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Archiv für die 'Massenmediales' Kategorie

Radka Denemarkovás Frankfurter Buchmessenrede feiert den Universalismus. Der gerät dort aber in Widersprüche, wo Geschichte, Demokratie und geistige Freiheit nicht mehr ins gewünschte Weltbild passen.

Das E steht für „einfach“ oder „experimentell“. Es könnte aber ebenso gut für „Entzug“ stehen: von jener Vorstellung nämlich, dass wirtschaftlicher Fortschritt auch einen Fortschritt der alltäglichen Lebensverhältnisse bedeuten müsse. Weniger Steckdosen, einfachere technische Ausstattung, geringere Anforderungen an bestimmte Komfortmerkmale, möglicherweise auch Abstriche beim Schallschutz: Was bislang zur gewohnten Ausstattung zeitgemäßer Wohnungen gehörte, wird neuerdings als Kostentreiber entdeckt.

Damit begegnen sich zwei Erscheinungen derselben politischen Kultur: eine Industriepolitik, die Wettbewerbsfähigkeit dem moralischen Gestaltungsanspruch unterordnet, und ein Wirtschaftsverständnis, das politische Gesinnung zum Kriterium geschäftlicher Beziehungen erhebt. Die Fabrik wird zweitrangig. Entscheidend ist die Haltung.

Das Problem besteht nicht darin, dass Künstler politische Meinungen äußern. Es besteht darin, dass ihre kulturelle Prominenz zur Ersatzlegitimation für wirtschaftspolitische Forderungen wird. Wer Vergesellschaftung fordert, müsste ihre Folgen erläutern. Wer von Demokratie spricht, müsste die Grenzen demokratischer Verfügungsmacht anerkennen.

Lesch sagte da sinngemäß: Wer heute noch Kernkraftwerke errichte, sei nicht bei Verstand – es sei denn, er wolle damit Material für Atomwaffen gewinnen. So ungefähr lautet die Botschaft des Professors. Sie ist weniger eine physikalische Erkenntnis als eine intellektuelle Exkommunikation.

Wenn es ein gutes Deutschland gibt, wer gehört dann zum schlechten? Wer entscheidet darüber, und nach welchen Maßstäben?

Die Vorstellung, Dschingis Khan habe die Erderwärmung beendet, konstruiert somit einen direkten Zusammenhang zwischen zwei historischen Entwicklungen, deren zeitliche Nachbarschaft allein kein Beweis ist. Korrelation bedeutet nicht Kausalität.

Die Pointe dieses Vorgangs liegt darin, dass hier ausgerechnet derjenige, der einer Historikerin altklug historische Unkenntnis vorwirft, selbst einer falschen historischen Zuschreibung aufsitzt. Denn nicht Joseph Goebbels hat den Begriff „Journaille“ geprägt.

Ob eine heutige Partei verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, lässt sich an ihren Programmen, ihrem Verhalten und rechtlich relevanten Bestrebungen untersuchen. Die Frage wird nicht dadurch beantwortet, dass in einem Landkreis vor neunzig Jahren eine andere Partei erfolgreich war.

Niemand muss ernsthaft annehmen, eine „scharfe Kathi“ sei eine gesellschaftspolitische Aussage über Frauen, ebenso wenig wie die „Memme“ ein wissenschaftlicher Befund über männliche Feigheit ist. Die Namen bedienen sich jener volkstümlichen Anzüglichkeit, die seit Generationen zum Repertoire von Wirtshäusern, Schlagern, Karneval und Unterhaltungskultur gehört.

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