos-Event, das den Steuerzahler laut „FR“ mindestens 130 Millionen Euro kostete.

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